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Bewertungen

Insgesamt 268 Bewertungen
Bewertung vom 26.03.2015
Die kulinarischen Anwendungsmöglichkeiten einer Kanonenkugel
Brown, Eli

Die kulinarischen Anwendungsmöglichkeiten einer Kanonenkugel


sehr gut

Piraten ahoi!

England, 1819: Owen Wedgwood lebt und arbeitet glücklich und zufrieden als Koch für den wohlhabenden und einflussreichen Lord Ramsey. Das Kochen ist nicht nur Beruf für Wedgwood, sondern Passion und eine Kunstform. Doch im August 1819 nimmt Wedgwoods Leben eine schicksalhafte Wendung: Die berüchtigte Piratin Hanna Mabbot überfällt den Sommersitz von Lord Ramsey, mäht den Arbeitgeber des Kochs mit mehreren Schüssen nieder und entführt ihn auf ihr Schiff, die Flying Rose. Nach einigen Tagen in einer kargen und feuchten Zelle macht Captain Mabbot Owen Wedgwood ein Angebot: Er soll jeden Sonntag für sie ein exquisites Menü kochen und sich so sein Leben für die nächste Woche verdienen. Dies stellt den Koch vor schier unlösbare Schwierigkeiten, denn wie kommt man auf einem Piratenschiff, das auf offener See kreuzt, an frische Zutaten für Gerichte, die die Piratin zufrieden stellen würden?

Die Geschichte um den Koch Owen Wedgwood, der auf ein Piratenschiff entführt und mit allen Widrigkeiten eines rauen Lebens auf See konfrontiert wird, beginnt mit seiner Entführung aus England und spielt dann hauptsächlich auf dem Piratenschiff Flying Rose. Umgeben von einer raubeinigen Piratenmannschaft und einer knallharten Kapitänin, muss sich der eher weiche und gutmütige Koch durchbeißen, wobei er sich in einem langen und eher schleichenden Prozess den Respekt der Piraten erwerben kann. Das Leben auf See ist hart, die wenigen Landgänge spärlich gesät, doch dies macht meiner Meinung nach eine gute Piratengeschichte aus: Viel Schiff, viel Meer, viel Kampf und viele raue Gesellen. Und natürlich eine Jagd nach einem Phantom, nämlich dem Brass Fox, dem Hanna Mabbot versucht habhaft zu werden.

Das Buch ist in Tagebuchform verfasst, was mir wirklich gut gefallen hat. Owen Wedgwood schreibt seine Erlebnisse auf dem Piratenschiff haargenau nieder und lässt uns so an seinen Abenteuern teilhaben. Der Schreibstil selber ist sehr flüssig und strotzt nur so vor Sarkasmus und Humor. Wedgwood muss ein sehr humorvoller Mann sein, denn er erzählt mit einem Augenzwinkern und legt richtig viel Galgenhumor an den Tag, um nicht völlig durchzudrehen.

Owen Wedgwood ist natürlich die Hauptperson und ein richtig guter Koch. Mit welcher Findigkeit er aus den kargen und einseitigen Vorräten, sowie den widrigen Umständen in der Kombüse auf einem Piratenschiff, Gerichte zaubert, bei denen einem beim Lesen das Wasser im Mund zusammenläuft, ist wirklich erstaunlich! Kein Wunder dass Hanna Mabbot Gefallen an dem jungen Koch findet und ihre sonntäglichen Essensdates bald nicht mehr missen möchte. Mabbot ist eine schöne Frau, aber auch knallhart und respekteinflößend. Schließlich muss sie eine Mannschaft aus knallharten Piraten befehligen. Zur Seite steht ihr Mr. Appels, ihre rechte Hand und eine weitere interessante Persönlichkeit auf dem Schiff, die ich sehr gerne mochte.

Der Schutzumschlag des gebundenen Buches ist meiner Meinung nach sehr ansprechend gestaltet. Vor einem auberginefarbenen Hintergrund hebt sich das Piratenzeichen, ein Totenschädel mit gekreuzten Klingen ab. Nur dass der Totenschädel eine Kochmütze trägt und anstelle des zweiten Säbels einen Kochlöffel bekommen hat. Unter dem langen und interessanten Buchtitel findet man noch eine rote Rose.

Fazit: „Die kulinarischen Anwendungsmöglichkeiten einer Kanonenkugel“ von Eli Brown ist eine humorvolle und skurrile Piratengeschichte, die mich mit ihrem Setting und den wunderbaren Protagonisten überzeugt hat. Dieser tollen Abwechslung zu meinem üblichen Lesestoff gebe ich herzliche vier von fünf Sternen!

