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Nach seinem weltweit beachteten Buch »Die Welt im Rücken«, in dem er sein Leben mit bipolarer Störung literarisch brillant verarbeitet hat, legt Thomas Melle nun einen Roman vor, der die Grenzbereiche zwischen Autobiografie und Fiktion, zwischen Sehnsucht und Depression und letztlich zwischen Leben und Tod weiter auslotet.Wie viel Selbstbestimmung ist möglich, wenn das Leben von einer psychischen Krankheit fremdgesteuert ist? Wonach sehnt sich einer, der nichts mehr zu verlieren hat? Und wie könnte es aussehen, das letzte Glück? Willkommen im »Haus zur Sonne«, einer Institution, die z...
Nach seinem weltweit beachteten Buch »Die Welt im Rücken«, in dem er sein Leben mit bipolarer Störung literarisch brillant verarbeitet hat, legt Thomas Melle nun einen Roman vor, der die Grenzbereiche zwischen Autobiografie und Fiktion, zwischen Sehnsucht und Depression und letztlich zwischen Leben und Tod weiter auslotet.
Wie viel Selbstbestimmung ist möglich, wenn das Leben von einer psychischen Krankheit fremdgesteuert ist? Wonach sehnt sich einer, der nichts mehr zu verlieren hat? Und wie könnte es aussehen, das letzte Glück? Willkommen im »Haus zur Sonne«, einer Institution, die zugleich Wunscherfüllungsmaschine wie Abschaffungsapparat ist. Lebensmüde und todkranke Menschen liefern sich in diese vom Staat finanzierte Klinik ein, um jeden nur erdenklichen Wunsch in Erfüllung gehen zu lassen und dann - ohne großes Aufsehen - aus dem Leben zu scheiden. Aber will, wer nicht mehr leben will, wirklich sterben?
Thomas Melle geht unseren Sehnsüchten und Todestrieben auf den Grund und liefert so eine radikale Skizze der Conditio humana.
Wie viel Selbstbestimmung ist möglich, wenn das Leben von einer psychischen Krankheit fremdgesteuert ist? Wonach sehnt sich einer, der nichts mehr zu verlieren hat? Und wie könnte es aussehen, das letzte Glück? Willkommen im »Haus zur Sonne«, einer Institution, die zugleich Wunscherfüllungsmaschine wie Abschaffungsapparat ist. Lebensmüde und todkranke Menschen liefern sich in diese vom Staat finanzierte Klinik ein, um jeden nur erdenklichen Wunsch in Erfüllung gehen zu lassen und dann - ohne großes Aufsehen - aus dem Leben zu scheiden. Aber will, wer nicht mehr leben will, wirklich sterben?
Thomas Melle geht unseren Sehnsüchten und Todestrieben auf den Grund und liefert so eine radikale Skizze der Conditio humana.
Thomas Melle, 1975 geboren, studierte Vergleichende Literaturwissenschaft und Philosophie in Tübingen, Austin (Texas) und Berlin. Er ist Autor vielgespielter Theaterstücke und übersetzte u. a. William T. Vollmann und Quentin Tarantino ins Deutsche. Sein Debütroman 'Sickster' (2011) war für den Deutschen Buchpreis nominiert und wurde mit dem Franz-Hessel-Preis ausgezeichnet. 2014 folgte der Roman '3000 Euro', 2016 'Die Welt im Rücken', die beide auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis standen. 'Die Welt im Rücken' wurde zudem in 22 Sprachen übersetzt. Thomas Melle lebt in Berlin.
