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MaWiOr
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Halle

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Insgesamt 3208 Bewertungen
Bewertung vom 30.11.2022
Max wird Beckmann

Max wird Beckmann


ausgezeichnet

Max Beckmann (1884–1950) gehört zu den bedeutendsten deutschen Malern und Grafikern der Zwischenkriegszeit. Sein Werk ist zwischen Expressionismus und Neue Sachlichkeit einzuordnen. Zwei Kriege, Diktatur und Exil prägten seinen Lebensweg. Im Zentrum seines vielfältigen Schaffens stehen die Gemälde und die graphischen Arbeiten, die sich durch eine meisterhafte Form- und Farbgestaltung auszeichnen.

Das Herzog Anton Ulrich-Museum in Braunschweig zeigt mit der bemerkenswerten Ausstellung „Max wird Beckmann – Es begann in Braunschweig“ (28. Oktober 2022 bis 12. Februar 2023) die Anfänge seines künstlerischen Schaffens. Dabei spannt sich der Bogen von der Schulzeit über die Ausbildung an der Weimarer Kunstschule und den Paris-Aufenthalt 1903 bis er sich ein Jahr später als freier Künstler etablierte. Die Ausstellung präsentiert 100 Werke aller Gattungen aus namhaften Museen und aus Privatbesitz, gegliedert in die fünf Kapitel „Herkunft“, „Berufung“, „Aufbruch“, „Liebe“ und „Inspiration“.

Im Hirmer Verlag ist der umfangreiche und reich illustrierte Begleitkatalog zu dieser interessanten Ausstellung erschienen. Im Essayteil wird zunächst Beckmanns Herkunft (zwar in Leipzig geboren, doch in Braunschweig groß geworden), Kindheit und Jugend auch mit Fotos aus dem Privatbesitz beleuchtet. Danach widmet sich Thomas Döring (einer der Hg.) Beckmanns frühester künstlerischer Entwicklung und Selbstinszenierung, dem Auftritt des jungen Malers sowie den frühen Selbstdarstellungen. Danach gibt Andreas Uhr (ebenfalls Hg.) einen Überblick über Beckmanns Auseinandersetzung mit den Alten Meistern, deren Wertschätzung bereits in der Jugend begann. Interessant und aufschlussreich ist auch der Beitrag über frühere Beckmann-Ausstellungen in Braunschweig (1921, 1929 und 1953).

Den Abschluss bilden zusammengestellte Lebensdaten sowie Dokumente (Urkunden, Briefe, und Tagebuchaufzeichnungen) aus der Braunschweiger Zeit. Die meist ganzseitigen Abbildungen der ausgestellten Werke sind in die Textbeiträge integriert, ebenso zahlreiche historische Aufnahmen oder Abbildungen von Werken anderer Künstler.

Fazit: Ausstellung und Katalog beleuchten ein bisher wenig bekanntes Kapitel im Leben und Werk des Jahrhundertkünstlers Max Beckmann.

Bewertung vom 29.11.2022
Arthur Gordon Pyms Abenteuer
Poe, Edgar Allan

Arthur Gordon Pyms Abenteuer


ausgezeichnet

Der amerikanischer Dichter, Erzähler und Literaturtheoretiker Edgar Allan Poe gilt heute als Begründer der modernen Kurzgeschichte und der Detektivgeschichte sowie als Vollender der phantastischen Erzählung des 19. Jahrhunderts. Er entwickelte Theorien und Grundsätze, die von grundlegender Bedeutung für die Science Fiction Literatur und den Detektivroman waren. Sein Name verbindet sich untrennbar mit Titeln wie „Der Doppelmord in der Rue Morgue“, „Die Maske des Roten Todes“ oder „Im Wirbel des Malstroms“.

In seinem längsten Prosawerk „Die denkwürdigen Abenteuer des Arthur Gordon Pym“, das 1838 erschien, greift Poe dagegen Motive des Seeabenteuers auf. Als Sechzehnjähriger geht Arthur Gordon Pym heimlich auf ein Walfangschiff und wird von seinem Freund im Bauch des Schiffes versteckt. Als blinder Passagier verbringt er mehrere Wochen quasi lebendig begraben unter Deck. Inzwischen bricht an Bord eine Meuterei aus, die in einem scheußlichen Gemetzel endet. Pym gelingt es zwar, mit ein paar Getreuen das Schiff zurückzuerobern, aber ein entsetzlicher Sturm droht ihr Schicksal zu besiegeln.

