Wer bin ich und wenn ja, wie viele? - Precht, Richard D.

Wer bin ich und wenn ja, wie viele?

Eine philosophische Reise

Richard D. Precht 

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Wer bin ich und wenn ja, wie viele?

'Fragen zu stellen ist eine Fähigkeit, die man nie verlernen sollte.' (Richard David Precht) Eine faszinierende Reise in die Welt der Philosophie - Richard David Prechts Buch bietet Antworten auf die großen Fragen des Lebens Was ist Wahrheit? Woher weiß ich, wer ich bin? Warum soll ich gut sein?

Bücher über Philosophie gibt es viele. Doch Richard David Prechts Buch 'Wer bin ich?' ist anders als alle anderen Einführungen. Niemand zuvor hat den Leser so kenntnisreich und kompetent und zugleich so spielerisch und elegant an die großen philosophischen Fragen des Lebens herangeführt. Ein einzigartiger Pfad durch die schier unüberschaubare Fülle unseres Wissens über den Menschen. Von der Hirnforschung über die Psychologie zur Philosophie bringt Precht uns dabei auf den allerneusten Stand. Wie ein Puzzle setzt sich das erstaunliche Bild zusammen, das die Wissenschaften heute vom Menschen zeichnen. Eine aufregende Entdeckungsreise zu uns selbst: Klug, humorvoll und unterhaltsam!

- Eine ebenso kompetente wie spielerische Annäherung an die großen philosophischen Fragen

- Ein Buch, das die Lust am Denken weckt!


Produktinformation

  • Verlag: Goldmann
  • 2007
  • Ausstattung/Bilder: 2007. 397 S.
  • Seitenzahl: 400
  • Deutsch
  • Abmessung: 216mm x 170mm x 38mm
  • Gewicht: 560g
  • ISBN-13: 9783442311439
  • ISBN-10: 3442311438
  • Best.Nr.: 22818132
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 13.06.2008

Der erste Schritt zum Glück
Sehr kulinarisch: Richard David Prechts Philosophie-Bestseller „Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?”
Jetzt ist es also doch passiert. Hape Kerkelings über drei Millionen Mal verkauftes Buch „Ich bin dann mal weg” über seinen Fußmarsch nach Santiago di Compostela steht nach über 100 Wochen nicht mehr auf dem ersten Platz der deutschen Sachbuch-Bestsellerliste. Einzig vorhersehbaren Erfolgen wie dem Jesus-Buch des Papstes und Gerhard Schröders Memoiren gelang es zwischendurch ganz kurz, den Pilger-Bericht des Komikers zu überflügeln. Dass dies nun – mit etwas Hilfe freilich von Elke Heidenreich, der Chef-Multiplikatorin des deutschen Literaturbetriebs („Wenn Sie dieses Buch lesen, haben Sie den ersten Schritt auf dem Weg zum Glück schon getan”) – einem Buch gelang, das im Grunde eine Einführung in die Philosophie ist, war nicht unbedingt zu erwarten. Andererseits: der groß, fett und rot gedruckte Haupttitel des Bandes „Wer bin ich?” verspricht nicht weniger als sein Vorgänger: Orientierung, Lebenshilfe, Trost, Antworten auf letzte Fragen in einer offenbar haltlosen Zeit.
Was ist das für ein Buch, das …

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Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Denken musst du schon selber, rät Jens-Christian Rabe dem Leser. Nur wer das gegen die Suggestionskraft apodiktisch gefällter Urteile über Kant und Co zu beherzigen weiß, lässt Rabe uns wissen, dem wird das Buch zu etwas taugen. Rabe entlarvt den betont anti-akademischen Gestus, mit dem Richard David Precht in seiner philosophischen Propädeutik zu Werke geht, als "rücksichtslose Ranschmeiße", die mitunter in Bildungshuberei und "kreativer" Auslegung mündet. Andererseits staunt der Rezensent nicht schlecht, wie ein Buch mit immerhin 15 Seiten Literaturhinweisen, das die Komplexität der angerissenen Fragen dann doch nicht allzu sehr eindampft und sogar Fach-Diskussionen wiedergibt, zum Bestseller werden kann. Ist doch schön.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 07.03.2008

