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Sie kennen schon die ersten beiden Bände der Erotikbücher von E L James? Befreite Lust / Shades of Grey Bd.3 ist der fesselnde Abschluss der Trilogie, den Sie nicht auslassen sollten!
Nachdem die zuvor unerfahrene Literaturstudentin Ana Steele sich auf eine gefährliche Affäre mit dem reichen Unternehmer Christian Grey eingelassen hat, verlangt sie nach mehr Nähe und einer tieferen Beziehung. Zunächst scheint sich Grey wirklich auf Ana einzulassen. Doch Ana ahnt bereits, dass es nicht leicht sein wird, Greys Leben zu teilen, ohne ihre Unabhängigkeit zu verlieren. Darüber hinaus muss sich…mehr

Produktbeschreibung
Sie kennen schon die ersten beiden Bände der Erotikbücher von E L James? Befreite Lust / Shades of Grey Bd.3 ist der fesselnde Abschluss der Trilogie, den Sie nicht auslassen sollten!

Nachdem die zuvor unerfahrene Literaturstudentin Ana Steele sich auf eine gefährliche Affäre mit dem reichen Unternehmer Christian Grey eingelassen hat, verlangt sie nach mehr Nähe und einer tieferen Beziehung. Zunächst scheint sich Grey wirklich auf Ana einzulassen. Doch Ana ahnt bereits, dass es nicht leicht sein wird, Greys Leben zu teilen, ohne ihre Unabhängigkeit zu verlieren. Darüber hinaus muss sich Ana der dunklen Vergangenheit ihres Liebhabers stellen und gerät in einen Strudel aus Missgunst und Intrigen ...
  • Produktdetails
  • Goldmann Taschenbücher Bd.47897
  • Verlag: (Goldmann)
  • 6. Aufl.
  • Seitenzahl: 672
  • 2012
  • Ausstattung/Bilder: 667 S. 206 mm
  • Deutsch
  • Abmessung: 205mm x 141mm x 48mm
  • Gewicht: 650g
  • ISBN-13: 9783442478972
  • ISBN-10: 3442478979
  • Best.Nr.: 35402839
Autorenporträt
Nachdem sie 25 Jahre für das Fernsehen gearbeitet hat, beschloss E L James, Geschichten zu schreiben, in die sich die Leser verlieben sollten. Das Ergebnis war die mittlerweile weltberühmte "Fifty Shades of Grey"-Trilogie, die sich global mehr als 125 Millionen Mal verkaufte und in 52 Sprachen übersetzt wurde. Der erste Band, "Fifty Shades of Grey. Geheimes Verlangen", stand 147 Wochen ununterbrochen auf der Spiegel-Bestsellerliste. Und die Verfilmung von Band 1, die im Februar 2015 in die Kinos kam, brach weltweit alle Rekorde. E L James lebt in Westlondon mit ihrem Ehemann, dem Schriftsteller und Drehbuchautor Niall Leonard, und ihren beiden Söhnen.
Rezensionen
Besprechung von 07.07.2012
Mit Duschgel gefesselt
Den sadomasochistischen Bestseller „Shades of Grey“ gibt es jetzt auch auf Deutsch – ein Deutungsversuch
Anastasia Steel und Christian Grey sind ein erotisches Traumpaar. Es funkt sofort. Dabei ist Anastasia, genannt Ana, Studentin der Englischen Literatur im kanadischen Vancouver, nur eingesprungen für ihre erkältete Freundin Kate, mit der sie eine WG teilt. Kate sollte für die Studentenzeitung ein Interview mit dem steinreichen Unterstützer der Uni machen, dem Boss eines weltweit operierenden IT-Unternehmens. Der residiert im amerikanischen Seattle, sodass Ana 250 Kilometer zum Interview mit Mister Grey fahren muss. „Zum Glück“, denkt Ana mit dem ihr eigenen praktischen Sinn, „hat Kate mir ihren spritzigen Mercedes CLK geliehen. Ob ich es mit Wanda, meinem alten VW-Käfer, pünktlich schaffen würde, ist fraglich. Doch mit dem Mercedes macht die Sache Spaß, und ich trete das Gaspedal durch.“