Bewertung vom 15.03.2015
Das Spiel der Spiele / Wild Cards Bd.1
Martin, George R. R.

Das Spiel der Spiele / Wild Cards Bd.1


ausgezeichnet

Superheldencasting und Nahostkonflikt

In Amerikas größtem Casting Event der Neuzeit soll der „American Hero“ gefunden werden. Den größten Superhelden, unter der Vielzahl an Superhelden, die die USA bevölkern und dem ein saftiges Preisgeld winkt. In den 1940er Jahren ist ein Alienraumschiff auf die Erde gestürzt und hat das Wild Card Virus freigesetzt, von dem die gesamte Menschheit betroffen ist. Die Verlierer starben sofort, die Joker verwandelten sich zu merkwürdigen Kreaturen und die Asse bekamen plötzlich Superkräfte. Einige der interessantesten Asse dürfen sich nun bei der Reality Show „American Hero“ messen. Doch nicht alle Asse sind oberflächliche Mediensternchen, sondern sie greifen in einen laufenden Nahostkonflikt ein und versuchen das Blatt für die betroffene Minderheit von Jokern zu wenden.

Vorweg ist zur „Wild Cards“-Reihe zu sagen, dass dies keinesfalls der erste Band der Reihe ist, wie ich zuerst auch irrtümlich glaubte. Es handelt sich bei „Das Spiel der Spiele“ um die Übersetzung des 18. Bandes „Insight Straight“, an dem George R.R. Martin nur einen relativ kleinen Anteil hat. Ich finde, man kann das Buch trotzdem gut lesen, auch ohne die Vorgängerbände zu kennen, auch wenn ich ab und zu mal das Gefühl hatte, dass hinter der Story noch mehr steckte, als ich in diesem Buch lesen konnte. Viele verschiedene Autoren haben diese Geschichte geschrieben, wobei jeder Autor einen eigenen Charakter entwickeln durfte. Sehr gut gefallen haben mir die Kapitel, die aus Jonathan Hives‘ Sicht geschrieben wurden, einem Ass, dass sich in tausende Wespen verwandeln kann, ebenso wie ich mich mit Earth Witch, einer Erdverformerin, sehr gut identifizieren konnte.

Den Schreibstil kann man nicht pauschal abhandeln. Da hier einige Autoren am Werk waren und jeder seine Eigenarten hat, die mir mal besser mal weniger gut gefallen haben, kann ich insgesamt sagen, dass das Buch sehr gut zu lesen war. Keiner der Autoren hat mich total abgeschreckt, aber z.B. der Autor der Jonathan Hives-Figur ist mir durch seine humorvolle Art sehr gut im Gedächtnis geblieben. Andere Autoren konnten mich jetzt nicht so mitreißen, aber ich habe das gesamte Buch sehr gerne gelesen und ich vor allem die starke Charakterentwicklung der Figuren hat mir sehr gut gefallen!

Die starken Charaktere waren eindeutig dem Umstand geschuldet, dass jeder der neun Autoren eine Figur entwickelt und dann die Kapitel aus der Sicht dieser Figuren beigesteuert hat. Wie schon oben erwähnt mochte ich Earth Witch und Jonathan Hives am Liebsten, Drummer Boy war der typische Musikstar und ein richtiger Weiberheld. Jonathan Hives ist jetzt zwar nicht der Typ, auf den die Frauen stehen, doch er ist Blogger und berichtet sehr humorvoll über die Show. Auch die anderen Figuren sind eingängig und es macht Spaß ihre Beweggründe zu erfahren.

Das Cover der Klappbroschur ist relativ düster und geheimnisvoll gestaltet. So hat das Buch auch meine Aufmerksamkeit erregt. Auf dem Cover ist das deutsche Ass Lohengrin vor einem schwarzen Hintergrund zu sehen, denn er trägt eine Ritterrüstung und hält eine Karte mit seinem Namen in der Hand. Lohengrin kommt zwar in der Geschichte vor, doch ist keine Hauptfigur, weshalb ich die Wahl als für nicht ganz so geglückt halte. Trotzdem ein gutes Cover!

