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Benutzername: MaWiOr
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Insgesamt 2754 Bewertungen
Bewertung vom 04.11.2020
Und dann noch die Liebe
Oetker, Alexander

Und dann noch die Liebe


sehr gut

Der dreißigjährige Journalist Francois ist überall an den Brennpunkten der europäischen Politik – ob Finanzkrise in Griechenland, Flüchtlingskrise oder Terror in Paris – von überall berichtet er für Zeitungen und Fernsehen. Er jettet von einem Handlungsort zum nächsten. Der Autor beschreibt sehr realistisch die poltischen Geschehnisse, über die Francois berichtet.

Durch Zufall begegnet ihm Tinder Agápi, eine junge griechische Beamtin aus dem Finanzministerium. Trotz Beruf und Karriere entwickelt sich zwischen beiden eine Liebesbeziehung. Doch kann man in diesen schwierigen Zeiten noch Liebe leben? Eine zweite Erzählebene sind die Erinnerungen seiner Großmutter an ihre Flucht im Frühjahr 1945.

Der Roman ist jetzt als Hörbuch (ungekürzte Lesung) erschienen. Der Sprecher Frank Stieren macht die spannende und zugleich nachdenkliche Story gut hörbar.

Bewertung vom 01.11.2020
Die schönsten Bauwerke der Menschheit
Adams, Simon; Black, Alexandra; Cussans, Thomas; Celtel, Kay; Grant, Reg G.; Hopkins, Owen

Die schönsten Bauwerke der Menschheit


ausgezeichnet

Bauwerke gehören zur Menschheitsgeschichte. Ihre Schöpfungen sind Zeugnisse der menschlichen Leistung und gleichzeitig der Träume und Sehnsüchte. Viele der bedeutendsten Bauwerke sind deshalb zum UNESCO-Welterbe erhoben wurden.

Der vorliegende Bild-Text-Band stellt die wichtigsten und schönsten Bauwerke der Menschheit vor – unterteilt in die fünf Kontinente und darin in chronologischer Anordnung. Zunächst wird in einem Einführungskapitel ein Überblick über die Entwicklung der Baumaterialien gegeben – von der Erdbauweise über die ersten Steinbauten bis zu den modernen Bauten aus Beton, Stahl oder Glas. Im Kapitel „Nordamerika“ werden natürlich viele Wolkenkratzer der amerikanischen Metropolen vorgestellt – daneben aber auch so historische Bauten wie das Weiße Haus und das Kapitol in Washington, die Brooklyn Bridge in New York oder der Hoover-Staudamm. Das Kapitel „Südamerika“ trägt die Überschrift „Land der Tempel und Städte“, daher stehen Bauwerke im Mittelpunkt, die an die Hochkultur der Inkas und der präkolumbischen Epoche erinnern (Moai auf der Osterinsel oder Machu Picchu). Aber auch moderne Bauten wie der Panamakanal oder Jesusstatue von Rio de Janeiro finden Beachtung.

„Europa“ ist das umfangreichste Kapitel des Bildbandes – die Vorstellung der Bauwerke reicht vom südenglischen Stonehenge bis zur Brücke von Millau, die seit 2004 die südfranzösische Tarn-Schlucht überspannt. Aus deutscher Sicht finden die Leser u.a. hier: Aachener Dom, Schloss Sanssouci, Würzburger Residenz, Brandenburger Tor oder den Einsteinturm in Potsdam. Das Kapitel „Afrika“ mit der Überschrift „Meister der Ziegel- und Steinbauweise“ stellt vor allem Tempel und Pyramiden vor. Die Basilika Notre-Dame-de-la-Paix und das Afrikaanse Taalmonument verkörpern dagegen den modernen Baustil. Zum Schluss sind Asien und Australien in einem Kapitel zusammengefasst – von der antiken Karawanen-Oase Palmyra bis zum spektakulären Bau der Binhai-Bibliothek in Tianjin bei Beijing.

Alle Bauwerke (meist auf einer Seite, mitunter auch Doppelseite) werden mit einem Farbfoto (und Detailaufnahmen) vorgestellt. Dazu ein kompakter Text, der historische und bauliche Informationen vermittelt. Zwischendurch gibt es immer wieder Beiträge zu bestimmten Themen, wie den verschiedenen Kunstepochen oder Architekturstile. Am Ende erklärt ein umfangreiches Glossar noch zahlreiche Begriffe. Fazit: Ein sehr empfehlenswerter Bildband, der anschaulich über die wichtigsten Bauwerke rund um den Globus informiert.

