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Benutzername: Sikal
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Danksagungen: 9 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 339 Bewertungen
Bewertung vom 20.01.2019
Entgleisung
Newman, Omarosa Manigault

Entgleisung


sehr gut

Eine mutige Abrechnung

Eine starke Frau an der Seite des amerikanischen Präsidenten wird kurzerhand durch einen hochrangingen Mitarbeiter der amerikanischen Regierung gefeuert. Omarosa Manigault Newman beschreibt in diesem Buch ihren Werdegang. In einer der ärmsten Gegenden der Vereinigten Staaten aufgewachsen und ständig mit der dort vorherrschenden Kriminalität konfrontiert, erkämpft sich Omarosa ihren Weg bis ins Weiße Haus.

Auf diesem Weg lernt sie Donald Trump kennen, der als einer ihrer größten Mentoren und Fürsprecher agiert. Im Wahlkampf engagiert sich Omarosa in den Vorwahlen noch für Hillary Clinton, wird aber von deren Administration fallen gelassen. Omarosa beschließt, die Seite zu wechseln und ein entsprechendes Angebot der Republikaner lässt auch nicht lange auf sich warten – der Einzug in das Weiße Haus hat für Omarosa somit begonnen.

Die Autorin beschreibt bereits einige Ausschweifungen Donald Trumps, zu Zeiten, als dieser noch nicht einmal an die Kandidatur zum Präsidenten dachte. Immer wieder geht sie auf sein rassistisches Verhalten ein und beschreibt anhand von Beispielen seine frauenverachtende Haltung.

Wer sich mit Politik auseinandersetzt und die Nachrichten (kritisch) verfolgt, für den wird es in diesem Buch nur wenig Neues geben. Lediglich die Hintergründe für so machen Fauxpas, den sich Donald Trump, vor, während und nach seiner Kandidatur erlaubt hat, werden ein wenig deutlicher.

Wenn Omarosa das Verhalten Trumps aber bereits bekannt war, bevor ihre enge Zusammenarbeit im Wahlkampf begonnen hat, warum hat sie dann nicht längst den Hut genommen? So ganz kann ich ihre Ausführungen nicht nachvollziehen. Sie selbst beschreibt dieses Verhalten als ihren blinden Fleck, der ständig größer wurde und aus anfänglicher Bewunderung heraus entstanden ist…

Als Leser des Buches hat man jedoch den Eindruck, dass Omarosa selbst zu einem „weiblichen Trump“ werden wollte. Ihre Selbstbeschreibungen lassen sie zum Großteil in einem guten Licht erscheinen. Sie selbst beschreibt sich als eine starke Frau mit Prinzipien und prangert nicht nur Donald Trump an.

Man mag vom amerikanischen Präsidenten halten was man mag, in diesem Buch bekommt man jedoch den Eindruck, dass es sich hier mehr um eine persönliche Abrechnung als um eine wirkliche Anklage handelt.

Auch wenn Vieles aus diesem Buch bereits durchgesickert ist, so ist es doch eine zusätzliche Bestätigung, mit welcher Arroganz der amtierende amerikanische Präsident seinem Volk und dem Rest der Welt auf der Nase herumtanzt.

Dennoch möchte ich der Autorin ihren Mut nicht absprechen, sich gegen einen der mächtigsten Männer der Welt zu stellen und aufzuzeigen, was im Weißen Haus schiefläuft. In dieser Hinsicht ist Omarosa mit Sicherheit eine starke Frau und wird noch stärker werden müssen. Ich glaube nämlich nicht, dass Trump ihr diesen Verrat so leicht verzeihen wird. Dafür hat sich das Buch unbedingt 4 Sterne verdient.

Bewertung vom 20.01.2019
Kampf oder Untergang!
Chomsky, Noam; Feroz, Emran

Kampf oder Untergang!


ausgezeichnet

Regt zum Nachdenken an …

„Die menschliche Natur macht es möglich, zum Heiligen oder zum Sünder zu werden. Jeder von uns hat diese Kapazität in sich.“

Noam Chomsky, der bereits mehr als 90 Jahrzehnte auf dieser Erde verbringen durfte, zeigt in diesem Gespräch mit Emran Feroz auf, worauf es wirklich ankommt – und nicht nur das, er zeigt Zusammenhänge auf, die einem selbst bei einer passablen Kenntnis des Weltgeschehens nicht immer geläufig sind.

