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Benutzername: mimitatis_buecherkiste
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Bewertungen

Insgesamt 41 Bewertungen
Bewertung vom 06.03.2021
Was wir dachten, was wir taten
Oppermann, Lea-Lina

Was wir dachten, was wir taten


ausgezeichnet

Als in der Schule per Lautsprecher „ein schwerwiegendes Sicherheitsproblem“ ausgerufen wird, schließt sich die Klasse ein und wartet darauf, was passiert. Weder der junge Lehrer noch die Schüler wissen, was zu tun ist, man geht von einem Fehlalarm aus. Als ein junges Mädchen weinend und schreiend an die Tür hämmert, entscheiden zwei Schüler, diese einzulassen, was sich als großer Fehler erweist, denn vor der Tür steht nicht nur das weinende Kind, sondern auch eine maskierte Gestalt, die dem Kind eine Pistole an den Kopf hält. Die Person dringt in den Raum ein und zwingt den Lehrer und die Schüler dazu, Aufgaben zu erfüllen, die sie an ihre Grenzen bringen werden.

„Wir werden dir erzählen, was wirklich passiert ist. An diesem Tag. In diesen 143 Minuten. Wir werden dir erzählen, was wirklich passiert ist.“ (Seite 5)

Dies ist ein Jugendbuch und in diesem Stil ist es auch geschrieben. Aus der Sicht von zwei Schülern und dem Lehrer erfahren wir, was passiert ist. Mit 179 Seiten ist das Buch relativ kurz, trotzdem schafft die Autorin es, eine Atmosphäre zu schaffen, die überzeugt. Abwechselnd kommen die drei zu Wort, die Erzählungen schließen nahtlos aneinander, sodass keine Fragen offen bleiben. Todesangst, Trotz, Fassungslosigkeit, Wut, Mut und viele andere Gefühle durchleben die Geiseln. Mehr möchte ich dazu nicht schreiben. Zu groß ist die Gefahr, zu spoilern. Ein Buch, das zum nachdenken anregt, das bewegt, das trotz der Kürze berührt und eine Message rüberbringt. Von mir gibt es 5 Sterne.

Bewertung vom 05.03.2021
Die Hörige
Gerwinski, Markus

Die Hörige


ausgezeichnet

Die Bauernstochter Gunid lernt im Alter von acht Jahren den sechsjährigen Ragald kennen, Sohn ihres Lehnsherrn, des Ritters Adolar. Nach anfänglichen Schwierigkeiten werden die beiden trotz des unterschiedlichen Standes beste Freunde. Erste Risse bekommt die Freundschaft, als Ragald eines Tages mit seiner zukünftigen Braut nach Hause kommt, denn da wird Gunid vor Augen geführt, welche Kluft zwischen ihnen beiden besteht. Als Ragald kurze Zeit später in den Krieg gegen die Furcht einflößenden und plündernden Jattar zieht, versucht sie, ihn zu vergessen. Als sie aber hört, dass er im Kampf vermisst wird, setzt sie ihr Leben aufs Spiel, ihm zu folgen, um ihn zu finden. Es folgt ein Abenteuer, in dem es um Freundschaft, Liebe, Loyalität, Verrat, finstere Mächte, Zauberer und den Bestand des Königreichs geht. Während der Reise versuchen beide, die Gefühle füreinander vor dem anderen zu verbergen, beide aus unterschiedlichen Gründen. Ob es dem Edlen und der Hörigen gelingt, das Königreich zu retten?

Burgen, Ritter, Gaukler, Schattenwesen und vieles mehr begegnet dem Leser in dem Buch. Ein phantastisches Abenteuer, in dem auch die Liebe nicht zu kurz kommt. In der passenden Sprache, die mich oft schmunzeln ließ, nimmt uns der Autor auf eine spannende Reise. Dies ist der erste Teil einer Trilogie und auch wenn dieser in sich abgeschlossen ist und die beiden bereits einige Abenteuer bestanden haben, macht das Ende mir richtig Lust auf den nächsten Teil. Zu viele Fragen blieben offen, zu neugierig bin ich, wie es weitergeht. Ich hoffe, der Fantasy-Anteil ist im nächsten Buch etwas höher und auch die Action darf gerne zunehmen, aber das ist jammern auf hohem Niveau, denn wider Erwarten hat dieses Buch mir unglaublich viel Spaß gemacht und tolle Lesestunden beschert. Ich vergebe 5 Sterne.