Fazit: „Wild Cards: Das Spiel der Spiele“ von George R.R. Martin et al. ist ein spannendes Projekt und ich rechne den Autoren ihre Leistung hoch an, nicht nur starke Charaktere entwickelt zu haben, sondern auch die unterschiedlichen Kapitel so in den großen Erzählstrang einfließen zu lassen, dass keine Plottholes oder Ungereimtheiten entstanden sind. Mir hat das Buch großen Spaß gemacht und ich werde auf jeden Fall an dieser Reihe drann bleiben! Ich vergebe fünf von fünf Sternen!

Bewertung vom 25.01.2015
Jump / Das Spiel Bd.1
Silver, Eve

Jump / Das Spiel Bd.1


sehr gut

Jugendliche gegen Alien Invasion

Miki Jones stirbt als sie ein kleines Mädchen von der Straße schubst, weil ein LKW sie zu überfahren droht, doch als Miki erwacht, fühlt sie keine Schmerzen, ist lebendig und für eine Mission eingeteilt, die sie mehr als schockiert: Sie soll zusammen mit ein paar anderen Jugendlichen gegen Außerirdische kämpfen, dann darf sie in ihr Leben zurück. Mit dabei ist auch Luka, ein Klassenkamerad von Miki, der für sie auf die Straße gesprungen ist und verletzt wurde. Doch Miki darf in diesem "Spiel" nicht sterben, denn sonst ist sie auch im wirklichen Leben tot...

Ich bin ohne große Erwartungen an dieses Buch herangegangen und wurde positiv überrascht. Es ist keine anspruchsvolle Lektüre, sondern ein Buch für Zwischendurch, etwas Leichtes, das man gut in Bus oder Bahn oder in der Badewanne lesen kann. Solche Bücher brauche ich auch mal zwischendurch und „JUMP“ ist ein Buch, das wirklich Spaß macht. Zu Beginn dreht sich Mikis Welt um Teenagerprobleme, sie hat Ängste und Nöte und kichernde Freundinnen. Doch dann wird sie in das Spiel hineingezogen und soll Aliens mit tödlichen Quecksilberaugen töten und Punkte sammeln, darf nicht sterben und erhält außerhalb des Spiels weder von Luka noch von ihrem Missionsanführer Jackson irgendwelche befriedigende Auskünfte.

Der Schreibstil des Buches ist sehr einfach gehalten, so dass man wirklich schnell durch die Seiten kommt. Ich empfand ihn als angenehm eben für solch eine Geschichte angemessen, so dass auch jüngere Leser auf ihre Kosten kommen. Die Kampfszenen sind allerdings nicht ganz ohne, hier müssen eben Außerirdische eliminiert werden und das geht nicht ganz gewaltfrei von statten. Die Geschichte blieb die ganze Zeit über interessant und spannend und schafft es, den Leser mitzureißen.

Die Protagonisten sind wirklich interessante Charaktere. Miki ist ein Mädchen, das nicht perfekt ist, sondern unter dem Verlust ihrer Mutter vor einigen Jahren immer noch sehr leidet. Sie hat das Gefühl, nicht richtig fühlen zu können, dass ihre Gefühle nur gedämpft zu ihr durchdringen. Ich mochte sie richtig gern, zumal sie nicht locker lässt, bevor sie Antworten von Luka und Jackson erhält. Luka ist Mikis Klassenkamerad und ein echt netter Kerl. Er möchte Miki nicht im Unklaren lassen und verstößt sogar gegen Regeln, um mit ihr zu reden. Jackson ist der Missionsführer perfekte und gutaussehende Bad Boy in dieser Geschichte und Miki fühlt sich, wie könnte es auch anders sein, zu ihm hingezogen. Mikis beste Freundin Carly, weiß von Mikis Misere nichts, ist aber eine belebende Komponente außerhalb des Spiels.

Das Cover des Taschenbuchs ist relativ nichtssagend und trotzdem ein Eyecatcher. Es ist ganz in Blau gehalten und der Titel ist in durchscheinenden großen Lettern auf der gesamten Front verteilt. Im J befindet sich eine kleine Mädchengestalt, welche Miki darstellen könnte und im P befindet sich eine Jungengestalt. Hier handelt es sich vermutlich um Jackson.

Fazit: „JUMP: Das Spiel“ von Eve Silver ist ein Reihenauftakt zu einer Sci-Fi-Jugendbuchreihe, der zwar nicht unglaublich anspruchsvoll ist, aber total Spaß macht und zu fesseln weiß. Ich vergebe deshalb sehr gute vier von fünf Sternen!

