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Benutzername: Sibylle Meister
Danksagungen: 7 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 17 Bewertungen
12
Bewertung vom 27.02.2013
Die russische Herzogin / Zarentochter Trilogie Bd.3
Durst-Benning, Petra

Die russische Herzogin / Zarentochter Trilogie Bd.3


weniger gut

Nachdem sich der Vorgänger "Die Zarentochter" um Großfürstin Olga drehte, die schließlich Kronprinz Karl von Württemberg heiratete, spielt „Die russische Herzogin“ ein paar Jahrzehnte später. Die Ehe von Olga und Karl ist nicht glücklich, Kinder haben sie auch keine. Da schlägt Olgas Bruder ihr vor, ihre Nichte Wera zu sich zu nehmen. Er verschweigt dabei, dass Wera als sehr schwieriges und aggressives Kind gilt. Olga hat in der Folgezeit ihre liebe Mühe mit Wera, schafft es aber, die Nichte zu einem liebenswerten Menschen zu erziehen. Doch wie Olga wird auch Wera kein Glück in der Ehe finden, und wie die Tante kanalisiert auch sie ihre überschüssige Energie und Liebe in soziales Engagement.

Das Vorgängerbuch „Die Zarentochter" war jetzt kein großartiger Roman, bot aber gute Unterhaltung. „Die russische Herzogin“ wirkt dagegen wie ein schlechter Abklatsch. Schon wieder wird ein störrisches junges Mädchen mit guten Absichten sanft auf den richtigen Weg gebracht, hat dann Pech in der Liebe und widmet sich deshalb sozialen Projekten.
Auch sind diesmal die Figuren platt und lieblos gezeichnet. Das liegt zum Teil daran, dass die Rahmenhandlungen der historischen Figuren vorgegeben sind, aber nicht mit den Charakterzeichnungen der Protagonisten im Buch übereinstimmen. So wird aus dem lebhaften Wildfang plötzlich eine passive schmachtende Frau, die sich völlig den Launen ihres Ehemanns beugt, um sich dann urplötzlich wieder mit überschäumender Energie in ihr karitatives Engagement zu stürzen. Auch der moralisierende Tonfall hat mich gestört. Zur damaligen Zeit waren aus politischem Kalkül arrangierte Ehen für den Hochadel völlig normal, da wurde von vornherein nicht die absolute Erfüllung in einer Liebesheirat erwartet. Es gehörte damals auch zum guten Ton, sich karitativ zu betätigen. Die persönliche Betroffenheit der beiden Protagonistinnen über das grausame Schicksal armer alleinerziehender Mütter wirkt da aufgesetzt und wenig glaubhaft. Insgesamt entsteht der Eindruck, als habe die Autorin möglichst rasch vom Erfolg der „Zarentochter“ profitieren wollen, dann gemerkt, dass ihre neue Hauptfigur nicht gleich viel Stoff für eine gute Geschichte hergibt wie die alte, und das mit kitschiger Inszenierung zu verdecken versucht.

Bewertung vom 12.12.2012
Lisa und der Schneemann - Ein Öko-Märchen
Loose, Holly; Hoffmann, Peggy

Lisa und der Schneemann - Ein Öko-Märchen


ausgezeichnet

Drei Tage vor Weihnachten lernt die kleine verträumte Lisa den Schneemann Magnus Snøfnugg kennen. Doch ihr neuer Freund hat großen Kummer, denn weil es auf der Erde immer wärmer wird, fürchten die Schneemänner, dass sie irgendwann aussterben, statt Winter für Winter Kinder erfreuen zu können.
Kann Lisa ihrem neuen Freund helfen? Schließlich ist sie ja nur ein kleines Mädchen. Und welche Rolle spielt der Stänkerhannes, der schlimmste Junge aus der Nachbarschaft? Reicht die Sorge um ihren Schneemannfreund, dass er und Lisa sich vertragen?

Die Geschichte von Lisa und ihrem kalten Freund spielt in einer kindlichen Welt, die noch voller Wunder steckt, mit tanzenden Schneeflocken, Elfen und sprechenden Schneemännern. Der Klimawandel wird zwar kindgerecht thematisiert, insofern könnte man dem Kinderbuch das Etikett „pädagogisch wertvoll“ anheften, aber ohne dass der ökologischen Zeigefinger wirklich spürbar wäre, denn das Büchlein handelt in erster Linie von Freundschaft und dem damit verbundenen Willen, sich für andere einzusetzen. Die Geschichte ist mit reizenden Bildern von Marion Alexa Müller illustriert und eignet sich für Kinder ab sechs Jahren, zum Vorlesen oder Selberlesen.

