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Benutzername: eulenmatz
Wohnort: Hamburg
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Danksagungen: 6 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 134 Bewertungen
Bewertung vom 11.10.2019
Der Junge, der träumte / Strange the Dreamer Bd.1
Taylor, Laini

Der Junge, der träumte / Strange the Dreamer Bd.1


ausgezeichnet

MEINUNG:

Von Laini Taylor habe ich bisher nur die Reihe Daughter of Smoke and Bone gelesen und war von dem Einfallsreichtum der Autorin sehr angetan. Umso mehr habe ich mich gefreut als ich erfahren habe, dass es eine neue Reihe von der Autorin auf Deutsch gibt.

Mit dem Beginn von Strange the Dreamer - Der Junge, der träumte hatte ich zunächst so meine Probleme. Laini Taylor hat wieder einmal eine komplett neue Fantasywelt geschaffen, in der ich mich erst zurecht finden musste. Dazu gehören auch viele Eigenbegriffe. Schön gemacht war, dass am Anfang der einzelnen Teile, in die das Buch eingeteilt ist, einige Begriffe ähnlich wie im Lexikon erläutert werden. Nach und nach fand ich mich allerdings gut zurecht und konnte sehr gut in die Geschichte eintauchen.

Lazlo Strange ist eine Waise, daher auch der Name Strange und wird von Mönchen groß gezogen, die ihn sehr streng erziehen. Lazlo liebt das Lesen, arbeitet als Bibliothekar und interessiert sich besonders für die sagenumwobene Stadt Weep. Eigentlich hat die Stadt einen anderen Namen, aber seltsamerweise kann sich niemand an den Namen der Stadt erinnern. Die Atmosphäre erinnerte mich seltsamerweise sehr an ein Buch von Walter Moers, genauer gesagt an Die Stadt der träumenden Bücher. Das Leben von Lazlo ist sehr bescheiden bis eine Gruppe Gesandter aus Weep erscheint, die mich an die Dothraki von Games of Thrones erinnerten. Deren Anführer sucht in jeder Stadt besondere Talente und nennen wir es einmal Fachpersonal. Man verwehrt Lazlo die Bewerbung, doch sein Drang diese fremde Stadt, dessen Sprache er sogar erlernt hat, kennenzulernen, treibt ihn dazu trotzdem vorzusprechen und sogar überzeugen zu können.

Ich fand es großartig, dass dies Lazlos erster Schritt war sich ein Stück weit zu emanzipieren, seinen eigenen Weg zu gehen und schlichtweg auch über sich hinauswächst. Schon die Reise nach Weep lässt aus dem schüchternen Bibliothekar ein selbstbewussten, kräftigen jungen Mann werden, der endlich frei ist und die Geheimnisse von Weep erkunden kann. Ein bisschen wird schon an der Oberfläche gekratzt, was es mit Weep und dem Auftrag der bunt zusammen gewürfelten Gruppe auf sich hat. In Weep gibt es nicht nur diese eine Interessengruppe, sondern auch gegenteilige Mächte. Ich denke, es wird hier noch sehr spannend werden.

FAZIT:

Mit Strange the Dreamer - Der Junge, der träumte hat Laini Taylor wieder eine ganz besonderen Jugendfantasyroman geschaffen, der mich nachdem ich endlich rein gekommen bin, wirklich begeistert hat. Ich denke, dass uns hier noch viele Geheimnisse und Wendungen erwarten werden und freue mich sehr auf den zweiten Band Strange the Dreamer - Ein Traum von Liebe, der am 27. November* erscheint.

Ich vergebe 5 von 5 Sternen.

Bewertung vom 11.09.2019
Es wird Zeit
Kürthy, Ildikó von

Es wird Zeit


ausgezeichnet

MEINUNG:
Ildikó von Kürthy ist eine Autorin, die mich eigentlich schon sehr lange durch meine „Karriere“ als Leser begleitet. In meiner Schul- und Studiumszeit war sie eine der wenigen Autorinnen, die mich als passionierte Krimi- und Thrillerleserin mit ihren „Frauenromanen“ immer begeistern konnte. Seit ein paar Jahren geht die Autorin nun auch andere Wege. Ihre Sachbücher haben mich bisher nicht so angesprochen, aber als ich hört, dass es einen neuen Roman gibt mit Es wird Zeit war ich sofort wieder Feuer und Flamme.
Nun ist Judith mit ihren fast 50 Jahren, was sie niemals müde wird zu betonen, nicht unbedingt meine altermäßige Zielgruppe bzw. ich befinde mich mit Anfang 30 in einer völlig anderen Lebensphase, aber das machte überhaupt nichts. Bücher und Literatur sind schließlich auch dazu da, in andere Welten, Leben oder in dem Fall eben auch Lebensphasen abzutauchen. Vielleicht kommt der Tag, wo ich nochmal zu diesem Buch greifen werde, aber zurück zu Judith.

