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  • Format: ePub

5 Kundenbewertungen

  • Geräte: eReader
  • ohne Kopierschutz
  • eBook Hilfe
  • Größe: 5.58MB
Produktdetails
  • Verlag: HarperCollins
  • Seitenzahl: 640
  • Erscheinungstermin: 7. Februar 2022
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783365000113
  • Artikelnr.: 62588941

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Autorenporträt
CATHERINE BELTON berichtete von 2007 bis 2013 für die Financial Times aus Moskau und arbeitet heute für die Nachrichtenagentur Reuters. Ihr 2020 erschienenes Buch »Putins Netz« (OA: »Putin's People«) wurde von The Economist, der Financial Times, The New Statesman und The Telegraph zum Buch des Jahres gekürt. Catherine Belton lebt in London.
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur TAZ-Rezension

Rezensent Jens Uthoff empfiehlt Catherine Beltons "investigatives Recherchebuch" über Putins Aufstieg vom KGBler zum Kremlchef, über Schwarzgelder, Kontakte zu Rechts- wie Linksterror, eine gesteuerte russische Justiz und Putins Großreichfantasien. Deutlich werden für Uthoff die Konsequenz, mit der Putin seine Ziele verfolgt, sowie die Mittel, die er dabei anwendet. Die genau recherchierte Arbeit zeigt laut Uthoff auch die globalen wirtschaftlichen Verbindungen Putins auf und stellt Putins "Vordenker" vor. Mitunter verliert der Rezensent vor lauter Personal und akribischer Detailarbeit der ehemaligen Moskau-Korrespondentin den Überblick, aber spannend ist es immer, versichert er.

