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Benutzername: Uli Geißler
Wohnort: Fürth/Bay.
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Bewertungen

Insgesamt 747 Bewertungen
Bewertung vom 20.07.2018
Aufzeichnungen eines Käfersammlers
Siepen, Stefan aus dem

Aufzeichnungen eines Käfersammlers


gut

Präzise Beschreibungen eines Eigensinns

Dieses Buch ist alleine schon deswegen lesenswert, weil die Freude über wohlfeile Sprache kaum treffender befriedigt wird. Der Inhalt mag banal, unscheinbar, überflüssig erscheinen, dennoch gelingt es Autor aus der Unbedeutsamkeit ein hervorgehobenes Interesse zu wecken.

Es sind die kaum merklichen Erfolge und Niederlagen, das Mögliche und Unmögliche im Leben, die der Autor mit geschliffener Genauigkeit ohne ein einziges fehlstehendes Wort ergreifend und ansprechend erzählt.

Die leicht skurrilen aber gut aufgebauten kurzen Geschichten überraschen und gefallen, wenngleich sie – für diejenigen, welche „Das Seil“ kennen – deutlich geringer an die Spannung der Geschichte des sich durch ein ganzes Buch schlängelnden und schier endlos scheinenden Seils heran kommen.
© Uli Geißler, Fürth/Bay.

Bewertung vom 28.06.2018
Das Fundament der Ewigkeit / Kingsbridge Bd.3
Follett, Ken

Das Fundament der Ewigkeit / Kingsbridge Bd.3


gut

Schwarz-weiß-Malerei im 16. Jahrhundert
Der von Lesefreudigen allerorten sehnlich erwartete dritte Band der so fulminant begonnenen Mittelalter-Geschichte wird wohl leider keine nachhaltige Verankerung in der Welt der Literatur erlangen.
Das Leben im so aufstrebenden Kindgsbridge ging weiter. Und so findet man sich in der nachreformatorischen Zeit des 16. Jahrhundert in einem historisch belegbaren weltpolitischen Umfeld wieder, stets schwankend zwischen der Überzeugung, dass alle Ereignisse wohl so waren, und der Gewissheit, dass nichts von dem Gelesenen wahr ist. Noch immer toben religiöse Auseinandersetzungen und sind letztlich Kern der Geschichte.
Dem Autor gelingt es wieder, in die wilde und verworrene, von Protagonisten übervolle Geschichte einzutauchen. Man ist gespannt, ob und wie sich die unerfüllte Liebe zwischen dem protestantischen Ned Willard und Margery Fitzgerald entwickelt, leiden doch Beide unter der dem Gebot der Notwendigkeit folgend geschlossenen Ehe zwischen der Katholikin mit dem etwas schlicht gestrickten Bart.
Ned avancierte inzwischen zum wichtigen Königinnen-Flüsterer und wichtigen Unterstützer Königin Elisabeth I., welche ihre Regentschaft zwar an sich als tolerante Landesverantwortliche führen möchte, gleichzeitig aber auch die andauernd drohende Absetzung durch die Katholiken im Land fürchten muss und äußerst rigide ihre religiösen Gegner verfolgen und bekämpfen lässt. Bespitzelung und Vertrauensmissbrauch sind ihr dabei hilfreiche Instrumente.
So entfaltet der Roman eine Vielzahl von kleineren und größeren Beziehungs- und Handlungsschauplätzen, was allerdings bald schon verantwortlich dafür ist, dass der Überblick etwas verloren geht.
Irgendwie kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die sicher umfangreich recherchierten historischen Bezüge geradezu zwanghaft eingestreut werden mussten, da sie nun mal herausgefunden waren, letztlich für den Handlungsstrang aber belanglos wirkten.
Sehr und fast zu viele Protagonistinnen und Protagonisten sowie teilweise kleinteilig erzählten Ereignisse lenken von einem vor allem im letzten Drittel kaum mehr erkennbaren zentralen Geschehen ab. In gewisser Weise ermüdet man beim Lesen und wünscht sich nach knapp über der Hälfte des Buches schon den Schluss der Geschichte herbei. Dazu kommt, dass die sprachliche Finesse fehlt, was der leichteren Lesbarkeit geschuldet ist, die differenzierte Ausgestaltung oder Beschreibung der literarischen Figuren aber eher schlicht geschieht.
Man braucht die beiden vorherigen Bände nicht kennen, da es mit der Kathedrale von Kingsbridge und dem Leben in diesem mittelalterlichen erdachten Ort nichts mehr zu tun hat. Insofern kann man ganz unbedarft „Das Fundament der Ewigkeit“ lesen und wird gut bis eher mittelmäßig unterhalten.
© 2017 Uli Geißler

