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Benutzername: Sikal
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Danksagungen: 59 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 860 Bewertungen
Bewertung vom 05.06.2021
Die Rattenlinie - ein Nazi auf der Flucht
Sands, Philippe

Die Rattenlinie - ein Nazi auf der Flucht


ausgezeichnet

Zwei Blickwinkel auf die Geschichte

Der Autor Philippe Sands ist Anwalt und Professor für Internationales Recht sowie Direktor des Centre for International Courts and Tribunals am University College London. Humanitäre Ziele und Völkerrecht sind ihm ein Anliegen - was er bereits mit seinem Buch „Rückkehr nach Lemberg“ bewiesen hat.

Mit diesem Buch recherchiert der Autor die Lebensgeschichte und den Tod des SS-Offiziers Otto von Wächter, der 1949 im Vatikan stirbt – kurz bevor er es schafft, sich nach Argentinien über die sogenannte Rattenlinie abzusetzen.

Sands trifft bei seinen Recherchen auf Otto Wächters Sohn Horst, der auf einer Burg lebt, mittlerweile über 80 ist und immer noch der Überzeugung, dass sein Vater ein Menschenfreund war. Er stellt den Verdacht auf, dass Otto Wächter vergiftet wurde. Erschreckend zu lesen fand ich, wie resistent sich der Sohn gegen das Anerkennen der Schuld seines Vaters stellt. Dabei weiß man mittlerweile, welche Gräueltaten Wächter vor und während seiner Zeit als SS-Offizier vollbracht hat. Die Errichtung des Ghettos in Krakau oder die Beteiligung an der Ermordung von Dollfuß beispielsweise.

Nach einem Prolog, der den letzten Tag Wächters in Rom wiederspiegelt, erfahren wir über die Kindheit und Jugend sowie sein anfängliches Interesse für Politik. Natürlich lesen wir auch über seine Beziehung zu seiner Frau Charlotte, seine Hinwendung zum Nationalsozialismus bis zu seiner Flucht und der letzten Station – Bischof Hudals Unterstützung beim Leben in einem Kloster bis hin zum Sterben Wächters in den Armen des Bischofs.

Sand verfolgt viele unterschiedliche Spuren und so gelingt es ihm sämtliche Details des Lebenslaufes Wächters zusammen zu puzzeln. Die unzähligen Dokumente, Briefe, Tagebücher und Bilder werden von Horst Wächter beigestellt. Diese sollen der Wahrheit dienlich sein. Doch leider kann bis zum Ende nicht dessen Vermutung bestätigt werden.

Der Autor schreibt mit einem packenden Stil und so verfliegt die Geschichtsstunde wie im Nu. Man kann das Buch kaum aus der Hand legen, so spannend folgt man den Recherchen Sands.

Ein wichtiges Zeitdokument, das ich sehr gerne weiterempfehle. 5 Sterne

Bewertung vom 05.06.2021
Dunkle Zeiten / Die Schwestern von Mitford Manor Bd.3
Fellowes, Jessica

Dunkle Zeiten / Die Schwestern von Mitford Manor Bd.3


sehr gut

Leben und Sterben liegen dicht beisammen

Während einer Party der High Society stürzt eines der Dienstmädchen durch das Oberlicht und kommt zu Tode. Außerdem wird die junge Rose Morgan ab diesem Zeitpunkt vermisst. Hängen die beiden Fälle zusammen oder war der Tod des Dienstmädchens einfach ein bedauerlicher Unfall? Doch wo ist Rose? Detective Sergeant Guy Sullivan wird auf diesen Fall angesetzt, der anfangs auf der Stelle zu treten scheint.

Die Dritte der Mitford Schwestern, Diana, heiratet den reichen Brauerei-Erben Bryan Guinness mit allem was dazu gehört. Ihre ehemalige Nanny Louisa Cannon wird als Kammerzofe eingestellt, damit sich Diana in ihrem neuen Heim wohler fühlt. Doch Louisa hatte ursprünglich andere Pläne und wollte bei der Polizei ihr Glück versuchen, was ihr leider bis jetzt verwehrt geblieben ist. Nun tourt sie mit Diana und ihren Freunden quer durch Europa. Als bei der Reise immer wieder mysteriöse Todesfälle vorkommen, glauben Louisa und auch Guy nicht an Unfälle. Doch wer hätte ein Interesse daran, die Morde zu begehen? Wo ist hier ein Motiv?

