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utaechl
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Bremen
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http://taechl.blogspot.de/

Bewertungen

Insgesamt 253 Bewertungen
Bewertung vom 24.09.2022
Der schwarzzüngige Dieb (Schwarzzunge, Bd. 1)
Buehlman, Christopher

Der schwarzzüngige Dieb (Schwarzzunge, Bd. 1)


gut

Eine tolle Geschichte in einer großartigen Welt mit für mich falscher Erzählperspektive

Kinsch Na Shannack hat sich zum Dieb ausbilden lassen und dabei unglaublich hohe Schulden angehäuft, die er nun irgendwie zurückzahlen muss. Er versucht es mit einem Raubüberfall und gerät an die Falsche, die Ritterin Galva. Er überlebt und die beiden beginnen eine epische Reise auf der Suche nach Galvas Königin. Ein abwechslungsreicher Fantasyroman, der viele Aspekte der Welt zeigt, reichlich Abenteuer bietet und für Humor und Liebe auch noch Zeit hat.

Irgendwie kommt es mir so vor, als ob der Autor so viel wie möglich in dem Buch unterbringen wollte, um allen Fantasyfans die Chance zu geben, zumindest Teile des Buches zu lieben. Es gibt menschenfressende Kobolde, gefährliche Kraken, bedrohliche Schiffsreisen, viele Kämpfe, geniale Kampfraben, skurrile Charaktere und und und. Natürlich darf auch eine Katze nicht fehlen, die eine ganz besondere Rolle spielt. Auch wenn es schon etwas seltsam ist, ein Abenteuer zu Land und zu Wasser mit so einem possierlichen Tierchen zu bestreiten.

Kinsch Na Shannack konnte sich durch seine zynische Art dann auch nicht wirklich zu meinem Lieblingsprotagonisten mausern. Vor allem die Ich-Perspektive in der er die Lesenden direkt anspricht und schon auf Zukünftiges hinweist ist so überhaupt nichts für mich. Was ich bei hauptsächlich humorvollen Büchern verstehe, passt meiner Meinung nach hier überhaupt nicht und hat mich völlig aus der Immersion herausgerissen.

Da helfen dann auch keine tollen Abenteuer, spannenden Erlebnisse und Charaktere, über die man mehr erfahren möchte, wenn die Hauptfigur unbedingt mit mir reden will. Die Geschichte hat unheimliches Potential, die Rassen sind spannend, das Magiesystem interessant, die Abenteuer solide und die neuartigen Ideen zahlreich. Es wird viel mit unterschiedlichen Sprachen gearbeitet, was oft zu komischen Momenten führt. Die Beschreibungen versetzen einen hervorragend an die Orte, die Gespräche sind ein bisschen aufgesetzt und es ist oft so, dass Kinsch eher Spielball der Geschehnisse ist.

Der erste Band der Trilogie läuft dann auch relativ linear auf das Ende zu, das dann doch mit einer überraschenden Wendung überzeugen kann. Wie es weitergehen wird, steht in den Sternen, und ich bin nicht sicher, ob ich dem schwarzzüngigen Dieb weiter auf seiner Reise begleiten werde. Für Fans von questreicher Fantasy, die schräge Hauptcharaktere lieben

Bewertung vom 24.09.2022
Dunkle Nächte, stade Zeit

Dunkle Nächte, stade Zeit


ausgezeichnet

Die Rauhnächte sorgen für reichlich Grusel in München und Umgebung

Dunkle Nächte, stade Zeit ist eine Anthologie der Münchner Schreiberlinge e.V.. Der Erlös geht an den Münchner Verein „Kinder ohne Hunger“ e.V.. Man tut also nicht nur sich, sondern auch anderen Gutes, wenn man das Buch kauft oder verschenkt. Vom 1.12. bis 6.1. geht die Vorweihnachtszeit gefolgt von den Rauhnächten. Passend dazu warten 36 Geschichten darauf gelesen zu werden, so dass man sich für jeden Tage eine aufsparen kann.

