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Benutzername: Sonennschein
Danksagungen: 15 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 43 Bewertungen
Bewertung vom 03.03.2015
Du bist mein Tod
Kendal, Claire

Du bist mein Tod


ausgezeichnet

Dieser Thriller nimmt einen gefangen

Dieser Thriller nimmt einen wirklich gefangen und zieht einen in seinen Bann. Die LP hat hier gehalten, was ich mir von ihr versprochen hatte.

Clarissa ist 38 Jahre alt und hat noch nicht ihre vor kurzem beendete Beziehung zu ihrem Freund Henry richtig verarbeitet. Sie und Henry hatten vergeblich versucht, einen Kind zu bekommen. Nach und nach kam es dann wohl zum Bruch der Beziehung. Henry lehrte an der Uni, an der Clarissa als Sekretärin arbeitet. Rafe, ebenfalls ein Dozent, arbeitet auch dort und umgarnt Clarissa schon länger. Mehr aus Höflichkeit nimmt sie schließlich einmal eine Einladung an, die Lesung seines Buches zu besuchen. Als sie von dieser Lesung wieder gehen will, drängt sich Rafe ihr jedoch auf und begleitet sie nach Hause. Vorher haben die beiden noch Wein getrunken und Clarissa fühlt sich nicht wirklich gut. So kommt es, daß Rafe sie auch in ihre Wohnung begleitet, wo es zum Sex kommt, den Clarissa eigentlich gar nicht will. Offenbar hat Rafe ihr etwas in den Wein getan, denn am nächsten Tagen fühlt sie sich enorm schlecht und muß an ihrem Körper schlimme Blessuren feststellen. Clarissa will alles einfach nur vergessen und Rafe möglichst aus dem Weg gehen. Doch von nun an wird sie ihn überhaupt nicht mehr los. Es ist nahezu unmöglich, ihm nirgendwo zu begegnen. Am Arbeitsplatz ist er ohnehin ständig in ihrer Nähe, nun bombardiert er sie auch noch mit Anrufen, mit Geschenken und lauert ihr zu Hause auf. Zurückweisung versteht er nicht und läßt sie einfach nicht in Ruhe. Clarissa wird von ihm massiv gestalkt. Hilfe kann sie keine erwarten. Gemäß der Polizei liegt schließlich keine Straftat vor, noch nicht. Clarissa hat leider keine richtigen Freundinnen mehr, mit denen sie sich besprechen kann. Ihre schon betagten Eltern will sie nicht unnötig beuunruhigen und so wendet sie sich an eine Hotline, die ihr Anregungen gegen Stalking gibt. Sie muß akribisch Beweise gegen Rafe sammeln. Sie darf nicht nachgeben. Sie darf nicht mit ihm reden. Sie soll ihn nicht beachten. Leichter gesagt als getan. Rafe ist so gerissen und kommt auf immer neue Einfälle, ihr das Leben zur Hölle zu machen und er wird aggressiver.

chließlich hat Clarissa die Idee, sich als Geschworene zu bewerben und eines Tages hat sie Glück und wird zu einem Prozess bestellt. Dieser wird zu ihrer großen Freude sogar mit 7 Wochen angesetzt, so daß sie 7 Wochen Ruhe vor Rafe haben wird, denn in diesen 7 Wochen ist sie von der Arbeit befreit und Rafe wird keine Ahnung haben, wo sie sich aufhält. Doch ihre Freude währt nicht lange, auch hier spürt Rafe sie auf. In ihrer Verzweiflung beginnt sie über Rafe nachzuforschen und muß entdecken, daß seine letzte Freundin wie vom Erdboden verschluckt zu sein scheint. Clarissa wird noch unruhiger und die Lage spitzt sich immer mehr zu, als sie sich auf eine neue Beziehung einlassen will.

