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zu den Top-Rezensenten

Benutzername: Fredhel
Wohnort: Deutschland
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Danksagungen: 7 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 201 Bewertungen
Bewertung vom 17.01.2019
Lüge nie!
White, Kate

Lüge nie!


sehr gut

Bryn Harper hat sich einen Namen als Autorin von Motivationsbüchern gemacht. Nach einem schweren Autounfall, bei dem ein guter Kollege verbrannt ist, leidet sie unter Depressionen und Alpträumen. Zunächst zeigt ihr Ehemann viel Verständnis, doch ihre gesamte Lebenssituation wird immer komplizierter als in ihrer unmittelbaren Nähe ein Mord geschieht und eine unbekannte Person anfängt, mit ihr Psychospielchen zu treiben. Nicht alle Gedankengänge von Bryn sind für mich nachvollziehbar und manches hätte die Autorin straffer erzählen können, um den Spannungsbogen zu halten. Generell hat mich dieser Thriller von Kate White gut unterhalten können, denn für mich bedeutet es Nervenkitzel, wenn die Personen undurchschaubar sind und erst nach und nach ihr wahres Gesicht zeigen. Wie in jedem guten Thriller läuft alles auf einen Showdown hinaus, bei dem die Protagonistin in große Lebensgefahr gerät. Diese Passage hat mir mit am besten gefallen, weil dieser verlassene Handlungsort wirklich ein Szenario bietet, das Alpträume wahr werden lässt. Solide Thrillerkost, die ich gerne mit 4 Lesesternen bewerte.

Bewertung vom 06.01.2019
Fehltritt / Doggerland Bd.1
Adolfsson, Maria

Fehltritt / Doggerland Bd.1


sehr gut

"Doggerland" von Maria Adolfsson ist der erste Teil einer Trilogie, die auf der fiktiven Insel Doggerland spielt. Die Kommissarin Karen Eiken Hornby hat vor Jahren bei einem selbstverschuldeten Unfall Mann und Sohn verloren. Deswegen ist sie in ihre Heimat zurückgekehrt und arbeitet in untergeordneter Funktion bei der hiesigen Polizei. Der Chef und sein Lieblingsuntergebener, zwei Chauvinisten par excellence, machen ihr das Leben schwer. Trotzdem begeht sie die Dummheit, im Suff eine Nacht mit ihrem Chef zu verbringen. Morgens früh muss sie dann verkatert die Mordermittlungen an der Ex-Frau vom Chef übernehmen. Eine knifflige Situation, in der sie eigentlich von allen möglichen Seiten abgewatscht wird. Nur auf ihren Kollegen und die zuständige Staatsanwälting kann sie sich verlassen.
Generell ist mir dieser Krimi nicht nur in Bezug auf den Handlungsort zu fiktiv. Warum muss eigens eine Inselgruppe für diesen doch recht normalen Fall erfunden werden? Wieso lässt sich Karen die miese Behandlung all die Jahre gefallen, denn die Autorin zeichnet sie als durchaus charakterstarke Persönlichkeit, die privat ihren eigenen Weg geht, autark, ja sogar rücksichtslos Beziehungen eingeht und persönliche Bedürfnisse stillt. Es ist nicht glaubhaft, dass Spuren einfachheitshalber nicht weiter verfolgt werden und auch nicht, dass die Kommissarin nach all ihrem Engagement relativ ruhig in Urlaub fährt, denn gegen Ende dürfte wohl den meisten Lesern die Lösung des Falls klar vor Augen liegen.
Die Handlung plätschert ruhig vor sich hin, lässt sich ganz gut lesen, weil die Autorin einen flüssigen Schreibstil hat. Deswegen gibt es immerhin vier Lesesterne, auch wenn nach der letzten Seite kaum eine Erinnerung an das Buch zurückbleibt. Nach einer Fortsetzung lechze ich nicht.