Bewertung vom 03.12.2017
Gscheitgut - vegetarische Küche

Gscheitgut - vegetarische Küche


ausgezeichnet

Genussvoll fleischlos essen

„Gscheit gut“, Markenzeichen ausgezeichneter fränkischer Küche hat mit dem Buch „Gscheit gut vegetarisch“ zeitgemäßen und gesunden Zuwachs bekommen. Endlich kann man auch fleischlos ausgezeichnet Essen gehen.
16 ausgewählte traditionelle Gaststätten zeugen von moderner Weiterentwicklung und Gastfreundlichkeit und –zuvorkommenheit. Schließlich ist vegetarisch zu essen längst selbstverständlich geworden, hat den Ruch des „Absonderlichen“ verloren.

So zeugt auch das Buch von einer ganz neuen Bewusstheit hinsichtlich traditoneller und bewusst ökologischer und gesunder Lebensweise, orientiert auch an saisonalen Erzeugnissen. Kochprofis in den Gasthäusern kochen leidenschaftlich fleischlos und beweisen mit außergewöhnlichen und doch oftmals ganz einfachen Gerichten, wie vielfältig und wohlschmeckend die vegetarische Küche mit heimischen Produkten und Zutaten ist.

Wer nach dem Besuch einer der beteiligten Gaststätten und nach dem Genuss eines der köstlichen vegetarischen Speisen Lust bekommt, auch daheim fleischlos zu kochen, findet 140 Rezepte von Köchinnen und Köchen 16 rennomierter Gasthöfe in der Fränkischen Schweiz in dem Sammelband des guten Geschmacks und somit ausreichend Anregungen für Vorspeisen, große Gerichte und raffinierte Desserts oder auch Kuchen für den Nachmittags-Kaffee oder Tee.

Die Unterteilung in vier jahreszeitliche Kapitel hilft bei der Auswahl saisonal möglicher Gerichte. Die Hintergrund-Informationen z. B. zur Bienenzucht, zum Süßholz-Anbau oder zur Käseproduktion machen deutlich, dass die „Gscheit gut“-Initiative des Verlages und der beteiligten gastronomischen Betriebe mehr ist, als ein kulinarischer Reiseführer der Region Fränkische Schweiz. Es ist ein Buch auch der Kultur einer Region, wenn Information und Praxis die eigene Art zu leben beeinflussen und verändern.

Die unglaubliche Vielfalt und Qualität der vegetarischen fränkischen lässt Vegetarierinnen und Vegetarier, aber auch all diejenigen, welche eine kulinarische Abwechslung suchen, aufmerken und regen an, den nächsten Ausflug nicht nur in die bekannt herrliche Landschaft, sondern auch in die oftmals etwas versteckt gelegene Gastronomie zu unternehmen.

Jahreszeitlich aufgeteilt folgen nach der jeweils zweiseitigen Kurzvorstellung der teilnehmenden Gasthöfe mit ihren Betreibern die Rezepte. Da gibt es im Frühjahr Dinkelsalat mit Spargel, Bärlauch-Gnocchi mit getrockneten Sauerkirchen, Erbsen-Minz-Püree mit geräucherter Kartoffel, Gangene Klöß mit Rahmlauch, Hugo-Eis mit Holunderbeerkompott, Maronen-Maultaschen mit Birnen und MontSalvat oder Rote-Bete-Quinoa-Bällchen.
Auflockernd eingestreut finden sich einige wissenswerte und interessante Erläuterungen wie z. B. über Wildkräuter, das fränkische Käseparadies, Sreuobstwiesen mit ihren Kirsch- und Apfelbäumen, flüssiges Gold (Honig), den fränkischen Scharfmacher Kren, fränkisches Lakritz, oder einige Aspekte zur Biolandwirtschaft.

Glossare auf den hinteren Seiten vereinfachen die Rezept-Suche, bieten einen Saisonkalender der Zutaten oder listen einige Direktvermarkter der vorgestellten Region auf. Selbstverständlich gibt es auch in diesem „Gscheit gut“-Band alle Adressen samt Vorbestellrufnummer sowie eine Übersichtskarte der Gasthöfe.

