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Benutzername: Lisega
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Bewertungen

Insgesamt 1281 Bewertungen
Bewertung vom 13.09.2018
Wege zum Ruhm

Wege zum Ruhm


ausgezeichnet

Wie „Im Westen nichts Neues“ ist Stanley Kubricks Klassiker „Wege zum Ruhm“ ein hervorragender Antikriegsfilm. Schonungslos zeigt er den Wahnsinn im Stellungskrieg der Westfront, wo für ein paar Meter nutzlosen Bodengewinns sinnlos Menschen geopfert wurden. Dargestellt wird ein Vorfall an einem französischen Frontabschnitt, doch die Nationalität der Protagonisten wäre sicherlich austauschbar – so oder ähnlich lief es an der Westfront ab. Während die französischen Generäle im Quartier im sicheren Hinterland kühl hohe Verluste einkalkulieren, sterben beim Sturm auf die unbedeutende „Höhe 19“ die Soldaten im deutschen Artilleriefeuer, sobald sie den Kopf aus dem Schützengraben strecken. Kirk Douglas spielt überzeugend Colonel Dax, der drei seiner untergebenen Soldaten verteidigt, als sie nach dem katastrophalen Angriff wegen Feigheit vor dem Feind angeklagt werden. Sowohl die Soldaten – z.B. die Auswahl der drei „Sündenböcke“ des Regiments – als auch die handelnden Offiziere werden von Kubrick schonungslos dargestellt. Krieg ist ein dreckiges Geschäft, und dass die Befehlshaber hier als ruhmsüchtige Egoisten dargestellt werden, hat dafür gesorgt, dass „Wege zum Ruhm“ in Frankreich lange Jahre nicht gezeigt wurde.

Bewertung vom 07.09.2018
Alles Sense / Scheibenwelt Bd.11
Pratchett, Terry

Alles Sense / Scheibenwelt Bd.11


ausgezeichnet

Was macht TOD, wenn er von den Revisoren der Realität eine Sanduhr in die Hand gedrückt bekommt und in Rente geschickt wird? Er verdingt sich als Knecht auf einer Farm, denn mit der Sense kann er ja schließlich gut umgehen. So tauscht er den schwarzen Umhang gegen Latzhose und Strohhut und arbeitet als „Bill Tür“ bei Frau Flinkwert. Bis sein Job wieder besetzt wird, sammelt sich auf der Scheibenwelt aber eine große Menge an nicht abgeholter Lebensenergie an. Untote laufen in den Straßen Ankh-Morporks herum, und plötzlich tauchen überall sich in Einkaufswagen verwandelnde Schneekugeln auf … „Alles Sense“ ist ein perfekt gelungener Scheibenwelt-Roman. TOD ist einer von Pratchetts beliebtesten Charakteren, und wie er sich hier als „normaler Mensch“ mit Alltagsproblemen rumschlägt, ist köstlich. Und die Untoten, allen voran der 130 Jahre alte Zauberer Windle Poons, stellen das Zombie-Klischee auf den Kopf und sorgen mit ihrem „Club des neuen Anfangs“ für die lustigsten Szenen. Genauso wie die Zauberer der Unsichtbaren Universität – ihre Auftritte sind immer wieder ein Highlight. „Alles Sense“ ist für mich einer der besten Scheibenwelt-Romane!

