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Benutzername: Inas Buecherregal
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Bewertungen

Insgesamt 161 Bewertungen
Bewertung vom 19.12.2019
Bonner Verrat
Thiesmeyer, Alexa

Bonner Verrat


sehr gut

Ein Friedhof im Jahre 1963.....langsam fährt ein Leichenwagen den Weg entlang, vorbei an einem Mann mit Aktentasche und Trenchcoat. Mit seinem Rosenstrauß in der Hand scheint er ein Besucher zu sein. Doch er wird von einem anderen Mann im Regenmantel schon erwartet. Ein Angestellter des Friedhofs knallt die Türe des Leichenwagens zu, aus dem sie gerade einen Sarg in die Kapelle getragen haben. Zeitgleich fallen zwei Schüsse, der Mann mit der Aktentasche bricht zusammen...

Ich muss zugeben, ich war erst skeptisch. Ich habe es nicht so mit Politik-Krimis, doch hier verstand es Alexa Thiesmeyer, mich zumindest ein kleines bisschen für Poliotik und ihre "Nebenwirkungen" zu begeistern.

Ihr Buch ist in Kapitel mit Jahreszahlen und Namen gegliedert. Dadurch sehen wir verschiedene Sichtweisen und auch, wie diese zu unterschiedlichen Wahrnehmungen und Reaktion führen. Dies zu lesen gefiel mir sehr gut.

Nicht so gut gefiel mir leider die Hauptprotagonistin Bärbel. Sie war mir äußerst unsympathisch. Ihre Hartnäckigkeit, ehemalige Klassenlameraden, und dann vor allem einen, dabei haben zu wollen ist fast schon lächerlich. Ihre nächtlichen Anrufe und Verfolgungsjagden machten das nicht besser. Bärbel ist um die 60 Jahre alt, und kann sich noch an alle Klassenkameraden aus den ersten 4 Schuljahren erinnern? Respekt, ich kann das nicht.

Dass sie mit Malte quasi einen Verbündeten gefunden hat der ähnlich verbissen wirkt wie seine Tante, sorgt für etwas action. Als Langzeitstudent hat er ja Zeit für etwas Detektiv-Arbeit. Trotz ihrer manchmal nervtötenden Art ist Bärbel mit mit der Zeit doch noch ans Herz gewachsen. Die selbstbewusste und energische Frau versteht es, ihren Kopf durchzusetzen. Sie ist eine Art "Miss Marple von Bonn" ;-)

Nach und nach tun sich immer mehr Fragen auf. Wem kann man noch trauen? Wer spielt falsch? Uwes Verhalten war für mich erst mal nicht nachvollziehbar, dies klärt sich nach und nach jedoch auf. Die Geschichte aus Uwes Blickwinkel ist faszinierend, löste aber auch eine leichte Beklemmung beim lesen aus. Die Zeit des Kalten Krieges war äußerst schwierig, stille Briefkästen, Spione, Verrat.....dies alles zusammen ergibt eine spannende Geschichte. Uwes Unsicherheit ist greifbar, ich konnte mich gut in ihn hinein versetzen und mit vorstellen wie ihm zumute ist. Verständlich das er nach Aufklärung sucht, der "Verfolgungswahn" ist nachvollziehbar.

Bärbel und Malte als Ermittler-Duo haben mir gefallen, dennoch gab es einige Szenen die für mich unglaubwürdig bzw. überspitzt dargestellt wurden. Trotz meiner Kritikpunkte ist das Buch alles in allem ein solider, spannender Krimi der zum nachdenken anregt.