So dass man denkt, wie einfach das alles ist
Hier wird nicht lange gefackelt: Richard David Precht bügelt alle Menschheitsfragen in einem Aufwasch ab

Auf der Suche nach überzeugenden Antworten zu den großen Fragen des Lebens beschloss Richard Precht, Philosophie zu studieren. Nach dem Warum wollte er fragen, ohne sich mit schnellen Antworten zu begnügen. Aber das Leben, das seine Philosophieprofessoren führten, schien ihm bald erschreckend reizlos. Es waren "langweilige ältere Herren in braunen oder blauen Busfahreranzügen". Zudem bedrückte ihn, wie wirkungslos Hochschulphilosophie war. Die Aufsätze würden lediglich von Kollegen gelesen, und auch das nur, um sich davon abzugrenzen. Und der fehlende Verständigungswille auf Symposien und Kongressen desillusionierte den Doktoranden restlos.

Doch da fiel ihm auf, dass es kaum befriedigende Einführungen in die Philosophie gibt, solche, die systematisches Interesse an den großen übergreifenden Fragen haben. Was es gibt, sei zu historisch orientiert und zu "unkulinarisch" geschrieben. Wie solle das auch anders sein, bei einer akademischen Lehre, die mehr Wert auf exakte Wiedergabe als auf …

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Denken musst du schon selber, rät Jens-Christian Rabe dem Leser. Nur wer das gegen die Suggestionskraft apodiktisch gefällter Urteile über Kant und Co zu beherzigen weiß, lässt Rabe uns wissen, dem wird das Buch zu etwas taugen. Rabe entlarvt den betont anti-akademischen Gestus, mit dem Richard David Precht in seiner philosophischen Propädeutik zu Werke geht, als "rücksichtslose Ranschmeiße", die mitunter in Bildungshuberei und "kreativer" Auslegung mündet. Andererseits staunt der Rezensent nicht schlecht, wie ein Buch mit immerhin 15 Seiten Literaturhinweisen, das die Komplexität der angerissenen Fragen dann doch nicht allzu sehr eindampft und sogar Fach-Diskussionen wiedergibt, zum Bestseller werden kann. Ist doch schön.

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Richard David Precht, Philosoph, Publizist und Autor, wurde 1964 in Solingen geboren. Er promovierte 1994 an der Universität Köln und arbeitet seitdem für nahezu alle großen deutschen Zeitungen und Sendeanstalten. Precht war Fellow bei der "Chicago Tribune". Im Jahr 2000 wurde er mit dem Publizistikpreis für Biomedizin ausgezeichnet. Er schrieb zwei Romane und drei Sachbücher. Richard David Precht lebt in Köln und Luxembourg.


Leseprobe zu "Wer bin ich und wenn ja, wie viele?"

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Leseprobe zu "Wer bin ich und wenn ja, wie viele?"

Die griechische Insel Naxos ist die größte Insel der Kykladen im Ägäischen Meer. In der Mitte der Insel steigt die Bergkette des Zas bis auf tausend Meter an, und auf den würzig duftenden Feldern grasen Ziegen und Schafe, wachsen Wein und Gemüse. Noch in den 1980er Jahren besaß Naxos einen legendären Strand bei Agia Ana, kilometerlange Sanddünen, in denen nur wenige Touristen sich Bambushütten geflochten hatten und ihre Zeit damit verbrachten, träge im Schatten herumzudösen. Im Sommer 1985 lagen unter einem Felsvorsprung zwei junge, gerade 20-jährige Männer. Der eine hieß Jürgen und kam aus Düsseldorf; der andere war ich. Wir hatten uns erst vor wenigen Tagen am Strand kennen gelernt und diskutierten über ein Buch, das ich aus der Bibliothek meines Vaters mit in den Urlaub genommen hatte: ein inzwischen arg ramponiertes Taschenbuch, von der Sonne ausgebleicht, mit einem griechischen Tempel auf dem Umschlag und zwei Männern in griechischem Gewand. Platon: Sokrates im Gespräch.

