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Benutzername: Inas Buecherregal
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Bewertungen

Insgesamt 117 Bewertungen
Bewertung vom 08.10.2019
Escape Room - Nur drei Stunden
McGeorge, Chris

Escape Room - Nur drei Stunden


gut

Er erwacht, ein nervtötendes Klingeln bahnt sich in sein Bewußtsein. Seine Kehle und sein Mund sind trocken, er fühlt sich wie ausgedörrt.
Er versucht, sich in eine bequemere Stellung zu bringen, realisiert langsam, dass er in einem Bett sitzt, wohl in einem Hotelzimmer. Das Telefon klingelt immer noch, doch er kommt nicht heran. Seine mit Handschellen an einer Stange hinter seinem Rücken gefesselten Hände hindern ihn daran...


Gleich zu Anfang lernen wir die Protagonisten in Form einer kleinen Mitspielervorstellung kennen.

Die Hauptfigur Morgan Sheppard ist ausgebrannt, überarbeitet, und nimmt sich eine Auszeit, um wieder mit vollen Akkus durchstarten zu können. Seine Auszeit hat er sich allerdings etwas anders vorgestellt. Seine "Mitspieler" haben jeder ihre eigene Geschichte und sind so unterschiedlich, dass es unweigerlich zu Differenzen kommen muss, zumal sie sich alle in einer Ausnahmesituation befinden.

Ich fand es sehr interessant zu beobachten, wie sich alle zuerst vorsichtig abtasten. Jeder der Charaktere ist unterschiedlich, doch irgendetwas müssen sie ja gemeinsam haben, immerhin sind sie alle zusammen eingesperrt. Wahnsinnig spannend fand ich es, die Entwicklung vom abtasten bis zum Revier markieren zu beobachten. Zumal jeder auf seine Art und Weise versucht, mit dieser Situation umzugehen.
Immer wieder gibt es Rückblicke in Morgans Leben, man lernt die Person vor und hinter dem Scheinwerferlicht kennen, teilweise hatte ich sogar Verständnis für ihn.

Das miträtseln machte mir sehr viel Spaß, so viele mögliche Täter brachten immer wieder Verwirrung ins Spiel. Häppchenweise erfährt der Leser mehr über die Personen, ihr Leben und ihre Verbindung zueinander. Die Identität des Toten wirft erst recht viele Fragen auf. So viel zum ersten, wirklich spannenden Abschnitt.

Dann erfolgte ein für mich langweiliger und ermüdender Abschnitt. Es gibt wieder einen Rückblick in Morgans Kindheit, wir erfahren wie er zum Kinderermittler wurde, was dem vorausging und was dieses Ereignis für Folgen hatte.
Im letzten Abschnitt nähern wir uns dann dem Höhepunkt, es wird auch wieder interessanter. Doch leider gelingt es dem Autor nicht, dass dieser zugegeben überraschende Abschnitt, die langatmige Passage aus dem Lese-Gedächtnis verdrängt.


Alles in allem ein Thriller mit toller Idee, leider hat mir die Erklärung wie es zu dieser Situation kommen konnte, überhaupt nicht gefallen. Die Grundidee der Hintergrundgeschichte gefällt mir, die eher langweilige Umsetzung leider nicht.

Bewertung vom 06.10.2019
Chain of innocent souls
Rodacki, Patrizia

Chain of innocent souls


sehr gut

Ayla steht einsam und verlassen am Rande einer Schlucht, verachtet, eine flüchtige. Eine gefühlte Unendlichkeit ist sie schon weit weg von ihrer Heimat. Sie hatte sich nach Abenteuern gesehnt, nun befindet sie sich mitten in einem Alptraum, von einer herzlosen Kriegerin zum Kampf auf Leben und Tod herausgefordert...