Die Geschichten sind sehr abwechslungsreich, handeln von der Vorweihnachts- und Weihnachtszeit und der Wilden Jagd mit Frau Perchta an der Spitze. Es werden in einem breiten Spektrum an Erzählmöglichkeiten verschiedene Aspekte der kalten Jahreszeit beleuchtet. Bei einer so großen Anzahl an Geschichten ist es nur natürlich, dass mir nicht alle gleichgut gefallen haben. Aber es haben sich doch eine ordentliche Anzahl an Favoriten herausgebildet, die ich auch gerne noch ein paar Mal lesen werde, wenn dann tatsächlich die Vorweihnachtszeit beginnt.

Ich als Norddeutscher hatte mit den Rauhnächten noch nicht so viel am Hut, deswegen war es toll, etwas mehr darüber zu erfahren und herauszufinden, warum meine Mutter das mit dem Nicht-Wäscheaufhängen zu der Zeit immer sehr ernst nimmt. Die Geschichten aus diesem Bereich haben dann auch einen ordentlichen Gruselfaktor, den man wahrscheinlich besser vertragen kann, wenn man mit guter Stimmung aus den Weihnachtsfeiertagen kommt. Die Mischung ist sehr gelungen, mir haben, da ich ja Bücher aus so gut wie allen Genres lese, alle Geschichten gut bis sehr gut gefallen. Die Geschichtensammlung ist sehr unterhaltsam, hat eine große Bandbreite an Erzählarten und Genres, steckt voller toller Ideen und enthält auf jeden Fall Geschichten, die ihre Liebhaber:innen finden werden. Eine Empfehlung, weil man interessante Autorinnen und Autoren für sich entdecken kann, es einem guten Zweck dient und man gerade zu der Zeit ein paar Seiten am Tag zur Entspannung lesen sollte.

Bewertung vom 24.09.2022
Der Traumwandler: Band 3
Strohmaier, Melanie

Der Traumwandler: Band 3


ausgezeichnet

Alle Fäden laufen zusammen, das Ende ist, wie es wohl sein muss und neue Wege öffnen sich

Auch der dritte Band ist wieder hervorragend. Man fühlt mit jeder Faser seines Lesens mit den Figuren, steckt mittendrin in der Handlung und erlebt mit, was passieren wird und muss. Wem dieses Buch nicht ans Herz geht, der muss dieses in einen Stein eingetauscht haben.

Arkana wird durch den Plan des Alchemisten bedroht, der nur einen Ausweg für seine Situation sieht. Doch dies kann Asra nicht zulassen und muss alles daransetzen, ihre Freunde und sich zu retten. Ein letztes Abenteuer auf der Suche nach Petrichor und Antworten. Wird es ihr gelingen, ihn zu finden und den Alchemisten an der Ausführung seines Plans zu hindern. Werden ihre Freunde die gefährliche Suche überleben, was passiert in der Wachwelt mit ihrer Mutter und ihrem besten Freund? Fragen, die geklärt werden müssen und Antworten, die ich definitiv nicht verraten werde.

Um den Band in einem Wort zusammenzufassen: grandios. Ein würdiger Abschluss von Asras Abenteuer in Arkana. Der Verlauf ist ein bisschen so, wie ich es mir gewünscht und vorgestellt habe, auch wenn ich auf die vielen kleinen Details, Herausforderungen und Schicksalsschläge nie gekommen wäre. Ich wiederhole mich, wenn ich die Trilogie empfehle. Es bringt einfach Spaß, sich auf diese Reise zu begeben. Sie ist definitiv nicht einfach, zeigt Menschen, die an ihre Grenzen und darüber hinausgehen. Handelt von Charakteren, denen man im wahren Leben wahrscheinlich lieber nicht über den Weg laufen will und einer Welt, in der man dann doch gerne das eine oder andere Abenteuer erleben würde.

