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Nie im Leben hätte Dan damit gerechnet, dass auch er und seine Eltern einmal hier landen würden: in Dignityville. Dignityville ist eine Zeltstadt, ein Zufluchtsort für Leute, die erst ihre Arbeit, dann ihr Haus verloren haben. Ein Ort für Verlierer, die sich nicht genug angestrengt haben, dachte Dan. Doch dann lernt er Menschen kennen, die ohne Schuld ihren Platz in der Mitte der Gesellschaft verloren haben - nicht jedoch ihren Stolz und den Willen, ihn sich zurückzuerobern.

Produktbeschreibung
Nie im Leben hätte Dan damit gerechnet, dass auch er und seine Eltern einmal hier landen würden: in Dignityville. Dignityville ist eine Zeltstadt, ein Zufluchtsort für Leute, die erst ihre Arbeit, dann ihr Haus verloren haben. Ein Ort für Verlierer, die sich nicht genug angestrengt haben, dachte Dan. Doch dann lernt er Menschen kennen, die ohne Schuld ihren Platz in der Mitte der Gesellschaft verloren haben - nicht jedoch ihren Stolz und den Willen, ihn sich zurückzuerobern.
Autorenporträt
Morton Rhue, der eigentlich Todd Strasser heißt, wurde am 5. Mai 1950 auf Long Island, New York, geboren und wuchs auch dort auf. Als junger Mann reiste er durch die USA und Europa und verdiente sich sein Geld z. B. als Schiffssteward und Straßenmusiker.
Nach dem Studium arbeitete er einige Jahre als Zeitungsreporter und Werbetexter.
Schließlich entschloss sich Morton Rhue dazu, das Schreiben von Büchern zu seinem Hauptberuf zu machen. Seitdem hat er eine große Menge von Romanen und Kurzgeschichten verfasst - in Amerika gehört er zu den bekanntesten Kinder- und Jugendbuchautoren.
Sein in Deutschland berühmtestes Buch ist "Die Welle", das seit Jahrzehnten zur Schullektüre gehört und das vielfach ausgezeichnet wurde.
Morton Rhue lebt nach wie vor in New York. Seine Hobbys sind Angeln, Skifahren und Surfen. Über seine Bücher sagt er: "Gute Jugendliteratur soll dem Leser helfen richtige Entscheidungen zu treffen."
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 07.02.2014

Desaster
Ein Junge erlebt den sozialen Absturz
Dans Eltern haben ihre Jobs verloren, können deshalb die Raten für ihr Haus nicht mehr zahlen und müssen in ein Zeltlager im Zentrum der Stadt ziehen.Es ist die Geschichte eines sozialen Abstiegs. Der amerikanische Bestsellerautor Morton Rhue schildert in seinem neuen Jugendroman No place, no home gewohnt klar und offen, wie es ist, wenn das Leben aus den Fugen gerät. Im Mittelpunkt der Sohn der Familie, Dan, gefeierter Highschool-Baseballspieler, mit einem Baseball-Stipendium für die Universität. Seine Freundin ist das begehrteste Mädchen der Schule. Und so fällt es ihm zunächst schwer, das drohende Desaster zu akzeptieren. Erst als sein Freund Aubrey brutal zusammengeschlagen wird und ins Koma fällt, markiert dies auch für Dan eine Wende.
  Je mehr von der bürgerlichen Fassade bröckelt, umso mehr muss er einsehen, dass seine Strategie, das Unheil so lange wie möglich zu verdrängen, nicht funktionieren kann. Zu hart reagiert nämlich die Gesellschaft auf vermeintliche Versager, zu scharf ist – vor allem in den USA – die Trennlinie zwischen Arm und Reich. Hier ist das soziale Gefälle vielleicht noch extremer als in Deutschland. Da hilft Dan auch nicht, dass seine yogagestärkte Mutter das Auffanglager als Chance begreift. Es liegt mitten in der Stadt, nahe dem Rathaus auf einem verwilderten Parkgelände. Die Bewohner erhalten Essen, Fahrkarten für den Bus, sogar Berechtigungskarten für den Arzt. Manches im Roman von Morton Rhue wirkt extrem, vielleicht auch, weil hierzulande die sozialen Netze noch dichter sind als in den USA. Doch im Grunde betreffen viele Probleme auch Jugendliche in Deutschland. So hat Rhues Geschichte neben allem Realitätsbezug auch etwas Gleichnishaftes. Wenn sich die Schere zwischen Arm und Reich weiter öffnet, werden zwangsläufig immer mehr Menschen an den Rand der Gesellschaft gedrängt.
  Morton Rhue interessiert sich für die psychologische Ebene seiner Protagonisten und verurteilt seine Figuren nicht. Wie schon in seinem Erfolgsroman Die Welle versucht er stattdessen, das menschliche Verhalten zu erklären: Wie verändern sich Menschen, wenn sie unter Druck geraten? Bei Rhue gibt es hier nicht nur Schwarz und Weiß, seine Charaktere sind komplexer gezeichnet. Vor allem Dans Vater rückt im Lauf der Geschichte immer mehr in den Mittelpunkt. Er ist einerseits der gute Vater, der in der Kindheit als Hausmann die Erziehung übernommen und Dan das Baseball-Spielen beigebracht hat, andererseits auch der mäßig erfolgreiche Sozialarbeiter, der sich durchwurstelt und arbeitslos wird. Als Versager angesehen, versucht er sich dem Unheil entgegenzustemmen – und geht schließlich einen unheilvollen Pakt ein. (ab 13 Jahre)
HUBERT FILSER
Morton Rhue: No place, no home. Aus dem Englischen von Katarina Gansland. Ravensburger Buchverlag 2013. 286 Seiten, 14,99 Euro.
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
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Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 22.04.2014