Mir gefällt es, wenn man in einem Buch gleich am Anfang eine Personenbeschreibung mit kurzer Vita zu finden ist. Hier waren es mir allerdings zu viele Namen, die ich mir gar nicht alle merken konnte. Zudem lasse ich mich gerne überraschen. Für Leser die beim auftreten neuer Figuren gerne zurück blättern um sich über die Figur kurz zu informieren, ist das sicherlich nützlich.
Das Buch beginnt im Anschluß der Personenbeschreibung mit einem Blick in die Zukunft, dem oben geschilderten Anfangskapitel.

Ayla ist verträumt, sehnt sich nach einem friedlichen Leben ohne Kampf und Zwang. Als Tochter der Anführerin ihres Stammes hat sie es nicht leicht, fordert die Komplikationen allerdings auch oft heraus und ist nicht ganz unschuldig an ihrer Situation. Ihr langjähriger Bekannter Deywor trägt ebenfalls nicht positiv zu Aylas Gefühlswelt bei, ist er doch meist wütend und unberrechenbar. Zudem muss sie nun auch noch die selbe Schule wie er und seine Freundin besuchen. Als Exectus die Klasse betritt, kommt eine weitere starke Persönlichkeit ins Spiel.

Vorab muss ich sagen, dass die Autorin dieses Buch mit 13/14 Jahren geschrieben hat. Darum wirken der Stil und die Sprache teilweise etwas unausgereift. Die Handlung ist oft sprunghaft und überstürzt, zu Beginn sind es meiner Meinung nach meist zu flache Dialoge. Dies ändert sich jedoch, je weiter man im Buch voran schreitet, dran bleiben lohnt sich. Die Autorin macht im Laufe der Geschichte sprachliche sowie auch beim Schreibstil eine positive Wandlung durch. Auch die Darstellung der Gefühle und Empfindungen der Protagonisten machen deutliche Fortschritte.

Verschiedene Erzählstränge geben dem Leser unterschiedliche Sichtweisen auf das Geschehen, dadurch bleibt die Geschichte spannend. Die Charaktere wachsen mit ihren Aufgaben, dennoch polarisieren sie. Gerade das macht das Buch so interessant. Die Beschreibung der Figuren, Stämme und der Umgebung ist umfassend und äußerst detailreich, so dass ich mir gut ein Bild von allem machen konnte.

Trotz der oben genannten Schwächen versteht es die Autorin, mich zu fesseln. Ich habe mitgefiebert, mir Entwicklungen gewünscht, die nicht eingetreten sind. Dadurch haben sich wiederum neue Wege aufgetan die so für mich nicht vorhersehbar waren. Meiner Meinung nach ist dies ein gelungenes Debüt, ich bin mir sicher dass es von der jungen Autorin zukünftig noch einiges mehr zu lesen geben wird, darauf und vor allem auf die Fortsetzung des Romans, freue ich mich jetzt schon.

Bewertung vom 15.09.2019
Eiskalte Ostsee
Bruns, Julia

Eiskalte Ostsee


ausgezeichnet

1946, eine Zelle der Rotarmisten. In ihr sitzen ein paar Überlebende des Kriegs. Den Schrecken des Krieges vor Augen waren sie in der Hoffnung auf ein neues Leben heimgekehrt. Bis eines Nachts der Traum jäh zerplatzt. Ein Wagen mit russischen Soldaten kommt, nimmt sie mit, sperrten sie in eine Zelle. Der jüngste von ihnen verschwindet gleich nach der Ankunft. Plötzlich schwere Schritte vor der Zelle, ein Schlüsselbund klirrt, die Tür öffnet sich...

Auch hier gibt es (wie in vielen anderen Krimis oder Thriller) mit Anne Berber wieder einen Ermittler in einer unglücklichen Beziehung, glücklicherweise ist dies aber nicht das vorherrschende Thema. Zu Beginn noch etwas unsicher geht Anne Berber ganz in den Ermittlungen zu dem am Strand gefunden Toten auf.
Durch diverse Verwicklungen quartiert sie sich in der Pension von Sören Hilgert ein. Doch auch er hat, wie einige der Inselbewohner, ein Geheimnis.

