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Benutzername: liesmal
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Bewertungen

Insgesamt 204 Bewertungen
Bewertung vom 16.06.2021
Die Bucht der Lupinen
Laurin, Johanna

Die Bucht der Lupinen


ausgezeichnet

„Die Bucht der Lupinen“ aus dem Verlag Goldmann ist der Debütroman von Johanna Laurin. Titel und Cover lassen den Eindruck eines friedvollen Stückchens Erde entstehen – Neufundland. Wunderschön liegt das Haus am Meer, in dem Lou viele Jahre ihres Lebens verbracht hat. Das Bild lädt ein zum Träumen. Aber der Schein trügt – tief in ihrem Inneren sieht es anders aus!
Nach dem Tod ihrer Großmutter reisen Anna und ihre beiden Schwestern nach Neufundland. Besonders Anna hatte eine innige Verbindung zu ihrer Großmutter, doch erst beim Auf- und Ausräumen wird ihr klar, dass sie nie etwas über das Leben und die Vergangenheit ihrer Großmutter erfahren hat. Können die Mädchen das Geheimnis lüften?
Durch alte Fotos und Aufzeichnungen beginnt eine Reise in die Vergangenheit, die ihren Anfang nimmt im Hamburg der 1930er-Jahre. Louise war das Kind jüdischer Eltern. Nicht nur ihre Geschichte und mit ihr der Beginn einer großen, einer verbotenen Liebe wird sehr eindringlich geschildert. Das ganze dramatische Geschehen der damaligen Zeit erfahre ich hier hautnah, nachdem ich sofort mit hineingenommen werde in die Geschichte, die mir die ganzen Grausamkeiten, die Unbarmherzigkeit und die Unmenschlichkeit sehr bildhaft vor Augen führt. Aber auch die Arbeit der Menschen, die im Untergrund versuchen, gegen die Ungerechtigkeit vorzugehen und sich dadurch selbst in größte Gefahr begeben, ist sehr eindrucksvoll und realistisch beschrieben. Johanna Laurin gelingt es, mich mit ihrem Schreibstil so zu fesseln, dass ich nicht selten das Gefühl habe, selbst Teil ihrer Geschichte zu sein.
Das Buch besteht aus zwei Erzählsträngen, die mit jedem Kapitel wechseln. Da ist einmal die Geschichte von Louise aus den 1930er- und den Jahren des Zweiten Weltkrieges, auf der anderen Seite ist es die Gegenwart mit Anna und ihren Schwestern in Sea Garden House in Neufundland. Es ist wirklich ein wunderschönes Stück Erde mit wunderbaren Menschen und vielen spannenden Erlebnissen.
Der Wechsel zwischen Zeit und Ort ist sehr gut gelungen. Durch die genauen Angaben zu Beginn der Kapitel habe ich mich schnell in dem jeweiligen Teil eingefunden. Großartig, wie die Erzählstränge langsam immer mehr miteinander verwoben werden, um am Ende zu einer einzigen großartigen Geschichte zu werden.
Das Buch sorgt nicht nur für wunderbare kurzweilige Lesestunden, sondern bietet ein wertvolles, wenn auch dunkles Stück deutscher Geschichte, aus der man lernen kann und sollte. Sehr gern empfehle ich das Buch weiter.

