Benutzername: Uli Geißler
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Bewertungen

Insgesamt 743 Bewertungen
Bewertung vom 02.09.2017
Weihnachtskrippen bauen
Gurschler, Susanne; Knapp, Hans; Penz, Hansjörg

Weihnachtskrippen bauen


ausgezeichnet

Bau – Gestaltung – Hintergrundmalen

In den meisten christlich geprägten Familien gibt es insbesondere in der Vorweihnachtszeit und erst recht zu Weihnachten über die Jahre entstandene und übliche traditionelle Abläufe und Gepflogenheiten. Dazu gehört das Aufstellen eines Adventskranzes, das Schmücken der Wohnung oder Fenster mit Sternen oder auch das Aufstellen einer Krippe mit der plastischen Darstellung der Geburt des Gottes Sohnes Jesus.

Das vorliegende Praxisbuch bietet im ersten Kapitel eine kurze Einführung in die Geschichte des Krippenbaus am Beispiel Tirol. Ebenfalls vorgestellt werden die Autoren des Buches, beides ausgewiesen kompetente Krippenbauer. Farbaufnahmen typischer Krippen sowie einiger Einblicke in die Arbeitsweise der Kreativen illustrieren das Kapitel anschaulich.

Es folgen die ganz praktischen Kapitel. Sehr ausführlich und differenziert kann man nun verfolgen, wie es zu einer Krippe kommt. Auswahl von Aufstellort, Krippenformen, Werkzeuge und viele weitere Details zum Bau zunächst einer orientalischen und in einem weiteren Kapitel einer heimatlichen Krippe werden nachvollziehbar beschrieben. Dabei werden bauliche Klischees als allgemein gültig genutzt, um die jeweils typischen Gebäudebestandteile handwerklich umzusetzen. Es fehlen allerdings die konkrete Benennung einer geographischen oder auch baugeschichtlichen Verortung der Baustile oder die Erläuterungen zu Gestaltung und Einsatz bestimmter Gestaltungselemente.
In zusammenfassenden Info-Kästen sind benötigte Materialien oder Werkzeuge aufgelistet. Weiter finden sich Konstruktionshilfen wie den graphischen Krippenmeter oder eine Tabelle zum Ablesen der maßstabsgerechten Baugröße für einzelne Bestandteile der Krippe in Baugröße.

Die textlichen Erläuterungen helfen bei der Vorstellung für das Ganze zu bekommen, allerdings wären einige Maßangaben in den Abbildungen der der exemplarischen Krippenbauabschnitte zur besseren Vorstellung und Einschätzung von Baugrößen oder des Grundrisses hilfreich gewesen. Andererseits ist es freilich sinnvoll, alle Maße für die eigene individuelle Krippe selbst zu bemessen. Die weiteren Arbeitsschritte wie Material vorbereiten und verarbeiten oder einzelne Bauabfolgen sind ausreichend nachvollziehbar beschrieben und mittels Fotos dargestellt.

Schön sind die Beispiele und Anleitung zur Gestaltung unterschiedlicher Details wie Balustraden, Dächer oder auch Türen und der vielfältigen und wichtigen botanischen Ausgestaltung des Krippenfeldes.

Eine bereichernde Besonderheit ist das eigene und sehr umfangreiche Kapitel zur Hintergrundmalerei. Durch diese die Krippengebäude perfekt ergänzenden und auch einbindenden großformatigen Bilder wird die sozusagen dreidimensionale Geschichte perfektioniert. Die Szenerie wird so zum künstlerischen Objekt atmosphärischer Dichte und Ausstrahlung.
Sehr detailfreudig werden Tipps zur Grundierung und Farbgestaltung, dem Hintergrundentwurf bis hin zur Perspektive, Überlagerung und Tiefenwirkung gegeben und mit Beispielen illustriert. Sehr hilfreich ist, dass beispielsweise Bäume, Schafe oder Berge und Schattierungen in einzelnen Malphasen vorgestellt werden. Die Bleistiftzeichnungen von Krippen im orientalischen und heimatlichen Stil sowie die Detailzeichnungen von Türen, Fenstern, Zäunen, Landschaftsausschnitten, Türmchen, Fenstern, Brunnen oder Brücken wecken die Lust zur individuellen Gestaltung.