Dies ist bereits der dritte Band der Reihe rund um die legendären Mitford-Schwestern. Die Autorin Jessica Fellowes hat eine unterhaltsame Fortsetzung über das Leben und Sterben der High Society in den Goldenen Zwanzigern geschrieben.

Der Schreibstil der Autorin liest sich angenehm flüssig, teilweise vielleicht etwas zu detailliert, sodass man oberflächlich die Absätze überfliegt. Das Leben in den Zwanzigern und in der Oberschicht finde ich gut eingefangen. Diese Arroganz passt sehr gut zur Vorstellung, die man sich von dieser Gesellschaftsschicht so macht.

Die Charaktere sind nicht allzu hoch auf der Sympathieskala angesetzt, mit Ausnahme von Louisa und Guy, die wie ein Gegenpol die Geschichte tragen. Irgendwie hätte ich mir ein wenig mehr Verbundenheit der Mitford-Schwestern gewünscht, die waren für meine Begriffe zu wenig präsent.

Einige Verdächtige machen das Miträtseln spannend und die englische Atmosphäre tut ihr Übriges. Zwischendurch finden sich noch einige historische Begebenheiten und Persönlichkeiten, die gekonnt eingeflochten werden. Ein abwechslungsreicher Ausflug mit spannenden Wendungen in die Goldenen Zwanziger, dem ich gerne 4 Sterne gebe.

Bewertung vom 04.06.2021
An den Ufern des Amur
Urbansky, Sören

An den Ufern des Amur


ausgezeichnet

Zwei mächtige Nachbarn

Sören Urbansky lässt uns mit dem Buch „An den Ufern des Amur“ in eine vergessene, für uns sehr weit entfernte Welt eintauchen. Der Amur – oder der „Schwarze Drachen“ wie ihn die Chinesen nennen – trifft auf einer Länge von zweitausend Kilometer die Grenze zwischen China und Russland. Der Autor reist vom Baikalsee bis zum Japanischen Meer und recherchiert in dieser Grenzregion über Kulturen, durchwandert Städte oder einsame Dörfer und spricht mit den Menschen dort, die so einiges zu erzählen wissen. Dabei gelingt es Urbansky mit viel Empathie allen Menschen eine Stimme zu geben, egal auf welcher Seite sie stehen.

Man merkt seine Verbundenheit mit der Region, aus der er mit viel Wissen aufschlussreich und interessant berichtet. Keine Minute wird es langweilig während des Lesens. Im Gegenteil, man bekommt zwischen Land und Kultur auch ein Stück Geschichte einer Grenzregion und versteht vielleicht dadurch so manche Entwicklung heute ein wenig besser.

Bei dieser weiten Reise trifft man nicht nur auf Irkutsk, das Paris Sibiriens oder ein Notstromaggregat am Chalch, sondern auch auf ein Kosakendorf oder einen Prostituiertenfriedhof, bevor man entlang der rauen Seidenstraße wandert oder den Bibliothekar hinter Schwertfarn besucht. Am Ende darf man noch durch Wladiwostok schlendern, das einige Besonderheiten aufweist. Und immer wieder merkt man die angespannte Situation zwischen den beiden Ländern, bei denen Misstrauen an der Tagesordnung zu stehen scheint.

Aufschlussreich finde ich die Darstellung der Landkarte am Buchinnendeckel, sodass man Urbansky auf seiner Reise gut begleiten kann.

Gut gefällt mir, dass der Autor nicht versucht zu persönlich zu werden, sondern sachlich und unparteiisch über diese Grenzregion erzählt. Dies schafft er mit einer wunderbaren Sprache und einem flüssigen Schreibstil. Man darf sich jetzt aber keinen Reiseführer mit Bildern und Reistipps erwarten – das ist nicht der Anspruch des Buches. Vielmehr ist es ein Kennenlernen einer beinahe vergessenen Region mit Menschen, die gelernt haben miteinander zu leben und sich mehr oder weniger respektieren.

