Benutzer
zu den Top-Rezensenten

Benutzername: mimitatis_buecherkiste
Wohnort: Krefeld
Über mich:
Danksagungen: 1 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 45 Bewertungen
Bewertung vom 18.11.2020
Ohne Schuld / Polizistin Kate Linville Bd.3
Link, Charlotte

Ohne Schuld / Polizistin Kate Linville Bd.3


ausgezeichnet

Dies ist der dritte Band der Reihe um und mit Kate Linville und Caleb Hale. Alle Bücher können unabhängig voneinander gelesen werden, die Fälle sind in sich abgeschlossen. Ich würde allerdings empfehlen, die Reihenfolge einzuhalten und „Die Betrogene“ sowie „Die Suche“ zuerst zu lesen. Zum einen sind es tolle Bücher, zum anderen erfährt man wirklich viel über die Hauptermittler, was immer weiter ausgebaut wird. Kate, die ihren Job beim Scotland Yard gekündigt hat, um beim CID Scarborough, North Yorkshire Police, anzufangen, ist mit ihrem Begleiter auf dem Weg zu einem Wellnesswochenende, das ihr die Kollegen zum Abschied geschenkt haben, als eine Frau auf sie zugestürmt kommt, die behauptet, ein Mann wolle sie erschiessen. Als dann tatsächlich Schüsse fallen, verschanzen sich die Frauen bis zum nächsten Halt in der Zugtoilette. Der Angreifer entkommt unerkannt. Als zwei Tage später eine junge Frau mit ihrem Fahrrad über einen Draht stürzt, den jemand auf ihrer täglichen Strecke installiert hat, würde man die Fälle nicht miteinander in Verbindung bringen, wäre da nicht die Pistolenkugel, die in der Nähe gefunden und eindeutig der im Zug abgefeuerten Waffe zugeordnet wird. Beide Fälle scheinen zusammenzugehören, allerdings finden sich zwischen den Frauen keine Schnittstellen; es gibt einfach keine Verbindung. Erschwert wird die Ermittlung dadurch, dass Caleb Hale, der zukünftige Vorgesetzte von Kate, zwischenzeitlich vom Dienst suspendiert wurde und sein bisheriger Mitarbeiter nun die Ermittlungen leitet, damit allerdings hoffnungslos überfordert ist. Charlotte Link schafft es, wie immer, schon auf den ersten Seiten, eine Spannung aufzubauen, die tatsächlich das ganze Buch über nie merklich abflacht. Durch die Sprünge zwischen den Ermittlern sowie den mal mehr, mal weniger beteiligten Personen erfährt man immer mehr Zusammenhänge, die sich nach und nach zu einem Gesamtbild fügen. Eine unglaubliche Geschichte steckt dahinter, die tragischer und trauriger nicht sein könnte. Ein unbeschreibliches Unrecht folgt und führt zu Ereignissen, die viele Leben geprägt, viele Existenzen zerstört haben. Im letzten Drittel wird die Spannung erneut erhöht, sodass ich teilweise kurz davor war, ein paar Seiten vorzublättern, um zu erfahren, ob... Stopp! Mehr wird nicht verraten, lest selbst. Obwohl mehr als 500 Seiten hinter mir liegen, habe ich das Gefühl, dass es viel zu schnell vorüber ging. Ich weiß nicht, wie die Autorin das schafft, aber ich bin zufrieden und enttäuscht zugleich. Zufrieden, weil ich so vollkommen im Buch versunken bin. Enttäuscht, weil es zu Ende ist und es nun einige Zeit dauern wird, bis es weitergeht. Leseempfehlung und 5 Sterne ⭐️ von mir.

Bewertung vom 09.11.2020
Enigmas Schweigen
Carrisi, Donato

Enigmas Schweigen


sehr gut

Im Jahre 2009 erschien "Der Todesflüsterer" und es folgten "Die Totenjägerin" und "Diener der Dunkelheit" in der Reihe um Mila Vasquez. Donato Carrisi schreibt spannende Thriller, die sich mit dem Bösen befassen. Es sind intelligente Geschichten, die man nicht mal eben runterliest oder nebenher durchschmökert. Man muss sich schon auf die Story einlassen und wird dafür mit unglaublich spannenden Plots, überraschenden Wendungen und interessanten Figuren belohnt. Ich empfehle auch "Der Seelensammler" sowie "Der Nebelmann". Letzterer wurde - wie auch "Diener der Dunkelheit" verfilmt. Ich habe beide Filme bisher leider noch nicht gesehen, werde dies aber sicherlich noch nachholen.