© Dagmar Morath
Produktdetails
- Verlag: Kiepenheuer & Witsch
- 1. Auflage
- Seitenzahl: 320
- Erscheinungstermin: 14. August 2025
- Deutsch
- Abmessung: 206mm x 130mm x 33mm
- Gewicht: 410g
- ISBN-13: 9783462004656
- ISBN-10: 3462004654
- Artikelnr.: 73832931
Herstellerkennzeichnung
Kiepenheuer & Witsch GmbH
Bahnhofsvorplatz 1
50667 Köln
produktsicherheit@kiwi-verlag.de
»Ein schonungsloser Blick in eine psychisch kranke Seele.« Der Tagesspiegel 20250904
»Melles neuer Roman ist der Beweis, dass literarischer Hardcore auch mit leisen Tönen gespielt werden kann.« Yannic Walter taz 20250819
tolle Irreführung ****
Lange, sehr lange habe ich geglaubt, dieses Buch sei wirklich eine Fortführung seines autobiografischen Werkes „Die Welt im Rücken“. Lange, sehr lange habe ich alles für bare Münze genommen und mich erst gewundert, dass es eine so …
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tolle Irreführung ****
Lange, sehr lange habe ich geglaubt, dieses Buch sei wirklich eine Fortführung seines autobiografischen Werkes „Die Welt im Rücken“. Lange, sehr lange habe ich alles für bare Münze genommen und mich erst gewundert, dass es eine so schöne - sagen wir mal – Reha-Station wie das Haus zur Sonne gibt. ****
Mit der Erfüllung aller Wünsche kamen erste Zweifel, selbst wenn diese in den Träumen geschehen. Und dass die Patienten nicht als geheilt entlassen werden, sonder quasi per Tod nach Verlangem ihr Zimmer räumen, machte mir endgültig klar, dass hier über eine Diktatur gesprochen wird. Zumal der Patientenwunsch sich ändern kann und dann liegt Mord vor. ****
So erscheint der nette Arzt auf einmal als neuer Mengele. Und wer glaubt, dass das Ende des Buches eine Fluchtgeschichte aus dem Haus zur Sonne wird, der irrt. Ebenso wenig endet das Buch mit dem Tod. ****
Wer depressive Stunde erleben will, dem sei das Buch ans Herz gelegt. Mir war es etwas zu hoffnungslos und auch das Ende war irgendwie unbefriedigend. Deshalb 4 Sterne.
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Bei Thomas Melles ungewöhnlichen Buch überlegt man erst einmal, ob es überhaupt ein Roman ist. Aber es gibt erzählende Elemente, Dialoge und die obskure Idee mit der Suizidklinik. Also ist es auch fiktional.
Der Erzähler begibt sich mit seiner bipolaren Störung in ene …
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Bei Thomas Melles ungewöhnlichen Buch überlegt man erst einmal, ob es überhaupt ein Roman ist. Aber es gibt erzählende Elemente, Dialoge und die obskure Idee mit der Suizidklinik. Also ist es auch fiktional.
Der Erzähler begibt sich mit seiner bipolaren Störung in ene Klinik, deren Behandlung mit dem Tod enden soll.
Es gibt sprachlich überragende Momente. Es ist aber nicht einfach, diesen harten Text über die Auswirkungen einer langen, unhelibaren psychischen Erkrankung auszuhalten. Es gibt immer Momente, wo man sich dem fast lieber entziehen würde, aber es ist auch ein erkenntnisreiches Buch.
Das Buch steht auf der Longlist des deutschen Buchpreises 2025 und mich würde es nicht wundern, wenn Melle es auf die Shortlist schafft.
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Thomas Melle hat sich längst mit seinen stark autobiografisch geprägten Büchern in der deutschsprachigen Literaturlandschaft etabliert. Mit „Haus zur Sonne“ erreicht dieses Schaffen nun einen neuen Höhepunkt, in dem persönliche Erfahrungen und fiktionale Elemente …
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Thomas Melle hat sich längst mit seinen stark autobiografisch geprägten Büchern in der deutschsprachigen Literaturlandschaft etabliert. Mit „Haus zur Sonne“ erreicht dieses Schaffen nun einen neuen Höhepunkt, in dem persönliche Erfahrungen und fiktionale Elemente zu einer intensiven Darstellung psychischer Erkrankung, insbesondere der Depression, verschmelzen.
Im Zentrum steht eine staatlich finanzierte Klinik, die Menschen, die an Depressionen und einer tiefen Todessehnsucht leiden, einen kontrollierten Ausstieg aus dem Leben ermöglicht. Dieser geschieht nicht abrupt, sondern auf einem Weg, der durch Halluzinationen begleitet wird. In diesen Visionen erfüllt sich den Patientinnen und Patienten eine Art letzte Wunschwelt, die ihnen eine scheinbare Alternative zur unerträglichen Realität eröffnet. Melle verknüpft diesen Rahmen mit den eigenen inneren Abgründen, die er seit Jahren literarisch bearbeitet.