© Perlentaucher Medien GmbH

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 14.03.2022

Das Kartell
des Agenten
Catherine Belton zeigt, wie KGB-Mitarbeiter
seit Jahrzehnten daran arbeiteten,
sich den Staat und sein Kapital untertan zu machen.
Ein augenöffnendes Buch über das System Putin
VON FRANZISKA DAVIES
Der russische Totalangriff auf die Ukraine hat nicht nur in Deutschland eine Wende eingeleitet, was das Bild Russlands und des Putin-Regimes angeht. In einer atemberaubenden Kehrtwende hat die deutsche Bundesregierung Waffenlieferungen an die Ukraine beschlossen und weitgehende Sanktionen gegen Russland verhängt. Für die Ukraine, die derzeit um ihr Überleben kämpft, ist das verständlicherweise zu spät und nicht weitgehend genug. Seit dem ersten russischen Angriff im Februar 2014 versuchten Ukrainer, aber auch Polen und die baltischen Staaten, die westlichen EU-Mitglieder zu überzeugen, dass eine reale Expansionsgefahr von Putins Russland ausgeht; dass der Herrscher im Kreml das ewige Festhalten am „Dialog“ als Ermunterung auffasst, seine aggressive Politik weiter voranzutreiben. Sie hatten recht.
Es ist eine bittere Erkenntnis, dass es die Bombardierung Kiews, Millionen Flüchtlinge, viele Tote und Verletzte gebraucht hat, damit der Westen seine Fehler einsieht.
Der Krieg in der Ukraine ist in erster Linie eine Folge der inneren Entwicklung Russlands seit Putins Machtübernahme 1999, sie ist aber auch eine Folge eklatanten westlichen Versagens. Insofern ist das nun auf Deutsch erschienene Buch über „Putins Netz“ der Journalistin Catherine Belton, langjährige Moskau-Korrespondentin der Financial Times, mehr als überfällig. Es ist demnach nicht so, als ob mit Putins Totalangriff ein grundlegender, völlig überraschender Wandel seiner bisherigen Strategien stattgefunden hätte. Die Liste seiner innen- und außenpolitischen Verbrechen ist lang. Die Bilder aus Charkiw und Kiew erinnern an die von Grosny und Aleppo, zwei Städte, die Putin bereits vor geraumer Zeit in Grund und Boden gebombt hat. Zugleich aber offenbart sich in den Debatten über Russland ein eklatanter Graben zwischen den Erkenntnissen von Wissenschaft und (Investigativ-)Journalismus und dem, was die Gesellschaft bereit war, als Realität zu akzeptieren.
Eine (Mit-)verantwortung dafür tragen auch die Medien. Über Jahre genossen Putin-Verteidiger (absurderweise als „Russland-Versteher“ bezeichnet) wie etwa Matthias Platzeck, Gabriele Krone-Schmalz oder Hubert Seipel eine hohe Präsenz in der Öffentlichkeit. Mit ihren Büchern wurde Geld verdient, ihre Auftritte versprachen hohe Einschaltquoten. Daran änderte sich über Jahre nichts, obwohl Experten wiederholt darauf hinwiesen, dass deren These auf einer verqueren Russland-Romantik, einer Verharmlosung von eklatanten Menschenrechtsverletzungen durch das Putin-Regime, dem Verdrehen oder Weglassen von Fakten und einem erschreckenden Mangel an Empathie für die Opfer Putins in der Ukraine oder anderswo beruhten. Die „Russland-Versteher“ zeichneten sich nicht zuletzt durch einen zutiefst imperialen Blick auf Ostmitteleuropa aus und stellten sich damit in die Tradition eines Denkmusters in Deutschland, deren schlimmste Folgen sich im Zweiten Weltkrieg gezeigt hatten.
Beltons Buch ist nicht die erste Analyse, die die Entstehung von Netzwerken aus (Ex-)Geheimdienstlern, organisierter Kriminalität und schließlich dem Staat in den Blick nimmt. Das hat die inzwischen verstorbene Politologin Karen Dawisha in „Putin’s Kleptocracy“ (Simon &Schuster, 2014) bereits getan - das Buch wurde leider nie ins Deutsche übertragen. Wie auch Dawisha zeigt Belton, dass die Ursprünge dieser Netzwerke bis in die späten 1980er-Jahre zurückgehen, als einflussreiche Mitarbeiter des KGB erkannten, dass die Sowjetunion sich auflösen könnte. Bereits in dieser Zeit sicherten sie in Zusammenarbeit mit westlichen Firmen gutgefüllte Konten im Ausland, auf die nach dem Verbot der Kommunistischen Partei praktisch nur noch der KGB und schließlich der Nachfolger als Inlandsgeheimdienst der Russischen Föderation, FSB, Zugriff hatte. Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion im Jahr 1991 erkannten diese Netzwerker dann, dass dies ihre Chance war, sich im neuen Kapitalismus am Ausverkauf der staatlichen Firmen in den 1990er-Jahren zu bereichern.