Die Autorin dieser entwaffnend simplen Prosa heißt E. L. James, eigentlich Erika Leonard, Jahrgang 1963, wohnhaft in London, verheiratet, zwei Kinder. Seit sie mit ihrer Romantrilogie „Shades of Grey“ binnen eines Jahres ungefähr so reich geworden sein dürfte wie ihre Romanfigur Mister Grey, schleppt sie sich nicht mehr ins Büro des Fernsehsenders, bei dem sie angestellt war. Ihren märchenhaften Erfolg packt sie in britisches Understatement: Sie habe ihre Midlifecrisis mit eigenen Phantasien bearbeitet, „das ist alles“. Der Ehe hat’s offenbar nicht geschadet, ihrem Mann („Für Niall, den Herrn und Meister meines Universums“) ist der Schinken gewidmet.
Nun ist der erste Band von „Shades of Grey“ auf Deutsch unter dem Titel „Geheimes Verlangen“ erschienen. Auf den ersten Blick handelt es sich um einen genretypischen erotischen Roman mit pornografischen Anteilen. Im Zentrum stehen das einundzwanzigjährige Unschuldslamm Ana, dessen sinnliches Potenzial als „Sub“ noch zu entdecken ist, und der gewiefte Habitué Grey, der für seine sadomasochistischen Arrangements keine Mittel scheut. Ana wird seine ideale, wenngleich widerspenstige Geliebte, die er in seine Künste (und Abgründe) mit der Höchstgeschwindigkeit eines Mercedes CLK einführt. Nachdem er sie entjungfert hat, korrekt mit Kondom (bald folgt die Pille), ruft sie uns zu: „Wahnsinn! Jetzt weiß ich, wovon alle schwärmen.“
Das klassische Modell also, vergleichbar der „Histoire d’O“ (1954) von Pauline Réage, nur dass die Geschichte von Ana und Mister Grey nicht mehr auf einem abgelegenen Schloss angesiedelt ist; auch sind die Libertins längst keine Aristokraten mehr. Das „Spielzimmer“, in dem Mister Grey sein Werkzeug (Ketten, Peitschen etc.) bereithält, ist in das Anwesen eines heutigen Superreichen, inklusive Chauffeur und Haushälterin, verlegt. Man sollte präzisieren: Es ist das Klischee-Anwesen eines Klischee-Amerikaners. Die britische Autorin hätte ihre Phantasie auch auf heimischem Terrain austoben können. Hat sie aber nicht.
Das peinliche Selbstbewusstsein dieses siebenundzwanzigjährigen Beau namens Grey kann man nur als Parodie des naivsten Kapitalismus amerikanischer Machart begreifen. Auf Anas Interviewfrage, wie er so jung reich und erfolgreich sein könne, antwortet ihr zukünftiger Liebhaber und „Dom“ im Duktus einer Werbebroschüre: „Im Geschäftsleben geht es um Menschen, Miss Steele, und ich bin ein guter Menschenkenner. Ich weiß, wie sie ticken, was ihren Erfolg oder Misserfolg ausmacht, was sie antreibt und wie man sie motiviert. Ich beschäftige ein außergewöhnliches Team, das ich großzügig entlohne.“
