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Benutzername: Sonennschein
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Bewertungen

Insgesamt 43 Bewertungen
Bewertung vom 06.11.2014
Die Lichtung / Jan Römer Bd.1
Geschke, Linus

Die Lichtung / Jan Römer Bd.1


gut

Der Journalist Jan Römer bekommt von seinem Chef eine brisante Aufgabe zugedacht: Er soll über einen 27 Jahre zurückliegenden Doppelmord berichten. Damals wurden im Bergischen Land 2 Teenager umgebracht, ein Mädchen wurde vergewaltigt und dann erwürgt und ein Junge erschlagen. Die beiden schrecklichen Taten wurden nie aufgeklärt. Jan Römer war damals ein Freund eines der Opfer. Das getötete Mädchen selbst kannte er nur flüchtig, aber sie war diejenige, die die Clique damals in die Blockhütte in der Nähe von Wiehl eingeladen hatte. Für die aus Köln stammenden Jugendlichen war dies damals eine gelungene Abwechslung und eine Gelegenheit mit ihren jeweiligen Freunden/Freundinnen ein ungestörtes Wochenende fernab des Elternhauses zu verbringen. Dass dieses Wochenende so schlimm enden würde, konnte niemand ahnen, und Römer hat dieses Mordfälle bis jetzt verdrängt. Er ist alles andere als begeistert, darüber zu berichten, dennoch informiert er seinen Chef nicht, daß er damals einer der Jugendlichen aus dieser Clique war, sondern aktiviert eine junge, ehemalige Journalisten-Kollegin, ihm bei den Recherchen zu helfen. Schon bald muß Römer jedoch erfahren, daß er irgendetwas auf der Spur ist, denn seine Frau wird unterschwellig telefonisch bedroht und später Römer sogar selbst. Er nimmt Kontakt zu seinen damaligen Freunden auf und erfährt hier teilweise starke Ablehnung. Einige seiner Freunde wollen an das Geschehen von damals nicht mehr erinnert werden und dies aus gutem Grund. Die Jugendlichen haben der Polizei damals nicht die ganze Wahrheit gesagt und Römer weiß dies auch.

Der Krimi ist durchaus lesenswert Die Sprache finde ich teilweise etwas stockend und holprig. Die Rückblicke in die Zeit vor 27 Jahren sind mir zu ergiebig und lassen daher den Spannungsbogen zu sehr abflachen.Obwohl ich jünger als die Jugendlichen der 80er-Jahre bin, kommt bei mir das angeblich so gut vermittelte Lebensgefühl der damaligen Jugendlichen nicht an.Hier hätte man Manches besser machen können. Das Ende war überraschend und der präsentierte Täter durchaus glaubwürdig. Für einen Erstling finde ich das Buch daher o. k., obwohl Potential verschenkt wurde.

1 von 3 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 17.10.2014
Die Lebenden und die Toten / Oliver von Bodenstein Bd.7 (Restauflage)
Neuhaus, Nele

Die Lebenden und die Toten / Oliver von Bodenstein Bd.7 (Restauflage)