Sehr gerne habe ich Sören Urbansky auf seiner Reise begleitet und diesen Bereich der Landkarte kennengelernt. Dafür gibt es natürlich 5 Sterne.

Bewertung vom 23.05.2021
Die Nachtigall singt nicht mehr / Karl Wiener Bd.2
Götz, Andreas

Die Nachtigall singt nicht mehr / Karl Wiener Bd.2


sehr gut

Spionage, Zeitgeschichte und ein bisschen Liebe

München 1955: Seit Karl Wieners vor fünf Jahren nach München zurückgekehrt ist, hat sich in seinem Leben einiges verändert. Er ist ein gefragter Journalist und lebt mit seiner Partnerin und deren Sohn Benno zusammen. Doch was sich nicht verändert hat, ist seine Liebe zu seiner Nichte Magda Blohm. Für einen neuen Auftrag soll Karl über Spione, Emigranten und Schleuser recherchieren. Als Fotografin soll ihn Magda unterstützen, was für beide eine emotionale Belastung bedeutet. Denn Magdas Ehemann ist ihrem Verhältnis auf den Fersen. Und das ist nicht das einzige Geheimnis, das Blohm umgibt, so hat es den Anschein.

Als Karl einen Informanten treffen möchte, wird dieser vor seinen Augen entführt. Wer war dieser Mann und was ist mit ihm geschehen? Ein Geheimnis scheint auch die neue Freundin von Magda zu umgeben – Agota ist die Assistentin von Tomáš Čierny, der plötzlich ein geheimnisvolles Päckchen auf dem Postamt öffnet.

In einem zweiten Handlungsstrang lesen wir über den Privatdetektiv Ludwig Gruber, der vom jungen Rudi engagiert wird, um den Hintergründe zum Selbstmord dessen Bruders aufzuklären. Rudi verdächtigt seinen Vater, den älteren Ferdl ermordet zu haben, um das Geheimnis seiner Rückkehr aus dem Krieg zu wahren. Denn dass dieser Fall nur so vor Ungereimtheiten strotzt, ist bald klar. Doch nur langsam kommt Licht ins Dunkel. Plötzlich scheint es auch noch eine Verbindung zur Reportage von Karl und Magda zu geben.

Auch der zweite Band der Trilogie rund um Karl-Magda-Ludwig ist wieder sehr komplex. Der Wiederaufbau Deutschlands ist in vollem Gange, Spionage zwischen Ost und West scheint an der Tagesordnung zu sein – noch ist das engstirnige Denken aus den Kriegsjahren nicht vorbei.

Wie auch bereits in „Die im Dunkeln sieht man nicht“ lässt der Autor Andreas Götz die Protagonisten in einem Labyrinth aus Rätseln versinken, dass man meint, diese wären nicht mehr zu lösen. Und ist Walter Blohm das zentrale Rädchen, um das sich die ganze Geschichte dreht?

Andreas Götz schreibt flüssig, die spannende Handlung fesselt ungemein und man möchte unbedingt dranbleiben, um die Rätsel gelöst zu wissen. Das Ende wirkt vielleicht etwas zu konstruiert und liefert aber zugleich einige Puzzlestückchen für das Finale mit.

Man darf gespannt sein, wie der letzte Band der Trilogie enden wird. Für diesen komplexen zweiten Band gibt es von mir 4 Sterne.

Bewertung vom 21.05.2021
Österreichs schönste Flussradwege
Brönner, Thorsten

Österreichs schönste Flussradwege


ausgezeichnet

Viele Tipps für den Hobbyradler

Wer sich heuer noch ein E-Bike kaufen möchte, wird nicht mehr die Qual der Wahl haben sondern nehmen müssen, was noch vorhanden ist. Durch den Radfahrboom sind die meisten Elektroräder bereits weg und man muss auch in diesem Jahr noch mit Kondition in die Pedale treten, wenn man die Landschaft vom Drahtesel aus genießen möchte. Ich hatte das Glück, im Februar bereits mein Wunschbike zu erstehen und bin seitdem eifrig unterwegs.

