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Benutzername: MaWiOr
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Bewertungen

Insgesamt 2749 Bewertungen
Bewertung vom 04.11.2020
Der Schneemann
Fauser, Jörg

Der Schneemann


ausgezeichnet

„Der Schneemann“ ist der bekannteste Roman von Jörg Fauser. Erzählt wird die Geschichte des Kleinkriminellen Siegfried Blum, der gerade auf Malta versucht, eine Sammlung dänischer Pornohefte zu verhökern. Durch Zufall gerät er in den Besitz von fünf Pfund Kokain. Ein beachtlicher Marktwert und Blum hat auch gleich eine Idee: das Zeug gewinnbringend vertickern und sich seinen Traum von einer Bar auf den Bahamas verwirklichen.

Doch das angestrebte Unternehmen ist nicht so einfach zu bewerkstelligen. Bereits der Verkauf des „Schnees“, abgesehen von kleinen Mengen, will nicht recht vorankommen. Statt den richtigen Kunden zu finden, muss er Immer wieder befürchten, dass der wahre Eigentümer ihm auf der Spur ist. Blum begibt sich auf einen Road Trip über Frankfurt, Amsterdam und Ostende. Blum ist keineswegs professionell, doch das macht ihn für den Leser gerade sympathisch. Obwohl er am Ende scheitert, ist sein Lebenswille nicht gebrochen. Der nächste Traum kann kommen. 1884, zwei Jahre vor Fausers Tod, wurde der Roman mit Marius Müller-Westernhagen verfilmt.

Bewertung vom 04.11.2020
Der Klub, in dem wir alle spielen
Fauser, Jörg

Der Klub, in dem wir alle spielen


ausgezeichnet

Neben Romanen, Erzählungen, Reportagen und Gedichten verfasste Jörg Fauser auch Texte, in denen er sich zum bundesdeutschen Literaturbetrieb äußerte. Der Diogenes-Band versammelt hier 38 Fauser-Überlegungen zum „Schreiben an sich“ – dem eigenen Schreiben und dem Schreiben anderer. Die Beiträge entstanden von 1963 bis 1987 und wurden in verschiedenen Zeitschriften veröffentlicht – vom auflagenstarken „Playboy“ bis zu kleineren Magazinen, die heute mitunter schon vergessen sind.

Die Bandbreite der journalistischen Texte zeigt Fausers Belesenheit – ob Hans Fallada, Günter Eich, Dashiell Hammett, Joseph Roth, Else Lasker-Schüler, Charles Bukowski oder George Orwell. Sie alle bewunderte Fauser und setzte sich mit ihnen intensiv ausei-nander. An dieser Aufzählung erkennt man, dass Fauser neben der deutschsprachigen Literatur besonders für die amerikanische Literatur interessierte. So trägt der letzte Text die Überschrift „Die amerikanische Literatur ist vital, die deutsche schlapp“. Neben seiner Begeisterung äußert Fauser aber auch Kritik, u.a. auch zur politischen Verfassung der Bundesrepublik. Ein politischer Schriftsteller war er jedoch nicht, er beobachtete vielmehr und kommentierte.

Fazit: Ein interessanter Auswahlband, um Jörg Fauser von einer anderen schriftstelleri-schen Seite kennenzulernen.

Bewertung vom 04.11.2020
Magdeburg - gestern und heute
Haase, Jürgen

Magdeburg - gestern und heute


ausgezeichnet

Am 16. Januar 1945 fielen alliierte Bomben auf Magdeburg und zerstörten die Innenstadt. Diese Wunden sind in Form von Freiflächen und breiten Straßen heute immer noch in der Stadt an der Elbe sichtbar. Darüber hinaus fielen weitere historische Bauwerke beim Wiederaufbau in der DDR-Zeit der Abrissbirne zum Opfer. So hat sich das Magdeburger Stadtbild seit 1945 total verändert.

Der vorliegende Bildband vermittelt mit seinen fotografischen Gegenüberstellungen einen Überblick über die Veränderungen. Es sind zumeist historische Schwarz-Weiß-Aufnahmen, die aktuellen Farbfotos gegenüber gestellt werden. Besonders auffällig sind die Veränderungen z.B. an den einstigen Elbbahnhöfen, wo heute moderne Wohnanlagen das Bild prägen, oder in der Nachbarschaft des Klosters Unser Lieben Frauen, wo die einstige dichte Bebauung weitgehend verschwunden ist. Auch der Universitätsplatz änderte im Laufe der Zeit nicht nur mehrfach aus politischen Gründen seinen Namen, heute hat er ein völlig anderes Aussehen. Einige historische Gebäude sind jedoch erhalten geblieben wie die alte Hauptwache, der Hauptbahnhof oder die Stadthalle.

