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Benutzername: Sikal
Wohnort: Österreich
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Bewertungen

Insgesamt 704 Bewertungen
Bewertung vom 27.06.2020
Sowjetistan
Fatland, Erika

Sowjetistan


ausgezeichnet

Aufschlussreicher Reisebericht

„Welche Spuren haben die Jahre unter sowjetischer Herrschaft in diesen Ländern hinterlassen, bei den Menschen, die hier leben, in den Städten und in der Natur? Was hat von der ursprünglichen Kultur aus der Zeit vor der Sowjetunion überlebt? Und vor allem: Wie erging es Turkmenistan, Kasachstan, Tadschikistan, Kirgisistan und Usbekistan in den Jahren nach dem Fall der UdSSR?“

Die norwegische Autorin Erika Fatland gibt uns hier einen umfassenden Reisebericht über die fünf „Stans“, wobei es ihr gelingt viele Fragen erst mal aufzuwerfen und die Antworten dann auf dieser Reise zu suchen. Dies macht sie mit einer solchen Begeisterung und Hingabe, dass es unmöglich ist als Leser, sie nicht zu begleiten.

Ihr enormes Hintergrundwissen fließt immer wieder zwischen den Begegnungen und Erlebnissen mit ein und liest sich sehr abwechslungsreich und spannend. Mit Empathie und Humor stellt sie Fragen über Tradition, Wirtschaft, die Präsidentenverehrung, Bildung, Volksgruppen und vieles mehr. Oft sind die Menschen geprägt von den Manipulationen der Regierungsgruppen und erzählen nur die allgemein geduldete Version bestimmter Themen. Doch immer wieder gelingt es ihr, Zugang zu Menschen zu finden, die (wenn auch hinter vorgehaltener Hand) ihre eigene Meinung kundtun.

Die Autorin gibt einen Überblick über den Reichtum einiger Städte, über Marmorpaläste und goldene Kuppeln, über Umweltkatastrophen wie beispielsweise den Aralsee, über Arbeitslosigkeit und das Verhältnis zu Russland, über Religion, Brautraub, die Jagd mit Königsadlern, über Korruption und vieles mehr.

Ich muss ehrlich gestehen, dass ich noch keine so interessante Lektüre über diese Länder in Zentralasien gelesen habe und werde wohl immer wieder nochmal in dem Buch schmökern. Auf jeden Fall habe ich viel Neues erfahren und vieles wurde mir wieder in Erinnerung gerufen. Auch wenn ich mich nicht unbedingt gleich auf eine solch anstrengende Reise machen möchte, ladet dieses Buch ein, sich ein umfassendes Bild über die Stans zu machen. Interessant, dass Kirgisistan demokratisch angehaucht ist, während in den anderen Ländern Autokratie und Absolutismus vorherrschen. Über die ein oder andere Anekdote schüttelt man einfach nur den Kopf, denn was sich Präsidenten alles so überlegen, um das Volk zu manipulieren, ist teilweise wirklich schräg.

Ich habe diesen spannenden Reisebericht verschlungen und bin der Autorin gerne durch die Landschaft, die Farben, die Geschichte und die Politik gefolgt. 5 Sterne sind hier selbstverständlich.

Bewertung vom 21.06.2020
Korsische Vendetta / Korsika-Krimi Bd.3
Falconi, Vitu

Korsische Vendetta / Korsika-Krimi Bd.3


sehr gut

Gefährliche Intrige

Mittlerweile lebt der Schriftsteller Eric Marchand seit einem Jahr auf Korsika. Mit Laurine ist alles bestens und für beide könnte es gar nicht besser laufen. Wäre da nicht die Verwüstung von Laurines Haus und der Anschlag auf einen gemeinsamen Freund. Hängt das alles mit der ungeklärten Entführung von Jean-Baptist Santini zusammen, bei der dessen Sohn Mateo schwer verletzt wurde und immer noch mit gesundheitlichen Problemen kämpft? Oder sind die wahren Schuldigen die Flüchtlinge arabischer Herkunft, die den Korsen ein Dorn im Auge sind?