Dies geschah in enger Zusammenarbeit mit der organisierten Kriminalität, die mit Gewalt Konkurrenten ausschaltete, und in St. Petersburg war der Mitarbeiter des Bürgermeisters, ein gewisser Wladimir Putin, dafür eine Schlüsselfigur. Lange bekannt ist seine Rolle in einem Programm, das eigentlich den von Hunger bedrohten Menschen in der Region St. Petersburg zu Gute kommen sollte: die Ausfuhr von Öl im Gegenzug zum Import von Lebensmitteln. Durch seine Position in der Verwaltung hatte Putin die Möglichkeit, die Umsetzung des Programms maßgeblich mitzubestimmen. Tatsächlich fand praktisch kein Import von Lebensmitteln statt, stattdessen exportierten Putin und seine Verbündeten billig eingekaufte Rohstoffe, um sie dann zu Weltmarktpreisen zu verkaufen und dabei massiv zu verdienen. In dieser Zeit fand Putin auch zum ersten Mal Geschmack an opulentem Luxus. Zu dieser Zeit wurde die Osero-Datschengemeinschaft in der Nähe St. Petersburgs gebaut, wo die Profiteure des Systems ihren neuen Reichtum genossen.
Putins Aufstieg zum Nachfolger Boris Jelzins in Moskau war dann aber auch das Ergebnis eines Zufalls. Es zeichnete sich ab, dass der durch Alkoholismus und Krankheit gezeichnete Jelzin einen Nachfolger brauchte, gesucht wurde aber einer, der Jelzin und seine Familie unangetastet lassen würde. Denn auch Jelzin und seine Entourage hatten – wenn auch in kleinerem Maßstab als jetzige Oligarchen – am Ausverkauf des Staates mitverdient. Sie setzen auf den relativ unbekannten Putin, inzwischen FSB-Chef, der sich bei einer Intrige gegen einen Konkurrenten als zuverlässig erwiesen hatte. Jelzin und seine Familie waren überzeugt, dass er sie nicht verfolgen lassen würde. Aber auch einflussreiche Oligarchen wie Boris Beresowski sahen den unscheinbaren Bürokraten als Übergangskandidaten, der ihnen nicht gefährlich werden würde. Schnell zeigte sich, wie sehr sie sich verkalkuliert hatten.
Doch zunächst sicherte der zu diesem Zeitpunkt in der Öffentlichkeit unbekannte und nicht sonderlich beliebte Politiker seine Macht. Eine zentrale Rolle für die Festigung seiner Position spielte der zweite Tschetschenienkrieg, der 1999 begann als Reaktion auf Sprengstoffattentate auf Moskauer Hochhäuser, bei denen 367 Menschen getötet und eine vielfache Zahl verwundet wurden. Belton schließt sich der Einschätzungen vieler Expertinnen an, wonach vieles dafür spricht, dass diese Anschläge vom FSB ausgeführt worden waren – eine false-flag operation, um den Krieg in Tschetschenien zu legitimieren. Putins hartes Durchgreifen gegen „Terroristen“ trug in jedem Fall dazu bei, seinen Rückhalt in der Bevölkerung deutlich zu vergrößern.
Was folgte, war ein allmählicher, aber zielgerichteter Abbau demokratischer Strukturen. Dazu gehörte neben dem sofort einsetzenden Angriff auf freie Medien die Abrechnung mit den in den 1990er-Jahren groß und reich gewordenen Oligarchen, die vor allem mit dem Erwerb ehemaliger Staatsunternehmen viel Geld verdient hatten. Entgegen dem weit verbreiteten Mythos, dass Putin mit der Oligarchie aufgeräumt habe, änderte er lediglich die Spielregeln. Die Oligarchen mussten sich unterordnen (Roman Abramowitsch) oder sie wurden zerstört (Michail Chodorkowskij). Mit brachialen Mitteln sicherten Putin und seine Mitstreiter dem Staat zudem Mehrheiten an zuvor privatisierten Unternehmen oder führten sie in den Besitz von Geschäftsleuten zurück, die Putin loyal waren.
