Im Land des Korallenbaums - Caspari, Sofia

Sofia Caspari 

Im Land des Korallenbaums

Roman. Originalausgabe

Broschiertes Buch
 
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Im Land des Korallenbaums

Im Sommer 1863 lernen sich die jungen Deutschen Anna Weinbrenner und Viktoria Santos auf der Überfahrt nach Buenos Aires kennen. Beide Frauen sind auf dem Weg zu ihren Ehemännern, die ihnen vorausgereist sind. Viktorias Mann haben dringende Geschäfte schon früher zu seiner Estancia im Norden Argentiniens gerufen. Annas Familie hingegen konnte die Kosten für die gemeinsame Überfahrt nicht aufbringen. In dem fernen Land, das für die Reisenden mit großen Hoffnungen verbunden ist, trennen sich ihre Wege zunächst. Doch Viktorias vermeintlich rosige Zukunft gestaltet sich anders als erhofft, und Anna erwartet bei der Ankunft eine schreckliche Nachricht ...


Produktinformation

  • Verlag: Bastei Lübbe
  • 2011
  • Ausstattung/Bilder: 2011. 698 S. Beil.: Postkarte zum Heraustrennen 186 mm
  • Seitenzahl: 698
  • Bastei Lübbe Taschenbücher Nr.16601
  • Best.Nr. des Verlages: 16601
  • Deutsch
  • Abmessung: 188mm x 128mm x 39mm
  • Gewicht: 508g
  • ISBN-13: 9783404166015
  • ISBN-10: 3404166019
  • Best.Nr.: 33359107
Annina Braunmiller, geb. 1985 in Augsburg, absolvierte eine Musicalausbildung an der Stage School Hamburg und arbeitet als Sprecherin und Schauspielerin. Als deutsche Stimme von Bella Swan in den 'Biss'-Verfilmungen und den Hörbuch-Lesungen wurde sie einem großen Publikum bekannt.

Leseprobe zu "Im Land des Korallenbaums" von Sofia Caspari

"Achter Teil Die Suche Mai bis November 1875 (S. 373-374)

Erstes Kapitel »Das hast du alles mithilfe meines Schmucks auf die Beine gestellt?« Viktoria sah sich um. »Respekt, das hätte ich dir nicht zugetraut.« Es klang einfach und ehrlich, und als Anna der Freundin prüfend ins Gesicht blickte, wusste sie, dass diese es auch so meinte. Annas Blick fiel auf Marlena, Fabio, Estella und Paco. Marlena hatte all ihre Puppen nach draußen gebracht, die sie, Anna, der Tochter geschenkt hatte, als die schweren Jahre endlich vorüber gewesen waren.

Eigentlich waren es viel zu viele für ein einzelnes kleines Mädchen, aber Anna hatte geglaubt, etwas nachholen zu müssen. Sehnsüchtig blickte Estella gerade die blonde Porzellanpuppe an, die Marlena Alba genannt hatte und die diese nun fest im Arm hielt, während Fabio und Paco einander unschlüssig musterten. Jetzt drehte sich Marlena zu ihrer Mutter hin. »Darf ich ihnen die Pferde zeigen, Mama? Bitte!« »Ja, und die Wagen, Mama!«, fügte Paco an Viktoria gewandt hinzu. »Sie sollen uns die Wagen zeigen. Ich will die Wagen sehen.« Kaum hatte Anna genickt, rannten die Kinder auch schon los.

»Seid vorsichtig«, rief Anna ihnen hinterher, doch die Kleinen hörten sie schon nicht mehr. Viktoria drehte sich zu ihr hin. »Gibt es da etwas Gefährliches?«, fragte sie. Vorsicht klang aus ihren Worten. Die Ereignisse der letzten Monate hatten Viktoria ganz offenbar zutiefst verunsichert. Anna dachte einen Moment nach. Diablo stand seit einigen Wochen in ihrem Stall, seit sie ihn Breyvogel abgekauft hatte, der nicht zum ersten Mal in Geldschwierigkeiten steckte. Gerüchte besagten, er spiele. Sie schüttelte trotzdem den Kopf. »Wusstest du schon, dass du das hier machen wolltest, als du aus Salta fortgegangen bist?«, fragte Viktoria dann. »Ja.« Anna schaute auf ihre blank polierten Lederstiefel, als die Erinnerung sie übermannte.