Als Mateo erst Eric und dann auch noch den Polizeichef Mahmoud Clément zu einer ungewöhnlichen Vorgehensweise überredet, ist klar, dass Eric in einer Undercover-Mission wieder mal in große Gefahr schlittert. Doch mit welchen Antworten der Autor zum Schluss aufwartet – ja, damit hätten wohl weder Eric oder Laurine, schon gar nicht Mateo gerechnet und so erledigt sich zwar einiges von selbst und im Stil der Insel, doch es scheint auch das Ende der Reihe zu sein.

Der dritte Band der Reihe rund um Eric Marchand und Korsika liest sich sehr flüssig und hat nur wenige Längen. Das fand ich eindeutig besser als bei den Vorgängerbänden. Dieses Mal wird zum Glück nicht Eric zum Superhelden, der den Fall quasi im Alleingang löst, sondern es spielen viele Faktoren mit und der Showdown am Ende ist eine ziemliche Überraschung.

Auf jeden Fall sollte man die Reihe mit Band 1 beginnen, damit man sämtliche Zusammenhänge auch erkennt und das Netzwerk der Clans ein wenig übersichtlich bleibt. Nun scheint die Reihe zu Ende zu sein – zumindest lässt das Ende dies vermuten. 4 Sterne

Bewertung vom 17.06.2020
Secret Citys Deutschland
Martin, Silke; Bickelhaupt, Thomas; Mundus, Doris; Mentzel, Britta

Secret Citys Deutschland


ausgezeichnet

Es gibt sie noch – die besonderen Kleinode

Berlin, Hamburg, München – wer kennt diese Städte nicht. Kaum jemand, der diese Metropolen nicht schon selbst besucht hat (oder dort lebt) und von Kultur, Geschichte oder Architektur beeindruckt ist. Wer aber ebenso reizvolle Städte abseits des Touristenrummels sucht, darf sich dieses Buch nicht entgehen lassen.

Fachwerkhäuser oder Schlösser - Architektur, gebaut um sich in die Landschaft einzugliedern oder geschichtliche Besonderheiten bieten unzählige kleine Städte in Deutschland. Beginnend bei Flensburg über Fehmarn bis nach Osnabrück gibt es allerhand Wissenswertes zu erfahren über die Entstehung der einzelnen Städte und deren Bedeutung und Einfluss für die Umgebung. Weiter in den Osten reist man, wo von Welterbestätten in Goslar ebenso die Rede ist wie von bezauberten Altstädten wie Bautzen oder die herausragende Fachwerkarchitektur in Schmalkalden.

Übe die Mitte Deutschlands geht es nach Westen und somit geraten Alsfeld als Modelstadt und Limburg mit ihrem ebenso reizenden wie weithin bekannten Dom in den Fokus. Die Mosel, bekannt für ihre Weine, bietet ebenfalls Interessantes in Sachen Städtebau wie Bremm, in welchem die erwähnten Weine an Steilhängen gedeihen. Geschichtlich lässt hier wiederum Speyer – als eines der Machtzentren im Mittalalter – aufhorchen.

Zuletzt wird dem Leser der Süden vorgestellt, wo ebenfalls Wein eine Rolle spielt aber auch einige literarische Besonderheiten auf den Besucher warten. Ob Coburg, Ravensburg oder Überlingen, jede der vorgestellten Ortschaften und Städte zeigt sich in diesem Band von einer außergewöhnlichen Seite und zeigt, warum sich ein Besuch lohnt.

Reich bebildert wird der Leser durch ein Deutschland geführt, welches abseits von Touristenströmen liegt. Gespräche mit Einwohnern sind hier ebenso noch möglich, wie einen ruhigen Tag am See in der Nähe zu verbringen. Ob Urlaub oder Städtereise, Kurzaufenthalt oder Langzeiterholung, alles ist in und um die vorgestellten Destinationen möglich.

