Anständig essen, 4 Audio-CDs - Duve, Karen
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Karen Duve 

Anständig essen, 4 Audio-CDs

Ein Selbstversuch. Bearbeitete Lesefassung. Gelesen v. d. Autorin. 279 Min.

Audio CD
 
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Anständig essen, 4 Audio-CDs

Lebt es noch oder isst Du es schon?

Karen Duve gehörte nicht eben zur Gesundheitsfraktion. Bratwürstchen und Gummibären wanderten genauso in ihren Einkaufswagen wie Schokolade und Curryketchup in 1-L-Plastikflaschen. Doch dann zog sie mit jemandem zusammen, der schnell den Spitznamen Jiminy Grille erhielt - nach dem personifizierten Gewissen der Holzpuppe Pinocchio. Denn Jiminy schrie auf, wenn Karen Duve nach der "Grillhähnchenpfanne für 2,99" griff. Und Karen Duve musste einräumen, dass das Leben der "Grillhähnchenpfanne" vor ihrer Schockfrostung wohl eher unerfreulich gewesen war. So stellten sich vor der Tiefkühltheke schnell grundlegende Fragen: Darf man Tiere eigentlich essen? Und wenn Tiere nicht, warum dann Pflanzen? Wo beginnt die menschliche Empathie, und warum?

Irgendwann wollte Karen Duve es wirklich wissen: Jeweils zwei Monate lang testet sie seitdem Ernährungsweisen mit moralischem Anspruch: Biologisch-organisch, vegetarisch, vegan und am Ende sogar frutarisch, also nur das, was die Pflanze freiwillig spendet. Schonungslos und mit der ihr eigenen knochentrockenen Komik setzt sie sich jenseits aller Ideologien mit der Frage auseinander: Wie viel gönne ich mir auf Kosten anderer?


Produktinformation

  • ISBN-10: 3864840007
  • Best.Nr.: 34512083
  • Laufzeit: 279 Min.

Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Rezensent Alex Rühle bewundert zunächst einmal Karen Duves kluges Vorgehen, mit dem sie ein Thema anpackt, dass viele umtreibt und bei dem man schnell in Gefahr gerate, mit dem moralischen Holzhammer zu operieren. Duves "Selbstversuch", sich ein Jahr lang ethisch vertretbar zu ernähren, präsentiert sich als schrittweise Verschärfung: Sie wird von der unbekümmerten Supermarkt-Konsumentin zur Vegetarierin, Veganerin und schließlich Fruktarierin wird, erklärt der Rezensent. Quasi nebenbei wird man über die Tierhaltungs- und Schlachtmethoden unserer Zeit mit viel "erzählerischer Kraft" und grauenhafter Klarheit aufgeklärt, so der Rezensent weiter. Insbesondere beeindruckt aber hat ihn, dass die Autorin in ihrem Buch auch vorführt, wie sie mit ihren "Inkonsequenzen" und den Widersprüchen der eigenen Lebenshaltung umgeht, und das verschafft ihr den großen Respekt des Rezensenten. Nicht zuletzt wird so aus einem ernsten Thema auch ein "unterhaltsamer Entwicklungsroman", lobt Rühle.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 10.01.2011

Stark sein, wenn der Duft von Bratwurst in die Nase steigt

Nicht länger auf Kosten gequälter Kreaturen leben: Nach der viel diskutierten Streitschrift von Jonathan Safran Foer gegen die Massentierhaltung schildert Karen Duve, wie ihr geschah, als sie versuchte, ein besserer Mensch zu werden.

Deutschland hat wieder einen Lebensmittelskandal: krebserregende Dioxine in Eiern. Mastbetriebe wurden geschlossen, Bauern fürchten um ihre Existenz, Verbraucher um ihre Gesundheit. Was bis gestern noch gesichert schien, hat ein einziger Futterhersteller durch Profitgier aufs Spiel gesetzt.

