18,00 €
versandkostenfrei*

inkl. MwSt.
Sofort lieferbar
0 °P sammeln


    Gebundenes Buch

77 Kundenbewertungen

Der Weltbestseller aus Korea - über 2 Millionen verkaufte Exemplare weltweit.Cho Nam-Joo hat mit ihrem Roman einen internationalen Bestseller geschrieben. Ihre minimalistische und doch messerscharfe Prosa hat nicht nur viele Leserinnen weltweit begeistert, sondern auch Massenproteste in Korea ausgelöst. In einer kleinen Wohnung am Rande der Metropole Seoul lebt Kim Jiyoung. Die Mittdreißigerin hat erst kürzlich ihren Job aufgegeben, um sich um ihr Baby zu kümmern - wie es von koreanischen Frauen erwartet wird. Doch schon bald zeigt sie seltsame Symptome: Jiyoungs Persönlichkeit scheint sich…mehr

Produktbeschreibung
Der Weltbestseller aus Korea - über 2 Millionen verkaufte Exemplare weltweit.Cho Nam-Joo hat mit ihrem Roman einen internationalen Bestseller geschrieben. Ihre minimalistische und doch messerscharfe Prosa hat nicht nur viele Leserinnen weltweit begeistert, sondern auch Massenproteste in Korea ausgelöst. In einer kleinen Wohnung am Rande der Metropole Seoul lebt Kim Jiyoung. Die Mittdreißigerin hat erst kürzlich ihren Job aufgegeben, um sich um ihr Baby zu kümmern - wie es von koreanischen Frauen erwartet wird. Doch schon bald zeigt sie seltsame Symptome: Jiyoungs Persönlichkeit scheint sich aufzuspalten, denn die schlüpft in die Rollen ihr bekannter Frauen. Als die Psychose sich verschlimmert, schickt sie ihr unglücklicher Ehemann zu einem Psychiater. Nüchtern erzählt eben dieser Psychiater Jiyoungs Leben nach, ein Leben bestimmt von Frustration und Unterwerfung. Ihr Verhalten wird stets von den männlichen Figuren um sie herum überwacht - von Grundschullehrern, die strenge Uniformen für Mädchen durchsetzen; von Arbeitskollegen, die eine versteckte Kamera in der Damentoilette installieren und die Fotos ins Internet stellen. In den Augen ihres Vaters ist es Jiyoung's Schuld, dass Männer sie spät in der Nacht belästigen; in den Augen ihres Mannes ist es Jiyoung's Pflicht, ihre Karriere aufzugeben, um sich um ihn und ihr Kind zu kümmern. »Kim Jiyoung, geboren 1982« zeigt das schmerzhaft gewöhnliche Leben einer Frau in Korea und gleichzeitig deckt es eine Alltagsmisogynie auf, die jeder Frau - egal, wo auf der Welt - nur allzu bekannt vorkommt.
  • Produktdetails
  • Verlag: Kiepenheuer & Witsch
  • Artikelnr. des Verlages: 4002455
  • 4. Aufl.
  • Seitenzahl: 208
  • Erscheinungstermin: 11. Februar 2021
  • Deutsch
  • Abmessung: 193mm x 118mm x 25mm
  • Gewicht: 266g
  • ISBN-13: 9783462053289
  • ISBN-10: 3462053280
  • Artikelnr.: 60477676
Autorenporträt
Cho, Nam-Joo§Cho Nam-Joo war neun Jahre lang als Drehbuchautorin fürs Fernsehen tätig. Ihr Roman »Kim Jiyoung, geboren 1982« hat sich weltweit über zwei Millionen Mal verkauft und wurde bereits erfolgreich verfilmt. Sie lebt in Korea.
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur FR-Rezension

Rezensent Martin Oehlen hofft mit Cho Nam-Joo, dass die Benachteiligung der Frau, wie sie die Autorin anhand ihrer eigenen Lebensgeschichte schildert, irgendwann ein Ende hat, nicht nur in Korea. Den Bericht im Stil einer politischen Reportage liest Oehlen mit Sinn für die feinen gesellschaftlichen Unterschiede zwischen der Heimat der Autorin und Europa, aber auch mit Sinn für die Ähnlichkeiten. Mangelnde Gleichstellung ist kein spezifisch koreanisches Problem, stellt er fest. Die geschilderten Übergriffe, das Lohngefälle und die typischen Erwartungen an eine Frau, kommen Oehlen doch bekannt vor. Anschaulich wie aufrüttelnd, findet er.