Judith steht an einem typischen Scheidepunkt: Die Kinder sind groß, in Leben wurden die meisten Meilensteine (Hochzeit, Hausbau etc). erreicht und Judith kann nun wieder ihr eigenes Leben leben. Mit dem Tod von Judiths Mutter bricht eine für sehr wichtige Bezugsperson weg, auch das eine Tatsache, die in dieser Lebensphase oft Normalität ist. Judith kehrt nach 20 Jahren in ihre alte Heimat ins Rheinland zurück, welches sie auf Grund einer jahrelangen Lebenslüge verlassen hat und nie wieder zurückkehrte.

Man spürt aber ganz deutlich, wie sehr die Heimat Judith gefehlt hat, wie behütet und sorglos sie aufgewachsen ist und wie viele unvergessliche und liebevolle Erinnerungen an ihre Kindheit und Jugend nun wieder präsent sind. Mit ihrer Wahlheimat Wedel (einer Stadt bei Hamburg) scheint sie nie so ganz warm geworden zu sein als waschechte Rheinländerin. Die Beschreibung der Norddeutschen als ebenfalls Zugezogene, fand ich höchst amüsant und zum Teil so zutreffend und konnte vieles als gebürtige Berlinerin sehr gut nachvollziehen.
Judith ließ nicht nur ihr Elternhaus zurück, sondern auch ihre Freunde, mit denen sie während des Studiums zusammengewohnt hat, u.a. auch Anne, ihrer damals besten Freundin, auf die sie nun wieder trifft. Über allem schwebt diese lebenslange Lüge, die Judith innerlich zerfrisst und viel schlimmer, sie dazu gebracht hat ein Leben zu führen, welches unter Umständen ganz anders gewesen wäre. Auch Anne möchte natürlich wissen, was passiert ist, denn auch zu ihr hat Judith jahrelang keinen Kontakt mehr. Als man erfährt, was es ist, ist es so schade, dass hier nicht vorher eine Kommunikation stattgefunden hat nur auf Grund jahrelanger Schuldgefühle. Es ist dennoch so schön zu sehen, wir Judith und Anne sich wieder annähern und zeigt auch, dass Freundschaft auch nach jahrzehntelanger Funkstille trotzdem von heute auf morgen wieder funktionieren kann. Ich mochte sehr, dass Anne Judith zu keinem Zeitpunkt Vorwürfe gemacht hat. Vielleicht liegt es daran, dass sie sehr krank ist. Es wurde mir gleichzeitig warm und ganz schwer ums Herz, wenn man liest, wie Judith sie auf diesem Weg begleitet und sich immer wieder fragt, wie es für sie im Leben weiter gehen soll.

FAZIT:
Es wird Zeit war meine Monatshighlight, wenn nicht sogar ein Jahreshighlight. Ich habe die Geschichte so sehr genossen, dass ich hoffe sie würde nie enden. Ein Roman zum Lachen und Weinen, der zeigt, dass man auch mit fast 50 nochmal neue Wege in bekannten Orten beschreiten kann und der tief in meinem Leserherzen verankert sein wird.
Ich vergebe 5 von 5 Sternen.

Bewertung vom 20.08.2019
Für immer Rabbit Hayes (eBook, ePUB)
McPartlin, Anna

Für immer Rabbit Hayes (eBook, ePUB)