Bewertung vom 10.11.2019
Nichts wird dir bleiben
Kraus, Christian

Nichts wird dir bleiben


sehr gut

"Sebastian liegt festgezurrt auf einer Liege, als sie mit "ihm" den Raum betritt. Ob sie den Jungen kennt, möchte "er" wissen. Sie verneint, bzw. behauptet, ihn nur flüchtig zu kennen. Plötzlich betritt ein asiatisch aussehender Mann in einem weißen Kittel den Raum. Er wird die Wahrheit herausbekommen, das weiß sie ganz genau - und die Wahrheit wird ihr Untergang sein.... "

Thomas Kern ist Psychotherapeut. Der Freitod seiner Patientin wirft sein ganzes Leben durcheinander, nichts wird mehr so sein wie es war. Mit der dadurch entstehenden Situation sind seine Familie und vor allem er restlos überfordert. Der angebliche Privatdetektiv Goldmann ist ein notorischer Lügner, der ausgerechnet jetzt bei Kern Hilfe sucht. Nach anfänglichem Zögern entwickelt sich schnell eine Art Zweckgemeinschaft, die beiden helfen soll.

Dieses Buch ist in sage und schreibe 109 Kapitel untergliedert! Das Buch hat 464 Seiten, es sind also recht kurze Kapitel. Ich mag schnelle Kapitelwechsel und dadurch resultierende aprupte Szenenwechsel in der Regel gar nicht, da dadurch oft mein Lese-Flow gestört wird. Hier jedoch fielen mir die kurzen Kapitel gar nicht auf bzw. störten mich nicht. Es war für mich spannend zu verfolgen, wie das Leben von Thoma Kern nach und nach zerstört wird. Seine Verzweiflung ist fast greifbar, die Schilderung der Gemütsverfassung ist dem Autor sehr gut gelungen, schnell entwickelte ich Sympathien und Antisympathien für die einzelnen Figuren.

Obwohl das Buch im großen Ganzen vorhersehbar war, wurde ich teilweise doch von den verschiedenen Wendungen überrascht. Es war für mich interessant zu sehen, wie schnell aus Leid Hoffnung und dann doch wieder Leid entstehen kann. Wem konnte man noch trauen? Doch von unverhoffter Seite kommt Hilfe, und relativ bald hatte ich eine Ahnung, wie das Ganze zusammen hängen könnte, und je weiter ich im Buch voran kam, umso mehr verstärkte sich mein Verdacht. Dennoch blieb das Buch weiterhin spannend, da der Autor immer neue Aspekte ins Spiel brachte, die dafür sorgten dass die Geschichte nicht zu sehr abflachte.

Von mir gibt es eine klare Lesempfehlung.

Bewertung vom 03.11.2019
Komm, wir fliegen nach Gran Canaria
Summer, Drea

Komm, wir fliegen nach Gran Canaria


ausgezeichnet

" Heinz ist verzweifelt auf der Suche nach etwas essbaren. Er war bereits im Garten fleissig, schließlich geht es morgen in den Urlaub, da muss alles ordentlich sein. Nun hat er Hunger. Da seine Frau noch bei der Arbeit ist, muss er sich wohl selbst etwas machen. Doch im Kühlschrank gibt es nur Gemüse, im Küchenschrank nur Nussbrot. Beim Gedanken an seinen ersten Kontakt mir einem Bissen Nussbrot wird es ihm schon wieder schlecht. Also weiter suchen. Als er seiner Tochter am Telefon erzählt, er würde gerade kochen, nimmt das Unheil seinen Lauf.... "

Heinz ist Pensionär und ein Ordnungsliebhaber, seine Frau nennt es Kontrollzwang. Er leidet ziemlich unter dem Gesundheitsfimmel seiner Frau Uschi, die gerne das Zepter in der Hand hält. Trotz diverser Uneinigkeiten lieben die beiden sich, auch wenn das nicht immer so deutlich zu sehen ist.

Schon bei den ersten Sätzen war Heinz mir sympathisch, dann noch sein Kontakt mir dem Nussbrot, einfach herrlich, ich musste so lachen. Drea schreibt wie immer äußerst bildhaft und mitreissend, diesmal allerdings nicht wie gewohnt in einem Thriller sondern in einer Komödie. Darum war ich extrem gespannt auf das Buch. Und was soll ich sagen, ich wurde nicht enttäuscht. Drea beschreibt so viele lustige und süße Szenen, wie z.B. als er Uschi um 7 Uhr wecken soll weil sie pünktlich zum Flughafen müssen. Oder der Teil mit den Tennissocken in den Sandalen, ich habe Tränen gelacht. So viel Klischee, aber alles mit einem liebevollen Augenzwinkern verpackt.

