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Benutzername: Inas Buecherregal
Danksagungen: 5 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 148 Bewertungen
Bewertung vom 25.09.2020
Oliver Hell - Ohne Gnade
Wagner, Michael

Oliver Hell - Ohne Gnade


sehr gut

"Der Motor heulte auf. Das Hinterrad der Harley-Davidson drehte durch, Erde und Dreck wurden ihr uns Gesicht geschleudert. Schon fast komplett benommen hörte sie einen lauten Knall. Dann fiel ein Schatten über sie…."
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Lea und Sebastian machen Urlaub in Belgien. Sie wollen Abstand zum harten Polizei-Alltag, doch die Vergangenheit holt sie ein. Und halten damit auch ihre Kollegen zu Hause auf Trab. Oliver Hell muss sich derweilen mit einigen Mordfällen herum schlagen und bekommt dann auch noch eine neue Kollegin vor die Nase gesetzt.

Die Emotionen kochen hoch in diesem Buch. Diese werden vom Autor gut rüber gebracht, der kurze und klare Sätze treiben den Leser fast schon durchs Buch. Michael Wagner überzeugt mit einem flüssigem und bildhaften Schreibstil, ohne sich in Nebensächlichkeiten zu verlieren.

Das Misstrauen ist nahezu greifbar, betreffen die neuesten Fälle schließlich die Kollegen. Mal als Opfer, aber eventuell auch als Täter?

Verschiedene Schauplätze und Sichtweisen bringen Spannung in die Story, verraten aber nicht zu viel. Im Gegenteil, meiner Meinung nach stiftet das erst recht Verwirrung. Schadet dem Verlauf jedoch nicht, auch wenn ich manchmal kurz überlegen musste, wer denn nun schon wieder wer ist. Zum Teil waren es einfach zu viele Namen. Schade das eine Auflistung der Charaktere erst am Ende des Buches zu finden ist, ich persönlich finde es besser wenn diese gleich vorne im Buch sind.

Je weiter man in der Geschichte fortschreitet, desto intensiver wird das Verwirrspiel, das Misstrauen wächst. Bis am Ende dann alles mit einem Paukenschlag aufgelöst wird.

Ich kenne nicht alle 13 Fälle der Oliver Hell Reihe, jedes Buch war bisher lesenswert. Ebenso auch dieses. Ein kurzweiliger und bis aufs zerreißen spannender Krimi denn ich gerne weiter empfehle.

Bewertung vom 24.09.2020
London Crimes - Dunkler noch als Schatten
B., Kris

London Crimes - Dunkler noch als Schatten


sehr gut

"Hat das Geländer nicht eben etwas nachgegeben? Und was ist das für ein dröhnendes Geräusch? Es ist ein Zug, der unter deinen Füßen hindurchdonnert. Jeden Augenblick wird die Brücke in sich zusammenfallen und dein Schrei wird sich mit dem Rattern des Zuges und dem Heulen des Windes vermischen. Ich werde da sein, unsichtbar. Ich werde dafür sorgen, dass du das Gleichgewicht verlierst…."
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Auch hier schreibt Kris B. wieder eines Psycho-Krimi, in dem wie in allen ihren Büchern der London Crime Reihe, eine außergewöhnliche Frau im Zentrum steht. Hier ist es nun die Therapeutin Joy Canova. Spezialisiert auf Angststörungen suchen fast nur hoffnungslose Fälle ihre Praxis auf. Joy versucht allen zu helfen, meiner Meinung nach hat sie allerdings auch einige Defizite. Ihre Fälle sind durchweg interessant, wie sich bald heraus stellt leider nicht nur für die Therapeutin.

Patty mit ihrer Panik vor Schmetterlingen zB ist eine der Patienten von Joy, verheiratet ist sie mit mit Danny. Unweigerlich fragt man sich, warum. Was verbindet sie noch? Liebe ist es wohl kaum. Der Satz „wohin dann mit dem Klavier“ hat es treffend auf den Punkt gebracht: Bequemlichkeit. Und auch die anderen Patienten haben es in sich.

Zu Beginn eines jeden Kapitels gibt es eine Illustration, die jeweiligen Kapitel sind nochmals unterteilt, dadurch findet ein schneller Wechsel zwischen den einzelnen Charakteren und Szenen statt. Dies sorgt für flüssiges Lesen, auch wenn es zwischendurch manchmal etwas langatmig wird. Dies liegt auch an der Verwirrung, die aufgrund der vielen verschiedenen Charaktere auftritt. Es ist faszinierend zu beobachten, wie sich nach und nach der Kreis schließt und vermutlich unwichtiges doch noch eine wichtige Rolle spielt.

