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"Gusel Jachina fesselt ihre Leser von der ersten bis zur letzten Seite." Neue Zürcher Zeitung
In der Weite der Steppe am Unterlauf der Wolga siedeln seit dem achtzehnten Jahrhundert Deutsche.1916 führt Jakob Bach in dem kleinen Dorf Gnadental ein einfaches Leben als Schulmeister, das geprägt ist von den Rhythmen der Natur. Sein Leben ändert sich schlagartig, als er sich in Klara verliebt, eine Bauerntochter vom anderen Ufer der Wolga. Doch ihre Liebe kann sich den Ereignissen nicht entziehen, die die Revolution und die Gründung der Deutschen Republik an der Wolga mit sich bringen.…mehr

Produktbeschreibung
"Gusel Jachina fesselt ihre Leser von der ersten bis zur letzten Seite." Neue Zürcher Zeitung

In der Weite der Steppe am Unterlauf der Wolga siedeln seit dem achtzehnten Jahrhundert Deutsche.1916 führt Jakob Bach in dem kleinen Dorf Gnadental ein einfaches Leben als Schulmeister, das geprägt ist von den Rhythmen der Natur. Sein Leben ändert sich schlagartig, als er sich in Klara verliebt, eine Bauerntochter vom anderen Ufer der Wolga. Doch ihre Liebe kann sich den Ereignissen nicht entziehen, die die Revolution und die Gründung der Deutschen Republik an der Wolga mit sich bringen.
  • Produktdetails
  • Verlag: Aufbau-Verlag
  • Originaltitel: (Deti Moi)
  • Artikelnr. des Verlages: 641/13759
  • Seitenzahl: 591
  • Erscheinungstermin: 16. August 2019
  • Deutsch
  • Abmessung: 221mm x 142mm x 50mm
  • Gewicht: 735g
  • ISBN-13: 9783351037598
  • ISBN-10: 3351037597
  • Artikelnr.: 56247477
Autorenporträt
Jachina, Gusel
Gusel Jachina, geboren 1977 in Kasan (Tatarstan), russische Autorin und Filmemacherin tatarischer Abstammung, studierte an der Kasaner Staatlichen Pädagogischen Hochschule Germanistik und Anglistik und absolvierte die Moskauer Filmhochschule. Ihr erster Roman "Suleika öffnet die Augen" wurde in 31 Sprachen übersetzt. Mit "Wolgakinder", bisher in 14 Sprachen übersetzt, legt die international erfolgreiche Autorin ihren zweiten Roman vor. Gusel Jachina lebt mit ihrer Familie in Moskau.

Ettinger, Helmut
Helmut Ettinger, Dolmetscher und Übersetzer für Russisch, Englisch und Chinesisch. Übersetzte Ilja Ilf und Jewgeni Petrow, Polina Daschkowa, Darja Donzowa, Sinaida Hippius, Gusel Jachina, Michail Gorbatschow, Henry Kissinger und viele andere ins Deutsche.
Rezensionen

buecher-magazin.de - Rezension
buecher-magazin.de

Nach ihrem grandiosen Debüt „Suleika öffnet die Augen“ legt Gusel Jachina nun mit einem anderen Teil ihrer Familiengeschichte nach und lässt sie beginnen im vorrevolutionären Russland am Ufer der Wolga. Hier lebt im Dorf Gnadental, das von einfachen, wacker ihr Land bestellenden Menschen bewohnt wird, der Lehrer Jakob Bach. Er gilt als Sonderling und gerät vollends ins soziale Abseits, als ihm eine Frau zuläuft: Der Lehrer hatte der jungen Klara, die einsam auf einem Hof am anderen Wolgaufer aufgewachsen ist, Privatunterricht gegeben und gewährt ihr nun Obdach, als sie ihrem Vater entflieht, da dieser mit dem gesamten Hausrat in die alte Heimat auswandert. Weil Klara keine Papiere besitzt, kann Bach sie nicht heiraten. Sie ziehen auf den verlassenen Hof von Klaras Vater und leben ein völlig abgeschiedenes Leben, während sich anderswo die Weltgeschichte austobt. Unter dramatischen Umständen kommt eine Tochter zur Welt, und Bach ist gezwungen, wieder mit der Außenwelt in Kontakt zu treten, die sich in rasantem Tempo verändert hat?… Der dicke Roman umfasst einen Zeitraum von etwa 20 Jahren und damit die Schicksalsjahre der jungen Sowjetunion: hier gesehen – oder lediglich erahnt – aus der Perspektive eines Einsiedlers. Erzählt mit epischer Kraft und voller Fabulierlust.

Gusel Jachina erzählt das Schicksal der Wolgadeutschen mal als tragische, mal märchenhafte Familiengeschichte.
 