Bewertung vom 30.10.2020
Die Geschichte einer afrikanischen Farm
Schreiner, Olive

Die Geschichte einer afrikanischen Farm


ausgezeichnet

Olive Schreiner (1855-1920) war eine südafrikanische Schriftstellerin, die sich auch für die Frauenrechte einsetzte. Auch als Pazifistin trat sie hervor. Ihr Roman „Die Geschichte einer afrikanischen Farm“ entstand in Südafrika während ihrer Tätigkeit als Erzieherin. Ab 1881 lebte sie dann in England, wo der Roman dann auch 1883 unter dem Pseudonym Ralph Iron erschien, wo er schnell für Gesprächsstoff sorgte. Hinter dem unverfänglichen Titel verbarg sich ein Plädoyer für Emanzipation und Selbstverwirklichung der Frau. Der Roman war ein Erfolg, denn er erreichte in kurzer Zeit mehrere Auflagen.

Erzählt wird die Geschichte von drei Kindern, die auf einer kleinen Farm in der Karoo-Wüste leben: der ruhige Waldo, die bodenständige Em und die schöne Lyndall. Waldo und Lyndall versuchen aus den ärmlichen Verhältnissen auszubrechen, während sich Em mit dem Leben auf der Farm arrangiert. Als ein neuer Pächter die Farm übernimmt, heiratet er Em, doch als Lyndall wieder auftaucht, verliebt er sich.

Der Roman, der bald mit „Wuthering Heights“ von Emily Bronte verglichen wurde, liegt jetzt in der Manesse-Bibliothek vor – in einer Übersetzung von Viola Siegemund und mit einem Nachwort der Literatur-Nobelpreisträgerin Doris Lessing, die ebenfalls viele Jahre in Afrika lebte.

Bewertung vom 29.10.2020
Stralsund - gestern und heute
Hacker, Hans-Joachim; Hardenberg, Harry

Stralsund - gestern und heute


ausgezeichnet

Die Hansestadt Stralsund ist ein beliebtes Urlaubsziel an der Ostsee. Die Stadt am Strelasund wird häufig auch als das Tor zur Insel Rügen bezeichnet. Wie viele Städte der ehemaligen DDR war auch Stralsund von der Geringschätzung der historischen Bausubstanz betroffen. Erst mit der Wende konnte der Verfall gestoppt werden. Seitdem wurde viel saniert und restauriert, sodass Stralsund 2002 Welterbestadt wurde.

Die Neuerscheinung stellt Ansichten des alten und neuen Stralsund einander gegenüber, wobei die vergleichenden Fotos – wenn möglich – vom jeweils selben Blickwinkel aufgenommen wurden. So werden die Veränderungen besonders deutlich. Auf den 48 Seiten werden zahlreiche ausgewählte Beispiele vorgestellt. Bereits am Hafen sind die Veränderungen sichtbar, wo sich am ehemaligen Umschlagplatz heute das Ozeanum befindet. Der neue Rügendamm, das Kniepertor oder die Nikolaikirche sind weitere imposante Beispiele. Auch viele Straßenzüge in der historischen Altstadt erhielten ein neues Gesicht. Zu jedem Bildpaar (meist historische Schwarz-Weiß-Fotos und aktuelle Farbfotos) gibt es kompakte Informationen, sodass sich auch Nicht-Stralsunder ein Bild machen können. Allen wird gezeigt, wie aus Stralsund eine liebenswerte Stadt geworden ist, die einen Besuch lohnt.

Bewertung vom 28.10.2020
Ladies
Highsmith, Patricia

Ladies


ausgezeichnet

Ehe die amerikanische Schriftstellerin Patricia Highsmith mit ihren Kriminalromanen – vor allem mit den Ripley-Romanen – weltberühmt wurde, verfasste sie zahlreiche Stories, die zumeist in irgendwelchen Magazinen veröffentlicht wurden. Der Diogenes-Band „Ladies“ versammelt nun einige dieser frühen Stories, in denen vor allem Frauen und Mädchen im Mittelpunkt stehen.

In der Auftaktgeschichte „Die Legende des Klosters von Saint Fotheringay“ sind alle Klosterangehörigen weiblich – sogar der Hausmeister und der Heizer. Doch eines Tages wird in der Nähe ein Findelkind entdeckt – ein Knabe, den man aufnimmt und den Namen Mary gibt. Die kleine und schüchterne Ellie in „Die Weltmeisterin im Ballwerfen“ ist mit ihren Eltern in ein Mietshaus nach New York gezogen, wo sie vom Fenster aus ein kleines Mädchen – vielleicht eine künftige Spielkameradin – beobachtet.

Während in „Der Schatz“ eine khakifarbene Tasche die Hauptrolle spielt, sind in der kürzesten Geschichte des Bandes „Die Geschichte von Sydney“ Spinnen auf einer Veranda die handelnden Personen. In „Die Heldin“ ist es die junge Lucille, die eine neue Stelle als Hausmädchen annimmt und noch einmal von vorn anfangen will. Doch dann kommt es wieder zur Katastrophe. In der letzten Geschichte begegnet den Lesern schließlich ein Mr. Knoppert, sonderbarer Typ, der die Beobachtung von Schnecken zu seinem Hobby ge-macht hat. Ein Hobby, das schließlich zu seinem Unglück führt.

