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Des Kummers Nacht / Von der Heyden Bd.1
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Ralph Knobelsdorf: Des Kummers Nacht

Berlin im Sommer 1855. Die Stadt hat zu der Zeit fast eine halbe Million Einwohner und das Revolutionsjahr 1848 erst kurz hinter sich. Unter der Regierung von König Friedrich Wilhelm IV kämpft der preußische Polizeipräsident Hinckeldey nicht nur gegen die Demokraten, sondern gegen unterschiedlichste politische Gruppierungen, die Intrigen um die Vorherrschaft und einen Nachfolger des Königs schmieden. Als eine junge Österreicherin, Beatrice Gräfin Wassilko von Kerecki, durch eine Bombe stirbt, drohen auch noch ernste außenpolitische Schwierigkeiten. Denn die Kereckis sind ein uraltes Geschlecht mit Verbindung in die höchsten Kreise des Hofes in Wien. Die Gräfin wurde von der Explosion aus dem Fenster ihrer Wohnung geschleudert und von den Dornen des gusseisernen Zauns vor dem Haus durchbohrt. Kein schöner Anblick für den sofort herbeigeeilten Nachbarn Willy von der Heyden – und der Beginn seines ersten Falls.

Mit von der Heyden schickt Autor Ralph Knobelsdorf einen ganz besonderen Ermittler ins Getümmel. Der junge Mann aus gutem Hause beendet gerade sein Jurastudium und lebt bei Frau Brenke, einer patenten Hauswirtin, zur Untermiete. Willys Familie schwebt eigentlich eine Karriere im Staatsdienst vor – mit Einfluss und dem entsprechenden Einkommen. Dabei besitzt der hochbegabte Mann nicht nur ein fotografisches Gedächtnis, sondern auch eine exzellente Kombinationsgabe. Gerade als ihn sein bester Freund Johann abholen will, detoniert die Bombe. Die beiden Freunde sind als erste am Tatort, wo Willy mit seinen Fähigkeiten beeindruckt, sodass Kriminaldirektor von Herford ihm direkt den Polizeidienst schmackhaft machen will. Gemeinsam mit Kriminalsekretär Vorweg, einem Verhörspezialisten, macht sich von der Heyden auf Spurensuche. Und diese hat es in sich, denn ständig tauchen neue Hinweise und mögliche Motive auf: War es ein politischer Anschlag oder doch ein enttäuschter Liebhaber der …mehr
Autorenporträt
Ralph Knobelsdorf wurde in Löbau/Sachsen geboren und studierte in Halle an der Saale Philosophie, Jura und Geschichte mit dem Schwerpunkt Deutschland im 19. Jahrhundert. Nach Tätigkeiten in Werbe- und Internetagenturen arbeitet er gegenwärtig in einem Unternehmen der IT-Branche. Mit Des Kummers Nacht legt er sein Debüt als Autor vor. Er lebt mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in Erfurt.
Interview mit Ralph Knobelsdorf

Der historische Kriminalroman „Des Kummers Nacht“ ist Ihr Debüt als Autor. Wie kamen Sie zum Schrei-ben? Und wie fühlt es sich nun an, wenn das erste Buch erscheint?
Tatsächlich ist es ein eigenartiges Gefühl, das eigene Buch in den Händen zu halten und zu wissen, dass es von – hoffentlich – vielen Menschen gelesen wird. Dieser Umstand ruft in mir eine Mischung aus Freude, Aufregung und etwas hervor, was man am besten als Demut bezeichnen könnte. Schließlich möchte ich die Menschen unterhalten und vielleicht das eine oder andere zum Erkenntnisgewinn beitragen. Dass es einmal so weit kommt, hätte ich mir vielleicht in meinen Träumen gewünscht, aber eine rechte Vorstellung hatte ich nicht. In meiner Jugend habe ich schon begonnen, „große“ Romane zu konzipieren und zu schreiben, und bin davon – mit langen Unterbrechungen – auch nicht losgekommen. Aus diesen Entwürfen ist natürlich nichts geworden, das Interesse am Schreiben, dem Entwickeln von Geschichten und Personen aber ist ge-blieben. Vor einigen Jahren habe ich dann zunächst ein grobes Konzept für eine Romanreihe entwickelt und daran immer mal wieder gearbeitet. Das Ergebnis zeigte ich einem Freund, der die Idee gut fand, und mit viel Glück habe ich dann eine hervorragende Lektorin und einen mutigen Verlag gefunden. Das Ergebnis liegt nun vor.