Als Erstlingswerk der Autorin überrascht dieses Buch ungemein und ich bin sehr gespannt auf ihr neues Buch, das schon in Arbeit sein soll. Ihr Schreibstil ist so flüssig, daß ich das Buch einfach nicht aus der Hand legen konnte und es nahezu in einem durchgelesen habe. Die Gefühle Clarissas werden beängstigend nahegehend beschrieben und im Leser steigt die Wut auf den Stalker Rafe ins Unermessliche. Genau wie Clarissa bleibt man manchmal wie erstarrt und weiß nicht, wie man sich dieser ständigen Bedrohung erwehren soll. Die verschiedenen Erzählweisen, einmal aus der Perspektive Clarissas und dann aus Sicht der 3. Person sind sehr geschickt konstruiert und steigern den Spannungsbogen. Von mr gibt es daher die volle Punktzahl.

Bewertung vom 01.03.2015
Engelsgleich / Kommissar Kalkbrenner Bd.4
Krist, Martin

Engelsgleich / Kommissar Kalkbrenner Bd.4


ausgezeichnet

Harter, packender Thriller

Hauptkommissar Kalkbrenner und seine Kollegin Muth werden zu einem verlassenen Fabrikhof gerufen, auf dem man die Leiche einer jungen Frau gefunden hat. Als das Team die Spuren sichert, macht man leider noch weitere grausige Leichenfunde. Aus den Kloaken auf dem Gelände werden insgesamt 11 Kinderleichen in entsprechende, Zustand geborgen. Rätselhaft bleibt, warum niemand diese Kinder vermisst gemeldet hat. Alle Polizisten sind mehr als entsetzt und möchten fieberhaft das Verbrechen aufklären. Gleichzeitig hat Kalkbrenner noch mit Familienangelegenheiten zu tun.

Anezka, ein junges Mädchen aus Osteuropa, ist verschleppt worden und wird für schreckliche Dinge missbraucht und misshandelt. Ihre und die Hoffnung ihrer Familie auf ein besseres Leben in Deutschland, war nur ein Traum. Sie ist wie viele weitere Kinder und Jugendliche aus Osteuropa einem schrecklichen Kinderschänder-Ring in die Falle gegangen. Aber diese handeln nicht nur mit Menschen sondern auch noch mit Drogen. Das alles kann die Polizei noch nicht wissen, ebenso nicht Markus, der um jeden Preis versucht, sich in der Drogenszene, die von Osteuropa nach Deutschland operiert, "hochzuarbeiten".

Die beiden Frauen Juli und Yvonne leben mit 3 Pflegekindern zusammen. Merle, die älteste Pflegetochter, ist immer problematisch gewesen, da sie eine schlimme Kindheit hinter sich hatte. Darum wundert es bis auf die sensible Juli niemand, daß Merle eines Tages nicht nach Hause kommt. Sie ist schon öfters ausgerissen und dann doch wieder aufgetaucht. Doch Juli glaubt nicht an ein freiwilliges Verschwinden Merles und gibt die Suche nicht auf. Leider zerstört diese Suche fast ihr ganzes Leben.

Viele und sich schnell abwechselnde Erzählstränge zeichnet dieses Buch aus. Zudem laufen die Erzählstränge nicht in den gleichen Zeitebenen ab. Eine sehr geschickte Erzählweise, die umso mehr für Spannung sorgt, bis man als Leser einmal "dahintersteigt". Der Autor beschreibt die Taten oft schonungslos und brutal, aber leider ist die Realität nun einmal so und dies spürt man dann auch sehr stark am Ende des Buches.

Dem Autor Martin Krist, von dem ich bisher noch gar nichts gelesen hatte, dies aber nun bestimmt nachholen werde, ist ein unheimlich packender und fesselnder, wenn auch harter und nicht so "leicht verdaulicher" Thriller gelungen, der einen wütend zurückläßt. Das Ende hat mich leider etwas traurig gemacht, aber mir ist auch klar, daß es eben in der Realität der Verbrechensbekämpfung oft so zugeht.