Bewertung vom 23.12.2014
Jamies Quest
Franke, Cornelia; Franke, Dominic

Jamies Quest


gut

Nicht jeder kann ein Held sein

Jamie ist das, was man einen Gamer nennt. Er zieht sich gerne zurück um in seiner Computerspielewelt abzutauchen, doch als er sein neues 3D-Spiel ausprobieren will, geschieht etwas Merkwürdiges: Er findet sich mitten im Spiel wieder und irrt in einem kleinen Wäldchen umher. Plötzlich wird Jamie von riesigen Spinnen verfolgt und kann sich nur mit Müh und Not in ein kleines Bauernhaus retten. Dort trifft er auf einen Jungen, der ihm ansatzweise erklären kann, was hier vor sich geht: Jamie ist wohl ein sogenannter Wanderer, der in Brior eine Aufgabe zu erfüllen hat…

Ich habe unglaublich lange gebraucht, um mich durch dieses Buch zu kämpfen. Ich mag die Ideen, die in der Geschichte stecken, ich mag Jamie und Hannes, doch trotzdem vermochte mich „Jamies Quest“ nicht zu fesseln. Ich habe es schnell wieder zur Seite gelegt, musste mich zwingen weiterzulesen. Mir fehlte in der Geschichte ein Spannungsbogen, der die Handlung vorangetrieben hätte. Irgendwie blieb das Erzähltempo immer gleich, es war zäh und ich habe verschiedene Satzkonstruktionen für mich in Gedanken umstellen müssen, damit der Text runder und stimmiger wird. Weitere Stolpersteine waren, gerade in der ersten Buchhälfte, abrupte Szenenwechsel, die Spannung erzeugen sollten, mich größtenteils aber nur völlig verwirrten. Ich denke, dass diese Fehler durch ein professionelles Lektorat einer dritten, völlig außenstehenden Person, vermeidbar gewesen wären. Ab der Hälfte wurde es aber besser und für mich besser lesbar.

Der Schreibstil des Autorenduos war eigentlich angenehm und nicht kompliziert. Jamie ließ immer wieder Gamer-Sprache einfließen, was aber für die heutige Genration keine Schwierigkeiten darstellen sollte. Brior ist sehr gut und bildlich beschrieben und ich hatte keine Probleme, mir diese Fantasy Welt vorzustellen. Die riesigen Spinnen (Tanteln), mit denen Jamie es das gesamte Buch über zu tun bekommt, haben mich allerdings sehr stark an die tolkienschen Spinnen aus dem Düsterwald erinnert. Leider habe ich den Spannungsbogen vermisst und obwohl es dramatische Situationen auch in der ersten Hälfte der Geschichte gab, kamen sie genauso monoton herüber, wie z.B. Jamie beim Schlafen zuzuschauen. Ab ca. der Mitte zog das Erzähltempo endlich an und ich konnte endlich an der Geschichte dranbleiben, ohne andauernd mit den Gedanken abzuschweifen.

Die Protagonisten riefen bei mir gemischte Gefühle hervor. Jamie und Hannes sind zwei Figuren, die ich sehr ins Herz geschlossen habe. Sie sind wunderbar ausgestaltet, haben ihre Stärken und Schwächen und handeln (meistens) nachvollziehbar. Toll fand ich, dass Jamie auch in Brior nicht zum Übermensch wird, nur weil er dort einen besonderen Satus als Wanderer hat, sondern genauso tollpatschig wie in seiner Welt ist. Er muss über sich hinaus wachsen, wenn er wieder nach Hause will. Hannes ist Jamies treuer Begleiter und hilft ihm oftmals aus der Patsche. Die restlichen Figuren sind leider sehr blass ausgefallen. Vor allem bei Grumdir fand ich es sehr schade, denn er hat doch einen relativ großen Part inne und konnte mich doch nicht überzeugen. Ihm fehlte einfach die Lebendigkeit, ich konnte keine Verbindung zu ihm aufbauen. Es ist nicht schlimm, wenn Figuren undurchsichtig sind, doch sie müssen glaubwürdig sein!

Das Cover des Taschenbuchs ist wirklich toll gestaltet. Man sieht Jamies Silhouette, in der Hand hält er seinen Kampfstab, wie er vor einer Horde wild gewordener Tanteln flieht. Das Cover ist in dunklem Grün gehalten, an den Ecken von goldgelben Ornamenten eingefasst.

Fazit: „Jamies Quest : Aufgabe gesucht“ von Dominic und Cornelia Franke strotzt nur vor guter und fantasievoller Ideen, doch die Umsetzung hat mir oftmals nicht so gut gefallen. Ich hätte mir ein sorgfältigeres Lektorat gewünscht und einen besseren Spannungsaufbau in der ersten Hälfte der Geschichte. Somit kann ich leider, leider nur zweieinhalb von fünf Sternen vergeben.