Alle, die die ersten beiden Teile gelesen haben, werden diesen dritten sicherlich verschlingen. Der Rest sollte sich auf die Dark Fantasy-Trilogie par excellence einlassen. Es gibt reichlich zu entdecken, zu durchleben und zu spüren. Extreme Charaktere in einer extremen Situation, muss man gelesen haben und nicht nur um 3:33 Uhr nachts.

Bewertung vom 24.09.2022
Interspace One
Suchanek, Andreas

Interspace One


ausgezeichnet

Ein Kriminalfall unter Klonen

Andreas Suchanek schafft es in diesem Space-Krimi die Thematik der Klontechnik und ihrer Möglichkeiten mit frischen Ideen an ungeahnte Grenzen zu treiben. Das Buch fängt schön klassisch mit einem gestrandeten Raumschiff auf einem unwirtlichen Planeten an, auf dem man sich gar nicht befinden sollte. Dann wird es schnell zu einem mysteriösen Kriminalfall an Bord und weitet sich immer mehr in die verwirrende Welt der Klone, wechselnder Körper, andere Sicht auf Beziehungen bis hin zur Sehnsucht nach den Ursprüngen, die natürlich auf der Erde liegen.

Commander Liam Mikaelsson erwacht in einem Klonkörper an Bord seines Raumschiffs. Er stellt schnell fest, dass etwas gewaltig schiefgegangen ist. Sie sind auf einem unbekannten Planeten gelandet, Systemausfälle haben einen Teil der Besatzung getötet und eine verkohlte Leiche im Maschinenraum wirft Fragen auf. Was ist passiert, wieso sind sie von der Route abgekommen und befindet sich ein Verräter in ihren Reihen?

Während die Originalkörper im Kälteschlaf sicher auf der Erde verwahrt werden, schickt die Menschheit Klone, um die Tiefen des Weltalls zu erforschen. Dabei können Aussehen und Geschlecht frei gewählt werden. Die Erlebnisse des Klons können gespeichert oder auch gelöscht werden, wodurch kriminalistische Ermittlungen enorm erschwert werden. Man wird als Lesender sehr gut an diese Klonthematik herangeführt. Es bringt Spaß, selbst die neuen Möglichkeiten durchzudenken und mitzuermitteln. Es gibt viele überraschende Wendungen, reichlich Action und spannende Gespräche. Dabei eignet sich Liam perfekt als Identifikationsfigur, dem man zusammen mit Sicherheitsspezialistin Kendra beim Ermitteln gegen die kleine Anzahl an überlebenden Besatzungmitgliedern die Daumen drückt.

Das Hörbuch wird gelesen von Richard Barenberg. Die fast 10 Stunden Spielzeit kann man angenehm mit seiner Stimme verbringen. Die Charaktere sind hervorragend getroffen und der sehr gut beschreibende Schreibstil wird von ihm perfekt ans Ohr weitergeleitet.

„Interspace One“ hat mir sehr gut gefallen. Es ist ein Buch, das einen Nachdenken lässt, spannende Denkansätze liefert und einen Kriminalfall im Weltall präsentiert, der es in sich hat. Man erlebt hautnah mit, wie die Handlung vom einsamen Erwachen bis hin zur globalen Problematik wächst. Ein Buch, dass ich jedem Science-Fiction Fan ans Herz legen möchte. Klone und ihre Folgen sind eine spannende Thematik, die hier hervorragend von allen Seiten beleuchtet wird. Im Jahr 3486 hat sich die Welt doch um einiges geändert und trotzdem bleiben immer noch viele alltägliche Probleme.

Bewertung vom 24.09.2022
Aus Zauberseide und Schwanenfedern
Greenville, Anna Jane;Pohlers, Lisa;Corzilius, Thilo;Handel, Christian

Aus Zauberseide und Schwanenfedern


sehr gut

Sechzehn märchenhafte Verwandlungen

„Aus Zauberseide und Schwanenfeder“ ist bereits die sechste märchenhafte Anthologie herausgegeben von Christian Handel. Das übergreifende Thema sind Verwandlungen, das auf sehr unterschiedliche Weise von den einzelnen Autor:innen hervorragend umgesetzt wurde.