ausgezeichnet

Endlich wieder ein ein neuer Fall für die Kriminalkommissare Kirchhoff und von Bodenstein und ihr Team. Es ist kurz vor Weihnachten und Pia Kirchhoff hat eigentlich Urlaub. Sie hat ihren Lebensgefährten Christoph Sander heimlich geheiratet und will mit ihm in die Fitterwochen fahren. Ihr frischgebackener Ehemann nimmt aus beruflichen Gründen ohnehin wieder an einer Kreuzfahrt teil und Pia wird ihn dieses Mal begleiten. Sie freut sich schon sehr. Doch dann beginnt ein tückischer Heckenschütze sein Unwesen zu treiben. Als erstes trifft es eine ältere Frau, die gerade den Hund ihrer Tochter ausführt. Diese kann sich den Mord an ihrer Mutter nicht erklären, war diese doch eine allseits beliebte und freundliche Frau. Genauso ist es beim 2. Opfer, der Ehefrau eines Herzchirurgen. Auch hier läßt sich kein Motiv für diese schreckliche Tat finden. Pia Kirchhoff unterstützt noch ihre Kollegen, da einige krankheitsbedingt ausgefallen sind und es kommt wie es kommen muß, sie läßt Christoph alleine in Urlaub fahren, denn sie muß ihren Kollegen einfach zur Seite stehen. Zu sehr haben sie die schrecklichen heimtückischen Morde schon erschüttert. Leider bleibt es nicht bei diesen 2 Morden, es geht weiter. Als der Todesschütze Todesanzeigen verschickt, wird klar, daß die Ermordeten nur sterben mußten, um ihre Angehörigen zu treffen. Diese haben Schuld auf sich geladen und der Mörder will sich an ihnen rächen. Er will Vergeltung und scheint eine Art Todesliste "abzuarbeiten". Die Ermordungen hängen mit dem Tod einer Frau vor 10 Jahren zusammen. Bedingt durch ihren Hirntod, gaben die Angehörigen unter immensen Druck seitens der Ärzte die Erlaubnis, die Organe der Frau zu entnehmen. Doch damals ist hier einiges schief gelaufen und nicht mit rechten Dingen zugegangen. Die behandelnde Klinik mauert jedoch und so tappen von Bodenstein und sein Team lange im Dunkeln und sind dem Mörder immer einen Schritt hinterher. Als die Öffentlichkeit um Mithilfe gebeten wird, wird der Druck, der auf der Polizei lastet, noch größer und Pia und ihre Kollegen gelangen physisch wie psychisch an ihre Grenzen, denn zunächst können sie leider weitere Morde nicht verhindern.

Bisher haben mir alle Krimis von Nele Neuhaus unglaublich gut gefallen und so ging es mir bei diesem auch. Dennoch denke ich, daß dieser neben "Schneewittchen muß sterben" einer ihrer bisher besten Krimis ist. Wieder war es so, daß geschickt viele Spuren gelegt wurden und man nicht umhin kann, zu lesen und zu lesen, bis man "leider" schon am Ende des Buches angelangt war. Der Schreibstil ist so flüssig und so gut lesbar, daß man den Krimi nahezu verschlingt. Die Rahmenhandlungen um Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein sind ebenfalls wie immer sehr interessant und unterhaltsam zu lesen und man erfährt wieder einiges aus ihrem Privatleben. Der Einblick in die Polizeiarbeit kommt auch nicht zu kurz und hat mir sehr gut gefallen. Geschickt hat sie dieses Mal ein bis vor kurzem noch sehr aktuelles Thema der Organspende in den Roman verwoben, ohne dabei dem Leser eine Meinung aufzuzwingen. Das ist es ihr sehr gut gelungen. Der Krimi ist nicht nur eine ausgezeichnete Lektüre, nein er klingt dieses Mal auch noch besonders lange nach und macht nachdenklich. Es kann jedem Menschen schließich irgendwann passieren, daß er vor die dramatische Entscheidung gestellt wird, entscheiden zu müssen, ob einem klinisch toten Angehörigen Organe entnommen werden dürfen. Daher kann man nur hoffen, daß auch andere Leser hierdurch vielleicht angeregt werden, hier in welcher Weise auch immer schon vorzusorgen und ihren nächsten Verwandten diese Bürde für den Fall der Fälle schon im voraus abzunehmen.

4 von 4 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 09.10.2014
Tote trinken keinen Whisky / Pippa Bolle Bd.5
Auerbach & Keller

