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"Ein Mädchen kann nicht Dichterin" werden, hatte der Vater zu ihr gesagt. In "Jugend" zeichnet Tove Ditlevsen das Porträt einer jungen Frau im Kopenhagen der 1930er, die ihren eigenen Weg geht - kraftvoll, wild, lebendig erzählt. "Eine Stimme, deren Kraft wie Dynamit ist." The Times Literary Supplement. "Das Porträt einer Frau, die ihr Leben entschieden zu ihrem eigenen macht. Ein Leben, so frei und ungestüm, ich bin versunken in Tove Ditlevsens Büchern." Nina Hoss. "Eine monumentale Autorin." Patti Smith.…mehr

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Produktbeschreibung
"Ein Mädchen kann nicht Dichterin" werden, hatte der Vater zu ihr gesagt. In "Jugend" zeichnet Tove Ditlevsen das Porträt einer jungen Frau im Kopenhagen der 1930er, die ihren eigenen Weg geht - kraftvoll, wild, lebendig erzählt. "Eine Stimme, deren Kraft wie Dynamit ist." The Times Literary Supplement. "Das Porträt einer Frau, die ihr Leben entschieden zu ihrem eigenen macht. Ein Leben, so frei und ungestüm, ich bin versunken in Tove Ditlevsens Büchern." Nina Hoss. "Eine monumentale Autorin." Patti Smith.
  • Produktdetails
  • Verlag: Aufbau Verlage GmbH
  • Seitenzahl: 154
  • Erscheinungstermin: 15. Februar 2021
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783841226396
  • Artikelnr.: 60626845
Autorenporträt
Tove Ditlevsen (1917-1976), geboren in Kopenhagen, galt lange Zeit als Schriftstellerin, die nicht in die literarischen Kreise ihrer Zeit passte. Sie stammte aus der Arbeiterklasse und schrieb offen über die Höhen und Tiefen ihres Lebens. Heute gilt sie als eine der großen literarischen Stimmen Dänemarks und Vorläuferin von Autorinnen wie Annie Ernaux und Rachel Cusk. Die "Kopenhagen-Trilogie" mit den drei Bänden "Kindheit", "Jugend" und "Abhängigkeit" ist ihr zentrales Werk, in dem sie das Porträt einer Frau schafft, die entschieden darauf besteht, ihr Leben nach den eigenen Vorstellungen zu leben. Die "Kopenhagen-Trilogie" wird derzeit in über zwanzig Sprachen übersetzt.

Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Sehr zitatreich resümiert Rezensent Peter Urban-Halle die drei Bände von Tove Ditlevsens Kopenhagen-Trilogie, um sich dann den dringenden Leseempfehlungen seiner KritikerkollegInnen anzuschließen. Zumindest der dritte Band lag vor 40 Jahren bereits unter dem Titel "Sucht" auf Deutsch vor, aber offenbar war die Zeit noch nicht reif für die Erinnerungen der Dänin, glaubt der Kritiker. Wie Karl Ove Knausgard und Annie Ernaux, als deren Vorläuferin Ditlevsen gilt, seziert sie das eigene Ich, löst sich allerdings nie davon, fährt der Rezensent fort: Ganz gleich, ob die Autorin die Gefühle von Angst und Einsamkeit in Kindheit und Jugend schildert, oder von Affären, Sucht und Abtreibung in den späteren Lebensjahren erzählt, die soziale und politische Realität ist nur als Hintergrundrauschen vernehmbar, erkennt Urban-Halle. Mit der "kühlen Beobachtungsgabe" und "künstlerischen Festigkeit", mit der Ditlevsen ihre widersprüchlichen Gefühle in eine Form bringt, begründet der Kritiker seine Lektüreempfehlung.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 09.03.2021

Vielleicht bist du selbst so kompliziert
Die Erinnerungen der dänischen Dichterin Tove Ditlevsen aus den zwanziger bis vierziger Jahren

Ein jegliches hat seine Zeit, steht bei Salomo, das gilt auch für die Literatur. Auch ein Text - hier sind Übersetzungen gemeint - muss offenbar auf seine Zeit warten, in der seine Stärken oder seine Brisanz erkannt werden können (wenn es nicht nur eine Frage des Zeitgeistes ist). Als 1986 Annie Ernaux' "Das bessere Leben" erschien, war es ein Buch unter vielen; beachtet und geachtet wurde erst die Neuübersetzung von 2019 unter dem (passenderen) Titel "Der Platz". Bei der Dänin Tove Ditlevsen (1917 bis 1976), jetzt als Vorläuferin von Ernaux gehandelt, erleben wir Ähnliches. Der dritte Band ihrer Erinnerungen erschien unter dem Titel "Sucht" schon vor vierzig Jahren auf Deutsch; er wurde kaum bemerkt. Das ist jetzt anders, er ist als "Abhängigkeit" neu übersetzt erschienen, und mit ihm liegen nun auch die beiden anderen autobiographischen Bände vor (der Verlag erklärt die Bücher werbewirksam kurzerhand zu einer "Kopenhagen-Trilogie"). Auf Englisch haben Ditlevsens Erinnerungen in den vergangenen Jahren bereits Furore gemacht. Nun sind auch die deutschen Rezensionen emphatisch. Die Zeit war offenbar reif.