Von Beginn an werden die Leser in eine Atmosphäre gezogen, die von Schwere und Düsternis geprägt ist. Das Grau, das den Erzähler umgibt, spiegelt sein letztes Kapitel im Ringen mit der manischen Depression wider. Schon früh entfaltet sich eine Sogwirkung: Die plastische Schilderung des inneren Chaos, der schmerzhaften Gedanken und der quälenden Isolation wirkt beklemmend, beinahe erdrückend. Melle gelingt es, den schmerzhaften Prozess des Krankseins nicht nur zu beschreiben, sondern fühlbar zu machen. Dabei wird deutlich, dass die Depression längst nicht mehr nur ein innerer Kampf ist, sondern auch in der äußeren Welt Spuren hinterlässt – sei es durch Entfremdung, den Verlust sozialer Nähe oder den Abbau intellektueller Fähigkeiten.
Präzise und schonungslos offen entfaltet Melle in diesem Roman sein Innenleben. Trotz der Nähe zum Autobiografischen bleibt der Text auf einer universellen Ebene lesbar. Die persönliche Erfahrung wird zu einem Sinnbild für ein weit verbreitetes Lebensgefühl, das sich in unserer Zeit verstärkt zeigt: ein Weltschmerz, der nicht individuell bleibt, sondern auch gesellschaftliche Relevanz besitzt.
So sehr die Geschichte von Hoffnungslosigkeit getragen wird, so blitzen dennoch immer wieder Momente des Lichts auf. Besonders im letzten Teil öffnet sich der Roman einer Haltung, die dem Leben neu begegnet – vorsichtig, tastend, aber spürbar positiv. „Haus zur Sonne“ ist somit nicht ausschließlich ein Buch über Verzweiflung, sondern auch eines über die Möglichkeit, trotz allem weiterzugehen.
Vergleichbare Werke gibt es viele, doch selten gelingt eine solche Verbindung aus Offenheit, Reflexion, literarischem Anspruch und menschlicher Tiefe. Melle bleibt nah bei sich, erweitert aber den autobiografischen Blick zu einer Darstellung, die über das Persönliche hinausweist. Damit gelingt es ihm, die Auseinandersetzung mit Depression auf eine künstlerische Ebene zu heben, die sowohl berührt als auch reflektieren lässt.
Die Parallelen zu Thomas Manns „Der Zauberberg“ sind unverkennbar – sowohl in der abgeschlossenen Welt der Klinik als auch in der Darstellung der Unfähigkeit, im „normalen“ Leben zu bestehen. Wo Heinz Strunk 2024 mit seinem Versuch einer modernen und bereichernden Neufassung des Klassikers scheiterte, überzeugt Melle gerade durch die Abwesenheit von Imitation. „Haus zur Sonne“ sucht nicht nach Effekten, sondern wagt einen radikalen, ehrlichen Zugang zu einem schweren Thema, der mit den Anforderungen unserer modernen Gesellschaft harmonisiert.
Der Roman ist knapp genug gehalten, um nicht ins Überbordende zu geraten, aber dicht genug, um die Wucht der Gefühle zu transportieren. Glaubwürdigkeit und literarische Qualität gehen hier Hand in Hand. Für Betroffene kann das Buch Orientierung bieten, für die Literatur ist es ein ernstzunehmender Beitrag, der nachdrücklich in Erinnerung bleibt. Für mich zählt „Haus zur Sonne“ in jedem Fall zu den stärksten Kandidaten für den Deutschen Buchpreis.
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Schwere Kost
Zum Inhalt:
Der Ich-Erzähler kämpft mit seiner psychischen Krankheit, die ihn schon viele Beziehungen und Freundschaften gekostet hat und ihn zudem im Beruf behindert. Jetzt hat er beschlossen, seinem Leben ein Ende zu setzen und dafür das Angebot des "Haus zur …
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Schwere Kost
Zum Inhalt:
Der Ich-Erzähler kämpft mit seiner psychischen Krankheit, die ihn schon viele Beziehungen und Freundschaften gekostet hat und ihn zudem im Beruf behindert. Jetzt hat er beschlossen, seinem Leben ein Ende zu setzen und dafür das Angebot des "Haus zur Sonne" zu nutzen. Hier darf er bis zu seinem durchgeführten Tod auf Verlangen in Simulationen das Glück finden, dass ihm im wahren Leben verwahrt bleibt. Doch will man überhaupt noch sterben, wenn das funktioniert?
