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161 Kundenbewertungen

Thilo Sarrazin beschreibt mit seiner profunden Erfahrung aus Politik und Verwaltung die Folgen, die sich für Deutschlands Zukunft aus der Kombination von Geburtenrückgang, problematischer Zuwanderung und wachsender Unterschicht ergeben. Er will sich nicht damit abfinden, dass Deutschland nicht nur älter und kleiner, sondern auch dümmer und abhängiger von staatlichen Zahlungen wird. Sarrazin sieht genau hin, seine Analyse schont niemanden. Er zeigt ganz konkret, wie wir die Grundlagen unseres Wohlstands untergraben und so den sozialen Frieden und eine stabile Gesellschaft aufs Spiel setzen.…mehr

Produktbeschreibung
Thilo Sarrazin beschreibt mit seiner profunden Erfahrung aus Politik und Verwaltung die Folgen, die sich für Deutschlands Zukunft aus der Kombination von Geburtenrückgang, problematischer Zuwanderung und wachsender Unterschicht ergeben. Er will sich nicht damit abfinden, dass Deutschland nicht nur älter und kleiner, sondern auch dümmer und abhängiger von staatlichen Zahlungen wird. Sarrazin sieht genau hin, seine Analyse schont niemanden. Er zeigt ganz konkret, wie wir die Grundlagen unseres Wohlstands untergraben und so den sozialen Frieden und eine stabile Gesellschaft aufs Spiel setzen. Deutschland läuft Gefahr, in einen Alptraum zu schlittern. Dass das so ist, weshalb das so ist und was man dagegen tun kann, davon handelt dieses Buch.

Mit aktuellem Vorwort.

  • Produktdetails
  • Verlag: Dva
  • 9. Aufl.
  • Seitenzahl: 512
  • 2012
  • Ausstattung/Bilder: 512 S.
  • Deutsch
  • Abmessung: 216mm x 136mm x 42mm
  • Gewicht: 617g
  • ISBN-13: 9783421045454
  • ISBN-10: 3421045453
  • Best.Nr.: 33866328
Autorenporträt
Thilo Sarrazin, 1945 geboren, ist einer der profiliertesten politischen Köpfe der Republik. Seine fachliche Kompetenz in Finanzfragen gepaart mit dem Mut, unbequeme Wahrheiten auszusprechen, hat ihn in viele wichtige Ämter gebracht. Als Fachökonom war er Spitzenbeamter und Politiker, er war verantwortlich für Konzeption und Durchführung der deutschen Währungsunion, beaufsichtigte die Treuhandanstalt und saß im Vorstand der Deutschen Bahn Netz AG. Von 2002 bis 2009 war er Finanzsenator in Berlin, anschließend eineinhalb Jahre Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank.
Rezensionen
Besprechung von 05.01.2012
Sarrazin kann
nicht anders
Thilo Sarrazin hat nichts zurückzunehmen. Das erklärt er, wieder einmal, im Vorwort zur Paperback-Ausgabe seines einwanderungskritischen und bevölkerungspolitischen Bestsellers „Deutschland schafft sich ab“. Das neue Vorwort, aus dem wegen einer exklusiven Verabredung mit einer anderen Zeitung noch nicht wörtlich zitiert werden darf, führt schmerzlich vor Augen, ein wie tragischer Fall Sarrazin ist: Eigentlich ist/war er einer der intelligentesten Politiker des Landes – das scheint etwa in seiner Auseinandersetzung mit Kritikern wie Patrick Bahners auf. Aber er hat sich – ausgehend vom nicht falschen Anliegen „Integration durch Bildung“ – in Rechthaberei und, an eine unheilvolle sozialdemokratische Tradition anknüpfend, in sozialstatistischer Eugenik verrannt. Die Taschenbuchausgabe kommt in den nächsten Tagen in die Buchläden.
Johan Schloemann
Thilo Sarrazin:Deutschland schafft sich ab. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2012.
512 Seiten, 14,99 Euro.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Eine Dienstleistung der DIZ München GmbH