Bewertung vom 07.09.2018
Voll im Bilde / Scheibenwelt Bd.10
Pratchett, Terry

Voll im Bilde / Scheibenwelt Bd.10


sehr gut

Wenn Terry Pratchett in Form eines Scheibenwelt-Romans die Filmindustrie auf die Schippe nimmt, wird daraus natürlich ein herrlich überdrehter, verrückter Lesespaß. „Voll im Bilde“ erzählt vom magischen Ort „Holy Wood“, der kreative Energien aussendet, Alchimisten die Octo-Cellulose erfinden lässt und Möchtegern-Schauspieler und Produzenten anlockt. Allerdings gibt es in Holy Wood auch ein Tor zu den Wesen der Kerkerdimension …
Pratchett-Fans begegnen in „Voll im Bilde“ dem neuen Erzkanzler der Unsichtbaren Universität, Mustrum Ridcully, der sprechende Hund Gaspode hat seinen ersten Auftritt und Treibe-mich-selbst-in-den-Ruin Schnapper wird Filmproduzent. Viele Klischees werden durch den Kakao gezogen und lustige Anspielungen auf Film-Klassiker sorgen immer wieder für Schmunzeln – so wird z.B. das berühmte King Kong-Motiv verdreht und der Bibliothekar (ein Orang Utan) von einer riesigen Blondine entführt und auf die Spitze des Kunstturms mitgeschleppt. Zur neuen Übersetzung: Die ist richtig gut gelungen, sehr flüssig zu lesen.

Bewertung vom 07.09.2018
Avengers: Infinity War

Avengers: Infinity War


ausgezeichnet

Da ist er, der Film, auf den alle Fans des MCU sehnlichst gewartet haben. Der erste der beiden Filme, auf die Marvel in den letzten 10 Jahren hingearbeitet hat. Allein die Besetzungsliste sorgt für Hyperventilation: Fast alle Avengers treffen in „Infinity War“ aufeinander, darunter auch jene, die sich noch nie zuvor begegnet sind. Und wenn sich solche Super-Egos wie Dr. Strange und Ironman kabbeln, Thor auf die Hilfe der Guardians of the Galaxy angewiesen ist und der Jungspund Spiderman unbekümmert mit den „Großen“ mitmischt, macht das – untermalt mit dem typischen Marvel-Humor – einfach Spaß. Die geballte Superhelden-Power braucht es auch, um gegen Thanos, den schier unbezwingbaren Gegenspieler, auch nur den Hauch einer Chance zu haben. Der (für Marvel-Verhältnisse) erstaunlich tiefgründige Gegner und seine Pläne mit den Infinity Steinen verleihen dem Film eine sehr düstere Note. In Wakanda kommt es zu einem Showdown, der seinesgleichen sucht. Natürlich überzeugt „Avengers: Infinity War“ mit bombastischen Effekten und atemberaubender Action, aber was mich besonders beeindruckt hat war, dass die Schar an Superhelden und liebgewonnenen Sidekicks scheinbar mühelos in einer stimmigen Story zusammengefügt wurde. Man kann nun gespannt auf Teil 2 warten – die Post-Credit-Scene verweist auf eine neue Heldenfigur.

Bewertung vom 06.09.2018
Berge des Wahnsinns
Lovecraft, Howard Ph.

Berge des Wahnsinns


sehr gut

Tekeli-li! Tekeli-li!

Die titelgebenden „Berge des Wahnsinns“ entdeckte eine fiktive Antarktis-Expedition in den 1920er Jahren, von der der Ich-Erzähler William Dyer nach jahrelangem Schweigen berichtet, um weitere Forschungen in dieser Region zu verhindern. Der Geologe von der fiktiven Miskatonic University in Arkham erzählt, wie er und seine Kollegen bei Bohrungen Fossilien, seltsame Spuren und schließlich scheinbar tote, halb tierische, halb pflanzliche Wesen fanden, die wohl vor mehreren hundert Millionen Jahren auf die Erde gekommen sind. Hinter den Bergen des Wahnsinns stießen der Ich-Erzähler und ein Begleiter auf die Überreste einer uralten Zivilisation, in denen sie in vielen Reliefs die Geschichte der „Alten Wesen“ entdeckten – und in einem Abgrund noch etwas anderes …

Wie bei Lovecraft üblich, deutet der Ich-Erzähler immer wieder an, dass sein Bericht Grauenhaftes enthält, die Spannung wird bei der detaillierten Schilderung der Expedition immer weiter aufgebaut. Spätestens wenn Dyer den Streifzug durch die uralte Ruinenstadt beschreibt, wird man beim Lesen in eine beklemmende und unheimliche Stimmung versetzt. Im weiteren Sinne gehört „Berge des Wahnsinns“ zur Cthulhu-Mythologie des Autors – die „Alten Wesen“ kamen aus dem Weltall und kämpften einst mit anderen kosmischen Kreaturen, u.a. Cthulhu, um Gebiete auf der Erde. Fazit: Eine spannende, unheimliche Geschichte im typischen Lovecraft-Stil.

