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Benutzername: MaWiOr
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Bewertungen

Insgesamt 2605 Bewertungen
Bewertung vom 27.01.2020
Das Haus auf dem Hügel
Pavese, Cesare

Das Haus auf dem Hügel


ausgezeichnet

Der italienische Schriftsteller Cesare Pavese (1908-1950) gilt als wichtigster Vertreter des Neorealismus. Der Roman „Das Haus auf dem Hügel“ (1948 erschienen) ist sein bekanntestes Werk. Der Roman spielt im Sommer 1943 in Oberitalien. Als Turin von den Alliierten bombardiert wird, flieht der Lehrer Corrado in die ruhigeren Berge. Er ist unentschlossen, ob er sich den Partisanen anschließen soll. Die Lage ist unübersichtlich und so beobachtet er gewissermaßen als Außenstehender die weitere Entwicklung.

Da begegnet ihm seine frühere Geliebte Cate und ihrem Kind Dino, das vielleicht von ihm ist. Als sich die Meldung vom Waffenstillstand verbreitet, keimt Hoffnung auf. Doch dann dringt die Wehrmacht auch in die Hügellandschaft vor. Die Bewohner müssen sich entscheiden. Während Cate weiß, auf welcher Seite sie steht, zögert Corrado immer noch. Der Roman trägt autobiografische Züge, da Pavese durch seine eigene Passivität selbst Schuldgefühle hatte, die schließlich zu seinem Selbstmord führten. Der Roman liegt jetzt in einer Neuübersetzung vor.

Bewertung vom 26.01.2020
Art

Art


ausgezeichnet

Seit mehreren Jahrtausenden ist der Mensch künstlerisch kreativ - von den ersten Höhlenmalereien bis zur zeitgenössischen digitalen Kunst. Der wunderbare Bildband „art“ versucht die Geschichte der Kunst auf 600 Seiten vor allem visuell zu präsentieren. Und vorweg: es ist hervorragend gelungen. Zunächst werden unter der Einführung „Der richtige Blick“ Grundbegriffe der Kunst kurz erläutert, von Sujet und Komposition, über Perspektive, Malmittel, Techniken und Farbe bis zu Duktus und Textur.

Anschließend wird in sechs Kapiteln (von der Frühzeit bis zur Gegenwart) über 2500 Kunstwerke aller Stile und Epochen vorgestellt. Für jede Epoche gibt es einen Zeitstrahl und kurze Informationen zu deren Ausprägung in einzelnen Ländern. Über die meisten Künstler informiert eine stichpunktartige Biografie und natürlich Abbildungen ihrer wich-tigsten Werke, wobei es auch zahlreiche Detailaufnahmen gibt, die auf Besonderheiten der Malweise oder der Gestik von Porträtierten hinweisen. Dadurch kommt der Bildband schließlich auf über 3000 Farbabbildungen. Im Durchschnitt findet man auf jeder Buchseite vier bis sechs Abbildungen, die natürlich nicht sehr groß sind, aber von einer bestechenden Druckqualität. Unterschiedliche Textgrößen und Textkästchen sorgen für Übersichtlichkeit und Abwechslung. Zu den Abbildungen der Kunstwerke gibt es auch die notwendigen Information von Bildgröße, Maltechnik, Museum usw.

An den gut verständlichen und aussagekräftigen Textbeiträgen war ein ganzer Stab von Kunstwissenschaftlern und Fachberatern beteiligt. Die 600 Seiten geben nicht nur einen kompakten und doch umfassenden Überblick der Kunstgeschichte, sie liefern auch unzählige Anregungen, sich mit einzelnen Künstlern oder Themen näher zu beschäftigen. Sehr zu empfehlen!

Bewertung vom 02.01.2020
Goya, Fragonard, Tiepolo

Goya, Fragonard, Tiepolo


ausgezeichnet

Die europäische Kunst war um 1800 wie die gesellschaftliche Entwicklung von enormen Umbrüchen betroffen. Die Hamburger Kunsthalle macht mit der bemerkenswerten Ausstellung „Die Freiheit der Malerei“ (13. Dezember 2019 - 13. April 2020) diesen Wandel sichtbar. Sie spannt einen Bogen vom italienischen Barock (Giovanni Batista Tiepolo) zum bedeutendsten spanischen Maler zwischen Aufklärung und Romantik, Francisco de Goya, und Jean-Honoré Fragonard, dem bedeutendsten Vertreter des französischen Rokoko. Alle drei Künstler waren erfolgreich, ihre Auftraggeber waren die Kirche, der Adel und das aufstrebende Bürgertum. Obwohl sehr unterschiedlich, schufen sie mit ihren innovativen Malweisen eine neue Freiheit der Kunst.