Mein Eindruck:
Zu Beginn zieht einen die Geschichte wunderbar in ihren Bann; man hofft und bangt mit dem Erzähler, bedauert ihn, leidet mit ihm und wünscht ihm einen Ausweg aus seiner Krankheit. Doch irgendwann wird es für die Leser ähnlich ermüdend wie für den Protagonisten, wenn sich die Konversationen immer wieder um "das eine" drehen, nämlich den Weg zum Ziel und warum er gegangen werden muss, oder ob man ihm letztendlich ausweichen möchte. Irgendwann ist dann auch die Empathie aufgebraucht (ähnlich wie bei Freunden, Verwandten und Kollegen des Erzählers) und man hofft auf ein Ende - wie auch immer dieses gestaltet sein mag - weil die Geschichte kreist und kreist. In schönen Sätzen, wunderbaren Ideen und mit wirklich gut ausgearbeiteten Charakteren... aber sie bewegt sich kaum vorwärts. Doch eins muss man dem Autor unbedingt lassen: Das Ende ist absolut genial!
Mein Fazit:
Für Menschen mit viel Empathie und Leidensfähigkeit und wunderbar geschrieben
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Haus zur Sonne – Thomas Melle
Dieser beeindruckende Roman steht aktuell auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises 2025.
Auch in diesem Werk verarbeitet Thomas Melle seine eigene Depression und Erfahrungen mit psychischen Erkrankungen. Solch detaillierte und spezifische Einblicke in die …
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Haus zur Sonne – Thomas Melle
Dieser beeindruckende Roman steht aktuell auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises 2025.
Auch in diesem Werk verarbeitet Thomas Melle seine eigene Depression und Erfahrungen mit psychischen Erkrankungen. Solch detaillierte und spezifische Einblicke in die Lebens- und Gedankenwelt depressiver und bipolarer Menschen kann nur ein Betroffener bieten. Alleine aufgrund des sehr schweren Themas ist dieses Buch sicherlich nicht für jeden geeignet. Beklemmend und faszinierend zugleich bringt der Autor seinen Protagonisten und natürlich seine Leser noch dazu in ein ganz spezielles Setting.
Nach einer schweren, sich über zwei Jahre hinziehenden manischen Episode mit darauf folgender Depression, sieht der Ich-Erzähler sich endgültig am Ende seines Lebens angelangt. Die Suizidgedanken, die ihn bereits seit Jahrzehnten begleiten, werden schier übermächtig – doch nicht einmal dazu fühlt er sich in der Lage. Da scheint das „Haus zur Sonne“, eine staatlich finanzierte Institution, die beim selbstbestimmten Suizid helfen soll, gerade richtig. Zuvor sollen jedoch noch alle offenen Wünsche erfüllt werden. Es entsteht eine faszinierende kafkaeske Zauberberg-Kulisse – nur eben mit dem Hintergrund des Todeswunsches. Nur ist der Erzähler hier nicht mehr allein mit seinen Gedanken, sondern unter Seinesgleichen. Es entspinnen sich teils sonderbare, teils tiefgründige Gespräche. Sowohl diese Begegnungen als auch das Thema an sich, Todeswunsch, immer neue Überlegungen über Todesarten etc. werden geradezu genüsslich ausgeführt. Im Kontrast dazu immer etliche Illusionen, denen der Patient unterzogen wird mit Szenarien, welche alternativen Leben möglich gewesen wären, wenn… Gleichzeitig blickt der Erzähler zurück auf ein zerrissenes Leben, auf Wendepunkte, Ursachen, auch auf gute Momente. Im Großen und Ganzen lernt man den armen Mann also doch ziemlich gut kennen.
Ein beeindruckendes Werk, das sich aber dennoch auch immer wieder wiederholt und hin und wieder auch etwas zieht. Die Gedanken des Patienten drehen sich im Kreis; er sieht keinen Ausweg, in diesem Leben nicht und auch nicht hinaus.
Ein Roman, der mir sicherlich im Gedächtnis bleiben wird ob seiner Ungewöhnlichkeit. Völlig zurecht steht er auf dieser Shortlist und ist dabei auch noch sehr gut lesbar!
5 Sterne trotz kleinerer Kritikpunkte.
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Ich persönlich hatte getippt, dass Thomas Melle für diesen Roman "Haus zur Sonne" den deutschen Buchpreis erhalten wird. Bekanntlich ist es anders gekommen, was meine Meinung aber nicht ändert. Im Text thematisiert und verarbeitet der Autor seine eigene bipolare …
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Ich persönlich hatte getippt, dass Thomas Melle für diesen Roman "Haus zur Sonne" den deutschen Buchpreis erhalten wird. Bekanntlich ist es anders gekommen, was meine Meinung aber nicht ändert. Im Text thematisiert und verarbeitet der Autor seine eigene bipolare Störung. Und das macht er aus meiner Sicht eindrucksvoll. Mehrmals musste ich ungläubig tief schlucken und über das Gelesene nachdenken. Aber so sieht es wohl wirklich aus in den Gedanken eines Menschen mit bipolarer Störung.