Dass Tausende von Hühnern, denen man das mit Abfällen aus der Biodiesel-Herstellung verseuchte Futter vorgesetzt hatte, vorsorglich geschlachtet wurden, erregt hingegen niemanden. Die deutsche Landwirtschaft, so heißt es, brauche bessere Kontrollen. Das mag stimmen. Vielleicht aber braucht sie auch noch etwas ganz anderes, nämlich ein grundsätzlich anderes System. Denn von einer Landwirtschaft, für die "artgerecht" ein Fremdwort ist, die Tiere nur als Rädchen einer Produktionsmaschine für Eier, Milch und Wurst begreift, die möglichst kostengünstig funktionieren …

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kulturnews - RezensionBesprechung
Bereitgestellt von kulturnews.de
(c) bunkverlag
Wie originell: Da erkennt eine Romanautorin, dass die Lebensmittelindustrie ein ganz übles Gewerbe ist, entschließt sich, ihr Essverhalten nach moralischen Maßstäben neu zu organisieren und macht aus dieser Neuorganisation einen Selbstversuch. Denkt doch jeder, dass Karen Duves "Anständig essen" ein hilfloses Me-too-Produkt ist, nach Jonathan Safran Foers letzjährigem Bestseller "Tiere essen", oder? Naja, wenn man davon absieht, dass "Anständig essen" nicht als Plädoyer für den Vegetarismus stehen bleibt, sondern auch vegane und frutarische Ernährung zumindest anreißt. Nur: So missionarisch, besserwisserisch, nervtötend Foer in seiner Suada gegen den Fleischverzehr auch ist, sein Buch sagt einem etwas. Duve hingegen holt einen dort ab, wo man ohnehin schon ist, und bringt einen kaum ein nennenswertes Stück weiter: Ja, Massentierhaltung ist übel. Ja, man sollte sich anders ernähren. Ja, das ist manchmal ein schwieriges Unterfangen. Duves Buch ist das sympathischere, sicher, aber es ist auch das schlechtere. Immerhin: ein Zusatzpunkt für das Titelbild. (fis)

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 03.05.2011

Sachbücher des
Monats Mai
Empfohlen werden nach einer monatlich erstellten Rangliste Bücher der Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften sowie angrenzender Gebiete.
1. SÖNKE NEITZEL/HARALD WELZER: Soldaten. Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben, S. Fischer Verlag, 521 Seiten, 22,95 Euro
2. AVISHAI MARGALITH: Über Kompromisse und faule Kompromisse. Aus dem Englischen von Michael Bischoff, Suhrkamp Verlag, 252 Seiten, 22,90 Euro
3. KAREN DUVE: Anständig essen. Ein Selbstversuch, Galiani Verlag, 335 Seiten, 19,95 Euro
4.-5. ALAIN EHRENBERG: Das Unbehagen in der Gesellschaft. Übersetzt von Jürgen Schröder, Suhrkamp Verlag, 530 S., 29,90 Euro
DIETER HENRICH: Werke im Werden. Über die Genesis philosophischer Werke, C. H. Beck Verlag, 216 Seiten, 22,95 Euro
6. SIGMUND FREUD/MARTHA BERNAYS: Sei mein, wie ich mir’s denke. Die Brautbriefe. Band 1, hrsg. von Gerhard Fichtner, Ilse Grubrich-Simitis und Albrecht Hirschmüller, S. Fischer, 625 S., 48 Euro
7. JOACHIM RADKAU: Die Ära der Ökologie. Eine Weltgeschichte, C. H. Beck Verlag, 782 Seiten, 29,95 Euro
8. IAN MORRIS: Wer regiert die Welt? Warum Zivilisationen …

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"Ein gut lesbares Buch, das zum Nachdenken anregt - auch für Nicht-Vegetarier."

"Ein gut lesbares Buch, das zum Nachdenken anregt auch für Nicht-Vegetarier." Brigitte

Respekt hat Karen Krüger vor diesem Selbstversuch, Respekt auch vor dem realistischen Kompromiss, den Karen Duve nach den hier mal zornig, mal gelassen aufgeschriebenen Erfahrungen als Bio-Esserin, Vegetarierin, Veganerin und Frutarierin schließlich wählt: Wissen und Handeln so gut es geht zur Übereinstimmung zu bringen und Verantwortung zu übernehmen dem Tier gegenüber. Für Krüger ein großartiges Buch, auch weil Duve es zu einem immer wieder auch mit wissenschaftlichen Erkenntnissen bereichertem Plädoyer veredelt, das die Rezensentin aufrüttelt mit gut recherchierten Szenen aus der Welt der Massentierhaltung. Und weil es sie zu einer grundsätzlichen Frage führt: Ob nämlich wirklich nur der Fehler im System das Problem ist, wenn wieder mal ein Lebensmittelskandal die Runde macht, oder nicht doch das System selbst.

© Perlentaucher Medien GmbH
Karen Duve, geb. 1961in Hamburg, lebt mit einem Maultier, einem Pferd, einem Esel, zwei Katzen und zwei Hühnern auf dem Lande in der Märkischen Schweiz. Sie wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.