Das ist jedoch nicht das Ende der Katastrophen. Die haarsträubende Odyssee geht weiter in Richtung Südpol. Die klassische Abenteuergeschichte, die heute fantastisch wirkt, aber damals für bare Münze genommen wurde, ist jetzt in einer Neuübersetzung von Andreas Nohl im Deutschen Taschenbuch Verlag erschienen. In seinem Nachwort beleuchtet er u.a. die Entstehungsgeschichte des Romans.

Bewertung vom 29.11.2022
Mögen Sie Emily Dickinson?

Mögen Sie Emily Dickinson?


ausgezeichnet

Emily Dickinson (1830-1886) war die wohl einflussreichste amerikanische Lyrikerin. Wenn man heute ihre Gedichte liest, meint man, Gedichte des späten 20. Jahrhunderts vor sich zu haben. Zu ihren Lebzeiten wusste jedoch kaum jemand von ihrer Kunst, es wurden nur zehn Gedichte veröffentlicht, dabei belief sich ihr lyrisches Gesamtwerk auf fast 1.800 Gedichte. Ähnlich ihrem Landsmann Walt Whitman (aber doch ganz anders) zeichnen sich ihre Gedichte durch eine gewaltige poetische Sprache aus. Emily Dickinson, die Tochter eines Anwalts, lebte sehr zurückgezogen und einsam in ihrem Elternhaus; erst nach ihrem Tod fand ihre Schwester Lavinia eine Truhe voller Gedichte.

Heute gilt die Lyrikerin als echter Geheimtipp. Nun ist im Verlag Zweitausendeins eine Kombination von Buch (Titel „Nur dieses Leben besitze ich“) und Hörspiel-CD erschienen, die mit 77 Gedichten (zweisprachig) von Dickinson bekanntmacht – in einer Neuübersetzung des Regisseurs und Autors Kai Grehn. Die Hörspielarbeit „Mögen Sie Emily Dickin-son?“ (ebenfalls von Kai Grehn) taucht mit ihrem Klangteppich (darunter Naturklänge und elektronische Musik) in die geheime und faszinierende Welt ihrer Gedichte ein. Dazu wurden auch einige Auszüge aus Briefen verwendet. Als Sprecher*innen zeichnen sich die österreichische Schauspielerin Birgit Minichmayr und der deutsche Schauspieler Christopher Nell aus, denen wunderbare Rezitationen gelungen sind. Den Soundtrack spielte die US-amerikanische Band COCOROSIE ein.

Fazit: Eine wirklich gelungene Kombination zum Kennenlernen des lyrischen Werkes von Emily Dickinson. Sehr empfehlenswert.

Bewertung vom 28.11.2022
50 Gedichte der Neuen Sachlichkeit

50 Gedichte der Neuen Sachlichkeit


ausgezeichnet

Die Literatur der Neuen Sachlichkeit zwischen den beiden Weltkriegen (genauer zwischen 1918 und 1933) umfasste alle literarischen Gattungen. Die Lyrik beschäftigte sich vor allem mit Alltagsfragen, der Gebrauchswert stand im Vordergrund.

Der Reclam-Band bietet mit seinen 50 Gedichten ein breites Spektrum neusachlicher Lyrik. Dabei besticht vor allem die Bandbreite sowohl an ausgewählten Autoren und Autorinnen als auch an Themen und Inhalten. Neben bekannten „Klassikern“ von Erich Kästner („Sachliche Romanze“), Mascha Kaléko („Großstadtliebe“) oder Kurt Tucholsky („Augen in der Großstadt“) findet man auch unbekanntere Namen wie Martin Kessel, Lili Grün, Erich Grisar oder Hans Harbeck.

Die Auswahl der Gedichte ist in zehn thematische Kapitel unterteilt – von „Lyrische Großstadtszenen“ über „Urbanes Freizeitleben“, „Neue Frauen“ und „Naturgedichte“ bis zu „Politische Diagnosen und Apelle“. Diese Lyrik der Weimarer Republik mit ihren literarischen, teilweise politischen Weckrufen fand jedoch ihr Ende mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933.

Neben der Gedichtauswahl ist der Anhang sehr umfangreich. So gibt es zu jedem Lyriker / jeder Lyrikerin eine Kurzbiografie und ausführliche Anmerkungen zu jedem Gedicht. Dazu ein Nachwort der Herausgeberin Gabriele Sander, die auch die Auswahl und die Gliederung der Gedichte beleuchtet.