Im Hirmer Verlag ist der umfangreiche und reich illustrierte Begleitkatalog zu die-ser Ausstellung erschienen. Zunächst wird in zehn Essays die europäische Malerei des 18. Jahrhunderts sowie die unterschiedlichen Bildsprachen der drei Künstler näher beleuchtet. So gründet sich die Eindringlichkeit von Goyas Bildern und seiner druckgraphischen Werkzyklen auf einer intensiven Beobachtung der Natur und des menschlichen Verhaltens. Mit seiner Kunst eröffnete er eine Welt voller verschlüsselter Motive und Phantasien. Fragonard dagegen galt lange als sinnlich-koloristischer Vertreter des späten Rokoko. Seine Werke begleiten die Entwick-lung der Liebeskunst im Frankreich des 18. Jahrhunderts. Auch als feinsinniger Illustrator von klassischer Literatur konnte er überzeugen. Die Ausstellung macht seine künstlerischen Besonderheiten und unabhängigen Züge sichtbar.

Giovanni Battista Tiepolo dagegen gilt als bedeutendster Vertreter des goldenen Zeitalters venezianischer Malerei im 18. Jahrhundert. In seinen Gemälden und Fresken erreichte der europäische Spätbarock einen glanzvollen Höhe- und Endpunkt, dabei zeichneten sich seine Werke durch eine erstaunliche Experimentierfreude aus, mit der er weit über seine Zeit hinaustrat.

Der Katalogteil unterteilt die vorgestellten Werke der drei Künstler in verschiedene Kunstobjekte: u.a. Skizzenhaftes, Figurenbildnisse, Gesellschaftsbilder, Karikaturen und graphische Folgen. Ein umfangreicher Anhang mit Künstlerbiografien, Verzeichnis der ausgestellten Werke, Bibliographie und Autorenverzeichnis kom-plettiert den informativen Begleitkatalog.

Bewertung vom 02.01.2020
Zwei Flaneure in Berlin
Erdmann, Gerd-Rüdiger

Zwei Flaneure in Berlin


sehr gut

Der Philosoph Walter Benjamin (1892-1940) durchstreifte in den 1920er Jahren Berlin, das sich gerade zu einer pulsierenden Metropole entwickelte. Tage und Nächte lang flanierte er durch die Stadt. Die Leidenschaft des Spazierengehens teilte er dabei mit seinem Freund, dem Rowohlt-Lektor, Franz Hessel (1880-1941). Ihre Erlebnisse und Eindrücke hat Hessel 1929 in „Spazieren in Berlin“ veröffentlicht. „Langsam durch belebte Straßen zu gehen, ist ein besonderes Vergnügen. Man wird überspült von der Eile der andern, es ist ein Bad in der Brandung.“ - so beginnt Hessels inzwischen legendäres Berlin-Buch.

Der Mediziner und Autor Gerd-Rüdiger Erdmann hat sich nun nach fast hundert Jahren aufgemacht und Orte besucht, die beiden Flaneure beschrieben oder die eine Rolle in ihrem Leben gespielt haben. Damit soll das Vergangene im Gegenwärtigen gezeigt werden. Zunächst beleuchtet Erdmann die Flanerie seiner beiden Vorbilder etwas genauer. Beide waren eigentlich „schlechte Fußgänger“ und so schlug sich die Gemächlichkeit auch in der Schilderung ihrer Eindrücke des bürgerlichen Lebens wider.

In den folgenden, knapp zwanzig Erkundungen besucht Erdmann literarische Orte in Berlin der 1920er Jahre. Eine Station ist u.a. die Eislebener Straße 13, wo Bertolt Brecht Anfang des Jahrzehnts einige Monate gelebt hatte. Benjamin widmete später Brecht eine seiner Rundfunkarbeiten. Marlene Dietrich wohnte von 1908 bis 1914 in der Tauentzienstraße. Hessel beschrieb die Schauspielerin als Berliner Kind, das durch den Film „Marokko“ in den USA berühmt wurde. Mascha Kaléko hatte ab 1929 in der „Vossischen Zeitung“ und im „Berliner Tageblatt“ Gedichte veröffentlicht. Hessel holte sie schließlich zum Rowohlt-Verlag. Natürlich sucht Erdmann auch Orte auf, die mit den Berliner Lebensjahren von Hessel und Benjamin in Verbindung stehen. Im letzten Kapitel berichtet er von den letzten Lebensjahren der beiden Flaneure: Benjamin verließ 1933 Deutschland und nahm sich 1940 bei der Flucht von Frankreich ins rettende Spanien das Leben. Hessel kehrte erst 1938 Berlin den Rücken, kam aber später in Südfrankreich in ein Internierungslager und starb nach der Entlassung an den Folgen der Lagerhaft.