sehr gut

MEINUNG:
Die letzten Tage von Rabbit Hayes hat mein Leserherz gebrochen. Ich glaube, selten hat mich ein Buch emotional über Tage so beschäftigt wie dieses. Ich bin froh, dass ich nun den zweiten Band zeitnah lesen konnte, weil der Ausgang vom ersten Teil natürlich von Anfang an klar war. Für immer Rabbit Hayes hört dort auf, wo Band 1 geendet ist: Mit dem Tod von Rabbit.
Der Tod von Rabbit hinterlässt bei allen Familienmitgliedern neben dem Verlust und der Trauer unterschiedliche Gefühle und jeder geht damit auch auf seine Weise um. David verlässt zusammen mit Rabbits Tochter Juliet Irland und kehrt in seine Wahlheimat USA zurück. Seine ältere Schwester Grace erfährt, dass sie mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls an Brustkrebs erkranken kann und Molly und Jack, die Eltern gehen sehr unterschiedlich mit Rabbits Tod um und entfremden sich dadurch.
Man spürt, dass Rabbit immer noch allgegenwärtig ist und alle Familienmitglieder versuchen irgendwie mit der entstandenen Lücke zurechtzukommen und das zunächst jeder für sich, denn niemand möchte den anderen gerne mit seinem Kummer und Problemen belasten. Trotzdem ist Familie Hayes durch und durch ehrlich zueinander und besonders Molly nimmt selten ein Blatt vor den Mund. Mir gefällt es, dass sie sich weniger als andere Familien gegenseitig etwas vormachen und dass sie trotz allem, was passiert oder was gesagt wird, einander lieben und für einander einstehen. Das mochte ich schon am ersten Teil sehr.
Band 1 und 2 kann man nicht wirklich vergleichen. Das Sterben von Rabbit im ersten Teil hat eine ungeheure Wucht, die man natürlich in Band 2 nicht noch einmal so antrifft, dennoch ist dieser zweite Teil einfach notwendig gewesen, um auch das gebrochene Leserherz zu heilen. Es dauert ein bisschen bis Familie Hayes wieder zueinander findet in dem ganzen Wirrwarr aus Trauer, Schuldgefühlen und eigenen Sorgen. Besonders Molly macht es einem schwer, da sie fast schon verbohrt und engstirnig ist. Den Grund dafür erfährt man dann erst zum Schluss.

FAZIT:
Nach Rabbits Tod hat ich Für immer Rabbit Hayes einfach gebraucht! Ich bin froh, dass es diesen zweiten Band gibt und man weiß, wie Familie Hayes mit dem Verlust umgeht. Es ist schön zu lesen, dass Familie Hayes auch nach Rabbits Tod noch zueinander hält, auch wenn diese Zeit keine einfache für sie war.
Ich vergebe 4,5 von 5 Sternen.

Bewertung vom 15.08.2019
Ein wirklich erstaunliches Ding
Green, Hank

Ein wirklich erstaunliches Ding


sehr gut

MEINUNG:
Ich hatte nicht den Eindruck, dass man um dieses Buch in diesem Frühjahr vorbeigekommen ist, denn es war auch das erste Buch im Imprint Bold vom dtv Verlag. Ehrlich gesagt habe ich trotz der Kenntnis vom Klappentext keine so richtige Vorstellung gehabt, was mich hier inhaltlich erwartet.
April und ihr guter Freund Andy finden eines Nachts den sogenannten „Carl“, eine Roboter-Skulptur, die auch in anderen Städten auftauchen, doch April und Andy sind die ersten, die ihr Video dazu ins Netz stellen. Was und wer die Carls sind ist unklar, rückt aber schnell in den Fokus von Wissenschaftlern und natürlich der halben Welt. April und Andy stehen plötzlich von jetzt auf gleich im Zentrum der Medien und natürlich gibt es auch Gegner als April beschließt sich als Marke mit ihrer Entdeckung des Carls zu verkaufen.
Ganz groß im Fokus der Geschichte stehen soziale Medien, wie Facebook, Twitter, Instagram und YouTube. April und ihre Freunde nutzen alle Kanäle zum Austausch über die Entdeckung der Carls und ihnen schlägt auch ein wahnsinniges Interesse entgegen, was sie von jetzt auf gleich zu Personen des öffentlichen Lebens macht. Die Wucht des ganzen Medienrummels, denn besonders April natürlich auch entfacht, in dem sie sich öffentlich äußert, wird am Anfang etwas naiv eingeschätzt, besonders von April. Das störte mich auch etwas an ihrem Charakter. Ich empfand sie als viel zu gutgläubig und naiv, auch wenn ihre Absichten durch und durch gut und ehrenhaft waren.
Die plötzliche Berühmtheit hat auch Konsequenzen auf ihr Privatleben, denn natürlich interessieren sich Medien nun plötzlich für alles an ihr. Der Autor stellt hier sehr gut den plötzlichen Aufstieg und auch Fall einer Person wie April auf, die durch ein Ereignis zur Berühmtheit wird, nur weil sie es als erste Person zu fällig entdeckt hat. Neben den Auswirkungen von Social Media, ist aber auch die Geschichte der Carls wirklich super konstruiert. Ich hatte nicht erwartet, dass sie in dieser Tiefe Teil des Romans sein wird. Denn es wird hier wirklich richtig analysiert, was es mit den Carls auf sich hat, wobei auch Träume eine große Rolle spielen. Durch die Geschichte der Carls wird die ganze Story auch zu einem modernen Sci-Fi-Roman.

