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"Angstmörder" von Lorenz Stassen

Die Titelfigur aus "Angstmörder", dem Thrillerdebüt des Drehbuchautors Lorenz Stassen, quält und tötet ebenso bestialisch wie methodisch. Seine potenziellen Opfer beobachtet der Täter so lange, bis er nicht nur die Frauen selbst, sondern ihr komplettes Umfeld genauestens kennt. So genau, dass er für seine Morde andere gezielt hinter Gitter bringt. Auf seine Spur kommt ausgerechnet ein unbedarfter Strafverteidiger in seinem allerersten Mordfall.

Einen strahlenden Helden hat Stassen mit seinem Hauptprotagonisten nicht erschaffen: Nicholas Meller ist ein chronisch erfolgloser Anwalt, und das nicht ganz unverschuldet. Statt auf Klientenjagd zu gehen, daddelt er lieber auf der Playstation. Hauptsächlich vertritt er russische Kleinganoven oder prügelnde Ehemänner. Für das Vorstellungsgespräch mit der Studentin Nina Vonhoegen hat er nicht einmal die Bewerbungsmappe gelesen, sondern sie allein wegen des hübschen Fotos eingeladen. Auf ihre körperliche Einschränkung - sie hat nur einen Arm - reagiert erst einmal unbeholfen, was sie routiniert kontert.

Dem schlechten Start zum Trotz wird Nina seine Referendarin. Anstatt nur das Vorzimmer zu übernehmen, treibt sie schnell die Ermittlungen des neuen Falls mit voran. Anders als Nicholas glaubt sie dem Mandanten, der seine Unschuld beteuert. Wolfgang Rölscheid steht unter dem massiven Verdacht, seine Frau Miriam ermordet zu haben. Die Justiz geht von der Rache eines verlassenen Ehemannes aus. Neben einer Vorgeschichte von häuslicher Gewalt weisen auch alle Indizien in seine Richtung.

Nina und Nicholas, die sich im Jurastudium beide nicht durch Glanzleistungen ausgezeichnet haben, packt der Ehrgeiz. Durch weitreichende Nachforschungen stoßen sie auf Ungereimtheiten und auf Parallelen zu Morden der vergangenen Jahre. Dem Kölner Anwaltsteam stehen so unterschiedliche Figuren zur Seite wie die selbstsichere …mehr
Autorenporträt
Lorenz Stassen, geboren 1969, wuchs in Solingen auf und wurde zunächst Chemielaborant. Er wechselte ins Film- und Fernsehgeschäft und arbeitet seit 1997 als freischaffender Drehbuchautor, u. a. für »Alarm für Cobra 11« und »Soko Köln / Soko Stuttgart«. »Angstmörder« ist sein erster Roman. Lorenz Stassen lebt in Köln.
Interview mit Lorenz Stassen zu "Angstmörder"

Seit 20 Jahren arbeiten Sie für das Fernsehen und schreiben Serien u. a. für RTL, Sat1 und ZDF. Wie sind Sie zum Drehbuchschreiben gekommen?

Lorenz Stassen
: Ich bin zu 98 % Autodidakt. Nach meiner Ausbildung zum Chemielaboranten wollte ich etwas anderes machen und zu dieser Zeit boomte die Medienbranche. Es hat ein paar Jahre gedauert, bis ich herausgefunden hatte, in welchem Bereich ich tätig sein wollte. In der ganzen Zeit habe ich aber schon Drehbücher geschrieben. Der Durchbruch als Autor gelang mir mit der Adaption eines "John Sinclair"-Romans für eine RTL-Serie. Ein richtiges Trash-Format, aber es hat riesig Spaß gemacht. - Danach kamen "Cobra 11", andere Serien und Spielfilme.

Nun ist mit "Angstmörder" Ihr Thrillerdebüt erschienen. Wollten Sie schon lange auch einen Roman veröffentlichen oder hat sich der Stoff aus Ihrer Arbeit an Krimiserien entwickelt?

Lorenz Stassen
: Den "Angstmörder" hatte ich nicht als Film oder Serienidee konzipiert, sondern ausschließlich für den Roman. Ein Buch zu schreiben, war mein persönlicher Wunsch - und es hat fast fünf Jahre gedauert, bis ich diesen Traum verwirklicht habe. Dabei hat mich auch die Firma actionconcept ("Alarm für Cobra11") unterstützt, der ich sehr dankbar bin. Der Produzent ließ mich arbeiten, wenn ich Geld brauchte, und wenn ich einen Roman schreiben wollte, hatte ich "Cobra-Pause". Das ist echter Luxus für einen Autor, wenn die finanzielle Seite gesichert ist.

Mit Nicholas Meller und Nina Vonhoegen haben Sie ein untypisches Ermittlerpaar erschaffen. Wie würden Sie die beiden Figuren beschreiben?

