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Benutzername: horrorbiene
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Bewertungen

Insgesamt 210 Bewertungen
Bewertung vom 30.05.2014
Spinnenkuss / Elemental Assassin Bd.1
Estep, Jennifer

Spinnenkuss / Elemental Assassin Bd.1


weniger gut

Mir ist es bei diesem Buch sehr schwer gefallen hinein zu finden, dabei handelt es sich eigentlich um einen Auftaktband, der es einem einfach machen sollte, in die Geschichte einzutauchen. Hier war dies jedoch anders, da ich gerade am Anfang das Gefühl hatte, dass die Protagonostin mir die Welt erklärt. Das Buch ist in Ich-Perspektive geschrieben und so macht sie dies tatsächlich. Gin schildert dies, beschreibt das, erklärt, erklärt, erklärt. Langweilig. Dabei ist Gins Leben als Auftragsmörderin und halbtags-Köchin alles andere als langweilig. Grade hat sie einen Auftrag von ihrem Mentor, der ihr wie ein Vater ist, bekommen, als dieser gehörig schief geht, denn jemand hat einen Mörder engagiert Gin zu töten. Spätestens als Gin die Leiche ihres grausam gefolterten Mentors findet, muss sie feststellen, dass viel mehr hinter diesem Auftrag steckt und sinnt nach Rache. Allerdings ist sie – verständlicherweise – erst einmal geblendet vom Tod ihres Mentors, doch anstelle gänzlich in der Rache aufzugehen, wie man es von einem Assassinen vermutet, schwelgt sie stundenrund in ihrer Trauer und in Selbstmitleid. Ein großer Nachteil der Ich-Perspektive. In diesem Zusammenhang ist es auch blöd, dass sie ihre Geheinmisse erst nach und nach enthüllt, denn eigentlich kennt sie sie ja schon alle und denkt sehr künstlich einfach nur nich daran. Diese Konstruktionsweise hat mir überhaupt gar nicht gefallen und das Buch aus Gins Perspektive zu lesen, war wie einen zu alten Kaugummi zu kauen.
Das Fass den Boden ausgeschlagen hat dann aber die Welt, in der diese Reihe spielt. Es gibt Elementar-Magier: Feuer, Luft, Erde und Eis. Zudem die Ableger Metall, Strom und Wasser. Dass Wasser nur ein sekundäres Element ist, finde ich völlig Banane, da Eis ja auch nichts anderes ist als Wasser, dann hätte man Eis lieber Kälte nennen sollen – kommt aber auch doof. Aber nicht nur die Magie empfand ich als unausgegoren, sondern die Wesenheiten die sich dort tummeln sind alle blass und gehen im Einheitsbrei unter. Es gibt Zwerge, Riesen, Vampire und bestimmt noch mehr und alle benehmen sich absolut wie ganz normale Menschen. Wenn sie doch eh alle gleich sind, wieso braucht es dann die verschiedenen Rassen noch? Ein Vampir, der zwischendurch mal ein Glas Blut trinkt, sonst sein Lebenselixier durch relativ normalen Sex – also definitiv ohne Todesfolge – erhalten kann und eigentlich nur durch lange Eckzähne auffält, ist kein Vampir. Keine Blässe, kleine Nachtaktivität, keine besondere Stärke. Sie leben lediglich etwas länger.
Der Schreibstil ist zwar im Grunde ganz in Ordnung und das Buch lässt sich einfach lesen, aber manche Formulierungen haben mir gar nicht gefallen. Wenn Gin z.B. ihren heiß geliebten Detectiv optisch beschreibt folgt ein “Mmmmh” am Ende. Als ob sie das wirklich denken würde und sich dabei mit der Zunge über die Lippen leckt. Widerlich. So etwas mag ich gar nicht.
Drei Viertel des Buches waren ein Graus für mich und ich habe es eigentlich auch nur zu Ende gelesen, weil ich mich dazu verpflichtet gefühlt habe. Gegen Ende kam dann tatsächlich Spannung auf und Gin musste zwangsläufig mit ihrem Selbstmitleid aufhören und dann ließ es sich auch gut lesen. Das hat das Buch vor einer völlig desolaten Wertung meinerseits gerettet.

Fazit: Eines weiß ich nun eindeutig: Für mich ist weder diese Reihe noch dieses Sub-Genre der Fantasy etwas, dabei mag ich es gar nicht benennen. Es ist etwas zwischen Urban-Fantasy und Romantasy. So gar nicht meins. Es mag sicher Leser geben, die voll darauf abfahren. Ich habe jedenfalls keinen Gefallen daran gefunden. Mich hat die Gefühlswelt Gins völlig kalt gelassen und ihr sonstiges geistiges Gelaber über ihre Welt, ging mir mehr auf die Nerven, als dass ich Spaß am Lesen gefunden hätte. Bei diesem Buch wurde die Ich-Perspektive, die sonst sehr mitreißend sein kann, völlig falsch genutzt und ist eines der negativen Beisipiele, die anderen Lesern die Ich-Perspektive völlig vermiesen können.