Die Beklemmung im Prolog ist fast greifbar, so authentisch beschreibt die Autorin die Anfangsszene sowie auch diverse andere Szenen im Buch.
Die Geschichte spielt auf Rügen, Julia Bruns stellt die Gegend so bildlich dar, dass ich mir alles sehr gut vorstellen konnte obwohl ich selbst noch nie dort war. Ich konnte die von ihr beschriebene salzige Meeresluft sogar riechen, da ich das Buch während meines Ostsee-Urlaubs gelesen habe. Die Protagonisten sind zum Großteil authentisch, wenngleich die Autorin den Hotelbesitzer Dombrowski für meine Begriffe zu überzogen darstellt.

Die kalte Atmosphäre des Buches sorgt für Spannung, der dazu gewählte Titel passt hervorragend.

Die Lebenssituation in der "Ostzone" wird düster beschrieben. Auch wenn das Vergangenheit ist (sein sollte), spielt es in der Gegenwart der Protagonisten teilweise noch eine große Rolle. Die einen verherrlichen, die anderen verdammen das damalige System. Diese unterschiedlichen Sichtweisen auf ein und dieselbe Vergangenheit wird von Julia Bruns sehr gut aufgezeigt und hinterlässt mich mit einem beklemmenden Gefühl. Wie hätte man selbst in der DDR gelebt? Hätte man sich angepasst? Sich dagegen aufgelehnt? Im verborgenen gekämpft? Oder sich der Stasi angeschlossen um ungeschoren davon zu kommen?

Ein äusserst fesselnder Krimi, in dem die Gegenwart und die deutsch-deutsche Vergangenheit miteinander verschmelzen.

Bewertung vom 15.09.2019
Walzer, Wein & Altenheim
Eichenlaub, Anna J.

Walzer, Wein & Altenheim


sehr gut

Wir begleiten Tina an ihrem ersten Arbeitstag in einem bayerischen Altenheim. Obwohl die Arbeit ihr nicht fremd ist, ist sie nervös. Schließlich sind der Umzug und der Jobwechsel eine neue Herausforderung. Die Bewohner, die Elena ihrer neuen Kollegin vorstellt, sind zum Glück alle recht umgänglich, trotzdem fühlt sie sich am Ende ihres ersten Tages wie erschlagen und ist froh, ihrer Freundin Abends das Herz ausschütten zu können. Gespannt erwartet Tina den nächsten Arbeitstag...

Tina, so hat man schnell den Eindruck, steht mit beiden Beinen fest im Leben. Ihre Beziehung mit ihrer Freundin stärkt ihr den Rücken, wenngleich die Freundin eher im HIntergrund bleibt. Ihre Kollegen machen ihr den Einstieg leicht, sitzen sie doch alle im selben Boot.

Die Übersicht über die Bewohner gleich zu Beginn erleichterte mir die Zuordnung der verschiedenen Bewohner. Tina ist auf unterschiedlichen Stationen tätig, dementsprechend hat sie viele alte Menschen zu betreuen. Jeder von ihnen hat seine Eigenarten, die von der Autorin liebevoll hervor gehoben werden, auch die Schrulligkeiten mancher Bewohner.

Das Buch gibt einen interessanten und auch kritischen Einbllick in den Alltag eines Altenheimes. Tina hat das Herz auf dem rechten Fleck, so jemanden kann man sich als Pflegerin nur wünschen. Sie ist offenherzig und geht mit viel Humor ihrer Arbeit nach, geht auf die Eigenarten der Bewohner ein und hat ein offenes Ohr für jeden. Mache Dinge gehen ihr dadurch sehr nahe, auch ich als Leserin hatte manchmal ein Tränchen im Augenwinkel. Dies macht Tina als Person lebendig, das ganze Buch bekommt durch sie authenzität.

Obwohl es ein unterhaltsames Buch ist, macht es auch nachdenklich. Wie wird es einem wohl selbst später mal ergehen? Hat man das Glück auf Tina und ihr Altenheim zu treffen? Oder landet man in einem, in dem die alten Menschen bis zu ihrem Tod nur aufbewahrt werden? Auch diese werden im Buch angesprochenen, wenn auch nur beiläufig.

