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Benutzername: Sikal
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Bewertungen

Insgesamt 385 Bewertungen
Bewertung vom 17.03.2019
Vermächtnis einer Jugend
Brittain, Vera

Vermächtnis einer Jugend


ausgezeichnet

Einblick in ein Leben, das der Erste Weltkrieg so sehr prägte

Die Schriftstellerin Vera Brittain (1893 – 1970) wurde in Newcastle-under-Lyme geboren. Die Eltern wohlhabend, war es Sohn Edward bestimmt, ein Studium aufzunehmen, während die Tochter den damals üblichen Weg der Heirat einschlagen sollte. Doch Veras Ziele waren anderer Natur: Mit unglaublicher Kraftanstrengung erreicht sie eine Aufnahme im Oxford College und beginnt ein Literaturstudium.

In ihrer Autobiografie „Vermächtnis einer Jugend“, die bereits 1933 erschien, erzählt sie von der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, erzählt von Kriegspropaganda, die die jungen Männer infiziert und zu willigen Soldaten macht, beschreibt den Wandel der Einstellungen im Laufe der schrecklichen Jahre und zeigt, welche Auswirkungen diese furchtbaren Erlebnisse für diese Generation mit sich brachten.

Als begeisterte Studentin scheint sie ihren Platz in Sommerville gefunden zu haben, doch nach dem Ausbruch des Krieges wird für Brittain schnell klar, dass sie unmöglich studieren kann, während ihr Bruder und alle seine Freunde an der Front ihr Leben riskieren. Auch Edwards Freund Roland, in den sich Vera verliebt hatte, zieht mit großem Enthusiasmus in einen Krieg, von dem man sich ein schnelles Ende erhoffte. Wie sollte man bereits 1914 erkennen, dass so viele Jahre bis dahin vergehen und solch große Opferzahlen als Ergebnis präsentiert werden müssen.

Vera unterbricht ihr Studium und meldet sich als Hilfkrankenschwester ebenfalls an die Front, wo sie schnell mit der harten Realität des Krieges konfrontiert wird. Als nacheinander Roland, viele enge Freunde und schließlich auch noch Edward Opfer dieses großen Krieges werden, ist Veras Leben nicht mehr das, was es vorher war.

Die emotionale Belastung und der Druck trotz allem das Beste zu geben, werden in dieser Biografie sehr gut vermittelt. Man bekommt als Leser einen Einblick in unsagbares Leid, furchtbare Qualen der Verwundeten, aber auch in Dinge, wie Überforderung der Helfer und die Belastung für die Zivilbevölkerung, die mit dem Frontgeschehen nur indirekt in Verbindung kommt.

„… Nichts war von Dauer; alle und alles waren ständig auf dem Weg; Freundschaften galten für den Moment, Verabredungen für den Moment, nichts war momenthafter als das Leben selbst.“

Als sie nach dem Kriegsgeschehen wieder Fuß im zivilen Leben fassen soll, hat Vera enorme Schwierigkeiten. Zu sehr ist sie mit den Vorkommnissen der leidgeplagten Jahre verwoben, versinkt immer wieder in ihrer Trauer um geliebte Menschen – vor allem Edward fehlt ihr sehr. Besonders hervorgehoben wird, wie diese Generation versucht, an ein Leben „danach“ anzuknüpfen, welche Probleme zwischen den Gruppen präsent waren, die in den Krieg zogen und solchen, die als Zivilisten durchzukommen versuchten. Ein Verständnis für die jeweils andere Seite war nicht vorhanden.

„Ich bin Kriegsschrott, lebe unbeachtet in einer Welt, die mich nicht will.“

Vera kann erst spät ihr Kriegstrauma aufarbeiten, sie beginnt für den Völkerbund Vorträge zu halten und im Zuge dessen auch nach Deutschland zu reisen. Hier erkennt sie, dass großes Leid auch bei den sogenannten Feinden vorherrschend war und viele Verluste zu beiden Seiten an der Tagesordnung standen.

„Wäre nur das Lied der Vögel laut genug, um den Schrei zu übertönen, der aus der unbeschreiblichen Dummheit der Menschen auf diesem dämlichen Planeten aufsteigt.“

Vera Brittain schreibt nicht nur ihre Geschichte, sondern die einer ganzen Generation. Sie beschreibt den Kampf um die Rechte der Frauen und ihr Engagement für den Frieden. Der Schreibstil ist sehr angenehm und ruhig, trotz der Dramatik der Ereignisse.