Ein langes Leben auf diese Erde ist wohl Grundvoraussetzung, um so einiges mitansehen (zu müssen). Wenn man das Geschehen aber nicht nur an sich vorbeiziehen lässt, sondern aktiv daran teilnimmt, kann man daraus auch immer seine Lehren ziehen. Dies hat Noam Chomsky mit Sicherheit bis zur Vollendung betrieben und somit den Grundstein für eine Betrachtungsweise der Welt gelegt, wie es nur wenige schaffen.

Das Buch spannt einen Bogen über die Weltgeschichte vom Imperator Konstantin über die Vertreibung der indigenen Bevölkerung in Amerika, bis hin zum Erstarken des Islamischen Staates. Ebenso bindet Noam Chomsky in seinen Antworten die aktuellen Entwicklungen Richtung Rechtsextremismus oder häufiger werdendem Rassismus ein.

Chomskys Antworten auf die geschickt ausgewählten und aktuellen Fragen Feroz‘ sind dabei alles andere als das, was man sonst oft zu hören bekommt. Fluchtbewegungen, Klimawandel oder die Wahl Donald Trumps zum amerikanischen Präsidenten werden nicht einfach im aktuellen Kontext beantwortet. Chomsky gibt bei der Beantwortung seinen Lesern einen Einblick auf historische Hintergründe, die oft sehr weit in die Vergangenheit zurückreichen.

Interessanterweise greift Chomsky gerade bei den Themen Einwanderung, Rechtsextremismus oder Rassismus unter anderem auch die aktuelle österreichische Politik an – ob zu Recht oder Unrecht, sollte jeder selbst für sich entscheiden. Natürlich konzentrieren sich die Antworten nicht nur auf Österreich – von Europa, Amerika oder Südamerika über den Nahen Osten bis nach China oder Japan erstrecken sich die Gedanken eines der wichtigsten Denkers unserer Zeit.

Im Zwiegespräch der Beiden gelingt es dem Leser, einen Einblick in das Weltgeschehen zu gewinnen, wie es kaum ein Geschichtsbuch zu Stande bringt.

„Ich versuche lediglich, eine Art der intellektuellen Selbstverteidigung näherzubringen. Ich meine damit kein akademisches Studium […]. Es geht mir vielmehr um die Entwicklung unabhängigen Denkens […].“

Gerade dieses unabhängige Denken sollten wir uns alle aneignen. Noam Chomsky und Emran Feroz machen auf alle Fälle nicht nur Lust darauf, sondern fordern dazu regelrecht auf. 5 Sterne und eine Leseempfehlung für dieses beeindruckende Gespräch.

Bewertung vom 20.01.2019
Iwan Turgenjew und Pauline Viardot
Keller, Ursula; Sharandak, Natalja

Iwan Turgenjew und Pauline Viardot


sehr gut

Eine ungewöhnliche Liebesgeschichte

Als die Sopranistin Pauline Viardot mit 22 Jahren zum ersten Mal in Russland auf der Bühne steht, sitzt der angehende Schriftsteller Iwan Turgenjew im Publikum. Die Sängerin fasziniert ihn dermaßen, dass er sein künftiges Leben zum Großteil nach ihr ausrichtet und eine tiefe Verbundenheit ein Leben lang anhält.

"Seit jenem Augenblick, seit jener schicksalhaften Minute, gehörte ich nur noch ihr."

Dass Pauline Viardot zu diesem Zeitpunkt bereits mit dem viel älteren Louis Viardot verheiratet ist, dürfte die beiden nicht sonderlich gekümmert haben. Eine Ménage à trois entwickelt sich im Laufe der Zeit und bleibt zeitlebens. Turgenjew bezeichnet die Viardots als seine Familie, geht mit Louis beispielsweise auch auf die Jagd, während er dessen Frau den Hof macht.

Die beiden Autorinnen Ursula Keller und Natalja Sharandak haben eine lesenswerte Doppelbiographie geschrieben, in der die Verbindungen der beiden Künstler aber auch der jeweilige künstlerische Werdegang behandelt wird.