Bewertung vom 01.03.2015
Dinner for one, Murder for two / Pippa Bolle Bd.2
Auerbach & Keller

Dinner for one, Murder for two / Pippa Bolle Bd.2


sehr gut

Schöner Krimi - gut zum Miträtseln

Dies ist mein drittes Buch aus der "Pippa-Bolle"-Reihe, das ich gelesen habe und es hat mir wie immer sehr gut gefallen. Allen Lesern, die Pippa Bolle noch nicht kennen sollten, sei gesagt, daß es kein nervenaufreibender Krimi auf höchstem Spannungsniveua ist. Auch blutrünstige Details werden dankbar ausgelassen, vielmehr bestechen die Krimis um Pippa um herrlich angelegte Konstellationen mit interessanten Protagonisten und leben vom typischen Stil des "Whodunit"-Krimis. Zudem gibt es immer ein interessantes Haupthema, um das sich alles dreht und natürlich tauchen nach und nach viele von den jewiligen Personen auf schärfste gehütete "Geheimnisse" auf, die ein mögliches Motiv für den oder die Morde darstellen. Alles in allem eine Konstellation, wie ich sie gerne in Krimis lese.

Dieses Mal geht es im Hauptthema um Shakespeare. Pippas englische Großmutter fühlt sich nicht mehr so rüstig und überlegt zu ihrer Familie nach Deutschland bzw. Berlin überzusiedeln. Da dies für sie ein gewagter Schritt ist, muß dieser gut überlegt sein und sie will erst einmal "probewohnen" in Berlin. Allerdings müßte dazu jemand ihre Tiere in ihrer Heimat nahe Stratfor-upn-Avovn, hüten. Es handelt sich hier um ein gut genährten Kater, einen betagten Hund und eine kleine Hühnerschar. Nichts liegt näher, als daß ihre Enkelin Pippa diesen Job übernimmt. Pippa freut sich seelig, einmal weg von ihrer Familie zu kommen und ein paar ruhige Wochen zu verbringen. Doch das hatte ihre Oma anders geplant. Pippa soll als Betreuerin der örtlich probenden Shakespeare-Truppe bestehend aus internationalen Schauspielern fungieren. Sie soll übersetzen, wo es problematisch wird, vermitteln und bei Probepausen für ein entsprechendes Ausflugsprogramm sorgen. Pippas Freude ist nicht recht groß, muß sie doch mit dem alles andere als sympathischen deutschen Regisseur Hasso von Kestring zusammenarbeiten. Wie erwartet gestalten sich die Proben und die Arbeit dem exentrischen Regisseur mehr als problematisch. Hinzu kommen Eifersüchteleien und Spannungen unter den Schauspielern. Pippa hat also jede Menge Aufregung und dann kommt es auch schon zum ersten Todesfall, der leider nicht der letzte bleiben soll. Pippas Spürnase ist also wieder einmal gefordert und sie kann sich tatkräftiger Unterstützung sicher sein, da zwei ihrer Jugendfreunding ihr zuseite stehen und auch Bruder Freddy nicht uneingenützig noch zu Hilfe kommt.

Ich kann nur sagen, selber lesen und herausfinden, ob diese Art von Krimis gefallen, mir auf jeden Fall und ich werde die Reihe weiter verfolgen.

Bewertung vom 07.02.2015
Am Ende der Treppe, hinter der Tür
Ludwig, Sabine

Am Ende der Treppe, hinter der Tür


sehr gut

jugendfreier, solider Krimi

Martha ist im Teenageralter und besucht ein Gymnasium in Berlin. Seit dem Krebstod des Vaters vor 2 Jahren ist sie nicht mehr so wirklich glücklich, sie ist schon längst keine Einser-Schülerin mehr und unglücklich in den neuen Englischlehrer verliebt. Ihre Mutter hat zwischenzeitlich einen ebenfalls verwitweten Arzt mit 4-jähjriger Tochter Penelope, genannt Poppy, kennengelernt und beschlossen zu diesem zu ziehen. Poppy ist ein fröhliches Kind und freut sich über den Familienzuwachs, aber Martha gefällt die neue Lebenssituation und das Babysitten von Poppy überhaupt nicht. Jetzt bekommt sie noch weniger Aufmerksamkeit von ihrer Mutter geschenkt. Sie fühlt sich immer mehr fehl am Platz und würde zu gerne mit ihrer Mutter allein in einer schönen Wohnung leben, aber dazu fehlt es natürlich auch an den finanziellen Mitteln, da der Verdienst des Vaters entfällt und ihre Mutter ohnehin froh ist, daß sie bei ihrem neuen Lebensgefährte keine Miete zahlen muß, da sie auch noch Schulden ihres Mannes abzutragen hat.