Ein kritisches, gleichzeitig auch äußerst unterhaltsames Buch über ein Altenheim, dessen Bewohner und den Strapazen des Pflegealltags.

Bewertung vom 15.09.2019
Schatz, wir werden reich! (vielleicht)
Böss, Gideon; Böss, Christine

Schatz, wir werden reich! (vielleicht)


gut

Zu Beginn lernen wir den Autor und seine Frau mitsamt deren recht hoffnugsloser finanziellen Situation kennen. Da Geld zwar nicht glücklich macht, kein Geld aber auch nicht, beschliessen Gideon und Christine, Geld muss her. Am besten einfach und ohne viel Mühe. Also werden Nägel mit Köpfen gemacht....

Der angeblich leichteste Weg laut seiner Punkte-Liste, sind Wetten, Pferdewetten in diesem Fall. Leider ist dieses Verfangen im Endeffekt nicht sehr erfolgreich, ebenso das studieren eines Ratgebers, Rentenfonds, Kofferversteigerung. Auch Geld über das Internet verdienen klingt einfach, hat aber seine Tücken. Sparen, Börsenbesuch und Aktienfonds bringen ebenfalls nicht den gewünschen Erfolg, genau wie die sogenannten Powerdays, Preisauschreiben oder gar eine Schatzsuche. Ob dem Ehepaar dennoch der große Durchbruch gelingt, verrate ich hier nicht ;-)

Trotz des zugegeben amüsanten Einstiegs kämpfte ich mich teilweise durch das Buch. Der Autor lässt uns an seinen Versuchen teilhaben, Reich zu werden, mehr oder weniger erfolgreich schildert er uns seinen Weg zu unendlichem Reichtum. Man hat das Gefühl, der Autor/die Autoren möchten dabei lustig erscheinen, leider gelingt ihnen das meiner Meinung nach kaum. Richtig lustige Passagen suchte ich vergeblich, auch wenn hin und wieder mal der Humor zwischen den Zeilen hervor blitzt. Leider war der restliche Inhalt des Buches teilweise sehr langatmig, was ich sehr schade finde da das Thema an sich durchaus Potenzial hat.

Bewertung vom 20.08.2019
Jenseits von schwarz
Flebbe, Lucie

Jenseits von schwarz


ausgezeichnet

"Eddie schließt sich aus Versehen aus der Wohnung aus, wie immer im Streß. Aber ihre Nachbarin weiss zum Glück Rat, der Vater ihrer Tageskinder kann Eddie sicherlich helfen. Erleichtert stimmt Eddie zu, bereut aber schnell ihre Zustimmung, als sie sieht, wer ihr da zur Hilfe kommt..."

Das Buch besteht wie der erste Teil aus zwei Erzählungen aus der Ich-Perspektive, einmal aus der Sicht von Zombie und aus der Sicht der Polizistin Eddie Beelitz. Die beiden haben sich im ersten Teil "Jenseits von Wut" während Ermittlungen zu einem Mordfall kennen gelernt.

Nachdem Zombie mir im ersten Teil immer sehr suspekt war und Unbehagen auslöste, wurde er mir nun immer sympathischer. Da ihn der Tod seiner Schwester sehr mitnimmt, lässt er sich ziemlich gehen, man kann ihn fast schon depressiv nennen. Einzig seine Kinder geben ihm noch halt.
Eddie ist wieder einmal im Streß, Kind und Job verlangen ihr immer noch einiges ab. Auch die Entwicklungen in ihrem privaten Umfeld stellen sie vor eine Herausforderung. Zudem benötigteine junge Nachbarin mehr denn je die Unterstützung ihrer Freundinnen Eddie und Mütze.