"Am Morgen war die Hoffnung da. Sie saß als flüchtiger Schimmer im glatten, schwarzen Haar meiner Mutter ... und lag mir auf der Zunge wie der Zucker im lauwarmen Haferbrei ... während ich ihre schmalen, gefalteten Hände betrachtete ..." Ausgerechnet der Anfang hat so gar nicht die Schlankheit und Natürlichkeit, für die Tove Ditlevsens Schreibweise sonst gelobt wird. Der drohende Kitsch setzt sich gottlob nicht fort. Ihr Stil ist überwiegend einfach, persönlich und unaffektiert. Die einleitenden Sätze zeigen den Willen der Autorin (die "Kindheit" und "Jugend" im Alter von etwa fünfzig geschrieben hat, "Abhängigkeit" knapp fünf Jahre später), ihr Leben, wie sie es in dieser "Trilogie" beschreibt und wie man es aus anderen Büchern wie "Wilhelms Zimmer" (deutsch 1981) kennt, mit Hilfe teils "zuckriger", teils religiöser Bilder in ein Kunstwerk zu verwandeln und dadurch auf Distanz zu halten.

"Kindheit" handelt von Toves geistigen Überlebensstrategien im engen Milieu des Kopenhagener Arbeiterbezirks Vesterbro der zwanziger Jahre und ihrem ambivalenten Verhältnis zu den grundverschiedenen Eltern. Der Vater ist überzeugter Sozialdemokrat und fleißiger Leser, aber er und seine Tochter finden keinen Zugang zueinander. Die Beziehung zur Mutter ist verbohrt. Das Mädchen will geliebt werden. Aber die Mutter hasst das Lesen: "Was in Büchern steht, ist gelogen." Wenn die erwachsene Autorin an sie zurückdenkt, dann mit "Zorn, Trauer, Mitleid".

Mit zielstrebiger Energie geht die junge Tove ihren Weg als Autorin. Schon als Mädchen will sie nur eins, nämlich schreiben. Aber auch veröffentlichen. Mit vierzehn wagt sie sich mit ihrem Poesiealbum voller Gedichte zu einer Zeitung. Als der Redakteur sie abweist, ist sie am Boden zerstört. Irgendwann lernt sie den Antiquar Krogh kennen, von dem sie sich verstanden fühlt. Ausgerechnet bei ihm, der von lauter Büchern, also Fiktionen, umgeben ist, kommt ihr das Leben "wirklich" vor. Zur Wirklichkeit gehört aber auch noch etwas anderes, was sie von Krogh lernt: dass Menschen einander nützlich sein können. Die Lehre nimmt sie gerne an: "Mir wird immer stärker bewusst, dass ich zu nichts anderem tauge ..., als Worte aneinanderzureihen ... Um das zu können, muss ich die Menschen ... beobachten, in etwa so, als würde ich sie für den späteren Gebrauch in einem Archiv ablegen."

Die soziale und politische Wirklichkeit - Dänemark unter der Regierung des Sozialdemokraten Stauning, die deutsche Besetzung 1940, das Kriegsende - kommt nur am Rande vor. Wenn die Historie eine Rolle spielt, dann in Verbindung mit persönlicher Betroffenheit wie nach dem tragischen Unfalltod des jungen Lyrikers Morten Nielsen. Tove Ditlevsen ist unpolitisch: "Die Wirklichkeit hat mich noch nie interessiert", sagt sie in ihrer "Trilogie", die doch nichts anderes als die Wirklichkeit schildern soll. Aber sie unterscheidet zwischen "Wahrheiten des Herzens" und "grauen Tatsachen". Ihre Wirklichkeit ist seelisch. Sie sucht auch nicht das politische Engagement, sondern geht eher freudianisch vor - obwohl sie "nicht einmal weiß, wer dieser Freud ist". Ängste und Angewohnheiten haben ihren Ursprung in der Kindheit. Diese kann man nicht abschütteln, "sie hängt an einem wie ein Geruch".

An den Grenzen zwischen Kindheit, Jugend und Erwachsensein kommt sie ihrem Inneren am nächsten. An diesen Übergängen sind auch Angst und Einsamkeit am größten, zwei Gefühle, die sie zeitlebens begleiten. Das unterscheidet ihre Erinnerungen von herkömmlichen Autobiographien, die verfasst werden, weil man von der eigenen Wichtigkeit überzeugt ist. Tove Ditlevsen aber schreibt, weil sie wissen will, wer sie ist - ähnlich wie heute der Norweger Knausgård. Aber im Gegensatz zu diesem, der sich in reflexiven Passagen immer wieder vom Ich löst, bleibt das Ich bei Ditlevsen stets Bezugs- und Ausgangspunkt.