Bewertung vom 21.12.2014
Kaiser der Dunkelheit / The Broken Empire Bd.3
Lawrence, Mark

Kaiser der Dunkelheit / The Broken Empire Bd.3


ausgezeichnet

Der König der Toten

König Jorg herrscht mittlerweile über sieben Königreiche, trotzdem ist der Prinz von Ankrath nicht zufrieden. Gegen seinen Vater ist er nämlich noch nicht angetreten. Sein Sinnen auf Rache treibt ihn weiter an, lässt ihn nicht ruhen bis er in Veyne ankommt, wo die große Kongression stattfindet, in der die Herrscher ihren neuen Kaiser wählen. Doch unterwegs lauern noch ganz andere Gefahren, eine dunkle Macht, die nach der Welt der Lebenden greift: Der tote König ist auf dem Vormarsch!

Es ist relativ schwierig eine Zusammenfassung zu schreiben ohne zu viel zu verraten, denn schließlich ist es der dritte Band einer Trilogie, der ohne die beiden Vorgängerbände nicht lesbar ist. Ich habe Prinz Jorg von Ankrath nun über drei Bücher begleitet, wie er vom kleinen Jungen zu einem großen König herangereift ist. Doch gut ist er trotzdem nicht, er geht weiterhin über Leichen, ist weiterhin ein Antagonist, auch wenn ich ihn sehr mag! Wie auch der zweite Band wird „Kaiser der Dunkelheit“ mit vielen Rückblenden erzählt, die die Zeit in Jorgs Leben beleuchten, über die eine Lücke in der Geschichte klafft. Ich finde die Erzählweise spannend und kurzweilig und vor allen Dingen erfährt man nochmal mehr über die Erbauer und was eigentlich mit dieser Welt geschehen ist, in der Jorg lebt.

Der Schreibstil ist wie in den Vorgängerbänden sehr flüssig und gut zu lesen. Ich hatte zu Beginn einige Schwierigkeiten wieder in die Geschichte hineinzufinden, weil die Zeit zwischen den Bänden einfach zu lang war. Zwar gibt es eine kurze Zusammenfassung der Ereignisse, trotzdem war das zu wenig! Ich würde jedem empfehlen, alle drei Bücher zeitnah zu lesen, jetzt sind ja alle erschienen. Wer Katherine war wusste ich noch, aber welche Rolle Chella spielte, musste ich mir erst wieder mühsam erarbeiten. Zumal es auch Kapitel gibt, die aus ihrer Sicht geschrieben sind. Insgesamt liest sich das Buch aber genauso gut und genauso toll, wie die beiden Vorherigen. Der Schreibstil ist bildhaft und ich konnte mir alles haargenau vorstellen. Jorg ist fungiert als Ich-Erzähler und lässt einen die Ereignisse hautnah miterleben.

Die Protagonisten sind fast alles alte Bekannte. Sie haben sich ein wenig verändert, dadurch, dass König Jorg und seine Brüder sesshaft geworden sind und nun auf der Spukburg residieren. Doch Jorg ist ein Getriebener, der es nicht lange an der Seite seiner klugen Königin Miana aushält, die ein Kind von ihm erwartet. Trotzdem entwickelt er sich weiter, wächst auf der Reise nach Veyne und vor allem an den Hindernissen, die auf seinem dem Weg liegen. Auch Jorgs Brüder haben sich verändert, doch auf der Straße finden sie bald zu alter Stärke zurück. Der König der Toten hält einige Überraschungen für Jorg bereit!

Das Cover finde ich genauso toll und gut gelungen, wie das der beiden Vorgängerbände. Man sieht Jorg von Hinten, wie er die Kaiserkrone über seinen Kopf hält. Vor ihm ein Berg an mit Schwerter gespickten Leichen. Passend und sehr gut umgesetzt!

Fazit: „Kaiser der Dunkelheit“ von Mark Lawrence ist der fulminante und unschlagbar gute Abschluss einer grandiosen Trilogie um Jorg von Ankrath. Ob Jorg die Kaiserkrone erringt und was der König der Toten mit Jorg zu tun hat, müsst ihr natürlich selber lesen! Ich vergebe wegen der anfänglichen Einstiegsschwierigkeiten in die Geschichte sehr gute 4,5 von fünf Sternen!