Hinter der teilweise biederen Kulisse treten erst nach und nach die Ängste und Probleme der einzelnen Charaktere zu Tage. Ängste und Vorlieben, die man niemandem auf den ersten Blick ansieht und die zum Teil auch besser verborgen geblieben wären. Und mitten drin Rick London, der mal wieder mit Fingerspitzengefühl und Hartnäckigkeit versucht das Rätsel zu lösen.

Auch dieser Teil der London Crimes Reihe hat mir wieder gut gefallen, die Idee dahinter dass in jedem Buch eine andere Frau eine wichtige Rolle spielt, gefällt mir gut. Zumal diese Frauen wirklich außergewöhnlich sind.

Bewertung vom 21.09.2020
Liebes Kind
Hausmann, Romy

Liebes Kind


ausgezeichnet

"Am ersten Tag verliere ich mein Zeitgefühl, meine Würde und einen Backenzahn. Dafür habe ich jetzt zwei Kinder und eine Katze. Ihre Namen habe ich vergessen, bis auf den der Katze, Fräulein Tinky. Ich habe auch einen Mann. Er ist groß, hat kurzes, dunkles Haar und graue Augen. Ich betrachte ihn aus dem Augenwinkel, während ich dicht neben ihm auf dem abgewetzten Sofa sitze….."
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Die Idee des Buches ist nicht neu, allerdings ist die Art und Weise in der Romy Hausmann darüber schreibt, schon etwas besonderes. Die Geschichte wird quasi von hinten aufgerollt und beginnt mit der Befreiung des Opfers. Diese Art der Erzählung ist der Autorin sehr gut gelungen. Ich hastete von Kapitel zu Kapitel da ich unbedingt wissen musste, wie es zur Gefangenschaft Lenas kam. Warum Hannah kaum Gefühle zeigt. Warum Lena nach ihrer Befreiung nicht mit der Wahrheit raus rückte. Ich wollte Matthias verstehen, seine Besessenheit, und auch die Teilnahmslosigkeit von seiner Frau. Mehr möchte ich nun nicht verraten, ihr müsst das Buch einfach selber lesen.

Die Charaktere sind zum Teil sehr ausdrucksstark gezeichnet, andere wiederum bleiben blass. Obwohl Hannah eine wichtige Rolle in der Geschichte spielt, konnte ich zu ihr überhaupt keine Sympathien aufbauen. Auch bei „Lena“ fiel es mir hin und wieder recht schwer, in manchen Szenen hätte ich sie am liebsten geschüttelt und angeschrien. Kann man als Leser ja leicht sagen, wenn man eingekuschelt auf dem sicheren Sofa das Buch liest

Bewertung vom 21.09.2020
Das Tabu (eBook, ePUB)
Schumacher, Nicole

Das Tabu (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

"Mit einem Lächeln trat er ins Freie, montierte das Vorhängeschloss an den rostigen Türriegel, drehte den Schlüssel und steckte ihn in seine Gesäßtasche. Die Rollen waren verteilt, die Requisiten bereit, die Bühne frei. Er würde zur rechten Zeit am rechten Ort sein…."
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Dominik und Jens sind beide Praktikanten bei einem Regionalblatt der Stadt Altdorf in der Nähe von Nürnberg. Obwohl sie sich erst ein paar Monate kennen, sind die beiden dicke Kumpels, die sich regelmäßig gegenseitig aufziehen. Zu ihrer Clique gehören noch Till, Yannik und Claus, Dominiks Nachbar Lucas ist auch manchmal dabei wenn sie ich in ihrer Lieblingskneipe treffen.

Das Buch beginnt mit einer recht langen Einleitung, man könnte fast schon langatmig dazu sagen, dadurch nimmt die Geschichte erstmal nur langsam an Fahrt auf. Für den weiteren Verlauf der Geschichte ist der langsame und ruhige Einstieg meiner Meinung nach aber wichtig, da man so die einzelnen Charaktere besser kennenlernt. Dominik z.B. ist kein Kind von Traurigkeit und lässt nichts anbrennen. Dadurch wird Dominiks seelische Verfassung nach der Tat erst recht deutlich und seine Panikanfälle, sein Verfolgungswahn und auch das Schamgefühl erscheinen authentisch und erzeugen beim lesen ein sehr beklemmendes Gefühl.

