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1793
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Niklas Natt och Dag: 1793

"Liebe, Schnaps, Tod" heißt ein Album, mit dem die populären Liedermacher Reinhard Mey, Hannes Wader und Klaus Hoffmann das Werk ihres schwedischen Vorfahren Carl Michael Bellman hierzulande ein wenig bekannter machten. Liebe, Schnaps und Tod - so ließe sich auch der historische Kriminalroman "1793" überschreiben, den der in Stockholm lebende Journalist Niklas Natt och Dag nun als sein Romandebüt vorlegt, das ebenfalls von Carl Michael Bellman inspiriert wurde.

1793 markiert eine Zeitenwende in der schwedischen Geschichte. Im Jahr zuvor war König Gustav III., der sich als Anhänger der Aufklärung mit dem Adel angelegt und etliche fortschrittliche Gesetze auf den Weg gebracht hatte, einem Attentat zum Opfer gefallen. Als Nachfolger wurde sein Sohn Gustav IV. inthronisiert, im zarten Alter von 13 Jahren. Die Gegner der Französischen Revolution übernahmen die Macht und sollten sich bald in den dritten Napoleonischen Krieg verwickeln.

Wie oft in unsicheren Zeiten floriert auch im Stockholm des Jahres 1793 vor allem der Alkoholkonsum. So ist auch der Stadtknecht Jean Michael Cardell einmal mehr stockbetrunken unter einem Tisch seiner Stammkneipe versackt, als ihn zwei Straßenkinder energisch wecken. Im Fatburen, einem See im Zentrum der schwedischen Hauptstadt, wurde ein verdächtiges Bündel gesichtet. Widerwillig kommt Cardell seiner Pflicht nach und wird schlagartig nüchtern, als er tatsächlich einen Leichnam ans Ufer zieht, der so grausam verstümmelt worden ist, dass es selbst den erfahrensten Gerichtsmedizinern auf den Magen schlägt.

Um das Rätsel dieses Mordes zu lösen, zieht die Polizei ihren Experten für "besondere Verbrechen" zurate, den Juristen Cecil Winge. Der bildet gemeinsam mit Cardell eines der eigentümlichsten Ermittlerduos der Krimigeschichte. Hier Winge, der zartgliedrige, studierte Intellektuelle mit gepflegter, ein wenig altmodischer Erscheinung und Umgangsform - …mehr
Autorenporträt
Niklas Natt och Dag, geboren 1979, arbeitet als freier Journalist in Stockholm. Er entstammt der ältesten Adelsfamilie Schwedens. Nicht zuletzt deshalb hat er eine besondere Verbindung zur schwedischen Geschichte. Sein historischer Kriminalroman "1793" wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Schwedischen Krimipreis für das beste Spannungsdebüt. Wenn er nicht schreibt oder liest, spielt er Gitarre, Mandoline, Geige oder die japanische Bambuslängsflöte Shakuhachi.
Interview mit Niklas Natt och Dag

Ihr Nachname "Nacht und Tag" klingt ungewöhnlich poetisch. Wurde Ihnen das Schreiben gewissermaßen in die Wiege gelegt?

Niklas Natt och Dag
: Mein Wunsch zu schreiben ist aus meiner Liebe zum Lesen entstanden, die mir schon früh im Leben begegnet ist. Ich war ein einsames Kind, und Bücher waren mein Trost. Beim Lesen fühlte ich mich immer in der Gegenwart des Autors. Und jetzt habe ich auf der Gegenseite genau das gleiche Gefühl: Wenn ich schreibe, bin ich in der Gesellschaft der Lesenden.

Welche Bücher haben Sie besonders inspiriert?

Niklas Natt och Dag
: Die ersten Bücher, die ich mir selbst ausgesucht habe, waren zwei Bände von Robert E. Howards Geschichten über Conan, den Barbaren. Dadurch wurde ich zu dem großen Fantasynerd, der ich heute immer noch bin. Schließlich arbeitete ich mich im Alter von etwa zehn Jahrenbis zu "Der Herr der Ringe" hoch. Es war meine erste große Leseerfahrung, die ich zu wiederholen versucht habe, indem ich dasselbe Buch mindestens sechs Mal las. Vergeblich.