Den Herausgebern ist ein herausragendes Buch gelungen, welches Appetit anregend alle ansprechen wird, welche sich voll vegetarisch ernähren und das Besondere suchen, als auch die Gelegenheitsvegeatier, die sich ob der feinen und schmackhaften Gerichte wundern und überraschen lassen können, wie gscheit gut man vegetarisch essen kann. Buch und Gerichte: purer Genuss. (c) 11/2017 Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.

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Bewertung vom 26.10.2017
Vrerükcte Wlet 2018

Vrerükcte Wlet 2018


ausgezeichnet

In halber Zeit zweimal um die Welt

Mit den Augen reisen kann man mit diesem Kalender ein ganzes Jahr lang Monat für Monat. Und das gleich doppelt, denn mit einem Blick bekommt man gleich zwei der berühmtesten Sehenswürdigkeiten perfekt kombiniert geliefert. Das ist eben der etwas „ver-rückte“ Blick.

Geschickt haben die Macherinnen und Macher dieses ansprechenden und verblüffenden Jahresüberblicks jeweils zwei bekannte Monumente, Landschaften oder Gebäude so kombiniert, dass ein attraktives neues Bild entstand.

Da mischt sich plötzlich am Pariser Platz der Arc dé Triomph aus Paris mit den Randgebäuden um das Brandenburger Tor. Oder die berühmten Maoi-Statuen der Osterinseln stehen in der rauen Landschaft der schottischen Insel Skye.

Auch Abraham Lincolns Statue aus Washington hat einen neuen Platz in den Tempelanlagen des ägyptischen Abu Simbel gefunden. Ein interessantes Sehnsuchtsziel wäre sicher auch der aus der um die thüringische Veste Wachsenburg platzierten Inseln Palau entstandene neue Spot.

Neben dem Christo Rendentor rauscht der isländische Haifoss Wasserfall und die Moskauer Maria Verkündigung Kathedrale erhebt sich auf dem italienischen Hochplateau Plätzwiese in den Dolomiten.

Die Einzigartigkeit der jeweiligen Orte und Bauwerke einerseits und die durch die Kombination des Bekannten mit dem fiktiv erzeugten Neuen bieten eine großartige neue Perspektive und machen den absoluten Reiz der inszenierten Weltansichten aus. Die Überraschung jeden Monat ist makellos gelungen.

Die Wirklichkeit wurde ganz neu geschaffen und „Fake“-Ansichten in einer ganz positiven, künstlerischen Weise erzeugt. Klasse. (c) Uli Geißler, Fürth/Bay.

Bewertung vom 02.09.2017
Weihnachtskrippen bauen
Gurschler, Susanne; Knapp, Hans; Penz, Hansjörg

Weihnachtskrippen bauen


ausgezeichnet

Bau – Gestaltung – Hintergrundmalen

In den meisten christlich geprägten Familien gibt es insbesondere in der Vorweihnachtszeit und erst recht zu Weihnachten über die Jahre entstandene und übliche traditionelle Abläufe und Gepflogenheiten. Dazu gehört das Aufstellen eines Adventskranzes, das Schmücken der Wohnung oder Fenster mit Sternen oder auch das Aufstellen einer Krippe mit der plastischen Darstellung der Geburt des Gottes Sohnes Jesus.

Das vorliegende Praxisbuch bietet im ersten Kapitel eine kurze Einführung in die Geschichte des Krippenbaus am Beispiel Tirol. Ebenfalls vorgestellt werden die Autoren des Buches, beides ausgewiesen kompetente Krippenbauer. Farbaufnahmen typischer Krippen sowie einiger Einblicke in die Arbeitsweise der Kreativen illustrieren das Kapitel anschaulich.

Es folgen die ganz praktischen Kapitel. Sehr ausführlich und differenziert kann man nun verfolgen, wie es zu einer Krippe kommt. Auswahl von Aufstellort, Krippenformen, Werkzeuge und viele weitere Details zum Bau zunächst einer orientalischen und in einem weiteren Kapitel einer heimatlichen Krippe werden nachvollziehbar beschrieben. Dabei werden bauliche Klischees als allgemein gültig genutzt, um die jeweils typischen Gebäudebestandteile handwerklich umzusetzen. Es fehlen allerdings die konkrete Benennung einer geographischen oder auch baugeschichtlichen Verortung der Baustile oder die Erläuterungen zu Gestaltung und Einsatz bestimmter Gestaltungselemente.
In zusammenfassenden Info-Kästen sind benötigte Materialien oder Werkzeuge aufgelistet. Weiter finden sich Konstruktionshilfen wie den graphischen Krippenmeter oder eine Tabelle zum Ablesen der maßstabsgerechten Baugröße für einzelne Bestandteile der Krippe in Baugröße.