Bewertung vom 30.05.2014
So finster, so kalt
Menschig, Diana

So finster, so kalt


ausgezeichnet

Dieses Buch läuft zwar bei Knaur unter dem Genre Fantasy, aber ich hätte es auch ohne zu zögern dem Horror zu sortieren können. Sicher, es gibt Schlimmeres und ich habe auch schon Schlimmeres gelesen und es passiert zu Beginn auch nicht viel, aber ich habe das Buch abends im dunkeln im verlassenen Haus gelesen (auch ohne Hunde) und ich muss schon sagen, dass ich froh war, als ich nicht mehr allein sein musste. Das liegt daran, dass dieses Buch nach meinem Empfinden äußerst stimmungsvoll geschrieben ist. Dabei wird die Geschichte aus zwei Perspektiven geschildert: Der Leser erlebt die Protagonisten Merle, wie sie vom Tod der Großmutter erfährt, in ihre Heimatstadt im Schwarzwald fährt und auf die Spur der Vergangenheit ihres Häuschens gerät und ganz nebenbei einen sehr interessanten Mann kennenlernt. Daneben gibt es Hans, den Stammvater der Familie Hänssler, der mit seiner Familie im Jahre 1598 im Schwarzwald lebt. Hans’ Leben sollte sich völlig ändern, als der Vater eines Tages ein Mädchen von der Arbeit im Wald mit nach Hause bringt: Greta mit den pechschwarzen Augen. Es gibt demnach eine Perspektive in der Jetztzeit und eine im ferner Vergangenheit, die jedoch unmittelbar miteinander zu tun haben. Gefallen hat mir, dass diese beiden Erzählperspektiven optisch durch ein kleines Ornament voneinander getrennt sind. Gerade die Geschichte aus der Vergangenheit, die absichtlich stark an das Märchen Hänsel und Gretel erinnert, ist überaus stimmungsvoll und spannend geschrieben. Da die Autorin über einen flüssigen Schreibstil verfügt ließ sich dadurch das Buch sehr leicht lesen und ich hatte große Freude daran.
Überauß gelungen fand ich vor allem den Bezug zu Märchen, wenn auch nicht nur Hänsel und Gretel hier thematisiert werden, denn auch wenn dieses Märchen das Hauptthema darstellt, so werden auch andere Märchen miteinbezogen und die Märchenthematik an sich wird durch den Charakter des Doktor der Germanistik Jakob Wolff schön in Szene gesetzt. Letztgenannter Charakter ist der Autorin ebenfalls wunderbar gelungen. Merle engagiert Dr. Wolff, für Sie die gefundenen alten Dokumente zu untersuchen und die beiden finden zu einander. Dies geschieht jedoch keinesfalls platt oder kitschig, sondern eher recht ambivalent, denn auch Dr. Wolff ist ein sehr ambivalenter Charakter. Die Autorin lässt nicht nur ihre Hauptfigur im Dunkeln was die Gesinnung Wolffs angeht, sondern auch meine Gefühle gegenüber diesem Charakter änderten sich sehr häufig. Dies hat die Lesefreude auf meiner Seite sehr gehoben.
Was mir allerdings nicht so zugesagt hat war das Finale. Ich hätte es mir aufgrund des hohen Niveaus des Buches noch stimmungsvoller und spannender vorgestellt. Stattdessen wurde es mehr oder weniger in Häppchen abgehandelt, statt in einem großen Showdown zu enden und so empfand ich es leider als etwas unspektakuklär.

Fazit: So finster, so kalt ist ein sehr stimmungsvoller Roman mit Märchenthematik, der mir schaurig schöne Lesememomente bereitet hat. Den Reiz dieses Buches macht vor allem die Verbindung zur Vergangenheit und die Märchenthematik aus. Gut gelungen sind der Autorin zudem ihre Charktere. Auch wenn das Finale für mich etwas spannender hätte ausfallen können, so kann ich dieses Buch jedoch uneingeschränkt empfehlen für alle die mal gruselige Märchen-Fantasy lesen möchten!

