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Benutzername: Inas Buecherregal
Danksagungen: 6 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 161 Bewertungen
Bewertung vom 29.04.2020
Marta schläft
Hausmann, Romy

Marta schläft


ausgezeichnet

"Nadja sieht sich gehetzt um, die letzten Stunden waren der Horror für sie. Seit langem hat sie sich wieder ans Steuer gesetzt, Panik erfasste sie an jeder Straßenverengung, jeder andere Autofahrer ist ein potentieller Verfolger. Schnell tankt sie und betritt die kleine Tankstelle. Plötzlich liegt sie auf dem kalten Steinboden, weiß nicht wo sie ist. Es fühlt sich wieder einmal an wie ein Sturz über den Klippenrand, mitten hinein ins rote Wasser…"
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Das Buch ist verschiedene Erzählstränge gegliedert, wobei die einzelnen Stränge erst mal scheinbar nichts miteinander zu tun haben. Der Wechsel zwischen Ich- und Erzählform, zwischendurch dann noch die Briefe (an wen war erst mal ebenfalls unklar) und die vielen Zeitsprünge haben mich anfangs ziemlich verwirrt, es dauerte etwas bis ich mich an den Schreibstil gewohnt hatte. Dann allerdings nahm die Geschichte an Fahrt auf, jeden noch so kleinen Hinweis habe ich regelrecht aufgesogen. Dennoch blieb ich lange quasi im Dunkeln sitzen, die Auflösung war immer noch in weiter Ferne. Ich mag es, wenn der Autor den Leser auf falsche Fährten schickt und dies ist Romy Hausman hier zweifelsfrei sehr gut gelungen.

Die Autorin bedient sich hier langer Schachtelsätze, alle Erzählstränge gehen mehr oder weniger strikt geradeaus, es gibt kaum Nebenschauplätze und wenn, wird nicht viel auf diese eingegangen. Mit den Figuren wurde ich nicht so richtig warm, eine Beziehung konnte ich aufgrund der Erzählweise nicht recht aufbauen, geschadet hat das dem Buch aber nicht.

Äußerst raffiniert wie die scheinbar zusammenhanglosen Erzählstränge nach und nach zusammen ein Bild ergeben, die unterschwellige Spannung ist fast greifbar. Gebannt hing ich an Nadjas Zeilen, in denen viel Schmerz zwischen den Zeilen herauszulesen ist, die Autorin spielt geschickt mit Emotionen. Die überraschenden Wendungen waren dann das i-Tüpfelchen für mich. Das Buch spaltet etwas die Lesergemeinde, für mich jedenfalls ist es ein klasse Buch das mich begeistert hat und das ich gerne weiter empfehle.

Bewertung vom 15.04.2020
Heidegift / Inka Brandt Bd.2
Forster, Angela L.

Heidegift / Inka Brandt Bd.2


sehr gut

"Er muss auf seine Schwester aufpassen wenn sie in der Heide unterwegs sind, hat die Mutter gesagt. Daran muss er immerzu denken. Und an das Reh das sein Vater geschossen hat als er ihn auf die Jagd mitnahm. Er sieht immer noch die toten augen vor sich, das Loch in der Stirn. Es wird kalt, die Nacht bricht herein. Doch seine Schwester und er können nicht nach Hause, die Hilfeschreie verhallen ungehört…"
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Das Buch beginnt Angela L. Forster mit einem spannenden Rückblick vor 17 Jahren. Dann wechselt die Geschichte in das Jahr 2014, ein Klassentreffen steht an. Und schon die ersten Zeilen über einen der ehemaligen Schüler zeigen mir einen äußerst unsympathischen Zeitgenossen. Die Autorin hat hier eine Figur gezeichnet, die so ziemlich alle schlechten Eigenschaften in sich versammelt: Gier, Großkotzigkeit und rücksichtslos, diese beschreiben Detlev Klammer ganz gut. Die anderen Teilnehmer sind anfangs recht unscheinbar, nach und nach lernt der Leser auch diese kennen.

Inka Brandt ist hier wie im ersten Teil Heidefeuer die Hauptprotagonistin. Da ihr Chef im Urlaub ist, hat sie die Leitung übernommen und wirkt mit Exmann, Kind, Kollege und neuem Fall leicht überfordert. Zwar ermittelt sie mit Bravour, dennoch kann man immer wieder kleine Zeichen der Überlastung zwischen den Zeilen lesen. Und das finde ich gut, Inka Brandt wird hier als normale Frau mit Schwächen dargestellt und nicht als Super-Ermittlerin. Dennoch könnte sie manches mal energischer auftreten und ihren Standpunkt klar machen. Einerseits ist sie so taff, andererseits macht sie nicht oder viel zu spät den Mund auf.

