Andreas Moster
Gebundenes Buch
Kleine Paläste
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Mehr als dreißig Jahre haben Hanno Holtz und Susanne Dreyer sich nicht gesehen, obwohl sie direkt nebeneinander aufgewachsen sind. Nun ist Hanno in die Kleinstadt seiner Kindheit zurückgekehrt und kümmert sich nach dem Tod seiner Mutter um den Vater. Unsicher streift er durch die kleine Welt, aus der er als Jugendlicher vor Jahrzehnten ausgebrochen ist. Susanne sieht ihm dabei zu. Sie hat ihr Elternhaus und besonders den Platz am Fenster im Obergeschoss mit Blick auf das Haus der Familie Holtz nie verlassen. Als sie sich entschließt, Hanno ihre Hilfe anzubieten, wird die Ruhe des Ortes ges...
Mehr als dreißig Jahre haben Hanno Holtz und Susanne Dreyer sich nicht gesehen, obwohl sie direkt nebeneinander aufgewachsen sind. Nun ist Hanno in die Kleinstadt seiner Kindheit zurückgekehrt und kümmert sich nach dem Tod seiner Mutter um den Vater. Unsicher streift er durch die kleine Welt, aus der er als Jugendlicher vor Jahrzehnten ausgebrochen ist. Susanne sieht ihm dabei zu. Sie hat ihr Elternhaus und besonders den Platz am Fenster im Obergeschoss mit Blick auf das Haus der Familie Holtz nie verlassen. Als sie sich entschließt, Hanno ihre Hilfe anzubieten, wird die Ruhe des Ortes gestört. Denn plötzlich treffen alte Erinnerungen aufeinander, in deren verschleiertem Zentrum eine Geburtstagsfeier im Sommer 1986 steht. Niemand ist davon unversehrt geblieben und niemand kann den Blick abwenden, als nach fast dreißig Jahren nun Licht durch die Risse der kleinen Paläste dringt.
Andreas Moster wurde 1975 in der Pfalz geboren. Er studierte Englische Philologie, Geschichte und Kommunikationswissenschaften und arbeitet als freier Übersetzer. 2017 erschien sein Debütroman Wir leben hier, seit wir geboren sind. Sein zweiter Roman Kleine Paläste wurde 2021 als Buch des Jahres mit dem Hamburger Literaturpreis ausgezeichnet. 2022 nahm Andreas Moster am 46. Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt teil. Er lebt mit seiner Frau und zwei Töchtern in Hamburg.
Produktdetails
- Verlag: Arche Verlag
- 1. Auflage
- Seitenzahl: 304
- Erscheinungstermin: 20. August 2021
- Deutsch
- Abmessung: 207mm x 131mm x 30mm
- Gewicht: 424g
- ISBN-13: 9783716028049
- ISBN-10: 3716028045
- Artikelnr.: 61328169
Herstellerkennzeichnung
Zeitfracht GmbH
Ferdinand-Jühlke-Str. 7
99095 Erfurt
kas-va@kolibri360.de
Andreas Moster beweist, was für ein gewitzter Erzähler er ist: virtuos, klug und zutiefst menschlich. Mareike Fallwickl
Klappentext:
„Mehr als dreißig Jahre haben Hanno Holtz und Susanne Dreyer sich nicht gesehen, obwohl sie direkt nebeneinander aufgewachsen sind. Nun ist Hanno in die Kleinstadt seiner Kindheit zurückgekehrt und kümmert sich nach dem Tod seiner Mutter um den Vater. Unsicher …
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Klappentext:
„Mehr als dreißig Jahre haben Hanno Holtz und Susanne Dreyer sich nicht gesehen, obwohl sie direkt nebeneinander aufgewachsen sind. Nun ist Hanno in die Kleinstadt seiner Kindheit zurückgekehrt und kümmert sich nach dem Tod seiner Mutter um den Vater. Unsicher streift er durch die kleine Welt, aus der er als Jugendlicher vor Jahrzehnten ausgebrochen ist. Susanne sieht ihm dabei zu. Sie hat ihr Elternhaus und besonders den Platz am Fenster im Obergeschoss mit Blick auf das Haus der Familie Holtz nie verlassen. Als sie sich entschließt, Hanno ihre Hilfe anzubieten, wird die Ruhe des Ortes gestört. Denn plötzlich treffen alte Erinnerungen aufeinander, in deren verschleiertem Zentrum eine Geburtstagsfeier im Sommer 1986 steht. Niemand ist davon unversehrt geblieben und niemand kann den Blick abwenden, als nach fast dreißig Jahren nun Licht durch die Risse der kleinen Paläste dringt.“
Die Geschichte „Kleine Paläste“ stammt aus der Feder von Andreas Moster. Eines fällt auch gleich auf, nämlich das explosive Cover. Auch die Geschichte hat einen gewissen Reiz und brilliert mit einer grandiosen Wortwahl und Sprachmelodie. Moster setzt hier sehr gekonnt Wortspielerei ein und versucht den Leser so zu fesseln. So ganz konnte es bei mir nicht wirken, denn die Geschichte ist mir an vielen Stellen einfach zu verworren und erinnert in einigen Zügen an (Horror)- Filmchen a la Stephen King oder Alfred Hitchcock, aber weniger an eigenen Gedanken. Die Grundidee der Story ist wahrlich nicht schlecht getroffen aber viele Parts verlieren sich im Sande der Aufklärung/ Lösung und hinterlassen eher ein großes Fragezeichen beim Leser als ein aha-Erlebnis - da kann auch die irre Sprache nichts wieder wettmachen.