Hauptfigur in „Des Kummers Nacht“ ist der junge Jurist Wilhelm von der Heyden, und der Untertitel „Von der Heydens erster Fall“ verspricht den Beginn einer Krimireihe. Was für ein Ermittler ist von der Heyden?
Wilhelm von der Heyden ist ein junger Adliger, der soeben sein Jurastudium beendet hat und mehr zufällig in einen aktuellen Mordfall hineingerät. Ein Freund seines Vaters, der Chef der Kriminalpolizei, bietet ihm eine Stelle an, aber er kann sich noch nicht zum Eintritt in den Polizeidienst entscheiden, denn seine Familie legt großen Wert auf eine umfangreiche Bildung und eine standesgemäße Karriere. Den neuen Entwicklun-gen seiner Zeit steht Wilhelm aufgeschlossen gegenüber, und er bringt eine Fähigkeit mit, die ihm als Polizist zugutekommt: Er kann sich (fast) alles merken, was er je gesehen oder gelesen hat. Damals gab es keine Bezeichnung für diese Fähigkeit, die man heute als eidetisches oder fotografisches Gedächtnis bezeichnen würde.

Wilhelm von der Heyden haben Sie eine Reihe von charakterstarken Figuren an die Seite gestellt. Unter anderem seinen besten Freund Johann, die patente Hauswirtin Frau Brenke, Kriminaldirektor von Herford oder den Kriminalisten Vorweg. Daneben tauchen immer wieder reale Figuren wie Otto von Bismarck oder Polizeidirektor Wilhelm Stieber auf, die in der Handlung eine Rolle spielen. Was reizt Sie an dieser Mischung aus Realität und Fiktion?
Jeder Kriminalroman stellt eine Mischung aus Realität und Fiktion dar. Der Autor erfindet eine Geschichte und stellt sie in einen realen Kontext. Wir kennen das zum Beispiel aus dem „Tatort“, wo eine fiktive Story in einem durchaus realen Rahmen erzählt wird. Bei einem historischen Kriminalroman ist das nicht anders, und es kommt hinzu, dass man hier die Gelegenheit hat, historische Persönlichkeiten auftreten zu lassen, die in die Geschichte integriert werden können. Dadurch wird die Geschichte realer, erlebbarer – solange diese Persönlichkeiten ihrem historischen Vorbild gemäß dargestellt werden. Die spannende Frage war für mich, wie sich eine historische Persönlichkeit verhalten und geäußert hätte, wenn sie tatsächlich mit der erfundenen Geschichte konfrontiert worden wäre. Darüber hinaus ergibt sich die Möglichkeit, tatsächliche Begebenheiten oder Kriminalfälle zu adaptieren und anzupassen. Das ist sehr reizvoll, erfordert es meines Erachtens aber auch, sowohl über die historische Wahrheit zu informieren als auch fiktive Freiheiten des Autors erkennbar zu machen. Ich bin dem Verlag sehr dankbar, dass dies im Anhang geschehen konnte.