Die Auswahl macht es allerdings nicht gerade leicht für sich das Passende zu finden… 5 Sterne

Bewertung vom 17.06.2020
Foto Basics
Sartore, Joel

Foto Basics


sehr gut

Für jeden Einsteiger, der seine Kenntnisse erweitern möchte

In zwei Teile gegliedert, zeigt dieser reichlich bebilderte Band, wie jeder seine Fotos verbessern kann. Beginnend mit den Grundlagen erklärt der Autor, wie eine Kamera funktioniert, was es bedeutet die richtige Komposition zu wählen, wie wir mit der Belichtung und dem Licht umzugehen haben und welche Bedeutung die Farben und Texturen für Bilder darstellen.

Der erste Teil beschäftigt sich somit mit den wirklichen Basics ohne die kein Fotograf auskommt. Selbst Profis beschäftigen sich immer wieder mit diesen Dingen – wenn auch mehr oder weniger im Unterbewussten – oder wenn es darum geht, neues Equipment anzuschaffen. Leider bekommt man in diesem Kapitel den Eindruck, dass es sich dabei um ein überholtes Werk handelt – Systemkameras findet man hier nur im Ansatz. Wer sich das Buch daher vor dem Kamerakauf anschafft, um bereits die richtige Auswahl zu treffen, sollte aktuellere Informationen einholen!

Im zweiten Teil geht es dann richtig zur Sache – Fotografieren.
„Denken wie ein Fotograf“ lautet das erste Kapitel im zweiten Teil – und genau darum geht es. Die etwas veraltete Kameraauswahl vom ersten Kapitel ist spätestens jetzt vergessen.
Was unterscheidet den Fotografen vom „Hobbyknipser“? Ist es wirklich die teure Ausrüstung oder ist es die Herangehensweise?

Geschichten erzählen – und das mit nur einem Bild. Probleme lösen und recherchieren, gehören zu jenen Themen, die den Unterschied ausmachen. Ein Bild, welches nur im Fotografen eine Emotion auslöst, weil dieser die gesamte Szene im Kopf hat, wird auf den Betrachter eventuell langweilig oder vielleicht sogar abschreckend wirken.

Hier beginnt nun das wirkliche Fotografieren – und die Arbeit. Fotografieren ist nämlich mehr als nur ein Bild durch den Sucher zu betrachten und abzudrücken. Viele Überlegungen gilt es im Vorfeld anzustellen.
Fotografiere ich Menschen oder ein Tier, beschäftige ich mich mit Natur und Landschaften oder geht es in meinen Bildern um Architektur? Jedes Motiv benötigt seine eigenen Überlegungen. Und um diesen Überlegungen und Anforderungen gerecht zu werden, bietet sich diese Buch an.

Mit klar strukturierten Anweisungen und den passenden Beispielbildern erklärt der Autor jedem angehenden Fotografen die grundsätzlichen Anforderungen an ein Bild. Und nach jedem Kapitel erklärt er anhand eines eigenen Bildes, seine Herangehensweise zum jeweiligen Thema.

Sehr schön gestaltetes Buch mit aufschlussreichen Bildern und tollen Erklärungen. Wenn trotz der Tipps des Autors die eigenen Bilder dennoch nicht zufriedenstellend ausfallen, liegt es wohl daran, dass man zu wenig Zeit in die Ausgestaltung der Anleitungen steckte. 4 Sterne

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 17.06.2020
Inspiration Biene
Radetzki, Thomas; Eckoldt, Matthias

Inspiration Biene


ausgezeichnet

Nicht nur für angehende Imker

Dieses Buch ist Herzstück eines Projektes rund um „Biene und Bildung“. Viele verschiedene Unterrichtsmaterialien wurden ergänzend dazu für den Schulunterricht entwickelt (zum Download auf der Homepage). Durch eine Zusammenarbeit unterschiedlicher Experten (Naturwissenschaftler, Imker, Philosophen, Pädagogen, …) wurde dieses Projekt möglich und bietet eine umfangreiche Grundlage für die Beschäftigung mit Bienen – die anregend, aufschlussreich und auch spannend sein kann.