Der unaufgeregte Schreibstil gefällt mir wieder sehr gut. Die Autorin beschreibt die Gegend als malerisch und ruhig, zumindest im Nomalfall, und das nehme ich ihr auch sofort ab. Man merkt dass sie weiß wovon sie schreibt. Dennoch verliert sie sich nicht in Details, die Geschichte läuft mehr oder weniger strikt geradeaus. Kleine Nebenschauplätze bringen zusätzlich etwas Schwung hinein. Wörtliche Rede und Erzählung sind hier im Gleichgewicht, auf lange Schachtelsätze wird verzichtet.

Die Auflösung überrascht, ist aber schlüssig. Aber auch hier ist Inka meiner Meinung nach wieder zu gutmütig, auch da hätte ich mir klarere Worte von ihr gewünscht, sei es dem Kollegen Amselfeld oder Dr. Klammer gegenüber. Dennoch eine tolle und lesenswerte Fortsetzung.

Bewertung vom 13.04.2020
Ohne Herz / Neuschwanstein-Thriller Bd.2
Richter, Markus

Ohne Herz / Neuschwanstein-Thriller Bd.2


ausgezeichnet

"Mariannas Sohn Hansi freut sich sehr auf den Ausflug in die Berge. Seit Tagen wird der kleine Rucksack aus- und wieder eingepackt. Endlich geht es los. Der Weg führt über einen ausgetretenen Holzfällerpfad am Abgrund der Partnachklamm vorbei, dann geht es weiter über die Kälberhütte. Schon bald jedoch wird Hansi müde, der Weg hoch zum Schachenschloss ist auch für Erwachsene eine Herausforderung, erst recht für ein sechjähriges Kind. Marianna grübelt, ob es richtig war den kleinen Buben mitzunehmen, doch nun ist es zu spät zum umkehren. Die Mutter ruft nach ihrem Kind, weiter geht es. Doch Hansi ist plötzlich spurlos verschwunden…."

Wie schon beim ersten Band „Ins Herz“ habe ich mich sofort in das Cover verliebt. Die Atmosphäre des Buches ist wieder vortrefflich eingefangen. Beim aufklappen des Buches sprangen mir gleich zwei alte Fotos mit Beschreibung ins Auge, mit einer tollen Erklärung des Autors dazu. Dann folgt die kurze Vorstellung der Figuren, die macht es dem Leser leichter sich zurecht zu finden.

Jedes Kapitel beginnt mit einer Grafik, Text und Bild laufen ineinander, zum Seitenende hin läuft die Schrift aus ins Helle. Die Idee gefällt mir sehr gut, leider hatte ich durch die schwarze Schrift und den schwarzen bzw. sehr dunklen Hintergrund manchmal Schwierigkeiten den Text zu lesen.

Markus Richter hat es auch im zweiten Teil wieder geschafft aus einer historischen Vorlage eine spannungsgeladene Geschichte zu erzählen. Er erzählt über Intrigen und Schleimereien um den besten Platz an der Seite Ludwig II. zu bekommen oder sogar um den König ganz aus dem Weg zu räumen. Die wunderbaren und liebevollen Beschreibungen sind wieder sehr detailgetreu, auch jemand der noch nie in der Gegend war kann sich somit alles sehr gut vorstellen. Durch diese genauen Schilderungen kann das Buch für manche Leser vielleicht langatmig wirken, ich finde sie allerdings toll und habe jede Zeile genossen. Jedes Gebäude, jeden Raum und auch jede Figur stand quasi bildlich vor mir.

Das Wettrennen gegen die Zeit, ein Rennen um Leben und Tot, lies mich durch die Seiten fliegen, ich litt mit Marianna und hoffte mit Lenz, Klara und Heiland, dass sie heil aus der Geschichte heraus kommen. Eingestreute Hinweise sind dosiert plaziert, bis zum Ende war mir unklar wer der mysteriöse Mittelsmann ist und in welchem Zusammenhang er mit der Geschichte steht. Ein lesenswertes Buch, nicht für für Fans des bayerischen Königshauses. Unbedingt aber zuerst den ersten Teil lesen

Bewertung vom 10.04.2020
ATME!
Merchant, Judith

ATME!


ausgezeichnet

"Nile ist glücklich, ihre Beziehung mit Ben könnte nicht besser laufen. Nun benötigt sie ein Kleid, möchte ihn damit überraschen, nur für ihn probiert sie es an denn normalerweise mag sie keine Kleider. Strahlend blickt sie ihr Spiegelbild an, ruft nach Ben. Doch Ben reagiert nicht, kommt nicht, ist plötzlich verschwunden...."