Bewertung vom 06.12.2018
Der Mann am Grund
Procházková, Iva

Der Mann am Grund


gut

Dies ist mein erster Prag-Krimi. Erwartungsgemäß sind manche Namen und Orte für mich etwas sperrig zu lesen, zum Glück aber hat der Kommissar den einfach zu merkenden Namen Holina. Im Verlauf des Buches kann der Leser dessen Liebeswerben um die Frau eines Kollegen miterleben, aber das Hauptaugenmerk liegt natürlich auf dem Mordfall: ein Polizist ist mausetot auf dem Grund eines Sees aufgefunden worden. In Nebenerzählsträngen mit interessanten Personen wird eindeutig geschildert, was der Tote doch für ein schrecklicher Mensch gewesen ist. Einige Leute haben nun nach seinem Tod ein deutlich angenehmeres Leben. Eigentlich eine gute Idee für einen Krimi, doch zeigt sich schon nach wenigen Seiten, dass die Autorin nicht in die gängige Krimischiene passt, sondern durch ihre langsame, genaue Erzählweise mit detaillierten Charakterbeschreibungen eher einen Roman geschrieben hat, der einen Mord als Thema hat.
Deswegen hat mich dieses Buch enttäuscht. Es war mir zu schleppend und konnte mich leider überhaupt nicht fesseln.

Bewertung vom 01.10.2018
Die Party
Winner, Jonas

Die Party


ausgezeichnet

Der reiche Brandon lebt in dem wunderschönen Bungalow seiner Eltern, abgeschottet von der nahegelegenen Kleinstadt New Jericho, wo sein Vater früher als Gynäkologe tätig war und ausserdem an geheimen Projekten forschte. 30 Jahre später lädt Brandon 10 Freunde zu einer Art Revival Halloween Party ein, um an alte Zeiten zu erinnern. Sie erscheinen wie gewünscht in gruseliger Verkleidung, was das folgende Geschehen um so bizarrer erscheinen läßt. Der Gastgeber stirbt nämlich schon in den ersten Minuten. Die Gäste werden schnell darüber aufgeklärt, dass nur eine Person die nächsten 24 Stunden überleben wird und tatsächlich meuchelt schon bald einer unter ihnen, (oder ist es ein Aussenstehender?) unerbittlich vor sich hin und dezimiert die Reihen. Die Verbliebenen verdächtigen sich gegenseitig, wärmen alte Animositäten auf und werden doch einer nach dem anderen zum Opfer, bis der Kreis wirklich sehr klein geworden ist.
Absolut spannend ist es für den Leser die fieberhafte Suche nach dem Täter zu beobachten. Automatisch macht man sich Gedanken, wo man selbst in so einer Situation Zuflucht suchen würde. Doch der Autor hat wirklich Phantasie bewiesen, wie ein normales Haus zur tödlichen Falle werden kann, aber auch welche psychologische Gruppendynamik die Todesangst in Gang setzt. Gegen Ende gibt es mehrere Möglichkeiten, ehe man auf die Wahrheit stößt.
Ein richtig guter, spannender Thriller aus der Feder von Jonas Winner.

Bewertung vom 01.10.2018
Bösland
Aichner, Bernhard

Bösland


ausgezeichnet

Ben hat eine schlimme Kindheit erlebt mit einem Vater, der ihn regelmäßig auf dem Dachboden (er nennt es Bösland) verprügelt. Kux ist sein einziger Freund, später kommt noch Mathilda dazu. Doch das Mädchen stirbt dort unter dem Dach und läßt einen traumatisierten Ben zurück. Ohne Sprache und ohne Erinnerung landet er bis zur Volljährigkeit in der Psychatrie. Irgendwie kann er sich nach seiner Entlassung ein halbwegs normales, wenn auch einsames Leben aufbauen. Bis ihm erst ein Foto, dann ein Film die Erinnerung zurückbringt. Er findet seinen alten Kumpel Kux wieder. Jetzt beginnt ein Alptraum, ein Psychoterror auf Leben und Tod.
Darin ist der Autor Bernhard Aichner ein wahrer Meister, wie ich es schon in einem früheren Buch erlebt habe. Sein Erzählstil ist absolut trocken, eigentlich wechseln langweilig aneinander gereihte Gesprächsaufzeichnungen und erzählte Passagen einander ab, und doch baut sich zunehmend eine furchtbare Beklemmung auf. Ein psychopathischer Täter, der mitleidlos Leben nimmt, der Freude an Machtspielchen hat und ein Opfer, ihm scheinbar ohne Ausweg ausgeliefert.
"Bösland" habe ich nicht in einem Zug verschlungen. Es ist kein aktionreicher Roman, sondern ein Buch, das man langsam liest und das einem die personifizierte Bösartigkeit näher bringt, als jede blutige Metzelei.

