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Benutzername: MaWiOr
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Insgesamt 2472 Bewertungen
Bewertung vom 20.03.2019
Wim ist weg
Boon, Rogier

Wim ist weg


ausgezeichnet

Der kleine Wim hat Geburtstag und er hat ein tolles Fahrrad geschenkt bekommen. Klar, dass er das gleich ausprobieren will. Aber nur auf dem elterlichen Grundstück herumfahren? Das macht doch keinen Spaß. Wim will nach Spanien. Da muss er erst einmal mitten durch die Stadt. Bald ist er draußen auf dem Lande, wo er erst einmal eine Pause macht. Bei Sonnenuntergang legt er sich unter einem Baum schlafen.

Inzwischen machen sich seine Eltern Sorgen. Die Polizei wird informiert ... im Radio gibt es eine Suchmeldung ... alle suchen Wim ... auch im Dunkeln. Die Freude ist groß, als er endlich gefunden wird. Für junge Leseratten eine aufregende Geschichte, die vor allem durch die großformatigen Farbabbildungen begeistert. Auch zum gemeinsamen Anschauen mit den Eltern oder Großeltern sehr gut geeignet.

Bewertung vom 20.03.2019
Der Hamster Radel
Murschetz, Luis

Der Hamster Radel


ausgezeichnet

Im Schaufenster einer Apotheke lebt der Hamster Radel. Den ganzen Tag muss er in seinem Rädchen rennen - meist angetrieben von dem Apotheker. Doch dann geht die Schaufensterscheibe zu Bruch und Hamster Radel kullert auf die Straße. Alle wollen ihn einfangen, doch Radel ist schneller. Plötzlich kommen aus allen Häusern Hamster mit ihrem Rad, Meerschweinchen sind auch dabei. Da müssen sogar die Autos anhalten, so viele sind es. Endlich haben sie eine Wiese erreicht, wo sie ihre Backen mit Weizenkörnern vollstopfen können. Ihre verlassenen Rädchen hat dann ein Bauer gefunden.

Eine vergnügliche und nachdenkliche Kindergeschichte mit ganzseitigen Farbillustrationen. Auch gut zum Vorlesen geeignet.

Bewertung vom 19.03.2019
Verfahren eingestellt
Magris, Claudio

Verfahren eingestellt


ausgezeichnet

Der italienische (Triester) Schriftsteller Claudio Magris (*1939) ist den deutschen Lesern vor allem durch sein essayistisches Kulturbuch „Donau - Biografie eines Flusses“ (dtv 34418) bekannt. Zu seinem 80. Geburtstag ist nun im Deutschen Taschenbuch Verlag sein neuer Roman „Verfahren eingestellt“ erschienen. Und Magris ist damit wieder ein großes und wichtiges Buch gelungen.

Ein Mann aus Triest, ein namenloser „ER“, sammelt Waffen aus allen Ländern für sein Kriegsmuseum. Jedes Exponat dieses imaginären Museums (das es real in Triest seit 2014 tatsächlich gibt) ist Baustein einer Kulturgeschichte nicht nur des Krieges, sondern der gewalttätigen Menschheit überhaupt. Jedes Ausstellungsstück erzählt eine Geschichte. Mit den Zeugnissen des Krieges soll das Museum den Frieden fördern.

Jahre später wird das außergewöhnliche Museum bei einem mysteriösen Brand zerstört und sein Gründer kommt dabei ums Leben. Die junge Kuratorin Luisa versucht, es zu rekonstruieren. Dabei stößt sie auf das ehemalige Konzentrationslager Risiera di San Sabba, das nur wenige Kilometer vom Zentrum der Stadt entfernt war. Um die 20.000 Häftlinge waren hier eingekerkert, Tausende fanden den Tod. ER hatte in den dortigen Todeszellen Graffiti von Inhaftierten entdeckt und Aufzeichnungen über die Opfer und Täter nationalsozialistischer und faschistischer Willkür angefertigt.

Magris beleuchtet nicht nur ein dunkles Kapitel seiner Heimatstadt, er wendet sich allgemein und vehement gegen das Vergessen. Ein wortgewaltiges und nachdenkliches Buch, das jedoch Konzentration bei der Lektüre verlangt.