Es ist schon fast schmerzhaft angeberisch, wie Grey das Mittelstandsgirl Ana im Hubschrauber von einer Stadt zur anderen fliegt, wie er ihr einen brandneuen Audi aufdrängt und einen Blackberry, mit dem dann ein Großteil der erotischen Kommunikation abgewickelt wird. Oder, besonders krass, wie er seinen Privatjet stundenlang „auf Standby“ hält, während er Ana und ihrer Mutter in einer Hotelbar hinterherspioniert.
Das Buch steckt überhaupt voller Schleichwerbung. Den Auto- und Mobiltelefonmarken gesellen sich Macs, iPads, iPhones und Klamotten von Ralph Lauren hinzu sowie die Monsterfirmen Amazon (wo man Bücher bestellt, wo sonst) und Google, vom obligatorischen Moët nicht zu reden. Zwei interessante Phänomene kommen hier zusammen: eine absolut standardisierte Warenwelt und ein kindliches Verhältnis zum Konsum. Dem passt sich die pornografische Sprache an, der es an jeglicher Originalität und Poesie gebricht. Nach obszönen Ausdrücken sucht man vergeblich.
Mit klinischer Akkuratesse werden die Körperteile bezeichnet, die da zu- und ineinander finden. Der Geruch von Duschgel verschwindet nie. Und wenn „seine Erektion zum Vorschein kommt“, meint man, Streber über Sex sprechen zu hören: Pornostreber. Denkt man dagegen an Nicholson Bakers Roman „Haus der Löcher“, diese köstlich schmuddelige Satire auf ein pornografisches Wunderland im US-amerikanischen Nirgendwo, wird der Unterschied schreiend deutlich.
Doch bleiben wir nüchtern und halten die literaturkritischen Reflexe niedrig. Schließlich will E. L. James gar keine Literatur schreiben, wenngleich Literatur – englische, keine amerikanische! – sehr wohl Erwähnung findet. Einmal gesteht Ana, die den nordamerikanischen Kontinent nie verlassen hat, sie würde gern das Land kennenlernen, in dem Shakespeare und Jane Austen ihre Inspiration fanden. Der aufmerksame Grey lässt es sich nicht nehmen, Ana mit der Erstausgabe von Thomas Hardys „Tess of d’Ubervilles“ (1891) zu verblüffen, einem Klassiker der sexuellen Unterwerfung. Anas Freundin Kate taxiert per Google das Geschenk gleich auf vierzehntausend Dollar. Alles soll vom Teuersten sein bei diesem Märchenprinzen aus dem Manager-Modellbaukasten, der jedoch, wie Ana schnell herausfindet, eine traurige, unheimliche Seite hat.
Und darauf kommt es an. Denn die dunkle Seite des talentierten Mister Grey – er spielt nebenbei „umwerfend“ Klavier – wirkt auf Ana anziehend. Als er in dem Baumarkt, wo Ana jobbt, nach Kreppklebeband und Schnüren verlangt, ahnt sie noch nichts Böses. Bald aber führt er sie in sein Reich: in das „Spielzimmer“, eine Variante des de Sade’schen Boudoirs für das 21. Jahrhundert. Ana fühlt sich dennoch an die „Inquisition“ erinnert. Ist sie erschrocken? Ja und nein. E. L. James hat sich für Anas Ambivalenz – sie ist ja auf der Suche nach einer noch unbekannten Lust – eine geschickte Instanzenlehre ausgedacht, die da lautet: „innere Göttin“ versus „mein Unterbewusstsein“. (Letzteres muss man sich als Vulgärfassung des Freud’schen Unbewussten vorstellen.) Wenn Anas „innere Göttin“ jubiliert, schlägt ihr „Unterbewusstsein“ schon mal Alarm. Eigentlich ist dieses „Unterbewusstsein“ eher eine Art Über-Ich, ein moralischer Aufpasser, während die „innere Göttin“ Anas tiefe Wünsche repräsentiert. Man könnte sagen: Juliette und Justine in Personalunion.