Perlentaucher-Notiz zur FR-Rezension

Was einen bei Thilo Sarrazin erwartet, ist Rezensent Arno Widmann bekannt. Er nimmt sich vor, sich nicht provozieren zu lassen. Doch das scheint bei Sarrazins Buch "Deutschland schafft sich ab" nicht so leicht zu sein, zumal sich die einschlägigen Thesen (wie zum Beispiel die dummen Muslime ruinieren Deutschland) nicht konzentriert auf einer Stelle finden, sondern im ganzen Buch verteilt sind, so Widmann. Er diagnostiziert bei Sarrazin sogar manische Züge, er spricht insbesondere vom "Wahn von der eigenen Überlegenheit", dem der Autor nach seiner Einschätzung völlig erlegen ist. Das Buch ermöglicht Widmann zudem interessante Einblicke, wie Sarrazin tickt. Man könne ihm gleichsam beim Denken zusehen, dabei beobachten, wie dieses Denken in Wahn umkippe, um schließlich mitzuverfolgen, wie der Wahn Statistiken heranziehe um sich wieder den Anstrich von Vernunft zu geben. Sein Fazit: "Sarrazin ist ein Fall nicht nur für die Justiz".

© Perlentaucher Medien GmbH
Besprechung von 26.08.2010
So wird Deutschland dumm

Thilo Sarrazin hat ein antimuslimisches Dossier verfasst. Das Buch erscheint am Montag und will elementare Lebenszusammenhänge auf den Punkt bringen. Der Punkt ist die Allmacht der Genetik.

Ist es eine gute Idee, den Bundesbanker Thilo Sarrazin zum Testfall der Meinungsfreiheit in Deutschland zu machen? Es ist keine gute Idee, weil noch niemand Thilo Sarrazin daran gehindert hat, "kein Blatt vor den Mund zu nehmen" (Sarrazin). Der Vorstand der Deutschen Bundesbank, Sozialdemokrat, früherer Berliner Finanzsenator, veröffentlicht seitenlange Interviews und legt nächste Woche unter dem Titel "Deutschland schafft sich ab" ein dickes Buch zur Rettung unseres Landes vor. Niemand unterbindet dies. Dass Sigmar Gabriel seinem Parteigenossen indirekt den Austritt aus der SPD nahelegte, weil er in seinem Buch rassistisch argumentiere, ist gerade kein Maulkorb. Es ist die Artikulation eines Befremdens über Sarrazins "gewalttätige Aussagen" (Gabriel), die an die Substanz der Partei rühren. Gabriel inszeniert ja kein Parteiausschlussverfahren, sondern nimmt die Partei vor ihrem Mitglied in Schutz: "Wenn Sie mich fragen, warum der noch bei uns Mitglied sein will - das weiß ich auch nicht."

Sarrazins Marktwert würde schlagartig in den Keller fallen, wenn er selbst aus der SPD austräte oder als Vorstand der Bundesbank zurückträte. Umgekehrt würde sein Marktwert rapide steigen, wenn er aus Bank und Partei herausgeworfen würde. Diesen Gefallen tun ihm weder Bundesbank-Chef Weber, der sich in der Sache ebenfalls scharf distanzierte, noch SPD-Chef Gabriel.

Damit steht die Geschäftsgrundlage für Sarrazins Thesenbau. Erstens: Das SPD-Mitglied Sarrazin warnt vor den Ausländern. Zweitens: Der Bundesbanker Sarrazin belehrt unsere Gesellschaft über die genetischen Grundlagen der Intelligenz. Was so viel wie drittens bedeutet: "Eine Person des öffentlichen Lebens bringt elementare Lebenszusammenhänge knapp und klar auf den Punkt" (Sarrazin). Tatsächlich ist das Elementare bei Sarrazin das Biologische. Kulturell ist bei ihm ein Deckwort für genetisch. Hat man dies begriffen, liest man Sarrazins Sorge um die "kulturelle Identität", die "kulturelle Substanz" und den "Volkscharakter" Deutschlands mit anderen, den richtigen biologischen Augen. Obwohl halb verschwiegen, tritt die These in seinem Buch klar hervor: Die islamische Immigration nach Deutschland muss gestoppt werden - und zwar aus "letztlich" genetischen Gründen.

Mit anderen Worten: "Wir" (als ethnisches Pluralsubjekt) werden auf natürliche Weise immer dümmer, weil ausgerechnet die kognitiv minderbemittelten Muslime in unserem Land die meisten Kinder zeugen. "Die kulturelle Fremdheit muslimischer Migranten könnte relativiert werden, wenn diese Migranten ein besonderes qualifikatorisches oder intellektuelles Potential verhießen. Das ist aber nicht erkennbar. Anzeichen gibt es eher für das Gegenteil, und es ist keineswegs ausgemacht, dass dies ausschließlich an der durchweg bildungsfernen Herkunft liegt. So spielen bei Migranten aus dem Nahen Osten auch genetische Belastungen - bedingt durch die dort übliche Heirat zwischen Verwandten - eine erhebliche Rolle und sorgen für einen überdurchschnittlich hohen Anteil an verschiedenen Erbkrankheiten."