Tote trinken keinen Whisky / Pippa Bolle Bd.5


ausgezeichnet

Wieder ein neuer Fall für die sympathische Hobby-Detektivin, Übersetzerin und "Haushüterin" Pippa Bolle. Dieses Mal ist die Berlinerin Pippa nebst Bruder Freddy zu einer Hochzeit auf die schottische Insel Kintyre eingeladen. Hier heiraten ihre Freunde, der Schotte Duncan und Anita, eine Österreicherin. Duncan ist der Erbe der örtlichen Whiskey-Brennerei. Erst vor kurzem hat er sich dazu entschieden, die Brennerei zu übernehmen. Vorher war er sich noch unsicher, er hat in einer Band gespielt, aber das Musizieren hat er nun zugunsten seiner neuen Verpflichtung aufgegeben. Sein Großvater, der bisher die Firma leitete, ist froh, daß sein Enkel Duncan nun in seine Fußstapfen tritt. Duncan hat früh seine Eltern bei einem tragischen Bootsunfall verloren. Aufgewachsen ist er daher bei seiner Tante und seinem Onkel und seiner fast gleichaltrigen Kusine Iona, die ebenfalls in der Brennerei sehr erfolgreich tätig ist. Iona ist eine sehr selbstbewußte Frau und eigentlich war wohl nicht nur sie davon ausgegangen, daß Duncan und sie schließlich einmal ein Paar werden. Zudem hatte sie bisher relativ viel in der Brennerei "zu sagen", dies wird sich nun mit Duncans offiziellem Eintritt etwas ändern. Anita, seine zukünftige Ehefrau, weiß um diese Spannungen und ist zudem auch noch durch Ionas großes Selbstbewußtsein ihr gegenüber etwas verschreckt. Umso mehr freut sie sich, daß ihre Eltern und viele ihrer Freunde zur Hochzeit erschienen sind. Anita und Duncan haben nämlich noch mit weiteren Problemen zu kämpfen und haben sich daher für einige ihrer Feunde "Aufgaben" überlegt, die diese für sie statt eines Hochzeitsgeschenks erledigen sollen. Zum einen möchten die beiden wissen, wem sie vertrauen können. Erst vor kurzem hat es einen schlimmen Unfall in der Brennerei gegeben. Der Brennmeister liegt seitdem im Koma und viele geben Duncan die Schuld, obwohl es eher nach einem Sabotageakt aussieht. Zudem hat Duncan überzählige Fässer Whiskey in seinem Lager entdeckt. Wenn dies die Steuerbehörde erfährt, könnte man ihn der illegalen Whiskeybrennerei beschuldigen. Duncan hat keine Ahnung, wie es dazu kommen konnte und ob es sich bei den Geschichten um die "Katzenbande", die illegal Whiskey brennt und schmuggelt, nicht nur um ein Gerücht sondern um eine Tatsache handelt. Auch hier sollen ihm die Freunde helfen, Licht ins Dunkle zu bringen. Fakt ist jedenfalls, daß Whiskey-Schmuggel betrieben wird. Erst vor kurzem ist leider eine örtliche Razzia fehlgeschlagen, da die Verbrecher früh genug von einem "Maulwurf" aus den Reihen der Polizei gewarnt wurden. Zudem wil Duncan gerne mehr über den damaligen Segelunfall, bei dem seine Eltern starben und er überlebte, erfahren. Seine Freunde, u. a. ein Profiler und eine Polizistin sowie Freddy und ihr Bruder machen sich an die Arbeit. Währenddessen geschieht unverhofft ein Mord an einem Brennerei-Mitarbeiter, den auch Pippa schon gut kennengelernt hat und es soll leider nicht der letzte bleiben.
Dieser Krimi um Pippa Bolle hat mir wieder sehr gut gefallen. Wie gehabt haben die beiden Autorinnen wieder ein Vorwort mit den beteiligten Personen eingerichtet. Dies ist wirklich sehr hiflreich und ein Muss, weil ich selbst einige Male nachschlagen mußte, um zu schauen, wer dies denn gleich noch einmal war. Die einzelnen Protagonisten sind wieder herrlich eigen und liebevoll skizziert. Die Beschreibung Kintyres, der Whiskey-Brennerei und allerlei Hintergrundwissen ist vortrefflich recherchiert worden und wird dem Leser auf äußerst unterhaltsame Weise nahegebracht. Dazu noch ein Mix aus skurillen Ideen und ein wunderbar logisches Ende vermischt mit einer angenehm unblutigen Kriminalhandlung, ich wüßte nicht, was man als Krimi-Leser noch mehr wolen sollte, daher bekommt dieses Buch volle verdiente 5 Punktzahl von mir.