"Enigmas Schweigen" ist nun ein weiterer Teil der Reihe um und mit Mila Vasquez. Alle Teile können unabhängig voneinander gelesen werden, man musste die Reihenfolge bisher nicht unbedingt einhalten. Dies wäre bei diesem Buch von Vorteil, da es hier einige Ver- und Hinweise auf den "Todesflüsterer" gibt, aber trotz des Umstandes, dass ich mich nicht mehr an alles erinnert habe, konnte ich der Story sehr gut folgen. Zum besseren Verständnis und um euch neugierig zu machen, hier ein Hinweis, was Todesflüsterer sind:

"Ihr Ziel war es nicht, zu töten und, paradoxerweise, nicht einmal, Böses zu tun. Im Gegenteil, das war im Vergleich zu ihrem wahren Motiv völlig nebensächlich: der Macht, andere zu manipulieren und unschuldige Menschen in sadistische Mörder zu verwandeln" (aus "Enigmas Schweigen" von Donato Carrisi, Atrium Verlag, Seite 118)

Na, neugierig? Dann zum Buch. Als auf einem einsamen Bauernhof die gesamte Familie niedergemetzelt wird, der Boden mit Blutspuren bedeckt ist und die Wände mit blutigen Abdrücken, ist am verstörendsten der Umstand, dass die Leichen der vierköpfigen Familie fehlen. Als ein Verdächtiger festgenommen wird, der am ganzen Körper mit Zahlen tätowiert ist, wird die frühere Polizistin Mila Vasquez hinzugezogen. Als sich Hinweise auf ein ominöses Spiel ergeben, folgt sie dieser Spur und findet unglaubliches heraus.

Der Anfang des Buches war gewohnt spannend, blutig und machte Lust auf mehr. Leider flachte das Ganze ziemlich ab und plätscherte im ersten Drittel ziemlich lustlos vor sich hin. Das habe ich nicht erwartet und war ziemlich enttäuscht. Als die Ermittlungen dann aber langsam in die Gänge kamen, zog die Story plötzlich wieder an und steigerte sich kontinuierlich. Ab da konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen!Hierbei möchte ich darauf hinweisen, dass es von Vorteil ist, zu wissen, was eine VR-Brille ist und wie diese funktioniert. Wer so gar nichts damit anfangen kann und nicht weiß, wie es ist, sich in einer virtuellen Welt zu befinden und dort zu agieren, wird nicht viel Freude am Buch haben. Für alle anderen wird es - wie auf der Buchrückseite zu lesen ist - "ein nervenaufreibender Trip in die Abgründe der digitalen Welt". Von mir gibt es 4 Sterne ⭐️

Bewertung vom 03.11.2020
Blister
Strand, Jeff

Blister


ausgezeichnet

Der erfolgreiche Cartoonist Jason Tray hat einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Da er außerdem einen schrägen, ja, einen sehr schrägen Sinn für Humor hat, lässt er sich für zwei Kinder, die seinen Hund ärgern und quälen, eine ausgesprochen abgefahrene Methode einfallen, um den Bengeln eine Lektion zu erteilen. Nun müsste er mit Ende dreißig ja eigentlich der vernünftigere Part sein, allerdings muß ich zugeben, dass auch ich es unglaublich lustig fand, was er veranstaltet hat. Leider teilt sein Agent unseren Humor nicht ganz, sondern entscheidet, dass Jason eine Zeit lang von der Bildfläche verschwinden muß und schickt ihn dazu in seine Hütte am See in einer Kleinstadt. Als er dort eines Tages mit Einheimischen etwas trinkt, wollen die beiden ihm, als der Alkoholpegel hoch genug ist, „Blister“ zeigen. Ohne zu wissen, was gemeint ist, geht Jason mit und bekommt den Schreck seines Lebens, als er durch ein Fenster eine furchtbar entstellte Frau zu sehen bekommt. Ausgenüchtert ist Jason klar, dass er sich entschuldigen muss und so macht er sich auf in ein Abenteuer, das er sich so sicherlich nicht vorgestellt hat.

Was für eine abgedrehte Geschichte! Man nehme eine Prise Stephen King, mische sie mit Jack Ketchum und als Sahnehäubchen nimmt man Richard Laymon hinzu; dazu eine Kleinstadt, skurrile Bewohner, der ein oder andere Dorftrottel, und ein Geheimnis, das keines ist, weil alle davon wissen, aber niemand darüber spricht. Dazu ein grandioser Humor, schwarz wie die Nacht und nicht Jedermanns Sache, und schon hat man unterhaltsame Stunden und ertappt sich dabei, sich zu wünschen, das Buch möge nicht enden.

Ganz ehrlich; immer wenn ich dachte, schlimmer könnte es nicht kommen, kam wieder eine Wendung, die mich überrascht hat. Eine unglaublich spannende Story, tolle Charaktere und abgedrehte Unterhaltungen erwarten euch. Lest es, wenn ihr euch traut! Macht euch auf die Reise, um „Blister“ kennenzulernen, aber bedenkt; die Bewohner der Stadt werden vor nichts zurückschrecken, um ihre Geheimnisse zu bewahren. Seid ihr mutig genug?

Diese wunderbare Reise in die menschlichen Abgründe ist 5 Sterne ⭐️ wert, ein weiteres Buch vom Autor bestellt und hoffentlich bereits auf dem Weg zu mir.

