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28 Kundenbewertungen

9 Trottel mit albernen Sonnenhüten. 271 Gar nicht mal so wilde Tiere. 3877 Kilometer Schotterpiste im Minibus. Und weit und breit kein Handynetz. Ich drückte meine Nase ans Busfenster und blickte hinaus ins weite Land. Die Namibier winkten uns und lachten. Klar lachten sie, sie waren ja frei. Wir nicht. Wir waren die in Blech gepackte Rache für die deutsche Kolonialzeit.…mehr

  • Format: mp3
  • Größe: 307MB
  • Spieldauer: 331 Min.
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Produktbeschreibung
9 Trottel mit albernen Sonnenhüten. 271 Gar nicht mal so wilde Tiere. 3877 Kilometer Schotterpiste im Minibus. Und weit und breit kein Handynetz. Ich drückte meine Nase ans Busfenster und blickte hinaus ins weite Land. Die Namibier winkten uns und lachten. Klar lachten sie, sie waren ja frei. Wir nicht. Wir waren die in Blech gepackte Rache für die deutsche Kolonialzeit.

Dieser Download kann aus rechtlichen Gründen nur mit Rechnungsadresse in A, D ausgeliefert werden.

Autorenporträt
Tommy Jaud ist ein deutscher Schriftsteller, Satiriker und Drehbuchautor.  Bereits mit seinem ersten Roman »Vollidiot« landete Jaud 2004 auf Platz 1 der Bestsellerlisten. 2006 setzte sich »Resturlaub«, ein »Hammer von Gegenwartsroman« (DER SPIEGEL) an die Spitze der Liste. Die Kino-Adaptionen beider Bücher lockten fast zwei Millionen Zuschauer an. Jauds Drehbuch für die TV-Komödie »Zwei Weihnachtsmänner« wurde 2009 mit dem Deutschen Comedy-Preis ausgezeichnet. Es folgten das Vollidiot-Romansequel »Millionär« und die Reisekomödie »Hummeldumm«, der Jahresbestseller 2010. Zwei Jahre später veröffentlichte Jaud mit »Überman« den letzten Teil seiner Simon-Peters-Reihe, 2016 die Ratgeber-Parodie »Einen Scheiß muss ich: Das Manifest gegen das schlechte Gewissen«. 2019 wurde sein Bestseller »Der Löwe büllt« zur perfekten Ferienlektüre. Auch in den Wirren des Jahres 2022 kommt Jaud seinem Unterhaltungsauftrag nach und veröffentlicht »Komm zu nix - Nix erledigt und trotzdem fertig«. Kein Roman, sondern Gute-Laune-Storys für unsere Zeit. Zurzeit tüftelt Jaud am Drehbuch für die Verfilmung von »Hummeldumm« und überlegt sich Titel für seinen neuen Roman. Derzeitige Favoriten sind die Auswander-Comedy »West Coast Zipfelklatscher« und die skurrile Sportkomödie »Trümmertruppe«. Der gebürtige Franke lebt, lacht und arbeitet, wenn er dazu kommt, in Köln, Wien und Bamberg.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 23.03.2010

Dummheit schützt vor Kasse nicht

Verkauft sich wie geschnitten Brot mit hohem Vollidiotenanteil: "Hummeldumm", die Fernreisensatire des Gagschreibers Tommy Jaud, führt die Bestsellerliste an. Warum nur?

Als im Frankfurter Hauptbahnhof vor wenigen Tagen das neue Buch von Tommy Jaud plakatiert wurde, ahnte man schon, was folgen würde: Das Werk würde nach Erscheinen in den Bahnhofsbuchhandlungen zu Türmen aufgeschichtet werden, diese würden beharrlich schrumpfen, und eine Woche später würde "Hummeldumm" an der Spitze der Bestsellerlisten stehen. So geschah es dann auch.

