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katikatharinenhof

Bewertungen

Insgesamt 1615 Bewertungen
Bewertung vom 26.06.2022
Die Glücksmalerin
Caboni, Cristina

Die Glücksmalerin


ausgezeichnet

Wir sind vom Leben gezeichnet in den buntesten Farben. Und wir tragen sie mit Stolz, unsere Wunden und Narben

Stella steht am Scheideweg und muss die Weichen für ihr Leben neu stellen. Sie reist an den Gardasee , um ihrer Tante ein wenig Trost zu spenden, da diese nach dem Tod ihrer großen Liebe in einer großen Traurigkeit versinkt. Im Nachlass entdeckt Stella ganz viele bunte Kinderzeichnungen, die sie vom ersten Augenblick an berühren und faszinieren. Doch welche Kinderhände haben diese kleinen Kunstwerke angefertigt? Stellas Neugier ist geweckt und sie will unbedingt wissen, welche Geschichte hinter den bunten Bildern steckt. Bei ihren Recherchen macht sie eine unglaubliche Entdeckung, die ihr Leben verändern wird....

"Die Glücksmalerin" von Cristina Caboni ist ein bild- und sprachgewaltiger Roman, der nicht nur die Schönheiten des Gardasees mit leuchtenden Farben in Szene setzt, sondern die Leser;innen mit einer ungeahnten Intensität von sich einnimmt und auf eine emotionale Reise in die Vergangenheit führt.

Dabei weiß die Autorin geschickt die Gefühle der Figuren aus ihrem Buch zu nutzen, um sie auf die Lesenden zu übertragen und ihnen mit zwei parallel verlaufenden Erzählsträngen den Zugang zur Geschichte zu ermöglichen.

Der Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart geschieht dabei sehr flüssig, lässt die Grenzen zwischen realen Begebenheiten und Fiktion komplett verschwimmen und ermöglicht ein Eintauchen in eine Zeit, als Hass und Hetze die Welt vergiftet und sich in den Köpfen und Herzen der Menschen eingenistet haben.

Letizia wird ein aktiver Teil im Widerstand gegen die Nazis und ihre Erinnerungen werden so plastisch dargelegt, dass das Gefühl entsteht, direkt dabei gewesen zu sein. Ihr Engagement in der Villa Emma rettet vielen jüdischen Kindern aus ganz Europa das Leben und zeigt, dass auch in den dunkelsten Tagen Menschen mit Herz existieren. Caboni schildert ergreifend und beeindruckend diesen Teil der Geschichte, der zutiefst berührt und unter die Haut geht.

Auch das Hier und Jetzt kann begeistern, denn die Autorin hat ein außergewöhnliches Gespür dafür, ihre Protas mit Empathie und Herzlichkeit auszustatten , damit sie ihre Geschichte nicht nur vortragen, sondern erlebbar machen. Dies spiegelt sich auch in der Einleitung eines jeden Kapitels wieder, denn hier werden alle Nuancen der Farbpalette inklusive ihrer Beeinflussung auf Gefühle und Verhalten des Menschen erläutert und ihre Symbolik findet sich im jeweiligen Leseabschnitt wieder. So lässt die Schreibende nicht nur aus Worten Bilder entstehen, sondern sie koloriert sie zusätzlich mit Farben und Gefühlen. Ein sehr geschickter Schachzug, der eine unglaublich starke Verbindung zwischen Lesenden und Gelesenem herstellt.

Ich muss zugeben, dass das ein oder andere Tränchen geflossen ist, da mich die Handlungen beider Erzählstränge komplett vereinnahmt haben. Das Kopfkino spult eindrucksvolle Bilder vor dem inneren Auge ab und ermöglicht, sowohl Anteil am Schicksal der jüdischen Kinder zu nehmen als auch hautnah mit dabei zu sein, wenn alte Wunden und Narben heilen und etwas Wunderbares seinen Anfang nimmt.