Bewertung vom 01.11.2020
Marigolds Töchter
Woolf, Julia

Marigolds Töchter


ausgezeichnet

Marigold ist Mitte sechzig und lebt mit ihrem Mann Dennis, der jüngsten Tochter Suze sowie ihrer Mutter Nan zusammen. Als sich ihre ältere Tochter Daisy von ihrem Freund trennt, weil dieser weder Kinder haben, noch heiraten will, und zurück nach Hause kommt, wird es langsam eng im Haus. Das macht Marigold aber nichts aus, hat sie ihre Lieben nicht nur gern um sich, sie kümmert sich auch leidenschaftlich gerne um alle. Wenn da nur nicht das Problem wäre, dass sie immer öfter etwas vergisst, regelrecht schusselig wird. Um niemandem zur Last zu fallen und weil ihr Arzt sagt, dies seien normale Alterserscheinungen, sagt sie keinem etwas davon, sondern fängt an, Listen zu führen und sich alles aufzuschreiben. Wie geht man als Familie damit um, wenn die Tochter, Ehefrau und Mutter plötzlich anders ist? Wenn sie Probleme damit hat, einfache Aufgaben, ja, überhaupt den Alltag zu bewältigen? Und wie ist es für eine Frau, die sich Zeit ihres Lebens um ihre Familie, das Haus, ihren Laden gekümmert und nebenbei allerlei gesellschaftliche Verpflichtungen erfüllt hat, wenn sie plötzlich merkt, dass sie die einfachsten Tätigkeiten überfordern? Julia Woolf hat wunderbare Charaktere erschaffen; ob es die allseits beliebte Marigold ist, der das Wohl anderer, vor allem aber das ihrer Familie, wichtiger ist als ihr eigenes Befinden; ob es die egoistische Suze ist, die den Aufbau ihrer Seite auf Instagram vorantreibt und der die Followerzahlen über alles stehen; oder Marigolds Mutter Nan, die in allem nur das Negative sucht, findet und dies auch allen mitteilen muss: diese und viele andere liebenswerte und/oder skurrile Figuren machen den Roman zu einer tollen und unterhaltsamen Reise in eine andere Welt. Eine wunderbare Geschichte, ein herzlicher und emotionaler Roman über Familie und Freunde, die Dorfgemeinschaft und den Zusammenhalt in schwierigen Zeiten. Ich habe mitgefiebert und mitgelitten, geschmunzelt, gelacht und geweint. Ein großartiger Familienroman, den ich ohne Vorbehalt empfehlen und euch ans Herz legen möchte. Ich vergebe 5 Sterne.

Bewertung vom 02.03.2020
All The Fucks We Give
Kay, Nina

All The Fucks We Give


sehr gut

Im ersten Drittel fürchte ich, ich bin die falsche Zielgruppe, um eine objektive Rezension abgeben zu können. Mir geht die Geschichte auch persönlich zu schnell. Die zwei Jungs haben sich gerade kennengelernt und Julien weiß noch nicht, dass er homosexuell ist. Sasha weiß es bereits. Dennoch sind sie beim ersten Ausflug so fasziniert voneinander, haben Schmetterlinge im Bauch, Schweißausbrüche und vor lauter Augenkontakten, Zittern und sonstigen Klischees komme ich an meine Grenzen. Nicht wegen der Gefühle, aber weil es so schnell geht, es so unglaublich viele hintereinander sind und das immer wieder. Ich hätte mir ein langsameres und vorsichtigeres Annähern gewünscht, das zuerst in einer Freundschaft mündet.

Aber dann ändert sich etwas und die Story bekommt mehr Tiefe. Man erfährt bruchstückweise mehr aus dem Leben der zwei Jungs und plötzlich möchte ich mehr wissen, bin mittendrin, fühle mit. Es ist, als wäre ein Knoten geplatzt und die Geschichte wird flüssiger, glaubwürdiger. Das nächste Treffen verläuft so, wie man es sich vorstellt, wenn zwei Menschen sich kennenlernen, rantasten, austesten und ausprobieren.

Es gibt viele Situationen im Buch, die so passend, so treffend beschrieben sind, dass ich versucht war, mir diese aufzuschreiben, um sie nicht zu vergessen. Bei der Beschreibung, als Sasha seine Ängste aus dem Auto wirft, hatte ich Gänsehaut, um nur eine Stelle zu erwähnen. Es gab viele Stellen, die mich schmunzeln ließen, aber auch sehr viele, an denen ich mitgelitten, an denen ich traurig und sogar den Tränen nahe war. Die Autorin hat es geschafft, dass ich mich in die Geschichte eingefühlt habe, in diese reingezogen wurde und fast hautnahe dabei war. Eine wunderbare Geschichte über Familie, Freundschaft, die erste Liebe, Verlustangst, Trauer und natürlich auch Homosexualität sowie Coming-out.

Es ist für mich ein neues, ein ungewohntes Genre, das die Autorin mir hier nahegebracht hat. Ich wurde sehr gut unterhalten und glaube, dass hier noch viel Potential steckt, das sich in den nächsten Büchern entwickeln wird. Ich freue mich drauf!
.
Trotz des ersten Drittels und auch einiger Längen, war es ein tolles Buch, das mich wirklich gut unterhalten hat. Ich vergebe 4 ⭐️ Sterne.