Marlow / Kommissar Gereon Rath Bd.7 - Kutscher, Volker
Zur Bildergalerie

24,00
versandkostenfrei*
Preis in Euro, inkl. MwSt.
Sofort lieferbar
0 °P sammeln

  • Gebundenes Buch

3 Kundenbewertungen

Berlin, Spätsommer 1935. In der Familie Rath geht jeder seiner Wege. Pflegesohn Fritz marschiert mit der HJ zum Nürnberger Reichsparteitag, Charly schlägt sich als Anwaltsgehilfin und Privatdetektivin durch, während sich Gereon Rath, mittlerweile zum Oberkommissar befördert, mit den Todesfällen befassen muss, die sonst niemand haben will. Ein tödlicher Verkehrsunfall weckt seinen Jagdinstinkt, obwohl seine Vorgesetzten ihm den Fall entziehen und ihn in eine andere Abteilung versetzen.
Es geht um Hermann Göring, der erpresst werden soll, um geheime Akten, Morphium und schmutzige Politik. Und
…mehr

Produktbeschreibung
Berlin, Spätsommer 1935. In der Familie Rath geht jeder seiner Wege. Pflegesohn Fritz marschiert mit der HJ zum Nürnberger Reichsparteitag, Charly schlägt sich als Anwaltsgehilfin und Privatdetektivin durch, während sich Gereon Rath, mittlerweile zum Oberkommissar befördert, mit den Todesfällen befassen muss, die sonst niemand haben will. Ein tödlicher Verkehrsunfall weckt seinen Jagdinstinkt, obwohl seine Vorgesetzten ihm den Fall entziehen und ihn in eine andere Abteilung versetzen.