Bewertung vom 09.06.2021
Die Jahre ohne uns
Norris, Barney

Die Jahre ohne uns


ausgezeichnet

Ich habe das Cover gesehen und dabei sind mir direkt die Beine der Frau aufgefallen, die zu einer älteren Frau gehören. Die beiden Menschen scheinen auf den ersten Blick auf einer Bank zu sitzen und sich viel zu erzählen zu haben. Allein dieses schlicht gehaltene Bild macht mich unglaublich neugierig. Es besticht durch Einfachheit und ist dadurch auf jeden Fall ganz anders als die meisten anderen Buchcover. Ob die Geschichte ebenso ist?
Der Autor Barney Norris beantwortet meine Fragen in dem Buch "Die Jahre ohne uns", das erschienen ist im Verlag Dumont.
Tatsächlich sitzen die beiden älteren Menschen, eine Frau und ein Mann, zusammen – an einer Hotelbar. Der Zufall hat sie an diesem Ort zusammengeführt. Habe ich an dieser Stelle noch mit einer leicht-lockeren Unterhaltung gerechnet und mir sogar schon insgeheim den weiteren Verlauf vorgestellt, so wurde ich schnell eines Besseren belehrt. In den beiden ersten Teilen, die fast den gesamten Raum des Buches einnehmen, lässt der Autor in einer ganz eigenen Sprachgestaltung die Frau und dann den Mann ihr bisheriges Leben erzählen. Das geschieht auf eine Art und Weise, wie ich sie so weder erwartet noch jemals gelesen hatte, und an die ich mich erst gewöhnen musste. Aber das Lesen hat sich gelohnt, denn spätestens in der zweiten Hälfte mochte (m)ich das Buch nicht mehr loslassen.
Fasziniert hat mich die Frau, deren Gedanken häufig bei ihrem Vater sind, der sie verlassen hatte, als sie noch ein kleines Kind war, die aber auch ihr Leben lang davon geträumt hat, eine Enzyklopädie zu schreiben: „Ich habe immer gedacht, dass ich einmal ein Meisterwerk in die Welt hineinweben würde, eine Enzyklopädie aller Worte, in die ich mich jemals verliebt habe…“ – Unerfüllte Träume, die sie begleiten.
Fantastisch und an vielen Stellen dennoch sehr realistisch klingt die Geschichte des Mannes, der als Schauspieler gearbeitet hat, aber auch „im richtigen Leben“ immer wieder in neue und ganz verschiedene Situationen gerät, die an die Rollen eines Schauspielers erinnern lassen. – Er bleibt immer auf der Suche. Hier sind Realität und Fiktion gut miteinander verwoben.
Ein besonderes Buch mit einem Hang zum Träumen und den Wünschen, die Frau und der Mann – tatsächlich werden keine Namen genannt – mögen ihrer Einsamkeit entfliehen.

Bewertung vom 28.05.2021
Das Buch, das nicht gelesen werden wollte
Sundin, David

Das Buch, das nicht gelesen werden wollte


ausgezeichnet

Das Buch bietet einen schönen Anblick - äußerlich wie auch innen. Darum mochte ich auch dem Titel nicht glauben: „Das Buch, das nicht gelesen werden wollte“ - und den Ratschlag „Nicht öffnen“ auf dem Cover wollte ich nicht beherzigen.
Aber es ist tatsächlich besser, das Buch mit Vorsicht zu genießen. Es hält viele Überraschungen bereit und viel Rätselhaftes, das es zu ergründen gibt. Wenn das Buch ganz „verrückt“ wird, ist sogar Körpereinsatz notwendig.
Nicht nur der erste Eindruck ist toll, witzig und fantasievoll. Kinder werden das Buch mögen und ich sehe es als „Mitmachbuch“ mit Spaßgarantie. Wenn der „Vorleser“ es richtig anstellt, dann wird es eine ganz aufregende interaktive Geschichte.
Mir hat das Buch auf Anhieb gefallen. Interessant waren für mich die Informationen zu dem schwedischen Autor David Sundin, der als Komiker, Drehbuchautor, Schauspieler und Moderator einer Fernsehshow beschäftigt ist. Nachdem ich das Buch gelesen habe, wundert es mich nicht, dass er Silbermedaillengewinner der schwedischen Meisterschaft im Wortspiel geworden ist.
Sehr gern gebe ich eine Empfehlung für ein Kinderbuch der „anderen“ Art.

Bewertung vom 28.05.2021
Weltbewegerinnen
Filker, Claudia;Specht, Andrea

Weltbewegerinnen


ausgezeichnet

Das Buch mit 40 „Weltbewegerinnen“ ist erschienen im Brunnen Verlag. Es enthält eine Auswahl aus den Geschichten, die bereits veröffentlicht worden sind im „FrauenTaschenKalender“, den es seit nunmehr zehn Jahren gibt. Autorinnen sind Claudia Filker und Andrea Specht.

Das Buch besticht durch gute Qualität und die schon äußerlich sehr unterschiedlichen Frauen auf dem Cover sind ein toller Blickfang. Doch so verschieden sie auch sein mögen, haben sie doch eines gemeinsam: Sie sind wirkliche Weltbewegerinnen.
Die Gestaltung der einzelnen Geschichten gefällt mir sehr: Jedes Porträt umfasst vier Seiten und enthält neben der Kurzbeschreibung jeweils ein passendes Zitat. Ich mag die kleinen Fotos und die zarten Blumenzeichnungen. Man spürt die Liebe, mit der das Buch gestaltet worden ist.
Liest man die Geschichten der bereits verstorbenen, aber auch über noch lebende, über junge und alte, über Frauen aus allen sozialen Geschichten, dann werden die Unterschiede, aber auch die Gemeinsamkeiten deutlich.
Ich bin überwältigt von den Einblicken in das Leben vieler mutiger Frauen, habe viele Anregungen bekommen und damit den Wunsch, mich mit einigen Biografien näher zu befassen. Darum bin ich dankbar über die vielen Literaturhinweise am Ende des Buches, das ich sehr gern weiterempfehle.

