Vom Fuchs, der ein Reh sein wollte - Boie, Kirsten
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Bewertung von MarTina

Der kleine Fuchs verliert bei einem großen Feuer seine Familie. Mama Reh hat Mitleid und nimmt ihn bei sich auf. Doch bald merken alle, dass Füchse und Rehe doch ziemlich …


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4 Kundenbewertungen

Nach dem großen Feuer findet Mama Reh am Rande des Waldes ein kleines graues Puscheliges: Blau-Auge, einen jungen Fuchs, der seine Familie verloren hat. Blau-Auge darf bei Mama Reh und ihren Kindern bleiben - und er gibt sich wirklich große Mühe, ein gutes Reh zu sein! Aber als zuerst die dumme kleine Maus verschwindet und kurz darauf das Rehkitz Vielpunkt, glauben alle Waldtiere, dass Blau-Auge dahintersteckt. Ein Fuchs bleibt eben immer ein Fuchs! Doch Blau-Auge zeigt den Tieren, dass er ein echter Freund ist, auf den man sich verlassen kann. Ob Füchse oder Kinder - alle brauchen Freunde und…mehr

Produktbeschreibung
Nach dem großen Feuer findet Mama Reh am Rande des Waldes ein kleines graues Puscheliges: Blau-Auge, einen jungen Fuchs, der seine Familie verloren hat. Blau-Auge darf bei Mama Reh und ihren Kindern bleiben - und er gibt sich wirklich große Mühe, ein gutes Reh zu sein! Aber als zuerst die dumme kleine Maus verschwindet und kurz darauf das Rehkitz Vielpunkt, glauben alle Waldtiere, dass Blau-Auge dahintersteckt. Ein Fuchs bleibt eben immer ein Fuchs! Doch Blau-Auge zeigt den Tieren, dass er ein echter Freund ist, auf den man sich verlassen kann.
Ob Füchse oder Kinder - alle brauchen Freunde und Geborgenheit. Und Kirsten Boie erzählt uns davon.
Mit wunderbaren Illustrationen von Barbara Scholz.
  • Produktdetails
  • Verlag: Oetinger
  • Artikelnr. des Verlages: 1209539
  • Seitenzahl: 192
  • Altersempfehlung: ab 6 Jahren
  • Erscheinungstermin: März 2019
  • Deutsch
  • Abmessung: 238mm x 173mm x 22mm
  • Gewicht: 643g
  • ISBN-13: 9783789109539
  • ISBN-10: 3789109533
  • Artikelnr.: 54212864
Autorenporträt
Kirsten Boie, eine der renommiertesten deutschen Autorinnen des modernen Kinder- und Jugendromans, wurde 1950 in Hamburg geboren, wo sie noch heute mit ihrer Familie lebt. Sie promovierte in Literaturwissenschaft und arbeitete als Lehrerin. 1985 erschien ihr erstes Buch und wurde ein beispielloser Erfolg. Inzwischen sind von Kirsten Boie zahlreiche Bücher erschienen und in viele Sprachen übersetzt worden. Neben Kinder- und Jugendbüchern schreibt sie auch kleinere Drehbücher fürs Kinderfernsehen, Vorträge und Aufsätze zu verschienen Aspekten der Kinder- und Jugendliteratur und sie bereist im Auftrag des Goethe-Institutes das europäische und nicht-europäische Ausland. 2007 erhielt Kirsten Boie den Deutschen Jugendliteraturpreis für ihr Lebenswerk sowie 2008 den "Goßen Preis" der Bayerischen Sparkassenstiftung. 2011 wurde Kirsten Boie mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet.
Autoreninterview
Interview mit Kirsten Boie zu "Vom Fuchs, der ein Reh sein wollte"

Frau Boie, "Vom Fuchs der ein Reh sein wollte" ist Ihr erstes Buch aus Tierperspektive. Was hat Sie dazu inspiriert?