Bewertung vom 28.11.2022
Leipzig zum Verweilen

Leipzig zum Verweilen


ausgezeichnet

Die Messestadt Leipzig kann sowohl auf eine wechselvolle Geschichte wie auch auf eine reichhaltige Kultur und Kunst zurückblicken. Johann Sebastian Bach, Johann Wolfgang Goethe, Felix Mendelssohn Bartholdy oder Richard Wagner sind nur einige Namen, die hier gewirkt haben. Über viele Jahrhunderte war Leipzig auch die Buchstadt.

Der Reclam-Reiseführer „Leipzig zum Verweilen“ lädt nun ein, die Stadt von der literarischen Seite kennenzulernen, denn viele Schriftsteller*innen haben über sie geschrieben. Da berichtet die Autorin Kathrin Wildenberger über die Montagsdemonstration vom 9. Oktober 1989; auch der Schriftsteller Erich Loest erinnert in seinem Roman „Nikolaikirche“ an die geschichtsträchtigen Tage im Herbst 1989. Da wird das Schillerhaus in der Menckelstraße oder die Deutsche Nationalbibliothek besucht. Man erfährt etwas über die Giftschränke in der Deutschen Bücherei oder das Völkerschlachtdenkmal, das in dem Familienroman „Für’n Groschen Brause“ von Dieter Zimmer eine Rolle spielt.

Natürlich fehlt die Szene „Auerbachs Keller“ aus Goethes „Faust“ nicht. Auch Rainer Maria Rilke, Joachim Ringelnatz, Egon Erwin Kisch oder die Mundartdichterin Lene Voigt sind vertreten. Insgesamt 15 Auszüge aus literarischen Werken (mit kurzen Einleitungen) laden zum Verweilen in Leipzig. Die Neuerscheinung ist außerdem eine willkommene Anregung, die Originale selbst zu lesen.

Bewertung vom 10.11.2022
Chagall

Chagall


ausgezeichnet

Der französisch-russische Maler Marc Chagall (1887-1985) zählt zu den bedeutendsten Künstlern des 20. Jahrhunderts und der europäischen Moderne. Seine Werke beeindrucken vor allem mit ihrer Leichtigkeit, Farbfreudigkeit und den oft schwebenden Figuren, sodass sie oft als träumerisch, verspielt und heiter beschrieben wurden. Die Ausstellung „Welt in Aufruhr“ in der Frankfurter Schirn (vom 4. November 2022 bis 19. Februar 2023 – und anschließend im Henie Onstad Kunstsenter, Høvikodden (Norwegen) - zeigt nun eine bislang wenig bekannte, aber wichtige Seite seines Schaffens – die Werke der 1930er- und 1940er-Jahre, in denen Chagalls Werk aufgrund von Nationalsozialismus und Antisemitismus düsterer wurde und er 1941, knapp den Nazis entronnen, in die USA emigrierte. Mit rund 60 eindringlichen Gemälden, Papierarbeiten und Kostümen zeichnet die Ausstellung die Suche des Künstlers nach einer Bildsprache im Angesicht von Vertreibung und Verfolgung nach.

Im Hirmer Verlag ist der umfangreiche und reich illustrierte Begleitkatalog zu dieser bemerkenswerten Ausstellung erschienen. Im Essayteil gibt die Kuratorin Ilka Voermann zunächst einen Überblick über Chagalls künstlerische Auseinandersetzung mit der Bedrohung der jüdischen Kultur und seiner Suche nach einer neuen Bildsprache. Anschließend beleuchtet die Kunsthistorikerin Ziva Amishai-Maisels Chagalls jüdische Identität in den 1930er- und 1940er-Jahren, wo er sich mit dem Judaismus über die „Bibel“ und das Heilige Land mit jüdischen Ausgestoßenen, Geflüchteten und Opfern solidarisch zeigte.

Während sich der Philosoph Leon Joskowitz mit Chagalls Motiv des jüdischen Jesus auseinandersetzt, stellt die Slawistin Sabine Koller das jiddische literarische Vermächtnis von Chagalls Ehefrau vor, das meist eine Erinnerungsprosa war. Die Texte bieten vielfältige Anregungen zur Betrachtung der im umfangreichen Katalogteil präsentierten Ausstellungswerke - in ganzseitigen Farbabbildungen. Im Anhang findet sich dann noch eine mehrseitige Biografie des Künstlers, die mit einigen historischen Aufnahmen versehen ist. Fazit: Der Ausstellungskatalog taucht tief in die phantastische Traumwelt Chagalls ein und legt zugleich seine Inspirationsquellen offen.

