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Benutzername: mimitatis_buecherkiste
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Bewertungen

Insgesamt 41 Bewertungen
Bewertung vom 30.01.2021
Der Solist
Seghers, Jan

Der Solist


ausgezeichnet

Neuhaus, ein Frankfurter Ermittler, wird zur neu gegründeten Sondereinheit Terrorabwehr (SETA) in Berlin geschickt. Als erst ein jüdischer Aktivist, dann eine muslimische Anwältin ermordet werden, macht Neuhaus sich auf die Suche nach dem oder den Tätern. Unterstützt wird er von der jungen Deutschtürkin Suna-Marie, genannt Grabowski, die ihm anscheinend als einzige der Berliner Kolleginnen und Kollegen freundlich gesonnen ist. Als es erste Hinweise auf Anis Amri gibt, wird klar, dass es politisch brisant werden könnte und schon bald stellt sich die Frage, wem Neuhaus und Grabowski noch trauen können.

Schon früh erfahren wir privates über Neuhaus, schon früh merken wir, dass er nicht nur Ecken und Kanten hat, nein; der ganze Mann ist uneben wie eine Straße voller Schlaglöcher. Wortkarg, zurückhaltend und ein Einzelgänger, der am liebsten allein ermittelt.

„Grabowski, ich bin kein Teamplayer. Ich bin maulfaul und unfreundlich. Und ich arbeite am liebsten alleine.“ (Seite 52)

Die kurzen Kapitel sind aufs wesentliche reduziert. Die Gespräche kurz und knapp. Dennoch hat das Buch eine unglaubliche Tiefe, schafft der Autor eine Atmosphäre, die mich begeistert und teilweise dazu geführt hat, dass ich vollkommen in der Geschichte eingetaucht bin. Und mal wieder hat der Autor es geschafft, mich für ein Thema zu begeistern, das normalerweise so gar nicht meines ist. Politische Krimis und Thriller meide ich, finde die Themen oft trocken und langweilig. Hier stimmt aber alles. Spannend, brisant und aktueller denn je erscheint die Geschichte und ist es auch. Ich bin nun ein großer Fan von Neuhaus und fiebere bereits einer Fortsetzung entgegen. Von mir gibt es 5 Sterne und eine uneingeschränkte Leseempfehlung.

Bewertung vom 29.01.2021
Raum der Angst
Meller, Marc

Raum der Angst


ausgezeichnet

Sieben Teilnehmer eines psychologischen Experiments, bei dem es um das menschliche Verhalten in Escape Rooms geht, wurden ausgewählt, um sieben Räume zu erforschen. Nachdem es den sieben, die unterschiedlicher nicht sein könnten, gelungen ist, den ersten Raum zu verlassen, treffen sie auf Hannah, die nicht nur behauptet, kein Teil des Experiments zu sein, sondern bestreitet, dass ein solches überhaupt stattfindet, da sie entführt worden sei. Die Teilnehmer müssen nun nicht nur versuchen, aus dem zweiten Raum zu (ent-) kommen, sondern auch entscheiden, ob Hannah die Wahrheit sagt oder lügt. Als es dann brenzlig wird, merken alle acht, dass es kein Spaß ist, sondern es im Gegenteil um Leben und Tod geht. Ein Psychopath spielt ein Spiel und wir sind mittendrin.

Gefallen hat mir, dass der Autor mich nicht sofort mit allen Personen und Namen überfallen hat, sondern diese gruppenweise hintereinander vorgestellt hat. Dies hat es etwas leichter gemacht, sich die Teilnehmer zu merken. Abwechselnd werden wir einerseits Zeuge, wie die Teilnehmer versuchen, die Rätsel zu lösen und zu überleben, andererseits läuft parallel hierzu die Ermittlung, die uns eine Pause gönnt von den sehr blutigen, fast schon barbarischen Ereignissen. Die ein oder andere Tötungsart ist nichts für schwache Nerven; wer es eher unblutig mag, sollte einzelne Szenen überblättern oder Abstand nehmen. Die Rätsel haben mir gut gefallen, die Hintergründe waren schlüssig und auch die Auflösung machte Sinn. Es ist ein Thriller, der mich sehr gut unterhalten hat und ich hoffe sehr auf eine Fortsetzung, die das Ende vermuten lässt. Von mir gibt es 5 Sterne.

Bewertung vom 26.01.2021
ONE OF US IS NEXT / ONE OF US Bd.2
McManus, Karen M.