Ich muss gestehen dass es mir am Anfang schwer fiel, mich auf das Buch einzulassen. Das Buch ist in der Ich-Form aus der Sicht von Nile geschrieben. Nile erzählt ihre und Bens Geschichte. Dies geschieht abwechselnd mit einem Blick in die Vergangenheit und der Beschreibung der momentanen Entwicklung. Vor allem die Blicke in die Vergangenheit haben mich anfangs etwas genervt weil immer eine "böse Vorahnung/Entwicklung" erwähnt wird. Mit der Zeit hat mich die Story aber so gefesselt, dass ich dies gar nicht mehr als störend empfunden habe. Je weiter ich im Buch fortschritt, desto passender wurde dieser markante Schreibstil.

Die Autorin schreibt einige Passagen in kurzen abgehackten Sätzen, dadurch kommt Niles Panik sehr gut zu Geltung, sie ist sogar fast greifbar. Dennoch gelingt es ihr, die teilweise unbehagliche/seltsame Atmosphäre einzufangen und an den Leser weiter zugeben.

Immer wieder ertappe ich mich bei der Frage, ob Nile verrückt ist? Oder Flo? Oder alle anderen? Wo ist Ben? Hat Nile Recht mit ihren Befürchtungen oder übertreibt sie maßlos? Die Reaktion der Freunde oder Bekannten von Ben tun ihr übriges dazu, mich nun vollkommen zu verwirren. Nach und nach lichtet sich der Vorhang, dennoch lässt mich der Schluß mit ein paar Fragezeichen zurück. Das Ende ist klar, trotzdem beschäftigt mich das Buch noch etwas nach dem Beenden.

Sehr schön finde ich, dass das "Atme" vom Titel immer wieder Gegenstand im Buch ist. Selten das ein Titel so wunderbar zum Buch passt. Ich habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen, bin wirklich begeistert und kann es uneingeschränkt weiterempfehlen.

Bewertung vom 10.04.2020
Falsche Fäter
Jung, Margot

Falsche Fäter


gut

“ Drei Männer dringen Nachts in ein Gebäude ein, zertrümmern die schwere Kette am Tor. Jeder weiß was er zu tun hat. Schaden wollen sie anrichten, das Unrecht rächen. Schnell laufen sie über gefrorene Walblutpfützen, machen sich an die Zerstörung von Unterlagen, Computern und des Kühlsystem. Plötzlich ertönt schrilles Sirenengeheul….“

Margot Jung beginnt Francescas neuestes Abenteuer mit einem Rückblick vor 30 Jahren. Trotz des kurzen Abschnittes kann ich die Beweggründe nachvollziehen, war auf der Seite der drei Männer. Zwischendurch änderte sich meine Meinung jedoch immer wieder mal, hin und wieder eingeworfene Argumente der Protagonisten regten zum Nachdenken an.

Francesca und Benita sind auch hier wieder ein unschlagbares Team, die Ideen der Spanierin sind herrlich, ob sie von Erfolg gekrönt sind ist eine andere Geschichte

Bewertung vom 29.12.2019
Mörder Mama (eBook, ePUB)
Barkawitz, Martin

Mörder Mama (eBook, ePUB)


sehr gut

Martin Barkawitz kommt hier wie gewohnt gleich zur Sache, hält sich nicht mit Vorgeplänkel auf. Zack! Bumm! Action! Darum mag ich seine Bücher so sehr, kurz und bündig auf das wesentliche beschränkt. Dies bedeutet jedoch nicht, dass seine Geschichten eine stupide aneinander Reihung von verschiedenen Abläufen sind. Im Gegenteil, er schafft es trotz der kurzen Geschichten, eine fesselnde Story mit Höhen und Tiefen zu schreiben, und dies in einem Schreibstil der mich nur so durch die Seiten fliegen lässt.