1939, am Ende von "Jugend", debütiert sie mit dem Gedichtband "Mädchenseele". Dessen Bilder sind konventionell, Reime und Rhythmus traditionell, die Empfindungen aber echt und ehrlich. Die Gedichte sind auch sentimental, aber nicht kitschig, weil sie nicht falsch sind, sie sind ergreifend, nicht rührselig. Der Kritiker Poul Borum schrieb später: "Sie bringt einen dazu, Sentimentalität als natürliches menschliches Gefühl zu akzeptieren."

Ihr Leben ist voller Widersprüche. Sie hasst Veränderungen, sehnt sich "wie alle jungen Mädchen nach einem Zuhause und einem Mann und Kindern" und will einfach "normal" sein. Gleichzeitig weiß sie natürlich, dass sie eben nicht normal ist und es eigentlich auch nicht sein will. Welche Erleichterung, als sie mit achtzehn Jahren Viggo F. Møller kennenlernt, den Herausgeber der führenden Literaturzeitschrift "Wilder Weizen"! Sie heiratet den rundlichen, alleinstehenden, mehr als dreißig Jahre älteren Herrn. Sie mag ihn, aber sie liebt ihn nicht. Er ist ihr nützlich. Bei ihm kann sie ihre Gedichte publizieren. Und durch ihn und seinen Klub junger Künstler lernt sie Talente kennen, die später berühmt werden sollten: Sonja Hauberg, Halfdan Rasmussen, Ester Nagel, Erik Knudsen, Piet Hein.

Mit Letzterem hat sie eine Affäre, sie trennt sich von Viggo F. und heiratet den Studenten Ebbe, mit dem sie eine Tochter hat. Ein zweites Kind will sie nicht, sie lässt es abtreiben, sie ist erleichtert und schuldbeladen. Ein junger Arzt injiziert ihr das Schmerzmittel Pethidin, von dem sie jahrelang abhängig wird. Er heißt Carl Ryberg, er wird ihr dritter Ehemann. Sie braucht ihn, er verschafft ihr die Seligkeit, den nötigen Abstand zum Alltag. Erst der Journalist Victor Andreasen kann sie zumindest zeitweise retten. Er wird ihr vierter Ehemann.

Irgendwo heißt es einmal sehr richtig: "Vielleicht bist du selbst kompliziert, und deshalb ist es dein Leben auch." Je nach Lage und Laune ist sie zielbewusst und von Selbstzweifeln geplagt, naiv und stolz. Manchmal ist sie von ungewöhnlicher Passivität, sie lässt die Dinge geschehen. Und kann sie eigentlich wirklich lieben - außer in ihren Gedichten? Gleichzeitig hat sie eine starke Menschenkenntnis und kühle Beobachtungsgabe, und konventionellen Tabuvorstellungen gegenüber ist sie furchtlos. Die innere Angst ist trotzdem immer da. Ditlevsen ist so erstaunlich, weil ihre Texte eine künstlerische Festigkeit haben, obwohl ihre Gefühlswelt so unstet und schwankend ist. Aber ist es nicht das, was uns fasziniert? Diese Mischung aus Tristesse, entwaffnender Naivität, Stolz und Zielstrebigkeit? Die "sonderbaren Spiele ihres Herzens", wie es in ihrem berühmten Gedicht "Warnung" heißt, haben sie ihr Leben lang begleitet. 1967 in "Kindheit", neun Jahre vor ihrem Selbstmord, schreibt sie: "Nur der Tod kann einen davon erlösen."

Auf dem den drei Büchern beigelegten Lesezeichen steht ein Spruch, der so selbstverständlich ist, dass er nichtssagend wird: "Frauen erzählen Geschichten anders." Man kann von jedem Menschen exakt dasselbe sagen. Was ist gemeint? Natürlich, wir können Tove Ditlevsen lesen, weil sie eine Frau ist. Wir können auch Knausgård lesen, weil er ein Mann ist. Männer erzählen Geschichten anders. Wir sehen schon, man verrennt sich hier. Nennen wir lieber einen echten Grund, warum wir Tove Ditlevsen lesen können. Es ist die unergründliche Ambivalenz ihrer Persönlichkeit, die ihre Erinnerungen so spannend macht.

PETER URBAN-HALLE

Tove Ditlevsen: "Kindheit".

Aus dem Dänischen von Ursel Allenstein. Aufbau Verlag, Berlin 2021. 120 S., geb., 18,- [Euro].

Tove Ditlevsen: "Jugend".

Aus dem Dänischen von Ursel Allenstein. Aufbau Verlag, Berlin 2021. 154 S., geb., 18,- [Euro].

Tove Ditlevsen: "Abhängigkeit".

Aus dem Dänischen von Ursel Allenstein. Aufbau Verlag, Berlin 2021. 176 S., geb., 18,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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»Die Beiläufigkeit, mit der sie sich beschreibt, selbst ihre Abstürze und Psychosen, ihre feinziselierten, wie hingetupften Beobachtungen - alles von einer unwiderstehlichen, soghaften Intensität.« 20210412