0 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 25.06.2022
In den Wäldern der Biber
Fischer, Franziska

In den Wäldern der Biber


weniger gut

Die unsensible Frauenfigur zerstört den ganzen Roman

Aus, aus und vorbei- Alina steht vor einem Scherbenhaufen und weiß sich keinen Rat mehr. Um wieder zu sich selbst zu finden und ihr wundes Herz zu heilen, verlässt sie das pulsierende Frankfurt und flüchtet sich in die Stille Brandenburgs zu ihrem Großvater. Der Haken an der Sache ist, dass sich die beiden seit 18 Jahren nicht mehr gesehen haben und eine gewisse Entfremdung sich breit gemacht hat. Zwischen Kindheitserinnerungen und langsam heilenden Herz- & Seelenwunden erkennt Alina, dass sie nur neu durchstarten kann, wenn sie bereit ist, Altes aufzugeben...


Mich haben Cover und Titel angefixt und ich habe mir vorgestellt, dass ich einen Roman lese, der zum einen eindrucksvolle Naturszenen für mich bereit hält und zum anderen den Prozess des Loslassens begleitet.

Aber wenn ich ehrlich bin, habe ich weder das Eine, noch das Andere in diesem Buch gefunden und mich mit einer Frauenfigur herumschlagen müssen, die so viel Feingefühl besitzt wie ein Amboß. Wenn ich ein Familienmitglied fast zwei Jahrzehnte nicht mehr gesehen habe, begegne ich ihm/ihr doch mit einer gewissen Scheu und Zurückhaltung, um mich langsam wieder an das Vertraute heranzutasten. Alina hingegen überfällt ihren Großvater regelrecht, reißt sein Leben an sich und strukturiert nicht nur seinen Alltag, sondern auch sein Zuhause um und macht sich in seinem Leben breit. Ich habe mich immer gefragt, ob sie zu viele DIY- bzw Einrichtungs-Fernsehsendungen gesehen hat und aufgrund dessen den Drang verspürt, die Ideen aus den Sendungen ausgerechnet bei ihrem Großvater in die Tat umzusetzen.

Warum sucht sie nicht das Gespräch, um gemeinsam mit ihm all das Ungesagte endlich auf den Tisch zu bringen und aus der belasteten Beziehung langsam und vorsichtig wieder ein harmonisches Band zwischen sich und ihrem Großvater zu knüpfen ? Ihr Verhalten sorgt bei mir mehr als einmal für Kopfschütteln und ich muss ehrlich gestehen, dass ich mir gewünscht habe, dass ihr Großvater mal auf den Tisch haut und ihr Einhalt gebietet. Ihr Vorgehen ist inakzeptabel, spätpubertär und selbstgefällig.

Auch fehlt mir hier die Begleitung des Prozesses vom Loslassen zur inneren Heilung , um sich dann gestärkt dem Neuen, Schönen zu widmen. Wobei mir die Lovestory schon eher zu zuckerwattig und klebrig erscheint und nicht wirklich glaubwürdig vermittelt wird. Ebenso habe ich die titelgebenden Biber vermisst, denn bis auf eine kurze Stippvisite scheinen sie wohl geschlafen zu haben.

Alles in allem eine sehr enttäuschende Lektüre, die weder spannungsgeladen noch emotional sehr berührend gewesen ist. Vielmehr hat die unsensible Frauenfigur den ganzen Roman zerstört.