Wie gesagt, hat sich mein Eindruck von Zombie gewandelt. Und das, obwohl meist das Negative seine Gedanken beherrscht. Lucie Flebbe gelingt es auch hier wieder hervorragend, die Gefühlswelt der Protagonisten darzustellen. Ich nahm ihr alle Gefühle vorbehaltlos ab, da sie für mich vollkommen nachvollziehbar waren, eine logische Folge der vergangenen Ereignisse.

Zombies Passagen sind eher schwarz und dunkel, die von Eddie wirken trotz allem Ärger heller und freundlicher. Obwohl die Protagonisten so unterschiedlich sind, sind sie sich dennoch recht ähnlich. Der Spagat zwischen den beiden Erzählsträngen gelingt der Autorin scheinbar mühelos.
Der Spannungsbogen steigt von Kapitel zu Kapitel und wird kontinuierlich hoch gehalten ohne abzuflachen oder zu langweilen. Durch den Wechsel zwischen Zombie und Eddie gewinnt die Geschichte immer mehr an Fahrt, ich bin quasi durch die Kapitel geflogen.
Das Ende lässt Raum für Spekulationen, und ich freue mich schon riesig auf den letzten Teil der Trilogie und auf ein Wiedersehen mit alten Bekannten.

Bewertung vom 04.08.2019
Mord an Halloween Bd.1 (eBook, ePUB)
Heynen, Denny van

Mord an Halloween Bd.1 (eBook, ePUB)


gut

Der junge Detective Jeff Mason und sein Kollege Cole Morkride beobachten eine Bank aus dem Streifenwagen heraus. Plötzlich springt Cole aus dem Auto, Jeff ihm hinterher. MIt gezogener Dienstwaffe befehlen sie einer flüchtenden Person stehen zu bleiben, schießen dem Flüchtenden dann in die Beine.
Um sich von ihren Dienst-Strapazen zu erholen gehen die beiden in einen Pub, wo sie mit einem anderen Gast ins Gespräch kommen. Kurz darauf ist dieser tot....

Jeff Mason ist MItte 20, Detective beim Scotland Yard. Sein neuestes Hobby ist das Tarot-Karten legen, was er bisher aber verheimlicht. Jeff erscheint zielgerichtet, fast schon schnörkellos. Sein Kollege Cole kommt dagegen viel sympathischer rüber, was vielleicht auch daran liegen mag dass das Buch in der Ich-Form aus der Sicht von Jeff erzählt wird. Sämtliche Figuren haben leider kaum Tiefe, hin und wieder wird mal ein Charakterzug angesprochen, das war es aber auch schon. Auch die im Klappentext erwähnten Gefühle werden mir hier viel zu oberflächlich abgetan, es wirkt alles etwas spröde.

Sehr gut gefällt mir das Vorwort, wie es dazu kam der das Autor das Buch schreiben wolle, von dem es mittlerweile auch schon Fortsetzungen gibt.
Die Sprache ist locker, so als wenn man dem Erzähler gegenüber sitzen würde, die einfachen Sätze sorgen für ein flüssiges lesen.

Ich war etwas verwirrt ob der Zeit in der das Buch spielt. Es ist von Trechcoats die Rede, von gestreiften Anzügen, auch die Schreibweise lässt eher auf einen Krimi schließen, der vor ein paar Jahrzehnten spielt. Dann wiederum gibt es Begriffe, die eher in die heutige Zeit passen, z.B. ist die Rede von Pizzaservice und veganen Ravioli.
Auf die realitätsnahe Darstellung der Ermittlungsarbeit wird keinen großen Wert gelegt, die Auflösung der Tat bzw. die Überführung des Mörders ist sehr an den Haaren herbeigezogen, ich sage nur: Zigarette. Echt jetzt? In dieser Situation?

Mich konnte das Buch leider nicht überzeugen. Auch wenn mich interessiert wie es mit Jeff und Cole weiter geht, werde ich die nachfolgenden Bände nicht lesen.

Bewertung vom 03.08.2019
Rachemädchen
Locke, Phoebe

Rachemädchen


sehr gut

Heute habe ich euch einen Leckerbissen, ein Buch das ich letzte Jahr vorab lesen und bewerten durfte.