Der Bildband ist wie ein Stadtrundgang aufgebaut, der an den wichtigsten Eckpunkten der Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt vorbeiführt.

Bewertung vom 04.11.2020
Miss Guggenheim / Mutige Frauen zwischen Kunst und Liebe Bd.16 (1 MP3-CD)
Hayden, Leah

Miss Guggenheim / Mutige Frauen zwischen Kunst und Liebe Bd.16 (1 MP3-CD)


ausgezeichnet

Peggy Guggenheim – ihr Name steht für moderne Kunst. Die Kunstsammlerin konnte mit ihrer neuen Liebe, dem Maler Max Ernst, 1941 über Spanien und Portugal in die USA fliehen. Ernst wurde jedoch zunächst als „feindlicher Ausländer“ von der Einwanderungsbehörde interniert. Peggy selbst setzte alles daran, ihren großen Traum zu verwirklichen: ein eigenes Museum. Doch die Widerstände in der neuen Heimat, die sie überwinden muss, sind groß. Doch dann konnte sie 1942 die Galerie „Art of this Century" in Manhattan eröffnen, die sich zu einer zentralen Anlaufstelle der Surrealisten entwickelte. Ihre Liebe drohte an diesen Herausforderungen zu scheitern … und tatsächlich kam es 1943 zur Scheidung.

Die Schriftstellerin Leah Hayden gestaltete diese interessante und spannungsreiche Episode der mutigen Galeristin mit ihren anfänglichen Schwierigkeiten in ihrem neuen Roman „Miss Guggenheim“. Neben den biografischen Betrachtungen erfährt der Leser/die Leserin auch viel über die New Yorker Kunstszene. Die ungekürzte Lesung des Romans aus dem Freiburger Audiobuch Verlag vermittelt diesen kurzen Zeitraum ebenfalls wun-derbar – ein Verdienst der Sprecherin Christina Puciata, die es versteht, mit ihrer eindring-lichen, aber unbeschwerten Stimme das Geschehen hörbar zu machen.

Bewertung vom 04.11.2020
Sterben im Sommer, 5 Audio-CD
Bánk, Zsuzsa

Sterben im Sommer, 5 Audio-CD


sehr gut

Eigentlich dachte die Familie, die Krebserkrankung des Vaters sei besiegt. Doch nach einigen Jahren schlägt er wieder zu – mit der Diagnose unheilbar. Wie jedes verbringt der Vater seinen Urlaub am Balaton, wo es ihm plötzlich schlecht geht. Im dortigen Krankenhaus verschlechtert sich sein gesundheitlicher Zustand und so holt ihn die Familie zurück nach Deutschland, wo er auch seine letzte verbliebene Zeit in einem Krankenhaus verbringen muss.

Die Autorin (Tochter) berichtet von den Tagen am Krankenbett ihres Vaters und seinem zunehmenden Verfall. Sie kann sich nur schwer mit dem Unvermeidlichen abfinden. Die Besuche werden auch zum familiären Rückblick genutzt. Nebenbei wird der Krankenhausalltag geschildert – vom überforderten Personal bis zur Routine des Krankenhausbetriebes. Nach dem Tod des Vaters gilt es dann die Vorbereitungen zur Beerdigung, den Ablauf der Trauerfeier und des Begräbnisses zu organisieren. Nur mühsam findet man wieder in den normalen Alltag zurück.

Der sehr persönliche Roman, der jetzt auch als Hörbuch (ungekürzte Lesung) vorliegt, ist eine Familiengeschichte und eine literarische Aufarbeitung vom Abschiednehmen. Der Sprecherin Lisa Wagner gelingt es, das schwierige Thema einfühlsam und authentisch hörbar zu machen.

Bewertung vom 04.11.2020
Und dann noch die Liebe
Oetker, Alexander

Und dann noch die Liebe


sehr gut

Der dreißigjährige Journalist Francois ist überall an den Brennpunkten der europäischen Politik – ob Finanzkrise in Griechenland, Flüchtlingskrise oder Terror in Paris – von überall berichtet er für Zeitungen und Fernsehen. Er jettet von einem Handlungsort zum nächsten. Der Autor beschreibt sehr realistisch die poltischen Geschehnisse, über die Francois berichtet.