Bewertung vom 03.03.2021
Die Verlorenen
Halls, Stacey

Die Verlorenen


ausgezeichnet

Die junge Elizabeth Bright, kurz Bess genannt, bringt im November 1747 ihre gerade geborene Tochter in ein Heim für ausgesetzte Kinder. Als Straßenhändlerin, die mit Vater und Bruder in einer Zweizimmerwohnung lebt, ist sie nicht in der Lage, sich um Clara zu kümmern. Mittels einer Lotterie wird dort entschieden, welches Baby der zahlreich erschienenen Frauen, die anonym bleiben, aufgenommen wird und welches nicht. Clara wird unter der Nummer 627 registriert und darf bleiben. Nachdem sie jahrelang gespart hat, begibt sich Bess Anfang des Jahres 1754 zum Findelhaus, um ihre Tochter abzuholen. Mit Entsetzen erfährt sie dort, dass ihre Tochter bereits vor Jahren abgeholt worden ist. Genauer gesagt einen Tag nach der Aufnahme.

Bess teilt das Schicksal vieler Frauen in diesem Jahrhundert; freiwillig oder unfreiwillig schwanger geworden und wenn das Baby dann da ist, fehlen Mittel und Wege, sich um dieses zu kümmern, geschweige denn, es gäbe eine Möglichkeit, das Kind am Leben zu erhalten. Ein Findelhaus ist da noch die beste Alternative, allerdings sind die Plätze dort begrenzt und vielen Müttern bleibt nur noch, das Kind auszusetzen oder selbst zu töten. Eine grausame Zeit! Von den heutigen Möglichkeiten konnte man damals nicht mal träumen. Bess gehört zu der absoluten Ausnahme, denn sie ist fest entschlossen, ihre Tochter wieder abzuholen, sobald sie die Gebühr bezahlen kann. Das eigene Baby in fremde Hände abgeben zu müssen, weil man zu jung und zu arm ist, sich um dieses zu kümmern, ist traumatisch genug. Wie entsetzlich muss es sein, zu erfahren, dass eine fremde Frau dieses Kind abgeholt hat? Bess ist fest entschlossen, ihre Tochter zu finden. Als sie einen Verdacht hat, nimmt die Geschichte eine ungeahnte Wendung.

Das Buch ist in vier Teile aufgeteilt, wobei der erste und dritte Teil aus der Sicht von Bess geschrieben ist. Wir erfahren, wie das Leben so ist im 18. Jahrhundert, insbesondere für Frauen. Das ist interessant, das ist erschreckend, das erzählt Bess ohne größere Emotionen. Sie jammert und hadert nicht mit ihrem Schicksal, sie nimmt es an. Der zweite und der vierte Teil ist aus der Sicht von Alexandra geschrieben, die zur Oberschicht gehört. Es ist eine gänzlich andere Welt, die wir hier erleben. Wie die Schicksale der beiden Frauen zusammenhängen, wird nach und nach enthüllt. Ein spannendes und sehr emotionales Buch, das mit einigen unvorhersehbaren Wendungen überrascht. Von mir gibt es 5 Sterne.

Bewertung vom 01.03.2021
Das Flüstern der Bienen
Segovia, Sofia

Das Flüstern der Bienen


ausgezeichnet

An einem Oktobermorgen des Jahres 1910 ist Nana Reja, die seit Jahren ihren Platz im Schaukelstuhl nicht verlassen hat, verschwunden. Erntehelfer finden die alte Frau anderthalb Meilen vom Haus entfernt, im Schoß zwei Bündel. In einem befindet sich eine Bienenwabe, in dem anderen ein Baby mit einem entstellten Gesicht, bedeckt mit lebenden Bienen. Nana Raja besteht darauf, den Jungen mitzunehmen und Simonopio zu nennen, so kommt dieser in die Familie Morales Cortés, was sich für ihn, aber auch die Familie als großes Glück herausstellen wird. Nicht allen aber gefällt es, dass der wilde Junge der Patensohn des Patróns wird.