Mit seinen Spaziergängen stellt Erdmann dem Leser nicht nur die beiden Flaneure Benjamin und Hessel vor, sondern führt auch durch das Berlin der 1920er Jahre. Eine unterhaltsame Lektüre und Anregung für eigene Erkundungs-Spaziergänge.

Bewertung vom 21.12.2019
Lebensgefühl Auto
Noakes, Andrew

Lebensgefühl Auto


ausgezeichnet

Ist ein Auto nur ein technisches Mittel, um von A nach B zu gelangen? Mitnichten … sondern ein reizvolles und zugleich nützliches Kultobjekt. Oder wie der Buchtitel … ein „Lebensgefühl“. Der reich illustrierte Bildband erzählt die Geschichte des Automobils von der ersten Kutsche ohne Pferde bis zu hochmodernen autonom fahrenden Fahrzeugen. In neun chronologischen Kapiteln wird die Entwicklung des Autos eindrucksvoll dargestellt. Den Auftakt macht das Anfangskapitel „Erfindung des Autos“, das die Jahre 1885-1905 betrachtet. Damals ging es darum, auch Regionen, die ohne Eisenbahnanbindungen waren, mobil zu machen. Nach einem zögerlichen Start nahm die Entwicklung des Verbrennungsmotors Fahrt auf. Aber erst mit der „Geburt einer Industrie 1906-1925“ wurde das Auto langsam ein Konsumgut. Tankstellen, Highways, Parkplätzen und Werkstätten boomten. Das Auto fand weltweite Verbreitung.

Ende der 1920er Jahre setzten sich Tempo und Stil als Erfolgsrezept durch. Neue Technologien wurden zunächst für die Rennstrecke erfunden, die aber bald ihren Weg in die Serienproduktion fanden. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Nachfrage nach neuen Autos enorm. In den 1950er Jahren boomten in Europa vor allem die kleinen Familienkut-schen, in den USA sollte es jedoch ein prahlerisches Jahrzehnt der immer breiteren Heckflossen und immer leistungsstärkeren Motoren werden. Die beiden anschließenden Jahrzehnte waren von Technik & Sicherheit geprägt, wobei große Fortschritte bei den Materialien, der Technologie sowie der Elektronik gemacht worden. Mit Beginn der 1980er Jahre nahm die Automatisierung der Autofabriken immer mehr zu; das Digitalzeitalter begann.

Das dritte Jahrtausend startet mit dem Kapitel „Fahrt in die Zukunft“. Neue Technologien wie Hybridfahrantriebe oder Elektromotore (und Jahre später der Abgasskandal) brachten einen Stein ins Rollen. Die konventionellen Autos haben sich seitdem stark gewandelt und so sind die letzten Seiten Zukunftskonzepten (u.a. autonomes Fahren) gewidmet. Komplettiert wird der Bildband mit dem Kapitel „Schöne Routen - Tolle Strecken rund um den Globus“. Eine tolle Publikation mit informativen Überblickstexten und vielen historischen Abbildungen. Da kommen Auto-Fans ins Schwärmen.

Bewertung vom 19.12.2019
Entdecker
Huang, Nellie

Entdecker


ausgezeichnet

Christoph Kolumbus, Marco Polo oder Charles Darwin kennen natürlich die meisten Kids. Das „Entdecker“-Buch aus dem Dorling Kindersley Verlag stellt 50 mutige Pioniere und ihre abenteuerlichen Entdeckungen vor. Diese sind in die drei thematischen Kapitel „Meer und Eis“, „Land“ und „Luft und Weltall“ unterteilt. Neben Christoph Kolumbus waren noch weitere mutige Pioniere zur See unterwegs, um in damals unbekannte Regionen der Erde vorzustoßen - wie Vasco da Gama, Ferdinand Magellan oder James Cook. Natürlich wird auch das Wettrennen zum Südpol zwischen Roald Amundsen und Robert Falcon Scott gewürdigt, wobei auf Scotts Ausrüstung etwas detailliert eingegangen wird.