Eine interessante Autobiografie über eine beeindruckende Frau, die so vielen unbekannt ist und durchaus etwas mehr Würdigung verträgt. Viele ihrer Aussagen sind auch für die heutige Zeit zu übernehmen und zeigen großen Weitblick.
Ich vergebe dafür gerne 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Bewertung vom 16.03.2019
Echt griechisch!
Patrikiou, Elissavet

Echt griechisch!


ausgezeichnet

Für alle Liebhaber der griechischen Küche

Für so viele ist Griechenland der Ort, an dem man die Seele baumeln lassen kann. Wo man eintaucht in ein anderes Lebensgefühl, weit weg vom Alltag. Und genau dieses Lebensgefühl überträgt sich in die griechische Küche. Wer schätzt es nicht, in einer Taverne zu sitzen und leckeren Saganaki zu genießen – oder gefüllte Auberginen, einen erfrischenden Choriátiki oder die wunderbaren Dolmádes.

Doch Griechenland ist mehr als gutes Essen, Sonne, Sand und klares Wasser. Griechenland punktet durch viele nette Menschen, Ruhe und Gelassenheit – siga, siga …

Elissavet Patrikiou hat in dem Buch „Echt griechisch“ nicht nur Rezepte ihrer Familie gesammelt, sondern erzählt auch Grundsätzliches über die griechischen Speisen, die gerade durch ihre Einfachheit und Raffinesse überzeugen. Ebenso stellt uns die Autorin ihre Familie vor, erzählt u.a. von ihrer Oma, die als keftédes- und Brotkönigin gilt. Sie gibt uns einen Einblick in die griechischen Werte, den Gedanken an Heimat und ein Willkommen-sein.

Ergänzt wird das Buch durch viele atmosphärische Fotos – nicht nur die leckeren Gerichte werden abgebildet, sondern es gibt auch viele Porträts und Schnappschüsse.

Für alle (so wie ich eben auch), die von Griechenland verzaubert sind, die sich ein wenig Urlaubsfeeling nach Hause holen wollen, finde ich das Buch empfehlenswert. Gerne vergebe ich 5 Sterne und freue mich schon wieder auf meinen nächsten Griechenland-Urlaub (der zum Glück nicht mehr in allzu weiter Ferne liegt).

Bewertung vom 16.03.2019
Der Tote im Schnitzelparadies / Ein Fall für Arno Bussi Bd.1
Fischler, Joe

Der Tote im Schnitzelparadies / Ein Fall für Arno Bussi Bd.1


ausgezeichnet

Humorvoller Krimi mit sympathischem Ermittler

Der Autor Joe Fischler ist vermutlich vielen durch seine „Veilchen-Reihe“ bekannt. Für seine neue Krimireihe hat er wieder einen sympathischen Ermittler geschaffen, der mir bald ans Herz gewachsen ist. Ursprünglich genießt Arno Bussi sein Polizistendasein in Wien, seine neue Wohnung und so manche verführerische Frau – doch als er seine Fühler zu sehr nach der Frau des Innenministers ausstreckt und von der Kameraüberwachung in dessen ehelichem Schlafzimmer erwischt wird, ändert sich sein Leben drastisch und seine Träume von einer steilen Karriere sind erstmal ausgeträumt.

Arno wird spontan ins tiefste Tirol versetzt, in den kleinen, versteckten Ort Hinterkitzlingen. Auf seinen ersten Erkundungen findet er nicht nur das weitum bekannte Schnitzelparadies, sondern auch den Kopf des Bürgermeisters der Nachbargemeinde in der Tiefkühltruhe. Als auch noch ein Murenabgang die einzige Zufahrtsstraße ins Tal blockiert, ist Arno auf sich allein gestellt – ganz ohne Spurensicherung oder Verstärkung aus Innsbruck.

Doch Arno meistert sämtliche Herausforderungen mit Bravour, entwickelt sich im Laufe der Geschichte noch und – wie könnte es anders sein – kommt dem Täter durch das Zusammenfügen kleinster Teilchen auf die Spur.

