Nackter Mann, der brennt (eBook, ePUB) - Ani, Friedrich
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  • Format: ePub

5 Kundenbewertungen


Wie aus Opfern Täter werden, in welcher Weise dieser unaufhaltsame, alle Grenzen der Grausamkeit sprengende Prozess abläuft - dies erzählt Friedrich Ani, der Meister des Noir, hochspannend, überraschend und einfühlsam.
Im Alter von vierzehn Jahren flieht ein Junge aus dem süddeutschen Dorf Heiligsheim. Vierzig Jahre später kehrt er als Ludwig »Luggi« Dragomir zurück: Alkohol, Drogen und alle gegen sich und die anderen ausgefochtenen Kriege in Berlin konnten die Erinnerungen an den Missbrauch seiner Spielkameraden und seiner selbst durch die Honoratioren von Heiligsheim nicht verdrängen. Die…mehr

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Produktbeschreibung
Wie aus Opfern Täter werden, in welcher Weise dieser unaufhaltsame, alle Grenzen der Grausamkeit sprengende Prozess abläuft - dies erzählt Friedrich Ani, der Meister des Noir, hochspannend, überraschend und einfühlsam.

Im Alter von vierzehn Jahren flieht ein Junge aus dem süddeutschen Dorf Heiligsheim. Vierzig Jahre später kehrt er als Ludwig »Luggi« Dragomir zurück: Alkohol, Drogen und alle gegen sich und die anderen ausgefochtenen Kriege in Berlin konnten die Erinnerungen an den Missbrauch seiner Spielkameraden und seiner selbst durch die Honoratioren von Heiligsheim nicht verdrängen. Die Schuldgefühle, seine Freunde nicht beschützt zu haben, treiben ihn an.

Seit seiner Anwesenheit verschwinden gleich mehrere ältere Herren, einige werden tot aufgefunden - ob durch Unfall oder Mord, das versucht Kommissarin Anna Darko herauszufinden. Dabei gerät auch Ludwig ins Visier, weil er ein Verhältnis mit der Ehefrau eines der Vermissten hat - den er als Gefangenen im eigenen Haus malträtiert. Denn in Ludwig Dragomir hat Wut die Oberhand erlangt, und nun »durfte sie brennen« ...


Dieser Download kann aus rechtlichen Gründen nur mit Rechnungsadresse in A, D ausgeliefert werden.

  • Produktdetails
  • Verlag: Suhrkamp Verlag AG
  • Seitenzahl: 223
  • Erscheinungstermin: 08.08.2016
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783518747988
  • Artikelnr.: 45017202
Autorenporträt

"Mineralwasser wird überschätzt und außerdem ist ja auch Wasser im Bier." - Das ist so eine typische Friedrich-Ani-Antwort auf die Frage, ob eine seiner Figuren, nämlich der legendäre Vermissten-Detektiv Tabor Süden, nicht zu viel Tegernseer Hell trinken würde. Feinsinnig und nah am Leben, bodenständig und philosophisch zugleich wirkt dieser sympathische und vielseitige Autor. Der bekennende FC-Bayern-Fan lebt in München, wuchs in Kochel am See als Sohn einer Südschlesierin und eines Syrers auf und sagt heute, dass er keine Berge mehr sehen kann, sie ihn melancholisch machen. So hat er die Insel Sylt ab und an als "Ausweich-Ort" für sich entdeckt, liebt die Weite dort, das Licht und auch die Stille, bei der er in sich hineinhören kann. Nur wer das kann, schafft es schließlich, so überzeugend über andere Leben zu schreiben, andere Schicksale, andere Abgründe. Und diese Abgründe interessierten Ani besonders - ihn und seine Figuren wie Tabor Süden, den blinden Kommissar Jonas Vogel oder Hauptkommissar Polonius Fischer, einen ehemaligen Mönch.



