Paradiessucher - Dumont, Rena
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Lenka ist 17 und träumt davon, in den Westen zu gehen. Sie hat genug vom sozialistischen Leben in der böhmischen Kleinstadt. Als sie und ihre Mutter endlich ein Visum für zwei Wochen Deutschlandurlaub bekommen, ist klar: Sie werden nicht mehr zurückgehen. Doch erst jetzt merken sie, wie schwer es ist, die Heimat, alle Freunde und Verwandten zurückzulassen. Und Pavel, die erste Liebe. Doch auch das fremde Land macht es einem nicht leicht. Das soll es also sein, das lang ersehnte Paradies? Dieses (fast) autobiografische Jugendbuch erzählt eine Geschichte von Flucht, Exil und dem Gefühl der Fremde - aber auch von der Sehnsucht nach Freiheit.…mehr

Produktbeschreibung
Lenka ist 17 und träumt davon, in den Westen zu gehen. Sie hat genug vom sozialistischen Leben in der böhmischen Kleinstadt. Als sie und ihre Mutter endlich ein Visum für zwei Wochen Deutschlandurlaub bekommen, ist klar: Sie werden nicht mehr zurückgehen. Doch erst jetzt merken sie, wie schwer es ist, die Heimat, alle Freunde und Verwandten zurückzulassen. Und Pavel, die erste Liebe. Doch auch das fremde Land macht es einem nicht leicht. Das soll es also sein, das lang ersehnte Paradies? Dieses (fast) autobiografische Jugendbuch erzählt eine Geschichte von Flucht, Exil und dem Gefühl der Fremde - aber auch von der Sehnsucht nach Freiheit.
  • Produktdetails
  • Verlag: Hanser
  • Seitenzahl: 304
  • Altersempfehlung: ab 14 Jahren
  • Erscheinungstermin: 24. Januar 2013
  • Deutsch
  • Abmessung: 218mm x 138mm x 30mm
  • Gewicht: 452g
  • ISBN-13: 9783446241640
  • ISBN-10: 3446241647
  • Artikelnr.: 36890589
Autorenporträt
Dumont, Rena
Die Autorin Rena Dumont, 1969 als Rena Zednikova geb. im mährischen Städtchen Prostejov, flüchtete als Siebzehnjährige mit ihrer Mutter nach Deutschland. Es folgten acht abenteuerliche Monate im Asylbewerberheim Königssee, dann zog sie nach München und vier Jahre später zum Schauspielstudium nach Hannover. Seit 1995 tritt sie an verschiedenen deutschsprachigen Bühnen auf, u. a. an den Münchner Kammerspielen, im Schauspielhaus Wien und im Nationaltheater Prag. Sie spielte in zahlreichen Film- und Fernsehproduktionen und schreibt Drehbücher und Kurzgeschichten. Paradiessucher ist ihr erster Roman.
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 27.07.2013

Ostweib im Puppele-Auto
Die Tschechin Rena Dumont schreibt über ihre Ankunft in Deutschland
München – Irgendwann wird sie aktiv, geht aufs Ausländeramt zu einem Menschen mit „dreißigjähriger Sesselerfahrung“ und bringt dort ihr Anliegen vor. „Ich mächte gehen in Schule. Mein Name ist Lena Hróz.“ In Wirklichkeit heißt sie Lenka Hrózová, aber was tut man nicht alles für die Integration in eine neue Gesellschaft. Also Lena, also Hróz, klingt nicht mehr so tschechisch. „Bitte, ich mächte wie Gast in Schule hären. Ich bin in Asillantelager in Känigsä, und ich mächte in Schule hären wie Gast. Mächte deutsche Sprache lernen.“ Antwort der 30 Jahre Sesselerfahrung: „Ich weiß nicht, was Sie von mir wollen.“ „In Schule hären!“ „Hören?“ „Ja, hären.“ „Sie können nichts in einer Schule hören.“ „Ja, ich kann! Ich mächte mit andere Schuler zusammen deutsche Sprache lernen!“ „Ach lernen? Sie meinen lernen? Das ist etwas anderes.“
   Doch diese Erkenntnis führt erst einmal zu nichts, weil es in der Gegend, in Königssee, keine Schule für Ausländer gibt, und Lenka noch kein Asyl bewilligt bekommen hat, da weiß man ja gar nicht, ob sich der Unterricht lohnen würde, was will sie denn sie in der Tschechoslowakei mit ihren Deutschkenntnissen. Aber Lenka gibt nicht auf, vollführt eine Art gestischen Veitstanz, und dieser zusammen mit Sätzen wie „Ich mächte in deutsch Gymnasium wie Häregast gehen, nur sitze mit Deutsche Schuler, verstehe?“ lässt in den 30 Jahren Sesselerfahrung den Gedanken reifen, dass er es hier mit einem erstaunlichen Wesen zu tun habe, das irgendwo im bayerischen Grenzland partout auf eine deutsche Schule gehen und sich dort vollkommen blamieren will. Nun, entspräche er Lenkas oder Lenas Wunsch, dann verließe die vielleicht auch wieder sein Büro, ein inzwischen verlockender Gedanke, und schon klappt es mit dem Unterricht, und Lenka findet die 30 Jahre Sesselerfahrung nun auch ganz nett.