Bewertung vom 10.11.2022
München, lesen und lesen lassen
Schleicher, Michael

München, lesen und lesen lassen


ausgezeichnet

Die Buchhandlung L. Werner in München wurde 1878 durch Louis Werner in der Residenzstraße gegründet – zunächst nur als Architekturbuchhandlung. 1890 erfolgte der Umzug in die Ludwigstraße, später ging es dann an den Maximiliansplatz. Mit jedem Um-zug (bis 1969 gab es immerhin acht Umzüge) vergrößerte sich das Angebot. Heute zählt die Buchhandlung mit ihren mehr als 140 Jahren zu den ältesten noch existierenden der Stadt.

Der Münchner Journalist Michael Schleicher beleuchtet in seinem neuen Buch „München, lesen und lesen lassen“ besondere Momente der bewegenden Geschichte der traditionsreichen Buchhandlung – von den Anfängen im 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Im Ersten Weltkrieg, in den anschließenden Revolutionswirren und in der Weimarer Republik erlebte die Buchhandlung schwere Zeiten. Oder 1943, geriet Josef Söhngen, Geschäftsleiter seit 1929, als Sympathisant der „Weißen Rose“ ins Visier der Gestapo und wurde schließlich zu sechs Monaten Haft verurteilt.

Daneben gibt der Autor auch einen Überblick über das literarische Potpourri der Isar-Stadt in den letzten hundert Jahren, wo viele bekannte Schriftsteller*innen ihre künstlerische Heimat hatten oder für einige Zeit hier weilten. Der literarische Streifzug durch München besticht nicht nur durch die vielfältigen Hintergrundinformationen sondern auch durch zitierte Gedichte (z.B. Ringelnatz) und vor allem durch die ganzseitigen Collagen von Lili Aschoff, die die Neuerscheinung wunderbar illustrieren. Fazit: Aspekte der Münchner Literaturgeschichte, die sicher auch für Auswärtige interessant sind.

Bewertung vom 10.11.2022
Goethe und München
Rapp, Franz

Goethe und München


ausgezeichnet

Johann Wolfgang Goethe besuchte München nur ein einziges Mal und auch nur für einen Tag: am 6. September 1786, als er von Karlsbad kommend in schneller Reise nach Italien wollte. Inkognito stieg er im Gasthof „Zum Schwarzen Adler“ ab und nutzte den Tag, um sich die Sehenswürdigkeiten der Stadt anzusehen. Bereits am nächsten Morgen um 5 Uhr reiste er weiter in Richtung Innsbruck.

Trotz dieser kurzen Stippvisite gab es lebenslang überaus enge und vielfältige Beziehungen von Goethe zu München und Münchner Persönlichkeiten. Der Kunsthistoriker und Theaterwissenschaftler Franz Rapp (1885-1951) hat diese Beziehungen bereits vor 90 Jahren eingehend recherchiert und anlässlich Goethes hundertstem Todestag im Jahre 1932 publiziert. Nun ist eine Neuauflage im Klinkhardt & Biermann Verlag erschienen, die zunächst die Leistung von Franz Rapp würdigt.

Anschließend folgt die Korrespondenz, die Goethe mit verschiedenen Münchner Persönlichkeiten führte – u.a. mit König Ludwig I. von Bayern, den Bildhauer Christian D. Rauch, den Philosophen Friedrich Heinrich Jacobi oder den Komponisten Felix Mendelsohn Bartholdy. Vor allem nach 1804 wurden die Beziehungen enger. Meist wurden kunsthistorische Fragen erörtert, die Goethe interessierten. Aber er wurde von München aus auch als Kunstkenner um Rat gebeten. Außerdem gingen Sendungen mit Abhandlungen und Kunstgegenstände hin und her. Auch ein Austausch von Künstlern fand statt.

Die Neuausgabe (wie auch die Erstausgabe von 1932) bringt eine Auswahl aus einem sehr umfangreichen Material, ergänzt durch einige historische Abbildungen und Goethe-Porträts. Fazit: Eine interessante Publikation, die einen bisher weniger bekannten Aspekt in der Goethe-Biografie beleuchtet.

Bewertung vom 10.11.2022
Johann Gottfried Schadow

Johann Gottfried Schadow


ausgezeichnet

Der Zeichner und Bildhauer Johann Gottfried Schadow (1764-1850) war einer der bedeutendsten Vertreter des deutschen Klassizismus und Begründer der Berliner Bildhauerschule. Die Alte Nationalgalerie in Berlin stellt vom 21.10.2022 bis zum 19.02.2023 in der Ausstellung „Berührende Formen“ Schadows bildhauerische, grafische und kunsttheoretische Hauptwerke vor.