Bewertung vom 03.10.2014
Das Gesicht der Anderen
Eder, Fabian

Das Gesicht der Anderen


sehr gut

Margarete Boll ist schön, umschwärmt und 17 Jahre alt als ihr bisheriges Leben zerbricht. Während eines Gartenfestes löst sich ungewollt ein Schuss aus einer neuen Waffe ihres Vaters, dessen Firma Waffen fertigt, und trifft ihr Gesicht. Von diesem ist seitdem so gut wie nichts mehr übrig und es ist schrecklich entstellt. Doch die Tragik geht noch weiter. Der Vater erleidet nach diesem Vorfall einen Herzinfarkt, er erholt sich zwar wieder, aber seine Ehefrau zerbricht am Geschehen und meidet ihn.. Als die beiden ihre Tochter im Krankenhaus besucht haben, rast Margaretes Vater mit seiner Frau mit dem Auto in den Tod. Margarete ist seitdem nun auch noch Vollwaise. Sie trägt eine Maske, die ihre Entstlellungen verbergen, aber sie ist dennoch völlig isoliert und einsam. Sie legt ihr Abitur ab, beginnt ein Studium, aber alles einsam und verlassen im familieneigenen Schloß, abgegrenzt von der nahen Ortschaft. Ihr einziger sozialer Kontakt ist die treue, ältere Hausangestellte Anna, die schon sehr lange bei den Bolls angestellt ist. Margarete weiß, daß Anna sie irgendwann verlassen wird, Anna wird sterben und dann ist sie ganz allein. Sie sehnt sich nach Liebe und Zuwendung. Durch einen Internet-Chat treibt sie ein gefährliches Spiel. Sie läßt sich mit einem unbekannten Mann ein. Die Chats werden sehr intim und der Mann schlägt ein persönliches Treffen vor. Margarete willigt schließlich ein, zu sehr ist das Verlangen nach menschlicher Nähe. Dieses Treffen endet leider sehr schmerzhaft für Margarete und danach versucht sie sich in ihrer Verzweiflung das Leben zu nehmen. Sie wird jedoch gerettet. Ein Mann kann sie in letzter Sekunde davon abhalten und wiederbeleben. Nachdem sich Margarete körperlich erholt hat, steigert sie sich in eine Verliebtheit in ihren Retter hinein. Er hat sie ohne die Maske gesehen, die ihr Äußeres verbirgt und er hat sich nicht von ihr abgewendet. Margarete ist sehr enthusiastisch. Hein Schuberth, Sänger und ihr Retter könnte ein Ausweg aus ihrer Isolation sein. Sie sucht seine Nähe und scheint trotz der 36 Jahre Altersunterschied eine verwandte Seele gefunden zu haben. Die beiden werden tatsächlich ein Paar. Doch Hein Schuberth hat dunkle Seiten und Geheimnisse, die Margarete offenbar ausblendet. Zeitgleich verändet sie sich zusehends. Hager, den treu ergebenen Geschäftsführer will sie aus der Firma drängen. Sie will die Macht an sich reißen. Ihre mütterliche Hausangestellte Anna, die sie doch eigentlich sehr liebt, weist sie in die Schranken zurück und schließlich- Margarete wagt sich in die Öffentlichkeit. Sie entwickelt in sehr kurzer Zeit ein immenses Selbstvertrauen. Ihr Reichtum hilft ihr dabei. Ihr Anderssein durch ihr "fehlendes Gesicht" und die ihr genommene Fähigkeit der Mimik machen die Menschen unruhig und unsicher. Niemand kann sie durchschauen und eben dies weiß Margarete. Vom bemitleidenswerten Mädchen entwickelt sie sich rasant zur kaltblütigen, machtbesessenen und skrupellosen Frau, die längst ihren Plan geschmiedet hat, doch sie ahnt noch nicht, welche dramatische Entwicklung ihre Liaison mit Hein bringen wird. Der Roman liest sich sehr gut. Er ist flott, interessant und spannend geschrieben. Faszinierend und abstoßend zugleich - genau wie Margaretes Gesicht bzw. ihre Maske, Die Entwicklung im Roman ist rasant und die Spannung nimmt dementsprechend auch stetig an Fahrt auf. Einerseits möchte man Margarete bemitleiden, andererseits stößt sie einen durch ihr Verhalten und ihre herrrische Art ab. Unverständnis zeigt man, als sie die Liaison mit Hein beginnt. Man möchte ihr helfen, ihr die Augen öffnen, aber anderseits möchte man aber auch, daß dieses scheinbar herzlose neureiche "Gör" auf die Nase fällt. Nur weil ihr Reichtum es ihr erlaubt, denkt sie, daß sie mit Menschen nach Belieben umspringen kann. Die 4 Jahre der Isolation haben ihr nicht gutgetan. Doch am Ende zeigt sie wieder Menschlichkeit und auch wieder eiskalte Berechnung und es wird klar, wie sehr sie sich nach echter Liebe sehnt.