Bewertung vom 30.05.2014
Zum Sterben schön / Bestatter Krimi Bd.2
Korber, Tessa

Zum Sterben schön / Bestatter Krimi Bd.2


ausgezeichnet

Der Auftaktband dieser Reihe hat mir sehr gut gefallen, hatte er doch einen außergewöhnlichen Hauptcharakter, von dem das Buch lebte und ich gut darüber hinweg sehen konnte, dass der eigentliche Fall, um den es geht, etwas in den Hintergrund gedrängt wurde. Im Vordergrund stand Victors Vergangenheit, wieso er vor zehn Jahren mit seiner Familie brach und ein sehr unstetes Leben überall auf der Welt führte, bis er zurück kam um das Erbe seines Vaters anzutreten und in dessen Fußstapfen im familieneigenen Bestattungsinstitut zu treten. Nach einem gelösten Fall und beleuchteter Verangenheit – an die ich mich leider nicht mehr wirklich erinnern konnte, da die Lektüre von Band eins schon lang zurück liegt - wird in der Kühlung des Bestattungsistituts ein Mordopfer gefunden und es dauert nicht mehr lang und Victor wird erneut in die Ermittlugen mit einbezogen…
Im Gegensatz zum ersten Band hatte ich hier eindeutig das Gefühl einen Krimi zu lesen. Dieses Bedürfnis den Fall zu lösen, war unheimlich ausgeprägt von mir, da ich dachte Frau Korber hat den Mörder schon sehr früh entlarvt – was mich schon fast enttäuschte – aber wie es sich für einen guten Krimi gehört, kommen noch mehr Verdächtige hinzu und es endet mit einem Paukenschlag. Da das Buch zudem sehr leicht zu lesen ist, flogen die Seiten nur so dahin und nachdem ich vorher einen schlechten Krimi gelesen habe und mich auf einen guten gefreut habe, hab hier einen guten Griff gemacht.
Man sollte, um an diesem Buch Freude zu haben, allerdings den ersten Band gelesen haben, sonst entstehen zu viele Fragezeichen. Selbst ich dachte machmal, mir sei etwas entgangen, weil mir Details der zwischenmenschenlichen Beziehungen der Charaktere entfallen sind. Hat man den ersten Band gar nicht gelesen, so vermute ich, hat man nicht mehr sehr viel Freude daran – was für einen Reihenteil aber absolut in Ordnung ist.
Dieser Punkt bestärkt mich allerdings in meinem Eindruck, dass hier vielleicht vom Verlag etwas gekürzt wurde. Die Nebenhandlung um Onkel Wolfgang hätte wesentlich ausführlicher gestaltet werden können, um noch mehr Tiefe in die Vergangenheit zu bringen. Die Charaktere hätten noch näher beleuchtet werden können, vor allem die neuen Charaktere Kerstin, Malte, aber auch die Beziehung zwischen der Kommissarin und Viktor zueinander blieb trotz aller Brisans etwas flach. Außerdem, wenn zwei Bücher über fast identische Seitenzahlen verfügen, finde ich es etwas sehr konstruiert und die Vermutung liegt eben Nahe, dass hier gekürzt wurde. Zwar wirkt das Buch nicht zu kurz, sondern tatsächlich schön “knackig”, aber das eine oder andere ausgearbeitete Detail wäre schön gewesen. Dafür war die Einbindung der verschiedenen Verdächtigen jedoch wirklich grandios!

Fazit: Zum Sterben schön ist eine gelungene und knackig-kurze Fortsetzung der Bestatter-Krimi-Reihe, der mir einige sehr spannende Lesestunden bereitet hat, da die Tätersuche sich wirklich für mich sehr gelungen gestaltet hat. Man sollte allerdings den ersten Band gelesen haben, damit die zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen den Charakteren kein Neuland darstellen. Dies ist eine Reihe, der ich mit Sicherheit treu bleiben werde!

Bewertung vom 23.03.2014
Schwarze Tränen
Finn, Thomas

Schwarze Tränen


ausgezeichnet

Den Klappentext hat mir sehr gut gefallen und so musste ich sofort mit dem Lesen beginnen, als dieses Buch bei mir eintrudelte. Vielleicht mag es auch daran liegen, dass ich mit einem Menschen zusammen lebe, der bei jeder passenden Gelegenheit Goethe zitiert: “Ich bin der Geist, der stets verneint! …” Dass dieses Buch mit eben diesem Zitat beginnt, hat wahrscheinlich den entscheidenden Ausschlag gegeben.
Lukas Faust hat sein Studium abgebrochen und schlägt sich nun als Zauberkünstler und Trickbetrüger durch, bis er von einer Freundin selbst ausgetrickst wird. Auf ihren Spuren gelangt er nach Staufen und von da an, ist sein Leben nicht mehr das, was es einmal war. Auf der Flucht vor zwei Männern, die er um Geld betrogen hat, hilft ihm ausgerechnet besagte Ex-Freundin und schleust ihn in das Gasthaus zum Löwen, wo er nicht nur herausfindet, dass er der Erbe des legendären Doktor Faust ist, sondern trifft auch noch unfreiwillig sein Erbe an: Ein Zauberbuch erscheint, doch auf das haben es auch andere Zauberer abgesehen. Im Gerangel geht der hübsche Edelstein kaputt, der im Zauberbuch eingelassen war und plötzlich erscheint auch noch Mephistopheles in seiner Pudelgestalt. Als es auch noch Frösche vom Himmel regnet, ist eines klar: Irgendetwas geht vor sich in der Hölle und Lukas braucht unebdingt verbündete. Ob sich Mephistopheles wirklich dazu eigent?
Schwarze Tränen ist wirklich sehr stimmungsvoll geschrieben und zudem in einem flüssigen, einfachen Schreibstil verfasst, dass ich das Buch ganz schnell durchgelesen hatte. Dabei hat es mich zeitweise vom Stil her an Blutportale und den zugehörigen Komplex von Markus Heitz erinnert, dabei kommt dieses Buch ohne blutige Schilderungen oder Erotik aus. Das hat mir gefallen. Ohnehin fand ich die Idee sehr gut, eine Art moderne Fortsetzung des Faust zu schreiben. Thomas Finn hat dabei nicht nur auf die Vorlange Faust und die Bibel zurückgegriffen, nein auch auf die Nibelungensage und auf die Sage um König Barbarossa. Eine gewaltige Ladung deutsches Kulturgut sozusagen, ohne das dies allerdings zu aufdringlich oder übertrieben ist. Im Gegenteil: Alles fügt sich wundervoll zusammen. Auch die kleinen Querverweise auf bekannte Musiker oder gar Harry Potter haben mir sehr gut gefallen. Mein Highlight: Eine Death-Metal-Band singt einen himmlischen Choral. Das einzige, was ich kritisch anmerken könnte, ist dass die Vorgeschichte ein klein wenig zu lang geraten ist, aber sonst habe ich nichts zu meckern.