Leseprobe zu "Anständig essen, 4 Audio-CDs" von Karen Duve

"Der Ethiker Adam Shriver schlägt vor, die Viehbestände in der industriellen Landwirtschaft gentechnologisch so zu verändern, dass sie keine Schmerzen mehr verspüren, um unnötiges Leid zu verhindern. Ein Lösungsvorschlag in der Tradition männlichen Denkens. Wenn betrunkene 19-jährige Autofahrer aus Kurven fliegen oder gegen friedlich am Straßenrand stehende Bäume rasen, muss man natürlich die Straßen begradigen und die Bäume fällen. Wenn einen der Anblick von Frauen hormonell aus der Fassung bringt, hängt man sie am besten komplett mit einer Burka zu, und wenn Tiere darunter leiden, wie sie von uns behandelt werden, dann muss man natürlich etwas an den Tieren ändern."

Leseprobe zu "Anständig essen, 4 Audio-CDs" von Karen Duve

"Der Ethiker Adam Shriver schlägt vor, die Viehbestände in der industriellen Landwirtschaft gentechnologisch so zu verändern, dass sie keine Schmerzen mehr verspüren, um unnötiges Leid zu verhindern. Ein Lösungsvorschlag in der Tradition männlichen Denkens. Wenn betrunkene 19-jährige Autofahrer aus Kurven fliegen oder gegen friedlich am Straßenrand stehende Bäume rasen, muss man natürlich die Straßen begradigen und die Bäume fällen. Wenn einen der Anblick von Frauen hormonell aus der Fassung bringt, hängt man sie am besten komplett mit einer Burka zu, und wenn Tiere darunter leiden, wie sie von uns behandelt werden, dann muss man natürlich etwas an den Tieren ändern."

Trackliste zu "Anständig essen, 4 Audio-CDs" von Karen Duve


CD 1
1 Dezember 2009 10:14
2 Nun gut... 07:37
3 Januar - alles Bio 09:33
4 Heute fahren Jiminy und ich ... 10:42
5 Was gibt es sonst noch... 09:21
6 Aber zum schlafen... 04:15
7 Familienbande 11:15
8 Februar - immer noch alles Bio (Teil 1) 07:55

CD 2
1 Februar - immer noch alles Bio (Teil 2) (Der Strausberger Eine-Welt-Laden...) 10:34
2 März - vegetarisch 11:00
3 In der Post... 09:07
4 Im Nachbardorf... 05:54
5 April - weiterhin vegetarisch 06:14
6 Im Gartenteich... 07:25
7 Mai - vegan 10:03
8 Meine Güte... 10:16

Kundenbewertungen zu "Anständig essen, 4 Audio-CDs" von "Karen Duve"

6 Kundenbewertungen (Durchschnitt 4.3 von 5 Sterne bei 6 Bewertungen **** sehr gut)
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(1)
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***** weniger gut
 
(1)
***** schlecht
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Bewertung von Sibylle Meister am 12.04.2012 ***** weniger gut
Aufgeschreckt durch das Entsetzen einer Freundin, als sie unbedacht eine Hähnchenpfanne für 2,99 in den Einkaufswagen legt, beginnt Karen Duve, ihre Ernährung moralisch zu hinterfragen. Um zu einer fundierten Entscheidung zu kommen, beschliesst sie, die verschiedenen Ernährungsformen selbst zu testen: acht Monate lang isst sie nur Bio, dann vegetarisch, anschliessend vegan und zuletzt frutarisch. Ausschlaggebend für dieses Experiment, das betont sie mehrmals, ist nur der moralische Aspekt, nicht ein potentieller gesundheitlicher Vorteil. Offen und ausführlich beschreibt Duve die Probleme, die im Alltag durch die Ernährungsumstellungen entstehen, und liefert zu jeder Variante wissenswerte Fakten und Hintergrundinformationen.

