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Anna Karenina, die schöne junge Frau eines zaristischen Beamten, scheint alles zu besitzen, was glücklich macht. Doch dann trifft sie auf den geheimnisvollen Grafen Wronskij und verfällt ihm rettungslos. In bedingungsloser Hingabe opfert sie alles: den Ehemann, den geliebten Sohn, sogar die Achtung der Gesellschaft, in der sie lebt. Doch ihre Liebe scheitert und endet in Eifersucht, Hass und Verzweiflung. Die Tragödie einer Frau wird bei Tolstoi zum unerbittlichen Porträt der adligen Gesellschaft im Russland des 19. Jahrhunderts. Einer der bedeutendsten Romane der Weltliteratur - erstmals vollständig gelesen.…mehr

  • Format: mp3
  • Spieldauer: 2213 Min.
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Produktbeschreibung
Anna Karenina, die schöne junge Frau eines zaristischen Beamten, scheint alles zu besitzen, was glücklich macht. Doch dann trifft sie auf den geheimnisvollen Grafen Wronskij und verfällt ihm rettungslos. In bedingungsloser Hingabe opfert sie alles: den Ehemann, den geliebten Sohn, sogar die Achtung der Gesellschaft, in der sie lebt. Doch ihre Liebe scheitert und endet in Eifersucht, Hass und Verzweiflung. Die Tragödie einer Frau wird bei Tolstoi zum unerbittlichen Porträt der adligen Gesellschaft im Russland des 19. Jahrhunderts. Einer der bedeutendsten Romane der Weltliteratur - erstmals vollständig gelesen.

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  • Produktdetails
  • Verlag: Der Audio Verlag
  • Gesamtlaufzeit: 2213 Min.
  • Erscheinungstermin: 20. Mai 2015
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 4057664013125
  • Artikelnr.: 43686254
Autorenporträt
Lew Tolstoi (1828-1910), berühmter russischer Schriftsteller. An der Universität Kasan begann er 1844 ein Studium der orientalischen Sprachen. Nach einem Wechsel an die juristische Fakultät brach er das Studium 1847 ab, um die Lage der 350 geerbten Leibeigenen im Stammgut der Familie in Jasnaja Poljana mit Landreformen zu verbessern. Von 1851 an erlebte er in der zaristischen Armee als Fähnrich einer Artilleriebrigade den Krieg im Kaukasus. Seine Erfahrungen im Militäreinsatz beeinflußten seine frühen Kaukasus-Erzählungen. Nach Ausbruch des Krimkriegs erlebte er 1854 den Stellungskrieg in der belagerten Festung Sewastopol. Die realistischen Berichte aus diesem Krieg machten ihn früh als Schriftsteller bekannt. Seit 1855 lebte er abwechselnd auf dem Gut Jasnaja Poljana, in Moskau und in Sankt Petersburg. Unter pädagogischem Blickwinkel bereiste er 1857 und 1860/61 westeuropäische Länder und besuchte Künstler (Charles Dickens, Iwan Turgenew) und Pädagogen (Adolph Diesterweg). Nach der Rückkehr verstärkte er seine reformpädagogischen Bestrebungen und richtete Dorfschulen nach dem Vorbild Rousseaus ein. Auch als die Schule durch die zaristische Verwaltung geschlossen worden war, verfolgte Tolstoi die pädagogischen Ziele weiter. In der sechziger und siebziger Jahren schrieb er die monumentalen Romane »Krieg und Frieden« sowie »Anna Karenina«, die seinen literarischen Ruhm begründeten. Mit seiner großen Anerkennung begann für Tolstoi eine Phase der Orientierungslosigkeit. Seine Sinnsuche brachten ihn dazu, auf Rauchen und Alkohol zu verzichten und sich vegetarisch zu ernähren. Seit 1881 hatte er sich intensiv religiösen Fragen zugewandt. Die Verbreitung seiner Anschauungen zog den Widerstand politischer und kirchlicher Einrichtungen nach sich. Auf seine Achtung im Ausland folgte seine Ächtung im Inland. Seit 1882 unterstand er polizeilicher Überwachung. Tolstoi lehnte sozialistische Bestrebungen im Sinne einer Diktatur des Proletariats ab. Mit seinem moralischen Rigorismus sah er sich in einem Zwiespalt: Sich selbst und der reichen Oberschicht, der er entstammte, warf er eine egozentrische und sinnentleerte Lebensweise vor. Seine Haltung führte ihn zu der Frage nach beständigen moralischen Werten, die er für sich mit dem Anspruch auf bedingungslose Nächstenliebe und radikale Gewaltlosigkeit beantwortete. Vor diesem Hintergrund galt Tolstoi in seinen späten Jahren als Vertreter eines religiös inspirierten Anarchismus.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 27.11.2009