Das Konzept des Hauses zur Sonne selber, ein Therapieort an dem alle Wünsche vor dem freiwilligen Ende des Lebens erfüllt werden, klingt interessant und spannend - und es wird einem auch mulmig bei dem Gedanken. Es regt zum Nachdenken an, erzeugt Beklemmung und stellt tiefgehende Fragen.
Für mich war die Lektüre extrem bereichernd, große Leseempfehlung von mir - für mich wäre der Buchpreis verdient gewesen.
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Sterben als Therapie
Schon zum dritten Mal hat Thomas Melle mit «Haus zur Sonne» einen Roman geschrieben, der sich mit psychischen Krankheiten auseinander setzt. Und zum dritten Mal ist auch ein Roman von ihm auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis gelandet. Schon in …
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Sterben als Therapie
Schon zum dritten Mal hat Thomas Melle mit «Haus zur Sonne» einen Roman geschrieben, der sich mit psychischen Krankheiten auseinander setzt. Und zum dritten Mal ist auch ein Roman von ihm auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis gelandet. Schon in wenigen Tagen wird sich klären, ob sein Roman diesmal vielleicht sogar als Sieger hervorgeht. Wir haben es hier mit einer autofiktionalen Dystopie zu tun, deren Thematik eine psychische Erkrankung ist, unter der auch der Autor selbst schon seit langem leidet. Er ist manisch-depressiv, eine bipolare Störung also. Dieses Buch ist sein erneuter Versuch, sich schreibend damit auseinander zu setzen.
Das titelgebende «Haus zur Sonne» ist für den Ich-Erzähler als Alter Ego des Autors die vielleicht letzte Möglichkeit, endlich aus dem Teufelskreis seiner Erkrankung heraus zu finden. Zufällig ist er auf eine Broschüre dieses Sanatoriums gestoßen, das staatlich finanziert Patienten aufnimmt, die bereits mehrmals vergebens versucht haben, Suizid zu begehen. In einem schriftlichen Vertrag müssen sich alle Patienten dazu verpflichten, nach Absolvierung der psychiatrischen Behandlung dann auch tatsächlich Selbstmord zu begehen. Wobei sie allerdings professionelle Hilfe erhalten würden, ein an den «Faust» erinnernder, mephistophelischer Pakt also. Wie auch der Ich-Erzähler schrecken nämlich viele Suizidwillige in letzter Sekunde doch noch davor zurück und gelangen so in eine fatale Endlosschleife. In den Wochen vor dem Suizid durchläuft unser Patient ein Programm, bei der ihm mittels Medikamenten und anderen Methoden im Traumzustand alle seine Wünsche erfüllt werden, - wenn er denn welche hat. Denn, wie auch der Ich-Erzähler haben viele Patienten gar keine mehr, ihr einziger Wunsch ist, endlich aus dem Leben zu scheiden. Der Protagonist im Roman wünscht sich zum Beispiel, Teilnehmer einer Gruppensex-Orgie zu sein oder als Forscher mit seinem Medikament den Krebs besiegt zu haben, - und er erlebt das halluzinatorisch dann auch. Andere seiner Wünsche bleiben jedoch völlig abstrakt oder sind nur sehr vage umrissen.
Es sind große Fragen des Menschseins, mit denen sich Thomas Melle hier erneut qualvoll authentisch beschäftigt. Dabei geht es ihm vor allem um Lebenswille und Selbstbestimmung, denen bei den betroffenen Personen übermächtig die fatale Fremdbestimmung durch ihre Psychosen entgegensteht. Thomas Melles Alter Ego im Roman hat sich schreibend mit dem heftig umstrittenen Nobelpreis für Peter Handke beschäftigt und in einem Essay Twitter als eines der fragwürdigen sozialen Medien unter die Lupe genommen, ohne das diese kreative Beschäftigung seinen Leidensdruck auch nur im geringsten hat mindern können. In endlosen Gesprächen mit Betreuern und anderen Patienten werden alle Aspekte der Erkrankung und ihre vielfältigsten Auswirkungen im Leben geschildert, was sich beim Lesen mit der Zeit aber zu einer immer quälender werdenden Litanei auswächst. Letztendlich weist all das philosophisch auf einen latenten Nihilismus hin, dem man als Betroffener unwiderstehlich ausgeliefert bleibt. Immer nach dem Motto: ‹Das Leben ist sinnlos, also lass es uns beenden›!