Die textlichen Erläuterungen helfen bei der Vorstellung für das Ganze zu bekommen, allerdings wären einige Maßangaben in den Abbildungen der der exemplarischen Krippenbauabschnitte zur besseren Vorstellung und Einschätzung von Baugrößen oder des Grundrisses hilfreich gewesen. Andererseits ist es freilich sinnvoll, alle Maße für die eigene individuelle Krippe selbst zu bemessen. Die weiteren Arbeitsschritte wie Material vorbereiten und verarbeiten oder einzelne Bauabfolgen sind ausreichend nachvollziehbar beschrieben und mittels Fotos dargestellt.

Schön sind die Beispiele und Anleitung zur Gestaltung unterschiedlicher Details wie Balustraden, Dächer oder auch Türen und der vielfältigen und wichtigen botanischen Ausgestaltung des Krippenfeldes.

Eine bereichernde Besonderheit ist das eigene und sehr umfangreiche Kapitel zur Hintergrundmalerei. Durch diese die Krippengebäude perfekt ergänzenden und auch einbindenden großformatigen Bilder wird die sozusagen dreidimensionale Geschichte perfektioniert. Die Szenerie wird so zum künstlerischen Objekt atmosphärischer Dichte und Ausstrahlung.
Sehr detailfreudig werden Tipps zur Grundierung und Farbgestaltung, dem Hintergrundentwurf bis hin zur Perspektive, Überlagerung und Tiefenwirkung gegeben und mit Beispielen illustriert. Sehr hilfreich ist, dass beispielsweise Bäume, Schafe oder Berge und Schattierungen in einzelnen Malphasen vorgestellt werden. Die Bleistiftzeichnungen von Krippen im orientalischen und heimatlichen Stil sowie die Detailzeichnungen von Türen, Fenstern, Zäunen, Landschaftsausschnitten, Türmchen, Fenstern, Brunnen oder Brücken wecken die Lust zur individuellen Gestaltung.

Das vorliegende Buch ist ein umfassendes Grundlagenwerk, um selbst kreativ und gewissermaßen auch meditativ eine Weihnachtskrippe zu bauen und die dazu passende Krippenlandschaft samt Hintergrund zu gestalten.

© Uli Geißler, Fürth/Bay., Spiel- und Kulturpädagoge, Krippenbau-Lehrer

Bewertung vom 21.08.2017
Jorvik (Spiel)

Jorvik (Spiel)


ausgezeichnet

Jórvik
Handeln für die Zukunft

Als Wikinger-Häuptling im normannischen Reich oben in Nordengland die eigene Gruppe zu einem ansehnlichen und wohlständigen Leben zu führen, ist die Aufgabe dieses taktischen und in mehreren Runden zu je vier Spielphasen abzuwickelnden Handelsspiels. Anfeindungen und die bekanntermaßen kriegerischen Auseinandersetzungen im Wikingerleben halten sich eher in Grenzen, sieht man von einigen kleineren Scharmützeln im Spielverlauf ab.

Auch sonst geht es sehr interaktiv zu, denn die für die eigenen Aktionen benötigten jeweils in einer Auswahl offen ausliegenden Karten sind im Wettbewerb mit anderen gewissermaßen in einem ausgeklügelten Verfahren zu ersteigern, so dass man ständig kommunizieren muss, indem man eigene Figuren darunter platziert. Der Preis ergibt sich aus der Anzahl der Interessenten. Wer allerdings einen sich so ergebenen hohen Betrag nicht zahlen kann oder will, kann vom Kaufinteresse zurücktreten. So vergünstigt sich die Karte für den nächsten Interessenten. Wer bezahlt bekommt dann diese betreffenden Rohstoffe oder Waren. Sie werden benötigt, um z. B. das Handwerk voranzubringen. Auch um die Arbeitskräfte muss gerungen werden und nicht zuletzt braucht es den Handel, um auch Vermögen anzuhäufen.

Um tatsächlich auch Gewinne mit Ressourcen oder Waren erzielen zu können, braucht es auch noch Lagerraum. Wo der fehlt, kann auch nichts gelagert und später in Siegpunkte umgewandelt werden.