© BÜCHERmagazin, Katharina Granzin (kgr)

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 14.08.2019

Unterrichte meine Tochter, aber sieh sie nicht an!
Aufwachsen in entsetzlichen Zeiten: Gusel Jachinas Roman "Wolgakinder"

Vor zwei Jahren erschien der Roman "Suleika öffnet die Augen" der Tatarin Gusel Jachina auch auf Deutsch (F.A.Z. v. 14. März 2017). Nun folgt mit "Wolgakinder" ein weiteres Werk, die Geschichte eines Dorfes an der unteren Wolga. Seine Einwohner stammen von deutschen Einwanderern ab, die einst die Zarin Katharina einlud, die Steppe zu kultivieren und kriegerische Tataren abzuwehren. Sie erhielten Vorrechte und blieben nicht nur ihrer Muttersprache, sondern auch ihren Bräuchen über die Jahrhunderte treu. Der gute Boden brachte Rekordernten. Selbst Lenin war beeindruckt von den Früchten ihres Fleißes und ihren schmucken bunten Häusern. Er gewährte ihnen einen Sonderstatus als quasi selbständige Republik, ein Vorbild für alle anderen sollten sie sein. Doch mit der Alleinherrschaft Stalins brachen alle Vorrechte weg. Jetzt wurden die meisten Wolgadeutschen enteignet, verfolgt, nach Sibirien deportiert und als Kollaborateure verurteilt. Hunderttausende starben, Millionen waren zuvor in der Hungersnot umgekommen, weil man ihnen das Getreide weggenommen hatte.

Die dramatischen Jahre des Umbruchs zur Kollektivwirtschaft und zur Vernichtung einer in Traditionen erstarrten Dorfgemeinschaft sind der Hintergrund für Gusel Jachinas Geschichte einer ungewöhnlichen Liebe zwischen dem stotternden Schulmeister Bach und der Tochter eines Großbauern.

Den Schöngeist Bach hat es in das abgelegene kleine Dorf Gnadenthal verschlagen, wo er bis zu siebzig Kindern in einem einzigen Raum Lesen und Schreiben beibringt. Mit seiner armseligen Existenz hat er sich abgefunden. Mit seiner Verehrung für Goethe und andere Dichter bleibt er allein. Aber er ist ein leidenschaftlicher und manchmal glücklicher Beobachter von allem, was ihn umgibt, der großartigen Natur vor allem wie den zum Teil skurrilen Dorfbewohnern, die ihm fremd sind. Gusel Jachina beschreibt diese versunkene Welt, die der breite Strom teilt - auf der rechten Seite die wilde Steilküste, auf der linken die weite Steppe -, kenntnisreich und detailbesessen.

Bachs gleichförmiges Leben ändert sich unverhofft, als der Großbauer Grimm ihn geradezu zwingt, seine siebzehn Jahre alte Tochter Klara zu unterrichten. Auf dem im Wald versteckt liegenden Hof am anderen Ufer staunt der Schulmeister über den üppigen Reichtum und seinen kraftstrotzenden Besitzer. Die Tochter, über deren Mangel an Bildung er sich wundert, darf der Lehrer seltsamerweise nicht sehen. Auf Anordnung ihres Vaters muss sich Klara hinter einem Wandschirm verbergen. Sie wird trotzdem seine heimliche Liebe. Dann überfallen marodierende Horden Gnadenthal, sie töten Menschen, schlachten das Vieh ab und rauben fast alle Vorräte. Auch der abgelegene Hof der Grimms bleibt nicht verschont. Nachdem Bach nicht verhindern konnte, dass Klara vergewaltigt wird und Monate später bei der Geburt ihres Kindes stirbt, verstummt er.

Wer Melodramatisches liebt, kommt bei Gusel Jachina auf seine Kosten. Sie schwelgt in Metaphern und Bildern von entsetzlichen Greueltaten. Sie verfügt aber auch über zarte Töne, wenn sie Bachs anrührende Fürsorge für Klaras Tochter Anna beschreibt. Im verwüsteten Dorf führt nun ein buckliger Parteisekretär die Gesetze des Kolchos ein. Bach registriert den weiteren Verfall bei seiner Suche nach Nahrung. Immer weniger Häuser sind noch bewohnt. Als er für das Kind Milch stiehlt, wird er ertappt, verprügelt und der kommunistischen Instanz, dem Parteisekretär, vorgeführt.

Was ihn rettet, ist sein Wissen. Denn der Schulmeister soll alles, was er kennt an Sprichwörtern und Brauchtum, später auch an Märchen, aufschreiben. Der Genosse ist ein Sammler. Er bezahlt in Naturalien, bitter nötig, um den Dorfschulmeister und die kleine Anna am Leben zu erhalten. Ein zweites Kind , ein verwahrloster Junge, läuft ihm zu. Nun sind sie zu dritt, und Bach fühlt sich berufen, die beiden jungen Menschen auf ein Leben in der unruhigen Welt vorzubereiten.

Es sind immer wieder märchenhafte Fügungen und Zufälle, die Spannung aufbauen und die Handlung vorantreiben. Gusel Jachina mischt sie sorglos mit legendenhaften Elementen und historisch Verbrieftem. Ein sehr farbiges Sprachgewebe entsteht auf diese Weise, das sich mitunter zum tragischen Epos der Wolgadeutschen verdichtet.

MARIA FRISÉ

Gusel Jachina:

"Wolgakinder". Roman.

Aus dem Russischen von Helmut Ettinger. Aufbau Verlag, Berlin 2019. 591 S., geb., 24,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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"Diese Autorin vermag das Lichte und das Düstere zu integrieren, weil es für sie gleichermaßen Vergangenheit ist. Man wird das Buch nicht beiseitelegen. Ein Epos voller Menschlichkeit." Irmtraud Gutschke Neues Deutschland 20191010
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