Es geht um Hermann Göring, der erpresst werden soll, um geheime Akten, Morphium und schmutzige Politik. Und um Charlys Lebenstrauma, den Tod ihres Vaters. Und um den Mann, mit dem Rath nie wieder etwas zu tun haben wollte: den Unterweltkönig Johann Marlow.
  • Produktdetails
  • Gereon Rath .7
  • Verlag: Piper
  • Seitenzahl: 522
  • Erscheinungstermin: Oktober 2018
  • Deutsch
  • Abmessung: 218mm x 141mm x 50mm
  • Gewicht: 707g
  • ISBN-13: 9783492055949
  • ISBN-10: 349205594X
  • Artikelnr.: 52361205
Autorenporträt
Kutscher, Volker
Volker Kutscher, geboren 1962, arbeitete nach dem Studium der Germanistik, Philosophie und Geschichte zunächst als Tageszeitungsredakteur und Drehbuchautor, bevor er seinen ersten Kriminalroman schrieb. Heute lebt er als freier Autor in Köln. Mit dem Roman »Der nasse Fisch« (2007), dem Auftakt seiner Krimiserie um Kommissar Gereon Rath im Berlin der Dreißigerjahre, gelang ihm auf Anhieb ein Bestseller, dem bisher fünf weitere folgten. Die Reihe ist die Vorlage für die internationale Fernsehproduktion »Babylon Berlin«, deren erste zwei Staffeln im Oktober 2017 auf Sky anliefen und im Oktober 2018 in der ARD zu sehen sein werden. Mit der von Kat Menschik illustrierten Erzählung "Moabit" gelang ihm im Oktober 2017 ein weiterer Bestseller.
Rezensionen
Besprechung von 31.10.2018
Nazis zücken Ernte 23
Volker Kutschers siebter Roman um den Berliner Oberkommissar Rath
Ziemlich viel unangenehme Leute, das, möchte man in bestem „amerikanischen“ Krimiübersetzerdeutsch fast sagen. Dieser Großgangster Johann Marlow etwa, der 1935 zum SS-Gruppenführer ehrenhalber ernannt wird und in solcher Camouflage seine sinistren Geschäfte auch unter und mit den braunen Machthabern betreibt, ohne einer der ihren zu sein. Oder der elegante Frauentäuscher Gerhard Brunner und SD–Geheimdienstler, dem es gleich zu Beginn bei einem seltsamen Unfall mit einer „Kraftdroschke“ (wir sind in Berlin!) das Genick bricht. Dann die immer hübschen Blondinen und Brünetten, die zackig den rechten Arm zum „Deutschen Gruß“ hochreißen. Sogar Göring tritt auf, hochrot das Gesicht, glänzend von Alkohol und Morphin. Wie gesagt, unangenehme Gesellschaft, das.
Mittendrin Oberkommissar Rath, seine Frau Charly, sein einstiger Vorgesetzter und jetziger Privatdetektiv Böhm, der einem alten mysteriösen Fall nachhängt, der unversehens wichtig wird durch den Taxiunfall, den Rath zu bearbeiten hat. Dazu kommt der berühmte Kriminaldirektor Ernst Gennat, Buddha genannt, und andere Kriminalkollegen als notwendige Chargen. Und natürlich spielt Berlin, schnoddrig, ruppig, elend in Kreuzberg und Wedding, bürgerlich in Charlottenburg, wimmelig am Alexanderplatz, die Hauptpartie.
Geraucht wird unentwegt, Nazis zücken Ernte 23, Rath greift bei jeder Gelegenheit zur Overstolz, seine Frau bevorzugt „aus gutem Grund ist Juno rund“, und auch die Marke Eckstein vergisst Volker Kutscher nicht im siebten Roman um seinen Oberkommissar Gereon Rath. Übrigens wurden alle diese einst von verschiedenen Herstellern vertriebenen Marken im Jahre 1935, in dem die Handlung spielt, von Reemtsma fusioniert.
Kutscher gelingt es ganz gut, Zeit- und Ortskolorit so zu beschreiben, dass nicht nur reine Kulissenmalerei dabei herauskommt. Dennoch wirkt manche Detail- und Dialektversessenheit mehr deutsch-gründlich, als dass sie Stimmung und Atmosphäre zusätzlich verdichten könnte. Auch ist Kutscher fast allen seinen Hauptpersonen so nah, dass sie kaum richtig greifbare Gestalt annehmen können. Doch den Fall des selbstmörderischen Unfalls, den der Taxifahrer Otto Lehmann verursacht, entwickelt Kutscher zu einem relativ spannenden Geflecht: Göring soll erpresst werden, Morphium ist im Spiel, Nazigrößen und ihre jeweiligen Unterabteilungen misstrauen sich gegenseitig und scheuen nicht vor kriminellen Machenschaften zurück. Böhm und seine Mitarbeiterin Charly helfen Emigranten, während Rath glaubt, er könne als braver Kriminaler, der seine Fälle ermittelt und löst, nicht von der immer offener verbrecherischen Nazipolitik kontaminiert werden. Ein Irrtum.
Parallel erzählt Kutscher „eine andere Geschichte“, zwischen 1918 und 1926 angesiedelt, nämlich die vom Unterweltkönig Marlow und wie er dazu wurde. Da entwickelt sich einer nicht zum simplen Bösewicht, sondern es entsteht schon ein infernalischer Charakter größeren Stils aus der Konfrontation mit einem rassistischen Vater in der kaiserlichen Kolonie Tsingtau, aus der bitteren Liebesgeschichte mit einer Chinesin und ihrem Sohn. Der wird später seine rechte Hand.
Dieser Liang Kuen-Yao, der so gerne heiraten möchte, wobei ihm Charly helfen soll, ist mit seinen undurchdringlich schwarzen Augen wie mit seiner Präsenz die anrührendste, auch geheimnisvollste Gestalt im ganzen Karussell. Er ist plötzlich da und genauso plötzlich verschwunden. Kutscher vermag es, diesen gleichwohl auch zu Mordtaten fähigen Mann nicht als nur irgendwie exotischen Typen darzustellen, sondern widmet sich ihm mit Behutsamkeit und Empathie.
Wie die Nazis ihn befremdet bis verächtlich ansehen, wie er böse Blicke auf sich zieht im vom Rassistengift durchseuchten Deutschland. Das kann man jederzeit auch heute erleben, wo beispielsweise Musiker aus Asien noch immer gern als mechanisch und seelenlos gering geschätzt werden. So schimmert bei aller lokalkoloristischen Berlinfülle und Geschichtsträchtigkeit überraschend deutlich auch die Gegenwart durch. Das ist wahrlich nichts Schlechtes in einem Roman, der nicht nur die Krimigenreregeln erfüllen will.
HARALD EGGEBRECHT
Parallel zur Haupthandlung
erzählt Kutscher die Geschichte
vom Unterweltkönig Marlow
Volker Kutscher: Marlow. Der siebte Rath-Roman. Piper Verlag, München 2018. 528 Seiten, 24 Euro.
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
…mehr
Besprechung von 04.11.2018
Jetzt mit Gleitsichtbrille
Es gibt ein Leben nach "Babylon Berlin": Volker Kutscher lässt Gereon Rath in "Marlow" unbeirrt seinen Weg weitergehen