Pauline Viardot hätte ihren Mann für Turgenjew nie verlassen, sie konnte aber wohl auch nicht ohne den Schriftsteller leben. Für diese Zeit damals möchte man meinen, dass ein großer Skandal daraus erfolgte. Doch irgendwie scheint es, dass dieses Liebesverhältnis eine Selbstverständlichkeit hatte. Man begegnet vielen bekannten Namen, wie beispielsweise Clara Schumann, Chopin, Liszt, Flaubert, Tolstoj, Dostojewski, … - alle haben die Verbindung der beiden offensichtlich als gegeben hingenommen.

Man darf sich hier keine umfassende aufschlussreiche Biographie erwarten – das wäre in diesen knapp 250 Seiten auch nicht machbar. Was mich etwas gestört hat, waren viele Wiederholungen von Ereignissen und so manche Zeitensprünge, die den Lesefluss etwas gehemmt haben. Ansonsten ein sehr diskreter Einblick in diese ungewöhnliche Liebe.

Alles in allem ein interessant zu lesendes Doppelporträt, dem ich gerne 4 Sterne gebe.

Bewertung vom 20.01.2019
Merkel am Ende
Knauß, Ferdinand

Merkel am Ende


ausgezeichnet

Haben Politiker ein Ablaufdatum?

Für viele ist es vermutlich überraschend gekommen, dass Angela Merkel vom Vorsitz der CDU zurücktritt – für viele andere ist dieser Schritt vermutlich zu spät erfolgt. Hier darf/soll auch jeder seine eigene Meinung haben, ganz im Sinne einer Demokratie.

Der Autor Ferdinand Knauß beschreibt in seinem Buch „Merkel am Ende“ wie es dazu kommen konnte, analysiert Merkels Politik der letzten 13 Jahre. Viele Erklärungen finden sich, warum sich der Rücktritt nicht mehr vermeiden ließ.

Das Buch ist in vier Kapitel gegliedert und erklärt verständlich das Geschehen in Deutschland, aber auch die Auswirkungen auf Europa und vor allem die Auswirkungen dieser Politik für die Zukunft:
Die Fesseln merkelscher Macht
Die Bilanz – Deutschland nach 13 Jahren Merkel
Die unpolitische Politikerin – Warum Merkel in Deutschland (noch) regiert?
Warum Merkel nicht mehr in unsere Zeit passt

Langfristige politische Entscheidungen werden von den Parteivorsitzenden ausgeblendet, es geht nur mehr um Stimmen für die nächste Wahl – doch was, wenn diese Stimmen auch nicht mehr in ausreichender Menge vorhanden sind? Welche Konsequenzen ziehen Politiker für ihr Fehlverhalten? Welche Konsequenzen ziehen sie nach Fehlentscheidungen? Wenn unsere Kinder in zig Jahren die „Früchte“ aus deren Arbeit zu tragen haben – wer wird die Regierenden noch zur Verantwortung ziehen?

Der Autor zeichnet ein klares Bild Angela Merkels, ihr Machtstreben, ihr „Fahren auf Sicht“, die fehlende Strategie, ihre Anpassungsfähigkeit, ihre Zugeständnisse. Und es stellt sich die Frage, ob Politiker tatsächlich ein Ablaufdatum haben – ob die Methode Angela Merkels ausgedient hat?

Ein sehr gut lesbares Buch, bei dem jeder eingeladen wird, sich seine Gedanken zu machen und wo so manch Erläuterung zu plötzlichem Verstehen führt.

Bewertung vom 19.01.2019
Kartografie der Freiheit
Kurkow, Andrej

Kartografie der Freiheit


ausgezeichnet

Der europäische Traum

In der Nacht bevor Litauen im Schengenraum aufgenommen wird, treffen sich drei Paare um dieses Ereignis zu feiern und ein neues Leben zu planen. Endlich darf jeder in Europa leben wo er will und darf sich sein Wunschland als Wohnort aussuchen. Ein Paar zieht nach London, eines nach Paris und das dritte Paar plant das zukünftige Leben in Italien – als dieses Paar jedoch noch einmal genau nachdenkt, auch einbezieht, wen sie zurücklassen würden, bleiben sie doch im Baltikum.

Schnell wird klar, dass der Traum der Metropolen nicht unbedingt auch mit Freiheit zu tun hat. Finanzelle Schwierigkeiten, nur schlechtbezahlte Gelegenheitsjobs bringen partnerschaftliche Konflikte zwangsläufig mit sich. Enttäuscht müssen sie erkennen, dass hier die Freiheit nicht auf der Straße liegt. Trotzdem finden sie glückliche Momente, entdecken Chancen, lernen Menschen kennen und fügen sich in Systeme ein.