Der Autor Thorsten Brönner ist ein Experte für Radreisen und kann bei den hier vorgestellten Touren aus eigener Erfahrung berichten. Mit dem Buch „Österreichs schönste Flussradwege“ entführt er uns nicht nur in die wunderbare Fluss- und Seenlandschaft in unserer Heimat sondern zeigt auch, auf welche Infrastruktur man trifft (oder eben auch nicht).

Fünfzehn verschiedene Radtouren quer durch Österreich kann man hier entdecken. Dabei trifft man auf Klassiker wie den Donauradweg oder den Neusiedlersee-Radweg, aber auch den Salzkammergut Berge-Seen-eTrail oder den Mozart-Radweg. Welchen man für sich wählt, liegt sicherlich an den eigenen Vorlieben. Doch es ist für jeden etwas dabei – ob man lieber im Flachland radelt oder sich in den Bergen anstrengt.

Bei jeder einzelnen Tour findet man den Schwierigkeitsgrad, die Kilometerangabe, eine Übersichtskarte und diverse Tipps, wie beispielsweise die optimale Reisezeit. Ergänzend findet man auch noch Adressen, Telefonnummern und Internetadressen, wo man weitere Informationen einholen kann. Die jeweilige Tour wird im Ablauf detailliert beschrieben und man erhält noch einige Zusatztipps über Sehenswürdigkeiten oder Möglichkeiten für Zwischenstopps. Über die Unterschiede der E-Bike-Typen erfährt man ebenso einiges wie auch über die richtige Radfahr-Ausrüstung und Packtipps. Super finde ich, dass man auch für alle vorgestellten Touren zum Download sämtliche GPS-Tracks erhält – Link und Passwort sind angeführt.

Für meine Sommerunternehmungen ist dieses Buch eine Bereicherung und wir sind bereits einige Teilabschnitte geradelt. Für eine Mehrtagestour fehlte noch die Zeit, aber das muss ja nicht sein. Man kann sich von den Routen durchaus auch einige Teilstücke herauspicken.

Für alle Hobbyradler eine Empfehlung, gerne vergebe ich 5 Sterne.

Bewertung vom 20.05.2021
Himbeerschnitte und Holundereis
Dünser, Sophia

Himbeerschnitte und Holundereis


ausgezeichnet

Eine Inspirationsquelle für alle Hobbybäcker

Die Autorin Sophia Dünser arbeitet als Lehrerin in Vorarlberg und hat zwei große Leidenschaften in ihrem Leben miteinander verbunden: Biologie und Backen – und so entstand dieses wunderbare Buch, das einfache Rezepte aufzeigt und diese doch so raffiniert rüberkommen lässt.

Gleich nach dem Auspacken des Buches musste ich unbedingt etwas Ausprobieren und so durften sich alle über die Biskuitroulade mit den frischen Erdbeeren freuen. Dann kam Muttertag – ja und was soll ich sagen: Die Erdbeertorte mit dem Biskottenkranz wurde von allen fotografiert und bewundert. Am besten gefällt mir hier, dass der Teig nach dem gleichen Rezept zubereitet wurde und nur die Ausfertigung sowie Fülle variiert. Somit hat man die Grundrezepte gleich im Kopf und muss nicht mehr mühsam Zeile für Zeile nachlesen.

Die Idee des Buches ist perfekt umgesetzt: Zuerst findet sich eine botanische Beschreibung der jeweiligen Frucht, der das Kapitel gewidmet wurde. Danach finden sich die Rezepte. Hier darf man sich nicht nur durch Kuchen- und Tortenrezepte schmökern, sondern findet auch Desserts, einen Aperitif und Sirup, Eis oder Marmelade. Am Schluss finden sich die Grundteige, die für viele der Rezepte Anwendung finden.