Fazit: Schwarze Tränen ist ein wirklich gelungenes Buch um den Nachfahren des Doktor Faust. Es ist spannend geschrieben, gut zu lesen und ergibt durch zahlreiche Einflüsse von Sagen, Geschichten und der Bibel eine wirklich gute logische Geschichte. Sehr kurzweilig.

Bewertung vom 23.03.2014
Der Ruf des Kuckucks / Cormoran Strike Bd.1
Galbraith, Robert

Der Ruf des Kuckucks / Cormoran Strike Bd.1


ausgezeichnet

Ich bin auf dieses Buch durch Werbung für eine Lesung der Autorin aufmerksam geworden. Da ich solche gern besuche, habe ich dieses Buch gelesen – zum Glück – denn aufgrund der Beschreibung und des Covers hätten wir sonst sicher nicht zusammengefunden.
Dieses Buch ist kein klassischer Krimi, denn einen ermittelnden Polizisten gibt es hier nicht. Stattdessen erlebt der Leser, wie Sascha Grenko, aufgrund eines Hilfegesuchs seiner Schwester aufgescheucht, sich aufmacht, um das Rätsel um die verschwundene Stradivari seines Großvaters zu lösen. Eingewoben in diese Geschichte sind Abschnitte aus der Vergangenheit: einmal aus der Perspektive des Großvaters Ilja und aus der Perspektive der Großmutter Galina. So fügt sich nach und nach die Familiengeschichte der Grenkos zusammen. Gut gefallen hat mir die Tragik, die man am Ende des Buches bei der Auflösung erkennt und die hinter der gesamten Familiengeschichte steckt. Dies kam besonders gut zur Geltung, da die historische Erzählung nicht chronologisch gradlinig verläuft, sondern die Zeit hin und her springt. Der Leser bekommt auf diese Weise genau so viele Informationen und Puzzleteile des Ganzen, wie es die Autorin gerade für richtig hält, um gekonnt Atmopshäre zu schaffen. So setzt sich nach und nach das Puzzle zusammen, ohne dass der Leser jedoch den Überblick der Erzählung verliert. Dies hat mir sehr gut gefallen.
Ohnehin habe ich das Buch von der ersten Seite an sehr mitreißend empfunden. Ich wollte unbedingt wissen, wie das Buch ausgeht und wo die Stradivari ist. Dies finde ich besonders erwähnenswert, da ich eigentlich kein Fan dieser Thematik bin – ich kenne mich mit klassischer Musik und den entsprechenden Instrumenten schlicht zu wenig aus – zudem ist russische Geschichte auch nicht unbedingt mein Fachgebiet. Dennoch hat es die Autorin durch ihren Schreibstil geschafft, mich in den Bann dieses Buches zu ziehen. Dass die Geschichte in nur 300 Seiten erzählt ist, trägt sicherlich auch einiges zur Spannung bei, denn Langweile kommt hier bei weitem nicht auf.
Auch wenn russische Geschichte nicht ganz so meins ist, so ist dieser Teil jedoch erschreckend realistisch geschrieben. Ich bin nicht ausreichend in die Thematik eingearbeitet und kann daher diesen Teil nicht so zusammenfassen, wie es ihm gebühren würde, doch zu wissen, dass diese politischen Dinge und Ungerechtigkeiten passiert sind, hat mich durch diese Schilderung alles andere als kalt gelassen.

Fazit: Der Geiger ist zwar kein in meinem Sinne klassischer Kriminalroman, aber er ist so mitreißend geschrieben, dass ich ihn nicht aus der Hand legen konnte. Wer sich für die russische Geschichte nach dem zweiten Weltkrieg interessiert und spannende Krimis mag, für den ist dieses Buch genau das richtige. Für alle andren – so wie für mich – ist es immer noch ein sehr empfehlenswerter mitreißender Roman.

22 von 34 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 23.03.2014
Ritter dunklen Rufs
Gemmell, David