Joe Fischler hat mit Arno Bussi einen Protagonisten geschaffen, der in Fortsetzungen weiter ausbaufähig ist – noch fehlt ihm eine gewisse Reife, lässt sich von seiner eigentlichen Ermittlungstätigkeit gerne ablenken und kann einer schönen Frau nicht lange widerstehen. Die übrigen Charaktere in diesem ersten Fall sind sehr geheimnisvoll, vieles scheint in diesem Tiroler Tal nicht ganz legal abzulaufen … Einen spielsüchtigen Pfarrer findet man ebenso, wie die (schein)-heilige Pfarrersköchin oder den durchtriebenen Bürgermeister. Und was hat die Schnitzelwirtin zu verbergen?

Der Schreibstil ist sehr flüssig und angenehm leicht zu lesen. Viele humorvolle Dialoge und überraschende Wendungen machen das Lesen zu einem Vergnügen. Der Spannungsbogen steigt gemächlich und wird bis zum Ende durchgehend hoch gehalten, bevor die Geschichte in einem temporeichen Finale endet.

Eine spannende neue Krimireihe mit einem sympathischen Ermittler, dem man noch einige neue Fälle wünschen darf (und dem Leser natürlich auch). Dafür gibt es auch 5 Sterne.

Bewertung vom 16.03.2019
Die Zeugen
Pavicic, Jurica

Die Zeugen


gut

Explosive Stimmung

Da mich das Thema rund um den Balkankrieg in den 90ern sehr interessiert, wollte ich dieses Buch lesen. Der Krieg wird in die Geschichte eingewoben, die Schauplätze und die Stimmung sind allgegenwärtig. Gleich zu Beginn begleiten wir einer Gruppe junger Männer, die sich durch ein Minenfeld tasten. Jeder Schritt kann tödlich sein – die spannungsgeladene Atmosphäre überträgt sich auf den Leser und lässt eine hochinteressante Geschichte vermuten. Als Kreso auf eine Mine tritt und einer seiner Freunde getötet wird, entwickelt sich ihr Leben in eine völlig neue Richtung. Der Auslöser für viele weitere Ereignisse sind die schrecklichen Erfahrungen an der Front, von denen man immer wieder zwischendurch erfährt.

Als sie einen reichen serbischen Unternehmer in seiner Villa erschießen und dessen Tochter als Geisel nehmen, ahnen sie noch nicht, welche Verwirrungen sie dadurch heraufbeschwören. Doch was sie nun mit dem Mädchen machen wollen, bleibt fürs erste unklar.

Doch diese Episode ist eher zweitrangig. Vordergründig geht es um die junge Generation in diesem Bürgerkrieg, von der die Menschen überfordert sind. Einerseits sind sie gezwungen an der Front ohne Emotion zu töten, andererseits sollen sie im Wochen-Rhythmus ein Privatleben führen. Eine schwierige Situation, mit der die Menschen nicht umgehen können (wie sollte das auch funktionieren). Einerseits wird gemordet – quasi im Auftrag des Vaterlandes – andererseits werden sie für den Mord an dem Unternehmer verfolgt… Diese Doppelmoral zieht sich durch die Geschichte.

Wichtig finde ich, dass herausgekehrt wird, wie es sich mit Ethik und Moral in Krisenzeiten verhält. Schnell werden Werte zur Seite gekehrt, Selbstjustiz tritt in den Vordergrund, während Recht und Gesetz nicht mehr so wichtig scheinen. Der Familienzusammenhalt wird hoch gehalten, auch über ein Verbrechen hinweg.

Sehr gut dargestellt finde ich die Verrohung der Menschen, wie schnell hier ohne mit der Wimper zu zucken über Leben oder Tod entschieden wird, wie sich jeder in ein explosives Pulverfass verwandelt – jederzeit bereit zum Ausbruch zu kommen.

Das Buch ist für mich kein Krimi oder Thriller, was es eigentlich sein sollte. Es handelt sich eher um einen zeitgeschichtlichen Roman, der ein Sittenbild dieser Kriegsgeneration zeigt. Leider konnte mich die Geschichte nicht ganz erreichen, die Charaktere waren zu oberflächlich ausgearbeitet (vielleicht ja so gewollt), so kann man auch während des Lesens keine Sympathie für irgendjemanden entwickeln. Im Großen und Ganzen zu flach, die Geschichte hätte mehr Potenzial. Daher gibt es von mir auch nur 3 Sterne.

