Wunschdenken - Sarrazin, Thilo
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Werden wir gut regiert? Oder bleibt die Politik hinter ihren Möglichkeiten zurück? Und wenn das so ist - woran liegt das? Gibt es Techniken guten Regierens?
In seinem neuen Buch beschreibt Thilo Sarrazin die Mechaniken von Politik, ihre typischen Fehler und die Gründe für den Erfolg oder Misserfolg von Gesellschaften. Er verdeutlicht, warum die Vorstellungen und Träume von einer besseren Gesellschaft oft nichts Gutes hervorgebracht haben.
Von hier schlägt der Autor den Bogen zu den gravierenden Fehlern der aktuellen deutschen Politik von der Einwanderung bis zur Energiewende und erklärt
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Produktbeschreibung
Werden wir gut regiert? Oder bleibt die Politik hinter ihren Möglichkeiten zurück? Und wenn das so ist - woran liegt das? Gibt es Techniken guten Regierens?

In seinem neuen Buch beschreibt Thilo Sarrazin die Mechaniken von Politik, ihre typischen Fehler und die Gründe für den Erfolg oder Misserfolg von Gesellschaften. Er verdeutlicht, warum die Vorstellungen und Träume von einer besseren Gesellschaft oft nichts Gutes hervorgebracht haben.

Von hier schlägt der Autor den Bogen zu den gravierenden Fehlern der aktuellen deutschen Politik von der Einwanderung bis zur Energiewende und erklärt ihre tieferen Ursachen. Auf dieser Grundlage gibt er seine Antworten auf die großen Fragen zur Zukunft Deutschlands.

Wer dieses Buch gelesen hat, wird Politik mit anderen Augen betrachten und besser verstehen, wie politische Fehlentwicklungen zustande kommen und wie sie vermieden werden können.

"Zu lange hat die Politik versäumt, die wirklich wichtigen Fragen zu adressieren. Deutschlands Zukunft wird sich nicht an Genderfragen oder Klimadebatten entscheiden - Deutschlands Zukunft entscheidet sich an den Themen Währung, Einwanderung, Bildung. Damit steht zugleich auch die Zukunft Europas auf dem Spiel." Thilo Sarrazin

Wunschdenken von Thilo Sarrazin – Aus der bücher.de-Redaktion:


Der 71-jährige ehemalige Bundesbankvorstand und SPD-Politiker Thilo Sarrazin hat 2010 mit seinem Buch „Deutschland schafft sich ab“ einen Millionenbestseller gelandet. Es folgten zwei weitere Sachbücher „Europa braucht den Euro nicht“ (2012) und „Der Tugendterror“ (2014), die es ebenfalls an die Spitze der Verkaufslisten schafften. Jedoch erhielt der kontroverse Autor Thilo Sarrazin jede Menge scharfen Widerspruch für seine Islamkritik und seine Thesen zur Vererbung von Intelligenz.

Mit Sicherheit wird auch Sarrazins neues Buch Wunschdenken für reichlich Diskussion sorgen. Angekündigt wurde Wunschdenken als ein Buch, das brisante Fragen zu Themen wie Währung, Bildung und Einwanderung stellt und in diesem Zusammenhang das Scheitern der Politik aufzeigen möchte. Der frühere Berliner Finanzsenator erläutert die Fehler der deutschen Regierung und prognostiziert wohin dies Deutschland führen wird. Auf 576 Seiten stellt der umstrittene Bestsellerautor Thilo Sarrazin Fragen und liefert Antworten zu aktuellen Themen, die Deutschland bewegen.