Die KGB-Staatskapitalisten hatten aber auch eine ideologische Vision: ein wiedererstarktes Russland, das dem Westen ebenbürtig sein und wieder als Großmacht respektiert werden würde. Eine unabhängige Ukraine, erst recht eine demokratische, stand diesem Projekt spätestens seit der erfolgreichen „Orangenen Revolution“ von 2004 – die Putin freilich dem „Westen“ anlastete – im Weg. Sie bedrohte sowohl das kleptokratische System als auch die imperiale Mission, darauf weist auch Belton hin. Um die jetzige Eskalation zu verstehen, muss man aber noch weiter zurückgehen. Putins Aggression gegenüber der Ukraine hängt auch zusammen mit seinem kruden Geschichtsbild einer „Einheit“ von Russen und Ukrainern, bei denen Letztere sich freilich unterordnen müssen – ein Denkmuster, dessen Wurzeln ins Russische Reich des 19. Jahrhunderts zurückreichen.
Die Lektüre von Beltons akribisch recherchiertem Buch ist durchaus eine Herausforderung: Schnell verliert man – trotz Personenverzeichnis – den Überblick über die zahlreichen Akteure, die Details mancher Geldströme sind kompliziert. Auch das wohl ein Grund, warum es Floskel-Bücher über „Dialog auf Augenhöhe“, „neue Ostpolitik“ und „Entspannungspolitik“ auf dem Markt sehr viel leichter hatten als dieses. Simple Erzählungen („Der Westen ist schuld!“) sind leicht zu verdauen und zu reproduzieren, das Eintauchen in die komplexe Wirklichkeit dagegen ist anstrengend, erfordert Zeit.
Aber die vielleicht wichtigste Erkenntnis und wichtigste Botschaft dieses hervorragenden Buches ist: Die Geschichte von Putins Aufstieg ist nicht nur die Geschichte des vermeintlich ewig autoritären Russlands. Es ist auch unsere Geschichte, die Geschichte des „Westens“. Die Geschichte eines globalen Finanzkapitalismus, der nicht nach der Herkunft von Geld fragt, wenn er auch einen Teil davon für sich sichern kann. An der Expansion des post-sowjetischen russischen KGB-Staatskapitalismus verdienten Heerscharen an westlichen Investoren, PR-Agenturen, Rechtsanwälten und Politikern. In Deutschland ist der Gas-Lobbyist Gerhard Schröder lediglich das bekannteste Beispiel für ein größeres strukturelles Problem.
Mitglieder des britischen Oberhauses etwa bekleiden Posten in den Vorständen und Aufsichtsräten von russischen Staatsunternehmen, verdienen dabei gut und stellen keine Fragen. Überhaupt zeigt Beltons Buch, dass Großbritannien in diesem Zusammenhang eine mehr als unrühmliche Rolle einnimmt, in der Ermöglichung eines globalen Geheimdienstnetzwerkes von schwarzen Konten und Geldwaschanlagen. Besonders die britische Hauptstadt, die so gut wie keine Transparenz von den dort angesiedelten Firmen verlangt, ermöglichte russischen Oligarchen und Geheimdienstlern optimale Bedingungen, um Finanzströme zu verschleiern und Geld außer Landes zu bringen.
Auch daran zeigt sich: Diese Geschichte spielt nicht nur in Moskau, nicht nur in Kiew, sondern auch in London, New York, Berlin und Schwerin. Der Westen hat über Jahrzehnte an und mit Putins Russland verdient und heute finanziert nicht zuletzt Deutschland dessen Krieg gegen die Ukraine durch die Abhängigkeit von russischem Gas. Das muss ein Ende haben. Unschuldig sind wir schon lange nicht mehr, noch schuldiger dürfen wir uns nicht machen.
Franziska Davies arbeitet als Osteuropahistorikerin an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählt die Geschichte Russlands im 19. und 20. Jahrhundert.
Die Liste von Putins Verbrechen
ist lang, doch die Liste
der Putin-Versteher war es auch
Besonders die Intransparenz
des Finanzplatzes London
begünstigte die Geldflucht
Catherine Belton:
Putins Netz – Wie sich der KGB Russland zurückholte und dann den Westen ins Auge fasste.
Aus dem Englischen von Elisabeth Schmalen und Johanna Wais. Harper Collins, Hamburg 2022. 704 Seiten, 26 Euro.
Wo alles begann: In Dresden war der KGB-Agent Wladimir Putin (rechts) von 1985 bis 1990 tätig. 2006 kam er als Präsident wieder (unten). Heute ist er nicht mehr willkommen (links).
Fotos: Daniel Schäfer/dpa,
DMITRY ASTAKHOV/AP, Imago
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»'Putins Netz' ist der bislang fundierteste Bericht über das Innenleben des Kremls.« Jochen Wegner Die Zeit 20220721