Durch die regionale Auswahl findet man die Früchte ziemlich frisch auf dem Wochenmarkt oder erntet vielleicht sogar im eigenen Garten. Denn eines haben die Früchte alle gemeinsam: Sie gedeihen in unseren heimischen Gärten und mussten nicht erst unzählige Kilometer zurücklegen, um in den Regalen der Supermärkte zu landen.

Obwohl ich wirklich schon eine Vielzahl an Backbüchern im Regal stehen habe, finde ich dieses wegen der Schlichtheit einfach genial. Dazu kommt, dass das Buch auch qualitativ hochwertig gestaltet ist, ein praktisches Lesebändchen hat und sich für eigene Notizen auch noch Platz findet.

Das Buch kann ich mit ruhigem Gewissen rundum empfehlen (und habe dies auch im Bekanntenkreis bereits zur Genüge getan). Auf jeden Fall gibt es 5 Sterne dafür.

Bewertung vom 20.05.2021
Pferde fliegen Businessclass
Koens, Olaf

Pferde fliegen Businessclass


sehr gut

Ungewöhnliche Einblicke in eine fremde Welt

Olaf Koens reist als Journalist laufend durch den Nahen Osten und berichtet hauptsächlich über Kriege oder Revolutionen. Er versucht dabei das komplexe Konstrukt dieser Region wiederzugeben. Mit seinem Buch „Pferde fliegen Business-Class“ zeigt er uns zum Teil äußerst skurrile Geschichten rund um die Tierwelt dieser Gegend.

„Je besser ich die Menschen kenne, umso mehr liebe ich die Tiere.“

13 Tiergeschichten laden den Leser ein, den Kopf zu schütteln, zu staunen, zu lachen oder auch mal die Tränen zuzulassen. Beispielsweise begeben wir uns an die Grenze zwischen Katar und Saudi-Arabien. Dort wurden Dromedare von Saudi-Arabien des Landes verwiesen, weil diese ursprünglich aus Katar stammen und anscheinend eine Nationalität haben.

Wir besuchen auch das Abu Dhabi Falcon Hospital – ein supermodernes Krankenhaus für Falken. Doch während man in den Vereinigten Arabischen Emiraten Vögel hegt und pflegt (diese auch im Flugzeug quasi als „Passagier“ transportiert), werden diese im Libanon herzlos getötet wie es scheint. Doch Koens versucht immer sachlich zu hinterfragen und sich kein Urteil anzumaßen. Dieses darf sich der Leser dann dafür erlauben…

Tiere aus Zoos in Aleppo oder dem Gaza-Streifen werden evakuiert, während für Menschen die Grenzen dicht sind. Pferde legen viele Flugstunden zurück, um ein angenehmes Klima zu haben. Vögel werden unter Spionageverdacht gestellt und warten im Gefängnis auf das Urteil. Ein Beluga wird zum Freund und zum Streitpunkt zwischen Nationen. Und was war nun mit dem Zebra-Esel?

Der Autor gibt uns einen spannenden Einblick in eine uns so ferne Welt und zeigt mit seinen Geschichten wie Politik und Gesellschaft nicht nur das Leben der Menschen beeinträchtigen, sondern auch die Tierwelt verwandeln.

Eine ungewöhnliche, aber spannende Lektüre, die sich auf jeden Fall 4 Sterne verdient.

Bewertung vom 16.05.2021
Die Tochter meines Vaters / Bedeutende Frauen, die die Welt verändern Bd.2
Seidel, Romy

Die Tochter meines Vaters / Bedeutende Frauen, die die Welt verändern Bd.2


sehr gut

Berührende Geschichte

Wien 1923: Anna, die jüngste Tochter Sigmund Freuds, überzeugt ihren Vater davon, in der elterlichen Wohnung eine eigene Praxis einzurichten. Sie will sich der Analyse von Kindern widmen und damit einen Schritt in eine neue Richtung aufzeigen. Anfangs von so manchen belächelt, beweist Anna, dass es sich lohnt, an ihren Traum zu glauben und diesen zu verfolgen. Auch wenn ihr so mache Hürde auferlegt wird.