Das vorliegende Buch ist ein umfassendes Grundlagenwerk, um selbst kreativ und gewissermaßen auch meditativ eine Weihnachtskrippe zu bauen und die dazu passende Krippenlandschaft samt Hintergrund zu gestalten.

© Uli Geißler, Fürth/Bay., Spiel- und Kulturpädagoge, Krippenbau-Lehrer

Bewertung vom 21.08.2017
Pegasus 54521G - Jorvik, Strategiespiel

Pegasus 54521G - Jorvik, Strategiespiel


ausgezeichnet

Jórvik
Handeln für die Zukunft

Als Wikinger-Häuptling im normannischen Reich oben in Nordengland die eigene Gruppe zu einem ansehnlichen und wohlständigen Leben zu führen, ist die Aufgabe dieses taktischen und in mehreren Runden zu je vier Spielphasen abzuwickelnden Handelsspiels. Anfeindungen und die bekanntermaßen kriegerischen Auseinandersetzungen im Wikingerleben halten sich eher in Grenzen, sieht man von einigen kleineren Scharmützeln im Spielverlauf ab.

Auch sonst geht es sehr interaktiv zu, denn die für die eigenen Aktionen benötigten jeweils in einer Auswahl offen ausliegenden Karten sind im Wettbewerb mit anderen gewissermaßen in einem ausgeklügelten Verfahren zu ersteigern, so dass man ständig kommunizieren muss, indem man eigene Figuren darunter platziert. Der Preis ergibt sich aus der Anzahl der Interessenten. Wer allerdings einen sich so ergebenen hohen Betrag nicht zahlen kann oder will, kann vom Kaufinteresse zurücktreten. So vergünstigt sich die Karte für den nächsten Interessenten. Wer bezahlt bekommt dann diese betreffenden Rohstoffe oder Waren. Sie werden benötigt, um z. B. das Handwerk voranzubringen. Auch um die Arbeitskräfte muss gerungen werden und nicht zuletzt braucht es den Handel, um auch Vermögen anzuhäufen.

Um tatsächlich auch Gewinne mit Ressourcen oder Waren erzielen zu können, braucht es auch noch Lagerraum. Wo der fehlt, kann auch nichts gelagert und später in Siegpunkte umgewandelt werden.

Ein wenig wird das Wikinger-Klischee dann doch noch bedient, denn bei den Raubzügen kann man doch einige weitere Siegpunkte erringen, weswegen auch diese Option genutzt werden sollte. Auch Angriffe der schottischen Pikten sind mit ersteigerten Kriegerkarten abzuwehren. Insofern sollte man bei aller kaufmännischen Geschäftstüchtigkeit auch die Verteidigung nicht außer Acht lassen und für einige Sicherheitskräfte sorgen.

ZuEnde ist das Spiel, wenn in der vierten Spielrunde die letzte Pikten-Angriffskarte aufgedeckt und abgearbeitet wurde. Wer nun insgesamt die meisten Punkte ansammeln konnte, hat gewonnen.

Das schon mal als „Speicherstadt“ veröffentlichte Spiel hat durch das etwas abenteuerlichere Thema und Spielumfeld gewonnen. „Jorvik“ ist ein schönes ausgewogenes Spiel für (2)3-5 erfahrene Spieler/innen ab 10 Jahren mit einer Spieldauer von etwa einer bis eineinhalb Stunden und kostet um die 30 Euro.

© April 2017, Uli Geißler, Spiel- und Kulturpädagoge, Fürth/Bay.

Bewertung vom 15.07.2017
Erzählbar II. Everyone has a Story

Erzählbar II. Everyone has a Story


gut

Geschichten zum Leben für Coaching und Seminare

Persönliche Berichte und Erfahrungen sind echt, sorgen für Authenzität und wirken glaubhaft. Erzählte Geschichten erhöhen die Aufmerksamkeit der Zuhörenden und bleiben oft nachhaltig im Gedächtnis. Daher sind Geschichten – eigene oder zitierte – ein ideales Mittel, Sachverhalte, komplexe Zusammenhänge oder Emotionen nachvollziehbarer zu vermitteln.