Kirsten Boie
: Schon lange spielt für mich das Thema "Perspektive" eine große Rolle: Durch wessen Augen sehen wir in einer Geschichte die Welt? Wir nehmen im Leben dieselbe Situation ganz unterschiedlich wahr - die Eltern anders als das Kind, der Geflüchtete anders als der Einheimische - und das zu begreifen, ist im Leben eine wichtige Fähigkeit. In Büchern können Kinder genau das lernen. Siestecken im Kopf einer Person, die ganz anders ist als sie, entwickeln Verständnis, Mitgefühl-, und begreifen, warum jemand so handelt, wie er das tut. Diese Möglichkeit, in fremden Köpfen unterwegs zu sein, bieten wirklich nur Bücher! Deshalb sollten wir sie nutzen. Wenn man aus der Sicht von Tieren erzählt, ist das wirklich so anders, dass dieses Phänomen "Jeder sieht die Welt aus seiner Sicht und mit seinen Begrenzungen" jedem deutlich wird, wenn auch nicht immer bewusst. Und weil ich denke, dass diese Einsicht im Leben hilft, habe ich diese Geschichte geschrieben. Und weil wir etwas…mehr
Interview mit Kirsten Boie zu "Vom Fuchs, der ein Reh sein wollte"

Frau Boie, "Vom Fuchs der ein Reh sein wollte" ist Ihr erstes Buch aus Tierperspektive. Was hat Sie dazu inspiriert?

Kirsten Boie
: Schon lange spielt für mich das Thema "Perspektive" eine große Rolle: Durch wessen Augen sehen wir in einer Geschichte die Welt? Wir nehmen im Leben dieselbe Situation ganz unterschiedlich wahr - die Eltern anders als das Kind, der Geflüchtete anders als der Einheimische - und das zu begreifen, ist im Leben eine wichtige Fähigkeit. In Büchern können Kinder genau das lernen. Siestecken im Kopf einer Person, die ganz anders ist als sie, entwickeln Verständnis, Mitgefühl-, und begreifen, warum jemand so handelt, wie er das tut. Diese Möglichkeit, in fremden Köpfen unterwegs zu sein, bieten wirklich nur Bücher! Deshalb sollten wir sie nutzen. Wenn man aus der Sicht von Tieren erzählt, ist das wirklich so anders, dass dieses Phänomen "Jeder sieht die Welt aus seiner Sicht und mit seinen Begrenzungen" jedem deutlich wird, wenn auch nicht immer bewusst. Und weil ich denke, dass diese Einsicht im Leben hilft, habe ich diese Geschichte geschrieben. Und weil wir etwas mehrüber die Natur nachdenken sollten. Und weil mir das Schreiben viel Spaß gemacht hat!

Wie gut kannten Sie sich vor der Recherche zum Buch mit einheimischen Tieren aus? Haben Sie Haustiere?

Kirsten Boie
: Meine Kinder hatten immer Hamster, Meerschweinchen und Kaninchen - und die haben mich oft sehr überrascht und berührt, z. B. ihre unvorstellbare Fähigkeit zu trauern beim Verlust eines Partners. Aber mit den heimischen Wildtieren kannte ich mich nicht besser aus als die meisten anderen Menschen. Auch das hat einen Teil des Reizes bei diesem Buch für mich ausgemacht: viel lesen, recherchieren und Naturdokumentationen ansehen.

Die Landschaft spielt eine zentrale Rolle für die Geschichte. War ein konkreter Landstrich Vorbild?

Kirsten Boie
: Nein, tatsächlich nicht. Das ist so eine Mischung aus ganz vielen Landschaften, denen ich im Leben begegnet bin. Dietauchen dann beim Schreiben szenenweise in meinem Kopf auf. So ist das bei mir übrigens bei vielen Büchern.

Der kleine Fuchs lernt, sich selbst Mut zu machen - eine lebenswichtige Lektion. Machen Sie sich vor dem Schreiben Gedanken darüber, was Sie den Kindern mitgeben wollen? Oder entwickeln Sie Ihre Bücher eher anhand der Geschichte?