Bewertung vom 25.06.2022
Morgen werden wir glücklich sein
Korte, Lea

Morgen werden wir glücklich sein


sehr gut

Wer mit Leidenschaft an etwas herangeht, ist unbesiegbar (Reinhard Fendrich)

Marie, Amiel und Geneviève können auf etwas ganz Besonderes blicken, denn ihre Freundschaft aus Kindertagen ist mit ihnen gemeinsam gewachsen und begleitet sie immer noch im Erwachsenenalter. Aber mit dem Einmarsch der Deutschen in Paris beginnt dieses sonst so stabile Lebensgerüst zu wackeln, denn alle drei Frauen treffen Entscheidungen, die nicht immer für die jeweils anderen nachvollziehbar sind. Marie fühlt sich von Geneviève hintergangenen, als diese sich mit einem Boche einlässt. Der Riss in ihrem Vertrauen ist so groß, dass sie der Freundin ihre Hilfe verweigert und damit ist der Grundstein für eine Katastrophe gelegt...


Lea Korte zeigt den Leser:innen, wie sich das starke Band der Freundschaft aus Kindertagen gemeinsam mit den weiblichen Figuren entwickelt hat und lässt die Leser;innen an diesem ganz besonderen Geschenk teilhaben. Die Verbundenheit einer jeden Einzelnen ist deutlich zu spüren und genau das macht sie unbesiegbar.

Doch der Krieg verändert alles und die Autorin ermöglicht durch die Perspektivenwechsel, quasi in die Köpfe und Herzen ihrer Figuren hineinzuschauen und kehrt so das Innerste nach außen. So individuell die Charaktere sind, so unterschiedlich nehmen die Freundinnen die Herausforderungen an, die mit dem Einmarsch des Feindes in ihrer geliebten Stadt verbunden sind. Es entstehen kleinere und auch größere Reibungspunkte, die die Freundschaft mehr als einmal belasten. Während Amiel eher eine leise, zurückhaltende Person ist und trotzdem mit Leidenschaft dabei ist, Geneviève entschlossen und mutig ihr Ding durchzieht, drückt sich Marie mit ihrem Egoismus selbst ins Abseits und ich merke, wie ich im Verlauf des Buches immer mehr von ihr Abstand nehme, da sie mich als Leserin auch auf eine gewisse Art und Weise verletzt. Ich kann ihre Beweggründe nicht nachvollziehen, die sie dazu bewegt haben, ihre Schritte zu gehen, die verhängnisvolle Auswirkungen haben.

Was mich ebenfalls ein wenig gestört hat sind die "Ausflüge" in die Gegenwart, denn sie haben mich immer aus den sehr aufregenden Schilderungen der Kriegsjahre regelrecht herausgerissen. Für mein Dafürhalten tragen sie nichts Wichtiges zur eigentlichen Handlung bei, auch wenn hier der Grundstein für die Erzählung gelegt wird.

Das Buch kann über weite Strecken überzeugen, regt zum Nachdenken und Sinnieren an, sticht aber nicht gänzlich aus der Masse der bereits in diesem Genre erschienen Bücher heraus. Daher vergebe ich gute 4 von 5 Sternen.

0 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 22.06.2022
Klara und die Mäuse entdecken die Weihnachtszeit. Bildkarten fürs Erzähltheater Kamishibai
Biermann, Ingrid

Klara und die Mäuse entdecken die Weihnachtszeit. Bildkarten fürs Erzähltheater Kamishibai


ausgezeichnet

Mäusestarke Weihnachtszeit

Klara und die Mäuse sind in der KiTa zu echten Lieblingen geworden, denn mit den Bildkarten für das Kamishibai aus dem Herder Verlag entdecken Jungen und Mädchen auf spielerische Art die Welt der Sprache. Die Mäuse nehmen die Kinder an die Hand und zeigen ihnen ihre kunterbunte, gemütliche und aufregende Weihnachtswelt.

Das Bildtheater schafft eine ganz besondere Atmosphäre und alle Kinder können gleichzeitig die gezeigte Szene sehen, sich in sie hineinversetzen und beginnen wie von selbst, zu erzählen und eigenen Geschichten zu erfinden. Wenn es dazu noch einen Kinderpunsch aus warmem Apfelsaft oder Tee gibt, in der KiTa der Duft nach Lebkuchen oder Plätzchen in der Luft liegt und vielleicht noch eine weihnachtliche Dekoration mit Tannenzweigen, Strohsternen und Lichterkette vorhanden ist, dann tauchen die Jungen und Mädchen fast wie von selbst in die Geschichten ein.