Bewertung vom 11.08.2014
Mit zwanzig hat man kein Kleid für eine Beerdigung
D'Urbano, Valentina

Mit zwanzig hat man kein Kleid für eine Beerdigung


ausgezeichnet

Sehr bewegend und berührend

Geschildert wird die bisherige Lebensgeschichte der 20-jährigen Beatrice, die mit ihren noch jungen Eltern und dem jüngeren Bruder in einem Armenviertel lebt. Die Gegend dort ist allgemein heruntergekommen, die Bewohner der Häuser haben diese besetzt und nur selten verirrt sich die Polizei in diese Gegend, die man auch die "Festung" nennt. Beatrices Eltern haben keine Ausbildung und wurden schon früh Eltern, aber sie sind anständige Leute und versuchen aus ihrem Leben das Beste zu machen und sich immer irgendeine Arbeit zu suchen, um das Überleben der Familie zu sichern. Doch eine halbwegs gut bezahlte Arbeit zu finden ist für die Bewohner dieses Viertels sehr schwierig, denn sobald potentielle Arbeitgeber erfahren, woher der Arbeitssuchende kommt, wimmeln sie diese schon ab. Dies wird Beatrice später auch erfahren müssen, als sie die Schule beendet. Das Buch beginnt mit der Beerdingung des 19-jährigen Alfredo, an der Beatrice relativ beäubt teilnimmt und beschließt die "Festung" endgültig zu verlassen.Dann wechselt die Handlung in Beatrices Kindertage. Über ihnen ist ein verwitweter Vater mit seinen drei Söhnen eingezogen. Diese Familie kommt aus noch einer viel ärmeren Unterkunft. Ständig gibt es dort Lärm und Krach. Der Vater wird nicht mit dem Tod seiner Frau und seinem Leben fertig und die Söhne müssen es büßen. Oft müssen die Nachbarn erleben, wie er seine Kinder fast tot schlägt. Besonders Alfredo, den mittleren seiner Söhne, der im gleichen Alter wie Beatrice ist, erwischt es meistens und so kümmern sich Beatrices Eltern sehr häufig um Alfredo und seine Brüder. Alfredo findet hier eine Zuflucht, um dem tobenden, betrunkenen Vater zu entfliehen und er freundet sich mit Beatrice und ihrem jüngeren Bruder an. Da Beatrice und Alfredo unzertrennlich im Viertel erscheinen, nennt man sie bald die Zwillinge. Oft ist Alfredo Beatrice lästig und sie ist eifersüchtig auf ihn, da sie glaubt, er würde ihr einen Teil der Liebe ihrer Mutter wegnehmen und sie merkt erst in ihrer Jugend, wiewiel ihr Alfredo wirkich bedeutet und daß er ein wichtiger Teil ihres Lebens ist. Ihre manchmal kaltherzige Art machte es Alfredo nicht leicht, ihr seine Liebe zu gestehen und zwischen gewalttätigen Eifersuchsdramen der beiden, hofft man endlich, daß sie zusammenfinden. Doch die Zeichen stehen leider nicht gut für eine gemeinsame Zukunft. Alfredo rutscht immer tiefer in einen Sumpf ab, aus dem Beatrice ihn zwar mit allen Mitteln zu befreien versucht, aber dennoch scheitert. Der Schreibstil ist einfach gehalten und manchmal auch derb, symbolisiert aber so die Umgebung und das alltägliche Leben von Beatrice. Man kann sich sehr gut in sie hineinfühlen und leidet mit Beatrice, Alfredo und ihrer Familie. Während des Lesens hofft man immer noch, daß es zu einem guten Ende für Alfreod kommt, gerade da dieser junge Mensch einen so schrecklichen Start ins Leben hatte und sich keine Perspektive für ihn auftut. Dennoch ist das Buch auch hoffnungsvoll und zeigt, daß sich Beatrices Stärke auszeichnet und sie einen Ausweg aus der scheibaren Ausweglosigkeit ihres Lebens gefunden hat. Es ist ein sehr lesenswertes, unheimlich berührendes Buch, bei dem mir zum Schluß die Tränen kamen. Der jungen Autorin ist ein herausragendes Erstlingswerk gelungen und ich bin gespannt auf mehr von ihr.