FAZIT:
Ein wirklich erstaunliches Ding las sich für mich eher, wie ein Sci-Fi-Roman für junge Leute und dennoch gepaart mit vielen Aspekten aus unserer modernen Social-Media-Welt. Dem Autor gelingt es hier die guten und schlechten Seiten in einem ansprechenden Romankontext zu verpacken. Bin gespannt, was wir noch von Hank Green lesen werden.

Bewertung vom 13.06.2019
Fünf Sterne für dich
Lucas, Charlotte

Fünf Sterne für dich


gut

MEINUNG:
Eigentlich lese ich von der Wiebke Lorenz, die sich hinter dem Pseudonym Charlotte Lucas verbirgt, lieber Thriller. Letztes Jahr habe ich Wir sehen uns beim Happy End gelesen und fand die Geschichte war mal etwas anders. Ein bisschen verliebt bin ich auch immer in die schöne Gestaltung der Bücher, denn der Verlag bleibt sich auch bei diesem Buch treu.

Konrad ist alleinerziehend. Warum das so ist ahnt man zunächst nur ein wenig, weil es immer wieder Erinnerungsfetzen gibt. Für Konrad ist seine 12-jährige Tochter Mathilda sein Ein und Alles. Konrad ist mit Mathilda fluchtartig von Köln nach Hamburg gezogen. Dort besucht Mathilda ein Gymnasium. Beim ersten Elternabend wird Konrad, ganz gegen sein Naturell, zum Elternsprecher ernannt. Sein Job ist etwas ungewöhnlich: Er schreibt professionell Rezensionen und neigt auch sonst dazu viele Dinge gerne zu bewerten. So auch Mathildas Lehrerin Pia.

Pia ist eine junge, sehr engagierte Lehrerin und die zusammen mit einem anderen Kollegen teilt sie sich die Leitung von Mathildas Klasse. Man merk recht schnell, dass es in der Klasse ein paar Ungleichgewichte gibt, die vor allem durch die neue Sitzordnung von Pia entstanden, ist. Die Abläufe in der Klasse und deren Gefüge rücken, entgegen meiner Erwartung, ziemlich schnell in den Vordergrund. Man kann sagen, dass Mathildas Klasse und deren Probleme hier eindeutig im Vordergrund stehen und nicht vermeintliche Liebesgeschichte zwischen Pia und Konrad.

Am Rand des ganzen Geschehens gibt auch viele Nebencharaktere, die zu dem ganzen Schlamassel ihren Beitrag leisten. Zum einen ist da die Mutter von Pauline, die am meisten gegen die neue Sitzordnung aufbegehrt, weil sie neben Finn-Lasse sitzt, den man sofort als Außenseiter abgestempelt hat. Dann ist da noch Tom Wohlfahrt, der zweite Lehrer der Klasse. Tom ist ein totaler Chauvinist, versucht Pia rumzukriegen und sieht auch sonst alles sehr, sehr locker. Diese Charaktere erzeugen in der Geschichte natürlich sehr viel Reibung und Konflikte, aber mir war es zum Teil oft viel zu überspitzt und bekam dann auch schnell so einen gewissen Nerv-Faktor. Ich habe mich auch wiederholt gefragt, ob die Jugend von heute wirklich so oberflächlich ist, wie hier dargestellt. Manches Verhalten, auch von den Eltern, hat mich innerlich auf die Palme gebracht, aber genau das sollte sicherlich auch der Effekt sein.

FAZIT:
Ehrlich gesagt habe ich auf Grund des Klappentextes hier eine völlig andere Geschichte erwartet und zwar in erster Linie eine Liebesgeschichte und keine Schulgeschichte, was es im Grunde war. Leider war mir vieles auch einfach zu überspitzt dargestellt. Auch wenn es ein fiktiver Roman ist, spielt er dennoch in der realen Welt, doch vieles fand ich wenig realistisch. Die fast 600 Seiten waren auf Grund meiner geringen Begeisterung leider ziemlich zäh zu lesen. Ich werde lieber bei den Thrillern der Autorin bleiben.

Bewertung vom 16.05.2019
Die Verlobten des Winters / Die Spiegelreisende Bd.1
Dabos, Christelle

Die Verlobten des Winters / Die Spiegelreisende Bd.1


sehr gut

MEINUNG:
Die Verlobten des Winters ist der Auftakt einer neuen Jugenfantasyreihe, die meines Wissens nach aus vier Bänden bestehen soll, zumindest sind diese vom Verlag angekündigt. Ich bin so ein bisschen auf das Buch aufmerksam geworden, weil es mit Harry Potter verglichen worden ist. Nun wissen wir alle, dass Harry Potter nicht nachzuschreiben ist, aber das Harry-Potter-Feeling kommt doch in einigen Geschichten auf.