Kirsten Boie
: Meistens das Zweite. Ich finde es schwierig, eine Geschichte um eine Lehre herum zu entwickeln, das wird dann leicht sehr didaktisch. Mir gefällt es besser, eine Geschichte zu erzählen und beim Schreiben die Botschaften, die darin verborgen sind, zu entdecken und sichtbar zu machen. Das sind in jeder Geschichte eine ganze Menge!

Sie haben mehr als 100 Bücher für verschiedene Altersgruppen und zu diversen Themen geschrieben. Gibt es etwas, an das Sie sich bisher nicht herangetraut haben?

Kirsten Boie
: Natürlich! Das hat mit meinemSchreibprozess zu tun. Damit ich überhaupt den Wunsch habe und mir zutraue, ein Buch zu schreiben, muss ich schon eine (wie auch immer) enge Verbindung zum Thema haben; erst dann kann ich darüber schreiben. Sonst würde mein Buch eher papieren, steif, nicht realistisch werden. Es sind ja gerade die winzig kleinen Alltagserlebnisse, die eine Geschichte glaubhaft und lebendig werden lassen. Wenn ich mich über ein Thema nur theoretisch "schlau gemacht" habe, fehlen mir genau diese Dinge. Es gibt also eine gigantische Fülle wichtiger Themen auf der Welt, an die ich mich nicht herantrauen würde, obwohl ich finde, dass sie eigentlich ein Buch verdienen. Bei manchen fände ich es sogar fast respektlos, wenn ich ohne Erfahrung darüber schreiben wollte.

Was war die lustigste Frage, die Ihnen ein junger Fan bisher gestellt hat?

Kirsten Boie
: Seit einiger Zeit fragen mich Kinder - nachdem sie mein Alter aus mir herausgekitzelt haben - immer wieder, wie lange ich denn bloß noch schreiben will - und ob ich das überhaupt darf! Muss man nicht "Rentner werden"? Ist Opa schließlich auch! Da haben wir dann auch immer gleich ein spannendes Gesprächsthema, beidem alle mitreden können.

Neben Ihrer Arbeit als Autorin engagieren Sie sich unter anderem für die Leseförderung und haben die Möwenweg-Stiftung gegründet. Was haben Sie bei Ihrer Arbeit für Kinderprojekte gelernt?

Kirsten Boie
: Was die Leseförderung betrifft: Bei Lesungen macheich immer wieder die erschreckende Erfahrung, dass viele Kinder bei uns mit zehn Jahren tatsächlich nicht lesen können - offiziell sind das 18,9 % - und das ist nicht ihre Schuld. Welche Chancen haben sie denn wohl im Leben? Für unsere Möwenweg-Stiftung reise ich ja regelmäßig nach eSwatini, in das Land mit der höchsten HIV-Infektionsrate weltweit, wo wir gemeinsam mit einer anderen Stiftung in hundert Betreuungshäusern das große Projekt LITSEMBA für ca. 4000 zum großen Teil verwaiste Kinder und ihre Dörfer betreiben: Ernährung, Bildung, medizinische Versorgung, Kleidung, Arbeit für die Erwachsenen. Nach mehr als einem Jahrzehnt regelmäßiger Aufenthalte bin ich fast schon abgehärtet gegen das Elend - sonst ginge es auch nicht. Trotzdem erschüttert es mich immer wieder, wenn ich sehe, wie Fünfjährige Einjährige über weite Strecken zu unseren Betreuungshäusern schleppen, damit sie zu essen bekommen, wie Großmütter vier, sechs, acht verwaiste Enkel aufziehen und klagen, dass die Kinder hungrig schlafen gehen. 104 von 1000 Kindern sterben dort vor ihrem 5. Geburtstag, in Deutschland sind das gerade mal 3,7. Und von denen, die überleben, sind 26 % "stunted", dafür haben wir im Deutschen nicht mal ein Wort, d. h. durch Nahrungsmangel kleinwüchsig und in der Hirnentwicklung eingeschränkt. Durch diese regelmäßigen Aufenthalte in eSwatini und die vielen und regelmäßigen Kontakte dort gerade zu den "einfachen" Menschen, nicht nur zu Ministerien, studierten Mitarbeitern von Hilfsorganisationen etc., konnte ich z. B. die "Thabo"-Krimis schreiben. Wie ich gesagt habe: Es geht nur mit Erfahrungen.
Kinderbuch des Monats März 2019
Kirsten Boie: Vom Fuchs, der ein Reh sein wollte