  Lenka hieß damals eigentlich Renata Zednikova und war 17 Jahre alt, als sie 1986 zusammen mit ihrer Mutter aus der Tschechoslowakei in den Westen floh. Zehn Jahre später fing sie an, die Ereignisse von damals aufzuschreiben, nur so für sich, gab die Aufzeichnungen einer befreundeten Regisseurin zum Lesen, die gab sie an einen Literaturkritiker weiter, einen „netten, älteren Herren“, der meinte, sie brauche einen Lektor, worauf sie fragte: „Was ist das?“ Schließlich beschloss sie, was sie geschrieben hatte, ihrem Mann zum Lesen zu geben. Zu diesem Zeitpunkt hieß sie schon Rena Dumont, weil sie den Schauspieler René Dumont geheiratet hatte, der spielte damals an den Münchner Kammerspielen und spielt inzwischen am Residenztheater. Daraufhin verbrachte Rena Dumont ein Jahr mit Anschreiben an Verlage und Agenten, und irgendwann, als sie schon gar nicht mehr daran dachte, kam ein Anruf. Kurz nach dem Anruf wechselte die Lektorin, die da angerufen hatte, den Verlag, ging zu Hanser und dort ist nun das erschienen, was Rena Dumont mit 27 das erste Mal aufgeschrieben hat, der Roman „Paradiessucher“, ein sehr lustiges, sehr menschliches und sehr kluges Buch.
  Im Prinzip ist es ihre eigene Geschichte. „Irgendwie stimmt’s komplett. Also, die Fakten stimmen. Das Emotionale hab’ ich verändert.“ So lustig wie im Buch war’s wohl nicht immer. Aber da Rena schon in der ersten – und letztlich schon ziemlich letztgültigen – Version des Buches die Haltung ihrer selbst von damals annahm, sprich, sich in die 17-Jährige, die sie damals war, hineinversetzte, konnte sie mit erfrischender Unverblümtheit erzählen.
  Viele köstliche Geschichten erzählt sie, Einblicke in Ost-Realität und Asylabsurditäten, aber nicht nur. Das Buch ist auch eine Geschichte vom Erwachsenwerden. Man könnte sagen, Lenka ist ein fröhlicher Teenager, als sie die Tschechoslowakei verlässt, und eine junge, freilich nicht minder fröhliche Frau, als sie nach Verlassen des Asylantenheims in Deutschland ein normales Leben beginnen kann. Fröhlich ist sie heute noch, und manches Mal, wenn Rena von Rena erzählt, klingt es ein bisschen wie in den „Paradiessuchern“. Und wenn man sich dann noch vorstellt, dass Renas Mama bei der Flucht vermutlich irgendwie ein bisschen so aussah wie Rena heute, dann versteht man auch die vielen amourösen Abenteuer, die Mutter und Tochter auf ihrer Reise erleben, wobei Rena heute sagt, sie sei damals „ein gschamiger Vollidiot“ gewesen, was allerdings dem Erzählen solcher Geschichten sehr guttut.