Alle Familienprobleme ähneln einander

Hätten Elterngeld und Scheidungsrecht etwas gebracht? Rosemarie Tietzes Neuübersetzung von Tolstois sehr moderner "Anna Karenina".

Von Sabine Berking

Nur der Tod besitzt eine eigene Überschrift, eine winzige Zeile lässt anhalten zwischen den mehr als zweihundert Kapiteln und den gut zwölfhundert Romanseiten. Es ist ein elendes, ein seitenlanges Sterben, wie es vermutlich millionenfach geschieht, in Krankenhäusern, auf Pflegestationen, zu Hause. Selten kriecht der Tod in der Literatur so nah an die Leser heran. Nachzulesen ist das nicht in einem aktuellen Sachbuch, sondern bei Tolstoi, und die Rede ist dabei auch nicht vom Selbstmord der Titelheldin Anna Karenina, dafür genügten dem Grafen weniger als zwei Seiten. Es geht um eine Nebenfigur, um Lewins Bruder Nikolai, einen nihilistischen Grießgram, ein Ungetüm von Mensch, dessen auch für die anwesenden Angehörigen unerträglicher Todeskampf in einer schäbigen Absteige zur Höllenqual wird. Das müssen wir bei der letzten Lektüre, die gut zwei Jahrzehnte zurückliegt, überlesen haben. Es gibt hier keine großen Worte, sondern nur miese, verbrauchte Luft und einen dahinsiechenden Menschen, der tagelang seine letzten Atemzüge röchelt.

Überhaupt ist das ein anderes, ein neues Buch und nicht jene "Anna Karenina", an die wir uns erinnern. Seit einem halben Jahrhundert kam keine einzige vollständige Neuübersetzung mehr auf den Markt. Warum gerade jetzt eine erscheint, mag unter anderem daran liegen, dass dieser Roman einen gesellschaftlichen Wandel beschreibt, der der Unbehaustheit unserer Tage gar nicht so unähnlich ist, und zwar nicht nur wenn der "idyllische Geruch von Kinderwindeln" störend in der Luft liegt, wie ein Zeitgenosse Tolstois spöttisch anmerkte.

Auf geht es also mit dem berühmten ersten Satz von den glücklichen Familien, die sich alle ähneln, und den unglücklichen, die alle auf ihre Weise unglücklich sind. Am Anfang holpert die Sprache ein bisschen, man meint, das früher schon mal eleganter gelesen zu haben. Gleich in den ersten Sätzen übers "Drunter und drüber" bei den Oblonskis wimmelt es von "hatte und hatten". Wir nehmen zum Vergleich eine alte Übersetzung von Hermann Asemissen in die Hand, die dann doch antiquiert wirkt. Es geht, man weiß es ja, um die Familie, um die der Karenins, die durch Annas Liaison mit dem Grafen Wronski auseinanderbricht, und um die sich vorsichtig konstituierende neue Familie von Lewin und seiner jungen Frau Kitty, die eigentlich Wronski wollte. Neben Drama und Liebesglück entdecken wir eine dritte Sippe ganz neu, die von Kittys Schwester Dolly, mit ihren alltäglichen Sorgen ums Geld, um Kinderkrankheiten und -betreuung und um einen untreuen und noch dazu verschwenderischen Ehemann.