Neben der Genetik führt Sarrazin auch die andere harte Währung, das Geld, gegen die Muslime ins Feld: "Wirtschaftlich brauchen wir die muslimische Migration in Europa nicht." Er tut dies mit dem Gestus des klinischen Aufkläreres, im gefühlten Stil der neuen Sachlichkeit: "direkt und schnörkellos", einer gegen die Heerscharen der "gutmenschelnden Liberalen". "Es geht mir vor allem um Klarheit und Genauigkeit, die Zeichnung ist daher kräftig, nicht unentschlossen oder krakelig. Ich habe darauf verzichtet, heikel erscheinende Sachverhalte mit Wortgirlanden zu umkränzen, mich jedoch um Sachlichkeit bemüht - die Ergebnisse sind anstößig genug."

Nach Angaben des Internationalen Literaturfestivals Berlin haben Thilo Sarrazin und sein Verlag einen kritischen Gesprächspartner auf dem Podium einer im Haus der Kulturen der Welt geplanten Buchvorstellung abgelehnt. "Das können wir nicht tolerieren", erklärt Bernd Scherer, Intendant des Hauses. "Die von uns gewünschte Form der Auseinandersetzung wird dadurch konterkariert. Bleibt es bei dieser Haltung von Thilo Sarrazin und des Verlages, wird die Veranstaltung bei uns nicht stattfinden."

Das Buch wird dadurch eher noch mehr Interesse auf sich ziehen. Ausführlich und mit entschieden antimuslimischer Pointe referiert Sarrazin darin die soziobiologischen Annahmen über die genetischen Grundlagen der Intelligenz. Im Blick auf die überdurchschnittliche Fertilitätsrate in muslimischen Familien ruft der Autor die Soziobiologie als seine Referenzwissenschaft auf, welche "der menschlichen Entwicklung letztlich den Prozess der natürlichen Selektion zugrunde (legt): Das Erbgut jener verbreitet sich, die am besten überleben und sich am meisten vermehren. Da die Überlebenschancen in der modernen Gesellschaft identisch sind, verbreiten sich die Gene jener am meisten, die die höchste Fruchtbarkeit haben." Naturgemäß hat da die Politik ihre Chance verspielt.

Das ganze Buch liest sich wie ein antimuslimisches Dossier auf genetischer Grundlage. Wie ein verdeckt operierender Detektiv versucht Sarrazin, aus "elementarer Sicht" belastendes Material gegen Türken, Afrikaner und Araber zusammenzustellen. Um den Leser für die Genetik der Intelligenz zu gewinnen, legt Sarrazin die jüdischen Ursprünge der Intelligenzforschung und deren Verbot durch die Nazis dar. "Ich bin auf die deutsch-jüdischen Ursprünge der Intelligenzforschung etwas näher eingegangen, weil die Diskussion der genetischen Komponente von Intelligenz häufig auf große emotionale Widerstände stößt." Der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan Kramer, hat Sarrazin unterdessen nahelegt, zur NPD zu wechseln.

Jedes Kapitel bietet eine weitere Facette des biologistischen Panoptikums. "Das Problem ist nicht, dass die Zahl der Nachfahren von Menschen mit hoher Bildung von Generation zu Generation schrumpft", schreibt Sarrazin. "Das wäre nicht so wichtig, wenn alle Menschen gleich begabt wären, dann wäre Bildung nämlich eine reine Erziehungsfrage. Da Bildungsgrad und erbliche Intelligenz aber in einem befruchtenden Zusammenhang stehen, muss es mit der Zeit abträglich für das intellektuelle Potential der Bevölkerung sein, wenn Menschen mit hohem Bildungsgrad andauernd eine unterdurchschnittliche und Menschen mit niedrigem Bildungsgrad andauernd eine überdurchschnittliche Fertilität haben." Hüsnü Özkanli, der Vorstandsvorsitzende der Türkisch-Deutschen Unternehmervereinigung, trifft den genetischen Punkt, wenn er einwendet: "Wir tragen zum deutschen Wirtschaftssystem bei, indem wir Ausbildungs- und Arbeitsplätze schaffen, unsere Jugend studiert. Was sollen wir sonst noch machen, um unseren Integrationswillen zu demonstrieren? Uns die Haare blond färben?"