Ein Roman der besonderen Art aber für mich kein Knallet. Ich vergebe gute 3 von 5 Sterne.
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Wenn Tote miterzählen
Es ist der Blick hinter die Fassaden jener im Buchtitel «Kleine Paläste» genannten Villen einer städtischen Bourgeoisie, mit dem Andreas Moster in seinem neuen Roman dem äußeren Schein eine eher erschreckende Realität im Innern …
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Wenn Tote miterzählen
Es ist der Blick hinter die Fassaden jener im Buchtitel «Kleine Paläste» genannten Villen einer städtischen Bourgeoisie, mit dem Andreas Moster in seinem neuen Roman dem äußeren Schein eine eher erschreckende Realität im Innern gegenüberstellt. Dabei nutzt er das beliebte Motiv des Heimkehrers, der nach einem gravierenden Erlebnis das Elternhaus verlassen hat und nach Jahrzehnten dorthin zurückkehrt. «Es ist nicht das erste Mal, dass der Hund versucht, mich zu ermorden» heißt der erste Satz, und dieses Mal bleibt es nicht beim Versuch, der sechzig Kilo schwerer Bullmastiff namens Lupus bringt Sylvia Holtz auf der obersten Treppenstufe zum Straucheln, sie stürzt hinab. Das Notfall-EKG des Sanitäters zeigt nur noch einen Strich, wie sie selbst erzählt. «Lupus hat mich erwischt, endgültig» endet ihr Bericht aus dem erzählerischen Off über ihren eigenen Tod.
Sohn Hanno, der das Elternhaus 1986 im Streit mit dem Vater verlassen hat, ist nun 32 Jahre später gezwungen, zurückzukehren und sich um den dementen Vater zu kümmern. Carl Holtz hatte als Rechtsanwalt hohes Ansehen genossen, die Familie lebte in Wohlstand und konnte es sich leisten, das Haus von Carls Eltern nach deren Tod von Grund auf zu sanieren und aufwändig umzubauen. Sylvia hatte freie Hand dabei, die entkernte Villa wurde unter ihrer Regie völlig umgestaltet und nach ihrem Geschmack komplett neu eingerichtet, alles ist jetzt hell und luftig. Im September 1986 lädt das stolze Ehepaar Holtz Familie, Freunde und Nachbarn zu einer pompösen Einweihungsfeier ein, in deren Verlauf sich der pubertäre Sohn Hanno und die etwas ältere Nachbarstochter Susanne näherkommen, auch küssen will gelernt sein!