Bewertung vom 27.09.2018
Wie ich fälschte, log und Gutes tat
Klupp, Thomas

Wie ich fälschte, log und Gutes tat


sehr gut

Thomas Klupp versetzt den Leser in den Schüler Benedikt Jäger, und läßt ihn in der Ich-Perspektive einige Monate am Schulleben teilnehmen. Benedikt ist zwar oberflächlich betrachtet ein Junge aus gutem Hause: Vater Arzt, Mutter Societylady, aber genau genommen möchte man so ein Kind nicht im Freundeskreis der eigenen Kinder wissen. Benedikts ganzes Dasein ist auf Lug und Trug aufgebaut. Noten und Unterschriften werden gefälscht, um die Eltern über den wahren Leistungsstand zu täuschen. In der Freizeit wird viel dummes Zeug gemacht, vor allem aber getrunken, geraucht und gekifft. Die Schlinge um Benedikts Hals zieht sich immer weiter zu, das Lügengebäude droht einzustürzen und das war bei mir der Moment, in dem ich den Jungen plötzlich gerne mochte. Nicht Leichtfertigkeit hat ihn in diese vertrackte Situation gebracht, sondern im Prinzip sein gutes Herz, sein Nicht-Neinsagen-Können. Er will seinen Eltern um jeden Preis gefallen, doch die stellen sich selbst ein Armutszeugnis aus, denn sie wollen nur mit ihren perfekten Kindern nach aussen hin angeben. Für Benedikt als Menschen interessieren sie sich nicht. Emotionale Bindung ersetzen sie lieber durch materielle Zuwendung. Auch wenn mir der Erzählstil an einigen Seiten nicht so gut gefällt, weil er allzu sehr auf jugendlich getrimmt ist oder auch manche Gedankengänge zu breit getreten werden, so wird die Handlung gegen Ende hin immer spannender und der junge Mann wächst einem richtiggehend ans Herz.

Bewertung vom 07.09.2018
Der Schmetterling / Kommissar Johan Rokka Bd.1
Ullberg Westin, Gabriella

Der Schmetterling / Kommissar Johan Rokka Bd.1


ausgezeichnet

Kriminalinspektor Johan Rokka ist in Hudiksvall aufgewachsen. In Stockholm ist er bei der Polizei die Karriereleiter hochgestiegen, doch nun ist es ein doppelter Glücksfall, dass in seiner Heimatstadt eine interessante Position frei wurde. Seine einzige grosse Liebe ist vor Jahrzehnten spurlos verschwunden. Rokkas größter Wunsch ist, dieses Geheimnis aufzuklären. Doch erstmal lasten ihn die Verbrechen in der sonst so idyllischen Kleinstadt vollkommen aus.
Zum einen wird die Ehefrau des bekanntesten schwedischen Fussballers genau an Weihnachten im Beisein ihrer kleinen Kinder brutal erschossen, dann gibt es noch zwei weitere Morde. Und zu allem Überfluss weigert sich Rokkas direkte Vorgesetzte, Verstärkung anzufordern.
Die Autorin Gabriella Ullberg Westin erfüllt all meine Wünsche, die ich an einen skandinavischen Krimi habe. Die Schauplätze und die Personen sind authentisch. Die Spannung ist von der ersten Seite an vorhanden und vor allem kann man in die Köpfe der Protagonisten schauen. Die Psyche und die Psychologie spielen eine grosse Rolle, man hat Einblicke in das tägliche Leben der Personen, ihren Freunden, ihren Gedanken. Dadurch ist man schnell mitten im Geschehen und versucht sich im Rätselraten um den Täter. Hier in diesem speziellen Fall nimmt das Ausmass des Verbrechens auf einmal ganz andere Dimensionen an. Vor allem geht es in eine Richtung, mit der niemand rechnen konnte.
Die Handlung in "Der Schmetterling" ist toll konzipiert, und mit überschaubaren Kapiteln und raffinierten Perspektivwechseln wird sie spannend erzählt.

Bewertung vom 02.09.2018
Oberons blutige Fälle
Hearne, Kevin

Oberons blutige Fälle


gut

Von Kevin Hearne kenne ich schon die beiden ersten Bände der Chronik des Eisernen Druiden. Diese Urban Fantasy hat mich von Anfang an begeistert und der knuffige Hund von Atticus sorgte immer für ein Schmunzeln beim Lesen.
Ich lese auch gerne Krimis, in denen Tiere die Detektive sind.
Also eigentlich müßte dann so ein Buch wie "Oberons blutige Fälle" als Kombination dieser beiden Genres meinen Geschmack treffen.
Leider nein. Oberon ist zwar weiterhin ein Sympathieträger, aber die beiden Stories (in der ersten werden Rassehunde entführt, in der zweiten ein Doppelgänger von Atticus ermordet) sind mir zu simpel gestrickt. Oberons Denkmuster verläuft in einfachen Bahnen, die sich gern in Gerüchen und Lust auf Futter mit Sosse verlieren. Die eigentliche Ermittlungsarbeit erledigt Atticus quasi im Vorbeigehen, aber die Fantasyelemente kommen eindeutig zu kurz.
Trotzdem hat das Buch einen gewissen Unterhaltungswert, kommt aber über das Prädikat "nett" für mich nicht hinaus.

