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Benutzername: Inas Buecherregal
Danksagungen: 6 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 161 Bewertungen
Bewertung vom 15.02.2021
Todessamen (eBook, ePUB)
Siemer, Nicole

Todessamen (eBook, ePUB)


weniger gut

"Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder fallen und sterben, oder – nein, genaugenommen bleibt nur diese Option. Direkt vor ihr erstreckt sich ein Seil ,kaum breiter als ihr großer Zeh. Es scheint ins Nichts zu führen…"

(AUSZUG AUS DEM BUCH)
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Ehrlich gesagt, wurde ich nicht warm mit dem Buch. Die Geschichte wird einmal mit Blick auf Jessie und dann mit Blick auf dem Gegenüber erzählt. Die übergeordnete Erzählform und Jessies Monologe im Wechsel und auch gerne mal zwischendrin machten es mir nicht leicht, ins Buch zu kommen.

Immerhin konnte ich mir aufgrund der Schilderungen schnell ein Bild von Jessie und den anderen Charakteren machen. Schnell wird klar, Jessie hat ein Problem, oder gar mehrere. Nach und nach bekommt man immer mehr Einblicke in ihr Gefühlsleben und auf ihre Fixierung auf ein Buch, in dem sie Halt findet – Alice im Wunderland. Warum das Buch so eine starke Bedeutung für sie hat, wird gut erklärt und ist nachvollziehbar.

Immer wieder träumt Jessie, seltsame und verstörende Träume. Oft ist nicht klar, was Traum und was Wirklichkeit ist, oder vielleicht sogar Einbildung? Diese Art der Erzählweise wirkt auf mich leider ziemlich konfus. Ich mag Bücher die mich beim lesen verwirren und auf falsche Fährten führen, mich im unklaren lassen. Dennoch sollte eine Struktur erkennbar sein, dies konnte ich hier leider nicht erkennen. Ich vermute das diese Art der Erzählung Jessies Gemütszustand deutlich machen soll, dies gelingt der Autorin zumindest hervorragend.

Ich konnte mich nicht in die Geschichte einfinden, eine Beziehung zu Jessie oder anderen Figuren konnte ich nicht aufbauen. Die Dialoge wirken oft abgehackt und gekünstelt, mir fehlte da einfach die Tiefe. Die Wendung des Buches brachte etwas Spannung, leider konnte die nicht lange gehalten werden. Alles in allem leider kein Buch das mich überzeugen konnte.

Bewertung vom 15.02.2021
Totennektar (eBook, ePUB)
Summer, Drea

Totennektar (eBook, ePUB)


sehr gut

"Ihm stockte der Atem, als er die nackte blutverschmierte Frau sah. Sie war höchstens 25 Jahre alt. Ihr blonden kurzen Haare standen wie Antennen von ihrem Kopf ab. Die blauen Augen waren weit aufgerissen und gerötet. Ein Skorpion prangte dunkelrot auf ihrem rechten Oberschenkel. Das Brandzeichen, schoss es Oliver durch sein Hirn…"

(AUSZUG AUS DEM BUCH)
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Drea Summers Cran Canaria Bücher habe ich bis jetzt jedes mal regelrecht verschlungen. Dieses Mal entführt Drea Summer ihre Leser nach England in ein Cottage. Keltenkreuz, Regen und dichte Wälder bestimmen das Bild. Alles in allem schwebt über diesem Buch eine drückendere Stimmung als bei den Cran Canaria Thrillern.

Das Buch wechselt zwischen den Erzählungen über Oliver und die Ermittlungen und verschiedenen Zeiträumen, dazu kommen Passagen in der Ich-Form aus der Sicht des Täters. Dadurch hält die Autorin die Spannungskurve konstant oben.

Oliver fühlt sich zerrissen, hadert mit sich und der Vergangenheit und wünscht sich nichts sehnlicher, als einen Abschluss. Ohne seinen Kollegen und Freund Ian wäre Oliver heute nicht der, der er ist. Und auch jetzt ist es wieder Ian, der ihn besänftigt und Halt gibt. Und das, obwohl er im Moment auch nicht so recht weiß, wo ihm der Kopf steht.