Die Atmosphäre, in der wir unsere bescheidenen Gedanken leidenschaftlich austauschten, brannte sich mir so tief ein wie die Sonne auf der Haut. Abends, bei Käse, Wein und Melonen, sonderten wir uns ein wenig von den anderen ab und diskutierten weiter unsere Vorstellungen. Vor allem die Verteidigungsrede, die Sokrates laut Platon gehalten haben soll, als man ihn wegen des Verderbens der Jugend zum Tode verurteilte, beschäftigte uns sehr.

Mir nahm sie - für einige Zeit - die Angst vor dem Tod, ein Thema, das mich zutiefst beunruhigte; Jürgen war weniger überzeugt.

Jürgens Gesicht ist mir entfallen. Ich habe ihn nie wieder getroffen, auf der Straße würde ich ihn heute sicher nicht erkennen. Und der Strand von Agia Ana, an den ich nicht zurückgekehrt bin, ist laut zuverlässiger Quelle heute ein Touristen-Paradies mit Hotels, Zäunen, Sonnenschirmen und gebührenpflichtigen Liegestühlen. Ganze Passagen aus der Apologie des Sokrates in meinem Kopf dagegen sind mir geblieben und begleiten mich gewiss bis ins Altenpflegeheim; mal sehen, ob sie dann immer noch die Kraft haben, mich zu beruhigen.

Das leidenschaftliche Interesse für Philosophie habe ich nicht mehr verloren. Es lebt fort seit den Tagen von Agia Ana. Aus Naxos zurückgekehrt, leistete ich zunächst einen unerquicklichen Zivildienst ab. Es war gerade eine sehr moralische Zeit, Nato-Doppelbeschluss und Friedensbewegung erhitzten die Gemüter, dazu Abenteuerlichkeiten wie US-amerikanische Planspiele über einen begrenzten Atomkrieg in Europa, die man sich ohne Kopfschütteln heute kaum noch vorstellen mag. Mein Zivildienst als Gemeindehelfer freilich regte nicht zu kühnen Gedanken an; seit ich die evangelische Kirche von innen gesehen habe, mag ich den Katholizismus. Was blieb, war die Suche nach dem richtigen Leben und nach überzeugenden Antworten auf die großen Fragen des Lebens. Ich beschloss, Philosophie zu studieren.

Das Studium in Köln begann allerdings mit einer Enttäuschung. Bislang hatte ich mir Philosophen als spannende Persönlichkeiten vorgestellt, die so aufregend und konsequent lebten, wie sie dachten. Faszinierende Menschen wie Theodor W. Adorno, Ernst Bloch oder Jean-Paul Sartre. Doch die Vision von einer Einheit aus kühnen Gedanken und einem kühnen Leben verflüchtigte sich beim Anblick meiner zukünftigen Lehrer sofort: langweilige ältere Herren in braunen oder blauen Busfahreranzügen. Ich dachte an den Dichter Robert Musil, der sich darüber gewundert hatte, dass die modernen und fortschrittlichen Ingenieure der Kaiserzeit, die neue Welten zu Lande, zu Wasser und in der Luft eroberten, gleichzeitig so altmodische Zwirbelbärte, Westen und Taschenuhren trugen. Ebenso, schien es mir, wendeten die Kölner Philosophen ihre innere geistige Freiheit nicht auf ihr Leben an. Immerhin brachte mir einer von ihnen schließlich doch das Denken bei. Er lehrte mich, nach dem "Warum" zu fragen und sich nicht mit schnellen Antworten zu begnügen. Und er paukte mir ein, dass meine Gedankengänge und Argumentationen lückenlos sein sollten, so dass jeder einzelne Schritt möglichst streng auf dem anderen aufbaut.