© Perlentaucher Medien GmbH

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 17.02.2021

Jederfrau außer sich
Diagnostisch nüchtern schreibt Cho Nam-Joo von der Zerrissenheit eines Frauenlebens in Südkorea, einer Gesellschaft,
die hypermodern und traditionell zugleich ist: Ihr Roman „Kim Jiyoung, geboren 1982“ wurde ein Welterfolg
VON JULIANE LIEBERT
Es soll ja Menschen geben, die grundsätzlich keine Kritiken lesen – aus Angst vor Spoilern. Hier geht es um ein Buch, bei dem es so gut wie nichts zu spoilern gibt. Es heißt „Kim Jiyoung, geboren 1982“, die Autorin heißt Cho Nam-Joo, ihre Protagonistin ist eine sehr normale Frau aus Südkorea, die ein sehr normales Leben führt, das in geradezu stoisch normaler Sprache geschildert wird. Es gibt sogar Fußnoten.
Wozu Fußnoten? Wir haben es hier doch mit einem Roman zu tun? Nun, um die im Text erwähnten sozialen und ökonomischen Fakten zu belegen. Zum Beispiel: „Geschlechtsbestimmung und Abtreibung weiblicher Föten waren gesellschaftlich akzeptiert, als ob eine Tochter zu bekommen ein medizinischer Grund wäre.“ Denn „Geboren 1982“, im koreanischen Original 2016 erschienen, berichtet – das trifft den nüchternen Ton besser als „erzählt“ – von den widersprüchlichen Verhaltensregeln, den Übergriffen und unsichtbaren Grenzen, mit denen Jiyoung sich seit ihrer Kindheit herumschlagen muss.
In der Schule haben die Mädchen beim Mittagessen weniger Zeit als die Jungen und werden mit unpraktischen Kleidungsvorschriften schikaniert. Zu Hause werden die Brüder im Zweifelsfall bevorzugt, auch wenn die Mutter, die bei allen Kompromissen Eigensinn und Eigeninitiative bewahrt hat, immer wieder Freiräume für ihre Töchter schafft. Ihr ist es letztlich zu verdanken, dass es die Familie, die anfangs in schwierigen ökonomischen Verhältnissen lebt, zu einigem Wohlstand bringt. In Cho Nam-Joos nüchternem Report vom Leben einer „typischen“ Frau ihrer Generation steckt auch die Aufstiegsgeschichte des ganzen Landes.
Jiyoung trotzt den Widerständen. Sie studiert, findet einen ordentlichen Job und einen Ehemann, der sich zumindest bemüht, sie zu unterstützen. Aber die Doppelstandards für Frauen zehren an ihrer Energie. Zum Zusammenbruch kommt es, als sie schwanger wird und eine Tochter zur Welt bringt. Ihr Mann verdient mehr, also muss sie ihre Arbeitsstelle aufgeben. Zwischen Hausarbeit und Versorgung des Babys reibt sie sich auf. Eines Tages geht sie bei herrlichem Wetter zum ersten Mal seit Langem auswärts einen Kaffee trinken. Das Kind schläft. Gerade entspannt Jiyoung sich etwas, betrachtet aber auch wehmütig die Angestellten am Nachbartisch, die gerade Mittagspause machen: So saß sie früher mit ihren Kollegen beisammen. Da hört sie, dass die Männer über sie reden. Einer verwendet ein Schimpfwort, das Frauen bezeichnet, die es sich auf Kosten ihres Mannes gut gehen lassen.