Marthas wichtigste Bezugsperson ist ihre Freundin Jill, eine sehr selbstbewußte junge Dame, die immer gerne den Ton angibt und Martha leicht unterbuttert. Vincent, ein Mitschüler der beiden, ist ganz offensichtlich in Martha verliebt, aber sie interessiert sich nicht für ihn und hängt lieber ihren Tagträumen mit Mr. Miller, dem Englischlehrer, nach. In dessen Theater-AG wirken Jill und Martha auch mit, Martha allerdings nur aus dem Grund, um Mr. Miller nah zu sein, währen Jill ohnehin Schauspielerin werden will. Als ein Theaterstück aufgeführt werden soll, ist dies der Anfang von Geschehnissen, die Martha in die missliche Lage bringen, einen Mord mitanhören zu müssen. Der Polizei kann sie davon nichts erzählen, weil sie in eine fremde Wohnung eingedrungen war. Sie berichtet alles Jill und diese kommt schließlich auf die gefährliche Idee, den Mörder zu erpressen. So könnte Martha an Geld kommen und mit ihrer Mutter vielleicht wieder alleine leben. Erst noch sehr zaghaft, aber später fest entschlossen, zieht Martha den Plan durch und bringt sich und Poppy damit in schreckliche Gefahr.

Der Roman las sich sehr gut. Ich habe ihn fast an einem Stück durchgelesen. Explizit wurde er nicht als Jugendbuch beschrieben, aber man merkt diesem Krimi schon an, daß eine Kinder- und Jugendbuchautorin die Urheberin dieses Werks ist. Dies tut der Spannung aber keinen Abbruch. Endlich mal ein solider, jugendfreier Krimi, den auch schon junge Heranwachsene lesen können. Zudem behandelt der Roman neben den Mord noch ein anderes ernstes Thema, vor dem Kinder und Jugendliche nicht genung sensibilisiert werden können.

Bewertung vom 07.02.2015
Echt easy, Frau Freitag!
Frau Freitag

Echt easy, Frau Freitag!


sehr gut

Unterhaltsam und durchaus empfehlenswert

Frau Freitag ist Lehrerin und hat mit vielen Schülern mit Migrationshintergrund zu tun, die ihre Eigenarten und ihre ganz spezielle Sprache haben. Desinteresse am Unterricht und Unhöflichkeiten seitens der Schüler ist für sie und ihre Kollegen keine Seltenheit. Umso erstaunter ist sie, als ihre neue 7. Klasse aus höflichen Schülern zu bestehen scheint. Sie sind lieb und herzig und offenbar noch unverdorben. Frau Freitag vermutet, daß dieser Zustand nicht lange anhalten kann, wird aber bis auf ein paar Ausnahmen eines Besseren belehrt. Schwierigkeiten hat sie dennoch mit Schülern anderer Klassen und auch Neuzugängen, die sie erst noch ein wenig zurechtstutzen muß. Aber das sollte kein Problem für Frau Freitag sein, da sie auch ohne viele Fachbücher über Didaktik und Sonstiges nie um eine Idee und einen Spurch verlegen ist. Sie sieht vieles gelassen und entspannt, ist aber an manchen Tagen, v. a. Montags nach dem Wochenenede und nach einer 7. Stunde so geschafft, daß sie es nur noch nach Hause auf die Couch vor den Fernseher schafft. Der Leser erfährt auch allerlei Anekdoten aus Frau Freitags Privatleben, ihrer Freundin Frau Krise, ihrem offenbar herzensguten und geduldigen Lebenspartner und und und...

Ich fand die Leseprobe herrlich und erfrischend, bin vom weiteren Roman zwar etwas enttäuscht, weil ich dachte die Handlung wäre noch steigerungsfähig. Aber nun gut, Lacher sind garantiert, wenn auch manchmal die Sprache und die Belanglosigkeiten aus Frau Freitags Gedankenleben etwas langweilen. Der Schreibstil ist ansonsten meist durchweg witzig und pointenreich. Der typische jugendliche Slang ist super und realitätsnah wiedergegeben und läßt oft schmunzeln. Kurzum unterhaltsame und durchaus empfehlenswerte Lektüre für zwischendurch.