Immer abwechselnd erfährt man, wie es dem jeweiligen Paar gerade so ergeht. Hier wechseln humorvolle, traurige, skurrile, stille, laute, bescheidene und glamouröse Momente. Während im Baltikum euphorisch an einer sehr speziellen Geschäftsidee gefeilt wird, erkennen die Paare in London und Paris, dass das Leben in der Provinz auch so einiges zu bieten hat.

Der Autor Andrej Kurkow wurde in St. Petersburg geboren und lebt derzeit in Kiew. Seine bereits veröffentlichten Romane kenne ich leider noch nicht, was ich nun nachholen werde. Er schreibt ruhig, ziemlich ernst und doch folgt man mit Spannung was mit den jungen Menschen denn nun so passiert. Viele Gedanken über Europa, Ost und West, Flucht, Ankommen und Verbundenheit wandern durch dieses Buch.

Die alles verbindende Figur ist der alte Kukutis mit seinem Holzbein, das unzählige Geheimfächer zu haben scheint. Er wandert von Ost nach West, war anscheinend während seines langen Lebens bereits überall, kennt die Weltkriege und will immer zu Hilfe eilen, wenn ein Litauer Hilfe braucht. Dafür macht er sich mit seinem Holzbein auf den Weg und kommt immer zu spät, was ihn oftmals zermürbt. Während des Lesens fragt man sich immer wieder, wann Kukutis denn nun mit den jungen Paaren aufeinandertrifft, ob er ihnen helfen kann oder wieder zu spät kommt …

Das Buch zeigt sehr detailliert den Traum von Europa oder was eben davon übrig bleibt, zeigt eine Wunschvorstellung und die darauffolgende Realität. Gerne habe ich dieses Buch gelesen und vergebe dafür auch 5 Sterne. Ebenso darf ich für mich behaupten, einen neuen Lieblingsautor gefunden zu haben…

Bewertung vom 19.01.2019
Die Jangada
Verne, Jules

Die Jangada


ausgezeichnet

Eine abenteuerliche Reise kann beginnen

Nachdem ich zuletzt auch eine Biographie über Jules Verne gelesen hatte, wollte ich unbedingt wieder in einer seiner abenteuerlichen Geschichten versinken. Wer kennt sie nicht? Geschichten wie „In 80 Tagen um die Welt“ oder „20.000 Meilen unter den Meeren“ dürften wohl jedem geläufig sein. Es gibt jedoch auch ein fast unbekanntes Werk, welches nur 1882 einmal ins Deutsche übersetzt wurde – „Die Jangada“. Das Buch wurde nun aktualisiert, mit sämtlichen Abbildungen des französischen Originals versehen und ist nun in dieser hochwertigen Ausgabe erhältlich. Das in Leinen gebundene Buch steckt in einem Schuber und macht echt was her – also für „Jules-Verne-Freunde“ ein echtes Muss.

Die Geschichte spielt zum Großteil auf einem eigens konstruierten Floß des peruanischen Plantagenbesitzers Joam Garrel, der mit seiner gesamten Familie und vielen Bediensteten sowie einem Pfarrer über Monate auf dem Amazonas reisen will, um die Hochzeit seiner einzigen Tochter zu feiern. Was die Familie nicht weiß, ist, dass Joam Garrel von vielen Jahren als Unschuldiger zum Tode verurteilt wurde und eigentlich auf der Flucht ist … Es kommt wie es kommen muss, ein mysteriöser Mann trifft auf die Reisegesellschaft, weiß um das Geheimnis und ist im Besitz eines Kryptogramms, welches die Unschuld Garrels beweisen würde. Doch dafür benötigt man erst mal den Schlüssel dazu … Viele Abenteuer hat die Familie zu bestehen, vieles passiert und immer wieder treffen die Reisenden auf Schwierigkeiten, die das Fortkommen gefährden.

Die Beschreibungen des tropischen Regenwaldes sind derart fesselnd und bildhaft, als hätte Jules Verne diese Reise selbst gemacht. Natürlich war dies nie der Fall, umso beeindruckender sind diese Darstellungen.