Bewertung vom 21.05.2021
Von Wegen. Ein Begleiter fürs Pilgern, Wandern, Leben
Petzoldt, Tobias

Von Wegen. Ein Begleiter fürs Pilgern, Wandern, Leben


ausgezeichnet

„Von Wegen – Ein Begleiter fürs Pilgern, Wandern, Leben“ ist aus der edition chrismon und enthält Texte von Tobias Petzoldt.

Das Buch hat einen unempfindlichen flexiblen Einband und ich würde es ohne Bedenken in meinen Rucksack stecken, um auch unterwegs darin lesen zu können.

Es ist eine Sammlung wunderbarer meditativer Texte, die der Autor hier vereint, aufgelockert durch Schwarz-Weiß-Fotos „Von Wegen“ und angereichert mit Bibelzitaten. Sehr gut gefallen mir die im Buch verteilten leeren Seiten für eigene Notizen.

Tobias Petzoldt hat einen außergewöhnlichen Schreibstil. Er spielt mit Worten und zaubert aussagekräftige poetische Texte. Für mich ist er ein Wortakrobat, der mit Buchstaben und Wörtern jonglieren kann. Ich bin begeistert und habe hier ein weiteres Buch für mein „Immer-wieder-Lesen-Regal“ gefunden, das mich Gottes Schöpfung nahe bringt und viele Denkanstöße bietet.

Von Herzen gern empfehle ich „Von Wegen“, das ein Schatz und ein guter Begleiter für alle Wege des Lebens sein kann.

Bewertung vom 17.05.2021
Die Beichte einer Nacht
Philips, Marianne

Die Beichte einer Nacht


ausgezeichnet

Zuhören
„Die Beichte einer Nacht“ von Marianne Philips ist erschienen im Verlag Diogenes. Die Schriftstellerin aus den Niederlanden ist bereits 1951 verstorben. Ihr Roman erschien in der Originalausgabe im Jahr 1930. Protagonistin ist Heleen, eine Frau, die aus unbekannten Gründen in einer Nervenklinik lebt und einer Nachtschwester ihre Lebensgeschichte erzählt.
Die Buchbeschreibung hatte meine Neugier geweckt und bereits die Leseprobe hat mir außerordentlich gut gefallen und mich sehr berührt. Der Schreibstil ist einfach, aber einzigartig. Ich hatte nicht das Gefühl, als würde ich selber lesen, sondern ich war wie gefangen in der Rolle der Zuhörerin, besonders im ersten der zwei Teile umfassenden Erzählung.
Heleen hat begonnen mit der Geschichte ihrer Kindheit in einer Familie mit vielen Geschwistern, dem späteren Wunsch nach einem eigenen Leben und einem Beruf, und sie hat nichts ausgelassen… oder vielleicht doch, denn immer wieder erwähnte sie den Namen Hannes, ohne mehr dazu zu sagen. Dass er eine ganz besondere Rolle in ihrem Leben eingenommen hatte, war aber deutlich spürbar. Auch zu ihrer kleinen Schwester Lientje hatte sie eine ganz besondere Beziehung.
Heleen erzählt und erzählt, richtet zwischendurch mal ein Wort direkt an die Nachtschwester, ohne jedoch auf eine Antwort oder einen Kommentar zu warten. Meistens ist sie aber ganz in ihre eigene Geschichte eingetaucht, dann scheint sie zu vergessen, dass da jemand ist, zu der sie spricht, bis sie dann wieder in der Gegenwart ankommt, um ganz unvermittelt die Eigenarten einer ihrer Mitbewohnerinnen anzusprechen.
Am Ende bin ich überwältigt, dass Heleen so viel aus ihrem Leben und auch aus ihrer ganz persönlichen Gefühlswelt preisgegeben hat. Eine bewegende Geschichte, die sie erzählt hat und ich glaube: Sie hat nichts ausgelassen!
Mit meinem ganzen Herzen empfehle ich dieses Buch einer großartigen Schriftstellerin.