Der Autor Thomas Radetzki hat sich seit Jahren ein enormes Wissen erarbeitet, gründete zwischendurch auch einen Verein zum Schutze der Bienen (die durch die Varroa-Milbe bedroht wurden). Mittlerweile gilt er als unabhängiger Fachmann und als Mitbegründer der Aurelia Stiftung. Sein Motto: „Es lebe die Biene!“
Matthias Eckoldt ergänzt durch sein journalistisches Talent.

Die Wichtigkeit der Biene müsste mittlerweile jedem bekannt sein. Und doch wird im Buch mehrmals darauf hingewiesen warum und wieso der Biene eine so große Bedeutung zukommt. Beispielsweise können Bienen punktgenau messen, wo Pestizide zum Einsatz kommen.

In sieben Kapiteln wird das Buch eingeteilt:
Wo Bienen küssen
Wie Bienen ticken
Wie Bienen reden
Wer die Bienen regiert
Was Bienen krank macht
Wie Bienen gesunden
Was uns Bienen sagen

Das Buch lässt sich flüssig lesen und hebt einzelne Hinweise noch gesondert in Kästchen hervor. Wie komplex das Bienenvolk aufgebaut ist und sich ergänzt, finde ich sehr aufschlussreich. Welche Feinabstimmung der Prozesse nötig ist, damit dieser Staat funktioniert, ist ebenso wichtig, wie die Kommunikation untereinander. Daran könnte sich so mancher ein Beispiel nehmen …

Obwohl man vieles weiß, ist hier eine gute Zusammenfassung und Unterrichtsgrundlage entstanden. Gerne vergebe ich dafür 5 Sterne

Bewertung vom 16.06.2020
9/11
Zuckoff, Mitchell

9/11


ausgezeichnet

Ein ganz normaler Dienstag …

Es gibt wohl viele unter uns Lesern, die noch deutlich die Bilder des 9. September 2001 im Kopf haben. Und diese werden uns auch weiterhin begleiten. Doch den Opfern, den vielen Kindern, Partnern, Eltern, Freunden wurde durch diese unglaubliche Katastrophe das Leben genommen – oder den Überlebenden zumindest der Boden unter den Füßen weggezogen. Die vielen Verschwörungstheorien, die sich danach um das Ereignis zu schlingen begannen, machten es vermutlich nicht besser.

Dieses Buch beschreibt nicht nur diesen Tag, sondern vor allem das Leben rund um dieses Drama. Es gibt den Opfern eine Stimme, den Flugbegleitern, den Passanten, den Angestellten, den fast 3000 Menschen, die dieses Attentat nicht überlebten. Hinzu kommen natürlich die unzähligen Menschen, die unmittelbar vom Tod der Opfer betroffen waren. Eine Auswahl an persönlichen Geschichten gibt uns der Autor mit dem Buch – aus der Perspektive der Betroffenen erzählt er diesen besonderen Tag, der eigentlich ein ganz normaler Dienstag sein sollte …

Man liest über den Beginn des Arbeitstages, die Pläne der Menschen, die letzten Telefonate aus den Flugzeugen. Teilweise ganz, ganz furchtbar und nur mit Unterbrechung zu lesen.

Der Autor Mitchell Zuckoff gibt den Menschen eine Stimme, kämpft gegen das Vergessen. Als Leser darf man die „Beteiligten“ bei diesen letzten Stunden begleiten, nicht nur die Passagiere und Besatzungsmitglieder, sondern auch den Terroristen.