Wie gewohnt schreibt die Autorin sehr bildhaft, man findet sich gleich zurecht und hat ein klares Bild von den örtlichen Begebenheiten und den Personen vor sich. Sie stiftet Verwirrung, legt falsche Fährten und gibt stückchenweise Enthüllungen preis, die den Leser bei der Stange halten. Zumindest ging es mir so, ich habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen.

Anders als in ihren anderen Büchern hatte ich zu Anfangs Schwierigkeiten, eine Verbindung zu den Protagonisten aufzubauen. Vor allem Oliver war mir zu impulsiv, unbeherrscht. Dies bringt ihn in Gefahr, die an dieser Stelle für mich vorhersehbar war. Obwohl Oliver im Fokus der Geschichte steht, war mir Ian viel sympathischer. Erst ab etwa der Hälfte des Buches habe ich mich Oliver angenähert, dazu haben auch die Hintergründe, die man nach und nach erfährt, beigetragen.

Das Ende ist unerwartet und lässt den Leser erschaudern. Ich jedenfalls werde noch lange bei bestimmte Tätigkeiten an das Buch denken. Mehr möchte ich nicht verraten, ihr müsst es schon selbst lesen

Bewertung vom 14.02.2021
London Crimes - Tödlicher als Hass
B., Kris

London Crimes - Tödlicher als Hass


sehr gut

"Mit verspannten Schultern hielt Stefano Moretti still, während seine Mutter ihm den Kopf rasierte. Nach all den Jahren, in denen er die wöchentliche Demütigung über sich hatte ergehen lassen müssen, litt er immer noch seelische Qualen. Er hasste das Kratzen der Klinge, er verabscheute die Wärme des Schaums, der seine Schläfen hinunterrann. Mit gesenktem Blick saß er auf dem wackeligen Hocker vor dem Waschbecken und erduldete Mamas unvermeidlichen Monolog, der seine Abscheulichkeit erbarmungsloser reflektierte als der Badezimmerspiegel…"

AUSZUG AUS DEM BUCH
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Die Autorin beginnt die Geschichte mit einem Rückblick, um dann in das London 15 Jahre später zu schweifen. Schon bei den ersten Sätzen wird klar, das dies eine Schlüsselszene sein muss. Wie und warum wird allerdings erst nach und nach klar und nimmt dem Buch keineswegs die Spannung.

Noch nicht erholt von seinem letzten Fall, der ihm immer noch ziemlich nahe geht, wird Rick zu einem Mordfall gerufen. Eine Opernsängerin wird von ihrem Mann tot aufgefunden, doch das warum gibt Rätsel auf. Mit sich selbst kämpfend, muss er nun auch noch seine Nichte Cece beschützen, vor der Litanei ihrer Mutter Jean und ihrem Vater Brian, für den nur seine Meinung von Anstand und Rechtschaffenheit zählt. Auch wenn dessen Meinung mich zu dauerhaftem Kopfschütteln bringt. Das Rick sich endlich seiner Vergangenheit stellt, gefällt mir sehr gut und war schon lange überfällig. Wie er das macht, ist bewundernswert, ich hätte seine Selbstbeherrschung wohl nicht gehabt.

Kris B. besticht wieder mit einem schnörkellosen und klaren Schreibstil, ausdrucksstark und knackig. Die Figuren sind wie gewohnt gut ausgearbeitet und authentisch, auch wenn mir die zwischenmenschlichen Beziehungen manchmal etwas „too much“ waren. Allerdings sorgen diese Verwicklungen für das gewisse Etwas in Kris Bs Büchern. Spannende Wortgefechte runden das Ganze ab. Der Schluß des Buches ist dazu noch das I-Tüpfelchen, ich liebe ihn.

Ein Buch das nachdenklich macht. Waren die bisher getroffenen Entscheidungen richtig? Wo würde man stehen, wenn man sich anders entschieden hätte? Eines macht das Buch jedoch deutlich: es ist nie zu spät für Veränderungen.