Die Autorin Romy Seidel zeigt uns die enge Verbindung zwischen Anna und ihrem Vater auf. Wir beobachten einen Zeitraum von 1922 bis zur Flucht vor den Nazis und die Anfangsjahre im Londoner Exil. Wir erfahren einiges über ihr anfängliches Interesse für die Psychologie, ihre jungen Patienten und ihre Gründung einer Schule (und später Kinderheime für Waisenkinder). Doch trotz ihrer eigenen Arbeit und ihrer Träume scheint Anna immer das Leben ihres Vaters in den Vordergrund zu rücken und wird von seiner Tochter wie selbstverständlich erst zur Vertrauten und Assistentin und zuletzt zu seiner Pflegerin.

Ungewöhnlich für die damalige Rolle der Frau hat Anna ein Leben mit Mann und Kindern nie für sich in Erwägung gezogen. Sie entscheidet sich für eine ungewöhnliche Beziehung zu ihrer Freundin und Vertrauten Dorothy, die der Zufall mehr oder weniger in ihr Leben katapultiert hat. Mit viel Empathie beschreibt die Autorin diese Beziehung und lässt zwischendurch Raum für eigene Gedanken.

Im Nachwort erfahren wir einige reale Fakten und lesen auch über die Ambitionen der Autorin, warum sie sich Anna Freud als Romanheldin ausgesucht hat. Seidel klärt über die tatsächlichen Ereignisse auf und zeigt auch die Nebenfiguren, die Annas Weg kreuzten – tatsächlich und im Roman.

Der Schreibstil der Autorin ist locker und liest sich flüssig, manche Ereignisse berühren und lassen Spielraum für Interpretationen. Gerne hätte ich noch mehr über die Arbeit Anna Freuds gelesen und werde mir sicherlich noch zusätzliche Literatur suchen.

Wir erhalten hier nur einen kleinen Einblick in das Leben Annas und trotzdem kann man ihre Persönlichkeit gut ausmachen. Die Stärke und Präsenz ihres Vaters prägte auch ihr Leben und ihre Träume. Gerne vergebe ich 4 Sterne

Bewertung vom 13.05.2021
Finsterdorf
Glanninger, Peter

Finsterdorf


ausgezeichnet

Finstere Atmosphäre

Als in einem kleinen niederösterreichischen Dorf eine junge Frau verschwindet und nach einigen Tagen wieder auftaucht, scheint der ganze Ort zu wissen was mit ihr geschehen war. Doch offiziell war sie auf einer Party und ist durch Drogenkonsum wieder verstummt in ihrem Elternhaus aufgetaucht. Was war in diesen Tagen geschehen? Und welche Bedeutung hat der Teufel, von dem das Mädchen nun die ganze Zeit faselt? Als der junge Kriminalbeamte Thomas Radek in diese ländliche Region entsandt wird, um Licht ins Dunkel der Geschehnisse zu bringen, sieht er sich mit einer Mauer des Schweigens durch die Dorfgemeinschaft konfrontiert. Doch „steter Tropfen höhlt den Stein“ und so zeigt Radek durch seine Hartnäckigkeit, dass es in dem Dorf nicht mit rechten Dingen zugehen kann – häufen sich doch Armbrüche und kleinere sowie größere Verletzungen, die anscheinend alle von Freizeitunfällen stammen.

Radek trifft auf ängstliche und verschlossene Bewohner des Dorfes und ahnt, dass mit dem „Baron“ und mächtigen Dorfkaiser so manches nicht zu stimmen scheint. Hat der Baron dermaßen Einfluss auf das Leben im Dorf? Ist es möglich, dass das Dorf zu dessen Hoheitsgebiet erklärt wurde? Mit Radek taucht der Leser in eine düstere, angstgeprägte Atmosphäre ein und folgt den Machtspielchen, die bis in höchste Polizeikreise hineinreichen. Wird es dem jungen Radek gelingen, dieses Netzwerk aufzuklären oder ist er mit seinem jugendlichen Leichtsinn und seinem aufbrausenden Verhalten nicht der Richtige für diesen Job?