Anastasia Steel ist ein Geschöpf ihrer Zeit, Psychobabble gehört genauso dazu wie das permanente Checken von Mails. Zwei unvorhergesehene Dinge geschehen: a) Christian, der abgebrühte „Dom“, der sich nicht anfassen lassen will (was Ana stört), verliebt sich. Ana in ihrem Misstrauen merkt es nicht gleich, aber glücklicherweise helfen Kate und ihre Mom ihr auf die Sprünge. b) Ana verliebt sich ebenfalls, widersetzt sich aber ein Stück weit den von Grey gesetzten „Regeln“, ist somit keine hundertprozentige „Sub“. Im Land der Schmerzensgeldklagen verwundert es kaum, dass sich ein reicher Mann, der ein Mädchen fesseln und ihr Schmerzen zufügen möchte, sich mit einem Vertragswerk absichert. Das seitenlange Vertragswerk enthält „hard limits“ und „soft limits“. Ana soll festlegen, wo ihre Grenzen sind. Das kann sie aber nicht, und will es auch nicht. Stattdessen will sie wissen: „Warum bist du so geworden?“ Auf das Arrangement lässt sie sich trotzdem ein, und siehe, es gefällt ihr. Die Ideologie der Unterwerfung aus Lust kommt voll und ganz und ohne jede Kritik zu ihrem Recht. Nach der ersten Session im Spielzimmer spricht Ana von einem „süßen Schmerz, an der Grenze des Erträglichen“ und stellt fest: „Er zieht mich in jenen tief verborgenen Teil meines Selbst, der sich dieser höchst erotischen Empfindung ergibt. Ja – jetzt verstehe ich endlich.“
So entpuppt sich „Shades of Grey“ als Psychothriller für Damen, die den harten Kerl knacken wollen. Langsam, aber sicher zieht Ana den Vorhang seines Theaters der Kontrollsucht zur Seite. Herauskommt, dass Grey als Fünfzehnjähriger von einer älteren Lady zum „Sklaven“ gemacht wurde. Ein Türchen öffnet sich dem Mitleid: Ach so, der Arme verbirgt in seinem Dominanzwunsch also seine Verletzlichkeit? Das ist keineswegs genrekonform, und vermutlich findet der Dreiteiler mit seiner Heiß-kalt-Mischung aus gefühlsseligem Groschenroman und Sadomaso-Porno gerade deshalb reißenden Absatz.
INA HARTWIG
E. L. JAMES: Shades of Grey. Geheimes Verlangen. Band 1. Roman. Aus dem Englischen von Sonja Hauser und Andrea Brandl. Goldmann Verlag, München 2012. 608 Seiten, 12,99 Euro.
Mit klinischer Akkuratesse
werden die beteiligten
Körperteile bezeichnet
Anastasia Steel ist ein Geschöpf
ihrer Zeit, samt Psychobabble und
permanentem Checken von Mails
Die englische Autorin E. L. James im Mai 2012 in der Buchhandlung Barnes & Nobles in New York Foto: Polaris/laif
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"Das Buch gilt nicht bloß als derzeit heißester Lesetipp für Frauen, sondern versetzt auch die angelsächsischen Medien in Auf- und Erregung, «Fifty Shades of Grey» und die Folgebände sind derzeit ein Phänomen, wie es Ende der 1990er-Jahre die TV-Serie «Sex and the City» war. In Onlineforen tauscht die Leserinnenschaft ihre Begeisterung aus, in Zeitungen und im Fernsehen gestehen Frauen, wie die Lektüre der Bondage-Bände die eigene Lust entfesselt."
Die Freuden eines gequälten
Mannes und seiner Frau