Die Welt in Die Spiegelreisende ist in sogenannte Archen aufgeteilt. Ophelia stammt von der Arche Anima und wird daher auch als Animistin bezeichnet. Jeder Arche wohnt auch ein Familiengeist inne, von dem alle Bewohner der Arche abstammen, sprich alle sind miteinander verwandt und sind eine große Familie. Ophelia ist sehr introvertiert und lebt ein Stück weit in ihrer eigenen Welt, zu der kaum jemand Zutritt hat. Nun soll Ophelia endlich verheiratet werden und zwar nicht mit einem Animisten, sondern mit Thorn, einem Adligen der Arche des Pols im hohen Norden. Ophelia hat keine Wahl und muss mit Thorn an den eisigen Pol reisen, um ihn dort zu heiraten.
Die Welt der Archen ist sehr mystisch und magisch. Man braucht ein bisschen Zeit, um sich da zu orientieren. Vieles bleibt aber auch noch verborgen. Genauso wie Ophelia haben auch die Bewohner des Pols bestimmte magische Fähigkeiten. Durch eine Heirat können solche Eigenschaften auf den jeweils anderen übertragen werden. Als Ophelia am Pol ankommt landet sie in einem Meer aus Intrigen und dunklen Machenschaften. Niemand ist ihr so richtig wohlgesonnen und es schwer jemanden wirklich zu vertrauen. Dazu kommt die eisige Kälte, die sie nicht gewohnt ist. Thorn hat nicht wirklich viel Zeit für sie und so wird Ophelia bei Thorns Tante „geparkt“. Die Beziehungen untereinander sind zum Teil sehr komplex und nicht immer ganz durchschaubar. Doch zwischen Thorn und Ophelia entwickelt sich, wenn sie sich denn mal sehen, eine Art vertrauensvolle, Respektbeziehung, denn Thorn scheint nicht sehr viele Verbündete zu haben.

Dafür, dass Ophelia recht grausam in diese Welt gestoßen wird, meistert sie die vielen Fallstricke recht gut, vor allem als sie diese erkennt. Auch ihr ist man nicht so richtig wohlgesonnen und natürlich stellt sie ihr immer wieder brennend die Frage, warum ausgerechnet sie ausgewählt worden ist, Thorn zu heiraten. In diesem Band wird dazu ein bisschen an der Oberfläche gekratzt, aber viel mehr werden wir wohl erst im zweiten Band erfahren, der 27. Juli 2019 erscheinen wird.

FAZIT:
Die Verlobten des Winters ist ein sehr vielversprechender Auftakt einer neuen Jugendfantasyreihe, die ich als sehr innovativ und voller neuer Ideen empfand. Ophelia ist eine Anti-Heldin, die ich bereits von der ersten Seite an mochte, vor allem, weil viel mehr in ihr steckt als auf den ersten Blick zu erahnen ist. Die Geschichte ist voller Intrige, Fallstricke und bei niemanden kann man sich so richtig sicher sein, die ihr Potential vermutlich aber erst vollends in Band 2 entfalten wird. Freue mich sehr auf Band 2!

Bewertung vom 23.04.2019
Nicholas / Prince of Passion Bd.1
Chase, Emma

Nicholas / Prince of Passion Bd.1


sehr gut

MEINUNG:
Ich bin schon immer großer Fan von allem gewesen was royal ist und verfolge das Geschehen der vor alle europäischen Königshäuser schon seit Jahren regelmäßig. Umso mehr habe ich mich gefreut, dass mal wieder eine royale Liebes-/ Erotikgeschichte in Form der Prince of Passion Trilogie nun auf Deutsch erschienen ist. Ehrlich gesagt hatte ich dahingehend auch schon einige Reinfälle.

Im ersten Teil geht es um Nicholas, dem Kronprinzen von Wessco. Wessco ist ein fiktiver Staat, der zu Europa gehört und unter Umständen auch auf der britischen Insel liegen könnte. Ganz genaue Details gibt es hier nicht. Ich finde das clever, denn so können zu realen Könighäuser zwar Parallelen gefunden, aber keine absoluten Vergleiche angestrebt werden. Nicholas fliegt im Auftrag seiner Großmutter, der Queen, nach New York, um seinen Bruder Henry wieder nach Hause zu holen und es sind die letzten Monate als Single, denn er soll nach dem Sommer heiraten. Gemäß dem Protokoll von Wessco darf dies allerdings nur eine Adelige oder eine Bürgerliche, allerdings in Wessco geboren, sein.