Bewertung vom 13.11.2014
Maze Runner - Im Labyrinth / Die Auserwählten Bd.1
Dashner, James

Maze Runner - Im Labyrinth / Die Auserwählten Bd.1


ausgezeichnet

Niemand überlebt eine Nacht im Labyrinth

Thomas erwacht hat in einem Käfig, mitten in der Dunkelheit. Der Käfig fährt nach oben und Thomas landet auf einer Lichtung, umringt von lauter halbwüchsiger Jungs, die ihn anstarren. Anführer Alby gibt sich geheimnisvoll und stellt Thomas, anstatt im Antworten zu geben, den zwölfjährigen Chuck zur Seite. Thomas erkennt schnell, dass die Lichtung von hohen Mauern umgeben ist, hinter denen sich ein Labyrinth befindet. Nach und nach erfährt Thomas, dass die Jungs seit zwei Jahren versuchen einen Ausweg aus dem Labyrinth zu finden – vergebens. Plötzlich fährt der Aufzug erneut nach oben, aber es sind nicht die regelmäßigen Versorgungslieferungen, sondern es befindet sich ein Mensch. Ein bewusstloses Mädchen! Und sie hat einen Zettel in der Hand auf dem steht: Sie ist die Letzte. Für immer. Von diesem Augenblick ändert sich alles für die 50 Jungs auf der Lichtung und ein Ausweg aus dem Labyrinth, in dem sich die grauenerregenden Griewer tummeln, wird immer dringlicher…

Diese Trilogie spielt in einer dystopischen Welt, von der man im ersten Band nur einen klitzekleinen Ausschnitt zu sehen bekommt, denn hauptsächlich spielt sich die Handlung auf der Lichtung und im Labyrinth ab, aus dem Thomas einen Ausweg sucht. Er ist fest entschlossen und schafft es, die anderen Jungs aus ihrem festgefahrenen Rhythmus zu reißen. Das ist natürlich alles andere als leicht, denn es gibt auch Jungs, die sich ihm in den Weg stellen. Für mich war das gesamte Szenario bedrückend, aufregend und interessant. Ich war immer von der Frage getrieben, wer die Jungs einem solchen Experiment, oder was das auch immer sein soll, aussetzt und vor allem warum! Was dann am Ende herauskommt, hat mich wirklich erschüttert!

Der Schreibstil des Autors ist einem Jugendbuch angemessen. Mit unkomplizierten Sätzen und viel Action und Spannung begleiten wir Thomas durch sein Abenteuer, immer auf der Suche nach Antworten. Das ist auch das Besondere daran, dass man nur Stückchen für Stückchen Informationen erhält und sich so langsam an die Wahrheit herantastet. Auch die Beschreibungen der Jungs oder der Lichtung, auf der sie leben, waren für mich stimmig und detailliert genug, um mir alles haargenau vorstellen zu können. Dieses Buch entwickelte beim Lesen einen Sog, dem man sich nicht so leicht entziehen konnte.

Die Figuren waren allesamt sehr glaubwürdig dargestellt und ausgestaltet. Thomas lernt man als Hauptprotagonisten am besten kennen. Er kann sich zwar an nichts aus seinem früheren Leben erinnern, ist aber mutig und schreckt auch nicht vor Schmerzen zurück, wenn es der gemeinsamen Sache dient. Er lässt seine Freunde nicht im Stich und kämpft bis zum bitteren Ende! Auch die Jungs, wie Anführer Alby, sein Stellvertreter Newt oder der Hüter der Läufer Minho sind alle einzigartig und haben mir sehr gut gefallen. Am liebenswertesten war aber der junge Chuck, der in Thomas ein Vorbild und Freund sieht. Teresa, das Mädchen, hätte ich gerne ein wenig besser kennen gelernt, sie kam ein wenig zu kurz, wie ich finde. Aber auch Thomas „Erzfeind“ Gally hatte nachvollziehbare Beweggründe.

Das Cover des gebundenen Buches ist mehr als geheimnisvoll und kommt ohne Schutzumschlag daher. Es ist ganz in Blau gehalten, die Hälfte eines Jungenkopfes ist darauf abgebildet und im Hintergrund ist ein angedeutetes Labyrinth schemenhaft zu erkennen. Mich hätte es spontan nicht angesprochen, doch im Nachhinein gefällt es mir ganz gut.