Da liegt "ein kleines graues Puschliges" unter dem Heckenrosenstrauch. Die Waldtiere rätseln und lernen dann: Ein junger Fuchs hat zunächst graues Fell und blaue Augen. Ist seine Familie etwa bei dem großen Brand ums Leben gekommen? Kurzerhand nimmt Mutter Reh "Blau-Auge" unter ihre Fittiche. Doch die anderen Tiere bleiben auf der Hut. Als eine freche kleine Maus verschwindet, muss das Füchslein seine Unschuld beweisen. Zum Glück sind das Rehkitz Vielpunkt und er längst Freunde, "sogar fast Brüder".

Was?

"Vom Fuchs, der ein Reh sein wollte" erzählt von den großen Themen Freundschaft und (Wahl-)Familie. Erstmals nimmt die berühmte Kinderbuchautorin Kirsten Boie dabei die Perspektive von Tieren ein. Auf diese Weise vermittelt sie nebenher einiges Wissen über die einheimische Fauna. Zum Beispiel teilen sich Füchse und Dachse tatsächlich zeitweilig den Bau. Im Kern geht es aber darum, Verständnis für verschiedene Perspektiven und fürs Anderssein zu lernen.

Wie?

Wie der Uhu weiß, muss eine Geschichte spannend sein, lustig und ein kleines bisschen traurig. Was Kirsten Boie augenzwinkernd eine ihrer Figuren aussprechen lässt, hat sie sich selbst zu Herzen genommen: Der Kinderroman ist ein liebenswürdiges, mitreißendes Beispiel für kindgerechtes Erzählen. Und eine Lehre am Rande darf es dann auch geben.

Für wen?

Das Buch ist für Kinder ab sechs Jahren geeignet. Die turbulente Geschichte hat ihre ruhigen Momente, die Kapitel eignen sicher daher ideal als Gute-Nacht-Geschichten.

Von wem?

Die 40 Kapitel sind von Barbara Scholz illustriert. Allein durch ihre liebevollen Zeichnungen schließt man die Tiere alle sofort ins Herz. Und einige doppelseitige Illustrationen vermitteln die Atmosphäre von sonnigen Wiesen und schaurigen Nachtszenen.

Kirsten Boie, 1950 in Hamburg geboren, promovierte über Brecht und arbeitete als Lehrerin, bevor sie zum Schreiben kam. Von "Paule ist ein Glücksgriff" über "Ritter Trenk" bis zur "Möwenweg"-Reihe haben ihre Bücher viele Preise erhalten. Von ihrer Arbeit und ihrem sozialen Engagement berichtet sie im Interview auf Bücher.de.

Und weiter?

Mehr als 100 Bücher hat Kirsten Boie inzwischen veröffentlicht. Und obwohl Kinder sie immer wieder fragen, wann sie denn in Rente geht, schreibt sie immer weiter. Zuletzt erzählte sie in dem Roman "Ein Sommer in Sommerby" ebenfalls von Familie und Landleben - allerdings aus Sicht von Menschenkindern.

Alles zum Kinderbuch des Monats
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 14.07.2019

Wie soll man bloß sein Leben leben?

Ein Fuchs, der ein Reh sein will, ein einsamer Prinz und ein Junge, der krank im Bett liegt: Tilman Spreckelsen empfiehlt sieben Bücher für die Ferien.

Über den Dächern von Stockholm.

Wenn man krank ist und im Bett liegt, weil ein Bein wie gelähmt ist, seit Monaten schon und ohne Aussicht auf Genesung, wenn die eigenen Eltern deshalb besorgt miteinander flüstern (was man nicht hören soll und trotzdem hört), wenn man also abgeschnitten ist von allem, was das Leben in der Großstadt vorher ausgemacht hat, dann ist so etwas wie der Bau einer U-Bahn direkt vor der eigenen Haustür beinahe schmerzlich: Draußen geht es weiter mit der neuen Zeit, heißt das, nur man selbst nimmt nicht mehr daran teil.