ONE OF US IS NEXT / ONE OF US Bd.2


sehr gut

Wer ONE OF US IS LYING gelesen hat, dem muss ich meine Freude, wieder in Bayview zu sein, nicht erklären. Der erste Teil hat mich so begeistert, dass ich natürlich auch den Nachfolger lesen wollte. Man muss den ersten Teil zwar nicht gelesen haben, versteht dann allerdings viele Andeutungen und Hinweise nicht. Ich würde empfehlen, zuerst ONE OF US IS LYING zu lesen. Nun aber zum Buch. Ein Unbekannter startet ein Wahrheit-oder-Pflicht-Spiel und sucht sich scheinbar wahllos Schüler aus, denen er die Wahl lässt; entweder sie wählen die Wahrheit, dann wird eines ihrer Geheimnisse verraten, oder aber sie wählen Pflicht, dann bekommen sie eine Aufgabe, die sie erfüllen müssen. Als Maeve an der Reihe ist, weigert sie sich, mitzumachen, was dazu führt, dass der Unbekannte etwas über sie verrät. Dies wiederum setzt eine Kette von Ereignissen in den Gang, die niemand erwartet hätte. Als es plötzlich einen Toten gibt, wird klar, dass es kein Spaß ist.

Wie schon im ersten Teil wird jedes Kapitel aus der Sicht einer anderen Person geschrieben, hier aus der Sicht von Maeve, Phoebe und Knox. Immer wieder gibt es Parallelen zum ersten Buch, tauchen die Beteiligten der vorherigen Geschichte auf. Die Hauptpersonen des ersten Teils gehören hier lediglich zur Zweitbesetzung, die Nebenfiguren sind nun die Stars. Das ist sehr gut umgesetzt und wirklich interessant. Leider schafft es dieser Teil ansonsten aber nicht, die gleiche Spannung aufzubauen wie der erste Band. Manches Kapitel zog sich in die Länge und hat sich mit Banalitäten aufgehalten, die unwichtig waren. Die erste Hälfte des Buches plätscherte für mich etwas vor sich hin, bis das Tempo dann in der Mitte, mit Start des zweiten Teils, endlich etwas anzog und es spannender wurde.

Alles in allem eine tolle und interessante Story, die absolut lesenswert ist. Für Fans des ersten Buches ein Muss, allen anderen empfehle ich, zuerst den ersten Teil zu lesen. Von mir gibts 4 Sterne und ich freue mich schon jetzt auf das nächste Buch der Autorin, das natürlich bereits auf dem SUB liegt.

Bewertung vom 21.01.2021
Du darfst nicht sterben
Nagele, Andrea

Du darfst nicht sterben


sehr gut

Lili und Anne sind eineiige Zwillinge und lernen auf einem Urlaubstrip Paul kennen, der beide Schwestern fasziniert. Paul wiederum findet beide Schwestern reizvoll, aber nur eine erobert sein Herz. Trotzdem trifft er sich mit beiden. Denn Paul ist zwar charismatisch, hat aber auch eine dunkle Seite, die er verbirgt, um an sein Ziel zu kommen. Die von ihm Auserwählte muss ihm gehören, nur ihm allein. Dafür ist ihm jedes Mittel recht und keiner darf ihn stoppen, schon gar nicht die lästige Zwillingsschwester.

Aufgeteilt ist das Buch in vier Teile. Im zweiten und vierten Teil sind die Kapitel mit dem Namen der Person betitelt, aus deren Sicht die Story erzählt wird, im ersten und dritten nicht. Hauptsächlich sind dies Lili und Anna, aber auch Paul kommt zu Wort. Das gefiel mir gut, denn so bekommt man verschiedene Sichtweisen auf gleiche Situationen.

Am Anfang tat ich mich schwer mit dem Buch. Der Schreibstil gefiel mir nicht, mit den Schwestern wurde ich überhaupt nicht warm und Paul war so gar nicht greifbar. Der Abstand zu den Personen ist geblieben, aber als ich mich an den distanzierten Schreibstil gewöhnt habe und die Story am Ende des letzten Drittels etwas an Fahrt aufnahm, hat das Buch mich dann doch noch unterhalten. Trotzdem. Ich hätte mir mehr Spannung, mehr Nervenkitzel gewünscht. Zeitweilig war dies für mich mehr ein Roman, als ein Thriller. Die Story war gut, interessant und natürlich wollte ich wissen, wie es ausgeht. Leider konnte das Buch mich aber nicht vollständig überzeugen. Von mir gibt es 3 1/2 Sterne. Ich werde mir nun einen der Grado-Krimis der Autorin besorgen und bin gespannt, ob mich diese begeistern können.