Ritter dunklen Rufs


ausgezeichnet

Wieder einmal durfte ich mit diesem Werk Gemmells einen Fanatsy-Roman lesen, der ganz für sich steht und nicht zu einer Trilogie oder Serie dazu gehört. Vorurteile, dass aufgrund der Kürze Atmosphäre oder Charakterentwicklung und -tiefe hier fehlen könnten, hatte ich bei diesem Buch nicht, da ich mit Der Weg der Helden bereits einen Einzelroman aus Gemmells Feder gelesen habe, der mir sehr gut gefallen hat.
Dieses Buch ist eindeutig der Heroic Fantasy zuzuordnen, da die Ritter der Gabala im Mittelpunkt stehen. Diese Ritter wurden von ihrem Waffenmeister zu einer Rettungsmission durch ein Tor in ein Land geschickt, das Probleme mit allerlei fiesem Gezücht hatte und die Hilfe der besten und gütigsten Ritter – denn nur ausgewählte, würdige Männer, können in diesen Stand berufen werden – benötigten. Doch von dieser Mission kamen sie nicht zurück. Sechs Jahre sind nun vergangen und der Magier und Waffenmeister lebt nun unter einem falschen Namen als Handwerker magischer Spielerein und das Land verändert sich. Der König ist unter den Einfluss von acht roten Rittern geraten und plant nun einen Völkermord an den Nomaden, da diese angeblich sein Wirtschaftssystem bedrohen. Doch einer der Ritter der Gabala ist damals nicht durch das Tor geritten und streift nun durch die Wälder, in denen monsterhafte Wesen ihr Unwesen treiben. Ist es möglich dem König und seinen schlechten Beratern Einhalt zu gebieten und so die Nomaden und das ganze Land zu retten? Ein Bündnis muss gegründet werden aus tapferen Männern, doch wer soll das sein?
Obwohl im Prinzip aufgrund der Erzählweise und Perspektivwechsel der einzelnen Charaktere schnell deutlich wird, wer sich zu diesem Bündnis zusammen tut, hat sich Gemmell sehr viel Zeit gelassen um die Geschichte behutsam aufzubauen, ohne dabei in langwierige oder gar langatmige Ausschweifungen zu geraten. Stattdessen lernt der Leser die einzelnen Charaktere kennen und schätzen und auch das Magiesystem wird erklärt, was zu einer ausgewogenen Atmospähre führt. Die Magie funktioniert hier durch Farben, z.B. kann man mit dem grün heilen, was mich ein wenig an die neue Reihe von Brent Weeks erinnert hat, aber dieses Buch hier wurde eindeutig früher geschrieben.
Der Aufbau der Geschichte, sowie die Erzählweise in den unterschiedlichen Perspektiven hat mir sehr gut gefallen und führte dazu, dass ich das Buch sehr schnell durchgelesen habe. Leider vollzog sich das Finale etwas sehr schnell. Ich hätte es schöner gefunden, wenn die Ritter dunklen Rufs wenigstens einmal gemeinsam ein Scharmützel bestritten hätten, so agierten sie nicht einmal gemeinsam, weil manche andere Missionen hatten. Kaum war der “Orden” komplett, fand ich mich bereits im Finale wieder und das Buch war vorbei. Zwar hat es mit 500 Seiten einen ordentlichen Umfang, doch am Ende hätten es ruhig noch 20 Seiten mehr sein können. Aber sei’s drum.
Das einzige was mir hier wirklich gefehlt hat, ist eine Karte. Ich liebe es Reiserouten oder Ortschaften in einer Karte nachzuschlagen und hier wird nicht gerade wenig gereist. Leider gab es keine Karte. Da hier mehrere Herzugtümer und ein weiter entferntes Lang angesprochen wurden, hätte ich eine Karte als sehr nützlich empfunden.

Fazit: Ritter dunklen Rufs ist wieder ein gelungener Einzelroman aus der Feder David Gemmells. Die Geschichte wurde atmosphärisch dicht erzählt und hat trotz der Zugehörigkeit der Heroic-Fantasy auch mir als Frau sehr gut gefallen. Einzig am Ende legt Gemmell ein klein wenig zu viel Tempo vor. Schade, dass Gemmell keine neuen Werke mehr schreiben kann, aber ich würde mich sehr freuen, wenn noch mehr Bücher von ihm neu herausgebracht werden würden, so wie dieses hier.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 03.03.2014
Der Unrechte / Das Gewölbe des Himmels Bd.2
Orullian, Peter

Der Unrechte / Das Gewölbe des Himmels Bd.2


gut

Mir hat bei diesem Buch eigentlich nur eine Sache wirklich richtig gut gefallen: Dies ist die zweite Häfte des ersten originalen Bandes und beide Hälften sind innerhalb eines Monats erschienen. So konnte ich die zweite Hälfte lesen, bevor alle Details der ersten sich verflüchtigten und ich kam wieder sehr schnell in die Geschichte hinein. Das war es schon mit den Highlights. Zwar ist dieser Band wie auch der erste gut geschrieben, so dass man ihn flüssig lesen kann, aber die Schwächen der ersten Hälfte wurden hier leider nur noch schlimmer.

In diesem Band kommen die einzelnen Gruppen nach und nach in Decalam an. Vendanji offenbart den Grund der Reise nach Decalam und nachdem sich dies erübrigt hat, reisen sie nun weiter an den Rand der Welt zum Tillinghast, den Tahn betreten muss. Zunächst müssen sie allerdings aus Decalam wieder heraus, da sich Tahn und Sutter in eine arge Miesere gebracht haben. Auf dem Weg zum Tillighast werden sie erneut von Stilletreuen verfolgt. Kann Tahn sein Schicksal annehmen?

