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Benutzername: Aischa
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Bewertungen

Insgesamt 88 Bewertungen
Bewertung vom 13.06.2018
So kocht Südtirol
Wieser, Gerhard; Bachmann, Helmut; Gasteiger, Heinrich

So kocht Südtirol


ausgezeichnet

Der Klappentext mag übertrieben klingen: "... mit Geling-Garantie" Da fallen mir natürlich gleich Bekannte ein, die als Köche dermaßen talentfrei sind, dass sie wahrscheinlich auch mit dem vorliegenden Klassiker der Südtiroler Küche nichts Essbares zustande bringen würden.
Aber bleiben wir fair: Meine diesbezüglichen Qualifikationen stufen mich als Hobbyköchin ein, und ich darf stolz verkünden, dass mir bislang jedes der ausprobierten Rezepte außerordentlich gut gelungen ist.
Liebhaber der österreichisch-italienischen Küche kommen hier wirklich voll auf ihre Kosten, es sind sage und schreibe über 850 Rezepte aufgeführt! Ob Klassiker wie Spinatknödel, Schlutzkrapfen oder Kaiserschmarren oder ausgefallenere Speisen wie Artischockenmousse oder Gamsragout - die Auswahl ist beeindruckend.
Dabei kommt jedes Rezept mit erstaunlich wenigen Zutaten aus, Nährwertangaben sind selbstverständlich.
Variationsmöglichkeiten regen zur Kreativität in der Küche an, praktische Tipps der Autorenprofis helfen nicht nur Kochneulingen.
Überhaupt wurde großes Augenmerk auf die Praxistauglichkeit gelegt: Die hochwertige Fadenbindung lässt das dicke Buch an jeder Stelle gut aufgeschlagen liegen bleiben. Der wischfeste Einband übersteht den ein oder anderen Spritzer und das dicke Papier ist besonders reißfest.
Zusätzlich zu den Rezepten gibt es viel Wissenswertes: ein italienisch-deutsches kulinarisches Wörterbuch fehlt genauso wenig wie eine Auswahl sinnvoller Küchenmesser und-geräte, Schnitttechniken, Gewürzkunde, ein kleines Wein-ABC oder Tipps für ein Buffet.
Hochwertige Fotos geben einen optischen Vorgeschmack auf die kulinarischen Leckerbissen.
Wer die Südtiroler Küche zu sich nach Hause holen möchte, dem kann ich diesen Klassiker in überarbeiteter Neuauflage (18., 2018) nur wärmstens empfehlen!

Bewertung vom 13.06.2018
Aprilsommerjahr
Schmidt, Anke

Aprilsommerjahr


ausgezeichnet

Ein Roman so komplex, vielschichtig und spannend wie das Leben selbst, definitiv eines meiner diesjährigen Lesehighlights!
Anke Schmidt erzählt keine einfache Geschichte. Und sie erzählt auch nicht auf einfache Weise: Immer wieder haben mich abrupte Wechsel der Erzählperspektive (oft sogar innerhalb eines Satzes) irritiert.
Doch das ist in meinen Augen kein Manko, im Gegenteil, ich lese auch, um mich außerhalb meiner Komfortzone zu bewegen. Und wenn Protagonistin Franziska über ihre neue Liebe Joe einmal in der dritten Person sinniert, um dann plötzlich in die zweite Person zu wechseln, so fordert mich das als Leser heraus.
Aprilsommerjahr ist eine Liebesgeschichte, aber kein klassischer Liebesroman. Es geht um den Umgang mit den eigenen Ängsten und Dämonen, es ist eine teils surreale Story voller Visionen und Andeutungen.
Eine Stärke der Autorin ist ihr virtuoser Umgang mit Sprache, poetisch, wortgewaltig, aber auch durch leise, reduzierte Töne.
Ob leidenschaftlicher Sex, bedrohliche Visionen oder existenzielle Selbstzweifel - Anke Schmidt zieht mich in jeder Szene voll in ihren Bann. Ich nehme ihren Figuren jede Aktion, jede Gefühlsregung hunderprozentig ab, ich tauche voll in die Geschichte ein.
Einziger Kritikpunkt: Das Korrektorat hat einige Fehler übersehen, dennoch: aufgerundete 4,5 Punkte!