Im Kapitel „Land“ sind die jungen Leser u.a. auf den Spuren von Alexander von Humboldt oder dem Neuseeländischen Bergsteiger Edmund Hillary unterwegs. Die brasilianischen Brüder Villas-Boas erkundeten dagegen den Urwald ihres Landes, um die Ureinwohner zu schützen, oder die amerikanische Reporterin Nellie Bly reiste in 72 Tagen um die Welt - das war 1890 ein neuer Weltrekord. Auch das Geheimnis des Grabes von Pharao Tutanchamum wird gelüftet. Im Kapitel „Luft und Weltall“ geht es mit Charles Lindbergh auf den ersten Nonstop-Flug von New York nach Paris - 16,5 Stunden. Der sowjetische Kosmonaut Juri Gagarin war der erste Mensch im Weltall und die sowjetische Kosmonautin Walentina Tereschkowa die erste Frau im Weltall und bisher die einzige Frau, die allein auf einer Weltraummission war. Natürlich wird auch an die Mondlandung von Apollo 11 erinnert und den ersten Schritt von Neil Armstrong auf dem Erdtrabanten.

Welche Ziele sind die nächsten? Dschungel - Tiefsee - oder Planeten. Der menschliche Forschergeist kennt keine Grenzen. Es gibt noch viele Geheimnisse, die darauf warten, entdeckt zu werden. Alle Entdecker-Pioniere werden jeweils auf einer Doppelseite vorgestellt, mit vielen historischen Abbildungen und erklärenden Illustrationen von Jessamy Hawke. Sehr farbenfroh und mit informativen und gut verständlichen Texten. Eine wunderbare Lektüre für neugierige Entdecker ab einem Lesealter von 9 Jahren.

Bewertung vom 18.12.2019
Sohn des Achill / Der lange Krieg Bd.1 (2 Audio-CD, MP3)
Cameron, Christian

Sohn des Achill / Der lange Krieg Bd.1 (2 Audio-CD, MP3)


sehr gut

Der amerikanische Historiker Christian Cameron ist seit einigen Jahren sehr erfolgreich als Autor von historischen Romanen. „Sohn des Achill“ ist der erste Band der dreibändigen Abenteurer-Reihe „Der lange Krieg“, die ins 5. Jahrhundert v. Chr. zur Zeit der Perserkriege führt. Im Mittelpunkt der Handlung steht der Bauernjunge Arimnestos. Eigentlich will er wie sein Vater Bronzeschmied werden, doch dieser wird ermordet und er als Junge ins ferne Ephesos verschleppt, wo er die Sklaverei zu erleiden hat. Nach Jahren - Arimnestos ist zum kräftigen Mann gereift - entwickelt er sich zu gefürchteten Kämpfer, der auf dem Schlachtfeld keine Gnade kennt. Ihm eilt der Ruf voraus, ein „Menschenschlächter“ zu sein. Neben der spannenden Geschichte gewinnt der Leser (Hörer) auch Einblicke in die Welt des antiken Griechenlands.

Im Audiobuch Verlag ist eine leicht gekürzte Fassung (1404 Min., unter Streichung von einigen überlangen Passagen) des Auftaktbandes erschienen. Dem Sprecher Erich Wittenberg gelingt es dabei sehr gut, die Spannungselemente der Romanvorlage hörbar zu machen. Im Januar bzw. März erscheinen als Romanfortsetzung Band 2 („Schlacht von Marathon“) und Band 3 („Bezwinger der Meere“), von denen es sicher zeitnah auch die Hörfassungen geben wird.

Bewertung vom 09.12.2019
In bester Gesellschaft

In bester Gesellschaft


ausgezeichnet

Was wäre die Kunst ohne Alkohol? Viele Künstler lassen sich durch ein Glas Wein oder einen guten Cognac inspirieren. Aber manche Geschichten drehen sich einfach um das alkoholische Thema, wie in diesem Diogenes-Auswahlband. Die Auftaktgeschichte „Geschmack“ dreht sich um eine außergewöhnliche, aber doch ernsthafte Wette, die - wie man bei Roald Dahl erwartet - ein unerwartetes Ende nimmt. Eben britischer Humor.

„Eher geht ein Kamel …“ ist eine der längeren Geschichten des Bandes. F. Scott Fitzgerald soll sie an einem Tag niedergeschrieben haben (ob Alkohol als Stimulans im Spiel war, ist nicht überliefert). Weitere, meist zeitgenössische Autoren sind u.a. Martin Walker, Benedict Wells, Connie Palmen, Wenedict Jerofejew oder Jakob Arjouni. Mit „Die Legende vom heiligen Trinker“ von Joseph Roth ist auch eine klassische Geschichte vertreten. Es ist die Geschichte des Obdachlosen Andreas, dem aber zahlreiche Wunder geschehen, die sein tristes Dasein letztlich erträglich machen. Den Abschluss bildet „Als alles begann“, eine kritische (autobiografische ?) Auseinandersetzung mit der Alkoholsucht.