Das Timing könnte kaum besser sein. Während in der ARD die zweite Staffel von "Babylon Berlin" zu Ende geht, erscheint der neue Roman von Volker Kutscher, ohne dessen Bücher es diese Serie nie gegeben hätte. "Marlow" heißt der Roman, der siebte in der Gereon-Rath-Reihe und der erste, der im Piper-Verlag erscheint. Der Titel ist zugleich ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Welt der Serie und die der Romane dann doch zwei verschiedene Universen sind, mögen sie auch voneinander wechselseitig profitieren bei Lesern und Zuschauern.

Zu Marlow, auch Dr. M genannt, dem Herrscher der Berliner Unterwelt, der seit dem ersten Band, dem "Nassen Fisch", etwas gegen Rath in der Hand hat, gibt es in "Babylon Berlin" nicht mal ein Pendant. Der große Antagonist, dessen langer Schatten sich immer wieder über das Leben des Helden legt, fehlt in den Drehbüchern beziehungsweise wurde durch mehrere Bad Guys ersetzt, von denen keiner an Marlow heranreicht. Für alle, die jetzt zum ersten Mal einen Rath-Roman lesen, ist das eine Überraschung. Wer seit dem "Nassen Fisch", also seit 2007, mit den Abwegen und Umwegen des Kommissars vertraut ist, für den ist die Rückkehr zum Buch, als brauche man plötzlich eine Gleitsichtbrille für die beiden Welten.

Roman-Rath und Serien-Rath trennt nicht nur, dass Letzterer nun das Gesicht von Volker Bruch hat und eine Physiognomie des Ersteren in vieltausendfacher Gestalt allein in der Vorstellung der Leser existiert. Kutscher hatte von Beginn an bewusst auf eine fahndungstaugliche Beschreibung seiner Figuren verzichtet. In der Welt der Romane sind Rath und Charlotte Ritter auch seit ein paar Jahren verheiratet, sie haben ein Pflegekind, den 14-jährigen Fritze, und in diesem Spätsommer 1935, in dem "Marlow" beginnt, haben die Nazis den Alltag komplett unter Kontrolle. Charly ist nur noch Rechtsanwaltsgehilfin, weil Frauen keine Juristinnen mehr werden dürfen. Nebenbei hilft sie dem in Ungnade gefallenen Ex-Kommissar Böhm, der sich als Privatdetektiv versucht. Gereon dagegen wechselt, der Karriere wegen, von der Mordkommission zum LKA, das von dem überzeugten Nazi Arthur Nebe (einer historischen Figur übrigens) geleitet wird.

Die Gleichschaltung hat die Polizei beschädigt, sie spielt nur eine untergeordnete Rolle im Vergleich zu SS, Gestapo und dem SD, dem Sicherheitsdienst. Rath sieht das zwar, aber er übersieht es auch gerne, seine Weltsicht ist nach wie vor so unpolitisch, dass man sie auch fahrlässig naiv nennen könnte, was ständig zu Streit mit Charly führt, die es auch nur schwer erträgt, dass Fritze begeistert zur Hitlerjugend geht.

Vor diesem Hintergrund entwickelt Volker Kutscher mit der gewohnten Umsicht seinen mehrgleisigen Plot. In vier Einschüben, jeweils "Eine andere Geschichte" überschrieben, fällt der Blick zurück in Marlows Vergangenheit. Der Unterweltkönig sucht den Weg in die Legalität, er ist zwar noch Görings Morphium-Dealer, aber zugleich teilt er sich mit dem Uniformfetischisten den Erlös aus Firmen- und Immobilienübernahmen, zu denen er die jüdischen Eigentümer genötigt hat.