  Manches hat sie sich geborgt, Geschichten von anderen Asylbewerbern, manche tragisch, manche aberwitzig wie der Trick mit der Unterhose beim Ladendiebstahl. Nichts ist erfunden, aber eben nicht vielleicht alles selbst unmittelbar erlebt. Schließlich erzählt sie ja auch Lenkas Geschichte, nicht die eigene. Schuld an der Flucht war das Klopapier. Monatelang hatte es mal wieder keines gegeben, der Hintern war wund vom Zeitungspapier und die Aussicht, es wie die anderen Mädchen in der Heimat zu tun, also nach der Schule zu heiraten, mit 30 vier Kinder zu haben, aber nicht Gescheites zum Essen und sich mit 35 wieder scheiden zu lassen, diese Aussicht macht Lenka nicht froh. Außerdem wurde sie nicht am Konservatorium genommen, durfte also nicht Schauspielerin werden – Rena holt das dann im Westen nach –, weil ihr Vater nach sozialistischen Maßstäben ein bisschen Mist gebaut hatte und man in der real existierenden Kunstausbildung mit Tennessee Williams als Vorsprechrolle auch nicht weit kam. Dann kam die Erlaubnis für zwei Wochen Urlaub im Westen, also Adieu dem bisserl einfältigen Freund, rein ins Puppele-Autochen und ab nach Deutschland, wo die dort bereits ansässigen Freunde und Verwandten erst einmal erschraken über die beiden gefräßigen „Ostweiber“, die auf einmal vor der Tür standen. Was folgte, war der Weg in die deutsche Asylbürokratie, nach einer aberwitzigen Slapstick-Nummer vor einer Polizeiwache in Bad Reichenhall, die nicht nur Lenka, sondern auch Rena genau so erlebt hat. Und irgendwann sehr viel später geht alles gut aus.
  Mit 21 las Rena Dumont ihr erstes Buch, Süskinds „Parfüm“, bewarb sich an Schauspielschulen, wurde zunächst heimgeschickt mangels Sprachkenntnissen, fing an, Goethe und Kleist zu lieben, schwere Texte, von denen sie nur die Hälfte verstand, holte in Windeseile alles nach, lernte Schauspielerin, wurde zur „Bundesausländerin“ jedweder Couleur – kaum eine Fernsehserie ohne eine Episodenrolle mit ihr –, und schrieb mit 27 ihr erstes Buch. Weitere folgen. „Der Duft meines Vaters“ liegt als Manuskript fertig beim Verlag, der drängt auf Paradiessucher 2. Und spielen würde sie auch gern wieder. Aber erstmal muss sie auf Lesereise.
EGBERT THOLL
Ein sehr lustiges,
sehr menschliches,
sehr kluges Buch
Rena Dumont
FOTO: CHRISTIAN HARTMANN
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"Lenka kämpft mit Zweifeln ... Aber ihre Lebensenergie und ihr unbedingter Wille, sich auszuprobieren, sind so stark, dass sie einen auch als Leser förmlich vom Sofa reißen. So tatendurstig und humorvoll wie Lenka zum Beispiel dem bayerischen Landrat beibringt, dass sie unbedingt Deutsch lernen muss, ist man schon wegen dieses Romans glücklich, dass der Beamte sich überzeugen ließ. Denn die Geschichte von Lenka ist auch die Geschichte von Rena Dumont, der Autorin." Kathrin Köller, Eselsohr 3/2015, 02.03.2015 "Es ist ein Buch, das man atemlos liest, voller Scham an vielen Stellen über das, was Menschen, die hier Asyl suchen, ertragen müssen. Es ist ein Buch, das einem die Augen öffnet, weil es aus der Perspektive einer Betroffenen erzählt wird und weil die Autorin die Dinge, über die sie schreibt, selbst erlebt hat." Andrea Wanner, www.titel-kulturmagazin.net, 20.01.14 "Direkt, ja burschikos, respektlos, bisweilen flapsig im Ton, gelingt Rena Dumont eine ungemeine Gegenwärtigkeit ihrer Erzählung. Nichts ist weit weg oder lange her, eine dicke Portion Nüchternheit baut jeder Versuchung zur Verklärung vor ... Immer bleibt der Roman kantig, bügelt nichts zur beschaulichen Rückschau. Und ist darum eine packende Lektüre." Reinhard Osteroth, Die Zeit, 21.03.13 "Der angenehm nüchterne Roman erzählt ungeschminkt und authentisch." Udo Bartsch, Westdeutsche Zeitung, 28.09.13 "Mit ihrer lockeren, direkten Sprache fesselt Rena Dumont den Leser auf ebenso schonungslose wie emotionale Weise; man ... fühlt mit dem jungen Mädchen mit. ... Gerade hierin liegt auch die größte Stärke dieses spannenden Romans, Rena Dumont erzählt ganz ohne Herablassung über ihre Heimat und würzt die Geschichte darüber hinaus mit einer gehörigen Portion Humor und Selbstironie." Skoda extratour, 07.12.16…mehr