Bewertung vom 09.02.2021
Die Engelsmühle / Peter Hogart Bd.2
Gruber, Andreas

Die Engelsmühle / Peter Hogart Bd.2


sehr gut

"Bestimmt hatte Garek die Karten von einem Tatort mitgehen lassen, zum Beispiel aus einer wackligen Kommodenschublade in der Altbauwohnung einer Rentnerin, die von ihrem Sohn erstochen worden war – oder so etwas in der Art. Gewiss hatten sie den Fall gelöst, und die Karten würde niemand vermissen…"

AUSZUG AUS DEM BUCH
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Die Peter Hogart -Reihe stammt aus der Anfangszeit von Andreas Grubers Schriftsteller-Karriere. Dies merkt man der Reihe auch an. Die Fälle sind nicht ganz so aufsehenerregend und ungewöhnlich wie seine späteren Werke. Dennoch lese ich die Reihe sehr gern, da ich seinen Schreibstil einfach mag. Gruber schreibt flüssig, bildhaft und detailverliebt so dass man sich gut ein Bild von den Figuren und der Umgebung machen kann. Manchmal hat sich die Story allerdings etwas gezogen, da wäre etwas weniger mehr gewesen.

Die Figuren sind wieder gut ausgearbeitet, nahezu jede Charaktereigenschaft ist vorhanden. Die Polizei agiert recht träge (zumindest hier im Buch), so dass Hogart ihnen immer einen Schritt voraus ist. Dies ist allerdings nicht immer zu seinem Vorteil.

Teilweise überrascht der Autor mit Wendungen und Erkenntnissen die nicht immer vorhersehbar waren, manchmal leider schon. So ist auch das Ende nicht ganz so überraschend, zumindest war es das für mich nicht.

Trotz allem eine lesenswerte Reihe, die den nachfolgenden Werken zwar nicht das Wasser reichen kann, sich aber auch nicht hinter ihr verstecken muss.

Bewertung vom 13.12.2020
Versuchung / Crossfire Bd.1
Day, Sylvia

Versuchung / Crossfire Bd.1


sehr gut

"Die Luft zwischen uns schien plötzlich zu vibrieren. er wandte den Blick nicht von mir ab, und dabei schien er sich irgendwie zu verändern, als würde ein Schutzschild von seinen Augen entfernt. Dahinter entdeckte ich eine ungeheure Willenskraft, die mir den Atem raubte. Immer stärker fühlte ich mich von ihm angezogen – von seiner fast greifbaren, pulsierenden, gnadenlosen Macht."
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Eva, das Mädchen vom Lande aus reichem Hause, ist neu in New York angekommen. Ein neuer Job hat sie in die Metropole geführt, aufgeregt und etwas unsicher verbringt sie die ersten Tage. Halt gibt ihr ihr Mitbewohner, ein aufstrebendes, gutaussehendes Model mit Vorlieben für beiderlei Geschlechter. Interessanterweise trifft Eva das ganze Buch über nur gutaussehende, heiße Männer, „normalos“ scheint es in New York nicht zu geben.

Gideon ist ein Mann, der beherrschen möchte. Erfolgreich, reich und gutaussehend ist er gewohnt, dass im die Welt zu Füßen liegt. Vor allem die Frauenwelt. Streng trennt er Freundinnen und Sexgespielinnen. Beides in einer Person gibt es für ihn nicht. Bis Eva in sein Leben tritt, an ihr beißt er sich die Zähne aus. Zumindest am Anfang….

Über jeder Seite des Buches schwebt ein knistern, zu Beginn erst ganz leise, doch dann wird es immer lauter um zu einem ohrenbetäubenden Rauschen anzuschwellen, und nicht nur das schwillt an (Ich liebe Wortspiele

Bewertung vom 12.12.2020
Die schwarze Dame / Peter Hogart Bd.1
Gruber, Andreas

Die schwarze Dame / Peter Hogart Bd.1


ausgezeichnet

"Das Besprechungszimmer wurde von dem wolkenverhangenen Sonnenuntergang in ein düsteres Zwielicht getaucht. Beim Fenster standen zwei Männer, ein Hüne so breit wie ein Schrank und ein Zwerg mit einem glänzendem Seitenscheitel."
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Andreas Grubers Rache-Reihe finde ich wahnsinnig spannend, somit kam ich nicht umher, die Bücher mit seinem Privatermittler Peter Hogart zu lesen.