Wenn wir an Astrid Lindgrens Werk denken, dann denken wir meist an Bullerbü, an den Wald von Ronja Räubertochter oder an die Insel Saltkrokan - einzig die drei "Karlsson vom Dach"-Romane erinnern noch daran, dass zahlreiche Bücher der Autorin in einer Großstadt angesiedelt sind, mit der wohl Stockholm gemeint ist. Eine der schönsten Erzählungen Lindgrens, "Im Land der Dämmerung", liegt in einer von Marit Törnqvist traumhaft schön illustrierten Ausgabe vor, deren Bilder Stockholm im Abendlicht zeigen: die großbürgerlichen Wohnungen und die der kleinen Leute, die Klara-Kirche, den königlichen Palast und den Vergnügungspark Skansen mit seinen Tieren und den Häusern aus allen schwedischen Landesteilen.

Für den Jungen mit dem lahmen Bein, Lindgrens Erzähler, ist all dies eigentlich unerreichbar. Seit ihn aber ein gewisser Herr Lilienstengel besucht, der bei Anbruch der Dämmerung durchs offene Fenster ins Krankenzimmer kommt, den Jungen an die Hand nimmt und über das abendliche Stockholm fliegt, spielt die Krankheit keine Rolle mehr: Alles ist möglich in diesem ebenso tröstlichen wie traurigen Buch.

Astrid Lindgren, Marit Törnqvist: "Im Land der Dämmerung"; aus dem Schwedischen von Karl Kurt Peters; Oetinger Verlag, Hamburg 1995; 46 S., geb., 12,90 Euro; ab 4 Jahre.

Die Staatsraison und die Liebe.

Es braucht ein paar wenige Worte, die der Prinz und die Schwanenfrau miteinander wechseln, und der Prinz ist verliebt, unsterblich, bis über beide Ohren, während er für die Geliebte die große Hoffnung verkörpert, endlich dem Verzaubertsein zu entkommen - so rasant geht es in Peter Tschaikowskys Ballett "Schwanensee" zu und auch in Lisbeth Zwergers Nachdichtung, die aus dem Tanztheater wieder ein Märchen macht, das sie selbst wundervoll illustriert hat. Nur dass sich der Prinz genau so rasch, wie er sich kurz zuvor verliebt hatte, nun von der schwarzen Schwanenfrau täuschen lässt, als die bei dem eigens ausgerufenen Ball erscheint, der dem Prinzen endlich die vom Hofstaat herbeigesehnte Braut bringen soll, schließlich soll er schon aus Staatsraison unter die Haube.

Dass die Sache bei Zwerger - anders als in der heute bekannten Fassung von Tschaikowskys Werk - doch noch gut ausgeht, ist nicht nur Zwergers Beharren darauf geschuldet, sondern auch der Existenz entsprechender Versionen dieses Märchentyps, der aber noch ganz andere Fallstricke für das Glück der Liebenden bereithält. Denn unter den Schwanenfrauen ist die Sehnsucht zu fliegen sehr groß: Sie müssen erst von ihren künftigen Männern überlistet und eingefangen werden, indem diese das abgelegte Gefieder der Badenden verstecken und später verschlossen halten, was auf die Dauer aber nicht erfolgreich ist.

Tschaikowsky wie Zwerger weichen diesem Konflikt aus, die Illustratorin aber lenkt den Blick auf etwas ganz anderes: In ihren Bildern vom fast leergefegten Ballsaal und dem steifen Zeremoniell selbst im Tanz zeigt sie einen Prinzen, der bei Hof gar nicht einsamer sein könnte und dessen Sehnsucht nach Liebe nur zu verständlich ist.

Lisbeth Zwerger, Peter I. Tschaikowsky: "Schwanensee"; NordSüd Verlag, Zürich 2019; 32 S., geb., 16 Euro; ab 6 Jahre.