Mit diesem Wissen im Hintergrund stürzt sich Nicholas Hals über Kopf in eine heiße Affäre mit Coffee Shop Besitzerin Olivia. Nicholas ist der typische heiße Typ, der uns bereits in vielen Bücher dieser Art begegnet ist. Er ist sehr gutaussehend, heiß, intelligent, gebildet und in dem Fall noch royal. Die Liaison mit Olivia entwickelt sich ziemlich zügig und wird schnell sehr leidenschaftlich. Olivia hat ein gutes Herz und in der Betreuung des familiären Coffee Shops stark eingespannt. Der Coffee Shops war einst der Traum ihrer Mutter, die leider frühzeitig gestorben ist. Das Leben von Olivia und Nicholas könnte also gegensätzlicher nicht sein. Die Autorin schildert auch gut, was für ein Eingriff es in das Privatleben von Olivia und ihrer Familie ist, nur weil sie mit dem Kronprinzen von Wessco ausgeht. Olivia geht das allerdings sehr gelassen mit um.
Natürlich entwickelt sich zwischen den beiden mehr, aber als Leser weiß man natürlich, dass es hier eigentlich kein Für immer für die beiden geben kann. Ich weiß nicht, ob ich genauso gehandelt hätte wie Olivia mit dem Wissen im Hinterkopf, dass er eine andere heiraten muss. Meiner Meinung nach ist das für die doch eigentlich sonst toughe Olivia ein wenig leichtgläubig gewesen. Mich beruhigt, dass sie sich aber an den entscheidenden Punkten durchaus zur Wehr setzen kann und Nicholas zeigt, dass er sich nicht alles erlauben kann, nur weil er Prinz ist. Die Erotikszenen fand ich fast ein wenig störend, weil für mich die Geschichte auch ohne diese funktioniert hätte und sie gar nicht mal so wenig waren.

FAZIT:
Prince of Passion startet mit der Geschichte von Nicholas. Man bekommt hier eine süße und gleichzeitig auch sehr heiße royale Liebesgeschichte. Das sprichwörtliche Fahrrad wird hier nicht neu erfunden, aber ich wurde gut unterhalten und mir gefielen auch die Einblicke „hinter die Kulissen“, was es bedeutet ein Königreich zu regieren und was das für die Menschen bedeutet, die man liebt. Freue mich auf Henrys Geschichte, die am bereits 23.5.2019 erscheint.
Ich vergebe 4 von 5 Sternen.

Bewertung vom 23.04.2019
Das Leuchten jenes Sommers
Scott, Nikola

Das Leuchten jenes Sommers


sehr gut

MEINUNG:
Nach Zeit der Schwalben ist Das Leuchten jenes Sommers nun Nikola Scotts zweiter Wurf, den ich gleich im Anschluss an ersteren Roman gelesen habe. Wieder gibt es zwei Zeitebenen und wieder ist es eine Geschichte zweier bzw. dreier Frauen und dennoch ist der Roman ganz anders als der erste.

In der Gegenwart trifft der Leser gleich zu Beginn auf die junge Fotografin Chloe, die gerade erfährt, dass sie schwanger ist. An sich ist das eine freudige Nachricht, aber Chloe fordert den Arzt auf Chloes Mann Adrian, der auch Arzt ist, nichts davon zu sagen. Recht schnell spürt man, dass in dieser Beziehung etwas nicht ganz stimmt und dass Chloe nicht auf Augenhöhe mit ihrem Mann ist, denn der hat so seine ganz eigenen Vorstellungen was die Fürsorge für Chloe betrifft. Chloe sitzt quasi in einem goldenen Käfig. Aidans manipulative und unbeherrschte Art lösten bei mir recht schnell Beklemmungen aus. Hinzu kommt, dass Chloe auch finanziell abhängig von Aidan ist und daran hängt auch die Pflege von Chloes an unheilbaren Muskelerkrankung leidender Bruder, den sie quasi großgezogen hat. Ich kann nachvollziehen, dass Chloe sich für einen Mann wie Aidan zunächst entschieden hat. Sie, die immer stark für ihren Bruder sein musste, wird von Aidan auf Händen getragen und muss sich um nichts mehr selbst kümmern.