Ja, auch Anis Geschichten drehen sich um Leben und Tod, aber sie kommen ohne "gehäckselte Leichen" aus. Er schreibt, sensibel und sprachgewaltig, oft über innere Zustände und Seelenlagen, das "Kippen" normaler Leben - falls es so etwas wie normale Leben überhaupt gibt -, das Straucheln und Scheitern. Gern schreibt er auch über die sogenannten "kleinen Leute", nicht über das "Adabei"-München und schätzt an dem Genre Krimi, dass er seine Geschichten hier so erzählen kann, wie er es will. Für seine Romane erhielt Friedrich Ani schon zahlreiche Preise. Als bisher einziger Autor bekam er den Deutschen Krimi Preis in einem Jahr für drei Süden-Titel gleichzeitig. Es folgten u. a. der Adolf-Grimme-Preis für das Drehbuch nach seinem Roman "Süden und der Luftgitarrist", der Deutsche Krimipreis für "Süden" oder der Bayerische Fernsehpreis für das Drehbuch "Das unsichtbare Mädchen".



Die meisten Leser kennen und lieben vor allem Anis "Süden"-Reihe, doch dass er auch wunderbare Gedichte, herrliche Kinderbücher, Drehbücher, Hörspiele oder Kurzgeschichten schreibt, wissen schon weniger. Diese Vielseitigkeit und Offenheit für die Welt und insbesondere die Literatur zeichnen Ani aus. Dieses den Menschen Zuschauen- und Zuhörenkönnen - das liebt Ani; ob in einem Gasthaus in seinem Viertel Giesing sitzend oder am Hauptbahnhof, wo er gern hingeht, um unter "Verreisern" zu sein, Abschiede und Ankommen zu erleben. Er selbst, so sagt er, sein kein "Verreiser" - außer von München nach Sylt. Das mag, was die äußeren Reisen angeht, auch stimmen. Innerlich aber ist Friedrich Ani ein erfahrener Reisender - und von den höchsten Höhen in die tiefsten Abgründe unterwegs.

Rezensionen

buecher-magazin.de - Rezension
buecher-magazin.de

Unerbittlich steckt uns Ani in die Haut eines Killers. Aus einer filigran gestalteten Ich-Perspektive erleben wir, wie er seine Morde plant, durchführt und mit zynischer Lakonie kommentiert. Trotzdem drängt uns Ani zur Empathie, weil der Täter auch Opfer ist. 40 Jahre, nachdem er und weitere Jungen von den Vorzeigebürgern des Dorfs missbraucht wurden, kehrt er inkognito zurück. Ani, der sich als Drehbuchautor für die TV-Produktion "Operation Zucker" mit Pädophilie und Kindesmissbrauch beschäftigt hat, kreiert ein Schreckenskabinett gesichtsloser Menschenmonster. Dass er es sich damit eigentlich zu einfach macht, bemerkt man kaum, weil die ausweglose Atmosphäre unbarmherzig jede ambivalente Gefühlsregung erdrückt. Noethen navigiert mit melancholischem Sarkasmus durch die zerstörte Seelenlandschaft. Härter, sanfter, besser kann man das nicht lesen. Bloß wenn die anderen Figuren zu reden beginnen, ist es umgekehrt. Technisch noch immer großartig, klingt das aufgesetzt. Ohne Persönlichkeit fehlt diesen Scherenschnittrandfiguren der nötige Resonanzkörper. Alles kreist um das schwarze Herz der Geschichte, das gequälte, sich rächende Ich.

© BÜCHERmagazin, Stefan Volk (smv)

Perlentaucher-Notiz zur ZEIT-Rezension

Knapp, aber begeistert bespricht Tobias Gohlis Friedrich Anis neuen Kriminalroman "Nackter Mann, der brennt". Erzählt wird die Geschichte von Ludwig Dragomir, der nach Jahrzehnten der Abwesenheit in sein bayrisches Heimatdorf zurückkehrt, um sich an jenen zu rächen, die ihn und andere Kinder einst sexuell missbrauchten, erklärt der Rezensent. Wie der Autor vom Zorn und Schuldgefühl seines Helden erzählt, ihn wie Jim Thompsons Lou Ford in "Der Mörder in mir" zunehmend in den Wahn abgleiten lässt und religiöse Motive einbindet, ringt dem Kritiker größte Anerkennung ab. Ein auch sprachlich virtuoser Roman, der Tabus bricht, lobt er.