Oft helfen Metaphern und Beispielgeschichten das Eigene aus einer anderen Perspektive zu betrachten und einzuordnen oder auch eine Idee, einen Ausweg aus einer verfahrenen Situation oder eine Vision zu entdecken oder neu zu denken. Auch Vorträge erhalten eine besondere Dynamik, wenn bei einer Präsentation die einzelnen Punkte nicht einfach nur aufgezählt sondern erzählt werden. Es sind die inneren Bilder, welche die Wirkung einer Geschichte ausmachen und für das eigene Handeln leitend sein können.

Das Buch fasst 112 erprobte und schon mehrfach in unterschiedlichsten professionellen Beratungs- und Coaching-Prozessen eingesetzte Geschichten zusammen. Allesamt Profis im Beratungsgeschäft berichten die Autorinnen, Autoren oder auch nur Zitierenden über ihre Erfahrungen mit der gewählten Geschichte hinsichtlich Einsatzmöglichkeit und Themenspektrum.

Bisweilen bleiben die Hinweise jedoch leider etwas oberflächlich, so dass die eigene Kompetenz und Erfahrung gefragt ist, passende Geschichten auszuwählen. Dennoch helfen die Stichpunkte zum Thema, den Reflexionsfragen, den Hinweisen zum Einsatz einer Geschichte zu schnelleren Auswahl wie beispielsweise „Führung, Kommunikation, Reflexion, Perspektivenwechsel, Stressbewältigung, Konflikt, Vision“.

Vielen Geschichten und Anekdoten – oftmals auch schon bekannt – fehlt leider auch die literarische Qualität, so dass sie eher als Praxiserfahrung gelten können, weniger als unterhaltende Geschichte. Das ist eben der Unterschied zu einem Geschichten-Buch: es handelt sich bei allen Texten schlicht um Methodisches Material, bisweilen entsteht bei kritischer Betrachtung der Eindruck offensichtlicher Manipulation, was einer guten Beratung dann aber eher abträglich ist. Ein starkes Manko des Buches ist auch der deutlich überteuerte Preis.

Wer eine Sammlung kurzer Geschichten und Praxiserfahrungen zum Einsatz als Start-Impuls, zur Verdeutlichung einer bestimmten Situation oder als Anregung zum anders denken sucht, wird das Buch als schnelles Nachschlagewerk für brauchbare Texte schätzen.
© 5/2015, Uli Geißler

Bewertung vom 14.07.2017
Die Schäufele-Verschwörung / Paul Flemming Bd.9
Beinßen, Jan

Die Schäufele-Verschwörung / Paul Flemming Bd.9


gut

Großstadtprobleme in der fränkischen Metropole

Die abwegige Idee, dass sich im Zentrum fränkischer Bratwursttradition ein Münchner Weißwurstlokal etablieren könnte, zieht einen umgehend in den Kampf um die Nürnberger Identität hinein.

Der Fotograf erfährt von der für die Ortsansässigen unsäglichen Unverfrorenheit und der kulturellen Kampfansage zugunsten ahnungsloser Touristen von seinem Freund und Meisterkoch Jan-Patrick.
Doch freilich bleibt das nicht das bestimmende Thema für den Fotografen und Hobby-Sherlock-Holmes und Protagonisten Paul Fleming. Ein Anruf einer entfernten Bekannten stößt ihn mitten hinein in eine Mordssache. In der Wohnung einer Freundin liegt die Leiche eines Exterroristen – in fremdartiger oberbayrischer Tracht.

Der Verdacht, es könnte sich um die Tat aufgebrachter Franken-Patrioten gewesen sein, bestätigt sich kaum. Flemings zwar mit schlechten Gewissen einhergehenden Ermittlungs-Eigenmächtigkeiten bringen den inzwischen mit der Staatsanwältin liierten Detektiv in unbedachte Schwierigkeiten. Nur schwer gelingt es ihm, sich einerseits selbst aus der Verdachtslinie zu bringen, welche sich für die ermittelnden Kriminaler anfänglich logischerweise ergab, andererseits entwickeln sich für ihn Stück für Stück Erkenntnisse und Zusammenhänge, die auf eine in der beschaulichen Stadt an der Pegnitz kaum vermuteten Verbrechenskategorie hindeuten.