Hin und wieder tat mir Heinz ja schon leid, ich konnte mir so richtig vorstellen wie er vor dem Büffet steht und schockiert auf seinen Teller blickt. Mir würde es an seiner Stelle genauso gehen :-)

Ich kann das Buch wirklich jedem weiterempfehlen, der gerne mal herzhaft beim lesen lachen möchte und gleichzeitig ein paar Ausflugtipps für den nächsten Gran Canaria Urlaub sucht ;-)

Bewertung vom 02.11.2019
London Crimes - Schlimmer als dein Tod
B., Kris

London Crimes - Schlimmer als dein Tod


ausgezeichnet

"Ihre Gedanken trieben ziellos umher, ihr Körper hatte keine Form. Sie wusste nur, dass sie aufwachte, auch wenn es Stunden zu dauern schien. Lange starrte sie in die Dämmerung, während jeder Atemzug ihr mehr Luft zu nehmen als zu geben schien. Wo bin ich? Ihr Geist war ein langer Korridor mit geschlossenen Türen, in dem namenlose Schatten vorbeihuschten und im Nichts verschwanden. Sie versuchte um Hilfe zu rufen, aber ihre Stimme gehorchte ihr nicht. Sie lag wie in einer Zwangsjacke, die sie innerlich und äußerlich fesselte. Eine schwere Stille erfüllte den Raum mit den sich ablösenden Tapetenbahnen. Der Lack der geschlossenen Tür war vergilbt und rissig. Es roch nach Schimmel.Wer bin ich? Wieso lag sie in diesem faulig riechenden Raum, indem nichts darauf hinwies, dass er überhaupt bewohnt war? Nein, das war kein Zimmer, in dem man an einem normalen Morgen erwachte. Irgendetwas war hier schrecklich verkehrt...." (Auszug aus dem Buch, Seite 7)

Jessica ist der Star am Ceasar, einem kleinen Theater. Sie ist leidenschaftliche Stepp-Tänzerin und bringt ihr Publikum in Verzückung. Doch nicht nur ihr Publikum, auch ein Teil der Crew liegt ihr zu Füßen, so wie auch Roger, ihr Ehemann. Trotz des Altersunterschieds scheinen die beiden sich gut zu ergänzen.

Zuerst einmal fiel mir das Cover auf. Normalerweise gehe ich darauf eher weniger ein da sich jeder selbst ein BIld machen kann und die Geschmäcker verschieden sind. Doch dieses hier hat es mir angetan, ebenso die Aufmachung im Buch wodurch es sich von einem normalen Taschenbuch unterscheidet. Dies ist mir bereits bei mehreren Büchern aus der "Edition tingeltangel" aufgefallen.
Zu Beginn lernen wir Jessica kennen. Sie ist jung, begabt, ehrgeizig, mit ihren Steppschuhen quasi verbunden. Ihr Mann Roger ist um einiges älter, bei ihm fehlt das Verständnis für ihre Leidenschaft. Dies merkt man ganz deutlich auf seiner Geburtstagsparty. Ich fand es spannend zu beobachten wie die Autorin es schafft aus einer scheinbar lockeren und entspannten Atmosphäre einen Stimmungsumschwung heraufzubeschwören, ohne plump zu wirken. Feine Nuancen sind zwischen den Worten zu spüren.

Obwohl die ersten Seiten nichts besonders tragisches passiert, las ich fasziniert weiter. Die zwischenmenschlichen Beziehungen sind vortrefflich beschrieben. Die Autorin bedient sich einer äußerst bildhaften Sprache, wodurch die Fuguren allesamt Tiefe bekommen. Ziemlich jeder ist hier egozentrisch, ich würde sogar soweit gehen und sagen, niemand hier ist im herrkömmlichen Sinne "normal". Jeder hat seine Macken, seine Ecken und Kanten. Aber genau das macht die Atmosphäre des Buches aus.