Peter Hogart wurde mir recht schnell sympathisch. Als Fan alter Filme und Musik ist er ein begeisterter Flohmarktbesucher. Auch ich stöbere gerne auf Flohmärkten, ich mag die Atmosphäre dort. Die Liebe zu den alten Dingen nehme ich ihm sofort ab. Zudem gefällt mir seine Hartnäckigkeit, dass er dran bleibt, auch wenn sein Auftrag scheinbar erledigt ist. Ivona als seine „Komplizin“ in Prag gefiel mir auch sehr gut, behauptet sie sich doch in einer Männerwelt, in der es manchmal recht rau zu geht. Dies geschieht jedoch ohne überzogen zu wirken.

Besonders toll fand ich die detailgenaue und bildhafte Beschreibung der Schauplätze, die durch Nebensächlichkeiten wie eine flatternde Plane an einem Gerüst noch authentischer wirkt. Dadurch haucht Andreas Gruber den Szenen Leben ein.

Die Geschichte beginnt erst gemächlich, mit leichter Spannung im Hintergrund. Privatermittler Peter Hogart wird nach Prag geschickt, es geht dabei um einen Brand bei dem äußerst wertvolle Gemälde vernichtet wurde. Erst eine überraschende Wendung bringt Tempo ins Spiel, der Spannungsbogen steigt. Der Schrecken, der sich hinter verschlossenen Türen verbirgt, raubt dem Leser den Atem, erst recht als klar wird wie weitreichend diese Vorgänge sind. Die Vertuschung in höchsten Kreisen, das Augen verschließen und die Hilflosigkeit der Beteiligten, da verwundern mich die Frustration und die Gefühlsausbrüche der Ermittler nicht. Diese Gefühle nehme ich ihnen sofort ab, mir erging es schließlich ähnlich beim lesen.

Ein genialer Plot, die Story zieht weitreichende Kreise, hervorragend zu einem komplexen Gesamtbild zusammengeführt.


Hierbei handelt es sich übrigens um eine Neuauflage, darum kann es zu unterschiedlichen Cover-Abbildungen kommen.

Bewertung vom 08.12.2020
Ludovika
Sepp, Christian

Ludovika


ausgezeichnet

Ich bin Sisi-Fan und habe bereits diverse Biografien über sie gelesen, umso gespannter war ich auf das Buch Ludovika, Sisis Mutter.

Bereits das Vorwort war äußerst interessant, ich fand es sehr spannend die Hintergründe zu erfahren, wie es denn überhaupt zu dem Buch kam, und vor allem, welche Arbeit dahinter steckt, Respekt!

Das Buch beinhaltet weitreichende Erklärungen, wie die weitverzweigten adligen Familien damals zustande kamen, welcher Zweig durch welche Heirat zu mehr Land und Ansehen kam. Die französische Revolution ist ebenfalls Thema im Buch, da diese auch gravierende Auswirkungen auf die Königshäuser hatte. Abgerundet wird diese interessante Reise in die Vergangenheit mit wundervollen Bildern, Briefausschnitten und Anekdoten.

Das Buch unterscheidet sich von den vielen „romantischen“ Biografien und Büchern zu Sisi und ihrer Familie durch fundierte Forschung, der Autor zeigt die verschiedenen Häuser und Adelsgeschlechter und deren Beziehungen bis weit vor Ludovikas Geburt auf. Sensationsheischende und romantisch verklärte Geschichten gibt es hier nicht. Dafür aber eine Sammlung fundierten Wissens, belegbarer Geschichten, quasi einen feingezeichneten Geschichtsunterricht. Zudem bedient er sich hier bisher noch nicht veröffentlichten Quellen, was dieses Buch zusätzlich zu etwas besonderem macht.

Ludovikas Leben hatte viele Höhen und Tiefen, ein glückliche Kindheit, dann der Tod ihres geliebten Vaters und die daraus resultierenden Umzüge, verursacht durch ihren Halbbruder König Ludwig I. Dann ihre unglückliche Ehe mit Max, die unterschiedlichen Interessen , seine Geliebten und die vielen unehelichen Kinder machten ein harmonisches Eheleben nahezu unmöglich. Hier unterscheidet sich die Realität gehörig von den Filmen aus den 50er Jahren, in denen Ludovika an der Seite ihres geliebten Mannes (und liebevollen Vaters der gemeinsamen Kinder) sich um Haus und Hof kümmert und für die Erziehung ihrer Kinderschar verantwortlich war.