Zuckoff erzählt von der Vorfreude auf den ersten Flug, von Morgenritualen und vielem anderen. Er erzählt wie sich innerhalb weniger Stunden ein Leben ändern kann oder wie es einfach zerstört wird. Diese persönlichen Geschichten können niemanden kalt lassen, dessen muss man sich bewusst sein, wenn man dieses Buch zur Hand nimmt.

Am Ende werden alle 3000 Namen aufgelistet, die diesem Attentat zum Opfer fielen. Ein ausführliches Literaturverzeichnis und eine Übersicht über den zeitlichen Ablauf der wichtigsten Ereignisse sind ebenfalls ergänzend hinzugefügt. Außerdem findet man Skizzen des World Trade Center und des Pentagon, sowie die Flugrouten.

Ein sehr berührendes, emotionales Buch, das viele Bilder heraufbeschwört. Auf jeden Fall hat es sich 5 Sterne und eine Leseempfehlung verdient.

Bewertung vom 16.06.2020
Neuleben
Fuchs, Katharina

Neuleben


sehr gut

Zwei starke Frauen verwirklichen sich ihre Träume

Deutschland 1953: Therese wird das Jura-Studium in der DDR verwehrt, weil sie die Tochter eines Wehrmachtsoffiziers und einer Gutsbesitzerin ist. Sie siedelt daher nach Westberlin, um an der Freien Universität zu studieren – nicht ahnend, welchen Repressalien gewisser Professoren und Studienkollegen sie sich damit aussetzt. Zum Glück hat sie bei ihrem leiblichen Vater, einem Notar, ein neues Zuhause gefunden. Doch auf der Uni ist für Therese nicht vieles eitle Wonne, so wird studierenden Frauen das Leben immer wieder schwer gemacht. Ihr großes Ziel vor Augen lässt sie sich nicht unterkriegen.

Gisela kommt aus einfachen Verhältnissen und ist mit Felix, dem Bruder von Therese, verheiratet. Auch sie wehrt sich gegen die Rolle der Hausfrau und möchte am Modesektor Fuß fassen. Da Gisela Geld verdienen muss, um Felix Studium mitzufinanzieren, zwingt es sie anfangs in eine Kleidermanufaktur, wo sie ihr wahres Talent nicht zum Einsatz bringen kann. Erst durch harte Arbeit und Glück gelingt es ihr, den großen Traum zu leben. Währenddessen bringt sich Felix in Gefahr, als er von Ost nach West als Schmuggler agiert.

Die Autorin Katharina Fuchs hat mit diesem Roman bereits den zweiten Teil (nach „Zwei Handvoll Leben“) ihrer Familiengeschichte verfasst. Sie vermischt gekonnt Fiktion und Realität, wobei man nicht herausliest wo die „schriftstellerische Freiheit“ Einzug gehalten hat.

Der Schreibstil ist flüssig und lässt sich gut lesen, wobei zwischendurch etwas Straffung gut getan hätte. Manches Mal waren mir die Ausführungen doch zu detailliert. Super finde ich, dass es einen Stammbaum auf der Buchinnenseite gibt, so kann man die vielen Namen auch gut in einen zeitlichen Rahmen bringen.

Die 1950er Jahre mit allen Ecken und Kanten, mit dem wirtschaftlichen Aufbruch, mit der Rolle der Frau, werden gut eingeflochten. Da werden uns die heutigen Freiheiten wieder bewusst gemacht. Beispielsweise brauchte Gisela eine Unterschrift ihres Ehemannes, dass sie arbeiten durfte. Welche Frau würde das heute noch so akzeptieren?

Ein Buch, das den Leser auf eine Zeitreise mitnimmt und das ich gerne gelesen habe. 4 Sterne

Bewertung vom 15.06.2020
Reine Nervensache
Grau, Armin

Reine Nervensache


ausgezeichnet

Über das Netzwerk der Nerven

Prof. Dr. med. Armin Grau ist Chefarzt der Neurologie am Klinikum Ludwigshafen. In diesem Buch gibt er dem Leser einen umfassenden Einblick in die möglichen Erkrankungen der Nerven und erklärt dieses Thema so anschaulich, dass es auch für den medizinischen Laien sehr aufschlussreich ist.