Wenn ich mir meine inhaltlichen Beschreibungen beider Bücher so durchlese, klingen sie irgendwie als hätte ich sie zu einem Kinderbuch geschrieben, so lächerlich banal ist die Handlung. Leider ist sie nicht überspitzt, der Inhalt ist wirklich so nichtssagend. Zwar lässt sich wie gesagt das Buch eigentlich ganz gut lesen, aber es wirkt komplett unausgereift und ist weit entfernt von tiefgründiger, atmosphärischer High-Fantasy. Auch hier reihen sich Mini-Episoden aneinander, so dass das Buch eher wie eine Verschriftlichung eines Fantasy-Rollenspiels wirkt.
Dabei wird es sogar zeitweise sehr spannend, so dass ich unbedingt weiter lesen wollte. Dies lag aber nicht an einem wunderbar interessanten Finale oder einer guten Schlacht, nein nach über 1000 gelesenen Seiten wurde endlich etwas von Tahns Vergangenheit offenbart und auch vom Zweck der Reise. Leider reagiert Tahn sehr dämlich auf die Offenbarungen ihm gegenüber und außerdem sind diese nicht mal vollständig. Der Leser weiß am Ende, wer der Vater ist, aber nicht, wer die Mutter ist – obwohl ich mir eigene Schlüsse ziehen konnte. Richtig blöd war jedoch das Finale. Nach dieser elendig langen Reise, kommen sie endlich im Tillighast an, es vollzieht sich, was sich vollziehen muss und ich habe rein gar nichts davon verstanden. Nichts. Null. Für mich war danach alles beim Alten. Entweder der Autor hat sich dieses auch so tolle Finale zu kompliziert - oder zu banal ausgedacht. Ich weiß jedenfalls nicht, was das alles sollte und habe mich deswegen etwas veräppelt gefühlt, da ich doch so viel Zeit bereits in diese Reihe investiert hatte. Zudem bringt Tahn Wendra gegen sich auf. Was doppelt dämlich ist, weil sie zum einen dort im Grunde nichts zu suchen hat und zum anderen sich zu stark und künstlich aufregt. Wendra und viele der anderen Charaktere handeln nicht konsequent und sind nicht ausreichend modelliert. Das lässt für mich nur einen einzigen Schluss zu: Diese Reihe ist für mich an dieser Stelle beendet. Sie ist zu banal, zu unausgegoren und planlos außerdem. Die Hoffnung, die ich nach der ersten Hälfte hatte, dass ich nun nach Lektüre der zweiten schlauer sei, was den Gesamtablauf betrifft und welche Möglichkeiten es gibt, die Stilletreuen endgültig zu besiegen, wurde nicht bestätigt. Ich weiß immer noch nicht mehr. Und die Karte ist immer noch großer Mist.

Fazit des gesamten ersten Teils: Das Gewölbe des Himmels ist eine Reihe, die für mich konzeptlos daher kommt. In diesem ersten Band reihen sich Episoden aneinander, die zwar an sich gut zu lesen sind, aber sich nicht stimmig zu einem großen Ganzen fügen, vor allem weil die Charaktere zwischenzeitlich getrennt werden. Der Plot ist belanglos, vor allem weil ich nach dem enttäuschenden Finale immer noch nicht schlauer bin, was das alles sollte und wie es nun weitergeht. Zwar ist das Buch gut geschrieben, aber aufgrund der Konzeptlosigkeit nicht wirklich gut. Nicht einmal die Charaktere konnten mich gänzlich überzeugen.

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 30.01.2014
Abby und Aschenputtels Geheimnis / Abby Bd.2
Mlynowski, Sarah

Abby und Aschenputtels Geheimnis / Abby Bd.2


sehr gut

Die Idee, die hinter dieser Reihe steckt hat mir so gut gefallen, dass ich den ersten Band sofort lesen musste. Und obwohl ich von diesem recht enttäuscht war, da er einen sehr langweiligen und zähen Mittelteil hatte, gefiel mir die Idee immer noch so gut, dass ich auch diesen zweiten Band lesen musste. Und siehe da, dieser Teil ist bei weitem nicht mehr so langweilig!
In diesem Band gelangen Abby und ihr Bruder erneut in die Märchenwelt und zwar nach Flaum zu Aschenputtel, dabei wollten sie eigentlich nur Schneewittchen besuchen und Abbys liebsten Pyjama wieder holen. Daraus wurde nun nichts und so schnell kommen sie auch nicht nach Hause, denn einen Zauberspiegel scheint es in diesem Märchen nicht zu geben. In der besten Absicht diesmal ja gar nichts am Ablauf des Märchens zu ändern, bringen sie es unfreiwillig völlig durcheinander. So durcheinander, dass es schlussendlich ein gänzlich anderes Happy End bekommt und auch die Charaktere nicht mehr so schlecht dastehen, wie man es aus dem Märchen kennt. Dies hat mir sehr gut gefallen, ermöglicht es das Märchen sowohl zu hinterfragen als auch über alternative Handlungsweisen der Charaktere nachzudenken. Was wäre, wenn die beiden Schwestern gar nichst so böse sind? Wieso verlässt Aschenpttel nicht einfach das Haus, wenn es ihr dort so schlecht ergeht! Sehr schön!
Der Schreibstil der Autorin hat mir wieder sehr gut gefallen, kam es mir als Leser doch so vor, als würde Abby genau mir die Geschichte gerade in diesem Moment erzählen – Präsens als Erzählzeit – und so hatte ich stets das Gefühl mitten im Geschehen zu sein. Dazu ist das Tempo für ein Kinderbuch angemessen hoch, für mich hätte es jedoch noch mehr Hintergrund geben können.
Schade finde ich ein wenig, dass die beiden Geschwister sich nun so extrem gut verstehen. Keine Spur mehr von der typischen Geschwisterliebe, bei der sich beide auf den Keks gehen und dann doch zusammenhalten, wenn es hart auf hart kommt. Hier hat das Abtauchen ins Märchenland die beiden zu einer Einheit zusammengeschweißt, was zwar auch eine tolle Entwicklung ist, die man Kindern mit auf den Weg geben sollte, schraubt den Unterhaltungswert des Buches jedoch etwas nach unten.
Im Original sind bereits drei weitere Bände erschienen: In Band drei gelangen Abby und ihr Bruder in das Märchen der kleinen Meerjungfrau (endlich mal kein Grimmsches Märchen!), in Band vier ist Dornröschen an der Reihe und Band fünf – welcher noch nicht erschienen ist – Rapunzel.