Durch Zufall begegnet ihm Tinder Agápi, eine junge griechische Beamtin aus dem Finanzministerium. Trotz Beruf und Karriere entwickelt sich zwischen beiden eine Liebesbeziehung. Doch kann man in diesen schwierigen Zeiten noch Liebe leben? Eine zweite Erzählebene sind die Erinnerungen seiner Großmutter an ihre Flucht im Frühjahr 1945.

Der Roman ist jetzt als Hörbuch (ungekürzte Lesung) erschienen. Der Sprecher Frank Stieren macht die spannende und zugleich nachdenkliche Story gut hörbar.

Bewertung vom 01.11.2020
Die schönsten Bauwerke der Menschheit
Adams, Simon; Black, Alexandra; Cussans, Thomas; Celtel, Kay; Grant, Reg G.; Hopkins, Owen

Die schönsten Bauwerke der Menschheit


ausgezeichnet

Bauwerke gehören zur Menschheitsgeschichte. Ihre Schöpfungen sind Zeugnisse der menschlichen Leistung und gleichzeitig der Träume und Sehnsüchte. Viele der bedeutendsten Bauwerke sind deshalb zum UNESCO-Welterbe erhoben wurden.

Der vorliegende Bild-Text-Band stellt die wichtigsten und schönsten Bauwerke der Menschheit vor – unterteilt in die fünf Kontinente und darin in chronologischer Anordnung. Zunächst wird in einem Einführungskapitel ein Überblick über die Entwicklung der Baumaterialien gegeben – von der Erdbauweise über die ersten Steinbauten bis zu den modernen Bauten aus Beton, Stahl oder Glas. Im Kapitel „Nordamerika“ werden natürlich viele Wolkenkratzer der amerikanischen Metropolen vorgestellt – daneben aber auch so historische Bauten wie das Weiße Haus und das Kapitol in Washington, die Brooklyn Bridge in New York oder der Hoover-Staudamm. Das Kapitel „Südamerika“ trägt die Überschrift „Land der Tempel und Städte“, daher stehen Bauwerke im Mittelpunkt, die an die Hochkultur der Inkas und der präkolumbischen Epoche erinnern (Moai auf der Osterinsel oder Machu Picchu). Aber auch moderne Bauten wie der Panamakanal oder Jesusstatue von Rio de Janeiro finden Beachtung.

„Europa“ ist das umfangreichste Kapitel des Bildbandes – die Vorstellung der Bauwerke reicht vom südenglischen Stonehenge bis zur Brücke von Millau, die seit 2004 die südfranzösische Tarn-Schlucht überspannt. Aus deutscher Sicht finden die Leser u.a. hier: Aachener Dom, Schloss Sanssouci, Würzburger Residenz, Brandenburger Tor oder den Einsteinturm in Potsdam. Das Kapitel „Afrika“ mit der Überschrift „Meister der Ziegel- und Steinbauweise“ stellt vor allem Tempel und Pyramiden vor. Die Basilika Notre-Dame-de-la-Paix und das Afrikaanse Taalmonument verkörpern dagegen den modernen Baustil. Zum Schluss sind Asien und Australien in einem Kapitel zusammengefasst – von der antiken Karawanen-Oase Palmyra bis zum spektakulären Bau der Binhai-Bibliothek in Tianjin bei Beijing.

Alle Bauwerke (meist auf einer Seite, mitunter auch Doppelseite) werden mit einem Farbfoto (und Detailaufnahmen) vorgestellt. Dazu ein kompakter Text, der historische und bauliche Informationen vermittelt. Zwischendurch gibt es immer wieder Beiträge zu bestimmten Themen, wie den verschiedenen Kunstepochen oder Architekturstile. Am Ende erklärt ein umfangreiches Glossar noch zahlreiche Begriffe. Fazit: Ein sehr empfehlenswerter Bildband, der anschaulich über die wichtigsten Bauwerke rund um den Globus informiert.

Bewertung vom 30.10.2020
Die Geschichte einer afrikanischen Farm
Schreiner, Olive

Die Geschichte einer afrikanischen Farm


ausgezeichnet

Olive Schreiner (1855-1920) war eine südafrikanische Schriftstellerin, die sich auch für die Frauenrechte einsetzte. Auch als Pazifistin trat sie hervor. Ihr Roman „Die Geschichte einer afrikanischen Farm“ entstand in Südafrika während ihrer Tätigkeit als Erzieherin. Ab 1881 lebte sie dann in England, wo der Roman dann auch 1883 unter dem Pseudonym Ralph Iron erschien, wo er schnell für Gesprächsstoff sorgte. Hinter dem unverfänglichen Titel verbarg sich ein Plädoyer für Emanzipation und Selbstverwirklichung der Frau. Der Roman war ein Erfolg, denn er erreichte in kurzer Zeit mehrere Auflagen.