Bewertung vom 25.05.2012
Magersucht ist kein Zuckerschlecken
Schwarz, Mara

Magersucht ist kein Zuckerschlecken


ausgezeichnet

Eigentlich ist Mara Schwarz ein normaler Teenager. Ständige Sticheleien über ihre Figur und ein traumatisches Erlebnis führen jedoch dazu, dass sie sich immer stärker von der Aussenwelt zurückzieht. Was als Diät beginnt, endet schliesslich in einer schweren Essstörung. Abnehmen und Kalorienzählen bestimmen den Alltag, verdrängen alle sonstigen Probleme. Erste Klinikaufenthalte bleiben ohne Erfolg, ja sie verschärfen die Magersuch noch, denn Mara sieht das Eingreifen der Ärzte nicht als Hilfe, sondern als Bevormundung und Zwang und wehrt sich mit allen Mitteln dagegen, wieder zuzunehmen. Immer tiefer gerät sie in den Teufelskreis aus Abnehmen, Klinikeinweisung, erzwungener Gewichtszunahme, Entlassung und anschließendem Runterhungern. Und jedesmal sind es noch ein paar Kilos weniger, sozusagen Jojo-Effekt verkehrt herum. Auch ein Herzstillstand, ausgelöst durch extreme Mangelerscheinungen, den sie nur knapp überlebt, kann nichts an ihrer verzerrten Wahrnehmnung ändern. Erst als Ärzte und Therapeuten den Kampf um ihr Leben aufgeben und ihr ein Betreuer die Adresse eines Hospizes in die Hand drückt, damit sie nicht alleine sterben muss, wacht Mara auf. Jetzt erst begreift sie, dass sie allein die Entscheidung über ihre Zukunft treffen muss, und sucht Schritt für Schritt den Weg zurück ins Leben.

Oft verzweifeln Angehörige und Freunde daran, dass Betroffene sich völlig abkapseln und jede Hilfe ablehnen. Durch die eindrückliche Schilderungen und die schonungslose Offenheit ihres Tagebuchs hilft Mara Schwarz zu begreifen, was in Magersüchtigen vorgeht, wie sie denken und fühlen. Und das ist heute, wo Essstörungen stetig zunehmen, wichtiger denn je. Denn das Wissen um Ursache und Entwicklung dieser schweren psychischen Krankheit kann dabei helfen, Betroffenen mit mehr Verständnis für ihre verzerrte Wahrnehmung zu begnen, statt sie noch weiter zu stigmatisieren.

Fazit: keine leichte Kost, aber ein sehr eindrücklicher Einblick in das Innenleben einer Magersüchtigen.

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 03.05.2012
Belladonna / Grant County Bd.1
Slaughter, Karin

Belladonna / Grant County Bd.1


weniger gut

In einer amerikanischen Kleinstadt findet die Ärztin und Gerichtsmedizinerin Sara Linton auf einer Restauranttoilette eine bestialisch zugerichtete Frau, noch lebend, aber ihre Hilfe kommt zu spät. Als ein paar Tage später ein weiteres Opfer gefunden wird, ist klar, dass in Grant County ein Serienkiller sein Unwesen treibt. Einiges scheint darauf hinzudeuten, dass auch Sara ins Visier des Täters geraten ist. Doch die Ermittlungen kommen nicht recht voran, und dass der zuständige Polizeichef Saras Exmann ist, macht die Sache auch nicht einfacher. Und dann ist da noch ein dunkles Geheimnis in Saras Vergangenheit...

„Belladonna“ ist das erste Buch der Grant County-Reihe um Sara Linton. Tja, was soll ich sagen... Ich habe nun eines gelesen und verzichte auf den Rest. Die angepriesene Spannung und der Gruselfaktor sollten wohl durch die sehr ausführliche Schilderung der Obduktionen und der sadistischen Taten des Verbrechers erzeugt werden. Mich hat diese plumpe Effekthascherei allerdings nur genervt. Genaue Beschreibungen von Gewaltszenen schrecken mich nicht ab, aber dann erwarte ich diese Detailverliebtheit im ganzen Buch, nicht nur dort, wo Blut fließt. Und stilistisch war es auch nicht mein Fall, Umgangssprache ist ok, aber "Yeah" in jedem zweiten Satz geht mir sehr bald auf die Nerven.
Auch inhaltlich konnte das Buch die stilistischen Mängel nicht ausgleichen. Die Figuren wirkten farblos und platt, das Beziehungsdrama bleibt oberflächlich. Und der Kriminalfall war mir deutlich zu konstruiert. Die Ermittlungen sind langwierig (und langweilig) und führen nirgendwohin, so dass der Täter am Ende selber für die Auflösung sorgen muss. Und diese war dann auch noch so sehr absehbar. Ich finde es einfach recht plump und einfallslos, wenn die einzige Person, die bis zum Schluss "motivationslos" durch die Geschichte dümpelt, letztlich der Mörder ist. Dass sein Motiv dann noch ziemlich unglaubwürdig ist, macht zuletzt auch nicht mehr viel aus...