Wenn Sie mehr über die Sichtweise von Thilo Sarrazin zur politischen Lage Deutschlands erfahren möchten, dann bestellen Sie jetzt sein neues Buch Wunschdenken!
  • Produktdetails
  • Verlag: Dva
  • Seitenzahl: 576
  • 2016
  • Ausstattung/Bilder: 2016. 576 S.
  • Deutsch
  • Abmessung: 221mm x 139mm x 43mm
  • Gewicht: 692g
  • ISBN-13: 9783421046932
  • ISBN-10: 342104693X
  • Best.Nr.: 44526493
Autorenporträt
Thilo Sarrazin, 1945 geboren, ist einer der profiliertesten politischen Köpfe der Republik. Seine fachliche Kompetenz in Finanzfragen gepaart mit dem Mut, unbequeme Wahrheiten auszusprechen, hat ihn in viele wichtige Ämter gebracht. Als Fachökonom war er Spitzenbeamter und Politiker, er war verantwortlich für Konzeption und Durchführung der deutschen Währungsunion, beaufsichtigte die Treuhandanstalt und saß im Vorstand der Deutschen Bahn Netz AG. Von 2002 bis 2009 war er Finanzsenator in Berlin, anschließend eineinhalb Jahre Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank.
Rezensionen
Besprechung von 25.04.2016
Alle Krisen dieser Erde
Thilo Sarrazin schaut diesmal aufs große Ganze. Er will erklären, warum Deutschland aus
seiner Sicht schlecht regiert wird. Wer das für reine Wutbürger-Lektüre hält, macht es sich zu einfach.
Was der Autor schreibt, ist possierlich, furchtbar und gut
VON DETLEF ESSLINGER
Thilo Sarrazin hat wieder ein Buch geschrieben, und wenn alles so läuft, wie es zu laufen hat, kommen nun lauter Verrisse. Zur Geschäftsgrundlage dieses Autors gehört, dass er den „Allein gegen alle“-Status behaupten kann; seine Kritiker wiederum haben sich eingerichtet in der Gewissheit, Teil einer guten Herde zu sein. Alles Stellungen, die man nicht einfach so aufgibt.
  „Wunschdenken“ liegt seit ein paar Tagen in den Läden. Es ist das dritte Buch, das auf „Deutschland schafft sich ab“ folgt; jenen Titel, mit dem Sarrazin sich vor sechs Jahren eine Bekanntheit erschrieb, die normalerweise für einen Ex-Finanzsenator, Ex-Bahn- und Bundesbankvorstand nicht zu erreichen ist. In „Deutschland schafft sich ab“ ging es um Zuwanderung, in „Europa braucht den Euro nicht“ (2012) um eben dies, in „Der neue Tugendterror“ (2014) um Medienkritik – und in „Wunschdenken“ um alles zusammen; außerdem noch um Inklusion, Baurecht, Klimawandel.
  Auf fast 600 Seiten will Sarrazin erklären, warum Deutschland grundsätzlich schlecht regiert werde. Er packt deshalb so viele Themen hinein, weil er zeigen will, dass es immer dieselben Gründe sind, weshalb Politiker viele Probleme nicht lösten, sondern vergrößerten: Unwissenheit, Anmaßung, Bedenkenlosigkeit, Egoismus und Betrug, Selbstbetrug. Sarrazin holt aus. Im theoretischen Teil beginnt er bei Platon, er referiert Thomas Morus, Hayek und Karl Popper. Er stellt Listen mit positiven und mit illegitimen Regierungszielen auf; zu Ersteren zählt er Gesundheit, Arbeit und Effizienz des Staatsapparats, zu Letzteren Herrschsucht, Bereicherung und Bevorzugung des eigenen Clans. Sodann breitet er Fallstudien über politische Fehler sowie ihre Folgen aus. Was Sarrazin schreibt, ist possierlich, furchtbar und gut.
  Nach wie vor macht der Mann es einem schwer, ihm auch nur zuhören zu wollen. Auf die Idee muss man ja erst einmal kommen, als Beleg für die Reformunfähigkeit des griechischen Staates die Expertise der Nazis heranzuziehen, die das Land von 1941 bis 1944 nicht nur besetzten, sondern auch finanziell plünderten: „Es gelang den deutschen Beamten nicht, die Einnahmekraft zu erhöhen.“ Dem Publizisten Götz Kubitschek erteilt er Weihen, indem er ihn in einer Fußnote „konservativ“ nennt – worüber jeder staunen wird, der weiß, dass es sich dabei um einen völkischen Ideologen handelt. Und welche Neigung mögen Klimaschützer verspüren, sich mit Sarrazin auseinanderzusetzen, wenn sie im Kapitel über Utopien diese Verknüpfung lesen dürfen: „Wieder andere sehen die Herrschaft des Kalifats auf der ganzen Welt als das Endziel der Geschichte, und viele glauben an den Untergang der Menschheit, wenn der CO&sub2;-Ausstoß nicht umgehend und drastisch reduziert wird.“