Bewertung vom 06.09.2018
Wovon wir einen Ohrwurm bekommen 2019 Aufstell- und Wandkalender
Berlin, Katja; Grünlich, Peter

Wovon wir einen Ohrwurm bekommen 2019 Aufstell- und Wandkalender


sehr gut

„Wovon wir einen Ohrwurm bekommen“ ist der neueste Streich aus der Bilderbuchreihe „Die Welt in überwiegend lustigen Grafiken“, basierend auf der Website graphitti-blog.de. Die witzigsten dieser Grafiken, die die Welt erklären, werden für 2019 wieder in einem stabilen Tisch-Kalender zum Aufstellen versammelt (kann man aber auch aufhängen). Insgesamt enthält der Kalender 53 dieser amüsanten Grafiken (ein Blatt pro Woche). Darunter sind so schöne Übersichten wie „Wonach mein Green Smoothie schmeckt“ oder „Was wir tun, wenn das Internet ausfällt“ und Diagramme zu Themen wie „Meine Glückskurve bei der Parkplatzsuche“ oder „Wie lange ein Monat dauert“. Ein wirklich witziger Kalender, in den geschilderten Alltagssituationen erkennt man sich oft wieder, die Reaktionen reichen vom leichten Schmunzeln bis zum lauten Auflachen. Damit werde ich auf dem Schreibtisch in 2019 wenigstens immer wieder einen Lichtblick entdecken ;-)

Bewertung vom 05.09.2018
Black Panther

Black Panther


ausgezeichnet

Bei Marvel-Filmen befürchte ich ja, dass sich meinerseits mal eine Übersättigung einstellt. Doch die Figur des „Black Panther“ fand ich in „Civil War“ ziemlich cool, weshalb ich sehr gespannt auf seinen Einzelfilm war. Der Kauf hat sich definitiv gelohnt: „Black Panther“ ist ein rundum gelungener Filmspaß, der mit dem Schauplatz Wakanda und dem großteils farbigen Cast nicht nur in der Figur des Titelhelden geballte „black power“ bietet. Neben Chadwick Boseman als T'Challa sind v.a. Danai Gurira als Okoye und Michael B. Jordan als Killmonger zu erwähnen – endlich mal ein Marvel-Bösewicht mit einer interessanten Hintergrundstory! Die originelle Ausstattung des fiktiven, hochentwickelten Wakandas hat mir sehr gefallen, und sowohl Action als auch CGI-Effekte werden den hohen Anforderungen, die ich an Marvel-Filme in dieser Hinsicht habe, gerecht. Und die Post-Credit-Scene macht natürlich Lust auf das große Avengers-Finale in „Infinity War“ …

Bewertung vom 29.08.2018
Tomb Raider

Tomb Raider


sehr gut

Lara Croft ist wieder da! Nachdem 2013 die Spielereihe neu ausgerichtet wurde, stellt auch der neueste Film „Tomb Raider“ den Werdegang der jungen Frau in den Fokus. Der Film ist düsterer und härter als die Vorgänger, und Alicia Vikander gibt die junge Lara überzeugend mal verletzlich, mal schlagkräftig. Zur kampferprobten Amazone muss sie im Laufe des Films erst noch werden, aber bei der Suche nach ihrem verschwundenen Vater auf einer abgelegenen Insel hat sie dazu reichlich Gelegenheit und kämpft sich mit Pfeil und Bogen, Eispickel und wenn es sein muss den bloßen Händen durch. Wie vom Genre gewohnt wird nach einem Schatz gesucht – hier ist es eine mysteriöse Grabkammer. Dabei müssen jede Menge Rätsel gelöst und Schurken aus dem Weg geräumt werden. „Tomb Raider“ erfindet den Abenteuerfilm nicht neu, überzeugt aber mit seiner spannenden Story, gelungenen Actionsequenzen und durchwegs guten Darstellern. Das Ende schreit natürlich nach einer Fortsetzung – von mir aus gerne.