Bewertung vom 11.08.2014
Mörderische Côte d Azur / Kommissar Duval Bd.1
Cazon, Christine

Mörderische Côte d Azur / Kommissar Duval Bd.1


ausgezeichnet

Sehr unterhaltsamer Krimi mit französischem Flair

Kommissar Leon Duval ist ein sympathischer, unaufgeregter Ermittler. Leider besitzt er die Eigenart sich während eines Fall so sehr mit dem Geschehen und der Tätersuche zu beschäftigen, daß er andere Dinge um sich herum völlig vergisst. So dabei auch seine Familie und die beiden kleinen Kinder. Schließlich war der Punkt bei seiner Frau erreicht, an dem es ihr genug ist und sie Duval um die Trennung bat. Duvals kürzlich verstorbener Vater hinterläßt ihm eine Villa in Cannes und so stand seiner Versetzung an den Ort der alljährlich stattfindenden berühmten Filmfestspiele nichts mehr im Wege. Der Einzug in sein neues Heim, wird jedoch schon von seinem 1. Fall unterbrochen. Der bekannte Umweltaktivist und Regisseur Thibaut wurde während einer Filmvorführung bei dem gerade begonnen Filmfestival erschossen. Dumm nur, daß dies wohl niemand während der Filmvorführung gemerkt hat. Zudem befanden sich zum Zeitpunkt der Vorführung etwa 2000 Zuschauer im Saal. Der Druck, der auf Duval und seinem Team lastet, ist sehr groß. Die Filmfestspiele sollen möglichst unbeschattet und schnell weitergehen und die Obersten in Cannes drängen ständig auf Ermittlungsergebnisse. Da sich keine Zeugen finden und die Indios, mit denen Thibaut zu den Festspielen angereist war, kein französisch sprechen ist es keine leichte Aufgabe für Duval, ein Motiv für den Mord zu finden. Doch nach und nach stellt sich heraus, daß der Ermordete nicht der Menschenfreund, der sich so engagiert für den Erhalt des Regenwaldes einsetzte, war, für den man ihn hielt und Duval und sein Team müssen eine traurige Entdeckung machen. Dieser Krimi hat mir sehr gut gefallen. Er ist sehr unterhaltsam und nicht so schrecklich brutal. Die Handlung ist schlüssig und nachvollziehbar. Es werden geschickt verschiedene Spuren gelegt, die dem Leser Anhaltspunkte für mögliche Täter bieten. Hinzukommt ein sympathischer Ermittler, der den kulinarischen Genüssen keinesfall abgeneigt ist. Neben der eigentlichen Krimhandlung erfährt man so auch etwas über die landesytypische Küche und das Leben in Cannes. Das Privatleben des Komissars wird kurz angerissen und auch aktuelle Themen in die Krimnalhandlung verwoben und dies dabei nie zu langatmig oder zu oberflächlich, so daß die Handlung einen stets zum Weiterlesen anregt. Klasse! Ich hoffe schon bald auf mehr von Komissar Leon Duval und seinem Team.