Die Gewaltszenen werden nicht zu sehr im Detail beschrieben, das Hauptaugenmerk liegt nicht auf der körperlichen Gewalt sondern auf der psychischen Belastung. Einfühlsam beschreibt die Autorin, wie sehr dies alles Dominik mitnimmt, wie die Folter und Vergewaltigungen sein Leben, seinen Alltag beeinflussen und ihn innerlich auffressen. Klasse sind dazu auch die kurzen Passagen, deren Fokus auf dem Täter liegen. Ich habe mit Dominik mitgelitten und gehofft dass er sein Schamgefühl und auch seine Angst überwinden kann, mehr möchte ich an dieser Stelle nicht dazu sagen.

Für mich ist dies ein tolles Buch, das zeigt dass auch Männer Opfer von sexueller Gewalt werden können, der Titel ist somit hervorragend gewählt. Dabei wirkt es zu keinem Zeitpunkt überzogen. Es ist toll geschrieben, die Charaktere sind sehr gut ausgearbeitet, die gesamte Story ist schlüssig. Nicole Schumacher erschuf mit ihrem bildhaften und flüssigem Schreibstil ein mitreisendes Buch, das ich in einem Rutsch durchlesen musste. Den Schluss finde ich gut gewählt, die Begründung, warum die Autorin diesen Schluss gewählt hat finde ich nachvollziehbar und gefällt mir sehr gut.

Ein absolut gelungenes Debüt, ich freue mich schon auf weitere Geschichten von Nicole Schumacher.

Bewertung vom 20.09.2020
Berge, Ziegen und andere Schwierigkeiten
Buxbaum, Sabine

Berge, Ziegen und andere Schwierigkeiten


sehr gut

"Als Lenas Oma stirbt, beschließt sie, in das Haus ihrer Großmutter zu ziehen und dort in dem beschaulichem Dörfchen eine Hausarztpraxis zu übernehmen. Doch schnell kommt Lena an ihre Grenzen. Das Haus ist renovierungsbedürftig und voller Tiere, die Patienten akzeptieren sie nicht und dann gibt es auch noch Probleme mit den Nachbarn…."

Das zuckersüße Cover in Verbindung mit dem Klappentext haben mich sofort dazu verleitet, dass Buch zu lesen. Der flüssige und direkte Schreibstil der Autorin machte es mir einfach, schnell in die Geschichte einzutauchen. Mit Lena hatte ich allerdings zu Anfangs meine Probleme. Sie beschließt quasi Hals über Kopf, in die Berge zu ziehen. Die geschieht meiner Meinung nach äußerst unüberlegt und auch etwas unglaubwürdig. Sie ist überrascht von den Örtlichkeiten, vom Zustand des Hofes und auch in Sachen Praxisübernahme völlig unvorbereitet. Hilfe vom Nachbarn nimmt sie erst mal nicht an, stößt ihn mit ihrer spröden Art zurück. Allerdings gibt es dann doch noch einige Entwicklungen, durch die mir Lena schlussendlich doch noch sympathisch wird.

Den recht kurzen Roman habe ich schnell verschlungen, die Autorin stellt das Dorfleben humorvoll dar, die einzelnen, teilweise verschrobenen, Charaktere werden von ihr liebevoll beschrieben. Das Buch hat etwas von einem Heimatfilm: eine idyllische Gegend, interessante Dorfbewohner, ein Familienzwist und eine Liebesgeschichte – dies alles ergibt ein unterhaltsames und kurzweiliges Buch.

Dies war mein zweites Buch der Autorin und gleichzeitig auch ein Ausflug in ein für mich eher fremdes Genre, ich habe es nicht bereut.

Bewertung vom 02.05.2020
Nordlicht - Die Spur des Mörders / Boisen & Nyborg Bd.2
Hinrichs, Anette

Nordlicht - Die Spur des Mörders / Boisen & Nyborg Bd.2


ausgezeichnet

"Der Junge steht festgebunden an einem Pfahl im Hof seiner Eltern. Sein Rücken schmerzt, wieder sind neue Striemen dazu gekommen. Schon langsam wird es Dunkel und er hofft das er bald losgebunden und ins Haus geholt wird. Die Dunkelheit kommt immer näher, seine Angst vor dem Nachttroll wird immer größer. Doch niemand kommt um ihn herein zu holen. Am nächsten Morgen ist der sechsjährige verschwunden..."
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Schon bei den ersten Zeilen hatte ich ein beengtes Gefühl beim lesen, Gewalt gegen Kinder kann ich nur schwer ab. Die Anfangsszene ist allerdings die Einzige im Buch, der Rest des Buches spielt später und behandelt quasi die Aufarbeitung der Vergangenheit.