  Über so etwas kann man sich herrlich aufregen – und amüsieren über die Pose, in der der Autor daherkommt. Er bringt viele Beispiele, wie Politik gescheitert ist, und einige, in denen sie erfolgreich war; letztere haben fast alle gemeinsam, dass der Held jeweils Thilo Sarrazin heißt. Sarrazin hat die deutsch-deutsche Währungsunion entworfen, Sarrazin sanierte die Berliner Bankgesellschaft, Sarrazin hätte den Berliner Flughafen gewuppt (hätte Klaus Wowereit auf ihn gehört).
  Aber das Kriterium ist ja nicht, ob sein Autor der größte Regierende Bürgermeister ist, den Berlin nie hatte; von anderen Ämtern – die er sich bestimmt zutrauen würde – ganz zu schweigen. Das Kriterium ist, dass hier ein Autor schreibt, der trotz seiner Unverschämtheiten und Angebereien etwas zu sagen hat. Sarrazin flüchtet nicht in abgedroschene Metaphern, mit denen mittelmäßige Autoren gerne übertünchen, dass sie eine Materie nicht durchdrungen haben. Es schreibt hier auch kein Wutbürger, der sich den Klischees über Politik sowie Verschwörungstheorien ergibt; im Gegenteil. Hier vertritt ein Autor legitime Positionen, die für seine Gegner schon deshalb von Wert sind, weil sie daran ihr eigenes Urteil schärfen können.
  Sarrazin lehnt Angela Merkels Flüchtlingspolitik leidenschaftlich ab. Indem sie jeden durchließ, der die Grenze erreichte, „startete sie das größte Sozialexperiment Europas seit der Russischen Revolution und stellte damit die Existenzvoraussetzung eines jeden Staates – nämlich die Herrschaft über sein Gebiet – grundsätzlich in Frage“. Sarrazin schreibt deshalb dagegen an, weil die Ankömmlinge aus Gesellschaften stammen, die weder Meinungsfreiheit noch ein konkurrenzfähiges Bildungssystem kennen, dafür aber eine Geburtenrate weit oberhalb der deutschen haben. „Wer bestimmte kulturelle und religiöse Einstellungen als mit dem Geist einer offenen Gesellschaft nicht vereinbar ansieht, sollte Wanderungsbewegungen aus einer geschlossenen in eine offene Gesellschaft sorgfältig regulieren und notfalls unterbinden, sonst verbreiten sich gegen die offene Gesellschaft gerichtete Einstellungen genauso schnell wie die Kopftücher auf den Schulhöfen von Neukölln oder Wedding.“ Damit drückt er aus, was so viele Deutsche beschäftigt – aber er argumentiert mit Hilfe von Popper, anstatt sich zu begnügen mit dem Ressentiment.
  Es sollte daher lieber keiner in der AfD auf den Gedanken kommen, beim Parteitag am Wochenende mit dem Buch zu wedeln; nach dem Motto: Seht her, unser Kronzeuge! Denn dieser Kronzeuge (der übrigens immer noch SPD-Mitglied ist) rückt sich zwar selbst ins Zwielicht, indem er dem Kubitschek vom rechten Rand eine freundliche Fußnote spendiert, lehrt dann aber doch, dass Politiker keine abgehobene Kaste von Verrätern bilden, sondern dass es „ein komplexes Wechselspiel ist, in dem sich Gesellschaften und politische Systeme ihre Politiker erschaffen“. Dieser Kronzeuge konzediert, dass die Zustände nicht die Folge von Böswilligkeit dieser Politiker sind, „sondern gleichsam die kostenträchtige Versicherungsprämie gegen die Irrtümer und Fehlentwicklungen einer weniger demokratischen Entwicklung“.
  Das ist eine Basis, auf der man streiten kann. Das ist eine Basis, auf der man jemandem trotzdem Naivität vorwerfen kann, der als einzige Lösung parat hat, Flüchtlinge „an jene Gestade zurückzubringen, von denen sie in See gestochen sind“. Die deutsche Marine sollte also in libyschen oder albanischen Häfen vorfahren? Wer derlei erwägt, muss von dem Gedanken beseelt sein, Europa könne noch ein paar weitere Abenteuer gebrauchen.
  „Ich habe mich bemüht, dem Laster der Besserwisserei nicht nachzugeben“, schreibt Thilo Sarrazin. Aber dass ihm auch noch dies gelingen würde, war nun wirklich nicht zu erwarten.
Merkels Aktion – das
„größte Sozialexperiment Europas
seit der Russischen Revolution“
  