Die Bildkarten sind wunderschön illustriert, stimmen perfekt auf die aufregende, geheimnisvolle (Vor-)Weihnachtszeit ein und sorgen für echtes Kino in den Kinderköpfen. Die kurzen Erzählungen auf den Rückseiten der Bildkarten machen neugierig und verknüpfen die stimmungsvollen Bilder mit der magischen Welt der Geschichten. Die Zeichnungen sind aufwendig und detailreich gestaltet, sodass es immer wieder etwas Neues zu entdecken gibt.

Die Kinder lernen, um was es im Advent und an Weihnachten geht, schnuppern in Sitten und Gebräuche hinein und finden die ein oder Anregung, die sich im Kindergarten oder Zuhause sicherlich auch schnell in die Tat umsetzen lässt - Schneefiguren bauen, Schneeballschlacht, Plätzchen backen, gemeinsamer Besuch den Advents-/Weihnachtsmarktes, Schmücken des Weihnachtsbaumes.

Das Begleitheft gibt es als Download - es enthält viele Beispielfragen und animiert zum Suchen, Erzählen und Mitmachen. Interaktive Kommunikation wird mit dem Kamishibai erleichtert, fordert die Kinder zum freien Erzählen und Sprechen auf und ermöglicht ein gemeinsames Erarbeiten und Erleben der Geschichte.

Bewertung vom 22.06.2022
Auch Engel brauchen mal 'ne Pause
Nap, Nadja

Auch Engel brauchen mal 'ne Pause


ausgezeichnet

Für nimmermüde Alltagsengel

Wir alle keinen sie - die Alltagsengel ohne Flügel, die immer und überall zur Stelle sind, wenn es etwas zu helfen gibt. Sie unterstützen, packen mit an, haben immer eine Lösung parat und breiten ihre Flügel schützend über ihre Mitmenschen aus.

Dabei vergessen sie aber, auf sich selbst zu achten, in sich hineinzuhören und auch ab und an die ein oder andere Pause zu machen, um wieder die Batterie aufzuladen, damit es wieder weitergehen kann. Denn wer immer nur gibt, der/die läuft Gefahr, am Ende vor Erschöpfung regelrecht umzufallen.

Genau da setzt dieses liebevoll illustrierte Bilderbuch für Erwachsene an und zeigt mit warmherzigen Worten, dass es auch für kleine Alltagsengel eine Zeit geben muss, in der sie sich ausruhen. Der achtsame Blick auf die eigenen Bedrürfnisse wird in behutsamen Worten und Bildern gelenkt, um die kleinen und großen Alltagsengel dafür zu sensibilisieren, auch mal "Nein" zu sagen und sich bewusst zurückzunehmen.

Selbstfürsorge und Resilienz werden mit diesem Büchlein als Geschenk verpackt, um nicht mit mahnenden Worten, sondern mit einer liebevollen Geste darauf aufmerksam zu machen, dass die kleinen Flügel nicht brechen und es vollkommen in Ordnung ist, auch einmal selbst um Hilfe zu bitten.

Ein wundervolles Geschenk für all die kleinen Alltagsengel, um einmal Danke zu sagen und ihnen eine Ruhepause zu gönnen.

Bewertung vom 22.06.2022
Sturm im Paradies
Büchle, Elisabeth

Sturm im Paradies


ausgezeichnet

Das Meer gibt, das Meer nimmt

Für Rebecca ist es der schönste Beruf der Welt - als Sanitäterin in der Luftrettung tätig zu sein, denn es er füllt sie mit Freude, Leben zu retten und zu erhalten. Als Anerkennung für ihre geleistete Hilfe, bei dem sie dem Amerikaner Marty ein zweites Leben geschenkt haben, lädt dieser da ganze Team der Luftrettung zu seiner Hochzeit nach Thailand ein. Vor traumhafter Kulisse kann Rebecca endlich einmal ausspannen und auf ihr Herz hören, das sie sonst immer fest verschlossen hält. Doch das Paradies ist in Gefahr, denn eine unbändige Naturgewalt begräbt alles unter ihren Wassermassen...