Schon die Lebensgeschichte der Amme Nana Reja, die den Anfang macht, hat mich gefesselt, was die Autorin dann aber schafft, ist magisch! Historische Fakten vermischen sich mit Fiktion, das Leben der Familie in dieser Zeit ist von Höhen und Tiefen begleitet; ob es die mexikanische Revolution oder die Spanische Grippe ist, nichts bleibt ihnen erspart, aber immer wieder schafft es die magische Gabe von Simonopio, das Unheil von der Familie abzuwenden. Eine fantastische Erzählung, die mich glauben ließ, mittendrin zu sein! Fast hatte ich das Gefühl, die Bienen summen zu hören und den Duft der Orangen wahrzunehmen. Simonopio bei seinen Streifzügen durch Land und Berge zu begleiten, die Welt durch seine Augen zu sehen, das war ein unvergessliches Abenteuer. Dies ist eines der Bücher, bei denen man sich wünscht, die Geschichte möge nie enden. Natürlich gibt es Dramen, Schicksalsschläge, Trauer, Wut und Hass. Auf der anderen Seite aber auch Freundlichkeit, Freude, Miteinander und Liebe. Ein emotionaler Lesegenuss, ein aufregendes Abenteuer, mein Highlight des Monats! Von mir gibt es 5 Sterne mit Sternchen. Lest es, lernt Simonopio kennen und lieben, geht auf eine magische Reise, erlebt ein fantastisches Abenteuer. Es lohnt sich!

Bewertung vom 22.02.2021
Kim Jiyoung, geboren 1982
Cho, Nam-joo

Kim Jiyoung, geboren 1982


gut

Kim Jiyoung wächst in Korea auf. Das Buch ist in Abschnitte unterteilt, die von ihrer Kindheit, ihrer Jugend, ihrem Erwachsenwerden handeln. Dies alles in einem Land, in dem Frauen dafür verantwortlich gemacht werden, wenn sie belästigt werden und es eine Schande ist, keinen Sohn zu gebären. Ein Land, das Jungs und Männer bevorzugt und es Mädchen und Frauen schwer bis unmöglich macht, ihren Weg zu gehen oder Karriere zu machen. In dem das alte Rollenbild nach außen hin überholt, in Wahrheit aber weiterhin praktiziert wird.

Das Buch hat mich leider nicht ganz überzeugt. Die Personen blieben blass, die Geschichte hat mich nicht erreicht. Die Autorin rannte buchstäblich durch die Erzählung. Mehr Zeit und Raum hätten der Story gutgetan, so aber war es eine wenig in die Tiefe gehende Aneinanderreihung von Fiktion und Fakten, die sich abgewechselt haben. Eine wissenschaftliche Abhandlung mit Fußnoten, zu denen ich mir am Ende eine ausführlichere Erklärung gewünscht hätte. Wirklich neue Erkenntnisse konnte ich hier nicht gewinnen, die Rolle der Frau im asiatischen Raum (und im übrigen vielen anderen Ländern der Welt auch) war mir nicht neu, ein Schockeffekt blieb aus. Vielleicht ist aber gerade dies das schockierende daran; dass es als normal hingenommen wird, obwohl es alles andere als das ist.

„Auch wenn sich viel in der Welt getan hatte in puncto Gleichberechtigung, all die kleinen Regeln, Selbstverständlichkeiten oder Gewohnheiten innerhalb der Gesellschaft hatten sich nicht erkennbar geändert. Letztendlich war überall immer noch alles beim Alten.“ (Seite 155 ff.)

Es gab im Buch sehr viele interessante Ansätze, die ich mir ausführlicher gewünscht hätte. Der Anfang war spannend, im Mittelteil flachte die Story leider etwas ab, um zum Schluss hin wieder zu fesseln. Dennoch ist es ein wichtiges Thema, das leider immer noch viel zu wenig Aufmerksamkeit bekommt. Ich vergebe 3,5 Sterne.