Bewertung vom 19.03.2019
Das Coda-Programm / Dino Wars Bd.1
Metcalf, Dan

Das Coda-Programm / Dino Wars Bd.1


sehr gut

„Das Coda-Programm“ ist der erste Band der neuen Actionroman-Reihe „Dino Wars“ des englischen Jugendbuchautors Dan Metcalf. Bei einem eigentlich harmlosen Spiel in einer Höhle stehen Alex Gold und seine Freunde plötzlich vor einer großen Stahltür. Als sie die geheimnisvolle Tür mit dem Rad öffnen, landen sie in einem Labor, in einer Geheimzentrale mit vielen Bildschirmen. Hier stoßen sie auf das Coda-Programm, das sie aus Versehen aktivieren. Das Programm wurde zur Zeit der Dinokriege entwickelt, um die Saurier auf der Erde auszulöschen. Aber inzwischen leben die Menschen mit den friedliebenden Pflanzenfressern zusammen … doch nun drohen wieder ein Krieg und die Auslöschung der Dino.

Alex und seinen Freunden bleibt nicht viel Zeit, das todbringende Programm zu stoppen. Es beginnt ein Wettlauf mit der Zeit. Wie das Abenteuer ausgeht, soll nicht verraten werden … außerdem endet es nicht mit dem Ende des Buches, denn … Fortsetzung folgt. Eine spannende und illustrierte Geschichte für das Lesealter ab acht Jahre.

Bewertung vom 18.03.2019
Die verborgenen Stimmen der Bücher, 1 MP3-CD
Collins, Bridget

Die verborgenen Stimmen der Bücher, 1 MP3-CD


sehr gut

Nach einer langen, schweren Krankheit wird der junge Emmett von seinen bäuerlichen Eltern bei der Buchbinderin Seredith in die Lehre abgegeben - obwohl im elterlichen Haus Bücher nie eine Rolle spielten. Außerdem lebt Seredith abgeschieden in den Sümpfen. Doch zunächst vermittelt ihn seine Lehrmeisterin überhaupt keine Kenntnisse über das Buchbinden, vielmehr wird er immer auf „später“ vertröstet. Doch langsam wird Emmett misstrauisch, denn nirgendwo entdeckt er Bücher. Seredith ist keine gewöhnliche Buchbinderin. Langsam erst erfährt Emmett, dass Buchbinden das Binden von Erinnerungen der Autoren ist und daher eigentlich unter Verschluss gehalten werden müssten. In einer bildhaften Sprache lüftet die Autorin nur langsam das Geheimnis.

„Die verborgenen Stimmen der Bücher“ ist eine fantastische Geschichte über die Macht der Bücher, die der Sprecher Frank Stieren glaubhaft vorträgt, sodass der Hörer langsam zum Kern der Geschichte gelangt, über den hier nichts verraten werden soll.

Bewertung vom 18.03.2019
Historische Reisen - rund um den Globus, 2 MP3-CDs

Historische Reisen - rund um den Globus, 2 MP3-CDs


ausgezeichnet

Der Audiobuch Verlag hat seine erfolgreiche Reihe mit historischen Reiseberichten fortgesetzt - dieses Mal unter dem Motto „Rund um den Globus“. Auf den beiden mp3-CDs (Spieldauer 988 Min.) werden Auszüge aus insgesamt 13 Reiseberichten vorgetragen, wobei die zweite CD (456 Min.) dem britischen Offizier und Archäologen Thomas Edward Lawrence (1888-1935) und seinem Reisebericht „Die sieben Säulen der Weisheit“ vorbehalten ist. Aus der Sicht des aktiven Partisanenkämpfers beschreibt er nicht nur den erfolgreichen Aufstand der Araber gegen die Osmanen während des Ersten Weltkriegs, sondern zugleich die Bräuche und Mentalität der Wüstenvölker und die bizarren Eigenartigkeiten des Lebensraumes.

Die erste CD bietet eine interessante Mischung an Reiseliteratur. Da beschreibt die amerikanische Pilotin und Frauenrechtlerin Amelia Earhart (1897-1937/1939) ihre Eindrücke während ihres Transatlantikfluges 1928. Der spätere Naturforscher Georg Forster (1754-1794) beteiligte sich als 17-Jähriger an der zweiten Weltumseglung unter Kapitän Cook. Sein Bericht begründete die moderne deutsche Reiseliteratur und machte den Verfasser schlagartig berühmt. Der österreichische Schriftsteller und Journalist Joseph Roth (1894-1939) unternahm 1926 eine Wolga-Schifffahrt und in seinem Zeitungsbericht schilderte er auch das Leben der Menschen im Sowjetstaat. Im Humboldt-Jubiläumsjahr fehlt natürlich auch keine Lesung aus den amerikanischen Reisetagebüchern von Alexander von Hum-boldt (1769-1859).