Warum kann man „Geboren 1982“ nicht spoilern? Weil es nicht um eine spannende Geschichte geht, sondern um Literatur als präzises sozialdiagnostisches Verfahren, so zweckorientiert wie ein Stethoskop. Die Pointe wird gleich zu Beginn verraten: Jiyoung entwickelt eine dissoziative Symptomatik. Sie verwandelt sich unvermittelt in andere Frauen aus ihrem Umfeld. Sie spricht dann etwa als ihre Mutter oder ihre verstorbene Freundin. Der Roman berichtet, wie es dazu kommen konnte. Am Ende entpuppt er sich als Fallbeschreibung des behandelnden Psychiaters – ein Mann, der aber aus persönlichen Gründen für sich in Anspruch nimmt zu begreifen, unter welchem Druck koreanische Frauen stehen.
Krank ist die Gesellschaft. Manche von Jiyoungs Erfahrungen machen auch westliche Frauen: die Belästigungen etwa oder die Unvereinbarkeit von Kindererziehung und Karriere. In Ostasien prallen Hypermoderne und Tradition, die Erwartung totaler Flexibilität und strikte, patriarchalisch geprägte Moralvorstellungen allerdings mit einer Gewalt aufeinander, die vom gemütlichen Mitteleuropa aus höchstens zu erahnen ist. Südkorea hat ein flächendeckendes 5G-Netz, aber bis vor wenigen Jahren mussten Kinder den Nachnamen des Vaters annehmen. K-Pop ist das Zeitgeistphänomen schlechthin, aber als eine Sängerin verriet, Cho Nam-Joos Buch gelesen zu haben, schlug ihr im Internet der Hass ihrer männlichen Fans entgegen.
„Geboren 1982“ ist ein gigantischer Erfolg mit weit über einer Million verkauften Exemplaren. Mittlerweile wurde es auch verfilmt. Koreanische Politiker berufen sich auf die fiktive Jederfrau Jiyoung, wenn sie Gesetzesvorhaben zur Gleichstellung beschließen. Feministische Literatur gibt es auf dem deutschsprachigen Markt inzwischen wie Sand am Meer. Von der Kampfschrift über das luzide Memoire bis zur umfassenden wissenschaftlichen Analyse findet sich nahezu alles aus vielen Teilen der Welt. Darunter Han Kangs „Die Vegetarierin“, ein Roman, der die Situation einer koreanischen Frau ungleich subtiler und poetischer verhandelt.
Aus europäischer Perspektive ist die Lektüre des ebenso leicht lesbaren wie spröden „Geboren 1982“ nicht zuletzt deshalb interessant, weil sie die Globalisierung als faszinierendes Kippbild vor Augen führt. Auch und gerade auf der Ebene der weltweiten Emanzipationsbewegungen. Fremdes und Vertrautes, kulturelle Parallelen und irritierende Besonderheiten überlagern sich in jedem Moment. Erst der Blick über den Tellerrand der eigenen Prägung macht einem bewusst, wie schwierig gesellschaftlicher Wandel wirklich ist.
Cho erzählt zweckorientiert,
ihre Literatur funktioniert
wie ein Stethoskop
Technisch ist Südkorea auf dem allerneuesten Stand, doch die Geschlechterrollen verändern sich kaum, erzählt Cho Nam-Joo in ihrem Bestsellerroman.
Foto: Imago
Cho Nam-Joo:
Kim Jiyoung, geboren 1982.
Roman. Aus dem Koreanischen von Ki-Hyang Lee.
Kiepenheuer & Witsch.
Köln 2021.
208 Seiten, 18 Euro.
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
…mehr
»Cho Nam-Joos feministischer Roman ist nicht nur ein mutiger Text über das moderne Südkorea, sondern ein Buch über Frauenbilder, das nicht umsonst weltweit einen Widerhall findet.« Meike Stein SR 2 Kulturradio 20210217