Bewertung vom 07.02.2015
Abbey Road Murder Song / Detective Breen & Tozer Bd.1
Shaw, William

Abbey Road Murder Song / Detective Breen & Tozer Bd.1


ausgezeichnet

Solider Kriminalroman im London der 60er Jahre

London, 1968, es dreht sich sich viel um die Beatles, die die jungen Leute nahezu verrrückt machen. Die Jugendlichen, vornehmlich Mädchen stehen vor den Wohnungen bzw. Häusern der Beatles oder belagern die Studios, in denen die Beatles ihre Aufnahmen machen. In der Abbey Road, die sich ganz in der Nähe eines Beatles-Studios befindet wird die nackte Leiche einer jungen Frau gefunden, auf einem Berg Müll, fast verdeckt von einer alten Matratze. Die dortige Wohngegend ist eher ärmlich, aber hauptsächlich von Weißen bevölkert. Zugezogenen Schwarzen begegnet man oft mit unverhohlener Abneigung. Cathal Breen, seit 13 Jahren Polizist, soll diesen Mordfall übernehmen, obwohl er eigentlich noch nicht den Fund einer Brandleiche abgeschlossen hat. Breen ist bei seinen Kollegen nicht sonderlich beliebt, zudem hat er gerade einen Kollegen in einer Notsituation im Stich gelassen, was man ihm unverhohlen übel nimmt. Einzig sein Chef, der ebenfalls von der Truppe nicht so angenommen wird und die Sekretärin Marilyn, scheinen zu Breen zu halten. Breen wird von dem Kollgen Jones unterstützt, doch dessen Hilfe kann er sich auch nicht immer gewiss sein. Dann wird Cathal Breen die junge Polizistin Helen Tozer zugeteilt, die sich beim CID beworben hat. Tozer, eine Farmerstochter, redet zwar ununterbrochen und hält sich nicht unbedingt an Breens Anweisungen, ist aber eine clevere und tatkräftige Unterstützung bei dem verzwickten Fall. Da niemand die junge Ermordete zu vermissen scheint, ist die Feststellung der Identität schwierig. Nachdem diese aber unter schwierigen Bedinungen und durch die Ideen von Tozer festgestellt ist, kommt die Sache ins Rollen und deckt tragische Zusammenhänge auf.

Anfangs war ich noch nicht so begeistert von dem Roman. Auf den ersten Seiten schienen mir die Protagnosisten noch nicht so sympathisch, aber dies entwickelt sich schnell. Breen, ist eine liebenswerter, gerechter und ruhiger Polizist, der sich nicht in korrupte Machenschaften verstricken läßt. Tozer, die junge ehrgeizige Polizistin, hat es nicht leicht mit den sexisitschen Anfeidungen der männlichen Kollegen, die in den 60er Jahren keine weiblichen Kollegen akzeptieren wollen. Breen und Tozer sind ein gutes sympathisches Ermittlerteam, von dem ich gerne mehr lesen würde.
Die 60er Jahre mit dem Wirbel um die Beatles werden ebenfalls gut und anschaulich wiedergegeben. Gerade wenn man nicht in der Zeit gelebt hat, kann man sich so vorstellen, welchen Wirbel die 4 Beatles damals ausgelöst haben. So, ich kann nur sagen, einfach selbst lesen: solider Kriminalroman mit einem Hauch von den Sixties.

Bewertung vom 07.02.2015
Unschuldslamm / Schöffin Ruth Holländer Bd.1
Arendt, Judith

Unschuldslamm / Schöffin Ruth Holländer Bd.1


ausgezeichnet

Geglückter Einstand einer hoffentlich neuen Krimireihe

Ruth Holländer, 49, geschieden und alleinerziehende Mutter von fast erwachsenen Kindern hat neben Alltag, Kindern und ihrem Bistro, das sie seit fast 5 Jahren führt, genug um die Ohren. Daher ist sie wenig begeistert, als ihr ein Schreiben vom Amtsgericht mitteilt, daß sie für 5 Jahre als Schöffin ernannt wurde. Nur widerwillig begibt sich Ruth zum genannten Termin ins Gericht, leider recht naiv und unvorbereitet, ohne zu wissen, was auf sie zukommen wird.