Diese Erzählweise führt dazu, dass das Buch recht heterogen wirkt: unterhaltsame Anekdoten und sehr persönliche Erlebnisse wechseln sich ab mit Info-Kapitel, dazwischen ein paar Interviews und das Ganze oberflächlich garniert mit ein paar moralisierenden Passagen. Das ist einerseits ein Vorteil, weil sich diese Mischung recht flüssig liest, auf der anderen Seite aber unbefriedigend, weil es so weder dem Informationsbedürfnis des Lesers noch jenem nach Unterhaltung gerecht wird. Auch als Beschreibung eines „Selbstversuchs“, wie der Untertitel sagt, funktioniert das Buch nur bedingt, da der Leser recht wenig über den neuen Speisezettel, veränderte Geschmacksgewohnheiten oder körperliche Auswirkungen der Ernährungsumstellungen erfährt. Und irgendwie bleibt mir auch die Motivation für ein solches Experiment zu blass. Weshalb die Vorwürfe einer Freundin plötzlich solches Gewicht haben, ist nicht nachvollziehbar. Die grausamen Umstände der Massentierhaltung waren Duve offenbar schon länger bekannt, ohne dass das Einfluss auf ihre Ernährung gehabt hätte, und als bewusste Konsumentin, die ihre Ernährung hinterfragt, kann die gute Frau definitiv nicht gelten.

Ich habe mich beim Lesen oft gewundert, ob Karen Duve wirklich derart naiv sein kann. Zumindest hat sie ein Konsumverhalten beschrieben, das bei mir nur Kopfschütteln auslöst. Wer darüber enttäuscht ist, dass eine Biotomate im Januar auch nicht mehr Geschmack hat als die normale aus dem Supermarkt, obwohl sie mehr kostet, hat von der Gemüseproduktion, ob Bio oder nicht, offenbar keine Ahnung. Dass in Gummibärchen (tierische) Gelatine drin ist, ist auch keine neue Erkenntnis. Und wenn Frau Duve einen halben Monat braucht, um zu merken, dass Cola light nicht nur aus Chemie besteht, obwohl auf jeder Flasche „koffeinhaltiges Erfrischungsgetränk mit Pflanzenextrakten“ steht, dann ist das zwar unterhaltsam, führt aber zu akuten Zweifeln an ihrer Recherchearbeit.

Schlimmer als das unreflektierte Konsumverhalten hat mich aber gestört, dass die Autorin ihre moralischen Grundsätze zwar Freunden und Familienmitgliedern um die Ohren haut, selbst aber nicht danach lebt. Vorhandene Gegenstände tierischer Herkunft (Lederschuhe, Daunenkissen) durch Produkte aus Kunststoff zu ersetzen, hilft den Tieren im Nachhinein nicht mehr und spricht nicht gerade für einen ethischen, bewussten Umgang mit der Umwelt. Und die Klimaerwärmung, die durch Tierhaltung mitverursacht wird, als Argument für einen veganen Lebesstil anzuführen, aber regelmässig mit dem Auto ins 70 km entfernte Berlin zum Einkaufen fahren, weil es dort die besseren Bioläden gibt, zeugt entweder von einem recht begrenzten Denkvermögen oder von Heuchelei. Dass Karen Duve allerdings ehrlich beschreibt, wie sie immer wieder an ihrem eigenen moralischen Anspruch scheitert, und am Ende (welche Überraschung) zum Schluss kommt, dass eine ethisch völlig einwandfreie Ernährung gar nicht machbar ist, lässt das begrenzte Denkvermögen als die plausiblere Möglichkeit erscheinen. Aber das ist vielleicht gar nicht so tragisch, denn wie die Autorin selbst schreibt: „Es gibt nämlich noch etwas Schlimmeres, als das Denken zu verweigern – die Zusammenhänge zu kennen, ohne daraus die Konsquenzen zu ziehen.“

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Bewertung von JED aus Berlin am 19.06.2011 ***** ausgezeichnet
Kurzinhalt:
Karen Duve hat 2010 ein Experiment unternommen und einen bewussten Veränderungsprozess ihrer Ernährungsgewohnheiten von der "Ich esse, was in der Tiefkühle ist"- Konsumentin hin zur Bio-Laden-Käuferin, dann zur Vegetarierin, schließlich Veganerin und zum Schluss Frutarierin (das, was Pflanzen nur freiwillig "fallen lassen") durchlaufen.
Ihre Erfahrungen hat sie in „Anständig essen“ verarbeitet.
Alle Ernährungsweisen hat sie jeweils zwei Monate im Selbstversuch getestet, sich dabei auch mit den jeweiligen Einstellungen beschäftigt, sie nach außen vertreten und sich selbst - nach Abschluss der Arbeiten an ihrem Buch- zur überzeugten Vegetarierin entwickelt.