Dies ist ein Buch voller menschlicher Tragödien, verbunden zu einem spannenden Psycho-Krimi der Extra-Klasse. Teilweise ist soviel Gefühl zwischen den Zeilen zu lesen, dass der Krimi in den Hintergrund gerät. Für Fans des eingemachten, mit Vorliebe für viel Blut und Gewalt, ist dieser Krimi eher nichts. Wer aber Wert auf gut ausgearbeitete Figuren und Verbindungen legt, ist hiermit richtig bedient.

Bewertung vom 19.10.2019
Du gehörst bestraft
Summer, Drea

Du gehörst bestraft


sehr gut

Sören wird seit Tagen oder Wochen in einem stickigen, stinkenden Loch gefangen gehalten. Jegliches Zeitgefühl hat er nun schon verloren. Immer wieder klickt das Türschloß, dann wird er abgeholt, wieder und wieder Quälereien ausgesetzt. Mittlerweile wünscht er sich nichts mehr, als endlich zu sterben...

Drea ist Schriftstellerin, verarbeitet in ihren Büchern aktuelle und brisante Themen. Sie versucht sich an etwas neuem, was sie, da sie sehr zielgerichtet ist, zunehmend frustriert.
Ihr Mann Michael unterstützt sie sehr bei ihrer Arbeit, hat immer ein offenes Ohr und ist auch meist verständnisvoll. Außer seine Frau möchte mal wieder mit dem Kopf durch die Wand.

Auf dieses Buch war ich sehr gespannt, kannte ich Drea Summer bisher nur als Thriller Autorin, nun hat sie einen Krimi geschrieben. Besonders toll ist, dass sie hier über sich selbst und ihren Mann schreibt, die Autorin quasi als Hauptprotagonistin. Zudem spielt die Geschichte in Deutschland, einem ganz anderen Gefilde.

Am Anfang wird der Leser mit sehr vielen Figuren bekannt gemacht, ein Zusammenhang war für mich erstmal nicht erkennbar. Dies ändert sich jedoch je weiter die Geschichte fortschreitet.

Das Buch kann man in 2 Haupt-Erzählstränge aufteilen. Zum einen begleiten wir Drea Summer und ihren Mann nebst neuen Freunden bei ihren "Ermittlungen", zum anderen das Entführungsopfer. Dadurch baut sich kontinuierlich Spannung auf, jede Wendung treibt diese zusätzlich nach oben.
Immer wieder gibt es humorvolle Passagen wie z.B. eine Diskussion zwischen Drea und Michael, ich glaube er hat es nicht immer leicht mir ihr ;-)

Der Schreibstil ist wie gewohnt leicht und flüssig, es gibt keine langen Schachtelsätze die mich beim lesen ausgebremst haben. Zudem gelingt es der Autorin sehr gut, eine etwas unheimliche Atmosphäre zu erzeugen. Immer wieder führen mich neue Erkenntnisse oder Ereignisse auf eine falsche Spur, mit dieser Auflösung habe ich nicht gerechnet.

Ich lese gerne (Cosy-)Crime, doch hier konnte ich mich irgendwie nicht so recht in das Buch fallen lassen. Die Geschichte ist toll und aktuell, die Umsetzung finde ich Klasse, die Auflösung hat mich überrascht, das Ende gefällt mir auch sehr gut. Dennoch habe ich das gewisse Etwas vermisst, das mir bei ihren Gran Canaria-Thrillern so gut gefallen hat.

Nichtsdestotrotz ein unterhaltsamer Krimi den ich dennoch weiterempfehln kann.

Bewertung vom 19.10.2019
Der Strumpfmörder (eBook, ePUB)
Barkawitz, Martin

Der Strumpfmörder (eBook, ePUB)


sehr gut

Jack Reilly findet seine in Tränen aufgelöste Sekretärin Lucy in seinem Büro vor. Erst dachte er, sie weint wegen eines Liebhabers, doch dann erfährt er, dass ihre Freundin Mary umgebracht wurde, mit ihrem eigenen Strumpf erdrosselt.
Da in der Detektei mal wieder eine Auftragsflaute herrscht, übernimmt Jack kurzerhand den Fall, zumal sein Freund Lieutenant Leary mit den Ermittlungen betraut ist…

JackReilly ist Privatdetektiv in New York der 30er Jahre. Er ist oft knapp knapp bei Kasse, darum ist ihm eigentlich jeder Auftrag recht. Dieses Mal verdient er kein Geld dabei, dennoch wird sich der Auftrag für ihn lohnen.