Wie bei allen Regionalkrimis bietet auch Jan Beinßens neunter Fall genug Anknüpfungspunkte und Wiedererkennungseffekte für die im weiten Rund der Metropolregion lebenden Menschen, um gerne gedanklich die bekannten Wege gehen zu können und eine sehr konkrete Vorstellung der geschilderten Schauplätze entwickeln können.

Die Geschichte taucht zwar an manchen Stellen etwas ins unbedeutende Private des Protagonisten ein, macht ihn aber auch nahbar und menschlich. Es scheint so, als kenne man den freundlichen und leicht abzulenkenden Mann aus der Nachbarschaft. Wieder ist die Geschichte aufgrund im Großen und Ganzen leicht nachvollziehbarer glaubhafter Abläufe und nicht zu komplexer Zusammenhänge gute Unterhaltung.
© 5/2015, Uli Geißler (Die Rezension bezieht sich auf die textgleiche Erstausgabe aus dem Jahr 2014).

Bewertung vom 26.04.2017
Mein kreativer Stadtbalkon
Appel, Silvia

Mein kreativer Stadtbalkon


sehr gut

Lust auf Wachstum in lichter Höhe auf kleinstem Raum

Wer über keinen Garten verfügt aber gerne natürliches Grün um sich haben möchte, braucht nicht unbedingt als Einsiedler/in in den Wald zu fliehen. Ein kleiner Balkon der Miet- oder Eigentumswohnung reicht. Wer aber außer den üblichen Hängegeranienkästen doch gerne eine etwas individuelle Gestaltung der paar Freiluftquadratmeter vornehmen möchte, sollte etwas kreativ sein oder sich von dem Buch der Autorin – des selbst ernannten „Gartenfräulein“ – inspirieren lassen.

Unterteilt in die Kapitel Basics, Pflanzenzuhause, Pflanzentauglichkeit, Pflege, Früchte der Arbeit, Gemütlichkeit, Gärtnern in der Wohnung, Balkonkalender und Bezugsquellen bietet das luftig und übersichtlich gestaltete Buch jede Menge Informationen, Anregungen und Tipps für die passende Begrünung des kleinen heimischen Kosmos.

Mit nur wenigen günstig zu beschaffenden Handwerkszeugen und Pflanzutensilien geht es los – die Autorin beschreibt knapp, welche erforderlich sind. Als „Fräulein“ fast selbstverständlich denkt sie auch an die Reinigung der Hände danach und regt sogar zur Herstellung von Seife an. Zwei Seiten widmet sich der Auswahl der richtigen Erde. Dann folgen zahlreiche Tipps zur Samenauswahl, Anzucht von Pflanzen, passenden Gefäßen von Milchtüten über Holzkisten oder anderen verrückten oder gewöhnlichen Möglichkeiten und vor allem der richtigen Pflanzen. Zu einer ganzen Reihe von Nutz- oder Zierpflanzen benennt sie die wesentlichen Bedingungen für ein gelingendes Gedeihen und wie man die Gewächse pflegt (Pflege-Einmaleins). Auch die Vermehrung oder das leidige Thema Krankheiten lässt sie nicht aus.

Die Ernte und die Möglichkeiten mit den Früchten der bisweilen schmutzenden Arbeit umzugehen werden gut beschrieben, denn wie bei Kochrezepten auch werden das benötigte Material und die Vorgehensweise gut nachvollziehbar beschrieben und mit vielen Illustrationen oder Fotos aufgezeigt. So erfährt man vom Lavendelkissen über Räucherwerk, Himbeeressig und Kräuteröl doch einiges an leicht nachzumachenden Erzeugnissen.