Was im Kopf eines psychisch kranken Menschen passiert, das kann literarisch durch Vermischen von Authentischem und Fiktivem nachgebildet werden, so der Autor. Literatur sein für ihn Therapie: «Das Schreiben hat mich in irre Räume zurückgeführt, die mir bekannt waren, die ich aber mit einem Schutzanzug betreten habe: dem Erzählmodus», hat er dazu erklärt. In vielen Rückblicken auf sein Leben werden wir mit der Vorgeschichte seiner Erkrankung konfrontiert, die er schon in den zwei anderen Romanen der «Trilogie des Wahnsinns» thematisiert hat. Obwohl es dem Autor stilistisch hervorragend gelungen ist, sein differenziert betrachtetes, äußerst schwieriges Thema dem Leser anschaulich zu vermitteln, stören die ständigen Wiederholungen des Erzählten bei der Lektüre mit der Zeit denn doch erheblich. Die dystopisch anmutende Frage, ob man das Sterben als Therapie bezeichnen kann, bleibt als satirisch letztendlich denn auch offen. Kurz gesagt: Eine extreme Lektüre!
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Mit „Haus zur Sonne“ hat Thomas Melle ein Werk geschaffen, das mir ziemlich unter die Haut ging. Da er selbst von einer bipolaren Störung betroffen ist, wirkt die Beschreibung seines namenlosen Icherzählers äußerst authentisch, vielleicht in Zügen auch …
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Mit „Haus zur Sonne“ hat Thomas Melle ein Werk geschaffen, das mir ziemlich unter die Haut ging. Da er selbst von einer bipolaren Störung betroffen ist, wirkt die Beschreibung seines namenlosen Icherzählers äußerst authentisch, vielleicht in Zügen auch autobiografisch. Der Protagonist, der nach mehreren manischen und darauffolgenden depressiven Phasen ca. zehn Jahre ohne Schub war und immer seine Medikamente eingenommen hat, erfährt eine schreckliche, zwei Jahre andauernde manische Episode, die sein Leben in allen Bereichen erschüttert und teilweise zerstört. Nach Abklingen der depressiven Phase begibt er sich in das „Haus zur Sonne“, eine staatliche Einrichtung, in die nur Menschen aufgenommen werden, die ihr Leben beenden wollen. Zuvor aber sollen sie noch die Möglichkeit erhalten, sich langgehegte Wünsche zu erfüllen. Dies gelingt in dieser Einrichtung durch Wellnessangebote, Wunschessen und vor allem durch herbeigeführte virtuelle Simulationen, in denen man alles sein, jede Todesart durchspielen, sich eine andere Zukunft schaffen und mögliche Wahrscheinlichkeiten aufgrund der eigenen Erkrankungen erfahren kann.
Der Protagonist taucht nicht nur tief in diese virtuellen Welten ein, sondern reflektiert auch sehr tiefgehend über sein Leben. Man fühlt seine Scham, seine Reue und seine schreckliche Hilflosigkeit und auch Resignation hinsichtlich dieser Erkrankung, vor allem in seinen manischen Phasen. Jeder Schub hat ihm etwas von seinem Leben und auch seiner Persönlichkeit unwiederbringlich genommen; nichts macht mehr Sinn, nichts in seinem Leben lässt sich noch genießen oder bereitet Freude. Aber da ist auch eine Ambivalenz: ja, er will dieses Leben, das keine Verbesserungsmöglichkeit mehr beinhaltet, hinter sich lassen; aber etwas will auch weiterleben. Eigentlich will er sterben, aber tot sein nicht unbedingt. In diesem Spannungsfeld gestaltet sich nun sein Aufenthalt im „Haus zur Sonne“.
Das Buch ist inhaltlich manchmal sehr aufwühlend; sprachlich ist es ein Genuss. Es freut mich sehr, dass es auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2025 gelandet ist. Von Herzen wünsche ich Herrn Melle viel Erfolg und gesundheitlich das Allerbeste.