So schwere Zeiten sind das gewesen, dachte sie, die monatelange Rückreise, die Angst davor, überfallen zu werden. Die ersten Tage in Buenos Aires. Damals hatte ihr nur ihr eiserner Wille geholfen, durchzuhalten. Es waren harte Jahre gewesen, nicht schlimmer als die, die sie davor erlebt hatte, aber beileibe nicht einfacher. Als Anna wieder aufsah, bemerkte sie, dass Viktoria durch den Hof auf die Ställe zuging und einen Blick hineinwarf. Lächelnd kam sie dann wieder zu Anna zurück. Sie hat sich etwas erholt, dachte Anna, gestern hat sie noch bedrückter gewirkt. Nun war sie ausgeschlafen, hatte gut gegessen und offenbar Mut geschöpft. Maria stand im Küchenfenster und hob die bemehlten Hände. Sie lachte. Zum Mittagessen würde es für alle gnocchi geben.

Die Vorbereitungen der Suche nach Pedro nahmen ihre Zeit in Anspruch und auch die Informationen, die Don Eduardo eingefordert hatte, waren nicht so schnell zur Hand, wie man sich das wünschte. Es dauerte fast drei Wochen, bis Annas Bruder erstmals eine Nachricht schickte. Wenig später trafen sie sich am verabredeten Treffpunkt, und Anna folgte ihm zu seiner neuesten Bleibe. Sie wusste, dass er seine Unterkünfte in letzter Zeit öfter gewechselt hatte. Die Zeiten waren gefährlich. Er musste sich schützen. »Ich dachte immer, du würdest dir wünschen, sesshaft zu werden.

Hast du nicht einmal von deinem eigenen kleinen Hof geträumt?«, fragte sie, als sie seine Räume betrat. Ein Fenster stand offen. Durch die geschlossenen Fensterläden fielen Lichtstreifen auf den dunklen Dielenboden. Möbel und Bilder waren wohl ausgesucht, trotzdem sah es nicht so aus, als ob sich der Besitzer der Räumlichkeiten hier wohl fühlte. Eduard runzelte die Stirn. »Ist dir nie aufgefallen, dass Träume nicht immer in Erfüllung gehen?«, fragte er dann und forderte sie mit einer Handbewegung auf, sich an den Tisch zu setzen. Wenig später brachte eine junge Frau eine Kanne Kaffee und zwei Tassen. Eduard schenkte seiner Schwester ein. Kaffeeduft erfüllte den Raum."

Kundenbewertungen zu "Im Land des Korallenbaums" von "Sofia Caspari"

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Bewertung von jackelbiene aus Jarchau am 05.10.2011 ***** ausgezeichnet
Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Ich hatte vorher eine LP gelesen, dort wurde nur von der Schiffsüberfahrt nach Argentinien geschrieben, das war noch nicht so interessant. Ich war aber neugirieg geworden, welches Schicksal die beiden Frauen dort erwartete und ich wurde nicht enttäuscht. Es dauerte keine 3 Tage dann hatte ich die knapp 700 Seiten durch, weil ich das Buch gar nicht weglegen konnte. Ich kann das Buch nur empfehlen.