© Perlentaucher Medien GmbH

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 03.08.2016

Vertrieben aus dem Paradies der Menschenlosigkeit
Rache für eine zerstörte Kindheit: „Nackter Mann, der brennt“, ein schwarzer Thriller von Friedrich Ani
Drei Jahre lebt Ludwig „Luggi“ Dragomir schon im oberbayerischen Heiligsheim, als Außenseiter. „Kein Mensch auf Erden hatte eine Ahnung, wer ich in Wirklichkeit war. Manchmal kam ich mir selbst wie eine Erscheinung vor. Bevor ich richtig hinsah, war ich schon wieder verschwunden.“
  Heiligsheim ist das Dorf seiner Kindheit, aber keiner dort hat Luggi wiedererkannt. Vor vierzig Jahren hieß er Coelestin, der Himmlische. Aber die Kindheit hat nur Schrecken bereitgehalten für ihn. Er kam zurück für die letzte Aufgabe seines Lebens, als Racheengel, mit dem Flammenschwert. Luggi Dragomir ist die Titelfigur in Friedrich Ani düsterem neuen Psychothriller: „Nackter Mann, der brennt“.
  Das Drehbuch seiner seit Jahren genau geplanten Rache liefern ihm sein Religionsheft und seine Schulhefte, in die er nicht nur die Einträge aus dem Unterricht geschrieben hat, sondern auch die Bibelzitate und Litaneien, an deren Wahrheit er als Messdiener glaubte. Als Luggi Dragomir innerhalb weniger Tage in einem grausamen Ritual lauter Männer umbringt, die im Dorf zu den Honoratioren zählen, einen nach dem anderen, konfrontiert er sie vor dem Tod mit diesen Aufzeichnungen. Immer noch voller Hoffnung, sie könnten ihre Taten von damals erkennen und bereuen, mit denen sie ihm und seinen Freunden die Kindheit zerstörten – drei von ihnen bei inszenierten Unfällen töteten, aus Furcht vor Entdeckung. Ein bayerisches Dorf als Teil der Welt des Roman noir. Alle Einwohner wussten von den Untaten, sogar der Pfarrer, alle schwiegen. Nur Coelestin konnte sich als 14-Jähriger diesem grausamen Schicksal durch die Flucht entziehen. Doch die Erniedrigung, die Scham, das selbstzerstörerische Verhalten als Folgen des sexuellen Missbrauchs werden ihn sein ganzes Leben verfolgen. Er ist gleichzeitig Opfer und Täter.
  Auch die Ermittler in Anis bisherigen Krimis verzweifelten immer wieder an der Wirklichkeit. Und doch gelang es ihnen, sich zu retten, indem sie menschlich blieben, die Taten verstehen wollten, anstatt sich der Rache zu verschreiben. Im Gegensatz zu ihnen scheint Coelestin von Dämonen besessen zu sein, die an Anis eigene Kindheitserinnerungen rühren. Es ist eine grausige, schonungslose Realität, der sich der Leser stellen muss. „Ein Paradies der Menschenlosigkeit“ wird am Anfang der ersten Szene ein Friedhof genannt, den der Erzähler schon als Kind liebte. Messerscharf sind die Sprachbilder des Erzählers; wenn er sich an den Tod des Freundes Hans erinnert, heißt es: „Schlagartig taten mir alle Zähne weh vor Hass.“
  Mit diesem Hass, der sein Leben begleitet – auch in den langen Jahren in Berlin, als Besitzer einer Bar –, konfrontiert Dragomir in heftigen Wortwechseln seine Opfer. Er schreit seine Gefühle heraus, die ihn beim Anblick der einstigen Peiniger befallen haben, als er in das Dorf zurückkehrte. Der Hass lässt ihn immer wieder bei der Lektüre seines Religionsheftes am Gott seiner Kindheit verzweifeln. Und trotzdem fühlt er sich als sein Werkzeug – ein Opfer, das mit göttlichem Auftrag grausam für Gerechtigkeit kämpfen muss. „Warum führst du mich diesen Weg? Inzwischen trug ich die Verantwortung für die Welt.“ Aus seiner Verzweiflung ist die Hybris geboren, die aus dem Verlangen nach Gerechtigkeit einen Rachefeldzug macht.
  Eine alte Ani-Frage, die immer wiederkehrt: Hätten die Frauen, die Luggi im Verlauf seines Lebens begegneten, sein Schicksal ändern können? Die Kommissarin, die die Fälle bearbeitet und ihn für verdächtig hält? Oder seine Mutter, die ihm helfen will, genauso wie Bibiana, seine erste Freundin: „Ihr Blick fiel wie ein Netz über mich. Was mit mir geschah, begriff ich nicht.“
  Eine Rettung ist nicht vorgesehen für die finsteren Helden von Friedrich Ani. Ein Mensch kehrt sein Innerstes nach außen und hat damit seine Schutzschicht verloren – und auch durch künstlerische Distanz kann er sie nicht wiederfinden. Die Sprache dieses Romans folgt mäandernd den widersprüchlichen Empfindungen der Hauptfigur, lässt sich nicht festlegen auf einen durchgängigen Duktus. In seiner schwarzen Verzweiflung hat Anis neues Buch trotz allem immer auch etwas grotesk Naives, ja etwas Clowneskes an sich. Immer wieder schiebt Friedrich Ani als Motto den Refrain aus einem Song von Manfred Mann ein: „Ha! Ha! Said the clown .“
ROSWITHA BUDEUS-BUDDE
Ein bayerisches Dorf
wird zum Teil der Welt
des Roman noir
Dämonologe der Erinnerung: Friedrich Ani.
Foto: Isabelle GrubertFoto / Random House
            