Das Spektrum der Geschichten reicht von Neuinterpretationen alter Märchen über Vorgeschichten und das Aufgreifen von bekannten Märchenelementen bis hin zu eigenen märchenhaften Geschichten. Dabei geht es auch viel diverser zu, als in den klassischen Märchen.

Mir haben alle Geschichten sehr gut gefallen. Es gab für mich sehr viel Neues zu entdecken, reichlich Überraschendes und klassische Märchen, die ich noch nicht kannte. Bei einigen Geschichten wünschte ich mir eine Verlängerung, um den faszinierenden Charakteren die Chance zu geben, noch mehr Märchenhaftes zu durchleben. Es sind Geschichten, die allesamt Lust auf das Genre machen.

Eine Anthologie, die ich jedem Märchenfan empfehlen kann. Es gibt viel zu entdecken, ein bisschen mitzuleiden und reichlich „Ende gut, alles gut“. Einen Großteil der Autor:innen konnte ich durch die Anthologie neu für mich entdecken. Und es ist nie verschenkte Zeit, wenn man sie mit einem Märchen verbringt.

Bewertung vom 24.09.2022
Die Filiale
Etzold, Veit

Die Filiale


sehr gut

Frau Wilmer lebt

„Die Filiale“ ist der Beginn einer neuen Reihe um die Bankangestellte Laura Jacobs, die in diesem ersten Teil einiges zu durchleben hat. Es beginnt mit einem Filialüberfall, geht über die Kündigung ihres Mietvertrages für ihr Haus bis hin zu Ungereimtheiten in der Bank, die ihr in die Schuhe geschoben werden. Ganz schön viel, was Frau wegstecken muss. Zum Glück hat sie Freunde, die ihr zur Seite stehen. Ein Thriller mit reichlich Banker-Hintergrundinformationen.

Laura hat Glück im Unglück. Ihre Filiale wird überfallen und sie reagiert genau richtig. Dadurch wird ihr eine Beförderung in Aussicht gestellt. Wenn da nur nicht die Kündigung des Mietvertrages durch die eigene Bank die Aussichten trüben würde. Dabei ist sie nicht die einzige, der dies passiert. Ein ganzes Viertel soll geräumt werden. Sie beginnt aufzubegehren und ruft dadurch einen Gegner auf den Plan, mit dem sie sich besser nicht angelegt hätte.

Laura Jacobs eignet sich hervorragend als Identifikationsfigur. Ihr Verhalten ist nachvollziehbar und sie ist auf Hilfe durch Familie, Freunde und ein bisschen Glück angewiesen, um dieses Abenteuer durchzustehen. Sie kann durch ihre Kenntnisse des Bankalltags diesen gut an die Lesenden vermitteln und die richtigen Fragen stellen. Dadurch wird die massive Informationsflut in Sachen Banken, Kryptowährung, Dark Pools und was es sonst noch für Dinge gibt, die uns Veit Etzold vermitteln will, einigermaßen verdaubar.

Diese Wissensvermittlung ist dann auch mein Hauptkritikpunkt. Kennt man sich mit dem Thema einigermaßen aus, so wird man nicht viel Neues erfahren und viele Seiten querlesen können. Kennt man sich nicht aus, wird man sicher von all dem Fachchinesisch erschlagen und wenn es einen gar nicht interessiert, wird das Interesse sicher auch nicht geweckt. Banken sind halt ein schwieriges Thema, mit denen ich mich in Buchform auch nicht wirklich mehr beschäftigen möchte.

Lässt man diesen Bereich beiseite bleibt ein Kriminalfall, der einigermaßen durchschaubar ist. Spannend sind die Interaktionen der Beteiligten und die Entwicklung, die die Geschichte nimmt. Es gibt reichlich spannende, actionreiche Momente. Die Bösewichte tragen ihren Namen zurecht und alles ist schön logisch aufgebaut.