Ihr 1. Fall ist ausgerechnet ein Mordfall. Mit 23 Messerstichen wurde äußerst brutal die 16-jährige Kurdin Derya getötet. Angeklagt ist ihr älterer Bruder Aras, der den zu westlichen Lebensstil der Schwester missbilligt haben soll. Also ein Ehrenmord? Ruth ist sofort von dem Fall eingenommen. Sie kann sich Aras nicht als Täter vorstellen. Der Bruder macht vor Gericht nicht den Eindruck eines Mörders, allerdings hilft er auch nicht viel, Licht ins Dunkle zu bringen, da er kaum etwas aussagt. Da Ruth selbst Muttter ist und von dem einige Monate zurückliegenden Mord in der Zeitung gelesen hatte, Derya zudem auch auf der gleichen Schule wie ihre Tochter gegangen ist, belastet das Gerichtsverfahren Ruth immer mehr. Sie möchte gerne mit anderen über das Verfahren und ihre Zweifel sprechen, doch dies alles darf man als Schöffin im laufenden Verfahren nicht. Ruth will aber zu einem gerechten Urteil gelangen, zu stark sind ihre persönlichen Zweifel an Aras Schuld und so verschafft sich Ruth mit alten Zeitungsausschnitten einen Überblick über den Mord.

Derya hatte einen deutschen Freund, diesen aber nie ihren Eltern vorgestellt, wohl nicht aus Angst, sondern eher aus normaler jugendlicher Scham. Valentin, ihr Freund und Mitschüler, stammt zwar aus reichem und vornehmen Haus, hat es aber zu Hause nicht leicht. Seine Mutter ist eine sehr ehrgeizige Frau und missbilligt seine Freundschaft zu Derya. Derya hingegen hatte ein liebevolles Elternhaus, ihre kurdischen Wurzeln schienen ihr keine Last zu sein, ihre Erziehung war nur wenig strenger als bei ihren deutschen Mitschülerinnen. Das Verhältnis zu ihrem Bruder war äußerst liebevoll. Einige Wochen zuvor war die Familie in die Türkei gereist, angeblich zu einem Versöhnungstreffen zwischen verschiedenen Stämmen. Zur Versöhnung sollte hier eine Heirat arrangiert werden, zum Wohle der verschiedenen Stämme. Derya war entsetzt als sie von ihrer Cousine Sergul erfahren muß, daß auch "sie im Spiel sei", hatte sie selbt bisher doch nur selten kurdische Traditionen in ihrer Familie erlebt. Durch Rückblenden in die Vergangenheit lernt der Leser die junge Derya noch ein wenig näher kennen, bis zu den letzten Stunden vor ihrem Tod.

Vor Gericht kommen immer neue Erkenntnisse zutage und das Verfahren wird verlängert. Es wird immer schwieriger für die Richter und die Laienrichter wie Ruth, sich ein Urteil zu bilden, zumal auch noch ein belastender Zeuge auftritt. Mehr sei nicht verraten.

Mir hat der Roman sehr gut gefallen. Die Idee mit einer Schöffin ist mir völlig neu und der 1. Fall ist absolut geglückt. Ruth Holländer ist eine sehr sympathische Protagonistin mit liebenswerten menschlichen Schwächen und einem gesunden Rechtsempfinden. Der Wechsel der Handlung von der Gegenwart in die Vergangenheit ist geschickt gewählt und erzeugt angenehme Spannung. Die Nebenhandlung um Ruth Holländers Familienleben und die ganz normalen Alltagssorgen und eine mögliche beginnende Romanze sind sehr unterhaltsam und lockern den Gerichtskrimi etwas auf. Das Thema um einen möglichen "Ehrenmord" wie wir ihn der Presse leider schon oft entnehmen mußten, ist gut recherchiert. Hier erfährt man vorurteilsfrei von den Konflikten unserer kurdisch-stämmigen Mitbewohnner in Deutschland, die einerseits voll integriert sind, aber auch fernab der Heimat noch an Tradition und Pflichten gebunden sind.