Ein wenig wird das Wikinger-Klischee dann doch noch bedient, denn bei den Raubzügen kann man doch einige weitere Siegpunkte erringen, weswegen auch diese Option genutzt werden sollte. Auch Angriffe der schottischen Pikten sind mit ersteigerten Kriegerkarten abzuwehren. Insofern sollte man bei aller kaufmännischen Geschäftstüchtigkeit auch die Verteidigung nicht außer Acht lassen und für einige Sicherheitskräfte sorgen.

ZuEnde ist das Spiel, wenn in der vierten Spielrunde die letzte Pikten-Angriffskarte aufgedeckt und abgearbeitet wurde. Wer nun insgesamt die meisten Punkte ansammeln konnte, hat gewonnen.

Das schon mal als „Speicherstadt“ veröffentlichte Spiel hat durch das etwas abenteuerlichere Thema und Spielumfeld gewonnen. „Jorvik“ ist ein schönes ausgewogenes Spiel für (2)3-5 erfahrene Spieler/innen ab 10 Jahren mit einer Spieldauer von etwa einer bis eineinhalb Stunden und kostet um die 30 Euro.

© April 2017, Uli Geißler, Spiel- und Kulturpädagoge, Fürth/Bay.

Bewertung vom 15.07.2017
Erzählbar II. Everyone has a Story

Erzählbar II. Everyone has a Story


gut

Geschichten zum Leben für Coaching und Seminare

Persönliche Berichte und Erfahrungen sind echt, sorgen für Authenzität und wirken glaubhaft. Erzählte Geschichten erhöhen die Aufmerksamkeit der Zuhörenden und bleiben oft nachhaltig im Gedächtnis. Daher sind Geschichten – eigene oder zitierte – ein ideales Mittel, Sachverhalte, komplexe Zusammenhänge oder Emotionen nachvollziehbarer zu vermitteln.

Oft helfen Metaphern und Beispielgeschichten das Eigene aus einer anderen Perspektive zu betrachten und einzuordnen oder auch eine Idee, einen Ausweg aus einer verfahrenen Situation oder eine Vision zu entdecken oder neu zu denken. Auch Vorträge erhalten eine besondere Dynamik, wenn bei einer Präsentation die einzelnen Punkte nicht einfach nur aufgezählt sondern erzählt werden. Es sind die inneren Bilder, welche die Wirkung einer Geschichte ausmachen und für das eigene Handeln leitend sein können.

Das Buch fasst 112 erprobte und schon mehrfach in unterschiedlichsten professionellen Beratungs- und Coaching-Prozessen eingesetzte Geschichten zusammen. Allesamt Profis im Beratungsgeschäft berichten die Autorinnen, Autoren oder auch nur Zitierenden über ihre Erfahrungen mit der gewählten Geschichte hinsichtlich Einsatzmöglichkeit und Themenspektrum.

Bisweilen bleiben die Hinweise jedoch leider etwas oberflächlich, so dass die eigene Kompetenz und Erfahrung gefragt ist, passende Geschichten auszuwählen. Dennoch helfen die Stichpunkte zum Thema, den Reflexionsfragen, den Hinweisen zum Einsatz einer Geschichte zu schnelleren Auswahl wie beispielsweise „Führung, Kommunikation, Reflexion, Perspektivenwechsel, Stressbewältigung, Konflikt, Vision“.

Vielen Geschichten und Anekdoten – oftmals auch schon bekannt – fehlt leider auch die literarische Qualität, so dass sie eher als Praxiserfahrung gelten können, weniger als unterhaltende Geschichte. Das ist eben der Unterschied zu einem Geschichten-Buch: es handelt sich bei allen Texten schlicht um Methodisches Material, bisweilen entsteht bei kritischer Betrachtung der Eindruck offensichtlicher Manipulation, was einer guten Beratung dann aber eher abträglich ist. Ein starkes Manko des Buches ist auch der deutlich überteuerte Preis.