Bewertung vom 03.06.2018
Fisch echt einfach
Hirmann, Angela; Moser, Markus

Fisch echt einfach


ausgezeichnet

Früher war ich nicht so der große Fischfan. Außer Fischstäbchen und Nudeln mit Lachs habe ich kaum Fisch selbst zubereitet, ich wusste kaum etwas darüber, und die Gräten schreckten mich ab.
Wem es ähnlich geht, dies aber ändern möchte, dem kann ich das vorliegende Kochbuch aus ganzem Herzen empfehlen.
Der Name verspricht nicht zu viel: Die Gerichtd, die ich nachgekocht habe, sind ausnahmslos einfach zuzubereiten. Und dabei machen sie nicht nur geschmacklich, sondern auch optisch einiges her, wie zum Beispiel der gebratene Zander-Saiblings-Zopf, eine Augenfreude, mit der man bei Gästen Eindruck machen kann.
Meiner Experimentierfreude kommen die zahlreichen Tipps für Variationen sehr entgegen. Das Buch, das von einer Köchin und einem Fischzüchter verfasst wurde, ist wesentlich mehr als "nur" ein Kochbuch: Eine übersichtliche Fischkunde bietet interessante Informationen über heimische Süßwasserfische. In der "Fischschule" erhält der Leser praktische Tipps zu Einkauf, Lagerung, Entschuppen, Ausnehmen und Filetieren. Besonders hilfreich, falls man keinen Fischhändler in der Nähe hat: Fischerei-Betriebe mit Online-Versand.
Zwischen den Kapiteln finden sich sehr persönliche Geschichten über Berufsfischer, die - ebenso wie die hervorragenden Fotos -dazueinladen, immer wieder im Buch zu blättern.
Mein einziger (und wirklich kleiner) Kritikpunkt: Der Einband mit dem matten Cover und dem Leinenrücken wirkt zwar sehr edel, ist aber wenig küchentauglich. Hier hätte ich einen wischfesten Hochglanzeinband bevorzugt. Aber auch mit Flecken: ein wundervolles Fischkochbuch!

Bewertung vom 02.06.2018
Lass mich los
Corry, Jane

Lass mich los


ausgezeichnet

"Lass mich los" - was für ein treffender Titel! Obwohl fast 600 stark hat es dieser geniale Psychothriller bis zum Ende geschafft, mich nicht mehr los zu lassen.
Jane Corry zeichnet umfangreiche Psychogramme ihrer Protagonisten. Ob es die Ausgrenzung der kleinen Carla in der Schule ist, die nicht nur aufgrund ihres südländischen Aussehens, sondern auch als uneheliches Kind schon früh spüren muss, was es heißt, eine unerwünschte Außenseiterin zu sein.
Oder auch Anwältin Lily, die den Tod ihres Adoptivbruders noch nicht verarbeitet hat, als sie in eine schwierige Ehe stolpert, die nicht einfacher wird, als sie einen autistischen Sohn bekommt.
Die Figuren des Psychothrillers durchlaufen über die Jahre interessante Entwicklungen, an denen der Leser teilhaben darf. Vieles ist überraschend, doch alles war für mich nachvollziehbar.
Gut recherchiert sind die britische Rechtspraxis ebenso wie autistische Störungen. Für das für meinen Geschmack unnötig kitschige Happy End gibt es von mir einen halben Punkt Abzug, dennoch klare Leseempfehlung an alle Thriller-Fans mit 4,5 Punkten!