Einmal durch Amerika.

Vier Kinder, die um die Wende zum 20. Jahrhundert im Mississippi-Delta aufwachsen, die zusammenhalten und doch in jeder Hinsicht unterschiedlich sind - das ist die Ausgangslage von Davide Morosinottos Kinderbuch "Die Mississippi-Bande". Bis sich sein Untertitel "Wie wir mit drei Dollar reich wurden" erfüllt, müssen die vier nicht nur eine Fluss- und Eisenbahnfahrt bis in den Norden der Vereinigten Staaten hinter sich bringen, sie müssen Verbrecher abwehren, die ihnen ans Leben wollen, und erkennen, dass es sehr leicht ist, den Falschen zu vertrauen, wenn man nur eine irrtümlich erhaltene Sendung zurückgeben will.

Denn auch davon erzählt dieser spannende Roman: von einer Gesellschaft im Aufbruch, in der Versandhäuser das ganze Land miteinander in Verbindung bringen und Kataloge von einer Welt erzählen, in der alles möglich scheint. Die Reise durch Amerika aber avanciert für uns Leser so zu einer Reise durch die Zeit. Und lässt die Frage aufscheinen, ob es nicht auch ganz anders hätte kommen können.

Davide Morosinotto: "Die Mississippi-Bande. Wie wir mit drei Dollar reich wurden"; aus dem Italienischen von Cornelia Panzacchi; Thienemann Verlag, Stuttgart 2017; 368 S., geb., 15 Euro; ab 10 Jahre.

Über den Zaun in den Wald.

Wenn ein Kind seine Familie verloren hat, muss man sich um es kümmern. Für Mama Reh ist das selbstverständlich, für andere Tiere im Wald keineswegs. Denn bei dem Kind handelt es sich um einen jungen Fuchs, und von dem glauben alle zu wissen, dass man ihm nicht trauen kann - einfach, weil er ein Fuchs ist.

In Kirsten Boies Roman "Vom Fuchs, der ein Reh sein wollte" geht es dann genauso zu, wie es der Titel verspricht: Der Fuchs passt sich an, er sucht Geborgenheit in einer Familie, die ganz anders ist als er selbst, und zu den schönsten Passagen des Buchs gehört, wie dieses Miteinander manchmal sogar gelingt: Wenn der Fuchs nicht wie die Rehe über einen Zaun springen kann, zwängt er sich eben darunter durch. Dann aber steht ein böser Verdacht gegen den Welpen im Raum. Und er braucht die Hilfe seiner neuen Geschwister, um ihn zu entkräften.

Am Ende steht die Frage, wo man am besten aufgehoben ist und wie weit man sich gegen seine Natur anpassen kann. Schlägt man das Buch wieder zu, ist sie noch lange nicht geklärt.

Kirsten Boie: "Vom Fuchs, der ein Reh sein wollte"; Oetinger Verlag, Hamburg 2019; 192 S., geb., 16 Euro; ab 8 Jahre.

Wenn der Müll nun schon da ist.

Er ist überall, wir produzieren ständig neuen, und inzwischen droht er nicht nur uns, sondern den Lebewesen auf der Erde insgesamt über den Kopf zu wachsen. Die "lästigste Sache der Welt", so nennt die Illustratorin Gerda Raidt den Abfall. Ihm und unserem Umgang damit hat sie nun ein ganzes Buch gewidmet. Sie hat dafür enorm recherchiert, einen gut verständlichen, bisweilen sogar witzigen Text geschrieben und ihn so illustriert, dass sich das Ergebnis meilenweit von anderen, wesentlich drögeren Büchern zum Thema abhebt.

Was wir tun können, um Müll zu vermeiden, beschreibt die Autorin auch, etwa das Eindämmen der Verpackungsflut oder die Vergeudung von Lebensmitteln. Und wenn der Müll nun schon da ist? Das Buch steckt voller Ideen, was man damit anfangen kann, von Stühlen aus Euro-Paletten über Lampenschirme aus Altglas bis hin zu ganzen Häusern aus Müll. Und seltsamerweise entlässt Raidt uns so aus diesem Buch über ein anspruchsvolles Problem gar nicht besorgt, sondern mit dem Impuls, etwas dagegen zu tun.