Bewertung vom 10.03.2019
Die Verwirrungen des Meerschweinchens C.
Cornelisse, Paulien

Die Verwirrungen des Meerschweinchens C.


weniger gut

Leider nicht meins

Die Autorin Paulien Cornelisse ist in den Niederlanden durch Kabarettauftritte und Kolumnen sowie durch ihre Bücher einem großen Publikum bekannt, erhielt einige Auszeichnung für ihre Tätigkeiten.

Mit ihrer Satire über den Büroalltag, in der sie das Meerschweinchen Cavia als Protagonisten auftreten lässt, sollen treffsichere Anekdoten aus dem Büroleben porträtiert werden. Cavia ist wirklich ein sympathisches Meerschweinchen und hat in einem Großraumbüro alle Hände voll zu tun – immerhin arbeitet sie in der Kommunikationsabteilung, recherchiert mehr oder minder brauchbare Dinge im Internet, tratscht mit den Kollegen, trinkt gerne Kaffee, was ihr nicht immer bekommt, und vieles mehr.

In 103 Episoden erzählt die Autorin vom bewegten Büroleben, teilweise musste ich schmunzeln, doch so ganz hat mich der Humor nicht getroffen. Einige Ereignisse kennt man sicherlich aus dem eigenen Büroalltag, doch diese Satire war mir trotz allem zu banal. Ich hätte mir hier tiefsinnige Comedy erwartet – Humor über den man sich noch lange Gedanken macht, weil ein Körnchen Wahrheit darin steckt.

Leider nicht mein Ding, daher auch nur 2 Sterne (die gibt es dafür, weil mir Cavia wirklich sympathisch war).

Bewertung vom 10.03.2019
Herbert Grönemeyer
Wellinghaus, Max

Herbert Grönemeyer


sehr gut

60 Jahre Leben – so, wie es ist, ist es gut

Er ist wohl einer der größten Musiker Deutschlands – und das, obwohl kaum einer auf Anhieb seine Texte versteht. Grönemeyer zu hören bedeutet Arbeit, Zeit mit ihm zu verbringen, vor allem das herauszuhören, was zwischen den Zeilen steht, was nicht gesagt wird. Oftmals sind seine Lieder voller Wut, voller Traurigkeit, voller Hoffnung. Er erzählt Geschichten, die berühren oder denen man zustimmt.

Obwohl er sein Privatleben zum Großteil von der Öffentlichkeit fernhält, überträgt er einen Teil dessen in seine Lieder – doch immer nur so viel, wie es für ihn gerade passt. Und keinesfalls erzählt er, was die Menschen (und das Management) von ihm erwarten. Vielleicht ist er stur, vielleicht auch einfach ehrlich – auf jeden Fall passt er in keine Schiene und geht seinen eigenen Weg.

Max Wellinghaus versucht in dieser Biografie vor allem den Menschen Grönemeyer in den Fokus zu stellen und herauszufinden, warum er solch tiefe Gefühle hegt, die oft unerwartet wie bei einem Vulkan zum Ausbruch kommen. Und dies ist ihm ganz gut gelungen.

Der Autor skizziert den Künstler und Menschen Grönemeyer in fünf Kapiteln: Herbert, Musik, Familie, Sein zweites Leben und 60 Jahre.

Am Anfang liest man über Herberts schwierigen Start, seine Heimat, seine Liebe zur Musik und auch über seine ersten Erfolge, die er mit der Hymne „Bochum“ feiert. Danach wird seine unverwechselbare Musik behandelt, das Herzblut, welches in den Songs steckt, hervorgekehrt. Seine Liebe zum Fußball steht ebenso im Fokus wie die anstrengenden Tourneen quer durch Europa.

Im Kapitel „Familie“ erfährt man einiges über die glücklichen Zeiten, seine Liebe zur Familie, die Verbundenheit mit seiner Frau Anna. Aber man liest auch über das tiefe Loch, in das er 1998 fällt, als innerhalb weniger Tage sein Bruder Wilhelm und seine geliebte Anna sterben. Die Trauerphase dauert einige Zeit, bis Grönemeyer wieder Hoffnung in sein Leben lassen kann und „Sein zweites Leben“ beginnt. Mit welcher Tiefe er nunmehr dieses Leben lebt, zeigt sich immer wieder in seinen Liedern.