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Ein Mann quält sich schon seit vielen Jahren mit seiner manisch-depressiven Erkrankung ab: in den depressiven Phasen erscheint alles sinnlos und leer, aber die manischen Phasen haben sein Leben noch einmal auf ganz andere Weise zerstört: so vieles, was ihm lieb war, hat er in diesen Zeiten …
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Ein Mann quält sich schon seit vielen Jahren mit seiner manisch-depressiven Erkrankung ab: in den depressiven Phasen erscheint alles sinnlos und leer, aber die manischen Phasen haben sein Leben noch einmal auf ganz andere Weise zerstört: so vieles, was ihm lieb war, hat er in diesen Zeiten verloren: Freundschaften, berufliche Möglichkeiten, liebgewonnene Erinnerungsstücke, Teile der eigenen Persönlichkeit. Jede manische Episode nimmt ihm etwas, das er danach nicht mehr zurück bekommen kann, so erlebt er das, und das geht schon so lange so. Auch das Verfassen eines Memoirs über das Thema (hier sieht man die zum Teil autofiktionalen Bezüge auch in diesem Buch; der Autor hat davor in "Die Welt im Rücken" über seine bipolare Erkrankung geschrieben) hat ihn nicht retten können, er erlebt sein Leben als beschwerlich, von allen entfremdet und sinnlos. Auch kleine Lichtblicke wie die Beziehung zu einer Frau können dieses Empfinden nicht umdrehen.
Als er vom "Haus zur Sonne" erfährt, klingt das also nach einem verlockenden Deal: dort wird das Bestmögliche getan, um lebensmüde Menschen mit Hilfe von Simulationen alles erleben zu lassen, was sie sich wünschen: bewunderter Rockstar sein, neue Sportarten ausprobieren, ins Weltall fliegen, noch einmal bestimmte Situationen aus dem eigenen Leben wiedererleben oder gar Verstorbene treffen: alles ist möglich! Die Menschen dort dürfen eine nicht näher definierte Anzahl solcher Simulationen erleben und eine nicht näher bestimmte Zeit dort verbringen, während sie offiziell auf der Welt schon als tot gelten (so wird es ihnen zumindest dort von den Ärzten gesagt). Um am Ende das zu bekommen, "was sie ohnehin wollen": einen sanften, frühzeitigen Tod. Auch hier wird in Bezug auf die Modalitäten auf ihre Wünsche eingegangen, doch das Ende steht fest - und einmal im "Haus zur Sonne" scheint es keinen Weg mehr hinaus zu geben. Schließlich ist das Teil dieses gesellschaftlichen Paktes mit dem Teufel: es werden eine Menge technologische und personelle Ressourcen in den Komfort und die Wunscherfüllung der Bewohnerinnen und Bewohner investiert, zum Ausgleich dafür, dass deren baldiges Ende bevor steht und sie die Sozial- und Gesundheitskassen danach nicht länger beanspruchen werden.
Geschrieben ist das Buch auf äußerst deprimierende und herunterziehende Art und Weise: sehr authentisch dafür, dass wir uns im Kopf eines manisch-depressiven Menschen befinden, der gerade in einer depressiven Episode ist und seinem Leben ein Ende setzen will. Diese Darstellung ist unglaublich realistisch und man lernt dabei sehr viel über das Innenleben solcher Menschen. Zum Lesevergnügen macht das dieses Buch aber nicht, man muss diese Düsternis aushalten und sich davon gut distanzieren können. Deshalb empfehle ich das Buch explizit nur Menschen mit einem stabilen psychischen Zustand. Wer schon zur Depression neigt, der halte sich von diesem Buch fern, es könnte sehr triggern und eigene suizidale Tendenzen verstärken.
Es ist ein sehr kluges Buch, nicht nur aufgrund der oben erwähnten authentischen Darstellung des dahinterliegenden Störungsbildes, sondern auch aufgrund der gesellschaftlichen Fragen, die es aufwirft: ist es legitim, unser eigenes Ende zu bestimmen? Sollen Institutionen dabei unterstützen? Welcher Teil in Menschen ist es, der so unbedingt sterben möchte, und sollten wir diesem zugestehen, die alleinige Entscheidung darüber zu treffen? Und was ist, wenn der betroffene Mensch seinen Sterbewunsch wieder zu hinterfragen beginnt: nachdem er schon schriftlich zugestimmt hat, sich in der betreffenden Institution befindet und viele der Wunschsimulationen in Anspruch genommen hat?