Gerda Raidt: "Müll": Alles über die lästigste Sache der Welt; Verlag Beltz & Gelberg, Weinheim 2019; 96 S., geb., 14,95 Euro; ab 6 Jahre.

Von der Suche nach einem Heim.

"Zuhause Nummer 16", so ist das erste Kapitel von "Wünsche sind für Versager" überschrieben. Was das heißt, wird sehr schnell klar. Olivia, die elfjährige Erzählerin des Romans, hat zu diesem Zeitpunkt schon fünfzehnmal versucht, mit den Erwachsenen klarzukommen, die ihr eigentlich ein Zuhause bieten sollten, angefangen mit ihrer Mutter, von der Olivia sagt: "Meine Mum hat mich von Anfang an gehasst." Fünfzehnmal ging es schief, bevor sie nun auf den einsamen Hof kommt, auf dem Jim mit seinen Kindern und einem weiteren Pflegekind, einer Teenie-Mutter, lebt. Olivias Erzählung von dem, was sie bei Jim erlebt, wird immer wieder durch ihre Erinnerungen an frühere Pflegeeinrichtungen unterbrochen, und aus diesen beiden Strängen entsteht ein intensiver, trauriger, zugleich auch hoffnungsvoller Roman, und das Wagnis der Autorin, jener verschlossenen, misstrauischen, äußerst liebebedürftigen Olivia eine Stimme zu verleihen, die hier nie aufgesetzt oder gezwungen klingt, geht vollkommen auf.

Hinzu kommt aber wie ein ferner Spiegel die Geschichte einer Hebamme aus dem neunzehnten Jahrhundert, die Hunderte von Säuglingen ermordete und deren Fotografie, die in Jims Haus, ihrer einstigen Wirkungsstätte, an der Wand hängt, Olivia so beeindruckt und erschreckt, dass sie nun glaubt, den Geist der Mörderin zu sehen und ihre Befehle zu vernehmen. Es ist dieser Teil der Geschichte, der die positive Entwicklung Olivias im sechzehnten Versuch, ein Heim zu finden, schließlich bedroht. Und der den Leser dieses einfühlsamen Romans in steter Anspannung hält.

Sally Nicholls: "Wünsche sind für Versager"; aus dem Englischen von Beate Schäfer; Hanser Verlag, München 2016; 223 S., br., 15,90 Euro; ab 14 Jahre.

Einer darf davonkommen.

Wenn man tot ist und gar nicht gemerkt hat, dass man gestorben ist, dann ist das eine Situation, der man wohl am liebsten schnell entkommen möchte. Doch Bee und ihre vier Freunde sind in einer Zeitschleife gefangen: Sie erleben den Tag ihres Unfalltods immer wieder, und das so lange, bis sie sich darauf geeinigt haben, wer von ihnen überleben darf - die übrigen vier werden dann endgültig sterben.

Marisha Pessls überaus spannender Roman macht aus dieser durchaus bekannten Konstruktion eine raffinierte Geschichte um Schuld, Lüge und Mitgefühl. Im Angesicht des Todes stellt sich die Frage, wie man sein Leben hätte leben sollen. Nach dem Sinn von Reue im letzten Moment. Und danach, wie man entscheiden soll, wer aus einer Gruppe eine zweite Chance verdient hat: der Talentierteste? Derjenige, der den meisten Nutzen für das Gemeinwohl verspricht?

Pessls Antwort ist überraschend und bei näherem Hinsehen nur zu begründet. Auch deshalb sollte man diesen so intelligenten wie spannenden Roman nicht verpassen.

Marisha Pessl: "Niemalswelt"; aus dem Englischen von Claudia Feldmann; Carlsen Verlag, Hamburg 2019; 384 S., geb., 18 Euro; ab 14 Jahre.

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