In jeweils mit den Jahreszahlen 1986 und 2018 überschriebenen Abschnitten wird abwechselnd von den damaligen Ereignissen erzählt und von der Gegenwart. Hanno hat sich all die Jahre wie ein fahrender Geselle in den verschiedensten Berufen betätigt, hat immer ‹von der Hand in den Mund› gelebt, ist alleinstehend geblieben und nie sesshaft geworden. Nun nimmt er es auf sich, den Vater selbst zu pflegen, obwohl er ja, wie er überlegt hat, das große Haus verkaufen und vom Erlös bequem ein erstklassiges Pflegeheim für ihn bezahlen könnte. Susanne hat ihr Elternhaus nie verlassen, ihre Eltern sind tot, sie ist ebenfalls alleinstehend, arbeitet in einem Supermarkt und wohnt noch immer nebenan. Von ihrem Fenster im Dachgeschoss hat sie all die Jahre immer wieder mit dem Fernglas das Nachbarhaus und Herrn Holtz beobachtet. Seit der Einweihungsfeier vor 32 Jahren betritt sie nun zum ersten Mal wieder dieses Haus, um Hanno bei der Pflege des Vaters zu helfen. Hanno lehnt das zunächst zwar halbherzig ab, ist dann schließlich aber doch heilfroh, dass sie diese ungewohnte Tätigkeit weitgehend übernimmt und sich auch noch um den inzwischen total verlotterten Haushalt kümmert. Und nun? Friede, Freude, Eierkuchen?
Mitnichten, denn allmählich wird deutlich, dass das Fest vor 32 Jahren ein dunkles Geheimnis birgt, in das Susanne schicksalhaft verstrickt ist. Mit steigender Spannung nähert sich die Erzählung dem alles entscheidenden Vorfall, bei dem Hannos Vater damals schwere Schuld auf sich geladen hat. Hannos Frage an den dementen Vater «Was wollte Susanne damals nicht» bleibt unbeantwortet. Susanne nimmt sich fest vor, nun endlich auf der Geburtstagsfeier für Carl Holtz erstmals zu berichten, was damals geschah. Im Kontrast zwischen seinem derzeitigen hilflosen Zustand und der unverzeihlichen Schuld, die er vor so langer Zeit auf sich geladen hat, entsteht ein psychologisches Spannungsfeld, das den Leser in Bann schlägt. Die durchgehend im Präsens erzählte Geschichte enthält zusätzlich eine mystische Komponente, wenn die verstorbene Sylvia gelegentlich auftritt und aus ihrer Jenseits-Perspektive berichtet. Am Ende hofft Susanne bei ihrer Flucht, auf ihrem vor Jahren entdeckten ‹steinernen Sessel› an der französischen Atlantikküste ihre Würde wiederzufinden.
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"Es ist nicht das erste Mal, dass der Hund versucht, mich zu ermorden." Schon mit diesem originellen ersten Satz hatte Andreas Moster meine volle Aufmerksamkeit, und dies sollte sich auch bis zum Endes dieses großartigen Romans nicht ändern.
"Kleine Paläste" …
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"Es ist nicht das erste Mal, dass der Hund versucht, mich zu ermorden." Schon mit diesem originellen ersten Satz hatte Andreas Moster meine volle Aufmerksamkeit, und dies sollte sich auch bis zum Endes dieses großartigen Romans nicht ändern.
"Kleine Paläste" erzählt von Missbrauch und einer kleinbürgerlichen Gesellschaft, die lieber wegsieht, als sich der Konfrontation mit dem Täter zu stellen. Eine Gesellschaft, wie es sie leider auch heute immer noch viel zu oft gibt. Ehefrauen, die sich leidenschaftlich der Renovierung des Eigenheimes widmen, statt die Beziehung zu Mann und Kind ehrlich zu reflektieren. Nachbarn, die sich hinter dem Rücken "das Maul zerreißen", aber keinen noch so großen Verdachtsmoment laut aussprechen oder gar entsprechend handeln.
Geschickt wechselt der Roman zwischen zwei Zeitebenen und mehreren Erzählperspektiven. Zwischen der Tat und der Gegenwartsebene (genau genommen das Jahr 2018) liegen 32 Jahre. Mehr als eine Generation - doch aufgearbeitet scheint nichts. Nur langsam bröckelt der Putz von den "kleinen Palästen", nur bruchstückhaft kann man durch feine Risse hinter die mühevoll aufrecht erhaltenen Fassaden blicken.
Moster sind unverhoffte Bilder gelungen, die sich mir eingeprägt haben. Etwa wenn er von den Hautfalten des an den Rollstuhl gefesselten Vaters schreibt, an die sich der pflegende Sohn nicht herantraut, weil dort verborgene Geheimnisse liegen.