Fazit: ich habe immer wieder gehört, wie toll dieses Buch sei, und bin dementsprechend ziemlich enttäuscht. Über weite Strecken finde ich "Belladonna" nur effekthascherisch, platt und langweilig!

2 von 3 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 12.04.2012
Anständig essen
Duve, Karen

Anständig essen


weniger gut

Aufgeschreckt durch das Entsetzen einer Freundin, als sie unbedacht eine Hähnchenpfanne für 2,99 in den Einkaufswagen legt, beginnt Karen Duve, ihre Ernährung moralisch zu hinterfragen. Um zu einer fundierten Entscheidung zu kommen, beschliesst sie, die verschiedenen Ernährungsformen selbst zu testen: acht Monate lang isst sie nur Bio, dann vegetarisch, anschliessend vegan und zuletzt frutarisch. Ausschlaggebend für dieses Experiment, das betont sie mehrmals, ist nur der moralische Aspekt, nicht ein potentieller gesundheitlicher Vorteil. Offen und ausführlich beschreibt Duve die Probleme, die im Alltag durch die Ernährungsumstellungen entstehen, und liefert zu jeder Variante wissenswerte Fakten und Hintergrundinformationen.

Diese Erzählweise führt dazu, dass das Buch recht heterogen wirkt: unterhaltsame Anekdoten und sehr persönliche Erlebnisse wechseln sich ab mit Info-Kapitel, dazwischen ein paar Interviews und das Ganze oberflächlich garniert mit ein paar moralisierenden Passagen. Das ist einerseits ein Vorteil, weil sich diese Mischung recht flüssig liest, auf der anderen Seite aber unbefriedigend, weil es so weder dem Informationsbedürfnis des Lesers noch jenem nach Unterhaltung gerecht wird. Auch als Beschreibung eines „Selbstversuchs“, wie der Untertitel sagt, funktioniert das Buch nur bedingt, da der Leser recht wenig über den neuen Speisezettel, veränderte Geschmacksgewohnheiten oder körperliche Auswirkungen der Ernährungsumstellungen erfährt. Und irgendwie bleibt mir auch die Motivation für ein solches Experiment zu blass. Weshalb die Vorwürfe einer Freundin plötzlich solches Gewicht haben, ist nicht nachvollziehbar. Die grausamen Umstände der Massentierhaltung waren Duve offenbar schon länger bekannt, ohne dass das Einfluss auf ihre Ernährung gehabt hätte, und als bewusste Konsumentin, die ihre Ernährung hinterfragt, kann die gute Frau definitiv nicht gelten.

Ich habe mich beim Lesen oft gewundert, ob Karen Duve wirklich derart naiv sein kann. Zumindest hat sie ein Konsumverhalten beschrieben, das bei mir nur Kopfschütteln auslöst. Wer darüber enttäuscht ist, dass eine Biotomate im Januar auch nicht mehr Geschmack hat als die normale aus dem Supermarkt, obwohl sie mehr kostet, hat von der Gemüseproduktion, ob Bio oder nicht, offenbar keine Ahnung. Dass in Gummibärchen (tierische) Gelatine drin ist, ist auch keine neue Erkenntnis. Und wenn Frau Duve einen halben Monat braucht, um zu merken, dass Cola light nicht nur aus Chemie besteht, obwohl auf jeder Flasche „koffeinhaltiges Erfrischungsgetränk mit Pflanzenextrakten“ steht, dann ist das zwar unterhaltsam, führt aber zu akuten Zweifeln an ihrer Recherchearbeit.