Mir hat Laura als Charakter sehr gut gefallen und ich bin gespannt auf ihr nächstes Abenteuer in einem anderen Einsatzbereich der Bank. Hoffentlich gibt es dann nicht ganz so viele Erklärungen und dafür mehr überraschende Wendungen in der Handlung. Ein Thriller für Bankenfans und die, die es werden wollen. Eine starke Protagonistin, ein abwechslungsreiches Umfeld und einem Bösewicht, den man gerne scheitern sieht. Und einer kleinen Tatsache, die dafür sorgt, dass ein wohldurchdachter Plan auffliegt.

Bewertung vom 11.09.2022
Sammelsurium der Zeit (eBook, ePUB)
Summer, Carolin

Sammelsurium der Zeit (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Unterhaltsame Vorgeschichten zu den Hauptcharakteren der Tetralogie

Sammelsurium der Zeit ist eine Sammlung aus zehn Kurzgeschichten, die vor allem in Paris spielen und Vorgeschichten zur WeltenWechslerAkten-Tetralogie erzählen. Man erfährt viel über die Charaktere, die Hauptaspekte der Bücher und die Wesen, die in ihnen eine Rolle spielen. Der Band ist also entweder der ideale Einstieg in die Reihe, oder die perfekte Ergänzung für all diejenigen, die mehr über ihre Lieblingscharaktere erfahren wollen.

Was wäre, wenn es eine Organisation namens Gris gibt, die sich weltweit darum kümmert, dass die Menschen nicht mitbekommen, was Dämonen, Vampire, Werwölfe, Besucher aus anderen Dimensionen und ähnliche Geschöpfe auf der Welt so treiben? In den WeltenWechslerAkten bekommt man Einblick in ihre Arbeit, erlebt gefährliche Abenteuer und kann meist sicher sein, dass die Menschheit weiter gut behütet vor sich hinleben kann. In den ersten neun Geschichten, die in diesem Band vereint sind geht es nun um die Hauptcharaktere der Reihe, wie sie zu Gris gestoßen sind, was sie in ihrer Anfangszeit erlebt haben und wie sich ihre Wege kreuzten. In der letzten Geschichte gibt es schließlich einen Ausblick in die Zukunft, den man wahrscheinlich erst lesen sollte, wenn man alle Bände gelesen hat.

Mir haben die Geschichten, die Erlebnisse der Charaktere und das Zusammenwirken unterschiedlicher Wesen hervorragend gefallen. Man wünscht sich, kein normaler Mensch zu sein und lieber zu dieser erlesenen Gemeinschaft zu gehören. Der Schreibstil ist sehr angenehm, man taucht direkt in die Handlung ein, die Charaktere wachsen einem schnell ans Herz, falls man sie noch nicht kennt und die ausgesuchten Situationen sind sehr spannend und interessant. Eine tolle Sammlung an Geschichten, die definitiv erzählt gehört.

Ich bin gespannt, ob es noch weitere Geschichten aus dem Umfeld der WeltenWechslerAkten geben wird. Eine Empfehlung für alle, die die anderen vier Bücher schon gelesen haben und für jeden, den geheime Welten parallel zu der uns bekannten interessieren. Für alle, die tolle Charaktere, glaubhafte Situationen und das Zusammenwirken unterschiedlicher Spezies lieben. Urban Fantasy mit einer dunklen Seite.

Bewertung vom 09.09.2022
Das Geheimnis des Pilgers / Pilger Bd.2
Schier, Petra

Das Geheimnis des Pilgers / Pilger Bd.2


ausgezeichnet

Ein Haufen Geheimnisse, ein Kreuz, viel Liebe. Lebendiges Mittelalter pur

Das Geheimnis des Pilgers ist der zweite Band der Pilger-Trilogie. Die Handlung setzt dort ein, wo sie im ersten Band endete. Die bekannten Charaktere tauchen wieder auf, einige neue spielen eine große Rolle und es bleibt viel Raum sich mit dem Geheimnis zu beschäftigen. Ein tolles Bild der damaligen Gesellschaft und ihren Vorlieben, zu denen es wichtige Informationen im Nachwort gibt.