Die Erzählung hat einerseits eine Grundschwere, die der Thematik angemessen ist. Andererseits überrascht der Autor auch mit Witz und Esprit, die vor allem aufblitzen, wenn die verstorbene Mutter des Protagonisten, quasi als Gespenst zum Leser spricht und das Setting kommentiert, ohne handelnd eingreifen zu können.
Große Schreibkunst, ich ziehe meinen Hut!
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Schein oder Sein
Ein beschauliche Kleinstadt und zwei völlig verschiedene Familien im direkten Nachbarschaft, deren Leben durch ein Ereignis vor 30 Jahren für immer miteinander geflochten sind.
Familie Holtz mit Sohn Hanno und Familie Dreyer mit Tochter Susanne leben zwar …
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Schein oder Sein
Ein beschauliche Kleinstadt und zwei völlig verschiedene Familien im direkten Nachbarschaft, deren Leben durch ein Ereignis vor 30 Jahren für immer miteinander geflochten sind.
Familie Holtz mit Sohn Hanno und Familie Dreyer mit Tochter Susanne leben zwar nebeneinander, aber für eine enge Freundschaft waren Frau Dreyers Brüste zu perfekt und Herr Holtzs Geldbörse zu dick. Trotzdem wachsen Hanno und Susanne zusammen auf, gehen gleiche Schule, streifen stundenlang durch den Wald. Bis Sommer 1986 auf einem Geburtstagsfest alles auseinanderbrach. Die Familien nehmen sich ab da an voneinander noch mehr Abstand, Hanno zieht weg, Susanne bleibt. Nach 32 Jahre später kehrt Hanno zurück. Nicht dass er seine Eltern vermisst oder jahrelang wöchentlich gewechselte Bettwäsche auf seinem Jugendbett nach ihm gerufen hat, sondern seine Mutter Sylvia plötzlich und unerwartet stirbt, wobei sein Vater seit Jahren pflegebedürftig auf dem Rollstuhl sitzt. Hanno beerdigt seine Mutter, übernimmt die Pflege von seinem Vater und Susanne, die mittlerweile Vollwaise ist, beobachtet alles erstmals distanziert aus dem Fenster. Nach paar Tagen dennoch erkennt Susanne, dass Hanno mit der Versorgung seines Vaters völlig überfordert ist und bietet ihm ihre Hilfe an. Doch die Wiederbegegnung die übriggebliebenen Familienmitgliedern reißt die alten Wunden wieder auf. Was ist damals passiert?
Mit seinen klugen, poetischen und lakonischen Sprache hat mich der Hamburger Autor in einer Kleinstadt mitgenommen, um mich schon ab ersten Seiten auf seinen Bann zuziehen. Die geheimnisvolle Handlung entwickelt einen Sog, aus dem ich mich nicht entziehen konnte! Was mir aber an der Lektüre ganz besonders gefallen hat, ist: nicht nur Mosters meisterhafter Schreibstil, sondern seine haargenauer Beobachtungsgabe und präzise Erzählkunst. Eigentlich passiert hier nicht viel. Man reist zwischen 1986 und 2018 hin und her, beobachtet die Mauern wie die erst hoch wachsen, dann Stück für Stück bröseln begannen und um Ende auseinanderzufallen. Mal erzählt Hanno von damals und heute, mal berichtet Susanne und zwischen durch geistert Hannos Mutter. Ja, sie geistert und das ist die Besonderheit von diesem Buch. Genialer Aufbau, sehr gut gelungener Perspektivenwechsel, vielschichtige Charaktere, was will man mehr.
Neid, Trauma, Schuldgefühle, Sprachlosigkeit spielt in Andreas Mosters neuer Roman zwar große Rolle, doch zwischendurch hat er mir immer wieder ein Lächeln im Gesicht gezaubert. Ohne viel Tamtam, kaum Dialoge aber mit messerscharfen Beobachtungen hat er mich fast atemlos die ganze Story folgen lassen. Großartige Schreibkunst, außergewöhnliche Erzählstimmen, grandiose Geschichte, welche ich nur weiterempfehlen kann.