  
  
   
      
Friedrich Ani: Nackter Mann, der brennt. Roman.
Suhrkamp Verlag, Berlin 2016. 224 Seiten, 20 Euro. E-Book 16,99 Euro.
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
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Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 22.08.2016

Die Gedanken der anderen
Krimis in Kürze: Iain Levison, Kai Hensel und Friedrich Ani

Der kann ja Gedanken lesen, das sagt sich so dahin und ist natürlich nie wörtlich gemeint. Wenn einer es ernsthaft behauptet, dann ist das entweder esoterischer Quatsch, eine Art neuer Uri-Geller-Trick - oder womöglich eine brillante Idee für einen Roman, der zwischen Science-Fiction und Kriminalerzählung changiert. Im Original heißt dieser Roman "Mindreader" und im Deutschen "Gedankenjäger" (Deuticke, 304 S., geb., 19 [Euro]). Und Iain Levison, der Schotte, der schon lange in Amerika lebt, hat diese Idee mit großer Umsicht entwickelt. Ein Polizist merkt bei einem Einsatz, dass er die Gedanken eines Junkies klar und deutlich hören kann. Bei Tieren und durch Wände funktioniert es auch. Dann soll er einen entflohenen Mörder auffinden und stellt fest: Man kann einander lesen.

Auf Dauer ist diese Fähigkeit jedoch eher anstrengend. "Der Sex ist definitiv besser, wenn du nicht hören kannst, was die anderen denken", sagt der Mörder, und sie fragen sich dann, "ob sie eine Unterhaltung ohne zu sprechen führen könnten". Nur eine Frau bleibt für beide unlesbar, sie ist im Auftrag der Regierung unterwegs, um die Gedankenleser zu steuern, sobald diese im "Online-Modus" sind. Doch weil Polizist und Mörder sich zusammentun, läuft die Operation aus dem Ruder. Levison hat dabei ein gutes Gespür für schwarzen Humor und für Spannungsaufbau. Und vor allem tut es dem Buch gut, dass nicht alles ausbuchstabiert wird. Vieles bleibt skizzenhaft, es wird auch kein großer Verschwörungsplot entworfen, es ist schlicht von einem Regierungsprojekt die Rede, für das Männer, ohne dass sie es bemerkt hätten, einer Gehirnoperation unterzogen wurden.