Eine sehr empfehlenswerte Ausgabe dieses neu entdeckten Jules Vernes, dem ich sehr gerne 5 Sterne gebe.

Bewertung vom 13.01.2019
Heute wegen Mord geschlossen / Clara Kull Bd.1 (eBook, ePUB)
Paxmann, Christine

Heute wegen Mord geschlossen / Clara Kull Bd.1 (eBook, ePUB)


weniger gut

Mehr Schein als Sein …

Hauptkommissarin Clara Kull lässt sich von ihrer besten Freundin dazu animieren, endlich wieder in einen wohlverdienten Urlaub zu starten. Immerhin hat Clara geerbt und gönnt sich seit einigen Wochen eine Auszeit, hat somit Zeit und Geld ohne Ende. Was ihr zu ihrem Glück noch fehlt, ist ein passabler Mann an ihrer Seite. Ob sie den in dem wildromantischen Alpendorf beim Winterurlaub finden wird? Eine raffinierte Marketingstrategie beschert dem kleinen Engeldorf einen Wintertourismus der besonderen Art – Sonne, Schnee, Pistenspaß … und das alles in „Slowmove“ färben auch auf Clara ab und sie genießt ihr Winterwonderland.

Als sie sich bald auch noch an einem stattlichen Mann an ihrer Seite freuen darf, scheint das Glück perfekt. Doch wie passt nun die nette Hüttenbedienung ins Bild, die mit einem Loch im Kopf und goldenen Hotpants im Schnee gefunden wird?

Als Clara dem ermittelnden Kommissar undercover zur Hand geht, kramt sie immer mehr Ungereimtheiten hervor, die nicht so recht in das „Heile-Welt-Image“ des Alpendorfes passen wollen.

Die Autorin Christine Paxmann hat hier einen Winterkrimi geschrieben, der mich jetzt nicht so recht überzeugen konnte. Fast 70 Seiten plätschern so dahin und man liest eigentlich mehr über Claras Urlaubsfeeling, ihre Fantasien und ihr naives Flirtverhalten. Dem Täter kommt man ziemlich rasch auf die Spur – und auch das Motiv hatte ich mir bald zusammen gereimt.

Der Schreibstil ist locker, das Buch liest sich flüssig. Auch die Beschreibungen der Winterlandschaft sind sehr nett, die Klischees über Schihütten und Schilehrer sind wohl zutreffend. Die Geschichte selbst ist zu durchschaubar und zu seicht. Außerdem gibt es einige Ungereimtheiten, beispielsweise ist die Mutter der Ermordeten an einer Stelle zum Schulanfang der Tochter wieder ins Dorf zurückgekommen und an anderer Stelle erst 14 Jahre nach der Schwangerschaft.

Clara Kulls Winter-Kriminalfall konnte mich nicht überzeugen, daher gibt es auch nur 2 Sterne.

Bewertung vom 12.01.2019
Schlaf wirkt Wunder
Weeß, Hans-Günter

Schlaf wirkt Wunder


ausgezeichnet

Empfehlenswerter Ratgeber

Schlaf ist ein wichtiger Teil unseres Lebens, schützt vor Krankheiten, macht uns leistungsfähig. Und doch haben viele Menschen Probleme damit, einen erholsamen Schlaf zu finden, fühlen sich oftmals nicht ausgeruht, laufen wie neben sich durch die Straßen und haben bereits Panik vor der nächsten Nacht.

Der Autor Dr. Hans-Günter Weeß ist Psychotherapeut und Somnologe, leitet die Schlafmedizinische Abteilung in Klingenmünster und lehrt an der Uni Koblenz-Landau. Als Schlafmediziner erläutert er Wichtiges zum Thema Schlaf, bringt hier einige Fallbeispiele, berät über die richtige Einschlafgestaltung und vieles mehr.

Teil I des Buches möchte dem Geheimnis Schlaf auf der Spur sein und hält diese Kapitel parat: Schlaf ist die beste Medizin – Wie viel soll man schlafen? – Wann soll das Sandmännchen kommen?

Im II. Teil des Buches wird der Schlaf genauer unter die Lupe genommen, werden die Hormone beschrieben, der nächtliche Stoffwechsel erklärt, Träume, der Schlaf im Laufe der Lebenszeit und auch das geschlechterunterschiedliche Schlafen zum Thema gemacht. Interessant auch die Ausführung über Lerchen und Eulen – hier kann man sein eigenes Schlafverhalten unter die Lupe nehmen.