Für Ihr Romandebüt "1793" haben Sie intensive historische Recherchen betrieben. Was hat Sie dabei am meisten überrascht?

Niklas Natt och Dag
: Als ich anfing, Tagebücher und Memoiren aus dieser Zeit zu lesen, war ich sehr erstaunt darüber, wie wenig Unterschiede zwischen uns und den Menschen damals bestehen. Wir haben die gleichen uralten Sorgen auf dem Herzen: Wer liebt mich? Wen liebe ich? Was muss ichtun, um mich im Leben weiterzuentwickeln? Warum muss mein Chef so ein Idiot sein? Und so weiter. Zunächst war ich glücklich, weil mir das scheinbar erlaubte, meine eigenen Gefühle und Erfahrungen direkt in das 18. Jahrhundert zu projizieren. Dann wurde ich von der Tatsache eher niedergeschmettert,dass wir seither das Atom gespalten und den Mond erobert, aber uns als soziale Kreaturen kein bisschen weiterentwickelt haben.

Haben Sie eigentlich eine Erklärung dafür, warum schwedische Krimis bei uns in Deutschland generell so populär sind?

Niklas Natt och Dag
: Ich vermute, dass Ihnen die Mischung aus Melancholie, Natur und schrecklichen Morden irgendwie exotisch und ansprechend erscheint. Warum das so ist, weiß ich nicht. Aber ich hoffe, es liegt daran, dass die Deutschen eben nicht an einem Ort leben müssen, an dem es die Hälfte des Jahres so dunkel ist, dass Sie unterSerotoninmangel leiden. Ich hoffe, bei Ihnen sind die Straßen gerade, gut in Schuss und beleuchtet - und dass Ihr kollektives Unterbewusstsein etwas weniger morbide ist als das unsere.

Inwiefern haben Sie die alten Lieder Ihres Landsmanns Carl Michael Bellman zu "1793" angeregt?

Niklas Natt och Dag
: Zum ersten Mal bin ich mit Bellman in jungen Jahren in Berührung gekommen, als ich anfing, die von Fred Åkerström in den 70er-Jahren aufgenommenen Interpretationen zu hören. Fred gehörte zur Arbeiterklasse, trank gerne und konnte nicht nur eine von Bellmans vielen Stimmungen anzapfen. Ihm lagen die witzigen,ruppigen Lieder genauso wie die traurigen oder erotisch-zärtlichen. All diese Emotionen brachte er durch die Jahrhunderte hindurch zum Donnern. Sein Einfluss auf mich war enorm und Bellmans Texte, vor allem seine dunkelsten, wurden später die Grundlage für "1793". Mein Protagonist Jean Michael Cardell ist zu einem Teil einem Freund von mir und zum anderen Teil Fred Åkerström nachempfunden.

Was schätzen Sie an Cardells professionellem Kollegen, dem Juristen und genialischen Detektiv Cecil Winge?

Niklas Natt och Dag
: Er hat gute Absichten und einstarkes Gerechtigkeitsgefühl. Aber wie viele Männer der Aufklärung glaubt er zu sehr an die Vernunft. Rousseau und de Sade, die beiden Denker dieser Zeit, die mich am stärksten faszinieren, wussten instinktiv, dass der Antrieb hinter dem menschlichen Handeln nicht in der Vernunft, sondern in etwas Tieferem besteht. Rousseau behauptete, der Mensch sei ursprünglich gut gewesen, aber von der Gesellschaft korrumpiert worden. De Sade sagte, der Mensch sei immer böse gewesenund der Zustand unserer Gesellschaft sei dessen logische Konsequenz. Wenn Sie mein Buch bis zum Ende lesen, können Sie vielleicht sagen, wem von beiden ich zustimme.

Werden Sie nun wieder als Journalist arbeiten oder weitere Romane schreiben?

Niklas Natt och Dag
: Ich arbeite derzeit an "1794" und "1795", was die Trilogie über Michel Cardell und Anna Stina Knapp abschließen wird. Was Cecil Winge betrifft -ach, Sie werden schon sehen ...

Interview: Literaturtest, 2019