Ich freue mich schon sehr auf den nächsten Fall mit Schöffin Ruth Holländer.

Bewertung vom 07.02.2015
Mörderkind
Löhnig, Inge

Mörderkind


sehr gut

Familientragödie

Fiona ist Mitte 20 und rastlos und hat keine schöne Kindheit hinter sich. Bis zum Alter von 8 Jahren war dies eine heile Welt für sie, 2 liebende Eltern und Freunde in der Schule. Doch dann ändert sich jäh alles. Ihr geliebter Vater wird verhaftet und des Mordes an seiner Geliebten beschuldigt. Fiona kann das damals noch nicht alles verstehen, außerdem enthält man dem Kind vieles vor. Sie weiß nur, daß ihr Vater ihr verspricht, daß alles gut wird und er bald wieder nach Hause zurückkommen wird. Doch daraus wird nichts. Fiionas Vater wird verurteilt und ihre Mutter stirbt 1 Tag nach der Urteilverkündung durch einen Autounfall. Ob dies nun ein Autounfall oder Selbstmord war, läßt Fiona nie los. War sie so wenig für ihre Mutter wert, daß diese keinen Sinn in einem Weiterleben sah. Hinzu kommt, daß die einstigen Freunde Fiona nicht nur meiden sondern auch hänseln. Fiiona kommt zu Tante und Onkel, dem Vater ihres Bruders. Ihr Großvater, ein reicher Brauereibesitzer, will auch nichts von ihr wissen. Zu groß ist sein Enttäuschen über den Sohn, den auch er für einen Mörder hält, obwohl dieser immer seine Unschuld bereut hat. Fiona wechselt Schulen und Internate, überall erfährt man von ihrer Familientragödie. Über die Jahre hinweg muß sie eine freud- und lieblose Kindheit und Jugend führen. Nicht verwunderlich, daß sie auch als Erwachsene keine wirklichen Halt findet, abgebrochenes Studium, Gelegenheitsjobs, One-Night-Stands, keine feste Beziehung. Einzig die Freundschaft zu ihrer Mitbewohnerin bedeutet ihr etwas. Als ihr Vater dann aus dem Gefängnis entlassen wird und bei Fiona auftaucht, knallt sie ihm die Türe vor der Nase zu. Sie will nichts mit ihm und der Vergangenheit zu tun haben. Kurz darauf stirbt ihr Vater bei einem Brand. Auch dies berührt Fiona nicht, sie geht nicht einmal zur Beerdigung. Ein Sanitäter, der in den letzten Minuten vor dem Tod ihres Vater mit diesem sprach, überbringt ihr ncoh eine Nachricht von ihm. Er soll Fiona sagen, daß er kein Mörder war. Fiona weist den Sanitäter unwirsch ab. Sie glaubt ihrem Vater immer noch nicht, auch wenn der Sanitäter ihr versichert, daß kein Mensch bei seinen letzten Worten lügt. Fiona ist wieder einmal sehr zornig, auf sich und die Welt und vor allen Dingen ihren Vater, der immer noch ihr Leben zu beherrschen scheint und schließlich lassen sie die letzten Worte ihres Vaters doch nicht kalt. Hinzu kommt, daß ihr der junge Sanitäter, den sie wegen seines guten Aussehens spontan "Darcy" tauft, ausnehmend gut gefällt. Sie beginnt eigene Recherchen anzustellen, schließlich sogar zusammen mit "Darcy", der wohl doch mehr als ein One-Night-Stand war und muß schließlich erkennen, daß es jemanden gibt, der ihre Nachforschungen in die Vergangenheit mit allen Mitteln unbterbinden will. Der Krimi hat mir ganz gut gefallen. Die Autorin Inge Löhning schreibt wie gewohnt sehr unterhaltsam, spannend und flüssig. Die Idee, die hinter diesem Krimi steckt, ist wirklich super, keine Frage, doch zum 5. Stern bräuchte es für mich eine sympathischere und realistischere Protagonistin und dies verkörpert für mich Fiona leider nicht. Der Sprachstil von Fiona in der Ich-Person war mir oft zu sehr überzogen und passte sehr zu einer verwöhnten, "rotzfrechen" Göre. Vieles war hier etwas übertrieben und recht drastisch v. a. in Bezug auf Fionas Sexualleben. Dies dann alles auf die tragische Familiengeschichte zu schieben, wirkte stark überzogen. Um dies zu toppen, hätter hier noch das klassische Drogenproblem gefehlt. Alles in allem war der Krimi aber auf jeden Fall lesenswert.