Bewertung vom 19.02.2021
Niemalswelt
Pessl, Marisha

Niemalswelt


ausgezeichnet

Als ihr Freund Jim stirbt, zieht sich Bee von ihren restlichen vier Freunden zurück. Als es nach einem Jahr ein Wiedersehen gibt, endet der feuchtfröhliche Abend fast mit einem schrecklichen Autounfall. Schockiert und vom Regen durchnässt kehren die fünf ins Haus zurück, wo kurze Zeit später ein Unbekannter anklopft und den Freunden verkündet, dass der Unfall tatsächlich passiert ist und es nur einen Überlebenden gab. Die Freunde seien in einer Zeitschleife zwischen Leben und Tod gefangen, in der Niemalswelt, und müssten sich nun untereinander einigen, wer von ihnen überlebt hat. Anscheinend hat dies alles mit dem Tod von Jim zu tun, sodass die Freunde beschließen, vor der Abstimmung herauszufinden, was wirklich mit ihm passiert ist. Dies ist gar nicht so einfach, wenn man immer wieder elf Stunden lang den gleichen Tag erneut erlebt.

Dies ist ein Jugendbuch, das mich als Erwachsene mehr als begeistert hat. Ich finde Zeitschleifen und Zeitreisen faszinierend und wenn es dann auch noch ein Geheimnis aufzuklären gibt, bin ich mit Freuden dabei. Die Story wird aus der Sicht von Beatrice, Bee genannt, erzählt. Von ihr erfahren wir, wer ihre Freunde sind, welche Charaktereigenschaften sie haben, woher sie kommen, und Bee führt uns auch durch den immer gleichen Tag, was alles andere als eintönig ist. Einen Tag immer wieder neu zu erleben, das mag sich faszinierend und lustig anhören, kann aber auch anstrengend und ermüdend sein. Bis die Freunde sich zusammenraufen und als Team agieren, passiert einiges. Das ist sehr aufregend und auch spannend, schließlich hat jeder von ihnen selbst etwas zu verbergen. Ich möchte nicht zu viel verraten, weil das Überraschungsmoment hier eine große Rolle spielt. Es ist ein tolles Buch und es ärgert mich, dass es so lange ungelesen auf mich gewartet hat. Von mir gibt es 5 Sterne mit Extrasternchen. Lest es und habt Spaß in der Niemalswelt!

Bewertung vom 16.02.2021
Meine dunkle Vanessa
Russell, Kate Elizabeth

Meine dunkle Vanessa


gut

Vanessa überredet mit vierzehn ihre Eltern, sie auf ein Internat zu schicken, die Browick School in Norumbega. Mit der einzigen Freundin auf der Highschool hat sie sich am Ende des letzten Schuljahres wegen einem Jungen zerstritten, sodass sie nun ziemlich isoliert ins zehnte Schuljahr startet, ihr zweites Jahr im Internat. Vanessa ist still, zurückhaltend, chaotisch, schlampig und ziemlich faul. Als sie im Leistungskurs Amerikanische Literatur den Lehrer Mr. Strane kennenlernt, hat dieser mit dem fünfzehnjährigen Mädchen, das einsam ist und nach Aufmerksamkeit giert, leichtes Spiel. Was mit Gesprächen, Berührungen und Küssen anfängt, endet irgendwann im Bett des Lehrers, der fast dreißig Jahre älter ist als Vanessa.

Wir erfahren abwechselnd, angefangen mit dem Jahr 2000, dem Jahr, an dem Vanessa ihren Lehrer kennenlernt, und dem Jahr 2017 in der Gegenwart, was passiert. Vanessa erinnert sich, wie alles anfing und erzählt, was sie gerade erlebt. Dies ist teilweise langatmig, dies ist sehr oft uninteressant, dies soll wahrscheinlich zeigen, wie einsam und isoliert Vanessa war und ist. Ihre gestörte Wahrnehmung, was die ungesunde Beziehung zu Strane angeht, zieht sich durch das Buch. Natürlich ist es wichtig, zu erfahren, wie ein fast dreißig Jahre älterer Mann ein junges Mädchen dazu bekommt, Sachen zu tun, die es tatsächlich gar nicht tun möchte. Leider geschieht dies hier in langwierigen Ausführungen über seitenlange Kapitel, die einfach nur ermüdend waren. Ich habe darauf gewartet, dass das Buch mich packt und es den Moment gibt, wo Vanessa mich berührt. Leider war und blieb Vanessa für mich seltsam farblos, distanziert und, ja, unsympathisch. Der Missbrauch an sich, der seitenweise explizit beschrieben wird, ist schlimm und an Widerlichkeit nicht zu überbieten. Die restliche Geschichte flog an mir vorbei, sodass ich nach zwei Dritteln abgebrochen habe, was mir tatsächlich seit langem nicht mehr passiert ist. Aus Respekt vor dem Thema vergebe ich 3 Sterne.

