Krimishop
EUR 14,99
Portofrei*
Alle Preise inkl. MwSt.
Sofort lieferbar
Koethi Zan: Nur das Böse

Von der MTV-Anwältin zur Bestsellerautorin: Koethi Zan bekam für ihren ersten Thriller "Danach" so viel Aufmerksamkeit, dass sie sich fortan ganz dem Schreiben widmen kann. Ihr neues Buch entstand im Arbeitszimmer einer Farm, mit Blick über die Felder. Zur Arbeit an ihrem düsteren Debüt ging sie noch tagtäglich in einen Kellerraum. "Danach" schilderte die traumatische Lebensgeschichte von Sarah Faber, die drei Jahre in einem Verlies überlebte und ein Jahrzehnt danach mit allen Kräften die Freilassung ihres Peinigers verhindern will. Koethi Zan setzte hier auf das Grauen im Kopf, indem sie vieles im doppelten Sinne im Dunkeln ließ.

Mit "Nur das Böse" erscheint nun Koethi Zans zweiter Kriminalroman. Sie hat ihm ein zweischneidiges Zitat der Dichterin und Aktivistin Adrienne Rich vorangestellt: "Rette dich selbst. Andere kannst du nicht retten." In Gedanken ergänzt man automatisch den Satz: "Andere können dich nicht retten." Drei Charaktere stehen im Mittelpunkt von "Nur das Böse"; jeder ist auf seine Weise gefangen und jeder hat letztlich nur durch die eigene Entschlossenheit eine Chance, sich zu befreien.

Damit ist schon angedeutet, dass es sich hier nicht um eine "Jungfrau in Nöten"-Geschichte handelt. Dennoch sieht es zunächst ganz danach aus: Julie Brookman führt ein Bilderbuchleben. Jung, hübsch und erfolgreich wie sie ist, hält sie sich für unverletzbar. Da wird sie auf dem Heimweg am Bahnhof von einem Mann gepackt und auf ein einsames Gehöft verschleppt. Dort trifft sie auf die Frau des Entführers, Cora, die bald zu ihrer Gefängniswärterin wird. Monate lang wird Julie in einem mit Brettern vernagelten Raum eingesperrt, bekommt kaum Essbares, wird gefoltert und vergewaltigt. Wenn der Entführer tage- oder wochenlang abwesend ist, übernimmt Cora die Kontrolle - die über Julie und die über sich selbst.

Je weiter der Roman voranschreitet, desto mehr …mehr
Autorenporträt

Der Ort "Opp", eingerahmt von den Orten "Andalusia" und "Enterprise", liegt im Nirgendwo von Alabama, nennt sich aber "Stadt der Möglichkeiten". Vermutlich haben die Menschen dort Humor... Koethi Zan, die 2013 ihr Debüt "Danach" vorlegte, wuchs in Opp auf. Den außergewöhnlichen Vornamen Koethi, so vermutet sie, hätten ihr ihre Eltern nach einer gefeierten "homecoming queen" gegeben. Mit dieser Tradition feiern Hochschulen berühmte oder erfolgreiche ehemalige Studentinnen (und Studenten, aber die sind dann natürlich "homecoming kings") mit einer Parade durch die Stadt und viel Tamtam. Doch Koethi neigte nicht zum Glamour-Girl, verbrachte ihre Jugend die meiste Zeit lesend in ihrem Zimmer, hört Morrissey und fand Highschool-Football gar nicht spannend - all das machte ihr Teenagerleben in Opp nicht gerade leichter. Doch dann kam das Birmingham-Southern College und irgendwann, nach ausgiebiger Erkundung der Clubszene von New Orleans, schmiss sie ihre dunklen Klamotten weg und entschied sich für die Yale Law School - ihr schwebte eine Karriere als Filmproduzentin vor.


In der Wirklichkeit fand sie sich in einer Kanzlei wieder und spezialisierte sich als Anwältin auf die Bereiche Film, Fernsehen und Theater - zuletzt arbeitete sie als Rechtsanwältin für Unterhaltungsrecht, u. a. für MTV und Filmproduzenten, und war plötzlich in der Glitzerwelt der Stars und Partys angekommen - dort, wo sie nicht wirklich hinwollte. In den frühen Morgenstunden aber, da ging Koethi Zan in den Keller ihres Hauses - mittlerweile lebte sie mit Mann und Kindern - und tat das, wovon sie schon immer träumte: sie schrieb.


Immer um fünf Uhr morgens, immer eine Stunde, immer bevor die Kinder wach wurden, fünf Tage die Woche und mit einem Minimalpensum von 500 Wörtern pro Morgen. Ihr Thrillerdebüt "Danach" entstand. Sie erzählt darin eine unglaubliche Geschichte: Vier Frauen werden Jahre in einem Keller gefangen gehalten und gequält - von einem allseits beliebten Psychologieprofessor. Koethi Zan interessiert vor allem der Umgang mit traumatischen Erfahrungen - dafür hat sie massenweise Bücher über Psychopathen und ihre Opfer gelesen. Und sie spielt in "Danach" virtuos mit unserer Angst, einen Menschen nie wirklich zu kennen und nie zu wissen, was Maskerade ist und was echt.