Sicherlich für viele interessant ist der Teil III mit dem Thema zum Schlaf in der 24-Stunden-non-stop-Gesellschaft, wo Probleme diverser Schichtmodelle, Schlafkiller, Jetlag aber auch der Mittagsschlaf in den Fokus gestellt werden.

In Teil IV geht es um das 1 x 1 des Schlafens, werden Mythen widerlegt, die Wichtigkeit der Rituale aufgezeigt. Beleuchtung, Temperatur, die Schlafzimmergestaltung – alles Themen, die das Schlafverhalten beeinflussen können.

„Der Schlaf im Sturm des Lebens“ wird im Teil V analysiert, Schlafstörungen, Atemprobleme, Albträume, Schlafwandler … Viele Punkte werden hier aufgegriffen und man findet auch einen kurzen Test, um die persönlichen Ein- oder Durchschlafstörungen zu prüfen.

Im VI. Teil wird nun ein 3-Wochen-Programm vorgestellt. Man sollte erst mal sein Schlafverhalten analysieren und dann findet man noch wertvolle Tipps, die jedermann für sich ausprobieren kann. Sollte dies alles nicht helfen, kann man immer noch den Weg in die Schlaftherapie suchen – auf Dauer zu Schlafmitteln zu greifen, ist nicht von Vorteil (doch das sollte wohl jedem schon der gesunde Hausverstand sagen).

Der Autor schreibt sehr verständlich, locker und flüssig, erklärt auch für den Laien sehr gut und veranschaulicht gewisse Themen mit Grafiken und Tabellen, sodass man sich leicht zurecht findet.

Das Buch kann ich uneingeschränkt weiterempfehlen, vergebe 5 Sterne und wünsche allen eine „Gute Nacht“.

Bewertung vom 11.01.2019
Der Geschmack Europas
Wieser, Lojze

Der Geschmack Europas


ausgezeichnet

Eine kulinarische Reise

Im wahrsten Sinne des Wortes ein geschmackvolles Buch. Wer allerdings denkt, hier ein Kochbuch im herkömmlichen Sinne vorzufinden, wird wahrscheinlich enttäuscht werden. Allerdings steckt das bereits im Titel – es handelt sich um ein Journal.

Und dennoch, ist es eines der besten Kochbücher – und das mit Auszeichnung. Aber der Reihe nach: Es handelt sich bei dem vorliegenden Werk um den zweiten Teil einer Reihe von Kochbüchern, die nicht einfach nur Rezept um Rezept abbilden und mit genauer Anleitung für das richtige Gelingen wiedergeben. Bereits der erste Band dieser Reihe wurde mit dem Titel „Bestes Kochbuch Europas […]“ Weltmeister.

Die Bücher entstehen beim Dreh einer Fernseh-Kochdokumentation als Nachlesewerk – eben als Journal. Das Buch ist eine Inspiration für die Sinne. Man spürt den Geschmack der beschrieben Speisen fast auf der Zunge – nicht weil man hier ein Rezept liest, sondern weil man hier Geschichten präsentiert bekommt und in diese eingebunden wird.

Es ist wie mit dem griechischen Wein, der am Strand so herrlich schmeckt, dass man sich kaum einen besseren vorstellen kann – zuhause angekommen und die erste Flasche geöffnet, weiß man nicht mehr, was man daran so toll gefunden hat. Es fehlt einfach die richtige Atmosphäre.

Und Atmosphäre vermittelt dieses Buch – es lässt die Leser eintauchen in die (nicht nur kulinarische) Welt der Rezepte. Land und Leute erzählen Geschichten, die es erst möglich machen, den Geschmack Europas auch zu verstehen. Man wird versetzt in die Gedankenwelt der Köche, wird Akteur in der Küche eines Landes, in dem man vielleicht noch nie war und das Essen beginnt selbst eine Geschichte zu erzählen.

Zugegeben, man muss sich schon in das Buch hineinlesen um die Rezepte zu finden – zwischen den einzelnen Geschichten der Köche, Hausfrauen oder eines Pferdefleischhauers versteckt. Zugegeben, man muss auch des Kochens mächtig sein, um mit diesen Rezepten arbeiten zu können – Anfänger in der Küche werden hier teilweise Schwierigkeiten haben, um mit den spärlichen Anweisungen zurechtzukommen.