Raths und Marlows Wege kreuzen sich erneut, als dem mal wieder abseits des Dienstwegs operierenden Kommissar zufällig potentielles Erpressungsmaterial gegen Göring in die Hände fällt. Und schließlich kommt auch jener Teil von Charlys Vergangenheit zur Sprache, den Kutscher bisher nur in dem von Kat Menschik illustrierten schmalen Band "Moabit" (2017) erwähnt hatte. Ohne die Spannung durch zu viele Details trüben zu wollen, darf man verraten, dass Kutscher auch in "Marlow", wie bisher in jedem Rath-Roman, mit sicherem Gespür Orte der Zeitgeschichte in Schauplätze seiner Geschichte verwandelt hat. Das konnte mal das "Haus Vaterland" am Potsdamer Platz sein oder der Straßenbahntunnel, der die Straße Unter den Linden unterquerte. Hier ist es Nürnberg in den Tagen des Reichsparteitags, in dem Rath an der Straße steht, als Hitler vorbeifährt, in dem er, der den sogenannten deutschen Gruß verweigert, wann immer es geht, wie in Trance selber den Arm hochreißt - "und er hatte sich noch nie in seinem Leben selbst so sehr gehasst". Und es ist, zum Showdown, die Baustelle des Reichsluftfahrtministeriums, das Göring sich errichten ließ - dort, wo heute das Finanzministerium residiert.

Die nahtlose Einbettung der Fiktion in die Zeitgeschichte ist eine von Kutschers großen Stärken, da ist er präziser und plausibler, als es der große Philip Kerr war. Und es ist nicht nur die exakte Topographie, die überzeugt, es sind nicht nur die Querverbindungen zu den früheren Büchern, die den Rath-Kosmos immer weiter ausgestalten. Es ist auch Kutschers Sprache, die meist unauffällig wirkt, die es nie auf zitierreife "Stellen" anlegt. Man muss sich zwar an die häufigen Dialektpassagen gewöhnen, in "Marlow" wird nicht nur berlinert, es wird auch reichlich Fränkisch gesprochen. Aber Kutscher hat ein Ohr für Ausdrücke, die heute altmodisch klingen, die einem jedoch von Eltern oder Großeltern noch vage vertraut sind. "Auf Schusters Rappen", "gestiefelt und gespornt", "Brimborium" oder "Küchenbulle", solche Ausdrücke fallen immer mal wieder so ganz nebenbei. Das gibt der Prosa eine unverwechselbare Gestalt, ein zurückhaltendes historisches Design, ohne manieriert oder beflissen zu wirken.

Am Ende von "Marlow" überrascht Kutscher dann mit einem grandiosen Plot-Twist. Mitte Oktober 1935 ist die Luft immer dünner geworden, und die Nazis sind kein böser Spuk wie noch in den Zeiten von "Babylon Berlin". Charly, die zu Hause Gabriele Tergit und Irmgard Keun liest, kann ihren Abscheu vor dem Regime auch öffentlich kaum noch verbergen. Aber auch Rath, der zwar härter geworden ist, wie er in "Marlow" durch einen ganz speziellen Schachzug beweist, muss aufpassen. Politisch klarsichtiger ist er deshalb nicht. "Er wollte eigentlich", heißt es gegen Ende, "dass alles so blieb, wie es war. Oder besser: Wie es einmal gewesen war." Er hat die Glocke noch immer nicht gehört.

PETER KÖRTE

Volker Kutscher: "Marlow. Der siebte Rath-Roman". Piper, 528 Seiten, 24 Euro

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
…mehr
»Die nahtlose Einbettung der Fiktion in die Zeitgeschichte ist eine von Kutschers großen Stärken, da ist er präziser und plausibler, als es der große Philip Kerr war. Und es ist nicht nur die exakte Topografie, die überzeugt, es sind nicht nur die Querverbindungen zu den früheren Büchern, die den Rath-Kosmos immer weiter ausgestalten. Es ist auch Kutschers Sprache, die meist unauffällig wirkt, die es nie auf zitierreife ›Stellen‹ anlegt.«, FAS, 04.11.2018
"Die TV-Serie 'Babylon Berlin' mag gutes Fernsehen sein. Volker Kutschers Romane aber sind großes Kino.", taz, 08.11.2018