Ludovika, die Königtochter, war eine gebildete und wissbegierige Frau, der das Wohl ihrer Kinder sehr wichtig war. Dennoch musste sie manchmal Entscheidungen treffen, die eher dem Land bzw. der Familie halfen und die Kinder ein großes Opfer bringen mussten. Bis ins hohe Alter (sie starb mit 83 Jahren) war ihre Meinung hoch geschätzt, dennoch war sie oft einsam, fühlte sich allein in ihrem großen Haus in Possenhofen, in dem früher immer Trubel und Geschäftigkeit war. Neben Ludovika erfahren wir viel über ihre Geschwister und ihre Kinder, ebenfalls interessante Persönlichkeiten.

Am Ende des Buches findet man Stammbäume, mit deren Hilfe konnte ich mich noch besser in den wirren der verschiedenen Adelsgeschlechter zurecht finden. Auch die Kurzbiografien der einzelnen Personen haben mir sehr gut gefallen und waren sehr aufschlussreich. Nicht zu vergessen die unzähligen Quellenangaben, die bei einer so umfangreichen Biografie einige Seiten umfassen. Eine tolle und aufschlussreiche Biografie über eine außergewöhnliche Frau und ihr äußerst interessantes Leben.

Bewertung vom 05.12.2020
Fastenpredigt in Unterfilzbach / Unterfilzbach Bd.2 (eBook, ePUB)
Adam, Eva

Fastenpredigt in Unterfilzbach / Unterfilzbach Bd.2 (eBook, ePUB)


sehr gut

„Hello again, isch sag einfach Hello again…“, trällerte Hansi Scharnagl aus voller Kehle im absoluten Schlagertaumel. Es war eine große Freude gewesen, als der bekennende Schlagerfan von seiner Frau Bettina zu Weihnachten zwei Karten für das große Schmachtfetzen-Festival in der bayerischen Hauptstadt überreicht bekommen hatte. Doch schon bald wird seine heile Schlagerwelt von der Wirklichkeit überrannt werden….
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Nachdem ich mich bei dem ersten Band „Kamasutra in Unterfilzbach“ herrlich amüsiert habe, musste ich einfach den zweiten Band lesen. Schnell fühlte ich mich bei Hansi Scharnagl und den Dorfbewohnern wieder wie zu Hause. Jeder hat seine , zum Teil etwas verschrobenen Eigenheiten, die sie aber alle so liebenswürdig machen. Sämtliche Beschreibungen der Protagonisten sind so bildhaft dass ich sie quasi vor mir sehen konnte. Jede Figur ist toll ausgearbeitet, vor allem Hansi und Ashanti, die beiden sind einfach herrlich, ich habe mich kringelig gelacht. Trotz allem Humor blitzt hin und wieder auch Ernsthaftigkeit hervor, beispielsweise Sepps Gemütszustand in Sachen Liebeskummer.

Viele Situationen sind klasse beschrieben, wie der Eingangs erwähnte Schlagerfestival besuch. Die BH werfenden Damen und Hansis Kopfkino dazu, einfach herrlich. Dazu noch die Quereleien zwischen Bettina und Hansi, ein Missverständnis jagt das andere, was dem Leser viele humorvolle Momente beschert. Mit Hansi als Donald Trump, da war es mit meiner Beherrschung vorbei, das der arme auch so missverstanden wird (mehr sage ich nicht, will ja nicht spoilern

Bewertung vom 09.10.2020
Das Spiel der Wächter
Buxbaum, Sabine

Das Spiel der Wächter


sehr gut

"„Wir sind nicht dumm. Es ist außergewöhnlich, dass alle Wächter aktiviert und zu den Waffen gerufen wurden. Du weißt doch mehr. Ich möchte wissen, was los ist.“…"
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Amys Eltern kamen im Krieg zwischen den Menschen und den Vampiren um. George, ein sogenannter Wächter, nahm sie und ihre Brüder bei den Wächtern auf, dort wurden sie zum Kampf gegen die Vampire ausgebildet. Menschen und Vampire leben in der Regel ohne größere Probleme miteinander. Dies könnte sich durch den neuen Anführer der Vampire jedoch ändern.