Vor dem wahren Hintergrund des verheerenden Tsunami-Katastrophe von 2004 erzählt Elisabeth Büchle mit ganz viel Fingerspitzengefühl eine bewegende Geschichte, die tiefe Spuren hinterlässt und mit ungeahnter Wucht von den Leser:innen Besitz ergreift.

Dabei gelingt es der Autorin, ihre fiktiven Figuren so lebensnah darzustellen, sodass der Eindruck entsteht, einen Tatsachenbericht von Überlebenden zu lesen. Rebecca, Lukas, Marty, Lara, Regina- sie alle stehen stellvertretend für alle, die auf ein paar erholsame Tage in traumhafter Kulisse gehofft haben und dabei Zeug;innen einer der größten Naturkatastrophen geworden sind, deren Bilder sich für immer in Herz und Seele gebrannt haben.

Die ersten Kapitel sind ruhig geschrieben und ermöglichen den Leser:innen, die prägenden Charaktere dieses Romans kennenzulernen. Das chaotisch-laute Treiben im Elternhaus von Rebecca sorgt für den ein oder anderen Schmunzler,während Marty mit seiner Beharrlichkeit manchmal schon fast ein wenig überheblich wirkt. Trotzdem ist er ein liebenswerter Mann, der sein Glück gerne mit Menschen, die ihm am Herzen liegen, teilen möchte.

Der Schwenk hinüber in die paradiesische Inselwelt Thailands weckt Sehnsüchte und Büchle ermöglicht den Lesenden, sich gedanklich an die schneeweißen Strände zu träumen, dem leisen Wellengang zu lauschen und die wärmenden Sonnenstrahlen auf der Haut zu spüren.

Und dann tobt und brüllt das Meer, reißt seinen bedrohlichen Schlund ganz weit auf und zieht abertausende Menschen mit sich fort. Büchle beschreibt den Tag, als das Paradies seine Unschuld verloren hat, in angsteinflößenden Worten, lässt Bilder aus den Nachrichten mit den Bildern aus dem Buch vor dem inneren Auge zu einem Schreckensszenario verschmelzen und es passiert etwas mit den Leser:innen. Sie finden sich vor Ort ein, spüren Hilflosigkeit, Trauer, Wut und Angst, aber auch den enormen Tatendrang der Überlebenden, die sich gegenseitig unterstützen und Halt geben. Dabei fließt das Hadern mit Gott, das Flehen um Hilfe oder die stumme Fürbitte wie von selbst in die Handlung mit ein und zeigen diskret und zurückhaltend den Leser:innen, wie der Glaube als Hoffnungslicht auch in scheinbar ausweglosen Situationen schimmern kann.

Das Buch bewegt die Herzen, hinterlässt tiefe Spuren und zeigt erneut, dass Elisabeth Büchle die Menschen lesen kann - sie kennt ihre Zweifel und Ängste, Hoffnungen und Wünsche und weiß diese mit dem christlichen Glauben zu vereinen, um daraus bewegende Geschichten zu schreiben, die lange im Gedächtnis bleiben.