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Hannos Mutter Sylvia ist verstorben, ermordet vom Hund. Das teilt sie mir sofort zu Beginn des Buches mit und auch, dass es nicht der erste Mordversuch des Hundes war, aber der erfolgreichste. Weil nun ist sie ja tot. Da Carl, Hannos Vater, dadurch alleine ist, kehrt Hanno nach Hause zurück, …
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Hannos Mutter Sylvia ist verstorben, ermordet vom Hund. Das teilt sie mir sofort zu Beginn des Buches mit und auch, dass es nicht der erste Mordversuch des Hundes war, aber der erfolgreichste. Weil nun ist sie ja tot. Da Carl, Hannos Vater, dadurch alleine ist, kehrt Hanno nach Hause zurück, fast dreißig Jahre war er weg. Aus Gründen. Susanne, die Nachbarstochter wiederum, die war nie weg. Die wohnt nach dem Tod ihrer Eltern immer noch nebenan und beobachtet. Als Hanno Hilfe bei der Pflege von Carl braucht, der dement und auf den Rollstuhl angewiesen ist, ist Susanne zur Stelle. Auch sie hat ihre Gründe, die sie seit Jahrzehnten verschweigt.
Schon der erste Satz ist grandios und zeigt die Richtung an, in die sich die Geschichte entwickelt. Sylvia ist zwar tot, aber ihre Gedanken und Gefühle bekomme ich als Leser mit. Die Story springt zwischen Sylvia, Hanno und Susanne hin und her, dazu noch zwischen den Jahren. Was damals im Jahre 1986 geschah, bleibt lange unklar. Was in 2018 passiert, das bekomme ich hautnah mit. Die Sprünge halten eine gewisse Spannung aufrecht und über allem schwebt eine unterschwellige Gefahr, die ich nicht näher benennen kann. Ich spüre, dass etwas Gewaltiges der Grund dafür ist, dass die Beteiligten zerrissen, zerstört, ja fast schon dysfunktional durch ihr Leben stolpern. Als ich den Grund dann irgendwann erfahre, bin ich entsetzt, aber endlich macht vieles einen Sinn. Die gutbürgerliche Fassade hat lange gehalten. Bis sie es nicht mehr tut.
Ein literarischer Genuss, der von mir verdiente fünf Sterne bekommt. Lesenswert!
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Wir werden von einer ganz ungewöhnlichen Erzählerin in die Geschichte eingeführt - Sabine, die gleich zu Beginn durch einen unglücklichen Treppensturz zu Tode kommt, berichtet über ihr gesamtes Leben und ihren Unfall, der sie mitten aus dem Leben reißt. Nein, die Toten …
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Wir werden von einer ganz ungewöhnlichen Erzählerin in die Geschichte eingeführt - Sabine, die gleich zu Beginn durch einen unglücklichen Treppensturz zu Tode kommt, berichtet über ihr gesamtes Leben und ihren Unfall, der sie mitten aus dem Leben reißt. Nein, die Toten können sich nicht von der Welt der Überlebenden trennen und berichten, erzählen, erklären, versuchen noch einzugreifen, die Routine aufrecht zu halten und die Hinterbliebenen zu beeinflussen.
Aber nicht nur Tote erzählen, die Familiengeschichte geht weiter, wird wieder aufgerollt und peu a peu erfährt der Leser die Hintergründe, das Lügengeflecht, den Schein, der sich hinter der glänzenden, hellen Fassade verbirgt. Es gibt Täter und Betrogene, vom Unglück verfolgte, Stigmatisierte und Gefühlsgelähmte, Menschen, die aufgehört haben, ihr Leben in die Hand zu nehmen, die aufgrund eines Traumas in der Vergangenheit existieren, im Stillstand verharren und Veränderungen und Herausforderungen vermeiden. Diese beiden Sympathieträger möchte man schütteln, zu groß das Unverständnis, warum sie sich nicht von der Vergangenheit lösen können, warum sie sich nicht einem neuen Lebensabschnitt zuwenden und das Gewesene hinter sich lassen - zu gewaltig der Schmerz und die Verletzung?
Die Zeitdimensionen wechseln, Vergangenheit und Gegenwart enthüllen die gestörte Familienkonstellation und auch die unterschiedlichen Perspektiven tragen zur Lösung des Geheimnisses bei. Kann es Heilung und Neuanfang geben?
Ein ergreifender Roman, der durch seine poetische, dichte und ruhige Sprache besticht, teilweise skurril und von Komik durchdrungen, dann aber wieder bitterernst und bedrückend.
Eine klare Leseempfehlung und ein wahres Lesevergnügen!