Der Autor Peter Glanninger war selbst im Polizeidienst und hat somit sicherlich einen tiefen Einblick, was ihm beim Schreiben seiner Kriminalromane zugutekommt. Er schafft es, Spannung gekonnt aufzubauen, den Spannungsbogen hochzuhalten und spielt mit der Angst und Beklemmung der Dorfgemeinschaft.

Bald weiß man als Leser woher der Wind weht und vermutet was hier im Hintergrund läuft. Und man hofft darauf, dass sich endlich jemand dem Polizisten öffnet und von den Schrecklichkeiten im Dorf erzählt. Doch bis es zur Auflösung kommt, sind noch viele Hürden zu bewältigen und Radek am Suchen nach den Bösen und den Guten, die ihm zu Hilfe kommen könnten. Während des Lesens muss man auch selbst immer wieder reflektieren und tendiert manches Mal in die eine und dann wieder in die andere Richtung.

Auf jeden Fall ein nervenaufreibender Auftakt zu einer neuen Krimireihe, bei dem man mit Spannung auf den Nachfolgeband wartet. 5 Sterne

Bewertung vom 13.05.2021
Die Mutige
Thornton, Stephanie Marie

Die Mutige


ausgezeichnet

Jackie findet ihren Weg …

„Zuallererst bin ich eine Frau“ – und nicht nur die Frau von John F. Kennedy, nicht nur die First Lady an seiner Seite und nicht nur Tochter, Schwester, Freundin oder Mutter.

Jacqueline Bouvier löst gegen den Willen ihrer Familie eine Verlobung und ahnt noch nicht, was das Leben nun für sie bereithält. Jackie trifft auf John F. Kennedy und lässt sich darauf ein, seine Ehefrau zu werden – wohlwissend, dass sie nicht die einzige Frau in seinem Leben sein wird. Die beiden werden zum Symbol des aufstrebenden Amerikas, Jackie unterstützt ihn wo sie nur kann auf seinem Weg an die Spitze der Politik. Sie ist klug, weltoffen, sprachlich begabt und an vielen Themen interessiert. Doch es gibt noch eine andere Jackie – eine, die im Kennedyclan sich erst ihren Status erkämpfen muss, die an der Untreue ihres Mannes leidet und die einige Fehlgeburten ertragen muss. Trotz allem steht sie unermüdlich an Johns Seite, bis zu jenem denkwürdigen Tag in Dallas, an dem sich Jackies Leben noch einmal von Grund auf ändern sollte.

Die Autorin Stephanie Marie Thornton versucht ein Bild von Jackie Kennedy zu zeichnen, das diese als starke, hochintelligente Persönlichkeit zeigt. Für die Welt war sie wohl ein Symbol für Anmut und Stil, mit einer zeitlosen Eleganz. Die Autorin beschreibt in ihren Anmerkungen über ihre Beweggründe, dieses Buch zu schreiben, über ihre Recherchen und über eine Geschichte, die zwischen Fiktion und historischem Kontext eine Ausgewogenheit findet. Thornton klärt über die tatsächlichen Ereignisse auf und wie diese im Buch abgewandelt oder ausgetauscht wurden. Sehr gut getroffen finde ich die damaligen politischen Verhältnisse, die das Leben Jackies zwangsläufig streiften.

Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und bildhaft, so verfliegen die Seiten wie von alleine. Durch den Fokus auf Jackie verblassen die anderen Charaktere beinahe, außer vielleicht Bobby Kennedy und ihr Schwiegervater.

Gut gefallen hat mir die Ausgewogenheit, mit der die Autorin die glücklichen und schicksalhaften Momente aufzeigt. Kein Leben ist nur einfach und mit rosaroten Wolken überzeichnet, andererseits ist kein Leben nur vom Schicksal gebeutelt ohne jeglichen positiven Moment. Hier hat man das Gefühl, dass es Balance vorherrscht und nach Licht wieder Schatten kommt (und umgekehrt).

Eine großartige Geschichte einer mutigen Frau, die sich dem Leben stellte. 5 Sterne