Die Geschichte spielt im deutsch-dänischen Grenzgebiet, die Kapitel sind in die jeweiligen Handlungsorte unterteilt. Anette Hinrichs hat einen angenehmen Schreibstil und eine sehr bildhafte Sprache, die Schwingungen der Gedanken waren für mich spürbar, somit konnte ich mich gut in die jeweiligen Figuren hineinversetzen. Das liegt zum Teil auch an der bildhaft beschrieben Mimik während der Dialoge.

Zwischendurch gibt es immer wieder Rückblicke in die deutsch-dänische Vergangenheit, die meiner Meinung nach hervorragend von der Autorin recherchiert wurde. Auch der teilweise heute noch unterschwellige Hass wird von Anette Hinrichs gut dargestellt ohne polemisch zu wirken, diese Gratwanderung ist ihr sehr gut gelungen.

Viele Familiengeheimnisse hinter verschlossenen Türen sorgen für einen unterhaltsamen und spannenden Lesegenuss, die Auflösung passt gut zum Buch, ist schlüssig und wirkt keinesfalls an den Haaren herbei gezogen. Die Geschichte ist zwar in sich abgeschlossen, dennoch gibt es noch genügend Spielraum für den nächsten Teil. Die Charaktere sind gut ausgearbeitet, Vibeke und Rasmus gefallen mir trotz ihrer Gegensätzlichkeiten sehr gut als Team, ich bin gespannt wie sich die Zusammenarbeit im nächsten Teil weiter entwickelt.

Bewertung vom 01.05.2020
Der Sozius
Boyd, Lyl

Der Sozius


gut

"Unbehaglich schließt der Sozius die Wohnungstüre auf, geht durch den Flur ins Wohnzimmer. Mitten auf dem Sofa sitzt ein Mann mit Hut, eine Pistole in der Hand deren Lauf auf den Sozius gerichtet ist. Scheinbar gefasst verwickelt er den Unbekannten in ein Gespräch während er sich einen Whiskey einschenkt, dann nimmt er gegenüber Platz. Der andere verliert langsam die Geduld..."
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Das Buch ist in zwei Erzählstränge eingeteilt. Zum einen die Geschichte von Teresa, die irgendwie auf der Suche nach sich selbst ist, sie erscheint mir unselbstständig und unreif. Der zweite Erzählstrang ist das Buch, welches Teresa schreibt, quasi ein Buch im Buch. Die Idee ist nicht neu, macht das Ganze aber interessant. Der Autor bedient sich oft der wörtlichen Rede, ich würde sogar sagen sie dominiert das Buch.

Leider verläuft die Geschichte etwas wirr, es gibt ohne Vorwarnung wie Absätze oder Zwischenüberschriften Zeitsprünge in denen die Protagonisten plötzlich woanders sind, oder die Protagonisten gewechselt haben. Vielleicht ist die ein Formatierungsfehler im ebook, aber auch mit Absätzen würde mich das immer noch kurz stocken lassen und somit im Lesefluss unterbrochen. Zudem werden für mich unwichtige Dinge lang und breit erklärt, andere Abläufe die für das Verständnis oder auch die Spannung wichtig wären, werden nur schnell angeschnitten.

Für eine Kurzgeschichte ist mir das Buch fast etwas zu lang, das mag an der Fülle der Themen liegen die ins Spiel gebracht werden. Das ein oder andere Thema hätte meiner Meinung nach mehr Beachtung vertragen können, dann wären durchaus mehr Seiten drin gewesen.

Dennoch hat mich das Buch gut unterhalten, das auf und ab des Spannungsbogens verleitet den Leser zum weiterlesen. Das Ende war mir fast zu brav, hat mich aber im Gesamteindruck des Buches zufrieden gestellt. Die Plot hat gute Ansätze, ich denke da ist noch Luft nach oben und bin auf die weitere Entwicklung des Autors gespannt.