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 14.03.2021

Frau ohne sonstige Eigenschaften
Cho Nam-Joo erzählt vom koreanischen #MeToo

Es macht keinen Spaß, dieses Buch zu lesen. Es deprimiert und nervt und macht wütend auf die ungerechte Welt, die darin beschrieben wird, aber auch auf das Buch selbst, weil immer schon vorher klar ist, dass gleich wieder etwas Schlechtes passieren wird, und dann ist das Schlechte noch nicht mal besonders gut beschrieben. Dass "Kim Jiyoung, geboren 1982" trotzdem ein zwei Millionen Mal verkaufter Weltbestseller geworden ist, kann man, erstens, so erklären: Alles Absicht, der Text will deprimieren, nerven und wütend machen, und auf subtile literarische Mittel kommt es ihm dabei offenbar nicht an. Und zweitens hat die Autorin Cho Nam-Joo ihr Buch über Alltagssexismus in Südkorea zum genau richtigen Zeitpunkt veröffentlicht, indem sie die #MeToo-Bewegung, die auch in Korea Zehntausende auf die Straße trieb, in gewisser Weise vorwegnahm. Ende 2016 ist "Kim Jiyoung, geboren 1982" erschienen. Viele Frauen beriefen sich auf dieses Buch. Der Präsident bekam ein Exemplar geschenkt, K-Pop-Stars empfahlen es, und angeblich zerbrachen nicht wenige Beziehungen an unterschiedlichen Meinungen über die Lebensgeschichte dieser Kim Jiyoung.

Die Hauptfigur des Buchs, das jetzt auf Deutsch erscheint, ist die durchschnittliche Jederfrau, zu Beginn 33 Jahre alt, "34 nach koreanischer Zählung, denn in Korea gilt ein Kind in seinem Geburtsjahr bereits als einjährig und wird am darauffolgenden Neujahrstag zwei". Sie hat einen Mann, eine Tochter und seit kurzem seltsame Anfälle. Immer wieder schlüpft sie in die Rolle anderer Frauen. Sie spricht wie ihre Mutter, wird eine verstorbene Freundin. Als sie sich deshalb vor den Schwiegereltern danebenbenimmt (also, ehrlich sagt, dass sie Feiertage mit dem ganzen Gekoche für die Familie anstrengend findet), bringt sie ihr Ehemann zu einem Therapeuten, und der erzählt dann ihre Geschichte, weil sie ihm prototypisch für die Diskriminierung koreanischer Frauen erscheint.

Diese Konstruktion erklärt, weshalb sich die zweihundert Seiten weniger wie ein Roman übers Leben Kim Jiyoungs als wie eine Fallstudie über Sexismus lesen. Mitten im Absatz belegen Studien den gender pay gap, Quellennachweise in den Fußnoten. Ganze Lebensphasen samt dramatischer Ereignisse passen in zwei Sätze: "Jiyoung und Daehyon lernten sich auf Sungyons Hochzeit kennen. Bei der Geburt ihres zweiten Sohnes starb die Freundin an einer Fruchtwasserembolie." Dass die Protagonistin so passiv wirkt und der Text so wenig sinnlich ist und haufenweise Floskeln enthält, liegt an diesem Protokollformat im Berichtston. Der Therapeut ist kein Schriftsteller, und nicht mal er maßt es sich an, immer das Innenleben der Protagonistin zu kennen.

Diese Therapeutenfigur lässt sich als Verkörperung der männlich-dominanten Gesellschaft lesen. Er ist kein Monster, zumindest will er auf die Missstände aufmerksam machen, die viele Frauen wie seine Patientin erleben, und man kann sagen, er verschafft ihrer Geschichte Gehör. Treffender wäre es aber zu sagen, dass der Mann ihr nicht mal eine Stimme lässt. Kim Jiyoung kann sich nicht dazu ermächtigen, von ihrer Unterdrückung selbst zu erzählen, sogar diese Emanzipation bleibt ihr versagt.