Themen wie Schlaganfall, Multiple Sklerose, Migräne, Epilepsie, Demenz oder Parkinson werden mit Fallbeispielen aufgezeigt. Es wird gezeigt welche Untersuchungsmethoden angewandt werden, um die jeweilige Diagnose zu untermauern. In einem Arzt-Patienten-Dialog werden die jeweiligen Krankheitssymptome eruiert – manche sind dem Patienten anfangs gar nicht mehr so bewusst, oder werden auch mal als Lappalie abgestempelt. Erst durch das Gespräch mit dem Arzt wird klar, dass die Erkrankungen meist nicht von heute auf morgen kommen. Gut gefällt mir, dass auch Therapie- und Heilungsmöglichkeiten aufgezeigt werden und dem Patienten Mut gemacht wird, denn natürlich ist es nicht einfach, eine Krankheit zu akzeptieren – besonders wenn man noch jung ist und den Berufswunsch vielleicht gefährdet sieht.

Die medizinischen Fachbegriffe werden laufend „übersetzt“ und erklärt, sodass diese verständlich werden.

Obwohl ich mich bereits mit einigen Themen beschäftigt habe, gab es für mich viel Neues in diesem Buch zu entdecken. Beispielsweise wusste ich nicht, dass die Pestizidbelastung im Grundwasser ein Risiko darstellt, um an Parkinson zu erkranken (natürlich nicht nur). Interessant finde ich, dass immer wieder durch Skizzen verdeutlicht wird, welche Teile des Gehirns bei den jeweiligen Erkrankungen betroffen sind. „Wie Neurologen arbeiten“ gibt einen Einblick in dieses interessante Gebiet und versucht auch dem Patienten ein wenig die Angst vor dem Unbekannten zu nehmen.

Einen besonderen Mehrwert hat für mich das Thema „Migräne“, Behandlungsmethoden und mögliche Ursachen.

Mit diesem Buch erhält man einen rundum gelungenen Eindruck in unser Nervensystem, dem ich gerne 5 Sterne gebe.

Bewertung vom 15.06.2020
Düstere Provence / Commissaire Leclerc Bd.5
Lagrange, Pierre

Düstere Provence / Commissaire Leclerc Bd.5


ausgezeichnet

Die Todesliste – eine Abrechnung

Mittlerweile dürfen wir bereits den 5. Band der Reihe rund um Ex-Commissaire Albin Leclerc und seinen Mops Tyson genießen. Inzwischen ist Albin zum „Polizei-Berater“ ernannt worden, was nicht unbedingt zur Entspannung des Teams Theroux und Castel führt. Denn – wie könnte es anders sein – auch dieses Mal kann Albin das Ermitteln nicht lassen und mischt sich in die Arbeit der Kommissare ein.

Louis Rey, ehemaliger Drogenboss, wird nach 25 Jahren aus dem Gefängnis entlassen und hat in seinem Leben nur mehr ein Ziel vor Augen: Mit denen abzurechnen, die damals gegen ihn ausgesagt haben. Danach will er seine letzten Monate, die ihm bis zu seinem Tod noch bleiben, eine Strandbar in der Karibik betreiben. Als Leser verfolgt man mit, wie Rey seine Anschläge plant und nacheinander ein Bankier, ein Restaurant-Besitzer und ein Priester ermordet werden. Doch auf dieser Todesliste steht noch ein Name: Albin Leclerc

Rey ist ein gewiefter Krimineller und schafft es, keine Spuren zu hinterlassen. Es sieht so aus, dass man ihn nicht wegen Mordes drankriegt. Doch Leclerc und Tyson sind wieder in ihrem Element und planen eine Intrige gegen Rey, in der zwei Kriminelle gegeneinander ausgespielt werden sollen. Tja, und wie könnte es anders sein – natürlich geht der Plan nicht zur Gänze auf und Leclerc befindet sich wieder mal mitten in der Gefahrenzone was einen temporeichen Showdown nach sich zieht.