Fazit: „Die Auserwählten – Im Labyrinth“ von James Dashner ist ein spannungsgeladener Auftakt zu einer dystopischen Trilogie, die vor allem männliche Teenager ansprechen dürfte. Doch auch alle andere Leser/innen, die sich gerne in große Abenteuer stürzen, sind hier vollkommen richtig! Ich vergebe sehr gute viereinhalb von fünf Sternen!

Bewertung vom 19.10.2014
Die verborgenen Pforten - Jakobs Vermächtnis
Kaden, Michelle

Die verborgenen Pforten - Jakobs Vermächtnis


sehr gut

Eine Tür in ein Märchenreich

Janosch zieht mit seiner Mutter nach dem Tod seines Großvaters Jakob in dessen Haus. Doch schon kurz nach dem Umzug tut sich etwas Merkwürdiges in der Abstellkammer: Vier junge Wesen kommen daraus zum Vorschein und stellen sich dem verdutzten Janosch als Vampir Roger, Werwölfin Clara, Prinzessin Leila und Magier Vincent vorstellen, die eigentlich seien Großvater Jakob besuchen wollen. Die Abstellkammer ist nämlich eine verborgene Pforte zu einer parallel existierenden Welt. Schnell wird klar, dass die vier Kinder in der Klemme stecken, und Janoschs Hilfe benötigen, denn sie kommen nicht mehr zurück in ihre Welt. Außerdem werden sie von einem bösen Werwolf bedroht…

„Die verborgenen Pforten“ ist der Auftakt zu einer Kinderbuchreihe, in der sich alles um die geheimen Übergänge zwischen zwei Welten dreht. Unserer Welt und einer Märchenwelt, in der sich Vampire, Werwölfe, Zauberer und Prinzessinnen tummeln. Viel erfährt man in diesem Buch noch nicht über die andere Welt, denn die vier Kinder sitzen ja in Janoschs Haus fest, doch in der anderen Welt machen sich ihre Eltern große Sorgen und suchen nach ihnen. Somit begleitet man viel mehr Janosch auf dem Weg in seine neue Schule und bei dem Versuch neue Freunde in seiner Klasse zu finden. Ganz alltägliche Dinge, die Kinder so machen. Doch zu Hause warten dann die vier Kinder auf ihn, mit denen er versucht einen Weg zurück zu finden.

Der Schreibstil ist wirklich schön und für junge Leser sehr gut geeignet. Die Sätze sind nicht verschachtelt sondern schön kurz und knapp, so dass das Lesen schnell und einfach von statten ging. Ein auktorialer Erzählstil ermöglicht es, auch Blicke in die andere Welt zu den Eltern der verschwundenen Kinder zu werfen und mitzuerleben, welche Anstrengungen sie unternehmen, um ihre Kinder wiederzufinden. Die Autorin schreibt auch sehr bildlich, so dass man sich ganz genau vorstellen konnte, wie das Haus und die Tür oder das Schloss in der anderen Welt aussehen.

Die Protagonisten sind wahrlich kleine Besonderheiten. Janosch selber ist eigentlich ein stinknormaler 14-jähriger, der in seiner neuen Klasse Anschluss sucht und irgendwie den Umzug und den Tod seines Großvaters verdauen muss. Er reagiert, wie man es von einem Kind erwartet, wenn plötzlich vier komisch gekleidete Wesen aus seiner Abstellkammer klettern: Erschrocken, erstaunt und skeptisch. Doch habe ich mir Janosch immer jünger als 14 vorgestellt vielleicht 11 oder 12. Die vier Wesen sind sehr unterschiedlich Prinzessin Leila benimmt sich wie eine Prinzessin, Zauberer Vincent kann eigentlich noch nicht so richtig zaubern, Werwölfin Clara ist recht vorlaut und kriegt sich öfter mit dem Ketchup liebenden Vampir Vincent in die Haare. Alle sind total sympathisch und ich musste sie einfach gern haben!

Das Cover des gebunden Buches mit Lesebändchen finde ich ein wenig unscheinbar, was wirklich schade ist. Wenn man es genau betrachtet, bemerkt man, dass es sehr liebevoll gestaltet und detailliert ist, doch für ein Kinderbuch ein wenig zu farblos. Durch eine halbgeöffnete Tür blickt man in Janoschs Gartenhaus, an dessen Wand ein sehr schönes Bild hängt, dass auch in der Geschichte erwähnt wird, was ich wiederum toll finde.