Gewohnt forsch geht der Detektiv auch hier wieder an der Fall heran und bedient sich oft unorthodoxer Methoden. Hier gibt er nun vor, jemand anderer zu sein, und begibt sich so auf Mörderjagd.

Martin Barkawitz erzähl die Geschichte aus der Sicht von Jack, also der Ich-Form.
Die Geschichte ist kurz und knackig, durch den saloppen Erzählstil spannend und unterhaltsam vom Anfang bis zum Ende. Jack gerät von einer Auseinandersetzung in die nächste, es wird geschlägert, geschossen, gequalmt und gesoffen und Jack versucht, mehr oder weniger unbeschadet, aus den heiklen Situationen wieder herauszukommen. Die Beschreibungen der Protagonisten und auch die bildhafte Darstellung der Umgebung versetzen den Leser in die Zeit der schwarz-weiß-Krimis und der Gangster in Nadelstreifen.

Der Strumpfmörder ist ein kurzweiliger und unterhaltsamer Krimi für zwischenddurch, eine klasse Fortsetzung der Reihe um Jack Reilly.

Bewertung vom 08.10.2019
Escape Room - Nur drei Stunden
McGeorge, Chris

Escape Room - Nur drei Stunden


gut

Er erwacht, ein nervtötendes Klingeln bahnt sich in sein Bewußtsein. Seine Kehle und sein Mund sind trocken, er fühlt sich wie ausgedörrt.
Er versucht, sich in eine bequemere Stellung zu bringen, realisiert langsam, dass er in einem Bett sitzt, wohl in einem Hotelzimmer. Das Telefon klingelt immer noch, doch er kommt nicht heran. Seine mit Handschellen an einer Stange hinter seinem Rücken gefesselten Hände hindern ihn daran...


Gleich zu Anfang lernen wir die Protagonisten in Form einer kleinen Mitspielervorstellung kennen.

Die Hauptfigur Morgan Sheppard ist ausgebrannt, überarbeitet, und nimmt sich eine Auszeit, um wieder mit vollen Akkus durchstarten zu können. Seine Auszeit hat er sich allerdings etwas anders vorgestellt. Seine "Mitspieler" haben jeder ihre eigene Geschichte und sind so unterschiedlich, dass es unweigerlich zu Differenzen kommen muss, zumal sie sich alle in einer Ausnahmesituation befinden.

Ich fand es sehr interessant zu beobachten, wie sich alle zuerst vorsichtig abtasten. Jeder der Charaktere ist unterschiedlich, doch irgendetwas müssen sie ja gemeinsam haben, immerhin sind sie alle zusammen eingesperrt. Wahnsinnig spannend fand ich es, die Entwicklung vom abtasten bis zum Revier markieren zu beobachten. Zumal jeder auf seine Art und Weise versucht, mit dieser Situation umzugehen.
Immer wieder gibt es Rückblicke in Morgans Leben, man lernt die Person vor und hinter dem Scheinwerferlicht kennen, teilweise hatte ich sogar Verständnis für ihn.

Das miträtseln machte mir sehr viel Spaß, so viele mögliche Täter brachten immer wieder Verwirrung ins Spiel. Häppchenweise erfährt der Leser mehr über die Personen, ihr Leben und ihre Verbindung zueinander. Die Identität des Toten wirft erst recht viele Fragen auf. So viel zum ersten, wirklich spannenden Abschnitt.