Fremd wirkte das Plakat mit seiner knallorangen Grundfarbe an den Wänden des öffentlichen Raums, wo sonst meist dezente Bilder junger Musikerinnen prangen, und doch verwies das Motiv - ein Erdmännchen in einem Wanderschuh, daneben der Buchtitel "Hummeldumm" - auf ein Hauptthema der aktuellen Büchersaison: die Dummheit.

Das Erdmännchen, das dann auch das Buchcover zierte, kann dabei als heimliches Leitmotiv der Frühjahrsbelletristik gelesen werden, begegnete es uns doch schon in dem gerade von den Bestsellerspitzenplätzen verdrängten "Axolotl Roadkill", in dem es in routiniert dekadenter Unkorrektheit über die hyperaktiven, gedächtnisschwachen Scharrtiere heißt: "Ja, diese Scheißerdmännchen sehen leider Gottes auch echt so unglaublich bescheuert aus, die haben irgendwie nichts anderes verdient, als gefressen zu werden." Auch bei Jaud sind die Erdmännchen keine Leuchten, werden aber gerade deshalb im Handlungsverlauf gebraucht; einem von ihnen ist das Buch sogar gewidmet.

Es gibt also wenigstens drei Möglichkeiten, in einem Bestseller des Jahres 2010 zu der angeblich verbreiteten Landplage der Dummheit Stellung zu beziehen. Entweder man lehnt sie vehement und mit erhobenem Zeigefinger ab ("Seichtgebiete", "Die verblödete Republik"), wünscht ihr tabubrüchig die Ausrottung (Hegemann) oder umarmt sie als Pointengeber (Jaud) unter gelegentlichem Einsatz distanzierender Gesten.

Macht was mit Computer

Nur zu einem und sei es vergifteten Lob der Torheit im Stile eines Erasmus von Rotterdam kann sich heute offenbar niemand mehr durchringen. Dabei wäre das zeitgemäßer als alles andere - lebt doch zum Beispiel ein Großteil der erfolgreichen Comedy-Industrie unserer Tage, zu der auch Tommy Jaud als früherer Gag-Schreiber Harald Schmidts, Autor der Sat.1-"Wochenshow" und kreativer Kopf der Serie "Ladykracher" gehörte, offenbar recht kommod von ihr - man denke nur an Mario Barth, der sich mit großem Erfolg über die Dummheit seiner Freundin auslässt, an Cindy aus Marzahn, die die trotzige Borniertheit von Hartz-IV-Empfängern karikiert, oder all die Fernsehsendungen, die sich über die Dummheiten anderer Fernsehsendungen mokieren. Wohinter im Grunde nur eine modernisierte Form der Beutelschneiderei steckt, bei der der werberelevante Kunde mit der wohlfeilen Ware Dummheit abgespeist und somit seinerseits für dumm verkauft wird.

Die Dummenhatz, die niemanden schlauer macht, schafft Gemeinschaftserlebnisse von seltener Eintracht und ermöglicht es somit auch der deutschen Unterhaltungskultur, mehr und mehr den Buchmarkt zu fluten. Davon profitierte Tommy Jaud schon mit seinem Romanerstling "Vollidiot" und den Nachfolgern "Resturlaub" und "Millionär" - allesamt Bücher von bescheidenem literarischen Niveau.

Und das muss man leider auch gleich den ersten Seiten des neuen Buchs bescheinigen: Ein junger Kölner, der in Frankfurt beruflich "irgendwas mit Computer" macht, sitzt im Flugzeug nach Namibia, stößt "mit knirschenden Plastikbechern" (kann Plastik knirschen?) mit seiner Freundin auf den gerade abgeschlossenen Mietvertrag für die neue Traumwohnung an und weiß, wie im Anfangskapitel in einem komplett überdehnten Spannungsbogen gleich mehrfach betont wird, noch nicht, was ihm blüht. Konkret ist das eine blind gebuchte Gruppenreise in Gesellschaft von wanderwilligen Kampfrentnern, Wetterfeen, Fitness-Ossis und anderen Knallchargen, die verschiedener deutscher Dialekte mächtig sind und eine - hauptsächlich durch Bustransfers geprägte - Rundreise durch das frühere Deutsch-Südwestafrika mit ihrem Gemecker und ihren dummen Fragen zur Fahrt in die Abgründe des Bildungspessimismus verwandeln.