Viel mehr als frühere Übersetzer, die fast ausnahmslos männlich waren, hat Rosemarie Tietze den Figuren auf den Mund und in die Seele geschaut, Fassungen des Romans verglichen und sich möglichst strikt ans Original gehalten. Dabei ist der Ton salopper, knapper, mündlicher geworden, und schon bald ist man überzeugt, es mit einer sehr modernen Geschichte zu tun zu haben. Denn ist es nicht so, wie Kittys Mutter, die Fürstin Schtscherbatskaja stöhnt, dass alle wissen, wie man es in Sachen Heirat und Familie nicht mehr machen soll, aber keiner wirklich weiß, wie man es nun richtig anpackt. Wäre Anna, die in ihrer langweiligen Ehe und den Konventionen gefangen ist, heute, mit einem modernen Scheidungsrecht, wirklich glücklicher? Soll man, wie Dolly es mit schlechtem Gewissen tut, die Kinder in frühen Jahren mit einer Fremdsprache quälen, damit sie den Ansprüchen an eine moderne gesellschaftliche Elite gerecht werden? Sind Kinder, wie im Falle der Karenins, nicht immer der größte Zankapfel bei Ehestreitigkeiten? Überhaupt scheint der Familienpatriarch Tolstoi über die Freuden und Leiden, die Mühen und Sorgen einer Hausfrau und Mutter mindestens genauso viel gewusst zu haben wie vom Klatsch und Tratsch der großen Gesellschaft. Von Politik ganz zu schweigen. Wie zeitgemäß erscheinen die Bemerkungen Karenins, der zwar ein uncharmanter Ehemann, dafür aber ein korrekter Beamter ist, dass "enorme Dotierungen" in Aufsichtsräten und Kommissionen "Kennzeichen einer falschen ökonomischen assiette" der Verwaltung seien. Ça alors!

Die tragische Liebesgeschichte von Anna und Wronski rückt bei der neuen Lektüre etwas in den Hintergrund, sie verkehrt sich vielmehr zu einem eigenen Beziehungsdrama, in dem Anna nicht immer nur bemitleidenswert, sondern durchaus auch als eine Art zickige desperate housewife erscheint. Das eben ist die große Kunst des alten Meisters: eine Figur in allen Facetten zu erfinden und so zu beschreiben, dass sie uns auch bei wiederholtem Lesen immer wieder neu verblüfft. Dasselbe gilt für Tolstois Sprache, die sich, so scheint es, an jede Zeit anzupassen vermag und doch immer die wundervolle, lakonische und reiche Sprache Tolstois bleibt. Selten waren zwölfhundert Seiten eine so kurzweilige Lektüre.

Lew Tolstoi: "Anna Karenina". Roman in acht Teilen. Aus dem Russischen übersetzt und kommentiert von Rosemarie Tietze. Carl Hanser Verlag, München 2009. 1280 S., geb., 39,90 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 27.10.2009