Ich verbrachte wunderbare Studienjahre. In meiner Erinnerung vermischen sie sich zu einer einzigen Abfolge aus spannender Lektüre, spontanem Kochen, Tischgesprächen beim Nudelessen, schlechtem Rotwein, wilden Diskussionen im Seminar und endlosen Kafteerunden in der Mensa mit Bewährungsproben unserer philosophischen Lektüre: über Erkenntnis und Irrtum, das richtige Leben, über Fußball und natürlich darüber, warum Mann und Frau - wie Loriot meinte - nicht zusammenpassen. Das Schöne an der Philosophie ist, dass sie kein Fach ist, das man je zu Ende studiert. Genau genommen, ist sie noch nicht einmal ein Fach. Naheliegend wäre es deshalb gewesen, an der Universität zu bleiben. Aber das Leben, das meine Professoren führten, erschien mir, wie gesagt, erschreckend reizlos. Zudem bedrückte mich, wie wirkungslos die Hochschulphilosophie war. Die Aufsätze und Bücher wurden lediglich von Kollegen gelesen, und das zumeist nur, um sich davon abzugrenzen. Auch die Symposien und Kongresse, die ich als Doktorand besuchte, desillusionierten mich restlos über den Verständigungswillen ihrer Teilnehmer.

Allein die Fragen und die Bücher begleiteten mich weiter durch mein Leben. Vor einem Jahr fiel mir auf, dass es nur sehr wenige befriedigende Einführungen in die Philosophie gibt. Natürlich existieren viele mehr oder weniger witzige Bücher, die von Logeleien und Kniffen des Denkens handeln, aber die meine ich nicht. Auch nicht die klugen nützlichen Bücher, die das Leben und Wirken ausgewählter Philosophen beschreiben oder in ihre Werke einführen. Ich vermisse das systematische Interesse an den großen übergreifenden Fragen. Was sich als systematische Einführung ausgibt, präsentiert zumeist eine Abfolge von Denkströmungen und -ismen, die mir oft zu sehr historisch interessiert sind oder die zu sperrig sind und zu trocken geschrieben.

Der Grund für diese unkulinarische Lektüre liegt nahe: Universitäten fördern nicht unbedingt den eigenen Stil. Noch immer wird in der akademischen Lehre meist mehr Wert auf exakte Wiedergabe gelegt als auf die intellektuelle Kreativität der Studenten. Besonders störend an der Vorstellung von der Philosophie als einem "Fach" sind dabei ihre ganz unnatürlichen Abgrenzungen. Während meine Professoren das menschliche Bewusstsein anhand der Theorien von Kant und Hegel erklärten, machten ihre Kollegen von der medizinischen Fakultät, nur achthundert Meter entfernt, die aufschlussreichsten Versuche mit hirngeschädigten Patienten. Achthundert Meter Raum in einer Universität sind sehr viel. Denn die Professoren lebten auf zwei völlig verschiedenen Planeten und kannten nicht einmal die Namen ihrer Kollegen.Wie passen die philosophischen, die psychologischen und die neurobiologischen Erkenntnisse über das Bewusstsein zusammen? Stehen sie sich im Weg, oder ergänzen sie sich? Gibt es ein "Ich"? Was sind Gefühle?

Leseprobe zu "Wer bin ich und wenn ja, wie viele?"

Die griechische Insel Naxos ist die größte Insel der Kykladen im Ägäischen Meer. In der Mitte der Insel steigt die Bergkette des Zas bis auf tausend Meter an, und auf den würzig duftenden Feldern grasen Ziegen und Schafe, wachsen Wein und Gemüse. Noch in den 1980er Jahren besaß Naxos einen legendären Strand bei Agia Ana, kilometerlange Sanddünen, in denen nur wenige Touristen sich Bambushütten geflochten hatten und ihre Zeit damit verbrachten, träge im Schatten herumzudösen. Im Sommer 1985 lagen unter einem Felsvorsprung zwei junge, gerade 20-jährige Männer. Der eine hieß Jürgen und kam aus Düsseldorf; der andere war ich. Wir hatten uns erst vor wenigen Tagen am Strand kennen gelernt und diskutierten über ein Buch, das ich aus der Bibliothek meines Vaters mit in den Urlaub genommen hatte: ein inzwischen arg ramponiertes Taschenbuch, von der Sonne ausgebleicht, mit einem griechischen Tempel auf dem Umschlag und zwei Männern in griechischem Gewand. Platon: Sokrates im Gespräch.