"Nur Tage nach der Geburt ihrer Tochter Amber verschwindet die Junge Mutter Sadie Banner ohne jede Spur. Ihr Ehemann Miles zieht Amber alleine groß - bis Sadie sechzehn Jahre später überraschend wieder vor der Tür steht. Nach und nach versuchen sie, wieder in ein normales gemeinsames Leben zurück zu finden. Bi s zu jenem Tag, als ihre Familie erneut durch ein schreckliches Ereignis auseinander gerissen wird.

Zwei Jahre später folgt ein Filmteam Amber Banner durch Los Angeles. Amber wurde gerade von einer Mordanklage freigesprochen. Die Filmemacherin Greta gerät zunehmend in den Bann der rästelhaften jungen Frau und der Schatten, die sie verfolgen. Ist Amber wirklich unschuldig? Und was ist damals geschehen?"

Das Buch beginnt mit einem Rückblick ins Jahr 1990 und schon dieser zeigt was einen erwartet. Im Verlauf des Buches wechselt die Autorin Kapitel für Kapitel in 4 verschiedene Zeitabschnitte. 1990, 1999, 2016 und 2018. 1990 befasst sich mit ein paar Mädchen die eine Sage erzählen. Diese Geschichte zeigt, warum Sadie später so handelt wie sie handelt und erklärt ihre Ängste. 1999 befasst sich mit der Zeit in der Sadie und Miles zusammen gekommen sind und mit der Geburt ihrer Tochter Amber. Das Jahr 2016 schildert Ambers Jugend und die Rückkehr der Mutter und wie Sadie versucht ihren Platz in der Familie zu finden, das Jahr 2018 beschreibt die Zeit in der Amber von einem Filmteam begleitet wird. Die Autorin versteht es, mühelos zwischen den verschiedenen Kapiteln hin und her zu schwenken, die Geschichte bleibt weiterhin flüssig zu lesen und man bleibt ohne Stocken oder "wiederzurecht-finden" in der Geschichte gefangen.

Kleine vereinzelt eingestreute Hinweise machen neugierig ohne zu viel zu verraten. Zwischendurch werden außerdem der Mail-Verkehr zwischen Greta und ihrer Produzentin Frederica aufgezeigt, dieser zeigt deutlich wie sehr sich Gretas Haltung gegenüber Amber verändert.

Im Verlauf des Buches fängt man an sich zu fragen, ob Amber tatsächlich die ist die sie vorgibt zu sein. Oder verstellt sie sich gegenüber Greta und dem restlichen Filmteam?

Die Anfangs langen Kapitel mit ihren Zeitabschnitten werden je weiter das Buch fortschreitet, immer kürzer. Das Buch legt dadurch an Tempo zu, man möchte nun unbedingt wissen wie es ausgeht. Das Ende ist wie der Rest des Buches: spannend, nervenaufreibend und überraschend.

Bewertung vom 02.08.2019
Küstenstill
Haller, Elias

Küstenstill


ausgezeichnet

Ich liebe Bücher mit besonderen Covern, dieses hier ist eines davon. Da ich bereits mit Begeisterung etwas von Elis Haller gelesen hatte, war ich sehr gespannt auf diesen Thriller.

"Julia Asmann kommt nackt aus der Dusche, wundert sich kurz dass der CD-Player bei kanpp 2 Minuten auf Pause steht. Sie startet das Lied neu, tanzt etwas, um sich dann vor ihren Laptop zu setzen. Julia ist bei einer Dating-App angemeldet und beginnt wieder mal mit Kai zu chatten. Doch der Chat entwickelt sich in eine unheimliche Richtung die Julia schockiert...."

Die Ermittler Hardy Finkel und Greta Silber arbeiten das erste Mal zusammen, und dann auch noch an einem Fall der einen von ihnen an seine Grenzen bringt. Obwohl dies die erste gemeinsame Ermittlung ist und die beiden einen holprigen Start hatten, stimmen sich schnell aufeinander ein. Hardy wie auch die geschiedene Greta haben ihr Päckchen zu tragen, was das Ganze nicht gerade vereinfacht.