Schließlich gibt die Autorin noch einige schöne Tipps zur wohnlichen Gestaltung der wenigen Quadratmeter Himmelsnähe und die wenigen Rezepte zur Bewirtung von Gästen bereichern das aktivierende Werk. Abschließend finden sich ein paar Ideen für die Begrünung innen, ein klammheimlicher Aufruf zur - an sich oftmals illegalen, aber geduldeten – Stadtbegrünung und Gründungsempfehlung für eine Urban-Gardening-Gruppe. Der Balkonkalender benennt knapp monatlich nötige gärtnerische Aufgaben.

So bietet das Buch also rundum Know-How und Lust am Selbst-aktiv-werden, auch wenn es an einer umfassenderen Übersicht zu den blühenden Pflanzen an sich fehlt und der Schwerpunkt des Buches doch sehr auf die Elemente der Gestaltung eines Balkons sowie den Nutzen der Pflanzen gelegt wurde. Wer dran bleiben will, kann sich auf dem Blog der Autorin umsehen: http://www.garten-fraeulein.de/.

© 2017, Uli Geißler, Fürth/Bay.

Bewertung vom 29.03.2017
Weißwurstconnection / Franz Eberhofer Bd.8
Falk, Rita

Weißwurstconnection / Franz Eberhofer Bd.8


gut

Niederbayrische Niedertracht
Kaum steht das umstrittene Luxushotel, liegt auch schon eine Leiche in einer Wanne. Um das gerade anlaufende Geschäft nicht zu gefährden, soll der Kommissar Eberhofer diese diskret aus dem Hotel herausbringen. Warum auch immer – er macht das auch unter Hinzuziehung nicht nur des bekannten Richters sondern auch seines Busenfreundes und Ex-Kollegen Birkenberger. Der ermittelt dann als Wellnessgast getarnt am Tatort.

Was anfänglich durchaus interessant und spannend werden könnte, entwickelt sich dann eher als harmloser Durchschnitt mit gelegentlich spaßigen Erlebenseinstreuungen. Es ist einfach eine unterhaltsame Geschichte mit dem unnachahmlich lokalgefärbten, eher harmlos wirkenden kriminellen Hintergrund, obwohl ein Mord in Niederbayern ein Kapitalverbrechen darstellt. Durch die so herzlich gemütliche Schreibe der erfahrenen Autorin wirkt alles nur so harmlos.

Irgendwie ist man – sofern man zur Stammleserschaft gehört – sofort wieder als Mitglied der Niederkaltenkirchener Gemeinde von allen und vor allem den privaten Nebengeschichten erfasst und fiebert fast mehr mit deren Entwicklung mit, als der Lösung des Kriminalfalles. Das macht die Heimeligkeit der Serie niederbayrischer Lebensart aber auch aus. Wer also gerne die Menschen hinter den Geschehnissen in einem kleinen Dorf ein Stück ihres Lebens begleiten möchte, ist mit Rita Falks witzigen und doch niveauvollen Erzählungen aus der – fast realen - Welt der Kriminalitätsverfolgung gut bedient. Ich freue mich auch schon wieder auf den nächsten Band, sofern es noch einen gibt. Das war am Ende ehrlich gesagt nicht so sicher. Meinem Bedürfnis nach gelegentlicher unterhaltsamer Leseentspannung käme das aber entgegen. © Uli Geißler, Fürth/Bay.

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Bewertung vom 20.02.2017
AMIGO AMI01656 - Expedition, Familienspiel

AMIGO AMI01656 - Expedition, Familienspiel


sehr gut

Als Mitläufer neue Ufer nutzen
Auch in unseren Zeiten haben Expeditionen durchaus noch ihren Reiz, selbst wenn vermeintlich alles schon erobert, erforscht oder besiedelt wurde. Im Spiel von Wolfgang Kramer gilt es eine Reihe von Zielen teilweise geheim, teilweise für alle erkennbar zu erreichen. Wer das schließlich zuerst geschafft hat, gewinnt das schnelle und lehrreiche Familienspiel.