Eifersucht und Eisenbahn
Leo Tolstois „Anna Karenina” in neuer Übersetzung
„Schreiende Widersprüche” hatte 1908 Lenin in seinem Aufsatz über Tolstois „Anna Karenina” entdeckt, einem Werk, das damals längst schon in den Kanon der Weltliteratur aufgenommen gewesen war. Diese Karriere hat Tolstois Roman vor allem wegen der Geschichte seiner Titelheldin gemacht, einer Ehefrau aus den obersten Rängen der Gesellschaft, die sich in den jüngeren Offizier Wronski verliebt und mit ihm die Ehe bricht. Wronski setzt für dieses Abenteuer alle Aufstiegschancen aufs Spiel, die Eifersucht aber treibt Anna schließlich zum Selbstmord und den Geliebten zur Teilnahme am Kampf der Montenegriner gegen die Türken, in dem auch er, verzweifelt über den gescheiterten privaten Aufstand, den Tod zu finden hofft. Diese Tragödie aus weiblicher Verführungskunst, Leidenschaft und Liebestod ist ein bewährtes Erzählschema des 19. Jahrhunderts und trägt dazu bei, Tolstois Werk bis heute in Erinnerung zu halten, wenngleich inzwischen häufiger der Film als die Lektüre das Gedächtnis auffrischt.
Die Widersprüche, die Lenin in diesem monumentalen Werk von mehr als tausend Seiten erkannte, konnte er am glatten Handlungsgang der Ehebruchsgeschichte nicht beobachtet haben. Vielmehr spricht Lenin von den latenten „Widersprüchen der Epoche selbst”, die sich im Roman niedergeschlagen haben. Das Werk Tolstois fällt in eine Phase des Umbruchs der russischen Gesellschaft, die 1861 mit der Aufhebung der Leibeigenschaft beginnt und in die russische Revolution mündet. Mit „Anna Karenina” setzt Tolstoi die Geschichte Russlands, die er in „Krieg und Frieden” begonnen hatte, in seine Gegenwart hinein fort. An einer Geschichte der Epoche Peters II., die er beschreiben wollte, war er gescheitert. Der Selbstmord einer Anna Stepanowa Sykowa aber, die sich in der Nähe von Jasnaja Poljana, dem Gut Tolstois, aus Eifersucht vor einen Eisenbahnzug warf, gab ihm die Idee eines zeitgeschichtlichen Romans ein. 1873 begann Tolstoi die Arbeit am Roman, 1876, so lässt sich erschließen, findet im Roman Annas Selbstmord statt, 1877/78 erschien diese romanhafte Kulturgeschichte Russlands endgültig in der Buchfassung.
In künstlerischer Hellsicht entwarf Tolstoi ein Gemälde dieser Übergangsepoche voller privater Zweifel und heraufziehender politischer Unruhen. Die Handlungslinie der Ehebruchsgeschichte unterbricht er durch viele, in kleine Kapitel verpackte private Ereignisse, die zugleich die Krise der Menschen in einer Welt zwischen Tradition und Moderne, zwischen neuer Technik und altgedientem Handwerk, zwischen Glaube und Unglaube, hergebrachter Ordnung und politischer Utopie spiegeln.
„Die Gedanken eines Menschen und die der Gesellschaft erfahren eine Art kreuzweiser Bestäubung”, so beschreibt Victor Schklowski in einer Biographie Tolstois dessen literarisches Verfahren. Die Ehebruchsgeschichte wird vom Zeitgemälde zur Nebensache herabgestuft, sie ist nur ein Teil dieses großen Gemäldes.
Wer „Anna Karenina” vollständig liest und sich nicht mit Zitat oder Erinnerungen an eine tragisch-pikante Ehebruchsgeschichte begnügt, wird ein größeres Werk antreffen: ein Epos des russischen Lebens in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Fast möchte es der Leser, wenn er sich in der Beschreibung der St. Petersburger und Moskauer Aristokratie, ihrer Jagden, Bälle, Familientreffen, Hochzeiten, Geburten verloren hat, wenn er aus der bäuerlichen Arbeit des Gutsbesitzers Konstantin Dmitrijewitsch Lewin wieder auftaucht, bedauern, dass Tolstoi für sein Zeitgemälde keinen besseren Titel fand als „Anna Karenina”, der die Rezeption auf eine Figur konzentriert, die nicht einmal die Hauptfigur genannt werden kann. Die religiösen Skrupel und intellektuellen Zweifel Lewins etwa, der Züge des Autors selbst trägt, nehmen mehr Raum ein und sind intellektuell gewichtiger als die sündige Liebe einer unzufriedenen Ehefrau.