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Unter den Teppich gekehrt
Ich bin froh, Andreas Moster als Autor entdeckt zu haben. Der Beginn seines Romans „Kleine Paläste“ gehört schon jetzt für mich zu den genialsten Romananfängen, die ich je gelesen habe. Dabei sind es die präzise Beobachtungsgabe, die …
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Unter den Teppich gekehrt
Ich bin froh, Andreas Moster als Autor entdeckt zu haben. Der Beginn seines Romans „Kleine Paläste“ gehört schon jetzt für mich zu den genialsten Romananfängen, die ich je gelesen habe. Dabei sind es die präzise Beobachtungsgabe, die bildgewaltige Sprache, der leicht schwarze Humor, die nachvollziehbaren, zugleich skurrilen Gedanken sowie die Rolle des „Mörderhundes“, die die Anfangsszene, in der Sylvia Holtz stirbt, so einzigartig machen.
Der Roman setzt im Jahr 2018 ein. Sylvia hinterlässt ihren schwer an Alzheimer erkrankten und pflegebedürftigen Ehemann Carl und ihren Sohn Hanno, der vor mehr als 30 Jahren dem elterlichen Haus und der kleinstädtischen Atmosphäre entflohen ist.
Hanno reist an, kümmert sich um die Pflege seines Vaters und trifft auf der Beerdigung Susanne Dreyer, in die er einst verliebt war und die immer noch in unmittelbarer Nachbarschaft zu seinem alten Elternhaus lebt.
Schon bald zeigt sich, dass sich hinter den schönen Fassaden Abgründe auftun. Was passierte damals im Jahre 1986 auf dem Sommerfest? Wer wusste davon und welche Folgen hatte es für die Beteiligten? Die über Jahrzehnte aufrecht erhaltenen Fassaden beginnen zu bröckeln.
Andreas Moster erzählt auf sehr poetische und spannende Weise eine beklemmende Geschichte über Täter, Opfer, Lebenslügen, mangelnde Unterstützung und das Nicht-Sehen-Wollen. Dabei nimmt er ungewöhnliche Perspektiven und Blickwinkel ein. "Kleine Paläste" entfaltet einen Sog, überrascht immer wieder und ist - trotz der immer vorhandenen Beklemmung und Schwere, die diesen Roman durchdringen - ein absolutes Leseerlebnis .
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Hanno kehrt zurück in sein Elternhaus, wo er seit 28 Jahren nicht mehr war - er ging damals als junger Mann im Streit mit seinem Vater. Nun ist dieser schon seit längerem dement und auch körperlich ein Pflegefall. Aufgrund des plötzlichen Todes seiner Mutter übernimmt Hanno …
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Hanno kehrt zurück in sein Elternhaus, wo er seit 28 Jahren nicht mehr war - er ging damals als junger Mann im Streit mit seinem Vater. Nun ist dieser schon seit längerem dement und auch körperlich ein Pflegefall. Aufgrund des plötzlichen Todes seiner Mutter übernimmt Hanno fürs Erste.
Nach der Beerdigung und dem ersten Eingewöhnen empfindet Hanno zunächst die neue Situation gar nicht als so schlimm wie befürchtet, da er unerwartete Hilfe durch seine Kindheitsfreundin Susanne, die im Nachbarhaus wohnt, erhält. Fast könnte man meinen, dass zwischen ihnen beiden eine Annäherung erfolgt, doch eine solche verläuft jedes Mal im nichts.
Begleitet wird die Szenerie aus der Sicht sowohl von Hanno als auch von Susanne. Auch Hannos verstorbene Mutter Sylvia steuert ihre Beobachtungen bei - sie erlebt nun alles sozusagen von der anderen Seite und zwar in Gesellschaft von Susannes ebenfalls verstorbenen Eltern.
Eine Handlung, die zwar ruhig, aber unweigerlich auf ein Drama hinsteuert, das sich in etwa ab Mitte des Romans mehr als deutlich anbahnt. Dadurch geht eine Menge Dynamik verloren. Auch werden bestimmte relevante Ereignisse, die ebenfalls eine Rolle spielen, nur angedeutet.
Auch wenn der Roman zunächst vielversprechend begann und sprachlich einiges bot, war ich im Endeffekt doch eher enttäuscht. So richtig eine tiefergehende Botschaft ist für mich nicht rübergekommen.
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