Bewertung vom 15.01.2021
Wenn Schweigen tötet
Marrs, John

Wenn Schweigen tötet


ausgezeichnet

Nina sagt, Maggie hat vor 25 Jahren etwas getan, was sie ihr nicht verzeihen kann. Dafür soll Maggie bezahlen. Nina hat sie im Dachgeschoss eingeschlossen und in Ketten gelegt. Jeden zweiten Abend darf Maggie ins Esszimmer, das in der ersten Etage liegt, um mit Nina zu Abend zu essen. Die restliche Zeit verbringt Maggie allein und angekettet im Dachgeschoss und dies nun schon zwei Jahre lang. So lange ist es her, dass Nina herausgefunden hat, was Maggie getan hat. Maggie sagt, Nina weiß nicht alles und das muss auch so bleiben, sogar wenn es sie tötet. Nina darf nicht die Wahrheit erfahren, denn es war alles ganz anders.

Abwechselnd erzählen Nina und Maggie ihre Geschichte. Diese Erzählungen springen zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit hin und her, beginnend vor über 25 Jahren. Dies ist interessant und unglaublich spannend; nach und nach erfährt der Leser die Motive hinter den Taten, die ebenfalls schrittweise enthüllt werden. Immer, wenn ich dachte, es könnte nicht noch schlimmer kommen, kam es schlimmer! Das Katz- und Maus-Spiel der Frauen ist grandios. Die beiden kämpfen für-, mit- und gegeneinander.

„Wir sind wie zwei Skorpione, die einander umkreisen, die giftigen Schwänze in die Höhe strecken und darauf warten, dass der andere zuerst zuschlägt. Aber ich bin zu schwach, um gegen sie zu kämpfen, und sie weiß das. Denn sie hat mich so schwachgemacht.“ (Seite 277)

Ein wirklich spannendes Buch, das mich gefesselt hat. Auch wenn ich schon früh eine Ahnung hatte, wo die Story hinführt, hat dies mein Lesevergnügen nicht geschmälert, zumal die Auflösung dann tatsächlich weitere Wendungen beinhaltete, die ich nicht erwartet habe. Ein Psychothriller vom Feinsten, eine Leseempfehlung und natürlich 5 Sterne von mir.

Bewertung vom 12.01.2021
Der Funke des Lebens
Picoult, Jodi

Der Funke des Lebens


ausgezeichnet

Als ein bewaffneter Mann in die Frauenklinik eindringt, um sich schießt, mehrere Menschen tötet, weitere verwundet und alle Überlebenden als Geiseln nimmt, befindet sich die 15jährige Wren darunter. Als deren Vater, der Unterhändler bei der Polizei ist und sich auf das Gespräch mit dem Geiselnehmer vorbereitet, dies herausfindet, ist er entschlossen, dieses Detail zu verschweigen. Es folgen angespannte Stunden, die das Leben aller Beteiligter beleuchten.

Das wichtigste Detail vorab; bei der Frauenklinik handelt es sich um eine Abtreibungsklinik, das Center genannt. Schon das Thema „Abtreibung“ ist eines, das immer schon in zwei Lager gespalten war, ist und (davon bin ich überzeugt) bleibt. In vielen Teilen der Welt kämpfen Frauen gegen ein Abtreibungsverbot, andere dafür. Es ist ein emotionales, ein explosives Thema. Dies möchte ich nicht vertiefen, das würde zu weit führen. Ich bleibe beim Buch.

Das Buch wird rückwärts erzählt, beginnend um 17 Uhr am Nachmittag und endend um 8 Uhr morgens, wobei abschließend ein Epilog um 18 Uhr folgt. Anfangs hat mich das verwirrt; es war seltsam, in der Zeit zurückzugehen, wo Taten und Handlungen noch nicht vollzogen und zu keinen Konsequenzen geführt haben. Wir erfahren in jedem Kapitel aber immer mehr über die Personen im Center, was nach und nach ein Gesamtbild ergibt. Manches was Anfangs (eigentlich am Ende!) keinen Sinn ergibt, wird logisch, wenn wir ans Ende (und somit an den Anfang) kommen. Dies ist gewöhnungsbedürftig, dies ist interessant und letztendlich genial!

Es war ein unglaublich interessantes, ein sehr emotionales und aufwühlendes Buch. Es wurden religiöse, staatliche, aber auch geschichtliche Rituale, Behauptungen, Fakten, Gesetze und auch Gedanken aufgeführt. Einiges wusste ich, vieles kannte ich nicht, alles hat Jodi Picoult spannend miteinander verwebt und es dem Leser selbst überlassen, sich eine Meinung zu bilden. Ich möchte hier eine Warnung❗️ aussprechen, denn es wird eine Abtreibung beschrieben. Wer aus ethischen, moralischen oder sonstigen Gründen so etwas nicht lesen möchte, sollte Abstand nehmen oder aber die Seiten überlesen. Dies ist tatsächlich nichts für zarte Gemüter. Ich möchte dieses Buch nicht in Sternen bewerten. Ich möchte aber eine unbedingte Leseempfehlung aussprechen!