Chronologisch erzählt der Therapeut das Leben Kim Jiyoungs, von der Geburt 1982, als das Wort "Tochter" für eine schwangere Koreanerin noch eine Diagnose war, bis zu ihrem Zusammenbruch heute. Man lernt ein Korea kennen, dass trotz liberal-fortschrittlichen Spitzenimages (Samsung, K-Pop, Filme wie der Oscar-Gewinner "Parasite") sehr weit entfernt von Schweden bleibt. So koreatypisch die konservative Leistungsgesellschaft sein mag, die beschrieben wird - die Demütigungen, Belästigungen und Ungerechtigkeiten, die sich hinter dem bürokratischen Begriff "sexuelle Diskriminierung" verbergen, sind universal. Je länger die Aufzählung wird und je tiefer die Frustration Kim Jiyoung in die Knie zwingt, desto mehr zermürbt es einen beim Lesen.

Von den drei Geschwistern bekommt der kleine Bruder das Einzelzimmer, nicht sie oder ihre Schwester. Dass ein Mitschüler sie mobbt, erklärt ihr der Lehrer damit, dass der Mitschüler sie neckt, weil er sie mag. Als Jiyoung das erste Mal Menstruationsschmerzen hat, sagt ihre ältere Schwester: "Was ist das denn für eine Welt, in der Krebs geheilt wird und Herzen transplantiert werden, aber ausgerechnet dafür gibt es keine richtige Pille?"

Jiyoung wird im Bus belästigt, und der Vater fragt, warum sie so kurze Röcke trage. An der Uni stalkt sie ihr Exfreund, und dass es einen Exfreund gibt, kommentiert ein Kommilitone so: "Wer will schon einen Kaugummi, den ein anderer ausgespuckt hat?" Im Unternehmen, in dem sie anfängt, gibt es Mutterschaftsurlaub bloß in der Theorie, aber eine Kamera auf der Damentoilette. Und so weiter.

Nach Erscheinen des Buchs in Korea tauchte eine Crowdfunding-Kampagne zur Finanzierung von "Kim Ji-Hoon, geboren 1990" auf, einer Gegendarstellung, die "umgekehrte Diskriminierung" von Männern beschreiben solle. Einer Frau könne ja wohl nicht 34 Jahre lang immer nur das Schlimmste passieren, und wenn doch, habe sie es vielleicht nicht anders verdient, so die Kritik, die damit bewies, dass "Kim Jiyoung, geboren 1982" ein wichtiges Buch ist. Denn, im Gegenteil, der Protagonistin widerfährt nie das Allerschlimmste - kein prügelnder Ehemann oder eine Vergewaltigung -, sondern "nur" der nie endende sexistische Stumpfsinn des Alltags, den offenbar manche, nicht bloß in Korea, schon für eine unrealistische Horrorgeschichte halten.

Dass man diese Kim Jiyoung wirklich irgendwann schütteln will und anschreien, sie möge bitte endlich gegen die Verhältnisse aufbegehren, das ist noch so ein schlauer Trick des Romans. Eigentlich müsste man natürlich die Verhältnisse anschreien. Aber so, wie die Protagonistin nichts sagt, als junge Geschäftsmänner sie als "Schmarotzer" beleidigen, und sich selbst die Schuld daran gibt, seit der Schwangerschaft auf Kosten ihres Manns zu leben, so verleitet einen die Autorin Cho Nam-Joo dazu, dem Individuum die Schuld zu geben, nicht der Gesellschaft.

Im Jahr 2016 bricht der Bericht des Therapeuten plötzlich ab. Er hat gerade noch Zeit zu erwähnen, dass eine Kollegin gekündigt habe, weil sie schwanger sei und sich schonen wolle - bedauerlich, niemand wusste so gut wie sie, wie der Therapeut seinen Kaffee am liebsten trinkt. Und damit endet Kim Jiyoungs Lebensgeschichte. Die minimale Hoffnung ist, dass sie jemand anders weitererzählt.

FLORENTIN SCHUMACHER

Cho Nam-Joo, "Kim Jiyoung, geboren 1982". Übersetzt von Ki-Hyang Lee. Kiepenheuer & Witsch, 208 Seiten, 18 Euro.

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
…mehr