Die Liebe zu Geschwistern ist ein zentrales Thema in dem Roman, denn in der Vergangenheit lernen wir Maddy und deren ältere Schwester Georgiana kennen. Hier befinden wir uns ein paar Wochen vor Ausbruch des zweiten Weltkriegs auf einem Anwesen namens Summerhill in Cornwall. Auch diese beiden haben früh ihre Eltern verloren und Georgiana hat sich um ihre Schwester Maddy gekümmert. Beide sind eng miteinander verbunden. Besonders Maddy hängt sehr an ihrer großen Schwester. Nachdem Georgiana von ihrer Reise zurückkehrt, spürt man, dass zwischen den beiden Schwestern etwas anders ist und das führt immer wieder zu Konflikten zwischen den beiden. Ähnlich wie bei Chloe geht es hier auch um das Abnabeln der beiden Schwestern. Natürlich werden sie sich immer lieben, aber jede muss ihr eigenes Leben führen.
In der Gegenwart treffen die nun alte Maddy und Chloe aufeinander. Maddy illustriert Kinderbücher und Chloe soll sie für ein nächstes Buch fotografieren. Auch wenn es anfangs nicht so wirkt nähern sich die beiden Frauen an und ich war als Leser auch einfach froh, dass es jemand gibt zu dem Chloe kann, denn Zuhause sitzt sie sprichwörtlich auf einem Pulverfass mit Aidan. Ich denke, beide erkennen auch die ein oder andere Parallele in ihrem Leben. Nikola Scott erzählt ruhig, ohne wertend und kitschig zu werden. Es gefiel mir sehr, dass hier auch keine zusätzliche Liebesgeschichte untergebracht wurde, dennoch besteht am Ende Hoffnung auf ein selbstbestimmtes, unabhängiges Leben, auch wenn dieser Weg nicht leicht wird.

FAZIT:
Das Leuchten jenes Sommers hat mich gleich zu Anfang sofort gefesselt. Der Mittelteil hatte für meinen Geschmack wieder ein paar Längen und das Ende war dann wieder unfassbar spannend. Freue mich sehr auf das nächste Buch der Autorin!
Ich vergebe 4,5 von 5 Sternen.

Bewertung vom 03.04.2019
Wenn du das hier liest
Adkins, Mary

Wenn du das hier liest


gut

Wenn du das hier liest gehört für mich in die Kategorie Briefromane, wenn auch hier in  einer modernen Variante. Ich bin großer Fan von solcher Art Romanen, denn es fasziniert mich immer wieder aufs Neue, wie man durch diese indirekte Form eine Geschichte erzählen kann.

Der Roman besteht zu großen Teilen aus E-Mails, aber auch aus Einträgen von einem Blog, den Iris vor ihrem Tod geführt hat. Der Roman beginnt damit, dass Iris vor einem Jahr gestorben ist. Zurück gelassen hat sie u.a. Jade, ihre große Schwester und ihren ehemaligen Chef, Smith, der ihr immer noch schreibt, was Jade eines Tages entdeckt. Dazwischen gibt es noch Smiths Praktikanten Carl, den ich sehr gerne mochte, weil er höchst amüsant war und recht proaktiv vorgeht, was aber das ein oder andere Mal kräftig daneben geht.

Obwohl Iris bereits seit einem Jahr tot ist, scheinen sowohl Smith als auch Jade deren Tod noch nicht besonders gut verarbeitet zu haben. Besonders bei Jade spürt man auch, dass sie ihre Schwester und deren Leben vielleicht gar nicht so gut kannte, wie sie glaubte. Die beiden haben auch kein einfaches Verhältnis zu ihrer Mutter. Iris mehr als Jade. Ich hatte auch den Eindruck, dass Iris als jüngere Schwester immer ein wenig das Nachsehen hatte, was Aufmerksamkeit und Wahrnehmung durch ihre Familie anging. Dessen wird sich auch Jade bewusst. Nur leider gibt es nun keine Möglichkeit das wieder aufzuholen.

Die Blogeinträge von Iris sind sehr eindringlich, manchmal lustig, manchmal verzweifelt und manchmal tief traurig. Untermalt hat sie das mit verschiedenen Grafiken, die allerdings etwas seltsam fand. Allerdings waren sie als Reaktion auf die Blogbetreiber gedacht, die meinten, sie könne nicht nur Fließtext veröffentlichen, wenn sie viele Leser und Klicks möchte. Die Grafiken als Reaktion darauf fand ich dann allerdings sehr amüsant.

Smith hat auch ein Haufen Probleme. Er ist spielsüchtig, hat ein schwieriges Verhältnis zu seiner Mutter bzw. seinen Eltern, seine Firma ist fast pleite und er hintergeht seine Klienten. Iris war ihm sehr wichtig. Möglicherweise kann man es als Verliebtheit bezeichnen. Auf jeden Fall hat ihr Tod bei ihm ein relativ großes Loch hinterlassen. Auf diesem Weg trifft er Jade, die auch merkt, dass ihr Leben so nicht weitergehen kann. Zwischen den beiden bahnt sich etwas an, was man aber immer nur so ein einem Halbsatz mitbekommt. Das gilt für so einige Themen. Es gibt manchmal Dinge, die dem Leser vorenthalten werden. Hier empfand ich die Umsetzung nicht ganz gelungen. Die Geschichte braucht auch, um in Fahrt zu kommen. Der Fokus lag ganz eindeutig darauf, dass Jade und Smith erkennen, was ihnen wichtig ist nach der Phase der akuten Trauer um Iris. 