Für den um die genetische Qualität der Gesamtgesellschaft besorgten Autor indessen führt kein Weg am Einwanderungsstopp für die fertilitätsfreudigen Muslime vorbei: "Die einzig sinnvolle Handlungsperspektive kann nur sein, weitere Zuwanderung aus dem Nahen und Mittleren Osten sowie aus Afrika generell zu unterbinden. Dies erfordert freilich auch, dem hohen und in Zukunft wohl noch wachsenden Einwanderungsdruck mit Energie entgegenzutreten."

Damit erübrigen sich alle Überlegungen zu einer kontrollierten Einwanderungspolitik, sofern sie Muslime betrifft. Sarrazin hat sie aus genetischen Gründen storniert, bevor sie losgehen kann. Wie hatte er im "Lettre"-Interview im Herbst letzten Jahres zu Protokoll gegeben? Araber und Türken, die keine andere produktive Funktion außer dem Gemüsehandel hätten oder gar von Hartz IV und Transfereinkommen lebten, müssten sich "auswachsen". Im Kontext des Buches wird das Verb "auswachsen" zur Chiffre für die biologische Lösung der Integration. Ungläubig fragte der Interviewer seinerzeit nach: "Wenn Sie sagen ,auswachsen', meinen Sie damit, dass die Leute sterben und sich diese Schicht nicht wieder neu generiert durch Kinder, Enkel und so weiter?" Sarrazins Antwort: "Niels Bohr hat gesagt, er hat noch nie jemanden kennengelernt, der seine wissenschaftliche Meinung geändert hat. Wissenschaftliche Meinungen sind immer nur ausgestorben. Und das ist auch sonst so." Der Leser versteht: Muslime in unserem Land lassen sich nur integrieren, sofern sie aussterben.

Niemand hindert den Autor Thilo Sarrazin an der Propagierung seiner Thesen. Was nichts daran ändert, dass diesem biologistischen Buch die kulturelle Geschäftsgrundlage fehlt. "Deutschland schafft sich ab" erzählt die Untergangsgeschichte einer Nation. Für diesen Untergang sollen mit den Muslimen nun sechs Prozent der Bevölkerung die Verantwortung übernehmen. Es fragt sich, was die anderen 94 Prozent in den letzten Jahrzehnten für die Zukunft ihres Landes getan haben. Sarrazins Buch ist ein Entlastungsversuch einer desorientierten Elite. Kein Zweifel, dass es ein Erfolg wird.

CHRISTIAN GEYER

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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So wird Deutschland dumm

Thilo Sarrazin hat ein antimuslimisches Dossier verfasst. Das Buch erscheint am Montag und will elementare Lebenszusammenhänge auf den Punkt bringen. Der Punkt ist die Allmacht der Genetik.

Ist es eine gute Idee, den Bundesbanker Thilo Sarrazin zum Testfall der Meinungsfreiheit in Deutschland zu machen? Es ist keine gute Idee, weil noch niemand Thilo Sarrazin daran gehindert hat, "kein Blatt vor den Mund zu nehmen" (Sarrazin). Der Vorstand der Deutschen Bundesbank, Sozialdemokrat, früherer Berliner Finanzsenator, veröffentlicht seitenlange Interviews und legt nächste Woche unter dem Titel "Deutschland schafft sich ab" ein dickes Buch zur Rettung unseres Landes vor. Niemand unterbindet dies. Dass Sigmar Gabriel seinem Parteigenossen indirekt den Austritt aus der SPD nahelegte, weil er in seinem Buch rassistisch argumentiere, ist gerade kein Maulkorb. Es ist die Artikulation eines Befremdens über Sarrazins "gewalttätige Aussagen" (Gabriel), die an die Substanz der Partei rühren. Gabriel inszeniert ja kein Parteiausschlussverfahren, sondern nimmt die Partei vor ihrem Mitglied in Schutz: "Wenn Sie mich fragen, warum der noch bei uns Mitglied sein will - das weiß ich auch nicht."

Sarrazins Marktwert würde schlagartig in den Keller fallen, wenn er selbst aus der SPD austräte oder als Vorstand der Bundesbank zurückträte. Umgekehrt würde sein Marktwert rapide steigen, wenn er aus Bank und Partei herausgeworfen würde. Diesen Gefallen tun ihm weder Bundesbank-Chef Weber, der sich in der Sache ebenfalls scharf distanzierte, noch SPD-Chef Gabriel.