Das meint die buecher.de-Redaktion: Das Debüt "Danach" ist ein intelligenter Thriller - böse, dunkel und psychologisch glaubwürdig. Wir hoffen, Koethi Zan schreibt weiter und sind auf Buch Nummer zwei gespannt.

Interview mit Koethi Zan zu "Nur das Böse"

Ihr erster Roman "Danach" war ein großer Erfolg. Wie haben Sie sich von den hohen Erwartungen an den Zweitling distanziert?

Koethi Zan:
Egal wie ein Buch läuft - Autor*innen sollten sich besser nicht auf die öffentlichen Reaktionen konzentrieren. Wenn ich zu viel daran denke, kann ich gar nicht mehr schreiben. Beim Schreiben stelle ich mir vor, dass der Text nur für mich ist und dass ich ihn jederzeit löschen könnte. Das hilft mir dabei, ohne große Bedenken weiter zu machen.

"Danach" haben Sie in einem Keller geschrieben. Ein Großteil der Handlung in Ihrem neuen Buch "Nur das Böse" spielt ebenfalls in einem dunklen Raum. Haben Sie für die Arbeit daran wieder einen passenden Ort gewählt?

Koethi Zan:
Bei diesem Buch war meine Situation ganz anders: Ich schrieb im Homeoffice mit Blick auf ein weites Feld. Das passte sehr gut, da meine Figur Cora zurückgezogen in einer Welt von Äckern und Bauernhöfen lebt. Ich wohne sehr ländlich in einem alten Farmhaus - ganz ähnlich dem im Buch. Das hat mir geholfen, mir Coras Tagesablauf vorzustellen. Das Haus, die Hausarbeit und die Landarbeit sind das, was Cora immer wollte, was sie aber auch isoliert.

Die Hauptfigur Julie lernen wir als eine mustergültige junge Frau mit einem perfekten Leben kennen. Warum haben Sie ihre Rolle als unschuldiges Opfer ein wenig überzeichnet?

Koethi Zan:
Das unschuldige Opfer ist sie, weil sie sich und ihr Leben selbst so sieht. Sie glaubt, nur das Beste verdient zu haben. Doch allmählich erkennt sie ihre eigenen Fehler und findet eine dunkle Seite in sich. Ihre Erfahrung von Leiden und Rachegefühlen stellt ihr Weltbild und ihre Privilegien infrage.

Demgegenüber ist Cora eine gebrochene Frau und das absolute Gegenteil von Julie. Wie würden Sie sie beschreiben?

Koethi Zan:
Jede Chance auf ein mutiges, selbstbestimmtes Leben hat Cora immer wieder verpasst, weil sie sich von einem charismatischen Mann überzeugen ließ. Trotz ihrer Stärke belügt sie sich permanent, um sich den Männern in ihrem Leben unterordnen zu können. Im Laufe des Buchs erfahren wir, dass Cora ihr Leben lang misshandelt und gequält wurde. Die eigentliche Frage ist, ob sie das von der Schuld freispricht oder ob ihre Komplizenschaft nur eine andere grundlegende Form des Bösen ist.

Interessieren Sie sich speziell für das Thema "religiöser Fanatismus" oder haben Sie es eher aus erzählerischen Gründen gewählt?

Koethi Zan:
Es interessiert mich, wie Menschen sich von Dingen überzeugen lassen, von denen sie in ihren Herzen wissen, dass sie nicht wahr und zutiefst unmoralisch sind; wie sie ihre Handlungen rechtfertigen. Religiöser Fanatismus ist dafür nur ein Beispiel. Bei meiner Recherche zu Ehefrauen, die sich an Übeltaten beteiligten, bin ich meist auf einen "höheren Zweck" gestoßen.

Ihr Debüt "Damals" basiert auf ausführlicher Recherche. Haben Sie für Ihr neues Buch auf dieses Material zurückgegriffen?

Koethi Zan: Tatsächlich bin ich beim Recherchieren für mein erstes Buch auf viele Fälle von Komplizenschaft von Ehefrauen gestoßen. Ich habe mich gefragt, warum sich diese Frauen an den schrecklichen Taten ihrer Männer beteiligten - obwohl es ihren eigenen Interessen widerspricht. Das war der Ausgangspunkt für mein neues Buch und seine Figuren.

Arbeiten Sie noch immer als Anwältin in der Unterhaltungsbranche?

Koethi Zan:
Nein, ich übernehme nur noch gelegentlich Fälle pro bono. Im letzten Jahr habe ich mich dafür politisch engagiert. Diesen Winter setze ich mich an mein neues Buch. Zwar vermisse ich meine Kolleg*innen bei MTV, aber ich genieße die Flexibilität und die Freiheit zum Schreiben.

Interview: Literaturtest, 2017