Bewertung vom 07.02.2015
Shadowlands
Brian, Kate

Shadowlands


gut

Der Teenager Rory wird auf dem Nachhauseweg von der Schule von ihrem Lehrer Steven Nell überfallen. Er ist ein gesuchter Serienkiller, dem bereits zahlreiche junge Frauen zum Opfer fielen. Bisher ist es ihm immer wieder gelungen, der Polizei und dem FBI zu entkommen. Er ist ebenso intelligent wie gefährlich. Rory ist entsetzt. An ihrer Schule war dieser Lehrer einer der nettesten und ruhigsten und eigentlich ihr Lieblingslehrer. Nur mit knapper Not entkommt sie dem Psychopathen und kann sich in Sicherheit bringen. Doch diese währt nicht lange. Vom FBI muß Rory erfahren, daß sie keineswegs in Sicherheit ist. Nell wird versuchen, sie zu töten, denn bisher hat er alle seine Opfer ermordet, auch jenes Opfer, das ihm anfangs entkam, mußte sterben. Sogar deren Familie ermordete Nell noch. Deshalb stehen Rory, ihre ältere Schwester Darcy und ihr verwitweter Vater nun unter ständiger Bewachung der Polizei.Alle dürfen das Haus nicht mehr verlassen, nicht zur Schule oder zur Arbeit gehen. Es kommt zu Spannungen und Streitereien innerhalb der Familie. Ohnehin ist der Familienzusammenhalt seit dem Krebstod der Mutter nicht mehr der beste. Dann spitzt sich die Lage zu. Offenbar scheint es Nell gelungen zu sein, heimlich in Rorys Zimmer zu gelangen und dort eine "Botschaft" für sie zu hinterlegen und dies trotz Polizei im Haus. Daraufhin müssen Rory und ihre Familie ins Zeugenschutzprogramm und zu einem sicheren Ort aufbrechen. Sie erhalten neue Identitäten und müssen alles zu Hause zurücklassen, damit Nell ihre Spur nicht aufnehmen kann. In der Zwischenzeit will das FBI versuchen, Nell zu fassen. Der sichere Aufenthaltsort entpuppt sich als eine Art Urlaubsparadies auf einer abgeschiedenen Insel. Anfangs skeptisch ist Rorys Schwester zunehmend begeistert von dem Ort. Es gibt viele junge Leute und besonders gut aussehende junge Männer. Auch Darcys Vater entspannt sich mehr und mehr und öffnet sich seit langem wieder seinen Töchtern. Einzig Rory ist misstrauisch. Sie fühlt sich ständig beobachtet und kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß Nell sich in ihrer Nähe aufhält. Ist sie zu panisch und traumatisiert und bildet sich alles nur ein? Außerdem werden auch die Menschen auf der Insel Rory immer rätselhafter...

Dieser Krimi oder Thriller - wie man es nun nennen will - liest sich alles in allem gut und zügig. Er ist lebendig geschrieben und geht mit seiner Ausdrucksweise durchaus als Jugendliteratur durch, da er sich auch sehr intensiv mit den Problemen Heranwachsender insbesondere der ersten Liebe, Freundschaft usw. beschäftigt. Dennoch fehlte mir das gewisse Etwas und das Ende hat mir leider auch nicht so zugesagt. Es kam recht plötzlich und es gab nur eine sehr, sehr spärliche Aufklärung. Als Leser kann man sich zwar so einiges "zusammenreimen", aber hier hätte es mehr Erklärung bedurft.