Vom Leben in der Zeltstadt
Morton Rhues Prekariat sucht den Neuanfang

Seit seinem literarischen Durchbruch mit dem 1981 erschienenen Roman "Die Welle" gilt der amerikanische Autor Morton Rhue als Experte darin, Fiktion mit sozialpolitisch explosiven Realitäten aufzuladen. In seinen Jugendbüchern zeigt er die Schule gewöhnlich als Mikrokosmos unserer ziemlich gefährlichen Welt. Sein neuester Roman "No place, no home" entlarvt nun die Finanzkrise als Wiederkehr der Großen Depression der 1930er Jahre.

Dutzende Zeltstädte mit traurig-ironischen Namen wie Dignity Village oder flüchtlingscamphaften wie Tent City 4 gehören zu den sichtbaren Folgen der Wirtschaftskrise in den Vereinigten Staaten. In Parks am Stadtrand, neben Eisenbahnstrecken und Autobahnausfahrten trennen dünne Zeltwände ehemalige Türsteher von gescheiterten Investmentbankern, Exbauarbeiter von früheren Hausfrauen. Auch die Eltern des siebzehnjährigen Dan müssen in eine dieser Zeltstädte ziehen, weil sie ihre Arbeit verloren haben, und auch sie stoßen auf Anfeindungen, Ausbeutung und Hunger, auch sie erleben einen sozialen Abstieg, mit den sie nie gerechnet hätten. Und natürlich betrifft das nicht zuletzt ihren siebzehnjährigen Sohn Dan, eigentlich fest in der Mittelschicht verankert, talentierter Basketballspieler, respektvoll gegenüber Außenseitern, höflich und belesen. Es ist eine kluge Wahl des Autors, dass er uns das Geschehen durch die Augen einer ebenso durchschnittlichen wie aufgeweckten Figur betrachten lässt. Dan ist All American Boy genug, um ein aufschlussreiches Bild der fiktiven, bezeichnend benannten Stadt Average und deren Bewohnern zu zeichnen, und gleichzeitig klug genug, um dieses Weltbild nicht blind zu übernehmen.

Denn das ist geprägt von Ablehnung der vermeintlich gesellschaftlich Nutzlosen und von kruden Typisierungen wie "brave Steuerzahler" oder "Sozialschmarotzer". Als Dans Eltern ihr Haus verkaufen müssen und sich zunächst bei Dans Onkel Ron einquartieren, gibt sich selbst dieser verständnislos. Dass es lediglich Angst vor Statusverlust ist, die Narrative der Ausgrenzung fabriziert, illustriert "No place, no home" mit psychologischer Genauigkeit. Jene, die gerade noch genug haben, erklären sich ihren Wohlstand mit dem eigenen Fleiß - und der Faulheit der anderen. Dass auch Onkel Ron, wie Dan es euphemistisch formuliert, "von der Wirtschaftskrise betroffen" ist, weiß dieser genau. In diesem Kontext erscheint das alltägliche Schimpfen auf "Penner", "Landstreicher", "Blindgänger" und nicht zuletzt auf Dans Vater weniger bedrohlich als eigentlich bemitleidenswert.