Bewertung vom 08.01.2021
High-Rise
Ballard, James Gr.

High-Rise


gut

Ein Luxushochhaus, 40 Etagen mit Apartments, Wohnungen und Penthouse. Mittelschicht, gehobene Mittel- und die Oberschicht, aufgeteilt in Stockwerke. Je höher, umso reicher, umso snobistischer, umso privilegierter. Es gibt ein Einkaufszentrum, eine Schule, Friseure und Swimmingpools. Sogar an einen Kinderspielplatz wurde gedacht. Als alle Wohnungen bezogen sind, wird gefeiert. Gleichzeitig häufen sich die Probleme; die Müllschlucker verstopfen, die Klimaanlage streikt, immer öfter fällt der Strom aus, funktionieren die Aufzüge nicht. Es bilden sich Gemeinschaften, die noch funktionierenden Aufzüge werden blockiert, die Zugänge zu den einzelnen Etagen verbarrikadiert, irgendwann kämpft jeder gegen jeden.

„Später, als er auf seinem Balkon saß und den Hund aß, dachte Dr. Robert Laing über die außergewöhnlichen Ereignisse nach, die sich während der vergangenen drei Monate in diesem riesigen Apartmentgebäude zugetragen hatten.“ (Seite5)

So genial der Plot klingt, so enttäuscht bin ich von der Umsetzung. Seltsam langweilig fand ich die Story, immer wieder dachte ich, dass es nun endlich losgeht, um festzustellen, dass dann doch nichts passiert. Mir fehlte irgendwie der rote Faden; welchen Grund hatte das Ganze, welchen Zweck verfolgten die Einwohner? Wieso wurden die Etagen abgesperrt, damit andere nicht hinkommen konnten, während man gleichzeitig aber selbst alles demoliert hat. Auch das Ende lässt mich ratlos und unbefriedigt zurück. Vielleicht war es für das Buch und mich nicht der richtige Zeitpunkt. Für mich reicht es leider nur für 3 Sterne und das hauptsächlich für die Idee.

Bewertung vom 06.01.2021
Nach dem Feuer
Hammesfahr, Petra

Nach dem Feuer


ausgezeichnet

Ein LKW-Fahrer meldet Feuer auf einer Deponie. Als die Polizei dort ankommt, stellt sich heraus, dass ein Wohnmobil brennt. Ein Junge steht davor und versucht verzweifelt, wieder ins Wohnmobil zu kommen. Nur mit Mühe und Not kann eine Polizistin verhindern, dass der Jugendliche sich ins Feuer wirft.

„Sind da wirklich noch Freunde von dir drin?“, fragte Jasmin. Zweifel an seinen Worten hatte sie keine. Niemand versuchte wieder und wieder in die Hölle zu steigen, wenn er nicht etwas herausholen wollte, was ihm wichtiger war als die eigene Haut.“ (Seite 20)

Der Junge wird ins Krankenhaus gefahren und weigert sich, seinen Namen zu sagen. Was verschweigt er? Gehörte das Wohnmobil wirklich seinem Großvater, wie er sagt, und wo ist dieser? Und warum findet man seine drei Freunde nicht, die er zu retten versucht hat? Haben die ihn etwa im brennenden Auto alleine zurückgelassen?

Am Anfang tat ich mich schwer damit, der Story zu folgen. Das Buch springt zwischen Tagen, Monaten und Jahren, die Personen konnte ich nicht sofort zuordnen und musste mich sehr konzentrieren. Erst nach und nach kristallisierte sich heraus, wie das ein oder andere einzuordnen ist. Dann aber hat das Buch mich gepackt! Wer einen Thriller erwartet, wird enttäuscht sein. Es ist nicht mal ein Krimi, eher ein Kriminalroman. Es gibt zwar eine Ermittlung, die durch die Autorin regelrecht seziert wird, die Ermittler werden teilweise vorgeführt, aber es geht im Hauptteil mehr um die Familiengeschichte des Jungen. Warum er ist wie er ist, wie es dazu kam, dass er tat, was er verschweigt. Das Psychogramm einer Familie. Je mehr ich erfahren habe, umso fassungsloser war ich. Beklemmend und entsetzlich sind die Hintergründe und mehr als einmal habe ich das Buch zur Seite legen müssen. Im letzten Drittel überwiegt wieder die Ermittlung, die letzten Unklarheiten werden beseitigt. Es geht um Narzissmus, um Egoismus, aber auch im Kindesmissbrauch und Kindesvernachlässigung. Wer in diesen Bereichen empfindlich ist, sollte nicht zugreifen.