Bewertung vom 11.08.2014
In weißer Stille / Kommissar Dühnfort Bd.2
Löhnig, Inge

In weißer Stille / Kommissar Dühnfort Bd.2


sehr gut

Blick in menschliche Abgründe

Dies ist zwar der 2. Band der Reihe um den Kommissar Konstantin Dühnfort, aber für mich das 1. Buch, das ich aus dieser Serie gelesen habe und ich muß sagen, Inge Löhning und ihr Kommissar haben den Sprung auf meine Liste mit Lieblingsautoren und ihren Protagonisten geschafft. Der Schreibstil von Frau Löhning gefällt mir ausgezeichnet, sie beschreibt die Nöte und Sorgen der Personen sehr stimmig, läßt einen auch für die Täter, die im weitesten Sinn hier Opfer sind, Verständnis aufbringen. Die kollegiale Zusammenarbeit des Polizeiteams und ihre menschlichen Schwächen werden sehr gut beschrieben. Es wird sich nicht mit allzu blutig und ekelerregenden Details augehalten, sondern ein solider, logisch und leicht verzwickt aufgebauter Plot führt einen im letzten Drittel des Romans schon auf die Fährte, aber es wird nicht zuviel verraten, um die Motive des Täters erkennen zu könenn. So muß ein Krimi sein! Zum Inhalt. Der pensionierte Kinderarzt Dr. Wolram Heckeroth, sehr angesehen bei Nachbarn und seinen Mietern, wird tot und gefesselt an die Hezung in seinem gemieteten Wochenendhaus am Starnberger See aufgefunden. Die Verwesung hat bereits stark eingesetzt. Der ältere Witwer hatte eienn qualvollen Tod hinnehmen müssen. Ohne Nahrung und Wasser war er in einen sehr warmen Badezimmer zurückgelassen worden und konnte sich selbst nicht befreien. Schlimm ist es, daß sein ältester Sohne, ebenfalls Kinderarzt ihn auffinden mußte. Heckeroth seniors Putzfrau war unruhig über sein langes Fortbleiben geworden und hatte den Junior alarmiert, einmal im Wochenendhaus nachzuschauen. Kommissar Dühnfort und sein Team gehen zunächst von einem brutalen Raub ist, bei dem der qualvolle Tod des Mannes einfach in Kauf genommen wurde. Anzeichen dafür geben ihnen die verschwundene wertvolle Uhr des Toten, das verschwundene teure Auto und die Brieftasche mit den fehlenden Kreditkarten. Doch von eben diesen wird kein Geld abgehoben und das Auto taucht in der Nähe wieder auf. Dies spricht dann doch nicht für einen Raub, aber welche Motive gibt es, einen alten Mann so qualvoll und erniedrigend sterben zu lassen? Der Fund eines Fotoalbum mit ganz speziellen abnormen Fotos in der Wohnung des Toten wirft ein ganz anderes Licht auf den angesehenen ehemaligen Kinderazt und nach und nach muß der Kommissar erkennen, was für ein psychopathischer und schrecklicher Mensch Dr. Wolfram Heckeroth war und was er seiner Familie und anderen Menschen über Jahre hinweg angetan hat. Nebenbei hat Konstantin Dühnfort auch noch mit privaten Problemen zu kämpfen. Gerne würde er eine Familie gründen und glaubt hier auch endlich die richtige Frau dafür gefunden zu haben. Doch Agnes, seine Freundin, ist nach einer schrecklichen Familientragödie nicht in der Lage, mit ihm eine richtige Beziehung einzugehen.

1 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 11.08.2014
Deiner Seele Grab / Kommissar Dühnfort Bd.6
Löhnig, Inge

Deiner Seele Grab / Kommissar Dühnfort Bd.6


ausgezeichnet

Klasse!