0 von 4 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 21.06.2022
Ein unerwartetes Vermächtnis
Laureano, Carla

Ein unerwartetes Vermächtnis


ausgezeichnet

Der Mensch plant seinen Weg, aber der Herr lenkt seine Schritte (Sprüche 16,9)

Melissa hält einen Brief in den Händen, der für Erstaunen und viele Fragen sorgt. Ausgerechnet sie, die als Pflegekind in verschiedenen Familien aufgewachsen ist, erbt von ihrer leiblichen Großmutter fünf historische Häuser. Melissa kann kaum glauben, dass ausgerechnet ihr dieses wundervollen Antiquitäten gehören sollen. Sie reist nach Colorado, um sich die Baukunstwerke anzuschauen und sich ein weniger näher mit der Geschichte der Häuser zu befassen. Doch sie ahnt nicht, dass mit dem Öffnen der Haustür noch ganz viele weitere Türen aufschwingen...


Carla Laureano entführt die Leser;innen mit ihrem seelenvollen Schreibstil nach Jasper Lake und beschreibt die malerische Gegend in sehr plastischen Bildern. Es entsteht sofort das Gefühl des Nachhause-Kommens und die Lesenden fühlen sich wohl in dem kleinen Ort. Der Streifzug durch Japser Lake ist eine Wohltat für die Seele und die fünf historischen Häuser versprühen ihren Charme, dem man sich nur ganz schwer entziehen kann.

Melissa aber kann sich noch nicht wirklich drauf einlassen, denn sie fühlt sich noch wie eine Getriebene, auf der Suche nach sich selbst und einem Ort, an dem sie wirklich das Gefühl hat, angekommen zu sein. Ihre Erfahrungen aus der Kindheit spielen dabei eine wichtige Rolle, denn Melissa kann und will sich nicht wirklich öffnen, aus Angst, erneut verletzt zu werden.

Gabriel, gefestigt in seinem Glauben, möchte gerne ein Stück seiner Zuversicht und Hoffnung an die junge Frau abgeben, aber auch er steht sich mit seinen selbst auferlegten Prinzipien manchmal selbst im Weg. Sein wertschätzender rücksichtsvoller Umgang mit seinen Mitmenschen, ganz besonders aber mit Melissa, zeigt sein tiefes Vertrauen zu Gott, von dem er sich allzeit begleitet und umgeben fühlt.

Die Autorin hat das richtige Gespür für die jeweilige Stimmung, zeigt, wie verletzlich das noch zarte Band zwischen Melissa und Gabriel ist und führt ihre weibliche Hauptfigur langsam aber sicher an den christlichen Glauben heran. Mit dem Öffnen der Haustür versinnbildlicht sie , dass es nicht zu spät ist, den verlassenen Pfad zu überdenken und bereits zugeschlagene Pforten wieder zu öffnen.

Die Geschichte bietet viele Möglichkeiten, um in sich selbst hinein zu hören, nachzudenken und mit Melissa Entscheidungen zu treffen, die die Wunden der schmerzhaften Vergangenheit durch den Glauben an Gott heilen lassen. Ein Roman über die Suche nach der eigenen Identität, nach dem Sinn des Lebens und nach dem gemeinsamen Weg mit Gott.

Bewertung vom 20.06.2022
Schattenwald
Faludi, Katrin

Schattenwald


ausgezeichnet

Die langen Schatten der Vergangenheit

Bisher ist Sara davon ausgegangen, dass ihr Vater vor Jahren bei einem Unfall ums Leben gekommen ist. Doch wer sonst könnte ihr eine Geburtstagskarte schicken und die Glückwünsche mit der Widmung "Dein Papa" unterzeichnen ? Aber das ist er der Anfang der Geheimnisse und mysteriösen Ereignisse, die Saras Leben kräftig durcheinander schütteln. Sara versucht zu verstehen und muss dabei immer tiefer in die Schatten ihrer eigenen Vergangenheit eintauchen...