Andererseits ist es aber genau das, was Kochen ausmacht – welche Hausfrau, welcher Hobbykoch kocht genau nach Anleitung? Ein wenig hiervon ein wenig davon – probieren, noch ein wenig würzen und schon hat man ein Gericht am Tisch, das allen schmeckt. Mit diesem Gedankengut sollte man auch an dieses Kochbuch herangehen.

Und vor allem: Lassen Sie die Geschichten auf sich wirken – denn so wie die Geschichten Atmosphäre bewirken, schmeckt Ihr Essen. Denken Sie an den griechischen Retsina … Gerne vergebe ich 5 Sterne für diesen kulinarischen Ausflug.

Bewertung vom 11.01.2019
Mountains
Bösch, Robert

Mountains


ausgezeichnet

Unsere Welt hält viele Wunder parat …
Wie rezensiert man ein Buch, welches fast zu Gänze ohne Worte auskommt?

Am Buchumschlag sind die Worte Reinhold Messners zu finden: „[…] Dabei entsteht [s]ein Bild der Berge […] als habe der Weltgeist uns bei unserer Leidenschaft überrascht.“ Viel anders, viel leidenschaftlicher und schöner lässt sich dieses Buch kaum beschreiben als es der Bergsteiger Reinhold Messner auf der Rückseite macht.

So bleibt dem Rezensenten fast nur noch, eine Beschreibung abzuliefern, die dem nicht gerecht werden kann, was der Betrachter in diesem Buch findet. Die Bilder sind von so überwältigender Schönheit, dass man auf jeder Seite denkt, es kann die nächste Seite nicht mehr besser werden. Beim Umblättern wird man jedoch aufs Neue überrascht …

Der Bildband ist in 7 Kapitel unterteilt, welches jedes für sich einen Bereich der Bergwelt beansprucht. Beginnend bei Fels und Eis, spannt sich der Bogen unter anderem über Schnee, Luft und Wasser, bis hin zu den Bergen der Welt.

In jedem Kapitel finden sich kurze Texte von Bergsteigern und Sportlern, die nach den Worten des Autors, unterschiedlich zur Entstehung dieses Buches beigetragen haben. Nur einer fehlt – derjenige, dem der Autor dieses Buch gewidmet hat: Ueli Steck. Ein persönlicher Freund des Autors, der ebenfalls immer an dieses Projekt geglaubt hat. Ueli Steck ist am Nuptse – einem der Berge der Welt – tödlich verunglückt.

Je nachdem, wie sich die Bilder in das jeweilige Kapitel einfügen, sind Farb- oder Schwarz-Weiß Abbildungen zu sehen. Nie mehr als ein Bild je Seite spannen sich die Bilder oft auch über zwei Seiten in diesem ohnehin schon sehr großformatigen Buch.

Bei manchen Bildern hat man den Eindruck, mitten im Geschehen zu sein. Andere Aufnahmen wieder zeigen die Berge in einem Licht, wie es selbst wenige Bergsteiger je zu sehen bekommen werden – oftmals als extremen Kontrast zwischen Himmel und Erde, um auf der nächsten Seite, als im Nebel verzeichneter Fels wieder aufzutauchen.

Dieses Buch ist von einem Bergsteiger gemacht, der weiß wie er die Kamera einsetzen musste, um die Faszination Berg auch dem Laien näher zu bringen. Und Menschen, die selbst auf den Gipfeln ihre Erfüllung suchen, werden wissen, mit welchen Anstrengungen und mit welcher Leidenschaft man dabei sein muss, um solch ein Projekt umsetzen zu können.

Dieses Buch ist sicherlich nicht dafür geeignet einmal angesehen zu werden, um dann in einem Regal zu verstauben. Dieses Buch will erarbeitet werden – immer wieder aufs Neue erscheinen in den Bildern andere Details, Kleinigkeiten die man bei der ersten Betrachtung übersehen hat und die diese Fotos so sehenswert und einzigartig machen.

Trotz des stattlichen Preises kann ich dieses Buch ohne Einschränkung weiterempfehlen, als Geschenk für einen Bergfreund könnte ich mir das sehr gut vorstellen. Leider kann ich hier nur 5 Sterne vergeben – verdient hätte diese Buch eindeutig mehr.