Die Karten im Spiel vermitteln eine Vielzahl von Informationen und interessanten Aspekten der 80 verschiedenen Sehenswürdigkeiten oder geografischen Besonderheiten auf der großen Weltkarte. Aufgrund farblicher Kennung lassen sich die Karten leicht den jeweiligen Regionen und Zielen zuordnen.

Die Mitspielenden sind gemeinsam gleichzeitig mit drei Expeditionen unterwegs in deren Verlauf die eigenen anfangs auf dem Plan mittels Marker verteilten eigenen Ziele erreicht werden sollen, was Sonderpunkte bringt. Alle Beteiligten unterstützen zwangsläufig auch Expeditionsziele der anderen Mitspielenden mit, welche auch dann eine Zielkarte ablegen können, wenn nicht sie selbst, sondern jemand anderes im Rahmen einer der drei Expeditionen den entsprechenden Zielort besucht.
Zwischendrin kann man auf Sonderfeldern Extrazüge oder so genannte „Flugtickets“ erhalten und damit das Spiel zu eigenen Gunsten beeinflussen.

Insgesamt ist „Expedition“ ein ansprechendes Familienspiel mit einigen taktischen Möglichkeiten, einfachen Spielregeln und angenehmer kurzweiliger Spieldauer für 2-6 Spieler (beste Besetzung ist aber zu viert). © Uli Geißler, Spiel- und Kulturpädagoge, Fürth/Bay.

Bewertung vom 20.02.2017
Endgültig
Pflüger, Andreas

Endgültig


sehr gut

Blinder Einsatz weckt Erinnerungen
Polizistin Jenny Aaron wird nicht nur gewissermaßen zur „Superheldin“ weil sie als Kind eines GSG9-Spezialisten von klein auf mit dem „Metier“ konfrontiert einfach werden wollte, was ihr Vater war, sondern aufgrund ihrer außergewöhnlichen Leistungsbereitschaft und Kompetenz und ihrem eisernen Willen. Nach einigen beachtlichen Einstiegserfolgen gelangt sie schon nach wenigen Jahren als Elitekämpferin in die so genannte „Abteilung“ und genießt überall höchste Anerkennung. Doch ihr Trauma eines gescheiterten Auftrags folgt auf den Fuß und die lebenslange Konsequenz bedeutet Erblindung und Teilamnesie.
Diese Gegebenheit trägt nun den weiteren Plot des facettenreichen Thrillers. Auch wenn die Absurdität der dargestellten Tatsache, eine blinde Polizistin könne ebenso den normalen Polizeialltag meistern, wie eine sehende Kollegin oftmals schon sehr weit überzogen wirkt, bleibt die Geschichte anfangs noch sehr spannend. Staunend und teilweise um derartige Fähigkeiten wissend verfolgt man, welche Möglichkeiten erblindete Menschen nutzen und einsetzen können, um sich zurecht zu finden. Da mag viel Wahres dran sein und die Recherche des Autors bringt da in der Tat einige Informationen zutage, welche bislang vielleicht ausgeblendet einen eigenen „blinden Fleck“ offenbaren.
Doch die geradezu übermenschlichen Kampfeserfolge und Handlungen von Aaron erscheinen dann doch häufig völlig abgedreht und kaum mehr zum sonstigen glaubhaften System des in einer realen Wirklichkeit angelegten Thrillers zu passen. Das wirft einen aus der Geschichte, weil es schlichtweg selbst bei aller Hochachtung vor den kaum zu glaubenden Möglichkeiten eines Sensibilisierungs- und Mobilitätstrainings unglaubwürdig bleibt.
Unabhängig davon versteht es allerdings der Autor Seelenleben, Ängste aber auch Überlegenheiten der unterschiedlichen Protagonistinnen und Protagonisten vielschichtig darzustellen und die Leserschaft in Bann zu halten. So beschreibt er zwar eine überzogene Superheldin einerseits und gleichzeitig aber eine schwache von inneren Zweifeln und vor allem eigener Unzulänglichkeit zermarterte Hauptdarstellerin, deren Ende immer wieder kurz bevor steht. Auch das Offenhalten nötiger Erklärungen bis weit in die letzten Seiten hinein binden an das Buch. © Uli Geißler, Fürth/Bay.