Katrin Faludi entführt ihre Leser:innen in eine sehr lebendige Geschichte, die mit viel Tempo und Ideenreichtum erzählt wird. Dabei lernen die Lesenden Sara wirklich sehr intensiv kennen und erfahren unglaublich viel von ihrer Angst, in den Wald zu gehen Bisher ist Sara davon ausgegangen, dass ihr Vater vor Jahren bei einem Unfall ums Leben gekommen ist. Doch wer sonst könnte ihr eine Geburtstagskarte schicken und die Glückwünsche mit der Widmung "Dein Papa" unterzeichnen ? Aber das ist er der Anfang der Geheimnisse und mysteriösen Ereignisse, die Saras Leben kräftig durcheinander schütteln. Sara versucht zu verstehen und muss dabei immer tiefer in die Schatten ihrer eigenen Vergangenheit eintauchen...

Katrin Faludi entführt ihre Leser:innen in eine sehr lebendige Geschichte, die mit viel Tempo und Ideenreichtum erzählt wird. Dabei lernen die Lesenden Sara wirklich sehr intensiv kennen und erfahren unglaublich viel von ihrer Angst, in den Wald zu gehen und dort dem Bedrohlichen, dem Unbekannten ausgeliefert zu sein. Die unterschwellige Gefahr, die durch das Unterholz wabert, ist regelrecht greifbar, obwohl die Hintergründe für diese Unsicherheit lange im Verborgenen bleiben.

Sara ist eine taffes junges Mädchen an der Schwelle zum Erwachsenwerden, die es nicht wirklich leicht mit ihrer kontrollsüchtigen Mutter hat. Sie treibt damit nicht nur ihre Tochter fast in den Wahnsinn, sondern sorgt auch bei der Leserschaft für entnervtes Augenrollen, wenn sie mit ihrer übertriebenen Fürsorge mal wieder für reichlich Zündstoff sorgt. Es taucht immer wieder die Frage auf, warum Eva so ist, wie sie eben ist und wodurch sie zu so einer Kontrollfanatikerin geworden ist. Die Hintergründe für das Handeln bleiben lange im Verborgenen und schüren natürlich die Vermutungen, welche dunklen Schatten aus der Vergangenheit auch heute noch für Angst und Schrecken sorgen.

Die Autorin ist sehr gut darin, falsche Fährten zu legen, denn zunächst erscheint glasklar, wer für alles Übel verantwortlich scheint. Das Unheil begleitet Sara auf Schritt und Tritt und nicht nur sie fühlt sich beobachtet, auch die Leser;innen spüren den dauerhaften Blick eines/einer Unbekannten im Nacken. Dabei legt die Schreibende eine große Portion Raffinesse an den Tag, wenn es darum geht, ihrer Hauptfigur immer wieder von aussen Schaden zufügen zu lassen oder sie in Situationen zu bringen, wo sie sich nicht mehr sicher sein kann, wem sie noch ihr Vertrauen schenkt. Dieses ungute Gefühl sorgt für angespannte Nerven, die bei jeder Kleinigkeit bloß liegen. Die Spannungsmomente geben sich die Klinke in die Hand und nehmen nach dem Ortswechsel, den Sara mehr oder weniger freiwillig über sich ergehen lassen muss, noch zu.

Die Handlung wird von einigen wenigen christlichen Einflüssen begleitet, die die Autorin alltagstauglich mit in das Geschehen aufnimmt. Schuld und Vergebung, Glaube und Hoffnung nehmen aber dem Thriller weder den Nervenkitzel, noch die Spannung, sondern setzen gewissen Szenen das Tüpfelchen auf dem i auf.

Bis zum Schluss bleibt das Geheimnis gut verborgen und Faludi setzt alles dran, ihre Leser:innen mit düsteren Szenen im Wald, beklemmenden Situationen und überraschenden Twists regelrecht um den Finger zu wickeln. Dabei werden die unheimlichen Waldgeräusche sehr gut transportiert- das Knacken der Äste ist deutlich zu hören, die Schritte werden durch das Moos gedämpft und das Rascheln des Laubes erscheint schon fast dröhnend im Ohr.