Wer eine Sammlung kurzer Geschichten und Praxiserfahrungen zum Einsatz als Start-Impuls, zur Verdeutlichung einer bestimmten Situation oder als Anregung zum anders denken sucht, wird das Buch als schnelles Nachschlagewerk für brauchbare Texte schätzen.
© 5/2015, Uli Geißler

Bewertung vom 14.07.2017
Die Schäufele-Verschwörung / Paul Flemming Bd.9
Beinßen, Jan

Die Schäufele-Verschwörung / Paul Flemming Bd.9


gut

Großstadtprobleme in der fränkischen Metropole

Die abwegige Idee, dass sich im Zentrum fränkischer Bratwursttradition ein Münchner Weißwurstlokal etablieren könnte, zieht einen umgehend in den Kampf um die Nürnberger Identität hinein.

Der Fotograf erfährt von der für die Ortsansässigen unsäglichen Unverfrorenheit und der kulturellen Kampfansage zugunsten ahnungsloser Touristen von seinem Freund und Meisterkoch Jan-Patrick.
Doch freilich bleibt das nicht das bestimmende Thema für den Fotografen und Hobby-Sherlock-Holmes und Protagonisten Paul Fleming. Ein Anruf einer entfernten Bekannten stößt ihn mitten hinein in eine Mordssache. In der Wohnung einer Freundin liegt die Leiche eines Exterroristen – in fremdartiger oberbayrischer Tracht.

Der Verdacht, es könnte sich um die Tat aufgebrachter Franken-Patrioten gewesen sein, bestätigt sich kaum. Flemings zwar mit schlechten Gewissen einhergehenden Ermittlungs-Eigenmächtigkeiten bringen den inzwischen mit der Staatsanwältin liierten Detektiv in unbedachte Schwierigkeiten. Nur schwer gelingt es ihm, sich einerseits selbst aus der Verdachtslinie zu bringen, welche sich für die ermittelnden Kriminaler anfänglich logischerweise ergab, andererseits entwickeln sich für ihn Stück für Stück Erkenntnisse und Zusammenhänge, die auf eine in der beschaulichen Stadt an der Pegnitz kaum vermuteten Verbrechenskategorie hindeuten.

Wie bei allen Regionalkrimis bietet auch Jan Beinßens neunter Fall genug Anknüpfungspunkte und Wiedererkennungseffekte für die im weiten Rund der Metropolregion lebenden Menschen, um gerne gedanklich die bekannten Wege gehen zu können und eine sehr konkrete Vorstellung der geschilderten Schauplätze entwickeln können.

Die Geschichte taucht zwar an manchen Stellen etwas ins unbedeutende Private des Protagonisten ein, macht ihn aber auch nahbar und menschlich. Es scheint so, als kenne man den freundlichen und leicht abzulenkenden Mann aus der Nachbarschaft. Wieder ist die Geschichte aufgrund im Großen und Ganzen leicht nachvollziehbarer glaubhafter Abläufe und nicht zu komplexer Zusammenhänge gute Unterhaltung.
© 5/2015, Uli Geißler (Die Rezension bezieht sich auf die textgleiche Erstausgabe aus dem Jahr 2014).

Bewertung vom 26.04.2017
Mein kreativer Stadtbalkon
Appel, Silvia

Mein kreativer Stadtbalkon


sehr gut

Lust auf Wachstum in lichter Höhe auf kleinstem Raum

Wer über keinen Garten verfügt aber gerne natürliches Grün um sich haben möchte, braucht nicht unbedingt als Einsiedler/in in den Wald zu fliehen. Ein kleiner Balkon der Miet- oder Eigentumswohnung reicht. Wer aber außer den üblichen Hängegeranienkästen doch gerne eine etwas individuelle Gestaltung der paar Freiluftquadratmeter vornehmen möchte, sollte etwas kreativ sein oder sich von dem Buch der Autorin – des selbst ernannten „Gartenfräulein“ – inspirieren lassen.

Unterteilt in die Kapitel Basics, Pflanzenzuhause, Pflanzentauglichkeit, Pflege, Früchte der Arbeit, Gemütlichkeit, Gärtnern in der Wohnung, Balkonkalender und Bezugsquellen bietet das luftig und übersichtlich gestaltete Buch jede Menge Informationen, Anregungen und Tipps für die passende Begrünung des kleinen heimischen Kosmos.