Fazit: Abby und Aschenputtel in Gefahr hat mir besser gefallen als sein Vorgänger, weil es nicht nur leicht und locker geschrieben ist und man als Leser mitten im Geschehen ist, sondern auch weil es eine tiefergehende Auseinandersetzung mit dem Märchen ermöglicht. Zudem ist die Handlung hier spannender als im ersten Band. Allerdings ist dieser kürzer und gerade etwas Tiefe ist das, was mir an diesem Buch gefehlt hat. Dennoch finde ich, dass die Whatever after-Reihe sehr gelungen ist und ich freue mich schon auf den nächsten Band mit der kleinen Meerjungfrau.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 02.01.2014
Krampus
Brom

Krampus


sehr gut

Ich habe bereits ein Buch des Autors gelesen, nämlich Der Kinderdieb und hatte auch Gefallen an Broms düsterer, brutaler Interpretation von Peter Pan gefunden. In Krampus hat Brom sich nun die Geschichte des Weihnachtsmanns und den Mythos um Krampus und das Julfest vorgenommen und diese beiden nicht nur miteinander verbunden, sondern auch noch eine Prise der nordischen Mythologie beigefügt. Diese Idee hat mir sehr gefallen und so musste ich sie einfach lesen.
Im Mittelpunkt steht Jesse, aus dessen Sicht wir auch den größten Teil der Geschichte erleben. Jesse ist eine traurige Gestalt, der in einem geliehenen Wohnwagen haust und versucht seine Brötchen durch seine Musik zu verdienen. Leider glaubt er nicht stark genug an sich selbst, so dass er bisher noch keinen Erfolg mit seinen Liedern feiern konnte. Um überleben zu können hat er sich auf illegale Geschäfte eingelassen. Doch sein Leben sollte sich ändern, als er plötzlich Zeuge wurde, wie eine Gestalt, die seltsamerweise dem Weihnachtsmann sehr ähnlich sah mit einigen Dämonen in einen Konflikt geriet und letztlich einer dieser Dämonen samt des Nikolaussackes vom Schlitten genau in Jesses Wohnwagen knallt. Diese Dämonen gehören zu Krampus, der Geist des Julfestes und mithilfe des Sackes, kann er wieder aus seinem Gefängnis ausbrechen.
Enttäuscht wurde ich zwar nicht, aber begeistern konnte mich das Buch auch nicht. Krampus ließ sich ähnlich wie Der Kinderdieb einfach lesen und ist diesem Buch in vielen Dingen sehr ähnlich, allerdings fehlt ihm der gewisse Zauber, wie ich ihn in Der Kinderdieb noch finden konnte. Zudem war das Buch auch spannend. Es gab genug Action und es ging z.T. blutig und brutal zu, aber dennoch ist der Funke nicht übergesprungen. Dies mag zum einen daran liegen, dass das Buch gänzlich in der realen Welt spielte und es so wenig fantastisch daherkam, zudem war mir beim Lesen nicht ganz klar, worauf das ganze hinauslaufen soll. Klar, da gibt es die Fehde zwischen Weihnachtsmann und Krampus, doch die ist seltsamerweise recht schnell abgehandelt. Danach kommt aber noch mehr, und zum Schluss kommt es einerseits dann doch anders, andererseits löst sich so manches in Wohlgefallen auf. Für mein Empfinden hapert es hier daher vor allem am Aufbau der Geschichte, die deutlich vom Schema Einführung, Hauptteil, Finale abweicht und daher auch keine sich aufbauende Spannungskurve hat. Daher konnte ich nicht wirklich komplett in die Geschichte abtauchen…
Gefallen hat mir allerdings das Spiel mit “Gut” und “Böse”. Der Hauptcharakter ist dem Titel nach Krampus und dieser hat zwar eindeutig böse Seiten, andererseits erlebt der Leser einiges aus seiner Sicht und daher ging es mir so, dass ich den Geist des Julfestes nicht als böse empfand und auch eher “anti-Weihnachtsmann”-gesinnt war. Allerdings hat Brom auch diese Figur sehr ambivalent gezeichnet, so dass er je nach Sichtweise mal als “gut” und mal als “böse” dargestellt wird. Solche Spielchen mit dem Leser gefallen mir sehr.
Auch die Idee, die nordische Mythologie mit einzubeziehen, fand ich zu Anfang sehr skurril und an den Haaren herbei gezogen, doch im Laufe der Zeit konnte ich mich sehr damit anfreunden. Schade nur, dass dieser Hintergrund und die zahlreichen Gestalten wie Hugin und Munin, sehr schnell beiseite gedrängt wurden. Noch mehr solcher Details und auch noch mehr Hintergrund zum Julfest, hätten der Geschichte meiner Meinung nach sehr gut getan. Auf jedenfall hätten sie sie noch atmosphärischer gestaltet.
Was ich an den Büchern von Brom sehr schätze, sind seine Zeichnungen. Zu jedem Kapitelanfang ist eine von Broms Zeichnungen in schwarz-weiß abgedruckt und in der Buchmitte sind sogar die Hauptpersonen in Farbe abgedruckt. Dies hebt die Stimmung und macht das Buch atmosphärischer. Da das Buch allerdings nur 18 Kapitel hat, hätte ich mir an passenden Stellen weitere Bilder gewünscht, die die Atmosphäre einfangen und wiederspiegeln.