Doch auch der Junge registriert bald mit Verwunderung, dass sein Vater nachmittags im Haus seines Schwagers sitzt, Bier trinkt und Fußball schaut, statt sich nach einer neuen Arbeitsstelle umzusehen. Im Übrigen lassen Onkel Rons riesiger Bauch, Tränensäcke, Bartschatten und die abendliche Dosis Whiskey auch nicht gerade auf ein erfülltes Arbeitsleben schließen. Dans Mutter dagegen, früher perfekt gestylt und unglücklich im Business-Kostüm, kocht nun wie befreit Apfelmus in T-Shirt und Jeans. Ausdauernd untergräbt Rhue die festgefügten Ansichten seiner Charaktere und ermutigt seine Leser zu Höchstleistungen in Sachen Differenzierungsvermögen. Damit hat er laut einer Definition seines Protagonisten ein Buch geschrieben, das der Perspektive von Jugendlichen entgegenkommt: "Als Kind sieht man die Dinge meistens entweder schwarz oder weiß, teilt alles in gut oder schlecht ein. Erst als Jugendlicher beginnt man allmählich, die Grauschattierungen zu erkennen."

Über einen zuverlässigen moralischen Kompass verfügt "No place, no home" aber trotz aller Nuancen, und allzu oft bricht die soziale Realität ins Privatleben der Figuren ein, um den Roman nicht zur Parabel über die gesellschaftliche Verantwortung des Individuums zu machen. Diese springt Dan förmlich ins Gesicht, als ein jüngerer Mitschüler - das personifizierte soziale Gewissen mit Rastalocken und Turnschuhen - ihm wiederholt ein Plakat vor die Nase hält, beschrieben mit beunruhigenden Informationen über die prekäre wirtschaftliche Lage der Vereinigten Staaten. Es sind Quizfragen mit einem Hauch Marxismus ("Wusstest du, dass diejenigen, die am meisten Geld haben, oft weniger Steuern zahlen als Arbeiter?") und sie vermögen für den Moment nicht viel zu bewegen. Solange nicht der eigene Magen knurrt, fahren Dans Mitschüler lieber in die Ferien, statt in Washington für das Wohlergehen anderer zu demonstrieren.

Ein wenig ratlos ob dieser ernüchternden Bestandsaufnahme, flüchtet sich der Roman gegen Ende leider in eine flaue Utopie. Während die Zeltstadtbewohner sich neu orientieren und Gemüsegärten anlegen, über Nachhaltigkeit diskutieren und Pläne für Solaranlagen entwerfen, entpuppen sich die gutsituierten Vertreter der Mittelschicht als korrupt und böswillig. Der Jugendroman färbt sich damit wieder kindgerecht schwarz und weiß, die Dinge ordnen sich. Schade um die Grautöne.

KATHARINA LASZLO

Morton Rhue: "No place, no home".

Aus dem Amerikanischen von Katarina Ganslandt. Ravensburger Buchverlag, Ravensburg 2013. 288 S., geb., 14,99 [Euro]. Ab 14 J.

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Für Katharina Laszlo besteht kein Zweifel, dass Morton Rhue sozialpolitisch heiße Themen in seine Fiktionen zu integrieren weiß und damit Jugendbücher der besonderen Art zu schaffen vermag. Wenn der Autor sich nun der Finanzkrise annimmt und seine gescheiterten Figuren in Zeltstädten ansiedelt, hält Laszlo das für ein gelungenes Bild. Nicht weniger clever erscheint ihr, wie Rhue den Leser das Geschehen durch die Augen eines aufgeweckten amerikanischen Teenagers sehen lässt, dessen Blick so manche Untiefe zwischen Ausgrenzung und der Angst vor Statusverlust ausmachen kann. Mitunter sieht sich die Rezensentin zwar ganz schön in ihrem Differenzierungsvermögen gefordert, wenn der Autor die Ansichten seiner Figuren so untergräbt, doch kann sie sich letztlich auf den moralischen Kompass der Erzählung verlassen, die nur gegen Ende etwas flau utopisch wird, wie Laszlo bedauernd schreibt.

© Perlentaucher Medien GmbH