Einen solchen Bestseller hat es noch nicht gegeben:
Amerika ergötzt sich am Sado-Maso-Sex von E. L. James

Dass auf der sonntäglichen Bestsellerliste der New York Times die ersten drei Plätze von der Trilogie ein und derselben Autorin belegt werden, das hat es trotz

J. K. Rowling, Stieg Larsson und Stephenie Meyer noch nicht gegeben. In Gütersloh muss die Freude groß sein: Knopf Doubleday, Teil von Random House und damit Teil von Bertelsmann, meldet soeben zehn Millionen verkaufte Exemplare allein in den USA. Es könne angesichts der ungeheuren „sales velocity“ passieren, erklärt der Verleger Anthony Chirico, dass an einem einzigen Tag

900 000 Stück nachgedruckt werden müssten. Befeuert wird die Rotation durch ein so nie da gewesenes Vertriebsnetz: Man kann die drei Bücher an fast

15 000 Stellen im Land kaufen. Was angesichts der abnehmenden Zahl von Buchhandlungen an ein Wunder grenzt. Man muss aber nicht länger in eine Buchhandlung gehen, um die „Fifty Shades“-Trilogie zu erwerben; es gibt sie auch in Supermärkten, Tankstellen, an Zeitungskiosken und fast überall dort, wo es sonst bestimmt keine Bücher gibt. Die Möglichkeit, die drei Bände nicht irgendwo käuflich zu erwerben, wurde zuletzt immer geringer. Knopf Doubleday jedenfalls hat sein Umsatzziel für 2012 bereits im Monat Mai erreicht.

Worum geht es in der „Fifty Shades“-Trilogie (mit den Bänden „Fifty Shades of Grey“, „Fifty Shades Darker“ und „Fifty Shades Freer“) der bis dato unbekannten britischen Autorin E. L. James (ein Pseudonym für Erika Leonard, im zivilen Leben Angestellte eines Londoner Fernsehsenders)? Im ersten Band verliebt sich eine unerfahrene College-Studentin in einen „tortured man“ (sagen wir doch lieber: in einen bekennenden, dominanten Sado-Masochisten). Im zweiten Teil beschließt Anastasia, die Studentin, nachdem sie von den Vorlieben und dunklen Geheimnissen ihres Geliebten genug hat, die Beziehung zu beenden, während aber das Verlangen weiterhin jeden ihrer Gedanken beherrscht. Im dritten Band sind Christian (ein Milliardär aus der IT-Branche) und Anastasia wieder ein Paar und „sehen sich einer Welt von Chancen und unerwarteten Herausforderungen gegenüber“.

Anders und weniger vornehm formuliert: „Fifty Shades“ ist ein auf drei Bände gestreckter Porno-Thriller, der sowohl jede Menge „expliziten“ und spätestens jetzt auch mainstreamfähigen Sado-Maso-Sex zu bieten hat wie auch ein gleiches Quantum an sentimentalem Moralismus. Man muss nur, lehrt der Roman, ein „dark secret“ haben, vor allem als Mann, und dazu eine Frau, die einen aus Liebe aus der Misere hinausführt, dann verwandelt sich der Porno-Thriller unter der Hand in eine „spiritual quest novel“, in die Erzählung eines von allerhand Hindernissen besetzten Wegs zur ultimativen Selbst-Optimierung. Man muss nur, lehrt die Trilogie weiterhin, verschiedene Genres von Trivialliteratur derart kurzschließen und fusionieren, dass jede(r) liest, was er/sie lesen will – und die Keuschen im Lande haben dann statt tausend Seiten Pornografie ein Stück Erlösungs- und Erbauungsliteratur gelesen. Hauptsache, sie haben gekauft.