Bewertung vom 02.01.2014
Der Herr der Tränen / Rostigan & Tarzi Bd.1
Bowring, Sam

Der Herr der Tränen / Rostigan & Tarzi Bd.1


ausgezeichnet

Einstmals gab es einen Mann, der konnte mit Hilfe der Fäden Magie wirken, doch er machte sich daran die Fäden der Großen Magie zu verändern. Dies machte ihn nicht nur mächtig, sondern auch böse, da die Welt diese Veränderungen nicht vertrug und Naturkatastrophen die Folge waren. Die größten Fadenwirker dieser Zeit machte sich auf, um diesen Herr der Tränen zu besiegen. Als er endlich vom Angesicht der Welt verschwunden war, mussten sie jedoch schnell feststellen, dass er nicht vollständig verschwinden konnte. Manche Fäden, die er in sich selbst verwoben hat, konnten nicht entfliehen und suchten sich neue Wirte in den Wächtern, doch nicht jeder von ihnen konnte mit den dadurch erlangten mächtigen Fähigkeiten umgehen und wurden seinerseits böse. Doch es gelang auch sie zu besiegen. Die Große Magie kam zwar zur Ruhe, doch geheilt wurde sie nie zur Gänze und nun tauchen schon wieder diese seltsamen Naturphänomene auf. Als die ersten Zeugen wurden Rostigan und Tarzi der verschwundenen Stadt Silberstein ansichtig und Rostigan als alter Held berühmter Schlachten wurde schnell klar: Die Wächter sind zurückgekehrt.
Mit Der Herr der Tränen hat Sam Bowring eine wirklich schöne Fantasy-Geschichte ersonnen, die sich sehr leicht und einfach lesen ließ und mir dabei sehr viel Freude bereitet hat. Zunächst lernt der Leser mit Rostigan und Tarzi die zwei Hauptcharaktere kennen, doch nach und nach werden die einzelnen Wächter näher beleuchtet, da der Leser auch aus ihrer Sicht die Geschichte phasenweise erlebt. Zunächst dachte ich, dass auf diese Weise Hintergrundwissen vermittelt wird, doch schnell wird klar: Die Wächter sind alles andere als Nebencharaktere, sondern bilden das Zentrum des Geschehens. In diesem Zusammenhang ist mir positiv aufgefallen, dass Bowring mit Tarzi eine Bardin als eine seiner Protagonisten erdacht hat. So hat Tarzi die Möglichkeit wo immer sie auch ist sehr passend die Hintergrundgeschichten der einzelnen Wächter zu erzählen, ohne dass es künstlich wirk, da Geschichten erzählen nun einmal das ist, womit eine Bardin ihren Lebensunterhalt verdient. Auf diese Weise fügen sich die Geschichten der Wächter als das ein, was sie sind: erzählte Geschichten.
Im Verlauf der Handlung lernt der Leser die Wächter näher kennen und die Kategoriesierung zwischen gut und böse wird an einigen Stellen aufgeweicht, was zu interessanten Wendungen führte. So werden die Protagonisten recht vielschichtig dargestellt.
Einer der Wächter ist in der Lage die Zeit anzuhalten und die Form, in der Bowring dies umgesetzt hat, hat mir sehr gut gefallen. Hier hält dann nicht einfach nur die Zeit an, und diejenigen die nicht betroffen sind, machen einfach so weiter, als wäre nichts, weit gefehlt. Zum einen hält die Zeit weltweit an, was ich schon einmal schön logisch finde, zum anderen hält wirklich jedes Molekül dort an, wo es gerade war. So wird Staub in der Luft fest und zur tödlichen Waffe, denn wenn man durch solch eine erstarrte Wolke spaziert, treibt man sich unweigerlich die Staubkörner durch den Körper. An solche Dinge habe ich noch nie gedacht, als ich irgendwann mal ein Buch mit ähnlicher Thematik gelesen habe. Bowring hat hier meiner Meinung nach einen Schritt weiter gedacht und dies hat mich überzeugt.
Das einzige, was ich dem Buch anlasten würde, wäre die Tatsache, dass das Ende zwar absehbar war, aber nicht vollständig ist, heißt ich hätte sehr gern das zweite Buch dieses Zweitteilers am Ende der Lektüre bereits besessen um gleich weiter zu lesen. Zwar hat das Buch einen guten Sinnabschnitt, aber eben kein richtiges Ende, da der Leser bereits ahnt, worauf es am Ende hinauslaufen wird, doch dieses Finale ist noch nicht in erreichbarer Nähe, da muss ich noch bis zum Juni 2014 warten.
Dafür muss ich sagen, ist das Cover sehr gelungen. Ich mag die düsteren Farben und die eingefangene Stimmung sehr! Dies wird zum Glück im Cover der Fortsetzung so weitergeführt!

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.