Das Buch wurde völlig zu Recht für die Shortlist des Deutschen Buchpreises nominiert. Es ist anspruchsvolles, gut geschriebenes, originelles und sehr nachdenklich machendes Werk mit vielen klugen Gedanken, die Empathie für psychisch erkrankte Menschen fördern können.
Ich kann die Lektüre insbesondere jenen, die sich für aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen und für das Innenleben depressiver oder bipolarer Menschen interessieren, und kein Problem mit einem fordernden, anstrengenden und oft niederdrückenden Lektüreerlebnis voll von Dunkelheit haben, sehr empfehlen. Es lohnt sich, durchzuhalten, man kann aus diesem Buch viel mitnehmen und es hallt lange nach.
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Unser Ich-Erzähler will nicht mehr. Den Großteil seines Lebens hat er sich mit seiner bipolaren Störung auseinandersetzen müssen. Hat unter den Tiefs gelitten und sich in den manischen Phasen zu Taten aufgeschwungen, die im Nachhinein zu Scham und einem immer kleiner werdenden …
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Unser Ich-Erzähler will nicht mehr. Den Großteil seines Lebens hat er sich mit seiner bipolaren Störung auseinandersetzen müssen. Hat unter den Tiefs gelitten und sich in den manischen Phasen zu Taten aufgeschwungen, die im Nachhinein zu Scham und einem immer kleiner werdenden sozialen Umfeld geführt haben. Darum beschließt er, das Angebot anzunehmen, das das Haus zur Sonne anbietet: Ihm werden seine größten Wünsche erfüllt, wenn er sich im Gegenzug bereit erklärt, danach aus dem Leben abzutreten.
„Haus zur Sonne“ ist meine erste Begegnung mit Thomas Melle und das Erste, das mich beeindruckt hat, war die Atmosphäre, die er zu schaffen versteht. Man muss nicht selbst bipolar sein, um die Beklemmung seiner Schilderung zu spüren, um zumindest eine, wenn auch natürlich niemals ganz greifbare, Vorstellung davon zu bekommen, wie die Krankheit die Herrschaft über das Leben ergriffen zu haben scheint. Wie nicht nur das Innenleben des Menschen davon betroffen ist, sondern wie sie auch das Äußere überschattet, das soziale und berufliche Feld minimiert oder gänzlich zerstört.
Dabei ist der Roman aber nicht einfach ein tiefes Tal aus Seufzern und Tränen. Im Gegenteil, ich fand die Ereignisse im Haus zur Sonne oft amüsant und durchaus auch lebensbejahend. Man findet viel Schönheit in den Details, vor allem in den Begegnungen mit den anderen Patienten. Und auf bizarre Weise auch in der Trauer selbst.
Und dann sind da die großen Fragen, die einem als Leser kommen können. Ich reflektiere eher selten über mich selbst, wenn ich Bücher lese, aber hier konnte ich gar nicht anders, als mich zu fragen, was ich mir wünschen würde, wäre ich in der Position des Protagonisten. Und was mir die Erfüllung dieser Wünsche am Ende tatsächlich brächte. Oder auch ob das Versprechen des Todes es einem erleichtern kann, wieder mehr Freude am Leben zu finden. Beziehungsweise ob es nicht in der Natur des Menschen liegt, dass die Unausweichlichkeit des Todes den Wunsch nach Leben in uns weckt. Und was, bitte, ist von einer Regierung zu halten, die ihren kranken Bürgern Wunscherfüllung im Tausch gegen ihr (für den Staat zu kostspieliges) Leben anbietet?
Es scheint, wie ich in anderen Rezensionen gelesen habe, relativ nahezuliegen, „Haus zur Sonne“ in Beziehung zu Manns „Der Zauberberg“ oder auch Tokarczuks „Empulsion“ zu setzen. Ich habe dieses Bedürfnis aber nicht. Mir ist der Gedanke auch während der Lektüre nicht gekommen. Für mich steht dieses Buch für sich, hat seine eigene Aussage und Stimmung, die sich bei mir gänzlich anders anfühlen als bei den oben genannten Werken.
Man sollte auch nicht den Fehler machen, zu denken, dass „Haus zur Sonne“ nur etwas für jene ist, die sich für bipolare Störungen interessieren. Der Roman ist einfach für sich gut. Punkt. Und darum gibt es von mir eine große Leseempfehlung und gedrückte Daumen für den Deutschen Buchpreis 2025.
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