„Aber viel wichtiger als der Erfolg ist die Erkenntnis, dass Herbert Grönemeyer mit sich und der Welt seinen Frieden gemacht hat. Wenn er mit diesem Album [Dauernd Jetzt] singt, dass das Leben gut zu ihm ist, glaubt man ihm das.“
Dass der Autor sich ausschließlich auf Sekundärquellen bezieht, ist etwas irritierend. Ein Interview mit dem Künstler oder mit seinem sozialen Umfeld hätte ich mir schon auch erwartet. Dafür gibt es einen Punkteabzug.

Nichtsdestotrotz habe ich die Biografie über diesen großartigen Musiker sehr gerne gelesen und bin gespannt, welche Lieder wir noch erwarten dürfen – Lieder voller Mut, Authentizität, Hoffnung und Zuversicht, aber auch voller Zorn, Reflexion und Engagement für Dinge, die ihm wichtig sind. Gerne vergebe ich 4 Sterne für diese Biografie.

Bewertung vom 09.03.2019
La Cuisine de Paris
Dusoulier, Clotilde

La Cuisine de Paris


ausgezeichnet

Kulinarische Besonderheiten genussvoll kredenzt

Paris ist eine wunderbare Stadt und immer mal wieder einen Besuch wert. Dieses Buch gibt nicht nur einen Einblick in die genussvolle Pariser Küche, sondern zeigt ein Lebensgefühl auf. Die Autorin Clotilde Dusoulier erzählt über ihr Paris, ihre Eindrücke und die Faszination, die diese Stadt ausübt.

Zu jeder Tageszeit werden besondere Speisen kredenzt. Das Buch bietet hier einen guten Überblick vom Morgen bis spät in die Nacht, zeigt Zutaten und Zubereitung auf, aber auch interessante Varianten.

Wie könnte nun ein spezieller kulinarischer Tag in Paris aussehen? Den Morgen beginnt man am besten mit einem Brioche oder Croissant, ergänzt mit einem Café au Lait, bevor man sich aufmacht, um am Markt (Le Marché) die frischen Zutaten für das Mittagessen zu besorgen. Zu Mittag genießt man beispielsweise eine klassische Quiche Lorraine oder Croque Madame bevor man sich am Nachmittag ein Schokoladen-Macaron gönnt und dann am frühen Abend einen Aperitif einnimmt – beispielsweise eine Grüne Wespe. Am Abend verwöhnt man sich eventuell mit einem Rinderfilet im Teigmantel oder einer Forelle mit Zucchini und Mandelcreme, bevor man sich spät in der Nacht noch zu einer Zwiebelsuppe hinreißen lässt. Also Kalorienzählen oder etwaige Diätgedanken lässt man am besten gleich zu Hause…

Die Autorin erzählt uns aber auch über Traditionen und Vorlieben, hat einige Anekdoten parat und macht wirklich Lust auf die nächste Reise nach Frankreich. Vom Brotbäcker in dritter Generation erzählt sie ebenso wie vom besten Baguette der Stadt, wofür es sogar einen jährlichen Wettbewerb gibt.

Ergänzt wird dieses großartige Buch durch viele ansprechende Bilder – nicht nur von den Gerichten selbst, sondern auch von Paris und den Menschen, die dort Tag für Tag dafür sorgen, dass Genuss und Lebensfreude hoch gehalten werden.

Bei unserer nächsten Reise werden wir bestimmt den ein oder anderen Restauranttipp aus diesem Buch einfließen lassen oder Cafés besuchen, die wir noch nicht kennen. Bis dahin bleibt mir, in diesem Buch zu schmökern und mich wieder auf Paris zu freuen. 5 Sterne

Bewertung vom 09.03.2019
Der Herr der Raben
Skaife, Christopher

Der Herr der Raben


ausgezeichnet

Die Raben des London Tower werden mit viel Liebe betreut

Christopher Skaife hat einen wohl einzigartigen Beruf: Er ist Ravenmaster im Tower of London. In seiner Funktion ist er dafür verantwortlich, dass es den Raben gut geht. Eine Legende besagt, dass das Königreich fallen wird, wenn die Raben den Tower verlassen. Der Ravenmaster sorgt dafür, dass eine solche Katastrophe nicht eintritt.