Damit steht die Geschäftsgrundlage für Sarrazins Thesenbau. Erstens: Das SPD-Mitglied Sarrazin warnt vor den Ausländern. Zweitens: Der Bundesbanker Sarrazin belehrt unsere Gesellschaft über die genetischen Grundlagen der Intelligenz. Was so viel wie drittens bedeutet: "Eine Person des öffentlichen Lebens bringt elementare Lebenszusammenhänge knapp und klar auf den Punkt" (Sarrazin). Tatsächlich ist das Elementare bei Sarrazin das Biologische. Kulturell ist bei ihm ein Deckwort für genetisch. Hat man dies begriffen, liest man Sarrazins Sorge um die "kulturelle Identität", die "kulturelle Substanz" und den "Volkscharakter" Deutschlands mit anderen, den richtigen biologischen Augen. Obwohl halb verschwiegen, tritt die These in seinem Buch klar hervor: Die islamische Immigration nach Deutschland muss gestoppt werden - und zwar aus "letztlich" genetischen Gründen.

Mit anderen Worten: "Wir" (als ethnisches Pluralsubjekt) werden auf natürliche Weise immer dümmer, weil ausgerechnet die kognitiv minderbemittelten Muslime in unserem Land die meisten Kinder zeugen. "Die kulturelle Fremdheit muslimischer Migranten könnte relativiert werden, wenn diese Migranten ein besonderes qualifikatorisches oder intellektuelles Potential verhießen. Das ist aber nicht erkennbar. Anzeichen gibt es eher für das Gegenteil, und es ist keineswegs ausgemacht, dass dies ausschließlich an der durchweg bildungsfernen Herkunft liegt. So spielen bei Migranten aus dem Nahen Osten auch genetische Belastungen - bedingt durch die dort übliche Heirat zwischen Verwandten - eine erhebliche Rolle und sorgen für einen überdurchschnittlich hohen Anteil an verschiedenen Erbkrankheiten."

Neben der Genetik führt Sarrazin auch die andere harte Währung, das Geld, gegen die Muslime ins Feld: "Wirtschaftlich brauchen wir die muslimische Migration in Europa nicht." Er tut dies mit dem Gestus des klinischen Aufkläreres, im gefühlten Stil der neuen Sachlichkeit: "direkt und schnörkellos", einer gegen die Heerscharen der "gutmenschelnden Liberalen". "Es geht mir vor allem um Klarheit und Genauigkeit, die Zeichnung ist daher kräftig, nicht unentschlossen oder krakelig. Ich habe darauf verzichtet, heikel erscheinende Sachverhalte mit Wortgirlanden zu umkränzen, mich jedoch um Sachlichkeit bemüht - die Ergebnisse sind anstößig genug."

Nach Angaben des Internationalen Literaturfestivals Berlin haben Thilo Sarrazin und sein Verlag einen kritischen Gesprächspartner auf dem Podium einer im Haus der Kulturen der Welt geplanten Buchvorstellung abgelehnt. "Das können wir nicht tolerieren", erklärt Bernd Scherer, Intendant des Hauses. "Die von uns gewünschte Form der Auseinandersetzung wird dadurch konterkariert. Bleibt es bei dieser Haltung von Thilo Sarrazin und des Verlages, wird die Veranstaltung bei uns nicht stattfinden."

Das Buch wird dadurch eher noch mehr Interesse auf sich ziehen. Ausführlich und mit entschieden antimuslimischer Pointe referiert Sarrazin darin die soziobiologischen Annahmen über die genetischen Grundlagen der Intelligenz. Im Blick auf die überdurchschnittliche Fertilitätsrate in muslimischen Familien ruft der Autor die Soziobiologie als seine Referenzwissenschaft auf, welche "der menschlichen Entwicklung letztlich den Prozess der natürlichen Selektion zugrunde (legt): Das Erbgut jener verbreitet sich, die am besten überleben und sich am meisten vermehren. Da die Überlebenschancen in der modernen Gesellschaft identisch sind, verbreiten sich die Gene jener am meisten, die die höchste Fruchtbarkeit haben." Naturgemäß hat da die Politik ihre Chance verspielt.