Bewertung vom 27.08.2018
Zwischen uns ein ganzes Leben
Levensohn, Melanie

Zwischen uns ein ganzes Leben


ausgezeichnet

Dieses Buch handelt von drei sehr unterschiedlichen Frauenschicksalen, die eng miteinander verknüpft sind.

Am Sterbebett ihres Vaters erfährt Jacobina, dass irgendwo auf der Welt noch eine ältere Halbschwester existieren muss. Sie muss ihm versprechen, diese Judith zu suchen.

Ein Vierteljahrhundert später ist Jacobina selbst ein alter, verschrobener Sozialfall, um den sich die junge Béatrice im Rahmen eines freiwilligen Hilfsprojektes kümmert. Ein Handlungsstrang handelt von eben dieser Béatrice, einer erfolgreichen Bankerin, die Luxus liebt und in einer unglücklichen Beziehung verharrt. Für Jacobina begibt sie sich auf Spurensuche. Im Holocaust Memorial Museum wird sie von Grégoire unterstützt, für den sie bald heftige Gefühle entwickelt, aber erstmal hat sie noch einen Berg persönlicher Hindernisse zu bewältigen. Im Hintergrund wird dann chronologisch das ergreifende Schicksal Judiths erzählt. Es ist herzergreifend, was diese jüdische junge Frau unter den deutschen Besatzern erleiden musste. Letztendlich schliesst sich der Reigen, wenn der Leser erfährt, dass Judiths Schicksal auch Berührungspunkte mit Grégoires Leben hat.

Dieser Roman ist mitreissend geschrieben, die Handlungsstränge sind jeder für sich sehr emotional und werden zum Schluss kunstvoll miteinander verwoben. Es ist ein Buch, das berührt und auch schmerzhaft die Greuel des Naziregimes in der Erinnerung wachhält.

Bewertung vom 20.08.2018
In Schönheit sterben / Robert Lichtenwald Bd.2
Ulrich, Stefan

In Schönheit sterben / Robert Lichtenwald Bd.2


gut

Dies ist schon der zweite Band mit dem deutschen Rechtsanwalt Robert Lichtenwald und der jungen Reporterin Giada Bianchi als Ermittlerteam. Auch ohne Vorkenntnisse konnte ich problemlos in die Handlung einsteigen. Lichtenwald wurde von seiner Frau verlassen, die Tochter studiert in Köln. Er hat seine Münchner Kanzlei verkauft und seine ganze Energie in die Renovierung seines toskanischen Landhauses gesteckt, doch eine innere Leere läßt sich nicht verleugnen, vor allem weil der Trennungsschmerz immer wieder heftig aufbrandet. Zum Glück bezieht ihn Giada mit in ihre Recherchen rund um den Mord an dem Kunstsammler, der sich der Sammlung von Schönheit verschrieben hat.
Stefan Ulrich hat es sehr gut verstanden, das römische Flair und den Reiz der Toskana einzufangen. Als Leser wünscht man sich an diese malerischen Orte. Doch leider hat mich bis zur letzten Seite die Spannung nicht packen können. Die Handlung zieht sich in die Länge und wird durch originelle Beigaben in meinen Augen künstlich aufgepeppt, um den Personen mehr Eigenleben anzudichten: ein Dachs als Haustier, -Hexenohrringe, die ein emotionales Eigenleben haben- ein philosophischer Nachbar-eine geheimnisvolle Frau mit einem Gesichtsschleier...so etwas kommt mir zu aufgesetzt vor.
Weil die Handlung, abgesehen von dem brutalen Anfang, meistens nur so dahinplätschert, sich ausserdem auch zu sehr auf Roberts Eheprobleme und Liebesleben fokussiert, mag ich dieses Buch nicht so recht weiterempfehlen, höchstens als Appetithäppchen vor einem Italienurlaub.