Bewertung vom 29.04.2020
Marta schläft
Hausmann, Romy

Marta schläft


ausgezeichnet

"Nadja sieht sich gehetzt um, die letzten Stunden waren der Horror für sie. Seit langem hat sie sich wieder ans Steuer gesetzt, Panik erfasste sie an jeder Straßenverengung, jeder andere Autofahrer ist ein potentieller Verfolger. Schnell tankt sie und betritt die kleine Tankstelle. Plötzlich liegt sie auf dem kalten Steinboden, weiß nicht wo sie ist. Es fühlt sich wieder einmal an wie ein Sturz über den Klippenrand, mitten hinein ins rote Wasser…"
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Das Buch ist verschiedene Erzählstränge gegliedert, wobei die einzelnen Stränge erst mal scheinbar nichts miteinander zu tun haben. Der Wechsel zwischen Ich- und Erzählform, zwischendurch dann noch die Briefe (an wen war erst mal ebenfalls unklar) und die vielen Zeitsprünge haben mich anfangs ziemlich verwirrt, es dauerte etwas bis ich mich an den Schreibstil gewohnt hatte. Dann allerdings nahm die Geschichte an Fahrt auf, jeden noch so kleinen Hinweis habe ich regelrecht aufgesogen. Dennoch blieb ich lange quasi im Dunkeln sitzen, die Auflösung war immer noch in weiter Ferne. Ich mag es, wenn der Autor den Leser auf falsche Fährten schickt und dies ist Romy Hausman hier zweifelsfrei sehr gut gelungen.

Die Autorin bedient sich hier langer Schachtelsätze, alle Erzählstränge gehen mehr oder weniger strikt geradeaus, es gibt kaum Nebenschauplätze und wenn, wird nicht viel auf diese eingegangen. Mit den Figuren wurde ich nicht so richtig warm, eine Beziehung konnte ich aufgrund der Erzählweise nicht recht aufbauen, geschadet hat das dem Buch aber nicht.

Äußerst raffiniert wie die scheinbar zusammenhanglosen Erzählstränge nach und nach zusammen ein Bild ergeben, die unterschwellige Spannung ist fast greifbar. Gebannt hing ich an Nadjas Zeilen, in denen viel Schmerz zwischen den Zeilen herauszulesen ist, die Autorin spielt geschickt mit Emotionen. Die überraschenden Wendungen waren dann das i-Tüpfelchen für mich. Das Buch spaltet etwas die Lesergemeinde, für mich jedenfalls ist es ein klasse Buch das mich begeistert hat und das ich gerne weiter empfehle.

Bewertung vom 15.04.2020
Heidegift / Inka Brandt Bd.2
Forster, Angela L.

Heidegift / Inka Brandt Bd.2


sehr gut

"Er muss auf seine Schwester aufpassen wenn sie in der Heide unterwegs sind, hat die Mutter gesagt. Daran muss er immerzu denken. Und an das Reh das sein Vater geschossen hat als er ihn auf die Jagd mitnahm. Er sieht immer noch die toten augen vor sich, das Loch in der Stirn. Es wird kalt, die Nacht bricht herein. Doch seine Schwester und er können nicht nach Hause, die Hilfeschreie verhallen ungehört…"
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Das Buch beginnt Angela L. Forster mit einem spannenden Rückblick vor 17 Jahren. Dann wechselt die Geschichte in das Jahr 2014, ein Klassentreffen steht an. Und schon die ersten Zeilen über einen der ehemaligen Schüler zeigen mir einen äußerst unsympathischen Zeitgenossen. Die Autorin hat hier eine Figur gezeichnet, die so ziemlich alle schlechten Eigenschaften in sich versammelt: Gier, Großkotzigkeit und rücksichtslos, diese beschreiben Detlev Klammer ganz gut. Die anderen Teilnehmer sind anfangs recht unscheinbar, nach und nach lernt der Leser auch diese kennen.

Inka Brandt ist hier wie im ersten Teil Heidefeuer die Hauptprotagonistin. Da ihr Chef im Urlaub ist, hat sie die Leitung übernommen und wirkt mit Exmann, Kind, Kollege und neuem Fall leicht überfordert. Zwar ermittelt sie mit Bravour, dennoch kann man immer wieder kleine Zeichen der Überlastung zwischen den Zeilen lesen. Und das finde ich gut, Inka Brandt wird hier als normale Frau mit Schwächen dargestellt und nicht als Super-Ermittlerin. Dennoch könnte sie manches mal energischer auftreten und ihren Standpunkt klar machen. Einerseits ist sie so taff, andererseits macht sie nicht oder viel zu spät den Mund auf.