Die Atmosphäre, in der wir unsere bescheidenen Gedanken leidenschaftlich austauschten, brannte sich mir so tief ein wie die Sonne auf der Haut. Abends, bei Käse, Wein und Melonen, sonderten wir uns ein wenig von den anderen ab und diskutierten weiter unsere Vorstellungen. Vor allem die Verteidigungsrede, die Sokrates laut Platon gehalten haben soll, als man ihn wegen des Verderbens der Jugend zum Tode verurteilte, beschäftigte uns sehr.

Mir nahm sie - für einige Zeit - die Angst vor dem Tod, ein Thema, das mich zutiefst beunruhigte; Jürgen war weniger überzeugt.

Jürgens Gesicht ist mir entfallen. Ich habe ihn nie wieder getroffen, auf der Straße würde ich ihn heute sicher nicht erkennen. Und der Strand von Agia Ana, an den ich nicht zurückgekehrt bin, ist laut zuverlässiger Quelle heute ein Touristen-Paradies mit Hotels, Zäunen, Sonnenschirmen und gebührenpflichtigen Liegestühlen. Ganze Passagen aus der Apologie des Sokrates in meinem Kopf dagegen sind mir geblieben und begleiten mich gewiss bis ins Altenpflegeheim; mal sehen, ob sie dann immer noch die Kraft haben, mich zu beruhigen.

Das leidenschaftliche Interesse für Philosophie habe ich nicht mehr verloren. Es lebt fort seit den Tagen von Agia Ana. Aus Naxos zurückgekehrt, leistete ich zunächst einen unerquicklichen Zivildienst ab. Es war gerade eine sehr moralische Zeit, Nato-Doppelbeschluss und Friedensbewegung erhitzten die Gemüter, dazu Abenteuerlichkeiten wie US-amerikanische Planspiele über einen begrenzten Atomkrieg in Europa, die man sich ohne Kopfschütteln heute kaum noch vorstellen mag. Mein Zivildienst als Gemeindehelfer freilich regte nicht zu kühnen Gedanken an; seit ich die evangelische Kirche von innen gesehen habe, mag ich den Katholizismus. Was blieb, war die Suche nach dem richtigen Leben und nach überzeugenden Antworten auf die großen Fragen des Lebens. Ich beschloss, Philosophie zu studieren.

Das Studium in Köln begann allerdings mit einer Enttäuschung. Bislang hatte ich mir Philosophen als spannende Persönlichkeiten vorgestellt, die so aufregend und konsequent lebten, wie sie dachten. Faszinierende Menschen wie Theodor W. Adorno, Ernst Bloch oder Jean-Paul Sartre. Doch die Vision von einer Einheit aus kühnen Gedanken und einem kühnen Leben verflüchtigte sich beim Anblick meiner zukünftigen Lehrer sofort: langweilige ältere Herren in braunen oder blauen Busfahreranzügen. Ich dachte an den Dichter Robert Musil, der sich darüber gewundert hatte, dass die modernen und fortschrittlichen Ingenieure der Kaiserzeit, die neue Welten zu Lande, zu Wasser und in der Luft eroberten, gleichzeitig so altmodische Zwirbelbärte, Westen und Taschenuhren trugen. Ebenso, schien es mir, wendeten die Kölner Philosophen ihre innere geistige Freiheit nicht auf ihr Leben an. Immerhin brachte mir einer von ihnen schließlich doch das Denken bei. Er lehrte mich, nach dem "Warum" zu fragen und sich nicht mit schnellen Antworten zu begnügen. Und er paukte mir ein, dass meine Gedankengänge und Argumentationen lückenlos sein sollten, so dass jeder einzelne Schritt möglichst streng auf dem anderen aufbaut.