Schlimmer als das unreflektierte Konsumverhalten hat mich aber gestört, dass die Autorin ihre moralischen Grundsätze zwar Freunden und Familienmitgliedern um die Ohren haut, selbst aber nicht danach lebt. Vorhandene Gegenstände tierischer Herkunft (Lederschuhe, Daunenkissen) durch Produkte aus Kunststoff zu ersetzen, hilft den Tieren im Nachhinein nicht mehr und spricht nicht gerade für einen ethischen, bewussten Umgang mit der Umwelt. Und die Klimaerwärmung, die durch Tierhaltung mitverursacht wird, als Argument für einen veganen Lebesstil anzuführen, aber regelmässig mit dem Auto ins 70 km entfernte Berlin zum Einkaufen fahren, weil es dort die besseren Bioläden gibt, zeugt entweder von einem recht begrenzten Denkvermögen oder von Heuchelei. Dass Karen Duve allerdings ehrlich beschreibt, wie sie immer wieder an ihrem eigenen moralischen Anspruch scheitert, und am Ende (welche Überraschung) zum Schluss kommt, dass eine ethisch völlig einwandfreie Ernährung gar nicht machbar ist, lässt das begrenzte Denkvermögen als die plausiblere Möglichkeit erscheinen. Aber das ist vielleicht gar nicht so tragisch, denn wie die Autorin selbst schreibt: „Es gibt nämlich noch etwas Schlimmeres, als das Denken zu verweigern – die Zusammenhänge zu kennen, ohne daraus die Konsquenzen zu ziehen.“

11 von 12 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 11.08.2011
Die große Brocklaus
Fröhlich, Axel; Kuhn, Oliver; Reinwarth, Alexandra

Die große Brocklaus


sehr gut

Humor in handlichen Häppchen:

Ein wunderbares Buch, um ein wenig darin zu stöbern, wenn die gute Laune mal gerade abhanden gekommen ist, etwa weil man gerade einen Tastosteron-Schock erlitten hat (Tastosteron: Hormon, das ausgeschüttet wird, wenn man beim tastengesteuerten Auswahlmenü einer Telefonhotline fast am Ziel angekommen scheint und dann doch die falsche Taste drückt). Hebt garantiert die Stimmung! Klar, die Grosse Brocklaus ist kein Buch, das man von A bis Z durchlesen kann, schliesslich ist es ein Lexikon. Aber es hilft innert wenigen Minuten zuverlässig bei kleineren Stimmungsschwankungen. Klar trifft der Humor nicht immer ganz meinen Gescmack, aber bei mehreren hundert Lemmata ist wohl für jeden etwas dabei. Und noch ein Tipp zum Schluss: nicht bei Z aufhören, der Anhang hat es nämlich auch noch in sich...

Bewertung vom 04.08.2011
Imago - Für immer dein

Imago - Für immer dein


schlecht

Eines der nervigsten Bücher, die ich je gelesen habe. Habe es geschenkt bekommen, war immer wieder versucht, es hinzuwerfen und habe es, weil es so kurz ist, dann doch durchgelesen. Leider vergeudete Zeit. Damit dieser Fehler keinem anderen passiert, hier meine Eindrücke:

„Imago – für immer dein“ beginnt harmlos, birgt aber ein Sammelsurium an wirren, irren Figuren. Sogar die Katze scheint ein psychisches Problem zu haben. Da ist Sabrina, unfähig zu tieferen sozialen Kontakten, die sich selbst die Schuld am Verschwinden ihres geliebten Vaters gibt und mit Selbstbestrafungsritualen auf ihre Schuldgefühle reagiert. Dann ihre Mutter Elisabeth, die seit dem Verschwinden ihres Mannes ihre Wohnung nicht mehr verlassen hat und Sabrina als Kontakt zur Aussenwelt braucht. Ihr Vater, ein notorischer Schürzenjäger, der als Mumie mit eingeschlagenem Schädel in der Bettzeugschublade von Elisabeth liegt und später als neuer „Mitbewohner“ von Sabrina mit Liebe überschüttet wird. Sabrinas Halbschwester Lea, die ihren Sportlehrer verführt, von ihm schnwanger wird und sich auf die Suche nach ihrem eigenen Erzeuger macht. Der despotische Nachbar, der von der Leiche weiss und Elisabeth und Sabrina erpresst. Und zuletzt die Nachbarin, die nach dem tragischen Tod ihrer Schwester alle Männer hasst und Probleme mit Hilfe pflanzlicher Gifte löst.

Ja, der Roman ist so schräg, wie die Schau der Protagonisten vermuten lässt. Skurile Figuren können eine Geschichte bereichern; diese hier nerven jedoch nur. Vor allem, weil sie nach einem sehr simplen Muster gestrickt sind: die Männer sind durchwegs böse, agressiv und gewalttätig, die Frauen sind die psychisch geschädigten Opfer. Die Geschichte wird zügig erzählt, aber bei den vielen markabren Wendungen der Geschichte bleibt jegliche Logik auf der Strecke. Unterbrochen wird der Erzählfluss noch von „Monologen“, seltsamen Auszügen von Gedichten und Lexikonartikel, die schlicht überflüssig sind – wie das ganze Buch...

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