Meine Meinung:
Es gehört wohl zu den Merkwürdigkeiten im Leben, dass es immer erst einen bestimmten Anlass braucht, um Gewohnheiten des Alltags zu hinterfragen. Wer kennt nicht den schnellen Griff in die Tiefkühltruhe, ohne sich wirklich über das Gedanken zu machen, was man da tatsächlich zu sich nimmt.
Das Vertrauen in die Lebensmittelindustrie kann man regelrecht als blind bezeichnen. Gedanken über das Tier, was man isst, dessen Lebensweise und Tod, der dieses Essen erst ermöglicht, werden verdrängt.

Karen Duve beschreibt auf den ersten Seiten ihres Buches, wie sie mal wieder gedankenlos eine „Grillhähnchenpfanne für 2,99“ in den Einkaufskorb packte, was zu Protesten bei ihrer Mitbewohnerin führt. Diese nennt Duve konsequent Jiminy Grille, nach der Figur in Pinoccio, die ebenfalls eine Art gutes Gewissen verkörperte und hier nun auch zum Zünglein an der Waage wird.
Daraufhin begann die Autorin mit ihrem Selbstversuch.

Doch dies ist kein reines Buch über Essgewohnheiten. Es geht weit darüber hinaus.
Karen Duve machte sich während ihres Experimentes vermehrt Gedanken über die uns umgebende Tierwelt. Gedanken etwa über das Leben von Tieren im Zirkus oder was man mit ungewollten Schlangen in einem Teich tut und ob der Wurm im Darmtrakt des Hundes ein höheres Lebensrecht hat als das eigene Haustier.
Dass sie bei all ihren Überlegungen von sich in der „Ich“-Form schreibt, führt dazu, dass man sich beim Lesen automatisch selbst hinterfragt: Wie denke ICH darüber? Würde ICH das genauso tun?
Duve nimmt den Leser mit auf eine Reise durch eine Welt, in der der Mensch nicht nur neben dem Tier lebt, sondern sich auch anmaßt, über deren Leben zu bestimmen.

Einige Sachverhalte kennt man (etwa die Situation der Käfighaltung der Hühner), vieles wusste man irgendwo im Hinterkopf, aber wollte es nicht wahrhaben, nicht wirklich an sich heranlassen. Dank Karen Duve, kann man sich diesem Wissen nun nicht mehr entziehen und schaut automatisch anders auf die Fleischtheke im Laden um die Ecke.
Einige Aspekte überraschen auf unangenehme Art, vieles ist neu und erschreckend, sofern man sich nicht wirklich intensiv mit dem Thema beschäftigt hat. Und wer macht das schon, wenn ein leckeres Steak vor einem liegt und verführerisch duftet?

Karen Duve ist in Konsequenz daraus sogar selbst mit einigen Leuten in einen Hühnerstall eingebrochen und hat Lege-Hennen befreit - die leben heute auf ihrem kleinen Hof in Brandenburg. Erstaunlich, dass man soetwas öffentlich zugeben darf. Gut, dass sie es tut!
Aber auch andere Lebensbereiche, wie etwa das Kaufen von Schuhen (Leder) wurden von ihr völlig neu überdacht.

Es zeugt von der Erzählkunst Karen Duves, dass sie es schafft, das Thema durchaus humorvoll anzupacken, etwa wenn sie beschreibt, wie sie ihre Mutter zur Verzweiflung treibt, da diese ihr gern eine Tupperdose mit Essen mitgeben will, aber nichts mehr findet, was den neuen Ernährungsgewohnheiten ihrer Tochter entspricht.
Oder wie sie als Veganerin Stunden beim Einkauf zubringt, um eine Gummibärchenpackung zu finden, die nicht mit Bienenwachs getrennt wurde. Sich durch sämtliche Zusatzstoffe liest, nur um die Packung dann doch wieder enttäuscht weglegen zu müssen.


Fazit:
Sehr ehrlich, sehr menschlich - nachdenklich und zugleich humorvoll geschireben.

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Bewertung von Lisega am 26.04.2011 ***** ausgezeichnet
Zugegeben: Ich esse gerne Fleisch und gehöre durchaus zu den Leuten, die Vegetarier und Veganer in Diskussionen darauf hinweisen, dass Menschen schon immer Tiere gejagt und verzehrt haben. Aber in Zeiten von Gammelfleisch und brutaler Massentierhaltung hat Fleischkonsum den letzten Rest Unschuld verloren. Wie kann man heute noch „Anständig essen“?