Dann erfolgte ein für mich langweiliger und ermüdender Abschnitt. Es gibt wieder einen Rückblick in Morgans Kindheit, wir erfahren wie er zum Kinderermittler wurde, was dem vorausging und was dieses Ereignis für Folgen hatte.
Im letzten Abschnitt nähern wir uns dann dem Höhepunkt, es wird auch wieder interessanter. Doch leider gelingt es dem Autor nicht, dass dieser zugegeben überraschende Abschnitt, die langatmige Passage aus dem Lese-Gedächtnis verdrängt.


Alles in allem ein Thriller mit toller Idee, leider hat mir die Erklärung wie es zu dieser Situation kommen konnte, überhaupt nicht gefallen. Die Grundidee der Hintergrundgeschichte gefällt mir, die eher langweilige Umsetzung leider nicht.

Bewertung vom 06.10.2019
Chain of innocent souls
Rodacki, Patrizia

Chain of innocent souls


sehr gut

Ayla steht einsam und verlassen am Rande einer Schlucht, verachtet, eine flüchtige. Eine gefühlte Unendlichkeit ist sie schon weit weg von ihrer Heimat. Sie hatte sich nach Abenteuern gesehnt, nun befindet sie sich mitten in einem Alptraum, von einer herzlosen Kriegerin zum Kampf auf Leben und Tod herausgefordert...

Mir gefällt es, wenn man in einem Buch gleich am Anfang eine Personenbeschreibung mit kurzer Vita zu finden ist. Hier waren es mir allerdings zu viele Namen, die ich mir gar nicht alle merken konnte. Zudem lasse ich mich gerne überraschen. Für Leser die beim auftreten neuer Figuren gerne zurück blättern um sich über die Figur kurz zu informieren, ist das sicherlich nützlich.
Das Buch beginnt im Anschluß der Personenbeschreibung mit einem Blick in die Zukunft, dem oben geschilderten Anfangskapitel.

Ayla ist verträumt, sehnt sich nach einem friedlichen Leben ohne Kampf und Zwang. Als Tochter der Anführerin ihres Stammes hat sie es nicht leicht, fordert die Komplikationen allerdings auch oft heraus und ist nicht ganz unschuldig an ihrer Situation. Ihr langjähriger Bekannter Deywor trägt ebenfalls nicht positiv zu Aylas Gefühlswelt bei, ist er doch meist wütend und unberrechenbar. Zudem muss sie nun auch noch die selbe Schule wie er und seine Freundin besuchen. Als Exectus die Klasse betritt, kommt eine weitere starke Persönlichkeit ins Spiel.

Vorab muss ich sagen, dass die Autorin dieses Buch mit 13/14 Jahren geschrieben hat. Darum wirken der Stil und die Sprache teilweise etwas unausgereift. Die Handlung ist oft sprunghaft und überstürzt, zu Beginn sind es meiner Meinung nach meist zu flache Dialoge. Dies ändert sich jedoch, je weiter man im Buch voran schreitet, dran bleiben lohnt sich. Die Autorin macht im Laufe der Geschichte sprachliche sowie auch beim Schreibstil eine positive Wandlung durch. Auch die Darstellung der Gefühle und Empfindungen der Protagonisten machen deutliche Fortschritte.

Verschiedene Erzählstränge geben dem Leser unterschiedliche Sichtweisen auf das Geschehen, dadurch bleibt die Geschichte spannend. Die Charaktere wachsen mit ihren Aufgaben, dennoch polarisieren sie. Gerade das macht das Buch so interessant. Die Beschreibung der Figuren, Stämme und der Umgebung ist umfassend und äußerst detailreich, so dass ich mir gut ein Bild von allem machen konnte.

Trotz der oben genannten Schwächen versteht es die Autorin, mich zu fesseln. Ich habe mitgefiebert, mir Entwicklungen gewünscht, die nicht eingetreten sind. Dadurch haben sich wiederum neue Wege aufgetan die so für mich nicht vorhersehbar waren. Meiner Meinung nach ist dies ein gelungenes Debüt, ich bin mir sicher dass es von der jungen Autorin zukünftig noch einiges mehr zu lesen geben wird, darauf und vor allem auf die Fortsetzung des Romans, freue ich mich jetzt schon.