Die weiteren Reiseberichterstatter sind Antoine de Saint-Exupéry, Carl Schurz, Marie von Bunsen, Ida Pfeiffer, David Livingstone, Adelbert von Chamisso, Alfons Paquet und Annemarie Schwarzenbach. Ebenso vielfältig ist die Palette der Vorleser - von Frank Arnold bis zu Beate Rysopp. Im Booklet findet man außerdem kurze biografische Informationen (mit Porträtfoto) zu den einzelnen Abenteurern, Forschern oder einfach „nur“ Reisenden.

Bewertung vom 18.03.2019
Gert Westphal liest: Die Jahreszeiten in der deutschen Dichtung, 4 Audio-CDs
Andersen, Hans Christian; Claudius, Matthias; Fontane, Theodor; Heine, Heinrich; Liliencron, Detlev Von; Mörike, Eduard; Storm, Theodor

Gert Westphal liest: Die Jahreszeiten in der deutschen Dichtung, 4 Audio-CDs


ausgezeichnet

Viele deutsche Gedichte handeln von Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Ob Walther von der Vogelweide, Goethe, Uhland, Mörike, Fontane oder Rilke … sie alle ließen sich von den vier Jahreszeiten inspirieren. Der Regisseur und Sprecher Gert Westphal (1920-2002, auch „König der Vorleser genannt) hat Anfang der 1990er Jahre aus dem reichen Schatz der deutschen Lyrik die bekanntesten Gedichte zum Thema „Jahreszeiten“ ausgewählt und auf Veranstaltungen vorgetragen.

Die vier Audio-CDs mit knapp fünf Stunden Spieldauer präsentieren nun die Mitschnitte dieser vier Live-Lesungen. Über hundert Gedichten und Prosatexten (z.B. aus Goethes „Dichtung und Wahrheit“ oder Heines „Harzreise“) kann der Hörer lauschen. Den Auftakt macht Ludwig Uhlands „Frühlingsglaube“ mit „Die linden Lüfte sind erwacht“, den Abschluss bildet ein Auszug aus der Erzählung „Bergkristall“ von Adalbert Stifter. Selbst Gert Westphal ist mit Gedanken zu den Jahreszeiten vertreten.

Besonders umfangreich (immerhin 28 Seiten) und informativ ist auch das Booklet. Neben den detaillierten Inhaltsangaben der einzelnen CDs findet man hier den Essay „Die Kultur der vier Jahreszeiten“ der Lektorin Barbara Glökler. Fazit: Ein gelungenes Hörbuch, das sich auch wunderbar als Geschenk eignet.

Bewertung vom 16.03.2019
Jacques Offenbach
Schon, Heiko

Jacques Offenbach


ausgezeichnet

Jacques Offenbach (1819-1880) war ein Meister der Musik. Heute gilt er ist als Erfinder der Operette. Sein 200. Geburtstag in diesem Jahr war für die Kölner Offenbach-Gesellschaft Anlass, über das vielfältige Schaffen des französischen Komponisten zu informieren. Die wissenschaftliche und unterhaltsame Publikation des Musikkenners Heiko Schon wendet sich dabei sowohl an Offenbach-Kenner als auch an Musik-Anfänger.

Das Buch ist wie ein Nachschlagewerk aufgebaut, denn der Autor stellt nach einer kurzen Einleitung alle Musikwerke von Offenbach in kurzen Textbeiträgen vor. Nach den stichpunktartigen Informationen über die Uraufführung und das Libretto werden die Musikwerke mit den Fragen „Worum geht’s?“ und „Was steckt dahinter?“ näher beleuchtet. Auch auf die „Stärkste Nummer“ des Musikwerkes wird hingewiesen, ebenso auf mögliche Audio-CDs, DVDs und YouTube-Links zum Reinhören. Die Vorstellungen werden dabei in 16 thematische Kapitel unterteilt - von der „Entdeckung des Cellos“ über „Offenbach, der Salonlöwe“ oder „Offenbach und die Frauen“ bis zu „Offenbach und das offene Ende“.