Die Kunst der Charakterisierung ist an Tolstoi oft genug gerühmt worden, und sie entfaltet sich vor allem in diesem Ehebruchsroman mit den vielen, meist verwandtschaftlich verbundenen Figuren, von denen sich nicht einmal sagen ließe, welches Haupt-, welches Nebenfiguren seien: Lewin mit seinen politischen und religiösen Zweifeln? Oder der Beamte Karenin, der sich aus der arroganten Ironie allem Menschlichen gegenüber in einen spiritistischen Aberglauben flüchtet? Oder gar Stepan Arkadjewitsch Oblonski, die Frohnatur, die aus all den Zweifeln und Katastrophen, die ihn umbrausen, immer wieder unbeschädigt auftaucht?
Von ihnen und vielen anderen wird der Leser ein guter Bekannter, denn der innere Monolog – ein von Tolstoi gern verwandtes Stilmittel; selbst der Jagdhund Lanska spricht gelegentlich mit sich über seine Jagdbeute – öffnet ihm die verborgenen Kammern der Seelen, die nichts anderes sind als Seismographen der Zeit.
Der ungläubige Bräutigam
Tolstoi erweist sich nicht nur als Künstler des inneren Monologs, sondern auch als einer des Dialogs. Seine Enthüllungen über den Alltag des Ehelebens sind singulär in der Literaturgeschichte, und sie enthüllen sich immer durch ein eheliches Streitgespräch, durch die Kippelei der jungvermählten Kitty mit ihrem Mann oder durch die zerstörerischen Debatten zwischen Anna und Wronski.
Zwar verlangt Tolstoi, und das nicht selten, viel Geduld von seinem Leser, etwa wenn er zu wiederholten Malen ausführlich die Jagd auf Schnepfen und Bekassinen beschreibt. Er belohnt die Ausdauer dann aber auch wieder durch unvergessliche Szenen, wie die, da der junge Vater, verbannt vor die Türe eines Zimmers, die Geburtswehen seiner Gattin miterleidet, oder jene, da der ungläubige Bräutigam gezwungen ist, vor der Hochzeit zu beichten. Die Begegnung der Konkurrenten Karenin und Wronski am Bett der im Kindbettfieber mit dem Tod ringenden Anna ist ebenso ungewöhnlich wie Annas Aufklärung über Empfängnisverhütung, die sie ihrer vom Kindersegen erschöpften Schwägerin angedeihen lässt. Die letzte Szene des Romans aber gehört Lewin, dem alle Fragen in der Schwebe bleiben – und unendliches Fragen über die „schreienden Widersprüche” der Zeit – dies eigentlich ist das Thema dieses grandiosen Romans.
Vor dem Gewicht einer solchen Zeitanalyse spielt die Qualität einer Übersetzung kaum eine Rolle. Rosemarie Tietze folgt dem gegenwärtigen Trend des Übersetzens, der mit philologischer Akribie besonderen Wert auf die sprachlichen Besonderheiten des Originals legt. Dadurch kann es in der deutschen Sprache zu Unebenheiten, sogar Verständnisschwierigkeiten kommen. Die Eleganz früherer Übertragungen, etwa der von Fred Ottow (1964), geht verloren, größere Werktreue jedoch ist gewonnen. Es wäre kleinliche Mäkelei, wollte man bei einem solchen Volumen an werkgetreuer Übersetzung einzelne Worte auf die Waagschale legen, zumal ein gewissenhafter Kommentar neben sachlichen Informationen an entsprechenden Stellen auch Hinweise auf Schwierigkeiten der Übertragung gibt und auf die Art, wie sie gelöst wurden.
HANNELORE SCHLAFFER
LEO TOLSTOI: Anna Karenina. Ein Roman in acht Teilen. Übersetzt und kommentiert von Rosemarie Tietze. 1285 Seiten. Carl-Hanser-Verlag, München 2009.
Greta Garbo in „Anna Karenina”, 1935 Abb.: Scherl
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung exklusiv über www.sz-content.de
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Rezensentin Hannelore Schlaffer hat Leo Tolstois Epos "Anna Karenina", das nun in einer neuen deutschen Übersetzung vorliegt, mit großer Begeisterung (wieder) gelesen. Der "grandiose" Roman darf in ihren Augen nicht auf die bekannte tragische Ehebruchsgeschichte zwischen Anna Karenina und dem jüngeren Offizier Wronski reduziert werden. Sie sieht in dem Werk wesentlich mehr: eine "romanhafte Kulturgeschichte" Russlands, das Panaroma einer "Übergangsepoche", in dem sich die Krise der Menschen zwischen Tradition und Moderne, Glaube und Unglaube, alter Ordnung und politischer Utopie spiegelt. Schlaffer würdigt Tolstois hohe Kunst der Personencharakterisierung, des inneren Monologs und des Dialogs, durch die die Figuren des Romans dem Leser bald wie "gute Bekannte" erscheinen. Die Übersetzung von Rosemarie Tietze hält sie für philologisch sehr akribisch und daher für wesentlich werkgetreuer, aber auch für etwas weniger elegant als frühere Übertragungen, wie etwa die von Fred Ottow aus dem Jahr 1964.