Mit nur wenigen günstig zu beschaffenden Handwerkszeugen und Pflanzutensilien geht es los – die Autorin beschreibt knapp, welche erforderlich sind. Als „Fräulein“ fast selbstverständlich denkt sie auch an die Reinigung der Hände danach und regt sogar zur Herstellung von Seife an. Zwei Seiten widmet sich der Auswahl der richtigen Erde. Dann folgen zahlreiche Tipps zur Samenauswahl, Anzucht von Pflanzen, passenden Gefäßen von Milchtüten über Holzkisten oder anderen verrückten oder gewöhnlichen Möglichkeiten und vor allem der richtigen Pflanzen. Zu einer ganzen Reihe von Nutz- oder Zierpflanzen benennt sie die wesentlichen Bedingungen für ein gelingendes Gedeihen und wie man die Gewächse pflegt (Pflege-Einmaleins). Auch die Vermehrung oder das leidige Thema Krankheiten lässt sie nicht aus.

Die Ernte und die Möglichkeiten mit den Früchten der bisweilen schmutzenden Arbeit umzugehen werden gut beschrieben, denn wie bei Kochrezepten auch werden das benötigte Material und die Vorgehensweise gut nachvollziehbar beschrieben und mit vielen Illustrationen oder Fotos aufgezeigt. So erfährt man vom Lavendelkissen über Räucherwerk, Himbeeressig und Kräuteröl doch einiges an leicht nachzumachenden Erzeugnissen.

Schließlich gibt die Autorin noch einige schöne Tipps zur wohnlichen Gestaltung der wenigen Quadratmeter Himmelsnähe und die wenigen Rezepte zur Bewirtung von Gästen bereichern das aktivierende Werk. Abschließend finden sich ein paar Ideen für die Begrünung innen, ein klammheimlicher Aufruf zur - an sich oftmals illegalen, aber geduldeten – Stadtbegrünung und Gründungsempfehlung für eine Urban-Gardening-Gruppe. Der Balkonkalender benennt knapp monatlich nötige gärtnerische Aufgaben.

So bietet das Buch also rundum Know-How und Lust am Selbst-aktiv-werden, auch wenn es an einer umfassenderen Übersicht zu den blühenden Pflanzen an sich fehlt und der Schwerpunkt des Buches doch sehr auf die Elemente der Gestaltung eines Balkons sowie den Nutzen der Pflanzen gelegt wurde. Wer dran bleiben will, kann sich auf dem Blog der Autorin umsehen: http://www.garten-fraeulein.de/.

© 2017, Uli Geißler, Fürth/Bay.

Bewertung vom 29.03.2017
Weißwurstconnection / Franz Eberhofer Bd.8
Falk, Rita

Weißwurstconnection / Franz Eberhofer Bd.8


gut

Niederbayrische Niedertracht
Kaum steht das umstrittene Luxushotel, liegt auch schon eine Leiche in einer Wanne. Um das gerade anlaufende Geschäft nicht zu gefährden, soll der Kommissar Eberhofer diese diskret aus dem Hotel herausbringen. Warum auch immer – er macht das auch unter Hinzuziehung nicht nur des bekannten Richters sondern auch seines Busenfreundes und Ex-Kollegen Birkenberger. Der ermittelt dann als Wellnessgast getarnt am Tatort.

Was anfänglich durchaus interessant und spannend werden könnte, entwickelt sich dann eher als harmloser Durchschnitt mit gelegentlich spaßigen Erlebenseinstreuungen. Es ist einfach eine unterhaltsame Geschichte mit dem unnachahmlich lokalgefärbten, eher harmlos wirkenden kriminellen Hintergrund, obwohl ein Mord in Niederbayern ein Kapitalverbrechen darstellt. Durch die so herzlich gemütliche Schreibe der erfahrenen Autorin wirkt alles nur so harmlos.

Irgendwie ist man – sofern man zur Stammleserschaft gehört – sofort wieder als Mitglied der Niederkaltenkirchener Gemeinde von allen und vor allem den privaten Nebengeschichten erfasst und fiebert fast mehr mit deren Entwicklung mit, als der Lösung des Kriminalfalles. Das macht die Heimeligkeit der Serie niederbayrischer Lebensart aber auch aus. Wer also gerne die Menschen hinter den Geschehnissen in einem kleinen Dorf ein Stück ihres Lebens begleiten möchte, ist mit Rita Falks witzigen und doch niveauvollen Erzählungen aus der – fast realen - Welt der Kriminalitätsverfolgung gut bedient. Ich freue mich auch schon wieder auf den nächsten Band, sofern es noch einen gibt. Das war am Ende ehrlich gesagt nicht so sicher. Meinem Bedürfnis nach gelegentlicher unterhaltsamer Leseentspannung käme das aber entgegen. © Uli Geißler, Fürth/Bay.

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