Kommissar Konstantin Dühnfort und sein Team bearbeiten wieder einen Mordfall. Leider kommt es während des Verhörs mit der Hauptverdächtigen, einer bekannten Fernseh-Wetteransagerin, zum Eklat. Als Dühnfort kurz mit ihr alleine ist, greift sie ihn an, verletzt sich dabei und beschuldigt später Dühnfort des tätlichen Angriffs auf sie. Dummerweise ist der Polizist, der beim Gerangel hinzukam und Dühnfort eigentlich entlasten könnte, kein "Freund" von ihm und will sich wegen einer alten Angelegenheit nur zu gern an ihm rächen und so entlastet er Dühnfort nicht sondern bezeugt die erlogenen Anschuldigungen der Tatverdächtigen. Anfangs noch sicher, daß sich diese Sache bald auflösen wird, gerät Kommissar Dühnfort später in arge Bedrängnis, denn die interne Ermittlung hat sich neben der Boulevardpresse ebenfalls auf ihn als "Prügelbullen" eingeschworen. Ganz klar, daß Dühnfort von diesem Fall abgezogen wird. Aber es gibt einen neuen Fall. Eine ältere, aber noch ziehmlich rüstige Dame wird tot in ihrer Wohnung aufgefunden. An sich nicht ungewöhnlich, denn sie war schon recht betagt, doch der Leichnam war seltsam arrangiert. Die Tote hielt einen Apfel und Weintrauben in der Hand. Daher erfolgt eine Obduktion, denn die Seniorin wird sich kaum selbst so hingelegt haben. Es kommt heraus, daß sie niedergeschlagen und dann erstickt wurde. Es folgt per email ein Bekennerschreiben des "Mannes aus Samaria" der Misstände bei der Pflege und dem Umgang mit älteren Menschen anprangert und im Anhang das Foto der Ermordeten, daß nur vom Täter stammen kann. Auch die Presse erhält diese Information Schließlich kommen noch Gerüchte um einen Serientäter auf. Ein barmherziger Samariter, der kranke, alte Menschen von ihrem Leiden erlöst? Der Druck auf Dühnfort und sein Team wächst. Es folgt der nächste Tote, ein Rentner, der ziehmlich verwahrlost in seiner Wohnung lebte. Doch genau wie beim 1. Fall paßt das Motiv eines Barmherzigen nicht. Beide Ermordeten waren nicht schwer krank und mußten also nicht erlöst werden. Liegt das Motiv für die Morde ganz woanders? Und schließlich gibt es da noch Elena, die illegale, ausländische Putzfrau der Toten, die genau seit dem Mord verschwunden ist. Ist sie Täterin oder gehört sie zum Täter oder ist sie womöglich eine wichtige Zeugin, die vielleicht gar nicht mehr lebt? Mit den beiden Morden hört es längst nicht auf und als sich wertvolle Spuren auftuen, stellt sich doch wieder heraus, daß diese nicht zusammenpassen. Ein verzwickter Fall, der viele Rätsel aufgibt, bis es zur Lösung kommt. Der Krimi ist einfach klasse und liest sich unheimlich gut, so spannend ist er. Die Autorin Inge Löhning greift verschiedene Erzählstränge um die Protagonisten auf, die sich geschickt abwechseln und den Leser jedwede Person als Täter in Frage ziehen lassen. Die Suche nach dem Motiv ist geschickt angelegt. Wunderbar kann man Kommissar Dühnforts Überlegungen und Zweifel nachvollziehen. Auch die Sorgen und Nöte der Handelnden sind schlüssig geschildert. Der Plot ist sehr gut angelegt. Nur im letzten Rest des Buches kann man schließlich den Täter erahnen und dann kommt es noch zu überraschenden Wendungen. Zu kurz kommen auch nicht die Details um Kommissar Dühnforts persönliches Umfeld. Alles in allem ein toller Krimi, der absolut empfehlenswert ist und den man einfach nur verschlingen kann. Jetzt freue ich mich auf Teil 7 der Reihe.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.