© Perlentaucher Medien GmbH
"Sie lesen Tolstoi, weil Sie nicht mehr aufhören können." Vladimir Nabokov

"Anna Karenina ist ein vollkommenes Kunstwerk. Dieser Roman enthält eine menschliche Botschaft, die in Europa noch nie vernommen wurde und die die Menschen der westlichen Welt brauchen." Fjodor Dostojewskij

"Was ich ungescheut den größten Gesellschaftsroman der Weltliteratur nannte, ist ein Roman gegen die Gesellschaft." Thomas Mann

"Eine wunderbar elegante Neuübersetzung, 1200 Seiten, die sich lesen wie Butter, doch der Leser sei gewarnt: Neben diesem Roman verblassen alle anderen, denn mit "Anna Karenina" hat Tolstoi eigentlich alles gesagt." Johanna Adorján, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 29.11.09

"In künstlerischer Hellsicht entwarf Tolstoi ein Gemälde dieser Übergangsepoche voller privater Zweifel und heraufziehender politischer Unruhen." Hannelore Schlaffer, Süddeutsche Zeitung, 27.10.09

"Tolstois Sprache vermag sich an jede Zeit anzupassen und bleibt doch immer die wundervolle, lakonische und reiche Sprache Tolstois. Selten waren zwölfhundert Seiten eine so kurzweilige Lektüre." Sabine Berking, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.11.09

"'Anna Karenina' ist eines der himmlischsten Bücher der Weltliteratur. Jetzt ist es neu übersetzt worden: besser denn je. Im Vergleich zu allen auf dem Markt erhältlichen Übersetzungen genauer, farbiger in den Einzelheiten, überzeugender. Der Roman lässt uns all seinen Figuren so nahe kommen, wie es nur wenigen Büchern der Weltliteratur gelingt, lässt ihnen aber in aller Nähe ihr Rätsel." Andreas Isenschmid, Neue Zürcher Zeitung, 13.12.09

"Rosemarie Tietze glättet zum ersten Mal nicht an Tolstoi herum. Sie gibt ihm mehr Spielraum. Die aufgefrischte Übertragung ist nur die eine besondere Leistung dieses Bandes. Die andere ist die editorische. Besser geht`s kaum." Die Welt, 19.12.09

"Die neue Übertragung von Rosemarie Tietze ist ein Glücksfall. Da will man nur weiterlesen, weiterlesen und möglichst nicht an ein Ende kommen." Ilma Rakusa, Die Zeit, 10.12.09

"Rosemarie Tietzes Übersetzung lässt Tolstois Roman in neuem Glanz erstrahlen und macht seine Aktualität augenfällig." Ulrich M. Schmid, Neue Zürcher Zeitung, 24.12.09

"Grandios neu übersetzt." Johanna Adorján, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 14.02.10
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