Der unaufgeregte Schreibstil gefällt mir wieder sehr gut. Die Autorin beschreibt die Gegend als malerisch und ruhig, zumindest im Nomalfall, und das nehme ich ihr auch sofort ab. Man merkt dass sie weiß wovon sie schreibt. Dennoch verliert sie sich nicht in Details, die Geschichte läuft mehr oder weniger strikt geradeaus. Kleine Nebenschauplätze bringen zusätzlich etwas Schwung hinein. Wörtliche Rede und Erzählung sind hier im Gleichgewicht, auf lange Schachtelsätze wird verzichtet.

Die Auflösung überrascht, ist aber schlüssig. Aber auch hier ist Inka meiner Meinung nach wieder zu gutmütig, auch da hätte ich mir klarere Worte von ihr gewünscht, sei es dem Kollegen Amselfeld oder Dr. Klammer gegenüber. Dennoch eine tolle und lesenswerte Fortsetzung.

Bewertung vom 13.04.2020
Ohne Herz / Neuschwanstein-Thriller Bd.2
Richter, Markus

Ohne Herz / Neuschwanstein-Thriller Bd.2


ausgezeichnet

"Mariannas Sohn Hansi freut sich sehr auf den Ausflug in die Berge. Seit Tagen wird der kleine Rucksack aus- und wieder eingepackt. Endlich geht es los. Der Weg führt über einen ausgetretenen Holzfällerpfad am Abgrund der Partnachklamm vorbei, dann geht es weiter über die Kälberhütte. Schon bald jedoch wird Hansi müde, der Weg hoch zum Schachenschloss ist auch für Erwachsene eine Herausforderung, erst recht für ein sechjähriges Kind. Marianna grübelt, ob es richtig war den kleinen Buben mitzunehmen, doch nun ist es zu spät zum umkehren. Die Mutter ruft nach ihrem Kind, weiter geht es. Doch Hansi ist plötzlich spurlos verschwunden…."

Wie schon beim ersten Band „Ins Herz“ habe ich mich sofort in das Cover verliebt. Die Atmosphäre des Buches ist wieder vortrefflich eingefangen. Beim aufklappen des Buches sprangen mir gleich zwei alte Fotos mit Beschreibung ins Auge, mit einer tollen Erklärung des Autors dazu. Dann folgt die kurze Vorstellung der Figuren, die macht es dem Leser leichter sich zurecht zu finden.

Jedes Kapitel beginnt mit einer Grafik, Text und Bild laufen ineinander, zum Seitenende hin läuft die Schrift aus ins Helle. Die Idee gefällt mir sehr gut, leider hatte ich durch die schwarze Schrift und den schwarzen bzw. sehr dunklen Hintergrund manchmal Schwierigkeiten den Text zu lesen.

Markus Richter hat es auch im zweiten Teil wieder geschafft aus einer historischen Vorlage eine spannungsgeladene Geschichte zu erzählen. Er erzählt über Intrigen und Schleimereien um den besten Platz an der Seite Ludwig II. zu bekommen oder sogar um den König ganz aus dem Weg zu räumen. Die wunderbaren und liebevollen Beschreibungen sind wieder sehr detailgetreu, auch jemand der noch nie in der Gegend war kann sich somit alles sehr gut vorstellen. Durch diese genauen Schilderungen kann das Buch für manche Leser vielleicht langatmig wirken, ich finde sie allerdings toll und habe jede Zeile genossen. Jedes Gebäude, jeden Raum und auch jede Figur stand quasi bildlich vor mir.

Das Wettrennen gegen die Zeit, ein Rennen um Leben und Tot, lies mich durch die Seiten fliegen, ich litt mit Marianna und hoffte mit Lenz, Klara und Heiland, dass sie heil aus der Geschichte heraus kommen. Eingestreute Hinweise sind dosiert plaziert, bis zum Ende war mir unklar wer der mysteriöse Mittelsmann ist und in welchem Zusammenhang er mit der Geschichte steht. Ein lesenswertes Buch, nicht für für Fans des bayerischen Königshauses. Unbedingt aber zuerst den ersten Teil lesen