Bewertung vom 08.03.2019
Liebes Kind
Hausmann, Romy

Liebes Kind


sehr gut

MEINUNG:
Liebes Kind erinnert mich sofort an Raum von Emma Donoghue, vermutlich weil, die erste Erzählerstimme die kleine Hannah ist. Ich hatte fast befürchtet, dass es komplett aus Hannahs Sicht geschrieben ist, aber es gibt auch noch die Sicht von Lenas Vater und von einer Frau, die für Lena gehalten wird, denn Hannah bezeichnet sie als ihre Mutter. Durch einen Zufall können beide fliehen und werden in einen Autounfall verwickelt, der alles ins Rollen bringt. Die Geschichte setzt nach der Entführung ein und deren Aufarbeitung an.

Relativ schnell merkt man, dass vieles nicht so passiert sein kann, wie es die Beteiligten schildern. Die drei Erzähler haben auch ganz unterschiedliche Formen, um mit dem Geschehenen umzugehen. Hannah fand ich dabei besonders speziell, denn sie leidet wohl an einer Form des Asperger-Syndroms und reagiert auf alles sehr nüchtern und sehr pragmatisch. Für sie war die Hütte ihr Zuhause und der familiäre Ablauf ganz normaler Alltag. Mir stellten sich immer wieder die Nackenhaare auf, wenn den angedeuteten Grausamkeiten folgt, aber Hannah kommt außerhalb der Hütte nicht besonders gut zurecht und versteht auch vieles nicht. Das liegt aber nicht an ihrem Alter, sondern eben an ihrer speziellen Persönlichkeit. Ich fand Hannah oft auch ein wenig unheimlich und gerade dadurch so grandios geschrieben von der Autorin.

Matthias hat seine Tochter nie aufgegeben und in ihm entfacht nach der Nachricht, dass man Lena gefunden hat, eine große Hoffnung. Er ist in seinem Eifer auch kaum zu bremsen und häufig sehr ungeduldig, was die Ermittlungsstände der Polizei angeht und tut das Falsche aus den richtigen Gründen, in dem er sich auch an die Presse wendet. Auch seine Frau, Lenas Mutter, kann häufig nicht zu ihm durchdringen. Ich fand es natürlich zum Teil nachvollziehbar, aber manchmal auch etwas unheimlich, weil er schnell auch zu Überreaktionen neigte.
Spannend war auch Lenas, die als Opfer eine Entführung, dann wieder zurück ins Leben finden muss, was ohne professionelle Hilfe, die sie aber verweigert, nicht möglich ist. Obwohl sie eigentlich frei ist, ist sie es doch nicht, denn Entführer ist immer noch in ihrem Kopf und in ihren Gedanken. Auch in einen freibestimmten Tagesablauf findet sie nur schwer zurück. Man spürt, dass einfach ein Teil von ihr zerbrochen ist, dass sie unfrei ist, obwohl sie eigentlich frei ist. Auch diese Passagen waren sehr intensiv zu lesen.

Der Spannungsbogen konnte konstant gehalten werden. Gleich zu Beginn gibt auch so viele Ungereimtheiten und Widersprüche, dass ich das Buch einfach nicht mehr aus der Hand legen konnte. Ich habe auch so viele Theorie entwickelt, wer und was dahinterstecken könnte und wie es wirklich alles war. Genau aus diesem Grund war ich dann etwas ernüchtert von der Auflösung, denn darauf wäre ich nie gekommen und dafür gab es eben auch in der Fülle von Anhaltspunkten keinerlei Hinweise. Das hat mich persönlich nicht wirklich zufrieden gestellt, aber das mag Geschmackssache sein. Trotzdem war alles in sich schlüssig erklärt und es blieben keine Fragen offen.

FAZIT:
Liebes Kind war, bis auf das für mich nicht richtig runde Ende, ein absoluter Pager Turner, den ich innerhalb von ein paar Tagen verschlungen habe. Der Spannungsbogen ist die ganze Zeit vorhanden. Für mich ein bemerkenswertes Debüt, auch was den Erzähl- und Schreibstil angeht.
Ich vergebe 4 von 5 Sternen.

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