Bewertung vom 16.01.2017
Metamorphosen 2017

Metamorphosen 2017


ausgezeichnet

Wenn der Körper mit der Umgebung verschmilzt
Es würde schon sehr überraschen, wenn man durch unberührte Naturlandschaften streift und dann plötzlich etwas Auffälliges wie die von verschiedenen Kunstschaffenden gestalteten Menschen wie verschmolzen mit der Natur entdecken würde.

Erst beim zweiten Hinsehen nämlich entdeckt man die bemalten und kunstvoll mit der Landschaft und natürlichen Umgebung mimikrierten Körper. Mal findet sich die lebende Bildkunst auf einer weißsandigen Fläche vor Eisberggleichen Steilwänden, verwebt sich an anderer Stelle mit dem Gehölz eines Mischwaldes, verschwindet geradezu im Strandsand an erahnbarer Meeresküste, fließt Uferverbunden mit dem Bach gleich dahin oder streckt sich im Koniferen-Club gen Himmel.

Stets unwirklich natürlich, irgendwie entrückt und doch stark Umgebungsverbunden zeugen die in kurzzeitiger Unbeweglichkeit verharrenden Objekte von der visionären Kraft der sie Gestaltenden. Die Wahl der Aufnahmeorte dokumentieren die Herausforderung durch Strukturen, Farben, Licht und die ausgezeichneten Fotografien von Léonie Gené, Laila Ramona Pregizer und Uwe Schmida stellen ergänzend zu den bemalten Körpern ganz eigenständige Werke dar.

„Metamorphosen“ ist ein immer wieder zur Betrachtung einladender ästhetischer und anregender Jahreswandschmuck. (c) Uli Geißler, Fürth/Bay.

Bewertung vom 16.01.2017
Europa ist die Lösung
Steinmeier, Frank-Walter

Europa ist die Lösung


sehr gut

Vereinfachung des Komplexen

Weshalb die politischen Visionen in einer Rede von Winston Churchill aus dem Jahr 1946 der Autor als Ausgangsbegründung seiner - leider etwas oberflächlich wirkenden - Werbung für Europa wählt, ist eventuell der Eindeutigkeit dessen klarer Worte geschuldet. Vieles davon ist sicher die richtige und sinnvolle Idee für einen im Hinblick auf die massiven Herausforderungen der Zukunft dringend nötigen starken und handlungsfähigen Zusammenschluss.

Sympathisch und dennoch nicht Geschichtsklitternd ist es schon, den Aspekt, Spannungen und Krisen gemeinsam zu überwinden, „… die Fehler der Zwischenkriegszeit …“ wie Walter Steinmeier schreibt nicht zu wiederholen. Hier ist konstruktive Geschichtsfortschreibung gemeint. Ohne die Gräuel der Vergangenheit zu vergessen gilt es die angespannte Gegenwart überwinden und so die Zukunft einer friedlichen Weltordnung meistern.

Dabei ist ihm auch bewusst, dass die augenblickliche Dringlichkeit in der politischen Landschaft der richtige Umgang mit der Problematik einer keineswegs „rund“ laufenden Flüchtlingspolitik ist. Hier braucht es mehr gemeinschaftlich ausgehandelte Übereinkünfte und Beweise, dass Europa sicherer und stärker ist. Auch in Bezug auf die Asylsysteme sind Absprachen nötig und nicht zuletzt eine Wachstumsdynamik, von welcher die Menschen profitieren.

Als konkrete Handlungsanweisung für Mitentwickler eines Zukunftsfähigen Europas wählt der Autor abschließend in seinem Essay symbolisch die Unternehmung des „Eisernen Gustav“, welcher mit seiner Droschke nach Paris fuhr um für seine Zunft zu werben und eine fixe Idee in tätiges Handeln umzusetzen.

Den Schlusspunkt als Aufforderung zum Durchstarten jedoch setzt die komplette Züricher Rede Winston Churchills, welche er pathetisch beendet: „Lasst Europa auferstehen.“ Brandaktuell! © Uli Geißler, Fürth/Bay.