In diesem Buch erzählt er seine Geschichte, wie er aufgewachsen ist, welche Ausbildung er absolvierte, wie es dazu kam, dass er nun diesen faszinierenden Beruf ausübt. Aber er erzählt auch viel Geschichtliches, vieles über Raben im Allgemeinen, über die Besucher des Tower und einiges mehr.

Skaife gelingt es, mit seiner Begeisterung und seinem Respekt, beim Leser ein besonderes Interesse zu wecken und auch die angeführten Literaturempfehlungen klingen hochinteressant.

Als Ravenmaster hat er nicht nur die Aufgabe, die Raben vor Füchsen und anderen Gefahren zu beschützen, er entwickelt besondere Futter-Zusammensetzungen (beispielsweise blutgetränkte Hundekekse), spielt mit ihnen, prüft die Gesundheit oder muss mit ihnen zum Tierarzt. Ebenfalls muss er die Raben täglich aus ihren Schlafunterkünften holen und sie auch wieder zu Bett bringen – was nicht immer so einfach ist, wie Skaife hier erzählt. Besonders zu beachten gilt die Rangordnung, wenn diese durcheinander gerät, kann ganz schnell Chaos ausbrechen. Denn eines mögen die intelligenten Raben ganz und gar nicht: Wenn sich am gewohnten Ablauf etwas ändert.

Christopher Skaifes Leben (und das seiner Familie) dreht sich im Großen und Ganzen um die Raben, die Familie lebt auch am Gelände des Tower. Skaife verschlingt Unmengen von Büchern und eignet sich dadurch ein enormes Wissen an, erwähnt aber immer wieder, dass er kein Biologe ist und dieses Buch auch keine naturwissenschaftliche Abhandlung sei. Das ist auch gut so, denn ansonsten wäre es bestimmt nicht so unterhaltsam. Trotzdem (oder vielleicht gerade deshalb) ist es eine wunderbare Hommage über diese Tiere, die mit vollem Respekt und großer Wertschätzung behandelt werden, wenngleich sie es auch verstehen, wenn es Strafen gibt, weil sie sich vielleicht nicht ganz korrekt verhalten haben.

Ganz besonders finde ich auch die Paarbeziehungen der Raben, mit welcher Schlitzohrigkeit sie ihren Ravenmaster austricksen und welche Vorlieben jeder einzelne von ihnen im Laufe der Zeit entwickelt.

Ein herrliches Buch für alle, die über diesen faszinierenden Job mehr wissen wollen und vielleicht schon mal im Tower waren ohne genauer auf den Ravenmaster zu achten. Beim nächsten Besuch wird man sich ziemlich sicher das ein oder andere Schmunzeln nicht verkneifen können, wenn man einige Anekdoten noch im Kopf hat. Ich habe das Buch sehr gerne und in einem Rutsch gelesen und vergebe für Chris und seine Raben natürlich 5 Sterne.

Bewertung vom 08.03.2019
Legendäre Katzen und ihre Menschen
Reinecke, Heike; Schlieper, Andreas

Legendäre Katzen und ihre Menschen


ausgezeichnet

Interessante Einblicke in die Beziehung zwischen Katze und Mensch

Immer mehr Menschen leben mit Katzen zusammen, eine Beziehung, die sehr vielfältig sein kann. In diesem Buch werden berühmte Persönlichkeiten quer durch die Jahrhunderte vorgestellt, die eine besondere Affinität zu Katzen aufbauten. Obwohl Katzen weder für Wachtätigkeiten gebraucht werden können noch sonstige herausragende Fähigkeiten an den Tag legen, waren sie sein jeher beliebt.

Jedes Kapitel wird durch ein Bild der vorgestellten Persönlichkeit, auf dem man meistens auch die Katze sieht, eingeleitet. Es folgt eine Kurzvorstellung der Protagonisten, man erfährt einiges aus dem Leben mit und ohne Katze - auch einige Male, wodurch diese Katzenleidenschaft geprägt wurde. Man begegnet beispielsweise Haruki Murakami, der den Katzen einen wichtigen Part in seinen Büchern einräumt. Oder auch Winston Churchill, dessen Katze als „The Chief Mouser to the Cabinet Office“ in offizieller Mission in der Downing Street fungierte. Weitere Katzenliebhaben, wie Freddy Mercury, Franz Marc, Frida Kahlo, O.W. Fischer, Truman Capote und viele mehr werden hier vorgestellt. Die Geschichten sind zum Teil unterhaltsam, teilweise skurril. Erstaunlich, welchen Trotz so manches Tier an den Tag legt – aber auch einige Katzenfreunde sind ihrem Lieblingstier näher als ihnen vielleicht lieb ist.