Ich verbrachte wunderbare Studienjahre. In meiner Erinnerung vermischen sie sich zu einer einzigen Abfolge aus spannender Lektüre, spontanem Kochen, Tischgesprächen beim Nudelessen, schlechtem Rotwein, wilden Diskussionen im Seminar und endlosen Kafteerunden in der Mensa mit Bewährungsproben unserer philosophischen Lektüre: über Erkenntnis und Irrtum, das richtige Leben, über Fußball und natürlich darüber, warum Mann und Frau - wie Loriot meinte - nicht zusammenpassen. Das Schöne an der Philosophie ist, dass sie kein Fach ist, das man je zu Ende studiert. Genau genommen, ist sie noch nicht einmal ein Fach. Naheliegend wäre es deshalb gewesen, an der Universität zu bleiben. Aber das Leben, das meine Professoren führten, erschien mir, wie gesagt, erschreckend reizlos. Zudem bedrückte mich, wie wirkungslos die Hochschulphilosophie war. Die Aufsätze und Bücher wurden lediglich von Kollegen gelesen, und das zumeist nur, um sich davon abzugrenzen. Auch die Symposien und Kongresse, die ich als Doktorand besuchte, desillusionierten mich restlos über den Verständigungswillen ihrer Teilnehmer.

Allein die Fragen und die Bücher begleiteten mich weiter durch mein Leben. Vor einem Jahr fiel mir auf, dass es nur sehr wenige befriedigende Einführungen in die Philosophie gibt. Natürlich existieren viele mehr oder weniger witzige Bücher, die von Logeleien und Kniffen des Denkens handeln, aber die meine ich nicht. Auch nicht die klugen nützlichen Bücher, die das Leben und Wirken ausgewählter Philosophen beschreiben oder in ihre Werke einführen. Ich vermisse das systematische Interesse an den großen übergreifenden Fragen. Was sich als systematische Einführung ausgibt, präsentiert zumeist eine Abfolge von Denkströmungen und -ismen, die mir oft zu sehr historisch interessiert sind oder die zu sperrig sind und zu trocken geschrieben.

Der Grund für diese unkulinarische Lektüre liegt nahe: Universitäten fördern nicht unbedingt den eigenen Stil. Noch immer wird in der akademischen Lehre meist mehr Wert auf exakte Wiedergabe gelegt als auf die intellektuelle Kreativität der Studenten. Besonders störend an der Vorstellung von der Philosophie als einem "Fach" sind dabei ihre ganz unnatürlichen Abgrenzungen. Während meine Professoren das menschliche Bewusstsein anhand der Theorien von Kant und Hegel erklärten, machten ihre Kollegen von der medizinischen Fakultät, nur achthundert Meter entfernt, die aufschlussreichsten Versuche mit hirngeschädigten Patienten. Achthundert Meter Raum in einer Universität sind sehr viel. Denn die Professoren lebten auf zwei völlig verschiedenen Planeten und kannten nicht einmal die Namen ihrer Kollegen.Wie passen die philosophischen, die psychologischen und die neurobiologischen Erkenntnisse über das Bewusstsein zusammen? Stehen sie sich im Weg, oder ergänzen sie sich? Gibt es ein "Ich"? Was sind Gefühle?

Kundenbewertungen zu "Wer bin ich und wenn ja, wie viele?"

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Bewertung von Kantianerin aus Berlin am 07.02.2013   ausgezeichnet
Ein bisschen mutig sollte man schon sein, aber trotzdem: Keine Angst vor Philosophie. Das Buch "Wer bin ich und wenn ja, wie viele?" klingt vielversprechend und ist es auch. Richard Davis Precht beschreibt in drei großen Kapiteln wichtige Lebensbereiche, die wirklich jeden betreffen. Es sind Fragen, die sich fast jeder sowieso irgendwann mal stellt.
Das Kapitel "Was kann ich wissen?" erweitert die Kenntnisse über Menschen - sehr wissenswert!
"Was soll ich tun?" hilft bei der Suche nach Antworten nach dem richtigen Handeln. Ich hab einer Freundin mal einige Kapitel vorgelesen, seit dem lebt sie vegetarisch.
"Was darf ich hoffen?" gibt Anregungen für die Suche nach Glück, Freiheit und Gerechtigkeit.
Es gibt keine fertigen Rezepte, aber man kann lernen, sein Leben bewusster zu gestalten. Auch Neugier zu entwickeln, einige AHA-Effekte zuzulassen und manche Dinge des Lebens von verschiedenen Ebenen zu betrachten.
Übrigens, unser Schulnamensgeber taucht auch auf.