Conlin und Reinhild stehen vor einigen Herausforderungen, bevor sie zur Vermählung vor die Kirchenpforte treten können. Das liebe Geld macht ihnen Sorgen, Conlins Bruder ist immer noch ein Problem und der Alltag will auch noch gemeistert werden. Reinhild hilft weiterhin Palmiro, dessen Fellhandel einige Problemen hat. Eine Ladung Felle ist weggekommen, die Wachmannschaft muss mit Conlins Hilfe verstärkt werden und der neue angeworbene Benedikt vom Heidenstein scheint ihn nicht wirklich als seinen Auftraggeber zu akzeptieren. Da hilft es auch nicht, dass das Kreuz bei ihm nicht anschlägt. Es gibt also viel zu tun und sie wissen nicht, ob der nächste Schritt auch der richtige sein wird.

Palmiro steht im Mittelpunkt der Handlung. Um ihn herum passieren die spannendsten Dinge. Conlin ist gut damit beschäftigt, die neuen Entscheidungen seines Bruders umzusetzen und sich auf den neu angebotenen Posten vorzubereiten, während er gleichzeitig jede Gelegenheit zum Geldverdienen nutzen muss. Reinhild hat währenddessen so viel mit Haus, Geschäftsbüchern und Hochzeitsplanungen zu tun, dass sie kaum zum durchschnaufen kommt. Es ist wirklich erstaunlich, dass sie noch Zeit findet, ihrem zukünftigen Ehemann näher zu kommen. Ein Problem, dass Palmiro mit seinen Auserkorenen eher nicht kennt.

Es gibt reichlich Charakterentwicklung, die Geschichte um Benedikt ist sehr interessant und dass Conlin und Reinhild immer mehr zur Einheit werden, ist klasse. Die Handlung nimmt, vor allem zum Ende hin, sehr an Fahrt auf und lässt die ruhigeren Momente im Mittelteil vergessen. Insbesondere auf den letzten Seiten gibt es so viele neue Wendungen, dass man am liebsten sofort mit Teil drei weiterlesen möchte.

Ein weiteres wichtiges Handlungselement ist die Liebe. Petra Schier erzählt im Nachwort mehr über gleichgeschlechtliche Beziehungen zu der damaligen Zeit. Sodomie und ketzerisches Handeln und wie es trotzdem wohl mehr als vermutet stattgefunden hat. Sie lässt diese historischen Belege hervorragend in ihre Handlung einfließen, zeigt ein „möglichst buntes Kaleidoskop an möglichen Lebensentwürfen“. Dabei darf nicht nur Palmiro seinen Gefühlen Ausdruck verleihen, sondern auch die anderen Hauptcharaktere. Selbstzweifel und die Angst vor den Folgen dürfen da natürlich trotzdem nicht fehlen.

Mir hat auch der zweite Band der Trilogie sehr gut gefallen. Ich finde den Einblick ins alltägliche Leben von Adeligen, Kaufleuten und dem ganzen Rest sehr spannend. Petra Schier gelingt es problemlos, die damalige Zeit mit Leben zu füllen und einem das Gefühl zu geben, mitten unter den Handelnden zu sein. Ich bin gespannt auf den nächsten Teil und wohin der Weg Palmiro, Reinhild und Conlin führen wird, welche Stolpersteine sich noch auftürmen werden und wie es mit dem Kreuz weitergehen wird. Eine Empfehlung für alle, die historische Romane lieben, große, gefühlvolle Geschichten bevorzugen und einfach mehr über das Leben im Koblenz des Jahres 1379 erfahren wollen.