Ein unglaublich gutes Buch, eine vielschichtige Geschichte, eine Erzählung, die mich noch nicht loslässt. Von mir gibt es 5 Sterne und eine unbedingte Leseempfehlung!

Bewertung vom 01.01.2021
Rose Royal
Mathieu, Nicolas

Rose Royal


ausgezeichnet

Rose ist fast fünfzig, geschieden, hat zwei erwachsene Kinder, einen Job und hat sich ein jugendliches Aussehen bewahrt. Sie hat kein Problem mit ihrem Alter, ist sich ihrer Vorzüge bewusst und achtet auf sich. Eigentlich ist alles toll, zumindest nach außen hin.

„Sie hatte jenes schwierige Alter erreicht, in dem sich die verbliebene Frische, das Funkeln im Alltag aufzulösen schien. Manchmal erwischte sie sich bei einem Meeting oder im Bus dabei, wie sie ihre Hände versteckte, die ihr fremd geworden waren“ (Seite 11)

Rose lebt allein, hat die Kerle satt und einen Revolver in der Handtasche. Sie hat sich geschworen, dass ihr niemand, schon gar kein Mann, mehr wehtun wird. Kein Mann wird sie ins Elend stürzen, diesmal will sie sich wehren.

„Die Angst sollte die Seiten wechseln.“ (Seite 19)

Nach Feierabend geht Rose gerne ins Royal, ist dem Alkohol zugetan. Dort lernt sie eines Abends Luc kennen, der ihr ein ganz neues Leben zeigt. Eine späte Liebe, ein Paar, das so gegensätzlich ist und doch zusammen findet.

Dieses dünne Büchlein ist ein Schatz. Auf wenigen Seiten schafft der Autor es, dass ich das Gefühl habe, ich kenne Rose schon länger. Das Kennenlernen von Rose und Luc, ihre Annäherung, der einkehrende Alltag, all das wird eindringlich beschrieben, mit Worten, die sitzen, mit Sätzen, die treffen. Und mehr sollte nicht verraten werden. Nur so viel: ich werde das Buch jetzt noch einmal lesen. Wegen der Wörter, wegen der Sätze, wegen Rose. Verdiente 5 Sterne.

Bewertung vom 29.12.2020
Der Bewohner
Jackson, David

Der Bewohner


ausgezeichnet

Auf der Suche nach einem Versteck entdeckt der junge Serienkiller Brogan vier nebeneinander stehende Reihenhäuser und steigt in das leerstehende erste Haus ein. Dort entdeckt er, dass die Wand am Ende des Dachbodens, die diesen vom Nachbarhaus trennt, nicht zum Dachfirst hochgezogen wurde, sodass man durch die Lücke auf den Boden nebenan sehen und klettern kann. Diese Gelegenheit lässt er sich natürlich nicht entgehen und geht auf Erkundungs- und Abhörtour, um nach neuen Opfern Ausschau zu halten, mit denen er „spielen“ kann.

Thomas Brogan ist ein Serienkiller und hat, so muss man das einfach sagen, einen neben sich laufen. Es gibt natürlich einen medizinischen Ausdruck für sein Leiden; vereinfacht ausgedrückt ist er plemplem und dazu sehr gefährlich. Seine skurrilen, teils schon sehr bizarren Selbstgespräche, in denen es um solche banalen Dinge wie trinken, essen oder schlafen geht, aber auch darum, wann und wie das nächste Opfer getötet werden kann und soll, sind gewollt, manchmal aber auch ungewollt komisch.
✖️
„Wo willst du hin?“
Ich will es sehen.
„Was sehen?“
Na, ich werde wohl kaum eine Besichtigungstour durchs Haus machen. Ich will Colette sehen.
„Bist du bekloppt?“
Wahrscheinlich, ja.
(Seite 218)
✖️
Dieses Buch war anders, es war skurril, es war witzig, aber auch spannend und erschreckend. Die Seiten flogen nur so, ich hätte weiterlesen können, so gut hat mir die Story gefallen. Das Ende kam etwas plötzlich, hier hätte ich mir mehr gewünscht. Aber das ist jammern auf hohem Niveau. Absolut verdiente 5 Sterne.