Da ich Karen Duves Romane und ihren lakonischen Schreibstil mag, habe ich ihr Buch zu diesem Thema gelesen, zumal ihre Ausgangssituation – Fleischkonsum trotz Tierliebe, Verdrängung der negativen Berichte über Tierhaltung aus purer Bequemlichkeit – die gleiche wie bei mir ist. Ihren ein Jahr andauernden Selbstversuch alternativer Ernährungsmethoden beschreibt sie sehr detailliert: Von der gewohnten Supermarkt-Grillhähnchenpfanne steigt sie erst auf Biokost, dann auf vegetarische, dann auf vegane und schließlich auf fruktarische Kost um. Die Autorin recherchierte intensiv Hintergründe zu den verschiedenen Ernährungsformen und zur modernen Massentierhaltung; dieses Wissen gibt sie äußerst unterhaltsam, mit dem ihr typischen Humor und ohne unangenehmen missionarischen Eifer in ihrem Buch wieder.

„Anständig essen“ ist aber nicht nur ein bestechendes Plädoyer gegen Quälfleisch aus Massentierhaltung und unreflektierten Fleischkonsum geworden, sondern auch ein äußerst persönliches Buch: Als Leser durchlebt man ein ganzes Jahr mit Karen Duve in ihrem brandenburgischen Bauernhaus, bekommt mit, wie ihr geliebter Hund Bulli stirbt, die Mitbewohnerin nervt, die Eltern irritiert auf ihren Fleischverzicht reagieren usw. Gerade diese sehr persönliche Darstellung macht das Buch so glaubhaft und überzeugend. Und auch ihre Entscheidung am Schluss des Buches ist sehr ehrlich.

Wer „Anständig essen“ gelesen hat, wird vielleicht nicht sofort zum Vegetarier oder Veganer, aber definitiv viel weniger Fleisch essen und genau schauen, woher dieses kommt. Und damit hat Karen Duve ja schon viel erreicht.

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Bewertung von bildungsraum aus freiburg am 28.03.2011 ***** ausgezeichnet
ein in der Presse hervorragend angekündigtes Buch einer exzellenten Autorin: das lässt die Erwartungen ins Unermessliche steigen und nun habe ich das original Hardcoverexemplar auf dem Nachttisch und es ist:
hervorragend zu lesen und exzellent geschrieben - gut recherchiert und unterhaltsam!

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Bewertung von Hexje aus Hessen am 07.02.2011 ***** sehr gut
Dieser Selbstversuch ist humorvoll erzählt. Erfreulich fand ich die Sachkenntnis. Da kann mensch noch was lernen und das Allerbeste ist das Fehlen des erhobenen Zeigefingers.

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Bewertung von Nancy aus Sachsen am 28.01.2011 ***** ausgezeichnet
Dieses Buch ist nichts für bequeme überwiegend "fleischfressende" Menschen, da es einen wachrüttelt- jedoch ohne erhobenen Zeigefinger. Man findet sich an einigen Stellen selbst wieder und findet die Autorin automatisch sehr symphatisch, da sie auch die bequemen Seiten des Lebens schätzt. Man merkt, dass, wenn man wirklich etwas an Massentierhaltungen, Monokulturen usw. ändern bzw. diese abschaffen möchte, sich um 360 Grad drehen müßte. Das Buch regt zum Nachdenken an, vieles weiß man schon längst und gerade dieser Fakt ist erschreckend- denn man hat bis heute nichts geändert. Da wird auch Dioxin nix dran ändern. Man müßte ein Schulfach einführen, welches dieses Thema sachlich behandelt, Besuche in Legebatterien, Muttersauställen, Milchviehanlagen usw. eingeschlossen. Und natürlich auch regelmäßige Besuche in den Schlachthöfen müßten dabei sein, dort wo täglich tausende Viehcher "ermordet" werden. Desweiteren müßte es den Kindern gelehrt werden, dass uns der ganze Plastikmüll, irgendwann ordentlich auf die Füße fällt. Nur der Hauptgrund für die ganze Umweltzerstörung, Klimakatastrophen usw. wird nur selten angesprochen, weil er auch nicht einfach zu beseitigen ist: die rasande Zunahme der Weltbevölkerung...
Mich hat das Buch jedenfalls (wiedermal) wachgerüttelt und ich versuche dieses Wissen auch meinen Kindern zu vermitteln, als Vorbild sozusagen. Ich hoffe, dass mein innerer Schweinehund auch auf Fleisch und Milch und Eier (außer vom Bauern nebenan)verzichten kann...

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