Insgesamt sechzehn kurzweilige und spannende Stories, die das frühe Erzähltalent von Patricia Highsmith dokumentieren.

Bewertung vom 27.10.2020
Havelnacht
Huchel, Peter

Havelnacht


ausgezeichnet

Peter Huchel hat zwar nur vier Lyrikbände veröffentlicht, doch gehörte er zu den bedeutendsten deutschen Lyrikern der Nachkriegszeit. Außerdem war er Redakteur der wegweisenden DDR-Zeitschrift „Sinn und Form“. Aber bereits in den 1950er Jahren wurde diese Zeitschrift von staatlicher Seite kritisch beäugt. 1962 musste er als Redakteur zurücktreten. Es begann seine Isolationszeit, die neun Jahre dauerte. 1971 wurde ihm die Ausreise gestattet. Huchel starb am 30. April 1981.

Der Inselband „Havelnacht“ versammelt Gedichte, die Huchel seiner Heimat, der Landschaft seiner Kindheit widmete. In der Isolation war die Erinnerung die einzige Heimat, die ihm blieb. Es sind Gedichte über die Havellandschaft und ihre herbe Schönheit: „Monde um Monde wehten ins Jahr, / wehten wie Schnee auf Wange und Haar. / Zeitlose Stunde, die mich verließ, / da sich der Löwenzahn weiß zerblies.“ Auch Kindheitserinnerungen blitzen immer wieder auf: „Kindheit. O blühender Zauch, / wo wir im nußweißen Tag, / klein im Holunderrauch / waren den Hummeln nach.“

Die stimmungsvollen Gedichte werden mit Schwarz-Weiß-Fotos von Roger Melis, der bei Peter Huchel aufwuchs. Mit sparsamen fotografischen Mitteln gelingt es Melis ebenfalls, die märkische Landschaft und ihren spröden Reiz einzufangen. Ergänzt wird der Inselband durch ein Nachwort von Lutz Seiler.

Bewertung vom 26.10.2020
Grimms Märchen
Grimm, Jacob;Grimm, Wilhelm

Grimms Märchen


ausgezeichnet

Froschkönig, Rotkäppchen oder Dornröschen … die Märchen der Gebrüder Grimm sind seit jeher bei Groß und Klein beliebt. Immer wieder haben sie auch Künstler zur Illustration angeregt. Nun ist eine Sonderausgabe in der beliebten Reihe der Insel-Bücherei mit siebzehn Grimms Märchen erschienen – illustriert durch den bekannten Comiczeichner und Cartoonisten Flix (eigentlich Felix Görmann). Mit „Faust“ und „Don Quijote“ hat er in der Vergangenheit bereits zwei literarische Klassiker mit seinen Zeichnungen bereichert.

Nun also „Grimms Märchen“. Es sind Schwarz-Weiß-Abbildungen, die an Scherenschnitte erinnern - realistisch, etwas düster, aber durchaus humorvoll (z.B. Die Bremer Stadtmusikanten oder Das tapfere Schneiderlein) die Märchen untermalen. Teilweise sind es ganzseitige Illustrationen, dazwischen auch immer wieder Vignetten. Ein sehr gelungenes und empfehlenswertes Inselbändchen.

Bewertung vom 26.10.2020
Eine Weihnachtsgeschichte, 1 MP3-CD
Dickens, Charles

Eine Weihnachtsgeschichte, 1 MP3-CD


ausgezeichnet

Die Dickens‘sche Weihnachtsgeschichte gehört seit ihrem Erscheinen vor über 150 Jahren zur Weltliteratur. Die Geschichte, in der der egoistische Geizhals und Misanthrop Ebenezer Scrooge zum gutherzigen Menschen wird, erschien 1843 tatsächlich kurz vor Weihnachten und ist längst Kulturgut geworden. Mit der biblischen Weihnachtsgeschichte hat sie zwar nichts zu tun, wohl aber mit dem Geist des Weihnachtsfestes.

Der hartherzige Mister Scrooge weigert sich, Weihnachten zu feiern und will seinem armen Angestellten Cratchit nicht einmal bezahlten Urlaub geben. An diesem Weihnachtsabend aber erhält Scrooge Besuch von drei verschiedenen Geistern - so von seinem ehemaligen Geschäftspartner. Sie alle ermahnen ihn nachdrücklich, ein besserer Mensch zu werden. Als er erwacht, ist es immer noch Weihnachtsmorgen und noch genug Zeit, Buße zu tun und Freude zu verbreiten.