Erzählt wird die Geschichte von drei Kindern, die auf einer kleinen Farm in der Karoo-Wüste leben: der ruhige Waldo, die bodenständige Em und die schöne Lyndall. Waldo und Lyndall versuchen aus den ärmlichen Verhältnissen auszubrechen, während sich Em mit dem Leben auf der Farm arrangiert. Als ein neuer Pächter die Farm übernimmt, heiratet er Em, doch als Lyndall wieder auftaucht, verliebt er sich.

Der Roman, der bald mit „Wuthering Heights“ von Emily Bronte verglichen wurde, liegt jetzt in der Manesse-Bibliothek vor – in einer Übersetzung von Viola Siegemund und mit einem Nachwort der Literatur-Nobelpreisträgerin Doris Lessing, die ebenfalls viele Jahre in Afrika lebte.

Bewertung vom 29.10.2020
Stralsund - gestern und heute
Hacker, Hans-Joachim; Hardenberg, Harry

Stralsund - gestern und heute


ausgezeichnet

Die Hansestadt Stralsund ist ein beliebtes Urlaubsziel an der Ostsee. Die Stadt am Strelasund wird häufig auch als das Tor zur Insel Rügen bezeichnet. Wie viele Städte der ehemaligen DDR war auch Stralsund von der Geringschätzung der historischen Bausubstanz betroffen. Erst mit der Wende konnte der Verfall gestoppt werden. Seitdem wurde viel saniert und restauriert, sodass Stralsund 2002 Welterbestadt wurde.

Die Neuerscheinung stellt Ansichten des alten und neuen Stralsund einander gegenüber, wobei die vergleichenden Fotos – wenn möglich – vom jeweils selben Blickwinkel aufgenommen wurden. So werden die Veränderungen besonders deutlich. Auf den 48 Seiten werden zahlreiche ausgewählte Beispiele vorgestellt. Bereits am Hafen sind die Veränderungen sichtbar, wo sich am ehemaligen Umschlagplatz heute das Ozeanum befindet. Der neue Rügendamm, das Kniepertor oder die Nikolaikirche sind weitere imposante Beispiele. Auch viele Straßenzüge in der historischen Altstadt erhielten ein neues Gesicht. Zu jedem Bildpaar (meist historische Schwarz-Weiß-Fotos und aktuelle Farbfotos) gibt es kompakte Informationen, sodass sich auch Nicht-Stralsunder ein Bild machen können. Allen wird gezeigt, wie aus Stralsund eine liebenswerte Stadt geworden ist, die einen Besuch lohnt.

Bewertung vom 28.10.2020
Ladies
Highsmith, Patricia

Ladies


ausgezeichnet

Ehe die amerikanische Schriftstellerin Patricia Highsmith mit ihren Kriminalromanen – vor allem mit den Ripley-Romanen – weltberühmt wurde, verfasste sie zahlreiche Stories, die zumeist in irgendwelchen Magazinen veröffentlicht wurden. Der Diogenes-Band „Ladies“ versammelt nun einige dieser frühen Stories, in denen vor allem Frauen und Mädchen im Mittelpunkt stehen.

In der Auftaktgeschichte „Die Legende des Klosters von Saint Fotheringay“ sind alle Klosterangehörigen weiblich – sogar der Hausmeister und der Heizer. Doch eines Tages wird in der Nähe ein Findelkind entdeckt – ein Knabe, den man aufnimmt und den Namen Mary gibt. Die kleine und schüchterne Ellie in „Die Weltmeisterin im Ballwerfen“ ist mit ihren Eltern in ein Mietshaus nach New York gezogen, wo sie vom Fenster aus ein kleines Mädchen – vielleicht eine künftige Spielkameradin – beobachtet.

Während in „Der Schatz“ eine khakifarbene Tasche die Hauptrolle spielt, sind in der kürzesten Geschichte des Bandes „Die Geschichte von Sydney“ Spinnen auf einer Veranda die handelnden Personen. In „Die Heldin“ ist es die junge Lucille, die eine neue Stelle als Hausmädchen annimmt und noch einmal von vorn anfangen will. Doch dann kommt es wieder zur Katastrophe. In der letzten Geschichte begegnet den Lesern schließlich ein Mr. Knoppert, sonderbarer Typ, der die Beobachtung von Schnecken zu seinem Hobby ge-macht hat. Ein Hobby, das schließlich zu seinem Unglück führt.

Insgesamt sechzehn kurzweilige und spannende Stories, die das frühe Erzähltalent von Patricia Highsmith dokumentieren.