Bewertung vom 09.09.2022
Die Jagd auf den Jadefuchs / Signs of Magic Bd.1 (eBook, ePUB)
Robrahn, Mikkel

Die Jagd auf den Jadefuchs / Signs of Magic Bd.1 (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Das unfähigste Team ever und die extrem aussichtslose Jagd ihres Lebens

Ein Buch über ein Dreierteam, das kaum unvorbereiteter auf die bevorstehende Aufgabe sein kann. Eine Fuchsjagd in England mit einigen magischen Elementen, tollen Charakteren und vielen humorvollen Situationen. Normal müsste das Abenteuer nach wenigen Seiten erfolglos enden, aber irgendwie schafft es Mikkel Robrahn dann doch, aus den Dreien ernsthafte Mitbewerber um den Gewinn der Jagd zu machen.

Matilda stammt aus einer reichen Familie, die ihr spielsüchtiger Vater zugrunde gerichtet hat. Ihr einziger Ausweg aus den Schulden ist es, sich an der Jagd nach dem Jagdfuchs zu beteiligen. Doch das Antrittsgeld ist hoch und sie braucht einen vernünftigen Fallensteller und einen sehr guten Magier, von denen es nur wenige auf der Welt gibt. Den Fallensteller findet sie im Hausmeister ihres Vaters, Botzki. Und selbst mit dem Magier scheint sie Glück zu haben. Sie antwortet auf eine Anzeige und tatsächlich meldet sich Abraham Kadabraham. Allerdings ist er kein echter, sondern ein Showzauberer und heißt eigentlich Albert und liefert hauptberuflich Pizzen aus. Für seinen großen Traum der Zaubererkarriere ist er jedoch sofort bereit, sich auf das Abenteuer einzulassen. Die Jagd kann also beginnen.

Das Hörbuch wird von Lara Trautmann und Max Felder gelesen, die je nach Hauptperson die Kapitel abwechselnd lesen. Eine gelungene Idee, die super umgesetzt wurde. Ich kann das Hörbuch sehr empfehlen, man kann mit den Stimmen hervorragend in die Handlung abtauchen und sich die Geschichte erzählen lassen.

Die Sichtweisen der Kapitel wechseln also zwischen Albert und Matilda, wobei Albert für weit mehr komische Momente sorgt, als seine Auftraggeberin, für die die Jagd eine durchaus ernste Sache ist. Trotzdem bringt es Spaß, beiden Sichten zu folgen und ihre Sichten auf das Abenteuer mitzuerleben. Die dritte Hauptperson ist Botzki, der mit handfesten und handwerklichen Überraschungen den perfekten Unterstützer spielt. Die drei sind einfach das perfekte Team, auch wenn sie es lange Zeit selbst nicht erkennen. Es ist toll, welche Wandlung sie im Lauf des Buches durchlaufen und ich bin gespannt, wie sich diese in den zwei weiteren Bänden fortsetzen wird.

Die Jagd selbst ist ebenfalls eine geniale Idee. Die Superreichen brauchen Beschäftigung, die hochnäsigen Zauberer sind bei weitem nicht allmächtig und der Jadefuchs ist einfach possierlich.

In diesem Buch stimmen einfach alle Zutaten und führen zu einem der seltsamsten Abenteuer, das ich mir nie selbst hätte ausdenken können. Humorvolle Momente wechseln sich ab mit ernsten und gefährlichen, Überraschungen gibt es zuhauf. Weitere Nebenfiguren vor allem aus Alberts Umfeld müssen erkennen, dass dieser einfach seinem Traum folgen muss.

Ich hatte sehr viel Spaß mit dem ersten Teil von Signs of Magic. Auch wenn ich mir anfangs öfters die Frage gestellt habe, wohin das alles führen wird. Eine definitive Empfehlung für Fans von humorvoller Urban-Fantasy, die ein Herz für Zauberer haben.