Bewertung vom 24.08.2018
Dr. Siri und die Tränen der Madame Daeng / Dr. Siri Bd.10
Cotterill, Colin

Dr. Siri und die Tränen der Madame Daeng / Dr. Siri Bd.10


ausgezeichnet

Die Invasion einer chinesischen Armee, der Kampf mit Drogendealern und einer skrupellosen chinesischen Baukolonne, alte Feinde, die auf Rache aus sind – im 10. Band mit Dr. Siri kommt es für den ehemaligen einzigen Gerichtsmediziner in Laos knüppeldick, obwohl er sich zu Beginn des Krimis im wohlverdienten Ruhestand erst einmal unendlich langweilt. Doch als Siri ein Päckchen mit einem schönen Pha Sin zugeschickt wird, entdeckt er, dass im Saum des Rocks ein Finger eingenäht ist. Siri stürzt sich auf das Rätsel des Fingers, und seine Ermittlungen nach der Herkunft des Rocks führen ihn zu den Thai Lu im Norden des Landes. Dort werden er und Madame Daeng auf eine regelrechte Schnitzeljagd geschickt, während Inspektor Phosy in der gleichen Gegend den rätselhaften Tod zweier Clan-Chefs untersucht und Civilai im Norden in politischer Mission unterwegs ist. Natürlich kreuzen sich ihre Wege …
„Die Tränen der Madame Daeng“ ist ein gewohnt kurzweiliger und hintersinniger Laos-Krimi, in dem Colin Cotterill v.a. in den Dialogen seinen typisch trockenen Humor aufblitzen lässt. Demgegenüber steht aber ein für diese Krimis ungewöhnlich grausamer Bösewicht, und die Einblicke in den Terror, dem die Dörfer, die Siri und seine Freunde besuchen, ausgesetzt sind, machen das Buch zu einem der düstersten der Reihe. Dennoch absolut empfehlenswert, und als Leser lernt man ganz nebenbei wieder einiges über die verzwickte Geschichte und reichhaltige Kultur Südostasiens.

Bewertung vom 30.07.2018
Blade Runner 2049

Blade Runner 2049


ausgezeichnet

Zugegeben, ich war nie ein besonders großer Fan des SciFi-Kultfilms „Blade Runner“ (wobei ich nur den Director’s Cut kenne, nicht den Final Cut). Aber vermutlich hatte ich schon zu viele Filme gesehen, die den Look des Klassikers von Ridley Scott kopiert haben, um vom später gesehenen Original beeindruckt zu sein. Trotzdem war ich sehr gespannt auf die Fortsetzung „Blade Runner 2049“ – und dieser Film hat mich schwer begeistert. Das langsame Erzähltempo und die vielen langen, ruhigen Einstellungen sind sicher nichts für Action-Fans mit verminderter Aufmerksamkeitsspanne. Für alle anderen entspinnt sich ein intelligentes SciFi-Epos, das die existentiellen Fragen des Originals weiterverfolgt und in überwältigenden Bildern eine dystopische Zukunftsversion zeichnet, die noch düsterer als in „Blade Runner“ erscheint. Ryan Gosling als Replikant K ist einfach fantastisch, und das Schauspielensemble insgesamt ist hervorragend. Zur gelungenen düsteren Cyberpunk-Atmosphäre trägt auch der stimmige Soundtrack bei, und auch die (wenigen) Actionsequenzen vermögen zu überzeugen. Ein modernes SciFi-Meisterwerk!