Fazit: „Die verborgenen Pforten: Jakobs Vermächtnis“ von Michelle Kaden ist ein sehr schöner erster Band einer Kinderbuchreihe, in dem man mit den tollen Hauptfiguren und der Welt vertraut gemacht wird. Das Ende ist so ausgelegt, dass man auf jeden Fall den zweiten Band „Gedankendiebe“ lesen möchte. Ich vergebe wunderbare und kindgerechte vier von fünf Sternen für dieses schöne Kinderbuch!

Bewertung vom 11.10.2014
Collector Bd.1
Heitz, Markus

Collector Bd.1


sehr gut

Gibt es noch Rettung für die Menschheit?

Kris Schmidt-Kneen ist Frachter Pilot auf der Erde und unterwegs zu einem vermeintlich normalen Auftrag. Doch kaum bei den angegebenen Koordinaten angekommen, stellt Kris fest, dass nichts an dem Auftrag normal ist: Er soll für einen Konzern einen außerirdischen Antrieb mit seinem Antigrav-Truck zu einem noch unbekannten Ort schaffen. Trotz Bewachung wird Kris angegriffen und samt Truck und Alien Antrieb ins Weltall entführt. Hier lauert nämlich ein weiterer Wirtschaftskonzern darauf, den Alien Antrieb in die Finger zu bekommen um seine unlauteren Ziele zu verfolgen. Währenddessen nimmt eine hochentwickelte außerirdische Rasse, die Collectors, immer mehr von Menschen besiedelte Planeten „in Obhut“ und schottet sie vom Rest des Universums ab. Kris wird mitten in eine Krise geschleudert, mit der er nichts zu tun haben will und in die sogar seine kleine Tochter Soraya hineingezogen wird.

Markus Heitz bezeichnet seine „Justifiers“-Reihe als eine Space-Opera und das ist es auch. Es gibt Aliens, Betahumanoiden, Roboter, große Raumschiffe und Weltraumschlachten, also alles was das Sci-Fi-Herz begehrt und das ist es auch, was mir an dem Buch so gut gefallen hat. Ich lese leider viel zu selten Science-Fiction, sondern schaue viel mehr Filme und TV-Serien aus diesem Genre, trotzdem bin ich immer wieder begeistert, wenn ich ein Sci-Fi-Buch zwischen die Finger bekomme. Zwischendurch verliert sich „Collector“ zwar in Nebenhandlungssträngen und wird dadurch ein wenig langatmig, doch dies hat mich nicht groß gestört, denn schließlich legt das Buch den Grundstein einer gesamten Reihe und führt das Universum sozusagen ein.

Der Schreibstil des Autors gefällt mir sehr gut und ich lese seine Bücher immer wieder gerne. Er schreibt flüssig, aber auch häufig mit einem ironischen Unterton, der den Geschichten immer dieses gewisse Etwas verleiht, die sie so interessant für mich machen. Heitz schafft es, mich mitten in den Weltraum zu katapultieren, mich auf fremden Planeten Abenteuer erleben zu lassen und außerirdische Rassen so zu beschreiben, als würde ein Film vor meinem inneren Auge ablaufen. Inklusive stimmungsvoller Hintergrundmusik! Manchmal schweift die Story ein wenig ab, der rote Faden zerfasert, aber ich habe es immer geschafft, wieder in die Spur zu kommen, so dass dies zu keinem großen Problem wurde.

Durch die Vielzahl an Charakteren bleiben einige von Ihnen auf der Strecke, doch die Hauptprotagonisten Kris Schmidt-Kneen und Faye Durrick werden gut skizziert und ich konnte eine emotionale Bindung zu den Beiden aufbauen. Gerne wäre ich noch gerne tiefer in die Psyche von Fayes Schwester Nuria Suede, die von einem Driver in Besitz genommen wurde, und dem Chemical „23“, der über starke psionische Fähigkeiten verfügt und so ein Raumschiff steuern kann.

Das Cover der Klappbroschur ist schlicht gehalten. Ganz in schwarz gibt es einen leuchtend gelben Fleck, der, wenn man genau hinschaut, einen Ausblick auf das Weltall bietet und den Buchtitel beinhaltet. Der Name des Autors ist in großen weißen Lettern darüber platziert. Ich mag die Gestaltung!

Fazit: „Collector“ von Markus Heitz ist der spannende Auftakt einer Space-Opera, dem weitere „Justifiers“-Romane von verschiedenen deutschen Fantasy- und Sci-Fi-Autoren nachfolgen. Mir hat das Buch großen Spaß gemacht und ich freue mich auf alle weiteren „Justifers“-Bücher! Somit vergebe ich gute vier von fünf Sternen!