Eine sehr empfehlenswerte

Bewertung vom 19.06.2022
Alles nur geträumt
Skai, Hollow

Alles nur geträumt


schlecht

Ich will Spaß - aber sicherlich nicht mit diesem Buch

NDW - für mich auf ewig mit schrägen Vögeln, schrillen Bands und Elektro-Musik verbunden. Sofort springen die Ohrwürmer ins Ohr und ich kann die Texte aus dem Stehgreif mitsingen, wenn Joachim Witt den "Goldenen Reiter", Ixi den "Knutschfleck" oder Peter Schilling seinen "Major Tom" besingt.

Originelle Typen wie Hubert Kah, DÖF, Frl Menke, oder Kiz sind Dauerbrenner bei Dieter Thomas Heck in der ZDF-Hitparade und präsentieren in auffälligen bunten, schrillen Klamotten ihren Hits und verbreiten gute Laune.

Und dann kommt da 40 Jahre später Hollow Skai um die Ecke, hat die vermeintlich zündende Idee und veröffentlicht ein Buch über eben jene Zeit, die nur zwei Möglichkeiten kennt - entweder man liebt die Musik und ihre Interpret:innen, oder eben nicht.

Getreu dem Motto von Markus "Ich will Spaß" habe ich zu diesem Buch gegriffen und mir davon einen Ausflug in dieses kunterbunte Pop-Jahrzehnt erhofft, das Musikgeschichte geschrieben hat. Aber alles, was ich in diesen Seiten finde ist Arroganz, Süffisanz und Überheblichkeit von Seiten des Autors, die jeglichen Spaß an der NDW im Keim erstickt.

Vielmehr kommt es mir so vor, als wolle der Autor abrechnen und alles, was nicht von ihm huldvoll abgenickt wird, schlecht reden. Ja, er ist einer, der dabei gewesen ist, aber kein Stück vom großen Kuchen abbekommen hat. Aber ist es dann wirklich nötig, einen solchen Verriss auf die Menschen los zu lassen ?

Dieses Buch gehört für mich in die Kategorie D - Dinge, die die Welt nicht braucht.

0 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 18.06.2022
Wind Of Change
Popoff, Martin

Wind Of Change


schlecht

Ein Desaster

Die Scorpions sind Deutschland erfolgreichste Rockband und haben mit ihren Songs nicht nur Rockgeschichte, sondern auch Weltgeschichte geschrieben. Wer den Werdegang der Band aus Hannover seit Jahrzehnten mitverfolgt, weiß um die musikalischen Meilensteine. Auch dass der Erfolg in Deutschland lange hat auf sich warten lassen, ist bekannt.

Eine Biografie über eben jene Band zu schreiben ist wohl für jede Autorin/jeden Autor mehr als eine große Ehre und sollte auch mit einer gewissen Ernsthaftigkeit angegangen werden. Martin Popoff schafft es allerdings, die Leser:innen und Fans schon nach wenigen Seiten zu verärgern und ihnen den Lesegenuss an diesem Buch dermaßen zu vermiesen, dass es eigentlich nur noch eines gibt- weglegen und ganz schnell vergessen.

Was hier als Biografie verkauft wird, ist eine desaströse Meinungswiedergabe des Autors, der selbstgefällig persönliche Eindrücke und Empfindungen massentauglich aufbereiten will. Es entsteht das Gefühl, dass er auf die Fans, die nicht über so viel "Hintergrundwissen" wie er verfügen, herablassend schaut und sie somit abwertet. Er seziert mit einer nie gekannten Überheblichkeit Alben und Titel und tut immer wieder seine ganz persönliche Meinung kund.

Wenn dann doch die Sprache auf die Band und ihr Mitglieder kommt , scheint er sich regelrecht daran zu verbeißen und walzt immer wieder über bereits Gesagtes und Geschriebenes, um es breit zu treten. Ich habe mir mehr als einmal die Haare gerauft und letztendlich resigniert aufgegeben.

Ein solches Debakel hat die Band nun wirklich nicht verdient.

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