Bewertung vom 07.09.2022
Schildmaid
Vogt, Judith C.;Vogt, Christian

Schildmaid


ausgezeichnet

Historische Fantasy mit reichlich göttlichen Eingebungen

Nordische Sagen sind aus heutiger Sicht schon mit reichlich Fantasy angereichert. Die Menschen sind Spielbälle der Götter, Naturgewalten beeinflussen den Alltag, Riesen und Monster wandeln auf Erden. In diesem historischen Umfeld entfaltet sich das Lied der Skaldin. Es beginnt mit dem Bau eines Langbootes, dem Versammeln einer zwanzigköpfigen weiblichen Mannschaft und endet in einer Reise mit göttlicher Mission. Dazwischen entwickelt sich eine epische, grausame, herzzerreißende und mystische Geschichte, die man unbedingt selber lesen sollte.

Eyvor beginnt in einem entlegenen Fjord ein Drachenboot zu bauen, nachdem sie von diesem geträumt hat. Der Bau des Schiffes dauert sieben Jahre. Währenddessen sammeln sich um sie immer mehr Frauen mit den unterschiedlichsten Talenten und Gründen, ihrem bisherigen Leben den Rücken zu kehren. Als das Schiff endlich samt blauem Segel fertiggestellt ist, muss es sich auch gleich als Fluchtschiff beweisen, da Herdis, ihr letzter Neuzugang, samt ihren Kindern vor ihrem mit Barbarenkräften ausgestattete Ehemann geflohen ist. Die Reise beginnt, man begibt sich auf Viking und sammelt erste Erfahrungen beim Plündern und Brandschatzen. Doch immer sitzt der Berserker, der Teil des siebten Langboots ist, ihnen im Nacken. Dies ändert sich auch nicht, als sie den göttlichen Auftrag erhalten, einen Eisriesen zu töten. Dabei müssen sie einen Teil ihrer Fraulichkeit opfern, um göttliche Unterstützung in Form von Krähen zu erhalten.

Wie man schon an der Zusammenfassung erkennen kann, taucht man als Lesender in eine völlig andere Welt ein, in der das menschliche Leben eher flüchtig ist. Die Geschlechterrollen sind klar verteilt und doch gibt es immer wieder Ausnahmen, die sich diesen gegebenen Umständen widersetzen. In dieser Geschichte sogar in zwanzigfacher Form. Jede hat ihren eigenen Grund dafür, zur Schildmaid zu werden und sich mit Kämpfen und Raubzügen durchs Leben zu schlagen. Dabei haben sie sich für den denkbar schwierigsten Weg nach Folkwang an Freya Tafel entschieden.

Die Geschichte hat mir hervorragend gefallen, die Charaktere sind toll, einmalig und bilden eine Einheit, der man eigentlich wünscht, dass ihr nicht zu viel Böses passieren wird. Umso mehr musste ich dann mit der Besatzung leiden, aber das Wikingerleben ist halt kein Zuckerschlecken. Die Männer scheinen durchgehend die Bösen zu sein, angefangen vom Ehemann zu Hause bis hin zu den höchsten Göttern. Etwas gewöhnungsbedürftig, wie allerdings zu erwarten, waren für mich die nordischen Begriffe, die mich immer mal wieder aus dem Lesefluss gerissen haben. Ebenfalls gewöhnungsbedürftig ist, dass Eyvor gar nicht, wie ich es erwartet hatte, die Hauptrolle spielt. Stattdessen sieht man die Handlung oft auf Sicht der anderen Schildmaiden. Man wird also zum Teil des Teams.

Das Buch ist eine sehr gelungene Neuinterpretation nordischer Sagen. Frauen übernehmen die zentralen Rollen und können zeigen, dass sie ebenfalls im ewigen Kampf von Asen gegen Riesen mitmischen können. Es ist erfrischend, durch das Buch einen neuen Blick auf das damalige Leben zu werfen. Ich kann Schildmaid jedem empfehlen, der historische Fantasyromane liebt, mehr über die nordische Sagenwelt erfahren und einfach gerne mit einer Schiffsbesatzung mitleiden möchte, auf die das Abenteuer ihres Lebens wartet. Ein Buch, um in eine Zeit einzutauchen, in der Schildwall, Axt, Gemeinschaft, Langboot und Viking das Leben der Schildmaiden prägte.