Bewertung vom 16.05.2021
Die Walfängerin von Borkum
Schirdewan, Claudia

Die Walfängerin von Borkum


ausgezeichnet

„Die Walfängerin von Borkum“ ist ein historischer Roman von Claudia Schirdewan, erschienen im Verlag Lübbe.
Nach einem verhängnisvollen Unglück im Jahr 1643, von dem der Prolog erzählt, beginnt die Geschichte zehn Jahre später. Joris‘ Traum ist wahr geworden, er steht kurz vor seiner ersten großen Fahrt und trägt schon in sehr jungen Jahren als Commandeur auf einem Walfänger große Verantwortung für Schiff und Mannschaft.
Nicht nur für die Seeleute, sondern für alle Menschen ist es eine harte Zeit und von der Beschaulichkeit einer Insel ist auf Borkum nicht viel zu spüren. Das Leben auf der Insel wird gut eingefangen, die Inselbewohner und ihr Leben sind sehr bildhaft beschrieben. Dazu trägt auch das Cover bei, das die junge Fenja zeigt, die jeden Abend in den Dünen steht, aufs Wasser schaut und damit ihrem Verlobten Joris ganz nahe sein möchte.
Das Geschäft mit dem Walfang ist noch recht jung. Es bringt den Seeleuten zwar Arbeit, mit der sie ihre Familien ernähren können, birgt aber auch sehr große Gefahren. Die Szenen, in denen Claudia Schirdewan die Arbeit während des Walfangs schildert, waren für mich besonders interessant. Wie viele verschiedene Berufe für die Verrichtung der Arbeiten benötigt wurden, war für mich vollkommen neu und ich kam aus dem Staunen nicht heraus.
Welche Ängste Fenja ausstehen muss, kann ich sehr gut nachvollziehen. Es ist nicht nur die Gefährlichkeit des Walfangs, sondern auch unerbittliche Konkurrenz sowie Hass und Neid sind Teil der Geschichte sorgen zusätzlich für Spannung und Sorgen.
Mir hat die Geschichte der Walfängerin sehr gefallen. Sie hat mich mit hineingenommen in die Vergangenheit, mich einiges gelehrt und mir mit leichter Lektüre spannende und unterhaltsame Lesestunden geschenkt. Dafür gebe ich gern meine Empfehlung für dieses Buch.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 16.05.2021
Zeit für Träume / Senfblütensaga Bd.1
Langenbach, Clara

Zeit für Träume / Senfblütensaga Bd.1


ausgezeichnet

In einer Trilogie erzählt Clara Langenbach „Die Senfblütensaga“. Der erste Teil der Geschichte, die Anfang des 20. Jahrhunderts beginnt, trägt den sehr passenden Titel „Zeit der Träume“.

Träume haben Emma und auch Carl. Emma wünscht sich nichts sehnlicher, als ihren Wunsch nach einem Studium zu verwirklichen. Doch ihre Eltern halten nichts davon und wollen sie lieber „gewinnbringend“ verheiraten. Carl ist der Sohn eines Fuhrunternehmers, der seine Hoffnung darauf setzt, dass sein Sohn seine Nachfolge antritt. Doch Carl hat eine große Leidenschaft: Er träumt davon, eine eigene Senffabrik zu gründen, und findet in Emma eine begeisterte Unterstützerin.

Ein Buch, das Spaß macht, weil es leicht verständlich, aber fesselnd geschrieben ist. Bereits zu Beginn gefallen mir die kurzen, aber markanten Personenbeschreibungen der Hauptcharaktere auf der Innenseite des Klappentextes. Dadurch fiel es mir leicht, schon bald die passenden Bilder im Kopf zu haben.

Das Familienleben von Emma und ihren Eltern ist wenig liebevoll. Zeit für Gespräche miteinander nimmt sich keiner. Darum bin ich so froh, dass Emma in dem Buchladen von Monsieur Perrin immer gern gesehen ist. Von ihm erfährt sie Zuwendung und Verständnis und es entwickelt sich eine wunderbare Freundschaft. Seine Herzlichkeit zeigt sich auch im Umgang mit seiner Katze Gusti, die ein besonderer Teil seines Lebens und der Buchhandlung ist.

Ein weiterer Protagonist ist Antoine, der Sohn eines großen Weingut-Besitzers und ein alter Freund von Carl. Er und ebenso Louise, die Schwester von Carl, sorgen für allerhand Wirbel und Aufregung und geben große Möglichkeiten zu Spekulationen und zum Nachdenken.