„Fifty Shades“ stammt aus dem Umfeld von Stephenie Meyers „Twilight“-Serie, diesem mormonisch-vampiristischen Keuschheits-Drama, das junge Menschen auf der ganzen Welt verzaubert und verwirrt hat. Es entwickelte sich aus einem Stück „Fan-Fiction“ auf den Webseiten der „Twilight“-Serie über mehrere Etappen zu einem eigenständigen Werk, wobei irgendwann die ursprünglichen „Twilight“-Bezüge samt Namen und Charakteren gekappt wurden und die Handlung in Christian und Anastasia eigene Protagonisten bekam. An der Eigenständigkeit des Buches von E. L. James kann es indes keinen Zweifel geben: Es ist deutlich besser geschrieben als die „Twilight“-Romane, was auch Stephen King fand, der schon vor einiger Zeit feststellte, dass J. K. Rowling sehr gut, Stephenie Meyer aber überhaupt nicht schreiben könne. Eigenständig ist an der „Fifty Shades“-Trilogy auch die sexuelle Symptomatik: Hier geht es nicht um Vampirismus, sondern um das, was Experten BDSM („Bondage & Discipline, Dominance & Submission, Sadism & Masochism“) nennen und was nun offensichtlich in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. Vor allem bei Frauen, denn offenbar erschließen sich vor allem Leserinnen bei E. L. James die postfeministischen Freuden der sexuellen und sonstigen Ungleichheit. Diese decken sich weithin mit dem präfeministischen Blick auf männliche Dominanz und weibliche Unterwerfung, wie er etwa in der „Geschichte der O“ zum Ausdruck kam. Doch ist nun BDSM heraus aus der Schmuddelecke und kann wahrscheinlich sogar im „Bible Belt“ verkauft werden – denn es geht ja auch drei Bände lang um die Überwindung des zugleich in aller Breite geschilderten Sado-Maso-Sexes.

Als Kulturphänomen ist „Fifty Shades“ einigermaßen brisant, als Lektüre dagegen zäh und öde, es sei denn, man liest gern seitenlangen Mailverkehr, in dem es um die Ausgestaltung des sexuellen Unterwerfungsvertrages mit detaillierten „hard limits“ und „soft limits“ geht. Aber auch mit dieser Begeisterung für das Vertragswesen, für das Aushandeln von Bedingungen und das Festlegen von Sanktionen bewegt sich „Fifty Shades“ in der Mitte der Gesellschaft. Was beim Marquis de Sade noch der Gipfel der Perversion war, das Festlegen eines subtilen Regelwerks, scheint jetzt die Verlängerung des ganz normalen „Popular Contract“-Gebarens ins Sexualleben hinein zu sein. Das ist interessant, nur lesen möchte man es nicht. Aber das sehen zehn Millionen Leserinnen und Leser in den USA und bald schon ein Vielfaches in der ganzen Welt wohl anders.

Interessant auch, dass die Trilogie offenbar ihre größten oder jedenfalls frühesten Fans in religiösen Kreisen hatte. Schon bevor „Fifty Shades“ ein Bestseller wurde, wurde das Buch in der New Yorker orthodoxen jüdischen Gemeinde als Geheimtipp gehandelt. Die Vorstellung sei ganz falsch, zitiert die New York Times den Besitzer der „koshersextoys“ -Webseite, dass gläubige Menschen, nur weil sie äußerlich konservativ wirkten, für solche Phantasien weniger Verständnis hätten; eher schon im Gegenteil. Nicht länger gehört die Pornografie, so die gute oder schlechte Nachricht, den libertins ; sie gehört, ob wir wollen oder nicht, uns allen, nicht zuletzt den Frommen, in Amerika und der ganzen Welt.

Im der Zeitschrift New Yorker räsonierte der Essayist Arthur Krystal kürzlich über „good bad books“, also über Bücher, die Spaß machen, für deren Lektüre wir uns aber auch schämen. Meistens sind solche „good bad books“ Bücher, die sich sehr ordentlich verkaufen, weil sie von allen Freunden trivialer Literatur gelesen werden, außerdem aber auch noch von denen, die sich gern vorübergehend einmal unter ihr eigenes Niveau begeben. Und was ist mit der „Fifty Shades“-Trilogie? Man wird als Leser dort nicht die Freuden finden, die man vielleicht bei „good bad books“ wie denen von Stephen King oder Agatha Christie findet. Aus Sicht des Verlags mag dies dennoch ein „good bad book“ sein; nach allen anderen Maßstäben ist es eher ein „bad bad book“. CHRISTOPH BARTMANN

„Fifty Shades“ ist aus Stephenie
Meyers „Twilight“ entstanden,
fügt aber den Sex hinzu

Offenbar erschließt sich
vor allem Leserinnen die
sexuelle und sonstige Ungleichheit

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