Feigheit und Egoismus gibt es überall, auch unter den Wächtern. Dies muss Amy schmerzlich erfahren. Wie sie damit umgeht ist einerseits töricht, anderseits auch bewundernswert. Was ist richtig, was ist falsch? Entscheidungen, die in einem Moment richtig erscheinen, können in der nächsten Sekunde schon falsch sein.

Das Cover und vor allem auch den Titel finde ich sehr gut gewählt, man findet ihn auch im Spiel wieder, die Idee dahinter gefällt mir sehr gut.

Das ganze Buch über ist eine unterschwellige Spannung zu spüren. Einmal die Entwicklung der Schwierigkeiten, wie weit würden die Menschen oder die Vampire noch gehen? Zum anderen gibt es noch die zwischenmenschliche Ebene, die für das Fortbestehen der beiden Gruppierungen ausschlaggebend sein könnten. Zum Ende hin nimmt die Spannung rapide zu, es geht Schlag auf Schlag.

Sabine Buxbaum besticht auch hier wieder durch eine klare Ausdrucksweise, sie verzichtet weitgehend auf lange Schachtelsätze. Die Charaktere beschreibt sie einfühlsam ohne sich in unwichtigen Details zu verlieren. Vereinzelt haben sich ein paar Rechtschreibfehler eingeschlichen, hat mich in meinem Lesefluss jedoch nicht gestört. Ich mag Vampir-Geschichten und kenne schon andere Bücher der Autorin, darum war ich gespannt wie sie dieses Genre meistert. Mir hat das Buch sehr gefallen, ich konnte mich in die Geschichte fallen lassen und habe mich gut unterhalten.

Bewertung vom 08.10.2020
Seelen unter dem Eis
Korten, Astrid

Seelen unter dem Eis


ausgezeichnet

"Mein Name ist also Mozart. Mein Zuhause ist eine 2,70 Meter lange und 2,90 Meter breite Zelle mit einem Tisch, einem Stuhl und glatt verputzten Wänden, aus denen eine schmucke Toilette und ein Waschbecken aus Stahl ragen…."
(AUSZUG AUS DEM BUCH)
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In Astrid Kortens Buch erzählt Tom Döbbe seine Geschichte. Er sitzt in der Todeszelle, wartet auf seine Hinrichtung. Die Schilderungen des Alltags im Todestrakt, die Hoffnugslosigkeit, die Leere, all das ist so eindrucksvoll und gefühlvoll von der Autorin beschrieben, dass die Beklemmung beim lesen auf mich übersprang. Kurze Kapitel und eine klare und ausdrucksstarke Sprache machen aus diesem Buch eine unglaubliche Leseerfahrung.

Der Wechsel zwischen der Gegenwart im Todestrakt und dem Rückblick, wie es dazu kam, ist der Autorin hervorragend gelungen. Nach und nach erfährt man mehr über Tom, sein Leben, seine Frau und seine Affäre. Diese Rückblicke zeigen, wie schnell das Leben aus der Spur kommen kann. Eine vermeintliche heile Welt, die durch eine Träne zum einstürzen gebracht wird.

Gebannt hing in an den Zeilen, wollte verstehen wie es dazu kommen konnte. Ich habe mit Tom gelitten und gehadert, hätte ihn manchmal am liebsten geschüttelt. Und vergaß vor lauter Anspannung sogar, mir Notizen zu machen….. Ich war erbost über Toms Feigheit im Laufe der Affäre, vor allem zum Ende hin. Zu einem Ende, dass mich fassungslos zurück ließ und noch lange nachhallen wird.

Ich war begeistert, wie Astrid Korten es wieder schaffte, so viele unterschiedliche Emotionen in das Buch herein zu bringen und kann jedem nur empfehlen, diesen erstklassigen Psychothriller zu lesen.