Das Ganze mündet in die Dauerkatastrophe, als der Hauptfigur bewusst wird, dass sie die Reservierungsüberweisung für die Anmietung der Traumwohnung versäumt hat, und die labile Telekommunikation Namibias immer wieder verhindert, diese nachzuholen. Reichhaltig werden dabei die Angebote gestreut, sich mit dem intellektuell unterforderten Loser zu identifizieren, der großmäulig seinen Sozialneid und seinen Spießerhass durch die pointendurchtränkte Daueransprache seiner Freundin verarbeitet.

Erdmännchen im Wahnsinn

Doch die Handlung nimmt eine doppelte Wendung, bei der ein Erdmänchen eine gewisse Rolle spielt. Zunehmend gibt Jaud seinen Kommentator, der aus dem Busfenster auf die Slums blickt und dem dabei nichts außer der geplatzten Traumwohnung im Kopf herumschwirrt, selbst der Kritik preis. Und die Pointe des Buchs ist dann sogar radikal zivilisationskritisch: Dem an die Grenzen des iPhone-Akkus gelangenden digitalen Wahnsinn wird der Stecker gezogen, und das rein analoge Nacherzählen eines alten Buchs wird unter dem offenen Himmel über der Wüste zum kathartischen Moment für alle Gruppenreisenden.

Hiermit geht Jaud eine Reflexionsstufe über die Unterhaltungsmaschinerie, aus der er stammt, hinaus. Und am Schluss gelingen ihm sogar Momente der Transzendenz. Kitschig wird es allerdings bei der menschelnden Schlussbotschaft, die stark an einen anderen Bestseller der letzten Jahre erinnert: Hape Kerkelings Pilgerbuch "Ich bin dann mal weg", in dem der Erzähler es sich geradezu auferlegt, die Dummheit seiner Mitmenschen lieben zu lernen. Hieran knüpft Jaud mit einer sozialen und energieeffizienten Erdmännchen-Ethik an, die schon im Motto des Buches angedeutet wird: "Wir sind alle überfordert. Wir brauchen mehr Nachsicht miteinander."

Es ist erhellend, Jauds Buch an den Regeln zu messen, die im englischen "Guardian" gerade von berühmten zeitgenössischen Autoren zum Verfassen guter Romane aufgestellt wurden, denn es verstößt gegen fast alle. Insofern spricht es für eine gesunde Selbsteinschätzung des früheren Germanistik-Studenten Jaud, den Begriff "Roman" für seine Bücher abzulehnen und lieber von "Comedy-Romanen" zu sprechen.

Diese Ambitionslosigkeit scheint Jaud auch deshalb nicht schwerzufallen, weil sie Teil seiner Erfolgsstrategie ist. Zu diesem Ergebnis gelangt man zumindest, wenn man sich auf die Frage einlässt, warum Daniel Kehlmann mit seinem letzten Buch "Ruhm", das ja ebenfalls von scheiternder Telekommunikation handelt, oder Thomas Kapielski, der seine Umwelt mit ganz ähnlichen Augen wie Jaud betrachtet, trotz literarischen Mehrwerts nicht ähnliche Wiederholungserfolge feiern.

"Wer verkaufen will, muss vereinfachen", hat Jaud einmal in einem Interview gesagt, und dieser Einsicht folgt er auch in seinem neuen Buch geflissentlich durch den Einsatz zuweilen plattester Umgangssprache, mit Vergleichen aus der Fernsehwelt und einer linearen Dramaturgie ohne Parallelhandlungen und Zeitsprünge. Dass er diesmal aus der sicheren Deckung heraus Giftpfeile gegen den Zeitgeist abfeuert, verdient dabei mehr als Nachsicht. "Hummeldumm" ist ein Comedy-Roman, der nicht aus seiner Haut kann, obwohl er nur zu gern hinausmöchte.

UWE EBBINGHAUS

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