Für mich hat der erste Teil der Trilogie einen sehr befriedigenden Abschluss gefunden. Es bleiben zwar weiterhin viele Fragen offen, aber ich bin froh, dass das Buch ohne einen fiesen Cliffhanger auskommt und ich dennoch sehr gespannt auf den Folgeband sein kann.

Gefallen haben mir die Erklärungen von Clara Langenbach am Ende des Buches zu den Inspirationen, die sie zum Schreiben der Senfblütensaga angeregt haben.

Sehr gern gebe ich meine volle Empfehlung für ein Buch, das mir sehr wertvolle unterhaltsame Lesestunden geschenkt hat.

Bewertung vom 11.05.2021
Gefangen und frei
Sheff, David

Gefangen und frei


sehr gut

Befreit
In dem Buch „Gefangen und frei“ erzählt David Sheff von einem Menschen, der in der Todeszelle Buddhist geworden ist. Dies ist eine wahre Geschichte.
Er hatte keine glückliche Kindheit, ist später durch falsche Freunde auf die schiefe Bahn geraten und immer weiter versackt in seiner Welt aus Hass und Gewalt. So landete Jarvis Masters immer wieder hinter Gittern, zuletzt als ein zum Tode Verurteilter in einer Todeszelle von San Quentin. Mehr als sein bisheriges halbes Leben ist er schon gefangen – und fühlt sich trotzdem seit vielen Jahren frei.
Der Einstieg ins Buch ist mir nicht ganz leicht gefallen, denn der Schreibstil von David Sheff ist sehr sachlich gehalten. Allerdings war ich bald fasziniert davon zu erfahren, wie es Jarvis gelungen ist, sein Leben zu ändern und in friedliche Bahnen zu lenken. Davor habe ich große Hochachtung. Mit Spannung habe ich verfolgt, wie er es geschafft hat, nicht wieder rückfällig zu werden in seinen Gedanken und Taten.
Das Buch gibt mir einen guten, einfachen Einblick in die Lehren des Buddhismus. Als Christin, die sich, nach ihrer Religion befragt, gern als ökumenisch bezeichnet, habe ich mit großem Interesse die Ähnlichkeiten der Werte von Christentum und Buddhismus zur Kenntnis genommen.
Mich hat das Leben von Jarvis mit seiner Wandlung wirklich fasziniert. Ganz besonders habe ich genossen, von ganz einfachen schönen Dingen zu lesen. So erzählt Jarvis zum Beispiel davon, dass er einmal „auf Gras“ gelaufen ist, was für ihn ein ganz besonderes Erlebnis war, dagegen von Menschen, die nicht in Gefangenschaft leben, gar nicht registriert werden. Ich habe allergrößten Respekt davor, was Jarvis geschafft hat, und ich finde es großartig, dass er seine Lehren in San Quentin verbreitet.
Sehr gern gebe ich meine Empfehlung für eine Geschichte, die mich viel Neues gelehrt hat.

Bewertung vom 11.05.2021
Gespenster
Alderton, Dolly

Gespenster


gut

Die Geschichte „Gespenster“ von Dolly Alderton ist als Hörbuch erschienen bei Steinbach_SprechendeBuecher.
Die Protagonistin Nina George ist erfolgreiche Kochbuchautorin, was aber in diesem Buch keine Rolle spielt. Hier erzählt Nina in Ich-Form aus ihrem Single-Dasein und über den Versuch, über eine Dating-App einen Mann kennenzulernen. Da scheint sich Max als der Richtige herauszukristallisieren. Es funkt zwischen ihnen und es sieht so aus, als ob es ganz schnell auf eine gute Beziehung hinausläuft. Bis Max genauso plötzlich, wie er in Ninas Leben erschienen ist, wieder verschwindet.
Total witzig ist die Geschichte um ihren Zweitnamen, den sie bekommen hat, weil am Tag ihrer Geburt ein Hit von Wham! an Platz 1 der Charts stand.
Leider hat mich das Hörbuch insgesamt nicht überzeugen können. Ich denke, es lag daran, dass ich mich mit der Stimme der Sprecherin überhaupt nicht anfreunden konnte. Gerade zu Beginn klang alles recht eintönig, und wenn es eine Betonung gab, dann war sie in meinen Ohren recht merkwürdig, leider nicht für mich gemacht.
Dennoch hat mir das Verhältnis zu ihrem von Demenz betroffenen Vater und all das, was Nina dazu erzählt, gefallen. Die Gefühle wurden sehr gut transportiert. Leider reicht das aber nicht aus, um meine Begeisterung für das ganze Buch zu wecken.