In der Sammlung der Nationalgalerie befindet sich mit ca. 150 Arbeiten der weltweit um-fassendste Bestand an plastischen Werken Schadows, darunter die beiden Originale der Prinzessinnengruppe, die auch im Mittelpunkt der Ausstellung stehen. Schadow schuf dieses lebensgroße Doppelstandbild der Prinzessinnen Luise und Friederike von Preußen in den 1790er Jahren (Gipsmodell 1795, Marmorausführung (1797). Die Skulptur wird als das Hauptwerk seines vielseitigen Schaffens angesehen.

Im Hirmer Verlag ist der umfangreiche Begleitkatalog zu dieser bemerkenswerten Ausstellung erschienen. Im Essayteil beleuchten renommierte Kunsthistoriker*innen den künstlerischen Werdegang und das Werk Schadows. Ausführlich wird über die Restaurierung des Originalgipsmodells berichtet, wobei neue Wege in der Gipsrestaurierung beschritten wurden. Durch die große Beliebtheit der Figurengruppe entstanden in der Vergangenheit unzählige Vervielfältigungen. Die Kuratorin Yvette Deseyve beleuchtet diese Praxis zwischen „Raubguss, Abguss und Replik“. Großen Raum nimmt neben der Rezeption seines Werkes auch das internationale Netzwerk ein, das Schadow als Kunstvermittler aufgebaut hatte.

Das über 100seitige Ausstellungskapitel präsentiert nicht nur Werke und Dokumente von Schadow sondern auch Doppelbildnisse anderer Künstler (Chodowiecki, Tischbein, Slevogt oder Marcks). Im Anhang findet sich dann neben einer Standortgeschichte der Gips- und Marmorausführung der Prinzessinnengruppe auch eine ausführliche und illustrierte Biografie Schadows.

Bewertung vom 06.11.2022
Miss Marple - Alle 12 Fälle
Christie, Agatha

Miss Marple - Alle 12 Fälle


ausgezeichnet

Agatha Christie (1890-1976) ist die wohl erfolgreichste Autorin aller Zeiten. Sie begründete den modernen britischen Kriminalroman und avancierte im Laufe ihres Lebens zur bekanntesten Krimiautorin aller Zeiten. 1971 wurde sie in den Adelsstand erhoben. Ihr umfangreiches Werk liegt in über 130 Sprachen vor und umfasst neben 80 Prosawerken auch circa 23 Bühnenstücke. Ihre Romanfiguren Hercule Poirot und Miss Marple wurden Kult.

Die scharfsinnige und etwas schrullige Amateurdetektivin Marple ermittelte in 12 Kriminalromanen und 20 Kurzgeschichten, die zwischen 1927 und 1976 erschienen. Die umfangreiche Edition aus dem Hörverlag versammelt auf zehn mp3-CDs ihre zwölf Kriminalfälle. Die Lesungen haben immerhin eine Spieldauer von über fünfundsiebzig Stunden. Als Sprecher*innen fungieren Ursula Illert, Gabriele Blum, Katharina Thalbach und Thomas Loibl.

Am bekanntesten sind sicher die beiden Kriminalfälle „Mord im Pfarrhaus“ und „16 Uhr 50 ab Paddington“. „Mord im Pfarrhaus“ (1930) ist der erste Marple-Roman. In der Pfarrei von Reverend Leonard Clement wird der verhasste Colonel Protheroe auf dem Schreibtisch kopfüber erschossen aufgefunden. Viele Dorfbewohner geraten in Mordverdacht, doch mit ihrer Menschenkenntnis kann Miss Marple den seltsamen und komplexen Fall lösen. In „16 Uhr 50 ab Paddington“ hat es Miss Marple mit einem besonders gerissenen Mörder zu tun. Er mordet in einem fahrenden Zug und nur durch Zufall gibt es dafür eine Zeugin. Doch es wird keine Leiche gefunden und auch niemand vermisst. Wo kein Opfer, da kein Täter! Aber nicht für Miss Marple.

Die anderen Kriminalfälle sind nicht minder spannend. Außerdem bietet das Booklet zahlreiche Informationen zu „Wie Miss Marple entstand“ (von Agatha Christie), zu den Sprecher*innen und den beteiligten Personen der einzelnen Kriminalfälle. Fazit: Über 75 Stunden Hör- und Krimivergnügen und dazu eine exzellente Geschenkebox.