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Bewertung von Motzmutta aus Nrw am 28.09.2012   weniger gut
Vielleicht bin ich ein einfältiger Mensch?! Fehlt mir der intellektuelle Zugang zu bewegenden Problemen der Welt- und Menschheitsgeschichte? Zumindest könnte das die Botschaft sein, die mir dieses Buch vermitteln wollte. Angelockt vom wirklich genialen Titel und den Platzierungen in sämtlichen Top-Ten-Rankings habe ich es mit in den Urlaub geschleppt! Was soll ich sagen...ich hätte stattdessen wohl lieber ein Kilo Trauben-Nuss-Schokolade in meinen Koffer ( und in mich ) gestopft. Nachdem ich 4 Mal über dem Buch eingeschlafen bin - und das meine ich absolut wörtlich!- habe ich es für immer zugeklappt. Was das Buch mir sagen wollte? Ich werde es wohl nie erfahren! Schade! Dabei habe ich mich so in den Titel verguckt...

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Broschiertes Buch

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Bewertung von Sophia aus Erfurt am 01.09.2012   gut
Inwiefern dieses Buch einen begeistert, hängt meines Erachtens erheblich davon ab, inwieweit man sich im Vorhinein schon mit ethischen und philisophischen Themen beschäftigt hat. Es bietet unter anderem einen kleinen Einstieg in die Philosophiegeschichte, was je nach dem auch als Auffrischung von Vorkenntnissen oder überflüssige Wiederholung beim Lesenden erlebt werden kann. Die Kritik einiger "Vorredner", der Aufbau des Werkes folge keiner vernünftigen Struktur, kann ich nicht zustimmen, kann ich nicht zustimmen. Er orientiert sich zunächst an Kants großen Fragen, bis es gegen Ende Anregungen zum Sinn des Lebens gibt und versucht, den Begriff des Glücks etwas greidbarer zu machen. Wie unter mir schon angedeutet, fließen dabei immer wieder neuerer neurologische Erkenntnisse ein, die der Autor mit traditionellen philosophischen Gedankengängen in Einklang bringen möchte. In jedem Fall regt die Leküre des Titels zu weiterem Nachdenken über sich selbst und das moderne Leben an und vielleicht auch zu weiteren Recherchen zu den großen Köpfen der Philosophie.

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Bewertung von Flipper am 13.06.2012   ausgezeichnet
Super Buch, hat mir gefallen! Precht gibt wissenschaftlich gut begründet einen Überblick über die Entwicklung des Menschen in Hinblick auf Anatomie, Hirnfunktionen, Psyche, Verhalten gegenüber anderen und sich selber gegenüber. Ein gutes Buch, um Selbsterkenntnis zu vertiefen.

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Bewertung von An- und Eventmoderator aus Tokio Leipzig Köln Gladbeck Hamburg Bremen Berlin am 05.06.2012   ausgezeichnet
Na bitte - geht doch! Endlich mal einer, der sich Gedanken über Gott und die Welt sowie die Entwicklung des Menschen macht in Aufdröselung aller möglichen Themenbereiche.
Hervorragendes Werk!
Nachlesen!

1 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
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Bewertung von anne60 aus verden am 29.01.2012   gut
Der Autor wendet sich mit einem schwierigen, sperrigen und schweren Thema an die Leser:
Was ist philosophische Betrachtungsweise im Verlaufe der Jahrhunderte und wie setzt man philosophische Erkenntnisse von heute dann in den Alltag der Leser um?
Er bespricht dabei wirklich fast alles, was in der heutigen Zeit auch einmal unter philosophischen Aspekten betrachtet werden könnte und sollte.
Manches ist im wahrsten Sinne "schwere Kost", z. B.: Darf man Tiere essen oder zu Forschungszwecken quälen?
Der Autor geht dabei an jedes Thema mit einem griffigen Beispiel heran, um dann die Thematik unter vielen Aspekten und verschiedenen Erkenntnissen verschiedener Wissenschaften zu betrachten.
Ich fand den Schreibstil flüssig und das Beleuchten aller möglichen Aspekte zeugt davon, dass der Autor gewiss jahrelang wissenschaftliches Arbeiten gewohnt ist.
Aus meinem Philosophieunterricht an der Schule aber weiß ich noch, dass am Ende aller Abwägungen dann ein philosophisch geklärtes "Ergebnis" stehen sollte.
Die hier hergeleiteten Schlüsse fand ich aber zu häufig enttäuschend (z. B. könnte man ja "seltener" Tiere essen). Als Tiger gesprungen, als Bettvorleger gelandet, fiel mir bei so mancher Schlussfolgerung, die über viele Seiten mühsam hergeleitet wurde, ein.
Das fand ich schade, da hatte ich mir doch irgendwie Überzeugenderes erwartet.
Von einem Buch, dass endlich mal das für die Mehrheit der Menschen völlig fremde Thema der Philosophie aufgreift, hatte ich mir markigere und aufrüttelndere Thesen erhofft.
Aber ich fand das Buch trotzdem prima zu Lesen und kaum bis gar nicht langweilig!
Wer einmal neue Denkanstöße für die Themen unserer Zeit in seine Gedankenwelt aufnehmen möchte, sollte das Buch unbedingt gelesen haben.