Die einzelnen Kapitel werden mit Einleitungstexten eröffnet, die die musikalische Entwicklung Offenbachs dokumentieren. Im Anhang findet man neben Personen- und Werkregister auch zahlreiche Quellenangaben. Zwei schmale Bildteile bringen außerdem einige historische Abbildungen.

Bewertung vom 07.03.2019
Wie man es vermasselt
Watsky, George

Wie man es vermasselt


sehr gut

„Wie man es vermasselt“ ist ein Auswahlband mit Kurzgeschichten des amerikanischen Rap-Musikers und Poetry-Slammers George Watsky. Es ist seine erste Buchveröffentlichung, die dreizehn Texte vereint. Sie sind meist skurril und humorvoll. In der Auftaktgeschichte „Stoßzahn“ geht es um den hundertsten Geburtstag der Tante June das kriminelle Schmuggeln eines Narwal-Stoßzahns von Kanada in die USA. Dagegen ist „Tränen & Baseball“ eine Vater-Sohn-Story. Über zwanzig Jahre haben sie darüber diskutiert und argumentiert und hatten dabei so vieles verpasst.

Watsky schreibt meist aus eigenem Erleben - reflektierend und selbstironisch. Daneben beobachtet er kritisch den amerikanischen Alltag. Eine neue, interessante Stimme in der zeitgenössischen amerikanischen Literatur.

Bewertung vom 06.03.2019
Italienische Reise
Goethe, Johann Wolfgang von

Italienische Reise


ausgezeichnet

Vor über zwei hundert Jahren (1816) erschien der erste Band des Reisetagebuchs „Italienische Reise“. Da lag Goethes Reise nach Italien allerdings schon zwanzig Jahre zurück. Von 1786 bis 1788 erfüllte sich Goethe einen Lebenstraum: eine Reise nach Italien. Im Jahre 1786 befand sich der spätere „Dichterfürst“ Johann Wolfgang von Goethe in einer existenziellen Lebens- und Schaffenskrise und so markierte diese „italienische Reise“ einen Neuanfang für sein Werk. Er reiste (meist per Postkutsche und fast immer allein) bis nach Rom, wo er vier Monate blieb. Von Neapel aus unternahm er zwei Exkursionen auf den gerade aktiven Vesuv und besichtigte Pompeji. Dann segelte er mit dem Schiff nach Sizilien, wo er u.a. Palermo besuchte. Sein Rückweg führte ihn, wieder über Neapel, erneut nach Rom. Später sollte der Dichter dem Ideal von Natur und Kunst, von Anschauung und Gedanke nie mehr so nahe kommen wie in Venedig und Rom, zwischen der Campagna, Neapel und Sizilien.

Die Italien-Sehnsucht treibt noch heute unzählige Deutsche auf den Spuren Goethes gen Süden. So auch den Fotografen Helmut Schlaiß, der auf seiner Italienreise wie der Dichter seine Kunst und innere Ruhe wiederfinden wollte. Diese fotografische Spurensuche war jedoch mit einigen Abenteuern verbunden. Sie verlangte manchmal endlose Geduld beim Auffinden des Motivs und beim Warten auf den richtigen Moment. Außerdem war für ihn von Anfang an klar, dass er nur in Schwarz und Weiß arbeiten konnte, um sich Goethes Eindrücken zu nähern. So fotografierte er die Sehenswürdigkeiten in Rom in aller Frühe oder spät nachts, wenn die Tiberstadt von den Touristenströmen verschont war. Manchmal hat er auch touristenfreie Bildhälften zusammengefügt. Schlaiß hat seine Italienreise im Ein-Mann-Wohnmobil unternommen, mit dem er gelegentlich direkt vor Ort war. Seine fotografische Spurensuche zog sich (mit längeren Unterbrechungen) über drei Jahre hin. Mitunter bedurfte es auch großer Überredungskünste, um Einlass oder eine Fotogenehmigung zu erhalten.

Der wunderbare Bild-Text-Band ist zweigeteilt - zunächst die ganzseitigen Schwarz-Weiß-Fotos mit Zitaten aus der „Italienischen Reise“, im Anschluss dann Goethes Reisebericht selbst. Den Schlusspunkt setzt ein Nachwort „Nach Italien, nach Italien!“ zu Goethes „Italienischer Reise“ des Kritikers Denis Scheck. Für Goethe- und literarische Italienfreunde ein absolutes Muss.