Thilo Sarrazin:
Wunschdenken. Europa, Währung, Bildung,
Einwanderung – warum Politik so häufig scheitert. Deutsche Verlagsanstalt, München 2016.
576 Seiten. 24,99 Euro.
E-Book: 19,99 Euro.
Foto: getty, dpa, Collage: S. Dimitrov
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
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Perlentaucher-Notiz zur FR-Rezension

Nein, der Begriff "Rassismus" fällt in Arno Widmanns Kritik nicht, auch weil Sarrazin die entsprechenden Begriffe bewusst nicht gebraucht - aber der Vorwurf liegt nicht fern: Sarrazin verstehe es, so der Rezensent, "die gröbsten Dummheiten als hart erkämpfte differenzierte Wahrheiten zu verkaufen". Diese Methode pflückt Widmann dann am Beispiel des Begriffs "kognitive Intelligenz" auseinander, mit dem Sarrazin hingebungsvoll operiert: Einwanderer aus muslimischen oder afrikanischen Ländern würden unsere "kognitive Intelligenz" schwächen, so Sarrazin. Aber Widmann weiß, wie umstritten dieser Begriff ist. Schon bei der Anwendung auf einzelne verfängt er nicht, erst recht nicht bei der Anwendung auf Kollektive, von ganzen Völkern nach Art der fragwürdigen "Völkerpsychologie" ganz zu schweigen. "Sarrazin ist ein Besessener", schreibt Widmann abschließend - und dies sei das Geheimnis seines Erfolgs bei gleich gestimmten Lesern, die immer neue Bestätigungen für ihre Ressentiments suchen.

© Perlentaucher Medien GmbH
Besprechung von 30.08.2016
Sarrazins Holzhammer
Warum Politiker so häufig scheitern? Ganz einfach: Weil sie keine Buchautoren sind

Es gibt Bücher, bei denen es sich lohnt, erst einmal abzuwarten, bevor man sich ein Urteil erlaubt, um zu sehen, wie es um die Halbwertzeit steht. Besonders dann, wenn es sich um ein Buch wie das von Thilo Sarrazin handelt, der das "Wunschdenken" in der Politik untersucht und zeigen will, "warum Politik so häufig scheitert". Vor vier Monaten kam es heraus, und seither wurde schon wieder ganz schön häufig gescheitert. Brexit, Türkei, Syrien, Terrorismus, Olympia - und so fort. Wunschdenken, wohin man blickt. Scheitern, so weit das Auge reicht. Insofern: Respekt! Wer hätte zeigen wollen, warum Politik so häufig Erfolg hat, wäre mit seinem Buch sicher auf die Nase gefallen. Aber wäre es deshalb schlechter geworden?