Der Krimi spielt in Berlin ab dem Jahr 1855. Wir erfahren viel über die damalige Polizeiarbeit, aber auch über Politik und das Leben. Warum haben Sie sich für diese Zeit entschieden?
Die kurze Antwort lautet: Weil es sich um eine der faszinierendsten Epoche der menschlichen Geschichte handelt. Sehr vieles von dem, was unser Leben heute ausmacht, begann zu dieser Zeit. Das ist etwas erklä-rungsbedürftig. Nehmen wir an, Sie wollen die Entwicklung der Menschheit in Europa in der Zeit von zwei-tausend vor Christus bis heute grafisch darstellen. Dann würden Sie ein Diagramm nehmen und auf der X-Achse die Zeit eintragen und auf der Y-Achse Koeffizienten aus verschiedenen Kennziffern (Politik, Wissen-schaft, Kultur, Medizin usw.) bilden. Das ist zwar höchst unwissenschaftlich, soll aber auch nur zur Veran-schaulichung dienen. Heraus käme eine Kurve, die zunächst langsam ansteigt, mit einigen Sprüngen hier (Entdeckung Amerikas, Aufklärung, Französische Revolution …) und einigen Abstürzen da (Untergang des Römischen Reiches, Pestepidemien, Dreißigjähriger Krieg …). Doch dann wandelt sich diese Kurve von ei-nem leichten und stetigen in einen exponentiellen Anstieg, an dessen Spitze wir heute stehen. Und der Ab-schnitt, in dem das geschieht, lässt sich ziemlich genau in die Jahre zwischen 1830 und 1880 verorten. So fallen die Anfänge des Rechtsstaats oder der Beginn demokratischer Bewegungen ebenso in diese Zeit wie die wesentlichen Grundlagen der technischen Entwicklung (Eisenbahn, Gas, Elektrizität) oder der Aufbau und Nutzung medizinischer Erkenntnisse. Denken Sie nur an die Entdeckung der Bakterien oder die ersten Impfungen! Wir haben sehr viel mit dieser Zeit gemein. Grund genug, meinen Roman dort anzusiedeln.

Die Serie „Babylon Berlin“ nach den Krimis von Volker Kutscher ist ein weltweiter Erfolg und spielt im Berlin der 20er-Jahre. Haben Sie mit der Von-der-Heyden-Reihe vielleicht einen neuen Serien-Hit ge-schrieben, und können Sie sich eine Verfilmung vorstellen?
Offen gestanden bestand das erste Konzept tatsächlich darin, eine Art TV-Miniserie nach solch grandiosen Vorbildern wie „Downton Abbey“, „Weißensee“, „Charité“ oder eben „Babylon Berlin“ zu entwickeln. Erst durch den Ratschlag meines Freundes, dem Historiker Dr. Henrik Eberle, wurde daraus das Manuskript zu diesem Roman. Ob daraus ein Hit wird, wird die Zukunft zeigen. Das erste Konzept jedenfalls schlummert noch immer auf meiner Festplatte, und falls sich Produzenten eines Tages dafür interessieren sollten – ich würde mich freuen.

Sie haben u. a. Philosophie, Geschichte und Jura studiert. Mal angenommen, es gäbe eine Zeitreisema-schine: In welche Zeit und an welchen Ort würden Sie reisen wollen?
Eine interessante Frage. Natürlich würde ich gern einmal Mäuschen bei historischen Ereignissen spielen, um mich etwa mit Napoleon zu unterhalten oder bei der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten anwesend zu sein. Das antike Rom zu durchstreifen wäre auch reizvoll. Ganz sicher würde ich das Berlin der Jahre 1850 bis 1880 besuchen und schauen, ob ich mit meinen Beschreibungen in etwa richtiglag, und da-bei nicht versäumen, bei einigen historischen Highlights dabei zu sein, zum Beispiel beim Redigieren der „Emser Depesche“ was zum Krieg mit Frankreich führte. Aber bitte nur besuchsweise und mit garantiertem Rückticket: Heute lebt man wesentlich sicherer und gesünder. Und länger.

Was können und möchten Sie schon über den zweiten Fall von Willy von der Heyden verraten?
Am zweiten Buch schreibe ich derzeit – hier bekommen es Wilhelm und Vorweg mit einem mutmaßlichen Serientäter zu tun. Mir schwirrt schon der Kopf, wenn ich nur daran denke, alle meine Ideen zu Papier zu bringen.

Interview: Literaturtest, 2021