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Bewertung von enzian aus Bernburg am 29.09.2011 ***** ausgezeichnet
Beschwerliche Reise in eine neue Welt


Im April 1863 befindet sich die 23-jährige Anna Weinbrenner an Bord eines Auswandererschiffes mit Kurs auf Argentinien. Anna reist allein, ihre Familie befindet sich schon in der neuen Heimat. Auf dem engen Zwischendeck kommt es immer wieder zu Streit, Diebstahl und eines Tages wird Anna sogar Zeugin eines Mordes.
Die Reise gestaltet sich für die junge Frau dennoch kurzweilig.Sie lernt Viktoria Santos und Julius Meyer kennen.Obwohl die drei jungen Menschen unterschiedlicher Herkunft sind, verstehen sie sich gut.Es dauert nicht lange und Julius verliebt sich in Anna. Sie gibt ihm jedoch keine Chance.

Angelangt in der neuen Welt, ist nichts so, wie Anna es sich erträumt hat. Sie findet ihre Familie in einem der vielen Armutsviertel von Buenos Aires wieder.
Ihr Mann, Kaleb, stirbt bald nach ihrer Ankunft.Einzig ihren Brüdern, Eduard und Gustav, geht es materiell gut. Sie verdienen ihr Geld aber nicht durch ehrliche Arbeit.
Anna gibt nicht auf, arbeitet hart und hält dadurch die Familie über Wasser.Sie bekommt ein Kind von Kaleb, Marlena.

Auch eine andere Frau findet in der neuen Heimat nicht das erwartete Glück, Viktoria.
Ihr Ehemann Humberto erweist sich als Schwächling und von ihrer Schwiegermutter, Dona Ofelia, wird sie gehasst.Viktoria bekommt eine Tochter, Estella. Ansonsten führt sie ein trostloses Leben, bis sie den Halbindianer Pedro kennenlernt.Diese Beziehung bleibt nicht ohne Folgen.

Währenddessen ist es Julius besser ergangen. Er hat eine Anstellung und Zugang in beste Gesellschaftskreise gefunden.
Dona Ofelia will sich an ihrer Schwiegertochter rächen und ersinnt einen teuflischen Plan. Dadurch geraten sowohl Annas als auch Viktorias Tochter in große Gefahr.

Meine Meinung:

Sofia Caspari hat ihren Roman in Argentinien um 1860 angesiedelt. Eine Zeit, in der die
Einwandererströme aus Europa ihren Höhepunkt erreichten. Das Schicksal europäischer Einwanderer am Beispiel der Hauptprotagonisten Anna, Viktoria und Julius prägt im Wesentlichen den Inhalt des Buches.

Die Erzählung besticht durch detaillierte, lebendige Schilderungen. Ich kann mir die Strapazen der langen Seereise gut vorstellen und mich in die Erwartungen, Sehnsüchte und auch erlebten Enttäuschungen der Hauptfiguren hineinversetzen. Die Autorin hat viel Mühe darauf verwendet, deren Charaktere perfekt herauszuarbeiten. Das ist ihr auch gut gelungen. Man kann die jeweiligen Personen ins Herz schließen, wie Anna und Pedro. Man kann sie aber auch verachten, wie Dona Ofelia und Gustav.

Die Geschichte Argentiniens hat ebenfalls Eingang in die Erzählung gefunden, was mir sehr gefallen hat.
Sofia Caspari hat die gesellschaftlichen Unterschiede dieser Zeit dargestellt.Am Beispiel Humbertos, seines Vaters und dessen Freunden wird der wachsende Einfluss der Großgrundbesitzer deutlich. In diese Zeit fällt auch der Vernichtungskrieg gegen die Indianer der Pampa.

Ganz ohne Klischees kommt die Autorin jedoch nicht aus. Julius, der Sohn aus gutem Haus verliebt sich in eine Frau aus der einfachen Bevölkerungsschicht. Es mag aber sein, dass solche Unterschiede durch die Bedingungen und Einflüsse der neuen Heimat in den Hintergrund gerieten.

Das Buch ist flüssig geschrieben und angenehm zu lesen. Eine Lektüre, die man so schnell nicht aus der Hand legen kann. Das ansprechend gestaltete Cover stimmt perfekt auf das Buch ein.
Farbenfroh, facettenreich, eine Erzählung, wo der Rhytmus eines fernen Landes mitschwingt.

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