Bewertung vom 13.02.2021
Die siebte Zeugin / Eberhardt & Jarmer ermitteln Bd.1
Schwiecker, Florian;Tsokos, Michael

Die siebte Zeugin / Eberhardt & Jarmer ermitteln Bd.1


sehr gut

Nikolas Nölting, ein unscheinbarer Beamter, verheiratet, ein Kind, verlässt an einem Sonntagmorgen das Haus, um Brötchen zu holen. Vor der Bäckerei angekommen, schlägt er einen Polizisten nieder, entwendet dessen Dienstwaffe, betritt die Bäckerei und schießt um sich. Ein Mensch stirbt, zwei weitere werden verletzt. Nach der Tat lässt er sich widerstandslos festnehmen und schweigt. Ein Motiv ist nicht erkennbar. Dies wird für den Strafverteidiger Rocco Eberhardt, den die Frau des Täters beauftragt, kein einfacher Fall werden.

Jedes der kurz bis ganz kurz gehaltenen Kapitel ist mit Ort und Uhrzeit versehen, so entstand bei mir der Eindruck eines Protokolls des Verbrechens. Das hat mir unglaublich gut gefallen. Hierbei begleiten wir nicht nur den Strafverteidiger, sondern auch andere Beteiligte, was abwechslungsreich und interessant ist. Das fundierte Fachwissen kommt dabei nicht von ungefähr, hat Florian Schwiecker viele Jahre in Berlin als Strafverteidiger gearbeitet und Michael Tsokos ist Professor für Rechtsmedizin, was man der Story anmerkt. Eine richtige Ermittlung findet nicht statt, es dreht sich alles um den Strafprozess und die Verteidigung des Täters. Obwohl dieser schweigt und sich sogar weigert, mit seinem Anwalt über die Tat zu sprechen, ist dieser bemüht, ihm die bestmögliche Verteidigung zu bieten sowie die niedrigste Verurteilung zu erreichen. Mit Hilfe seines Freundes, der eine Detektei hat, sowie in Gesprächen unter anderen mit dem Rechtsmediziner Dr. Jarmer versucht er, herauszufinden, welches Motiv der Tat zugrundeliegt. Ich fand das Buch spannend, die Story nachvollziehbar und die Wendungen schlüssig sowie realitätsnah. Bemängeln möchte ich hier lediglich manche Dialoge zwischen den Beteiligten; diese waren teilweise hölzern, seltsam holprig und fast plastisch. Das hat mir nicht gefallen, weil es so gar nicht zum restlichen Schreibstil passte und mich irritierte. Ansonsten ist es ein lesenswerter und außergewöhnlicher Justizkrimi, der mir tolle Lesestunden beschert hat. Von mir gibt es 4 Sterne und eine Leseempfehlung.

Bewertung vom 07.02.2021
Der andere Sohn / Karlstad-Krimi Bd.1
Mohlin, Peter;Nyström, Peter