Eine ausführliche Charaktervorstellung findet man in diesem Buch nicht, da dies immerhin schon der 23. Teil der Reihe um Heike Stein ist, und zu meiner Freude ist noch kein Ende in Sicht. Aber auch ohne Kenntnis der vorhergehenden Teile kann man das Buch lesen, Sinn macht natürlich die komplette Reihe damit man auch weiß welche Rolle z. B. Maja in dem Ganzen spielt.
Heike Stein kämpft in diesem Teil wieder mit Verbrechern, die ihr die Ermittlungen schwer machen. Scheinbar klare Zusammenhänge führen ins Nichts, und plötzlich erscheint alles in einem anderen Licht. Die Auflösung der Tat überraschte mich und das Ende macht neugierig auf einen weiteren spannenden Teil.

Für alle die keine allzu dicken Wälzer mögen und keine Angst vor Reihen haben, sind die Soko Hamburg Krimis die richtige Wahl.

Bewertung vom 25.12.2019
Jenseits von tot
Flebbe, Lucie

Jenseits von tot


ausgezeichnet

"Eigentlich soll Zombie jegliche Schläge gegen den Kopf vermeiden, doch er ist mit seinen Gedanken woanders, hat zudem nicht ausreichend trainiert in der letzte Zeit. Zu viel geht ihm im Kopf herum. Da saust schon der nächste Schlag heran...."

Wie in den beiden Teilen "Jenseits von Wut" und "Jenseits von Schwarz" wird die Geschichte von Zombie und Eddie aus der Ich-Perspektive in wechselnden Kapiteln erzählt. Zombies Kapitel sind meist kürzer gehalten, er bedient sich einer salopperen Sprache, bei ihm stehen vor allem seine Gefühle und Empfindungen im Vordergrund.

Die eigentliche Geschichte wird von Eddie erzählt. Sie berichtet ebenfalls über ihre Gefühle, diese standen für mich allerdings nicht so im Vordergrund wie bei Zombie. Das mag vielleicht daran liegen, das wir durch Eddie noch ganz viel "Drum rum" mitbekommen, die Ermittlungen, Opfer und Täter. Dazu noch die Schwierigkeiten mit ihren Kollegen, da sie nach wie vor Probleme hat sich durchzusetzen und die Probleme mit ihrer hochschwangere Nachbarin, die sie fast an ihre Grenzen bringen. Eddie ist kein typischer "Ermittler-Charakter, gerade deshalb konnte ich sehr gut eine Beziehung zu ihr aufbauen. Sie hat ihre Ecken und Kanten, Probleme im Job und als alleinerziehende Mutter, dennoch meistert sie ihr Leben, ihren Alltag ohne Alkohol, Drogen oder ähnlichem wie so viele ihrer männlichen "Kollegen" in anderen Büchern. Sie ist einfach herrlich normal.

Auch in diesem Band gelingt Lucie Flebbe der Spagat zwischen den unterschiedlichen Charakteren scheinbar wieder mühelos. Trotz der verschiedenen Ausdrucksweisen hatte ich keine Probleme, mich in beiden Erzählsträngen zurecht zu finden, im Gegenteil. Dies macht die Geschichte erst richtig spannend. Beide Charaktere sind mir mittlerweile an Herz gewachsen und ich bin fast schon etwas traurig, dass die Trilogie mit diesem Buch nun ein Ende hat. Die Entwicklung von Eddie und Zombie und deren Beziehung untereinander hat mich vom ersten Buch an fasziniert und ich bin der Meinung, dass die Autorin mit "Jenseits von Tot" der Reihe einen äußerst passenden Abschluss verschafft hat. Vielen Dank für diese tolle Geschichte.

Bewertung vom 22.12.2019
Heidefeuer
Forster, Angela L.

Heidefeuer


sehr gut

"Robert Andresen hält gerade einen Vortrag über den Seitensprung. Ein Mann mit schweren Reitstiefeln erhebt sich und verlässt den Raum. Er tritt ins Freie und lehnt sich ein Stück weiter gegen die Hauswand. Er wartet, als letzter verlässt der Andresen das Gebäude. Bis zum Dorfteich verfolgt der Mann den Therapeuten, dann spricht er ihn an. Bevor Andresen sein Fahrrad zwischen sich und den Mann bringen kann, blitz auch schon die Schneide eines Messers im Mondlicht auf..."

Kommissarin Inka Brandt ist nach ihrer Trennung mit ihrer kleinen Tochter Paula auf dem Bio-Hof ihrer Schwester untergekommen. Dort soll sie mithelfen, doch die Ermittlungen machen ihr einen Strich durch die Rechnung. Hanna hat dafür Verständnis, für ihren Schwager Tim hat das jedoch Konfliktpotenzial. Dazu kommt noch Sebastian Schäfer, ein Patient der nahegelegenen Klinik, der sich in die Ermittlungen einmischt.