Lorenz Stassen
: Beide Hauptfiguren haben bis zum Beginn des Romans nicht annähernd das erreicht, was sie vom Leben erwartet hatten. Sie fühlen sich daher ein wenig wie "Verlierer", ohne dass es einer von ihnen zugeben würde. Jammern ist nicht ihr Ding, sie begegnen ihrer Situation lieber mit Selbstironie. Durch den Fall, an dem sie zusammen arbeiten, wachsen beide über sich selbst hinaus und finden heraus, welche Kräfte und Fähigkeiten in ihnen stecken.

Sie erzählen von einem psychopathischen Serienmörder, teilweise direkt aus dessen Perspektive. Was hat Ihnen geholfen, sich in diese abgründige Seele hineinzuversetzen?

Lorenz Stassen
: Ich habe mich mit real existierenden Fällen beschäftigt und bin auf einen Serienmörder aus den USA gestoßen. Seinen Namen möchte ich hier nicht nennen, weil sonst zu viel verraten werden würde. Seine Psychopathologie ist die Blaupause für meinen Täter. Der reale Mörder hatte allerdings eine andere Vorgehensweise und war viel grausamer und brutaler als meiner. So etwas wollte ich in meinem Buch nicht haben. Es soll spannend sein, aber nicht anekeln.

Anders als mancher Schocker verzichtet Ihr Buch auf allzu grafische Szenen - im Vergleich zum durchschnittlichen TV-Krimi beschreiben Sie aber extreme Grausamkeit. Wie haben Sie hier den passenden Weg gefunden?Lorenz Stassen: Ich mag in der Literatur keine Thriller, die in Gewaltorgien enden. Viel spannender finde ich es, wenn der Leser sich im Kopf ausmalt, wohin eine Entwicklung führt und was alles passieren könnte - frei nach dem Philosophen Epiktet: "Es sind nicht die Dinge selbst, die uns beunruhigen, sondern die Vorstellung von den Dingen." Um sich Grausamkeiten auszudenken, muss man bei sich selbst anfangen: Was finde ich selbst am Schlimmsten? Und dann drehe ich mithilfe der Fantasie die Schraube weiter und weiter; das Schlimmste reicht nicht, es muss das Allerschlimmste her. Ich habe am meisten Angst vor Charakteren, die für mich unberechenbar sind, die in jeder Minute etwas tun könnten, mit dem ich absolut nicht rechne.

Ihr Krimiheld witzelt am Anfang, sein Schießtrainer habe ihm umgehend die Waffe wieder weggenommen, da er eine Gefahr für die Allgemeinheit sei. Haben Sie selbst schießen gelernt?

Lorenz Stassen
: Ich war mal auf dem Schießstand, ja. Da ich anstatt Bundeswehr Zivildienst gemacht habe, musste ich diese Erfahrung irgendwann nachholen. Der Schießlehrer hat mir die Waffe zwar nicht aus der Hand genommen, mir aber den guten Rat erteilt, ich sollte es besser bei Wasserpistolen belassen. Die Stelle des Buches ist also durchaus autobiografisch.

In Ihrer Danksagung sprechen Sie von "künstlerischer Freiheit", die Sie sich entgegen den fachlichen Hinweisen Ihrer Berater genommen haben. Wonach haben Sie entschieden, um nicht der Glaubwürdigkeit zu schaden?

Lorenz Stassen
: Ein Beispiel: Nicholas Meller macht in dem Buch notgedrungen etwas, das ein Anwalt niemals tun darf. Ich habe einem Staatsanwalt von meiner Idee erzählt und er empörte sich sinngemäß: In der Realität, im wahren Leben, würde er mit so einem Kollegen kein Wort mehr wechseln. Dann machte der Staatsanwalt eine rhetorische Pause und fügte noch hinzu: "Im Roman finde ich so eine Figur aber geil." Deutsche Autoren trauen sich oft nicht, die Grenzen der Realität zu überschreiten. Ich fühle mich immer meiner Geschichte verpflichtet, mein Buch ist ein Roman, keine juristische Hausarbeit. Recherche ist wichtig, aber sie muss dem Zweck dienen, eine Geschichte glaubhaft und spannend zu erzählen. Ich arbeite deshalb nur mit Fachleuten zusammen, die mich verstehen und mit meiner speziellen Situation umgehen können.

Nach vielen Wendungen bietet der Thriller am Ende noch einmal eine Überraschung, die Anschluss für eine Fortsetzung bietet. Planen Sie eine Reihe mit Nicholas und Nina?

Lorenz Stassen
: Es ist mittlerweile amtlich, dass ich bereits am zweiten Teil einer Trilogie schreibe. Der dritte Band liegt bereits als Exposé vor. Alle drei Teile werden durch einen roten Faden zusammengehalten. Wie es danach weitergeht, werden wir sehen.

Interview: Literaturtest
Die wichtigsten Werke von Stassen, Lorenz