Das ganze Buch liest sich wie ein antimuslimisches Dossier auf genetischer Grundlage. Wie ein verdeckt operierender Detektiv versucht Sarrazin, aus "elementarer Sicht" belastendes Material gegen Türken, Afrikaner und Araber zusammenzustellen. Um den Leser für die Genetik der Intelligenz zu gewinnen, legt Sarrazin die jüdischen Ursprünge der Intelligenzforschung und deren Verbot durch die Nazis dar. "Ich bin auf die deutsch-jüdischen Ursprünge der Intelligenzforschung etwas näher eingegangen, weil die Diskussion der genetischen Komponente von Intelligenz häufig auf große emotionale Widerstände stößt." Der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan Kramer, hat Sarrazin unterdessen nahelegt, zur NPD zu wechseln.

Jedes Kapitel bietet eine weitere Facette des biologistischen Panoptikums. "Das Problem ist nicht, dass die Zahl der Nachfahren von Menschen mit hoher Bildung von Generation zu Generation schrumpft", schreibt Sarrazin. "Das wäre nicht so wichtig, wenn alle Menschen gleich begabt wären, dann wäre Bildung nämlich eine reine Erziehungsfrage. Da Bildungsgrad und erbliche Intelligenz aber in einem befruchtenden Zusammenhang stehen, muss es mit der Zeit abträglich für das intellektuelle Potential der Bevölkerung sein, wenn Menschen mit hohem Bildungsgrad andauernd eine unterdurchschnittliche und Menschen mit niedrigem Bildungsgrad andauernd eine überdurchschnittliche Fertilität haben." Hüsnü Özkanli, der Vorstandsvorsitzende der Türkisch-Deutschen Unternehmervereinigung, trifft den genetischen Punkt, wenn er einwendet: "Wir tragen zum deutschen Wirtschaftssystem bei, indem wir Ausbildungs- und Arbeitsplätze schaffen, unsere Jugend studiert. Was sollen wir sonst noch machen, um unseren Integrationswillen zu demonstrieren? Uns die Haare blond färben?"

Für den um die genetische Qualität der Gesamtgesellschaft besorgten Autor indessen führt kein Weg am Einwanderungsstopp für die fertilitätsfreudigen Muslime vorbei: "Die einzig sinnvolle Handlungsperspektive kann nur sein, weitere Zuwanderung aus dem Nahen und Mittleren Osten sowie aus Afrika generell zu unterbinden. Dies erfordert freilich auch, dem hohen und in Zukunft wohl noch wachsenden Einwanderungsdruck mit Energie entgegenzutreten."

Damit erübrigen sich alle Überlegungen zu einer kontrollierten Einwanderungspolitik, sofern sie Muslime betrifft. Sarrazin hat sie aus genetischen Gründen storniert, bevor sie losgehen kann. Wie hatte er im "Lettre"-Interview im Herbst letzten Jahres zu Protokoll gegeben? Araber und Türken, die keine andere produktive Funktion außer dem Gemüsehandel hätten oder gar von Hartz IV und Transfereinkommen lebten, müssten sich "auswachsen". Im Kontext des Buches wird das Verb "auswachsen" zur Chiffre für die biologische Lösung der Integration. Ungläubig fragte der Interviewer seinerzeit nach: "Wenn Sie sagen ,auswachsen', meinen Sie damit, dass die Leute sterben und sich diese Schicht nicht wieder neu generiert durch Kinder, Enkel und so weiter?" Sarrazins Antwort: "Niels Bohr hat gesagt, er hat noch nie jemanden kennengelernt, der seine wissenschaftliche Meinung geändert hat. Wissenschaftliche Meinungen sind immer nur ausgestorben. Und das ist auch sonst so." Der Leser versteht: Muslime in unserem Land lassen sich nur integrieren, sofern sie aussterben.

Niemand hindert den Autor Thilo Sarrazin an der Propagierung seiner Thesen. Was nichts daran ändert, dass diesem biologistischen Buch die kulturelle Geschäftsgrundlage fehlt. "Deutschland schafft sich ab" erzählt die Untergangsgeschichte einer Nation. Für diesen Untergang sollen mit den Muslimen nun sechs Prozent der Bevölkerung die Verantwortung übernehmen. Es fragt sich, was die anderen 94 Prozent in den letzten Jahrzehnten für die Zukunft ihres Landes getan haben. Sarrazins Buch ist ein Entlastungsversuch einer desorientierten Elite. Kein Zweifel, dass es ein Erfolg wird.

CHRISTIAN GEYER

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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