Um auf die soziale Ungerechtigkeit und vor allem auf die Not und das Elend armer Kinder aufmerksam zu machen, bediente sich Charles Dickens (1812-1870) der Mittel der Groteske. Er verknüpfte die fantastische Handlung im tief verschneiten London des 19. Jahrhunderts mit einem moralischen Zweck. Dabei besticht Dickens‘ meisterlicher Umgang mit der Sprache, sein Ideenreichtum und sein gefühlvoller Blick auf die menschliche Natur. Der Autor wollte mit seiner Geschichte Denkanstöße geben, wie jeder Mensch mit seinem Handeln zu einer besseren Welt beitragen kann.

Pünktlich zur bevorstehenden Adventszeit liegt im Freiburger AUDIOBUCH Verlag eine ungekürzte Lesung der Weihnachtsgeschichte vor. Dem Sprecher David Nathan gelingt es, den Zauber dieses Weihnachtsklassikers und die wundersame Wandlung des gefühllosen Weihnachtsverleugners Scrooge zu einem freigiebigen und vorbildlichen Menschen hörbar zu machen. Eine besinnliche Weihnachtsgeschichte, die bis heute durch ihr Plädo-yer für Mitmenschlichkeit nichts von ihrer Aktualität eingebüßt hat.

Bewertung vom 26.10.2020
Schlimmer geht immer

Schlimmer geht immer


ausgezeichnet

Wenn man denkt: „schlimmer gehts nicht mehr“, da kommt es manchmal doch noch viel schlimmer. Das beweisen auch die neunzehn Geschichten des Diogenes-Auswahlbandes.

Den Auftakt macht der britische Schriftsteller Graham Swift mit der Geschichte „Glück im Unglück“, die während des Endes des Zweiten Weltkrieges spielt. Seine Schriftstellerkollegin Jojo Moyes erzählt von der jungen Chrissie, die auf der Suche nach einem besonderen Weihnachtsgeschenk ist, und schließlich in einem Taxi landet. Eine schick-salhafte Begegnung mit dem Chauffeur. In ihrer Geschichte „Carpe Diem“ hat die amerikanische Schriftstellerin Lucia Berlin ein ernsthaftes Problem in einem Waschsalon, wo die Protagonistin aus Versehen drei Waschmaschinen von einem unfreundlichen Kerl in Gang setzt.

Roald Dahls Kurzkrimi „Lammkeule“ ist schon längst ein Klassiker, in der eine hintergangene Ehefrau mit einer gefrorenen Lammkeule erschlägt und später der Polizei die gebratene Tatwaffe vorsetzt. Neben den zeitgenössischen AutorenInnen ist auch der deutsche Abenteuerschriftsteller Friedrich Gerstäcker (aus dem 19. Jahrhundert) vertreten. In seiner Geschichte „Pech!“ erzählt er, wie ein Passagier in San Francisco seinen Dampfer verpasst. Genügend Zeit um von einem Unbekannten zu erfahren, in welche Kette von Unglücksfällen dieser geraten war. In der kürzesten Geschichte „Urlaub mit Bauarbeitern“ (von Stefan Schwarz) wird von der Schwierigkeit berichtet, wenn im Auslandsurlaub Dusche und Toilette kaputt sind.

Fazit: Kurzweilige Geschichten, die alle keine Happyend haben.

Bewertung vom 26.10.2020
Die Erfindung des Countdowns
Mellem, Daniel

Die Erfindung des Countdowns


sehr gut

Den wenigsten wird der Name Herman Oberth etwas sagen, dabei war er einer der führenden deutschen Raketenpioniere. Bereits in den späten 1920er Jahren entwickelte er den ersten Raketenmotor mit flüssigem Treibstoff. Ab 1929 arbeitete er mit Wernher von Braun zusammen. Als in den 1930er Jahren die Nationalsozialisten auf ihre Forschung aufmerksam wurden, stellte sich beiden Forschern die Frage nach der Verantwortung eines Wissenschaftlers.

Der Physiker Daniel Mellem hat sich in seinem ersten Roman der streitbaren Persönlichkeit von Hermann Oberth gewidmet. Erzählt wird dieses Leben aus der Perspektive des Protagonisten als Countdown in elf Kapiteln. Mellem beleuchtet das unstete Leben des Forschers, das dieser ganz seiner Vision von der Raumfahrt untergeordnet hatte. Oberth war kein idealtypischer Wissenschaftler, trotzdem fällt der Autor kein Pauschalurteil, vielmehr versucht er, in der Biografie von Oberth Anhaltspunkte für dessen Handeln aufzuspüren. Oberth war ein Mensch voller Widersprüche und diese werden in dem Erstlingswerk gut herausgearbeitet … und das unspektakulär, aber sehr lesenswert.