Bereits der Prolog gibt einen guten Vorgeschmack auf das Buch. Vorbei ist es mit der Idylle am Dorfteich, wenn nicht sogar im ganzen Dorf. Ein Mord und damit jede Menge Raum für Spekulationen, Klatsch und Tratsch. Inka und ihr Kollege stecken mittendrin, wie viel Wahrheit steckt in den Gerüchten? Dabei ist Inkas direkte Art nicht immer hilfreich, zu Beginn ist mir dies etwas aufgestoßen, ich war nicht immer mit ihrem Handeln einverstanden. Dieses Gefühl legte sich mit der Zeit, immerhin weiß so jeder woran er bei ihr ist. Mit Sebastian Schäfer betritt eine Figur die Bühne, die etwas Leben in den dahin fliesenden Krimi bringt. Seine Vergangenheit ist bewegend, seine Ermittlungsversuche kommen bei Inka verständlicherweise nicht gut an. Mir allerdings gefällt dieser Charakter, auch wenn er nicht nur Inka sondern auch mich zur Weißglut brachte und ich mir oft dachte: Junge, nun red doch einfach Tacheles!

Die Umgebung, die Landschaft und die verschlossene und dennoch tratschende Dorfgemeinschaft hat Angela L. Forster sehr gut beschrieben, alles konnte ich mir bildlich vorstellen und ich muss gestehen: Ein klein wenig habe ich mich in die Landschaft verliebt. Der Krimi ist leicht zu lesen, kommt ohne brutale Gewaltdarstellungen aus und hat, genau wie die Dorfbewohner, seinen eigenen Charme. Dies ist der erste Teil um Inka Brandt, und ich freue mich auf die Fortsetzung, die auch schon bereit liegt.

Bewertung vom 20.12.2019
13zehn
Juhr, Daniel; Kohlhaas, Daniel

13zehn


ausgezeichnet

"Ein Mann robbt durch den Dreck, gefangen im Kugelhagel der Deutschen. Um ihn herum Tod und Schmerz. Immer wieder wiederholt er den einen Satz: "Ich bin in der Hölle." Doch sterben möchte er nicht, noch nicht, und schon gar nicht hier.... "

Das Cover und auch die Beschreibung des Buches hat mich im Vorfeld schon wahnsinnig neugierig gemacht. Gegliedert ist das Buch in 7 Kapitel, in augenscheinlich abgeschlossene Geschichten und einen roten Faden, der alles zusammen hält. Dabei sind die Geschichten sowie auch die "Zwischensequenzen" allesamt gleich lesenswert. Jegliche Beschreibung von Leid, Liebe, Verzweiflung und Hoffnung ist so detailiert und bildhaft beschrieben das es mir schwer fiel das Buch aus den Händen zu legen. Die Kriegserlebnisse zum Beispiel werden so anschaulich erzählt das den Leser automatisch ein beklemmendes Gefühl beschleicht, und das obwohl das Kapitel nicht sonderlich lang ist. In einem anderen Kapitel wird die Geschichte eines jungen Mannes erzählt, dabei gefiel mir besonders gut die Mauer als Sinnbild für Stephans Leben.

Das ganze Buch über findet man solche Beschreibungen, immer wieder treten Figuren in Nebenhandlungen auf, die scheinbar uninteressant wirken, mit der Zeit aber immer wichtiger für die Story werden. Und irgendwann kommt dann plötzlich der A-Ha-Effekt, aus dem dann doch wieder Verwirrung entsteht. Mit dem Fortschreiten des Buches wird immer deutlicher, dass die Geschenisse miteinander zusammen hängen, doch wie wird erst sehr spät klar, mir zumindest ;-)

Abgehackte Sätze und Sätze in normalen Längen wechseln sich ab, zum Teil auch die Erzählform, was das ganze nochmal interessanter macht. Für mich war das Lesen des Buches ein Auf und Ab der Gefühlswelt, Überraschung, Entsetzen, Trauer und Freude lösen sich nahezu im Sekundentakt ab.

Mein einziger Kritikpunkt sind die vielen Ausschnitte aus verschiedenen englischsprachigen Liedern. Warum diese dabei sind, wird im Nachwort klar (welches mir sehr gut gefallen hat), ich muss allerdings gestehen dass ich diese nur überlesen habe da sie für mich nichts wesentliches zur Story beitrugen.

Für Freunde des mysteriösen ein Muss, und auch alle anderen dürfen sich gerne fragen: Bist du bereit für die Wahrheit?