Bewertung vom 28.05.2018
Hier ist es schön
Scheffel, Annika

Hier ist es schön


weniger gut

Die Leseprobe hatte mich sofort begeistert: Annika Scheffel erzählt den ersten Teil ihrer dystopischen Geschichte als Briefroman. Dies ist gleichermaßen ungewohnt wie gekonnt und fordert den Leser, was ich durchaus mag.
Stück für Stück setzt sich so die Ausgangssituation zusammen: Die Erde ist für die Menschen unwirtlich geworden, die Sonne ist nur noch wenige Stunden im Jahr zu sehen, Obst und Gemüse gedeihen kaum noch, Nahrungsmittel und Treibstoff werden knapp und knapper. Die Mobilität ist stark eingeschränkt, es herrscht Endzeitstimmung.
Zwei Hoffnungsschimmer gibt es jedoch: Zum einen soll eine Insel existieren, auf der noch paradiesische Zustände herrschen. Zum anderen werden in einer Reality-Show zwei Jugendliche ausgewählt, die - nach zehnjährigem Training - auf Mission zu einem fernen Planeten geschickt werden sollen, um dort eine neue menschliche Gesellschaft zu gründen.
Es ist ein Plot ganz nach meinem Geschmack, er bietet viel Raum für starke Charaktere, überraschende Wendungen und Gesellschaftskritik.
Doch nur theoretisch: Sieht man vom ersten Teil ab, hat der Roman mich leider auf ganzer Linie enttäuscht.
Die Protagonisten bleiben - wie auch die meisten anderen Personen - seltsam blaß, viele Aktionen konnte ich nicht nachvollziehen, wenig hat mich emotional berührt.
Erkennen konnte ich Scheffels Kritik an der Manipulation der Massen durch die Medien, einen Aufruf, mit den Ressourcen unseres Planeten verantwortungsvoller umzugehen und das, was wir haben, zu schätzen. Und natürlich auch, Reality-Shows nicht mit der Wirklichkeit zu verwechseln. Aber das ist weder neu, noch hat die Autorin dies in großartiger Weise erzählt. Vielmehr steckt die Geschichte voller Ungereimtheiten und es werden etliche rätselhafte Figuren eingeführt, deren Rolle bis zum Schluss völlig unklar bleibt.
Zurück bleibt bei mir großer Frust über diesen Roman. Ein gutes Buch muss mich entweder unterhalten oder Informationen vermitteln oder eine Botschaft transportieren. Die ersten beiden Punkte haben sich nicht erfüllt, und wenn ich die Botschaft so lange suchen muss wie hier und mir letztlich immer noch nicht im Klaren bin, was die Autorin gemeint haben könnte, dann ist mein Resümee: Ärger über die vergeudete Zeit. Von mir keine Leseempfehlung und große Verwunderung über die Entscheidung, dieses Buch mit dem Robert-Gernhardt-Preis auszuzeichnen.

Bewertung vom 25.05.2018
Was nie geschehen ist
Spiegelman, Nadja

Was nie geschehen ist


weniger gut

Mein Erkenntnisgewinn nach Beendigung des Romans: Die Kunst, gute Geschichten erzählen zu können, ist nicht vererbbar.
Denn sonst hätte ich mich wohl kaum derart durch die vorliegende (Auto-)Biografie quälen müssen.
Autorin Nadja Spiegelmann ist die Tochter des berühmten Cartoonisten und Pulitzer-Preisträgers Art Spiegelmann (Comic "Maus - die Geschichte eines Überlebenden) und der künstlerischen Leiterin und Redakteurin des New Yorkers, Francoise Mouly. Spiegelmann hat über Jahre hinweg Gespräche mit Familienmitgliedern geführt, allen voran mit ihrer Mutter und Großmutter. Entstanden ist eine Biografie, die für mich vor allem eines ist: überflüssig.
Anfangs war ich durchaus neugierig, was in dieser unkonventionellen Künstlerfamilie alles passiert ist, wodurch Nadja geprägt wurde und wie sie zu der Person wurde, die sie ist. Schnell schlug dies aber in Enttäuschung um: Der Erzählstil ist anstrengend, der Wechsel der Perspektive erfolgt oft unvermittelt, so dass man als Leser manchmal erst nach einigen Abschnitten merkt, dass nun nicht mehr aus Sicht Nadjas, sondern aus der ihrer Mutter oder Großmutter erzählt wird.
So bewundernswert es einerseits sein mag, mit welcher Offenheit hier intimste Details ans Licht gebracht werden, so oberflächlich fand ich es, wie sich die Geschichte praktisch ausschließlich um das Familiengeflecht dreht. Geschichtliche Ereignisse wie der Holocaust oder der Anschlag auf das World Trade Center werden nur angerissen, verkommen zur Kulisse.
Spiegelmann schreibt ausschweifend, es wimmelt nur so von öden Wiederholungen und detailverliebten Nichtigkeiten, schnell war ich beim Lesen nur eins: gelangweilt.
Eine der zentralen Erkenntnisse, die das Buch wohl vermitteln soll (siehe auch die Wahl des Titels) ist die Tatsache, dass sich verschiedene Familienmitglieder völlig unterschiedlich an gemeinsame Erlebnisse erinnern. Dass die Vergangenheit durch Erzählungen verändert wird, das es anhand von Befragung von Zeugen extrem schwierig bis unmöglich sein kann, die Wahrheit zu finden. Ach wirklich? Und dazu braucht es so viele Kapitel?
Vielleicht bin ich nicht voyeuristisch genug, vielleicht interessieren mich intimste Details der Spiegelmanns zu wenig - für mich war das Lesen dieser Biografie leider größtenteils vergeudete Zeit.