Die Autorin Heike Reinecke befasst sich mit der Gesundheitspolitik, während der Autor Andreas Schlieper Sachbücher veröffentlicht. Gemeinsam kreieren die beiden auch Kriminalgeschichten.

Das Buch bietet sehr interessante Einblicke und ist ein nettes Mitbringsel für Katzenliebhaber. Gerne vergebe ich 5 Sterne.

Bewertung vom 08.03.2019
Letzter Stollen
Dutzler, Herbert

Letzter Stollen


ausgezeichnet

Gasperlmaier ermittelt wieder

Was ist nur mit dem Gasperlmaier los? Wer den bekannt grantigen und phlegmatischen Polizisten sucht, sucht vergebens.

Der Gasperlmaier hat sich verändert – nicht unbedingt zu seinem Schlechteren – fast als agil könnte man ihn in diesem Fall bezeichnen. Woran das liegen mag? Vielleicht an seinem sich in letzter Zeit stark verändertem Umfeld. Sein Freund Friedrich betreibt seit seiner Pensionierung täglich Sport und findet das auch noch gut, findet er doch kaum noch Zeit mit Gasperlmaier im Stammwirtshaus die eine oder andere Halbe zu vernichten. Und die restliche Umgebung wird immer mehr und mehr feminin – die Frau Doktor natürlich, seine neue Kollegin natürlich, seine Frau und jetzt auch noch die Schwiegertochter. Und alle sind ihm scheinbar immer einen Schritt voraus – da heißt es für Gasperlmaier nicht nur schritthalten, sondern schneller zu sein und alle anderen einzuhalten.

So staunt die Frau Doktor nicht schlecht, wenn Gasperlmaier immer wieder die Offensive ergreift und sich mehr als bisher einbringt. Ihm selbst ist aber nicht immer ganz wohl bei der Sache …

Bei welcher Sache? Ach ja – ein Tourist wird nach einer Führung durch einen der Stollen des Salzbergwerkes vermisst – oder zumindest ein Schutzanzug, den die Touristen bei den Führungen durch den Stollen tragen.

Auf Drängen der Angestellten des Bergwerkes beginnt Gasperlmaier mit der Suche nach dem Anzug. Oder doch nach einem Vermissten? Schnell wird klar, dass sich hinter der Angelegenheit mehr verbirgt. Ob jedoch tatsächlich Mächte aus der Unterwelt am Verschwinden mehrerer Touristen beteiligt sind, wagt der ausgeschlafene Polizist zu bezweifeln.

Gasperlmaier ist in seinem „Letzten Stollen“ in eine Rolle gedrängt, die er so ganz und gar nicht gewohnt ist – er wird zum „Macher“, nachdem selbst die Frau Doktor sich immer wieder zurückzieht. Selbst als diese ihm mit ihren privaten Problemen kommt, meistert er die Situation – vielleicht nicht bravourös aber immerhin so, dass es für beide nicht peinlich ausfällt.

Dem Autor Herbert Dutzler ist mit „Letzter Stollen“ wieder ein amüsanter und kurzweiliger Krimi gelungen, der den Leser in die unterirdischen Welten der Salzbergwerke im Salzkammergut entführt. Dass seinem Protagonisten Gasperlmaier eine so ganz und gar ungewohnte Rolle zukommt, macht das Ganze nur interessanter. Als Leser stellt sich so immer wieder die Frage, wie wird er damit umgehen – oder wir es ihm überhaupt gelingen, Herr der Lage zu werden?

Soweit man den beharrlichen Polizisten kennt, weiß man, dass es von vorherein klar ist, dass er auch diesen Fall lösen wird – auf seine ganz persönliche Art natürlich. Somit lässt er sich letztendlich doch noch finden – der Gasperlmaier, liebenswürdig wie seine Leser ihn kennen. 5 Sterne sind ihm wieder einmal gewiss.