Doch auch privat hat Albin wieder einiges zu tun, denn der Noch-Ehemann seiner Tochter Manon spielt wieder mal seine grausigen Spielchen und versucht Druck auf sie auszuüben. Zum Glück kann man dieses Mal auf Matteo zählen, der ohne viele Worte zur Tat schreitet.

Dieser Band ist anders aufgebaut als die Vorgängerbände. Der Täter ist dem Leser (und bald auch der Polizei) von Anfang an bekannt. Es wird somit nicht gerätselt wie der Mord aufgeklärt werden kann, sondern wie Rey gestoppt wird, bevor er seine Abrechnung zu Ende bringt.

Der Schreibstil ist wie immer temporeich, der Spannungsbogen wird hoch gehalten und steigert sich nochmal bis zum Ende hin. Die Zwiegespräche zwischen Leclerc und Tyson sind immer das Beste an dieser Reihe, hier kommt man aus dem Schmunzeln nicht heraus. Ich finde, dass dies dem Buch die richtige Brise Humor vermittelt.

Alles in allem ein gelungener 5. Teil, der Vorfreude auf Band 6 „Eiskalte Provence“ aufkommen lässt. Auf jeden Fall verdiente 5 Sterne.

Bewertung vom 15.06.2020
Die Akte Leopoldskron
Hofinger, Johannes

Die Akte Leopoldskron


sehr gut

Eine Neuauflage mit neuen Fakten

Der Autor Dr. Johannes Hofinger ist Historiker mit Schwerpunkt „Salzburger Zeitgeschichte“ und hat als Experte seine Recherchen rund um das Schloss Leopoldskron und Max Reinhardt zusammengefasst. Dieses Buch ist nun eine Neuauflage mit neuen Fakten über diese bedeutende „Beute“ der Nationalsozialisten in Salzburg

Das Buch gibt einen Überblick über die Anfänge des Schlossherrn, als Max Reinhardt (Mitbegründer der Salzburger Festspiele) dieses 1918 erworben hat und rundum renovieren ließ. Wie wenig Gedanken er sich darum machte, wie die Rechnungen bezahlt werden, ist wohl am ehesten seiner Künstlerseele zuzuschreiben.

„In seinem Schlosse Leopoldskron mit den großen Kunstgalerien beschäftigt er (der Jude) 15 bis 20 christliche Lakaien, fährt im Salonwagen und lebt auf großem Fuß (Plattfuß).“

Dies zeigt die ambivalente Einstellung der Salzburger und zeigt auch wie der fortschreitende Antisemitismus Reinhardt schließlich zur Auswanderung zwingt. Doch gleich danach beginnt der Kampf um den Besitz Reinhardts, hier stellen verschiedene offizielle Stellen einen Anspruch – sei es die kostbare Bibliothek, die Kunstgegenstände oder auch die Möbel. Erschreckend was Gier aus Menschen macht.

Die Nazis waren ein bürokratisches Volk, die alles genauestens dokumentierten. Doch viele dieser Dokumente sind heute leider nicht mehr auffindbar.

Das Schloss wurde ab 1938 als Repräsentationspalais genutzt und diente den Nazischergen für deren Machtspielchen. Sogar die Prinzessin Stephanie von Hohenlohe-Waldenburg-Schillingsfürst durfte ein kurzes Intermezzo als Schlossherrin auf Leopoldskron geben.

Über die Restitution nach Kriegsende erfährt man einiges, auch Briefe von Max Reinhardt an Helene Thimig sind sehr aufschlussreich. Leider sollte Reinhardt sein Salzburger Schloss nicht mehr wiedersehen. Er starb bereits 1943 verarmt im amerikanischen Exil.