Gleich zu Beginn befindet sich der Leser mitten im ersten Mord, ein klasse Einstieg in das Buch. Die ersten Leseabschnitte waren Dank des flüssigen und packenden Schreibstiles ratzfatz gelesen, dieses Tempo hält durch die kurzen Kapitel und den rasanten Schreibstil das ganze Buch über an. Die Einführung der Charaktere finde ich sehr gelungen. Man erfährt das wesentliche, dennoch ist noch Luft nach oben für die Feinzeichnung. Der Autor lässt dem Leser trotz der detailreichen Schilderungen der Morde noch genügend Freiraum für sein eigenes Kopfkino.

Die Art und Weise in der der Täter seine Hinweise platziert und an die Ermittler weiter gibt ist sehr interessant, die Auflösung dazu hat es in sich. Das Ende ließ mich als gestandene Thriller-Liebhaberin schockiert die Luft anhalten, doch nun ergab alles einen Sinn.

Die vielen Hinweise, Fährten und Rätsel über Rätsel machten es mir nahezu unmöglich das Buch aus den Händen zu legen. Elias Haller hat mich wieder restlos überzeugt mit diesem bemerkenswerten Thriller.

Bewertung vom 02.08.2019
Mordslust
Dechant, Klaus Maria

Mordslust


ausgezeichnet

Schon das Cover fand ich so toll und hat mich auf den Inhalt neugierig gemacht, dass ich das Buch einfach lesen musste. Und was soll ich sagen, ich wurde nicht enttäuscht.

Devier hasst Frauen. Schuld daran ist die Mutter, ihr wird die Schuld am Selbstmord des Vaters gegeben, den sie mit ihrer frivolen Art in den Tod getrieben hat. Sie war eine Schlampe, die sogar noch den toten Ehemann als Schlappschwanz beschimpfte. Dies sollte ihr Todesurteil sein...

Hauptkommissar Guido Ruck mit seiner Vorliebe für derbe Späße mag ich, ich selbst habe auch einen derben Humor ;-). Sein Familienleben dagegen scheint nicht ganz so humorvoll zu verlaufen, weswegen man ihn auch oft "aushäusig" vorfindet. Seine Kollegin Michi mag ich ebenso, eigentlich untypisch für mich da ich mich meistens für eine Lieblingsperson entscheide. Trotz ihrer Unterschiede passen sie sehr gut zusammen. Auch Buddha, der Gerichtsmediziner, hat bei mir ein Stein im Brett, sein Dialekt macht ihn einfach sympathisch.

Mir gefällt die bildhafte Sprache sehr gut, ich kann mir dadurch einiges sehr gut vorstellen oder sehe es vor mir, auch wenn ich es gar nicht sehen möchte :-) Wie zB die Netzpants von Egon, einfach herrlich. Die manchmal fast schon flapsige Schreibweise finde ich ebenfalls super, gepaart mit dem Dialekt ist das Buch sehr flüssig zu lesen, durch die kurzen Kapitel kann man so schön zwischen den Erzählsträngen hin und her switschen.

Das der Leser auch einiges über das Privatleben der beiden Ermittler erfährt, finde ich super. Ich mag es wenn in Büchern auch scheinbare Nebensächlichkeiten beschrieben werden, somit wird eine Geschichte für mich authentischer.

Dem Autor ist es hier hervorragend gelungen, Verwirrung zu stiften, dass ich teilweise selbst nicht mehr wusste wen ich eigentlich verdächtigen soll. Das Ende hat mich dann noch etwas geschockt, mit dieser Entwicklung hatte ich gar nicht gerechnet und hat bei mir auch etwas Unverständnis ausgelöst. Wenn ich mehr dazu schreibe würde ich spoilern, darum müsst ihr es selbst lesen ;-)

Von mir gibt es eine ganz klare Leseempfehlung