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Bewertung von Jodeldi aus Münster am 04.10.2011   ausgezeichnet
Der Untertitel des Buches lautet: "Eine philosophische Reise", was das Buch meiner Meinung nach sehr treffend beschreibt.

Man begibt sich auf eine Reise durch das Land der Philosophie, wobei R.D. Precht die Philosophie nicht als einzene Wissenschaft betrachtet, sondern immer mit anderen Wissenschaften verknüpft und vergleicht. Insofern ist es nicht nur eine philosophische Reise, sondern ebenso eine Reise u.a. in die Hirnforschung, Verhaltensforschung und Psychologie.

Auch das Wort Reise finde ich sehr treffend: Das Lesen ist leicht, interessant, bildend und macht Spaß. Alle beschriebenen Philosophen und Theorien werden anhand von "Geschichten" eingeführt und beschrieben, wodurch sie auch für Neulinge auf dem Gebiet verständlich werden. Dabei kann man sich die Theorie zu einem Philosophen viel besser merken, weil man sie mit einem geschichtlichen Ereignis oder einer Eigenschaft der Persönlichkeit verbindet. Schon mal Gehörtes wird mit Neuem verknüpft und in einen Gesamtzusammenhang gestellt.
Natürlich kann man auf so einer Reise nie überall sein oder zu lange an einem Ort verweilen - es handelt sich bei dem Buch nicht um eine vollständige Abhandlung aller philosophischen Fragen. Aber die für den Einzelnen beteutsamen Themen werden ausreichend und vielschichtig beleuchtet, sodass jeder eigene Ansichten entwickeln kann.

U.a. werden folgende Themen angesprochen und aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet (spannend fand ich immer das persönliche Fazit des Autors):

- Was kann ich wissen? (unser Gehirn, Gefühle, Unterbewusstsein, Gedächtnis, Sprache)
- Was soll ich tun? (Der Mensch als soziales Tier? Moral, Abtreibung, Sterbehilfe, Vegetarier, Naturschutz, Klonen, Was darf die Hirnforschung?)
- Was darf ich hoffen? (Glaube, Sinn, Liebe, Freiheit, Eigentum, Gerechtigkeit, Glück - u.a.: was macht glücklich)

FAZIT: Ich kann das Buch für alle, die auf der Suche sind nach wissenschaftlich fundierter und trotzdem leichter philosophischer Kost, bei deren Lektüre man häufig schmunzeln, lachen oder staunen muss, uneingeschränkt empfehlen! Mich hat es gefesselt und es gehört meiner Meinung nach zu den lesenswerten Werken der Allgemeinbildung!

15 von 16 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
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Bewertung von kumiko aus halle am 23.02.2011   ausgezeichnet
eine großartige einführung in die philosophie, interessant geschrieben

3 von 5 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
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Bewertung von Sarah aus Aachen am 13.01.2011   ausgezeichnet
-- Absolut Empfehlenswert --

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Bewertung von kera aus bayern am 13.11.2010   sehr gut
Ich hab dieses Buch erst angefangen aber ich hoffe, so ein wenig mehr über mich selber herrauszufinden.

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