Der andere Sohn / Karlstad-Krimi Bd.1


ausgezeichnet

Schweden, 2009. Eine junge Frau verschwindet nach einem Streit mit ihren Eltern spurlos. Emelie ist die zukünftige Erbin eines erfolgreichen und global agierenden Modekonzerns. Eine großangelegte Suche führt zu keinem Ergebnis. Lediglich etwas Blut und andere Körperflüssigkeiten findet die Polizei. Der neunzehnjährige Billy gerät daraufhin unter Verdacht, bestreitet aber vehement, die junge Frau überhaupt gekannt zu haben. Ohne Leiche kommt die Polizei nicht weiter. Amerika, 2019. John wird bei einer verdeckten Ermittlung angeschossen, kann aber gerettet werden. Nach seiner Aussage gegen das Drogenkartell soll er in den Zeugenschutz aufgenommen werden. Da bekommt er einen Brief seiner Mutter, in dem diese berichtet, dass sein Halbbruder Billy zum wiederholten Male ins Visier der Ermittler geraten ist. Der Fall der jungen Erbin soll neu aufgerollt werden und der einzige Verdächtige war, ist und bleibt Billy. John fordert vom FBI, im Zeugenschutzprogramm nach Schweden geschickt und ins Cold Case Team eingeschleust zu werden. Dort will er, mit einer neuen Identität ausgestattet, dazu beitragen, dass die Ermittlungen fair und unvoreingenommen durchgeführt werden.

Das Buch ist in mehrere Teile aufgeteilt. In erstem Teil erfahren wir abwechselnd, was sich ereignet hat, als Emelie verschwand und John aufgeflogen ist. Die restlichen Teile spielen in der Gegenwart in Schweden. John geht mit einem frischen Blickwinkel an den Fall heran, muss zusätzlich aber einerseits dafür sorgen, dass seine Verbindung zum Verdächtigen nicht auffällt, andererseits dass seine Tarnung nicht auffällt und damit seine neue Identität enthüllt wird. Dazu ist es ihm sehr wichtig, objektiv zu bleiben. Das ist anstrengend, das ist knifflig, das führt dazu, dass es spannend bleibt. Die Ermittlung ist, als ob man eine Schicht nach der anderen abziehen würde und das, was darunter ist, entpuppt sich als etwas ganz anders, als das, was man erwartet hat. Es hat mir Freude gemacht, den Gedankensprüngen und Johns Spuren zu folgen, zu lesen, wie er an den Fall rangeht. Ein tolles Debüt, ein wahnsinnig guter Kriminalroman und ein wirklich guter Start der Karlstad-Reihe. Ich freue mich auf weitere Bücher der Autoren. Von mir gibt es verdiente 5 Sterne.

Bewertung vom 30.01.2021
Schuld (eBook, ePUB)
Burow, Patrick

Schuld (eBook, ePUB)


sehr gut

Als herauskommt, dass ein Laborant DNA-Beweise gefälscht hat, werden drei Fehlurteile, zu denen der Staatsanwalt Michael Thomforde durch seine falschen Anklagen beigetragen hat, aufgehoben. Trotz seiner Beteuerungen, nichts davon gewusst zu haben, wird Thomforde erst suspendiert und dann zum Leiter eines Cold-Case-Teams „befördert“, das anscheinend nur aus Personen besteht, die sich alle etwas zuschulden haben kommen lassen. Die vier nehmen sich eines der Fehlurteile vor und versuchen, den wahren Täter zu finden. Schon bald gibt es weitere Tote, denn der Täter will unter allen Umständen verhindern, dass der Fall aufgeklärt wird.

Dies war mein erstes Buch des Autors, der im übrigen weiß, wovon er schreibt, war er im wahren Leben selbst Staatsanwalt und ist nun Strafrichter. Dies merkt man dem Schreibstil an, zeitweise war es wie ein Justizkrimi mit Thriller-Elementen. Dies ist aber nichts schlechtes, lediglich einige Begriffe werden dem ein oder anderen Leser unbekannt sein. Die Story hat mich sehr gut unterhalten, wenn mir auch stellenweise etwas Tempo gefehlt hat. Das Aufeinandertreffen und die Arbeit des Teams haben mir gefallen, der Humor war toll, die Figuren gut gewählt, aber bis auf Thomforde blieben alle etwas blass. Da die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven erzählt wird, hätte ich mir hier mehr Infos gewünscht. Weiterer Kritikpunkt ist, dass ich manchmal nicht zuordnen konnte, wer denn nun denkt und/oder spricht. Das war an manchen Stellen für mich unklar, da die Aktionen ineinandergriffen.

Alles in allem ein guter Thriller, der mich gut unterhalten hat. Da es sich um den Beginn eine Reihe handelt, freue ich mich bereits jetzt auf die Fortsetzung und vergebe gerne 4 Sterne.