Fazit: Ein abwechslungsreicher Band, mit dem man in „bester Gesellschaft“ ist.

Bewertung vom 09.12.2019
Spuren des Menschen

Spuren des Menschen


ausgezeichnet

Vor einigen Wochen überraschte eine internationale Forschergruppe mit der Nachricht: Der aufrechte Gang des Menschen soll sich in Europa entwickelt haben - und nicht wie bislang angenommen in Afrika. Der Band „Spuren des Menschen“ gibt einen aktuellen Überblick zu 800 000 Jahre Geschichte in Mitteleuropa. Die Neuerscheinung ist eine Veröffentlichung der Römisch-Germanischen Kommission und der Zentrale des Deutschen Archäologischen Institutes.

In acht umfangreichen Themenkapiteln von renommierten Fachleuten wird ein historischen Bogen von der Altsteinzeit über die Jungsteinzeit, die Bronzezeit, die Eisenzeit, die Antike und das Mittelalter bis in die Neuzeit gespannt. Beleuchtet werden dabei jeweils Kulturen und Kulturgruppen, wobei Fragen der Mobilität, Innovation, Widerstandsfähigkeit und langzeitlichen sozialen Prozesse im Mittelpunkt stehen. Bei der Betrachtung dieser Fragen wird mitunter sogar die chronologische Abfolge verlassen.

Zunächst wird aber ein überfassender Überblick zur Archäologie und zu „Mensch, Umwelt, Lebenswelt“ gegeben. Hier werden die archäologischen Disziplinen in ihrer Vielfalt an Methoden und Fragestellungen vorgestellt. Abgerundet wird die umfassende Darstellung mit dem Kapitel „Archäologie in der Gesellschaft“, wo es um das öffentliche Interesse an dem Fach und an der Ur- und Frühgeschichte des Menschen geht. Außerdem werden die Archäologischen Museen in Deutschland vorgestellt - von der Wunderkammer zum modernen Museum. Mit über 500 Abbildungen und Karten ist der Band eine reich illustrierte archäologische (aber verständliche) Entdeckungsreise durch die Menschheitsgeschichte Mitteleuropas.

Bewertung vom 09.12.2019
70/71
Bremm, Klaus-Jürgen

70/71


ausgezeichnet

Das nächste historische Jubiläumsdatum zeichnet sich bereits ab: der 150. Jahrestag des Deutsch-Französischen Kriegs von 1870/71 im Jahr 2020. Im Vorfeld legt der Historiker Klaus-Jürgen Bremm eine umfassende Gesamtdarstellung der Ereignisse vor 150 Jahren vor. In sieben Kapiteln wird dabei auch ein Panorama der europäischen Geschichte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gezeichnet - vom Zweiten Kaiserreich, vom Deutsch-Dänischen Krieg 1864 und der Pariser Weltausstellung 1867 bis zu Bismarcks Reichs-gründung. Neben der Vorgeschichte mit ihren diplomatischen Vorbereitungen stehen dabei militärische Betrachtungen wie Heeresorganisationen oder Schlachtenverläufe im Mittelpunkt. Dabei geht es dem Autor nicht um die Glorifizierung des Krieges. So werden auch die Leiden der Soldaten, kriegsgefangenen und der Zivilbevölkerung in den besetzten Landesteilen sowie die Abtrennung Elsass-Lothringens ausführlich beleuchtet.

Etwas zu kurz werden die Ereignisse der Pariser Kommune behandelt. Interessant und sicher nicht ohne Widerspruch sind seine Einschätzungen zu den Folgen von „Preußens Triumph über Frankreich“ für die weitere Entwicklung Europas. So wird Bismarcks Reichsgründung als ein „europäischer Glücksfall“ dargestellt, der Europa immerhin 43 Jahre Frieden brachte. So hatte für Bremm der Erste Weltkrieg andere Ursachen, etwa die Nationalismen auf dem Balkan oder die Rivalitäten der alten Vielvölkermächte Österreich-Ungarn und Russland.

Fazit: Eine detailreiche Darstellung, die auch Einzelschicksale beleuchtet und mit einigen historischen Abbildungen illustriert ist. Dabei wird auf Fakten und Einsichten aufmerksam gemacht, die bisher wenig Beachtung fanden.