Erst recht fragt man sich das, wenn es um die Themen geht, die sich Sarrazin ausgewählt hat. Den Erfolg des Euros darstellen? Die Blüten des deutschen Bildungssystems? Die deutsche Demographie? Gab es dazu jemals Bücher, die dem Lehrsatz der Literaturkritik folgen: Verrisse schreiben ist ein Kinderspiel, aber loben, das will gekonnt sein?

Sarrazin lobt zwar durchaus, aber meist sich selbst. Drum herum das nackte Scheitern. Wie man überhaupt am Ende dieses Buches vor lauter Fehlern, die gemacht werden, vor lauter offenkundiger Dummheit, die in Deutschland und Europa herrscht, vor lauter Verfall, Schlechtwetter, Jammertal und Sarkasmus ein wenig deprimiert ist und für den Rest seines Lebens eigentlich nur noch Asterix-Hefte lesen möchte. Sarrazin sollte in seinem nächsten Buch wenigstens ein bisschen mehr Humor einbauen.

Vor allem, wenn es um sein Steckenpferd geht, die Erblichkeit. Wir erinnern uns: Vor sechs Jahren legte Sarrazin ein Buch vor, in dem er darin den Grund sah, dass Deutschland sich abschaffe - weil zu viele intelligente Deutsche nicht intelligent genug sind, Kinder haben zu wollen, und zu viele nicht ganz so intelligente Ausländer immerhin so intelligent sind, zu viele, aber leider nicht ganz so intelligente Kinder zu bekommen. Auch in diesem Buch treibt ihn die Frage wieder um, ob Intelligenz nun vererbt wird oder nicht. Zu einem Exkurs in die ethnologische Hirnforschung kommt es nicht, aber es ist doch alle zwanzig Seiten zu spüren, wie wichtig Sarrazin das Thema ist, so wichtig, dass man meinen könnte, er brauche die Gewissheit biologischer Gesetze, um die großen Linien der Politik mit naturwissenschaftlicher Präzision begründen zu können und scheinbar unwiderlegbar zu machen.

Der Leser möge sich das so erklären: Sarrazin ist SPD-Politiker. Ein idealtypischer CDU-Politiker hätte dazu tendiert, sich bei aller Wissenschaftlichkeit, Planbarkeit und Machbarkeit das Restrisiko des Irrtums einzugestehen. Irren ist schließlich menschlich, und deshalb schützt selbst die größte Intelligenz vor politischer Dummheit nicht. Da kommt dann der Humor ins Spiel. Ohne ihn ist das alles (und die Bücher darüber) nämlich kaum zu ertragen, ganz besonders nicht für intelligente Menschen.

Nicht zum Lachen ist sicherlich einer der Schwerpunkte des Buches, die Einwanderungspolitik, die Flüchtlingskrise, das Asylrecht. Obwohl die Angriffsfläche deutscher Politik hier besonders groß ist, bringt es Sarrazin fertig, über das Ziel hinauszuschießen. Sein schärfstes Argument besteht darin, "Rechtsbrüche" der Bundesregierung zu geißeln. Aber wo die liegen sollen, kann er nicht begründen. Hat es sie überhaupt gegeben? Aufschlussreich für die Interessen Sarrazins ist eine Tabelle, die mit dem mathematischen Holzhammer zeigen soll, dass in Deutschland, wenn es so weiterginge wie im Jahr 2015, bald weniger Deutsche als Ausländer leben. Aber geht es so weiter? Nicht erst im April dieses Jahres hätte man wissen können: sicher nicht. Sarrazin gibt das auch zu. Aber warum dann die Tabelle? Wunschdenken, nur negativ?