Im Kern ist Levisons Roman eines dieser so intelligenten wie zweckfreien Was-wäre-wenn-Spiele: Was passierte, wenn jeder jeden lesen könnte? Würden alle vereinsamen, oder würden wir einander besser verstehen, weil wir mehr voneinander wissen? Oder hätte die Transparenz am Ende die gleichen Folgen wie die Opazität der Gedanken? "Einander kennen?", sagt Danton in Büchners Stück düster, "wir müßten uns die Schädeldecken aufbrechen und die Gedanken einander aus den Hirnfasern zerren."

Auf einen gewissen philosophischen Überschuss spekuliert auch der neue Roman von Kai Hensel. "Bist du glücklich?" (Hoffmann und Campe, 332 S., geb., 15,99 [Euro]), ein Thriller, der seine Handlung in knapp achtzehn Stunden komprimiert. Am Freitagnachmittag fährt das junge Erfolgspaar mit dem Cabrio ins Wochenende auf ein recht baufälliges Schloss bei Angermünde, das der junge Unternehmer Patrick ersteigert hat. Am Samstag um 9.22 Uhr ist alles zu Ende. Patrick träumt von der "Gamification" der Welt, weil sein App-Spiel "Bist du glücklich?" wie eine Rakete gezündet hat. Doch dann taucht eine Stalkerin auf, die sich bald als hochgradig gefährlich erweist, und auf dem Schloss geschehen merkwürdige Dinge, die nicht nur Patricks Verlobte Laura ahnen lassen, dass die schöne neue Welt des Glücks ein großer Schwindel ist, der sich nur um einen immer höheren Preis vertuschen lässt.

Hensel deutet Details und Funktionsweise des App-Spiels nur vage an, das ist zwar smart, aber bisweilen auch kontraproduktiv, weil dessen Erfolg dadurch kaum begreiflich wird. Ein wenig zu blass und schnittmusterhaft ist auch das Paar ausgefallen, was sich vor allem am Ende rächt. Atmosphärisch trifft David Lynch auf Kubricks "Shining" in der Uckermark, garniert mit einem Blutspritzer Vampirismus, was phasenweise ganz apart wirkt, aber die Schwächen in der Figurenzeichnung nicht kompensieren kann,

Friedrich Ani muss man nicht mehr groß vorstellen. Der Autor, der auch Lyrik und Drehbücher schreibt, hat diesmal keine seiner Kommissars-Serien fortgesetzt. Der Titel "Nackter Mann, der brennt" (Suhrkamp, 224 S., geb., 20 [Euro]) zitiert einen Song, für den man auch mit großer Anstrengung keine Quelle ergoogeln kann. Die Geschichte spielt in einem fiktiven Ort namens Heiligsheim, der unheiliger nicht sein könnte. Der Mann, der dorthin nach vielen Jahren in Berlin und Hamburg und vielen Drogenerfahrungen zurückkehrt, nennt sich Ludwig Dragomir und will Rache. Aber Ani ist nicht der Typ, um daraus einen Alpen-Western zu entwickeln, wie ihn der Film "Das finstere Tal" inszenierte. Stattdessen taucht bald eine Kommissarin auf, weil einige ältere Herren spurlos verschwinden.

Man erkennt sehr rasch den Ani-Sound wieder, mit seinen kargen Sätzen, dem diskreten Mundarteinschlag, den vielen Ellipsen und dem schleppenden Tempo. Und der Ich-Erzähler Dragomir handelt lieber, als dass er allzu viel ausspricht. So muss das ganze hässliche Ausmaß der Geschichte von Missbrauch und Beschweigen in der Vergangenheit vor allem aus seiner Resonanz in Dragomirs Aktionen in der Gegenwart erschlossen werden. Das ist eine kluge und wirksame Erzählstrategie. Der Deus-ex-machina-Einfall am Schluss wirkt dagegen allzu grob.

PETER KÖRTE

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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"Sie müssen es lesen, dieses Buch."
Elmar Krekeler, DIE WELT 02.08.2016