Bewertung vom 25.05.2018
Kenia Valley
Gordon, Kat

Kenia Valley


ausgezeichnet

Mit dem vorliegenden Roman über das Kenia der zwanziger und dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts ist Kat Gordon ein echter Pageturner gelungen.
Meine Befürchtung, die Geschichte könnte wie das Cover ein wenig zu kitschig und schrill daher kommen, wurde überhaupt nicht bestätigt. Wohl findet sich Schrilles zwischen den Buchdeckeln, aber das rührt von den exaltierten weißen Kolonisten her. Die junge Generation weißer Auswanderer tobt sich in Kenia aus, es gibt zügellosen Sex, der sämtliche Anstandsregeln des britischen Mutterlandes außer Kraft setzt, so mancher Dandy wechselt seine Geliebten fast so schnell wie die gestärkten Hemden. Alkohol fließt zu jeder Tages- und Nachtzeit in Strömen, und auch andere Drogen sind verfügbar. Ebenso verfügbar wie die afrikanischen Bewohner, die die weiße Elite als Bedienstete und Arbeiter schamlos ausbeutet, die Menschen werden sich ebenso angeeignet wie das Land.
Protagonist Theo, knapp 15jähriger Sohn einer gut situierten Einwandererfamilie, wird geradezu magisch von der schillernden Partywelt einiger junger Briten angezogen. Er verfängt sich in dem glamourösen Netz der (scheinbaren) Spaßgesellschaft und bemerkt nicht, dass einige der "Freunde", die er dort findet, diesen Namen nicht wirklich verdienen.
Die Autorin lässt in wunderbaren Landschaftsbeschreibungen die Faszination Afrikas zu Tage treten. Eine besondere Stärke des Romans sind die Charakterstudien. Die Figuren machen über die Jahre große Entwicklungen durch, nicht immer ist alles wie es zunächst scheint. Auch erhält man als Leser einen - oft schockierenden - Einblick, wie sich die Kolonialmacht Großbritannien in Afrika verhielt. Rassismus in erschreckendem Ausmaß war an der Tagesordnung, man meinte, die "Wilden" mit drakonischen Strafen zivilisieren zu müssen. Der Glaube an die Überlegenheit der eigenen Rasse brachte unendliches Leid über viele abhängig gemachte Völker - leider ist dieses Thema nach wie vor aktuell.
Kat Gordon hat einen spannenden, tiefgründigen Roman geschaffen, der gleichermaßen vielschichtig wie unterhaltsam ist - klare Leseempfehlung von mir!

Bewertung vom 21.05.2018
Wahrheit
Vobig, Guido

Wahrheit


sehr gut

Zugegeben: Das Cover ist nicht ganz mein Fall. Das Männchen, das "die Wahrheit" anpinkelt, finde ich eher abstoßend. Dennoch habe ich das Buch zur Hand genommen und darin geblättert, und ich bin positiv überrascht worden.
Guido Vobig nimmt uns mit dem vorliegenden Büchlein auf eine äußerst interessante Reise durch die Welt seiner Gedanken mit. Er philosophiert über Mensch und Natur, das Leben, das Individuum und natürlich über die Wahrheit. Die Texte sind voller Originalität, die Kreativität zeigt sich in Neologismen (Farbamnesieschwarz), Formen der Gedichte und der abwechslungsreichsten Typologien, die ich je auf so wenigen Seiten gesehen habe.
Ich kann nicht alle Gedankengänge des Autors nachvollziehen, manche Ansichten teile ich ganz und gar nicht. Aber die Texte sind hervorragend geeignet, um sie wieder und wieder neu zu entdecken oder sie mit Freunden zu diskutieren.
Wer nicht nur Unterhaltung, sondern auch Tiefgang sucht und bereit ist, sich auf Ungewöhnliches abseits des Mainstream einzulassen, dem empfehle ich die "Wahrheit".