Die Frage ließe sich auch auf andere Teile des Buches anwenden. Nehmen wir die Bildungspolitik. Sicher: Was hier schiefläuft, liegt (wie so vieles andere, was Sarrazin zusammenträgt) auf der Hand. In der Klage über Kulturföderalismus, Verdummung, Verfall und Gleichmacherei geht aber oft unter, dass der Zentralismus vielleicht auch nicht das Gelbe vom Ei wäre, die Klage über die Verdummung der Schüler so alt ist wie die Schulpflicht und auch so manche bildungspolitische Schlaubergerei aus der liberal-konservativen Ecke, die sich gegen nationale Leistungsschwäche und Gleichmacherei richten sollte, in die Irre geführt hat. Muss deshalb aber immer gleich der Untergang des Abendlandes oder auch nur Deutschlands drohen? Auch hier gilt: Wer so weit geht, setzt sich der Gefahr aus, nur danach zu suchen, was ihm gefällt. Auch so sieht Wunschdenken aus.

Trotzdem hätte man an manchen Stellen lieber mehr Sarrazin gehabt als weniger. Die Asterix-Hefte verlören sofort ihren Reiz, wenn man beispielsweise mehr erfahren hätte über den Satz: "Unter den verlogenen Verwaltungen, die ich in meinem Leben kennengelernt habe, schoss die Berliner Schulverwaltung den Vogel ab." Ja, das wäre doch einmal ein Buch! An anderer Stelle schildert Sarrazin, wie Klaus Wowereit nicht gerade ausgeprägtes Interesse daran zeigte, den Bau des neuen Berliner Flughafens durch eine Personalpolitik zu forcieren, die sich an Kompetenz orientiert. Auch das fiel in die Zeit, als Sarrazin Finanzsenator in Berlin war, und auch da hätte man gerne viel mehr erfahren. Zugegeben: alles Wunschdenken eines kleinmütigen Lesers.

Denn Sarrazin hat sein Buch eine Nummer größer angelegt. Ach was, mindestens zehn Nummern größer! Er beginnt mit Platon und Aristoteles und endet mit grundsätzlichen Ausführungen darüber, was Politik im Innersten zusammenhält, wie sie sich zur Macht, Moral und zur Demokratie verhält. Unter dem Stichwort "politischer Kairos" unternimmt Sarrazin dann noch einmal lesenswerte Ausflüge in die (eigene) Praxis der Politik. Ein "rundes" Werk wird daraus aber nicht, vielmehr das unausgesprochene Eingeständnis, dass Politik doch ganz anders funktioniert, als es Zahlen, Naturgesetze, Statistiken, Wissenschaft und noch so gründlich vererbte Intelligenz eigentlich verlangen. Sie ist nicht das Reich der Notwendigkeiten, sondern der Möglichkeiten. Das unterscheidet den Aktionsradius aktiver Politiker in einer Demokratie ganz wesentlich von dem der Buchautoren, die einmal Politiker waren.

Thilo Sarrazins Buch ist allerdings immer noch geistvoller als viele andere Bücher, die sich auf dem Gebiet wohlfeiler Politikkritik tummeln. Wirklich lernen und verstehen, wie Politik "funktioniert", kann der politisch Interessierte aber auch in seinem Fall allenfalls zwischen den Zeilen - wenn er denn überhaupt dazu kommt, denn schließlich hat er auf jeder Seite alle Hände voll zu tun, seine Vorurteile zu bestätigen. An einer Stelle fällt das meinungsgesättigte Kartenhaus des Lesers dann aber doch krachend wieder zusammen. Er erfährt nämlich ganz nebenbei, dass der Autor in Klasse 11 und 12 die Fächer Physik, Chemie, Biologie und Musik abgewählt hat! Was für ein Kulturverfall, der darin zum Ausdruck kommt! Was für ein Scheitern! Aber er kann so schlimm nicht gewesen sein. Es ist ja dann doch noch etwas aus ihm geworden.

JASPER VON ALTENBOCKUM

Thilo Sarrazin: Wunschdenken. Europa, Währung, Bildung, Einwanderung - warum Politik so häufig scheitert. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2016. 571 S., 24,90 [Euro].

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»Hier vertritt ein Autor legitime Positionen, die für seine Gegner schon deshalb von Wert sind, weil sie daran ihr eigenes Urteil schärfen können.«