Bewertung vom 21.05.2018
Stadtwild
Lettow-Vorbeck, Nicolas Bogislav von

Stadtwild


ausgezeichnet

Wer mit seinen Kids eine Entdeckungsreise gleich vor der eigenen Haustüre starten möchte oder selbst neugierig genug ist, um einen neuen Blickwinkel auf unsere tierischen Mitbewohner inmitten der Stadt zu bekommen, dem lege ich dieses Buch uneingeschränkt ans Herz.
Alphabetisch geordnet bringt Autor Nicolas von Lettow-Vorbeck dem Leser 99 Tiere näher, die man in der Stadt (aber natürlich auch auf dem Land) entdecken kann.
Hier ist auch schon mein einziger Kritikpunkt: Das Sachbuch ist kein Bestimmungsbuch, wer eine Amsel nicht von einem Star zu unterscheiden vermag, wer eine Nutria bislang weder gesehen noch davon gehört hat, ist gut damit beraten, "Stadtwild" vor den ersten Erkundungstouren etwas ausführlicher durchzublättern.
Das Buch lädt dazu ein, beim Spaziergang durch die urbane Umgebung zu erkunden, mit wie vielen großen und kleinen Tieren wir unsere Städte teilen. Ich bin dieser Einladung gerne gefolgt, habe dabei einen aufmerksameren Blick gewonnen und bin mit zahlreichen unerwarteten tierischen Begegnungen belohnt worden.
Die ebenso kurzen wie informativen Texte werden von wunderschönen Fotos begleitet. Der Autor beschränkt sich nicht nur auf Sachinformationen zu Aussehen, Verhalten und Lieblingsort der Tiere, sondern bringt durch gut recherchierte skurrile Polizeieinsätze (etwa aufgrund liebestoller Igel) und eigener Bonmots eine gute Portion Witz in dieses unterhaltsame Sachbuch.
Tipps für Entdeckungstouren sowie ein Feld "gesichtet am" zum persönlichen Eintrag bei jeder Tierart runden den Naturführer ab.
Das handliche Format, die als Merkzeichen verwendbaren Klappen der Umschlagseiten und der wischfeste Einband zeigen, dass man auch daran gedacht hat, das Buch "safaritauglich" zu gestalten.
Für mich eine große Bereicherung, ich werde das Buch oft mit nach Draußen nehmen und kann es allen großen und kleinen Entdeckern nur wärmstens empfehlen!

Bewertung vom 08.05.2018
Der Augenblick der Zeit
Schuster, Stephanie

Der Augenblick der Zeit


sehr gut

Der Roman hat einige Stärken zu bieten: Die Kreativität mit der Autorin Stephanie Schuster gesegnet ist lebt sie nicht nur als Illustratorin und Malerin aus, sondern auch als Schriftstellerin. Das vorliegende Werk vereint zwei Zeitstränge, im Mittelpunkt des zeitgenössischen steht die junge Künstlerin und Galeristin Ina, die unter einer Malblockade leidet. Sie "verliebt" sich auf einer Auktion in das Portrait einer jungen Dame und setzt alles daran, in den Besitz des Gemäldes zu kommen und die von ihr vermutete Urheberschaft da Vincis bestätigen zu lassen. Der zweite Erzählstrang spielt in der Renaissance und handelt vom jungen Medizinstudenten und Sternendeuter Tannstetter, der im Auftrag des deutschen Kaisers an den Mailänder Hof reist und dort die faszinierende Bekanntschaft mit dem Universalgenie Leonardo da Vinci macht.
Guter Stoff also für reichlich Unterhaltung, und die liefert Schuster auch gekonnt ab. Sie zaubert nicht nur mit Farbe, sondern auch mit Worten tolle Bilder, die die Fantasie des Lesers anregen. Die Sprache ist ungekünstelt und dennoch besonders. Vor allem die Überschriften haben es mir angetan: Schuster hat als Titel für die Kapitel Künstlerfarben und Pigmente gewählt, wobei in jedem Erzählstrang die jeweilige "Überschriftsfarbe" wie beiläufig in die Geschichte Eingang findet. Und so lernt auch der künstlerische Laie neben bei etwas über Drachenblut, Grünspan, Sepia oder auch Caput Mortuum.
Ein weiterer Pluspunkt des Romans ist die wirklich umfangreiche, fundierte Recherche. Man merkt an vielen liebevollen Details, dass die Autorin den heutigen Kunstbetrieb aber auch die historischen Originalschauplätze selbst gut kennt.
Dennoch konnte mich die Geschichte leider nicht völlig überzeugen. Denn - vor allem im Gegenwartsstrang - ist mir manches zu oberflächlich oder auch unglaubwürdig dargestellt. Einige Nebencharaktere verschwinden genauso schnell, wie sie aufgetaucht sind, und viele Handlungen der Protagonistin Ina konnte ich einfach nicht nachvollziehen. Skizzen haben in der bildenden Kunst ihre Berechtigung, auch in Kurzgeschichten. In einem Roman wünsche ich mir jedoch mehr Details, eine bessere Entwicklung der Charaktere.
Dennoch überwog der Lesegenuss und daher spreche ich gerne eine Leseempfehlung aus und vergebe vier Sterne!