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Benutzername: katikatharinenhof
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Bewertungen

Insgesamt 278 Bewertungen
Bewertung vom 13.10.2019
Das Weihnachtslied
Schwarzhuber, Angelika

Das Weihnachtslied


gut

Aus der Traum vom großen Weihnachtskonzert mit dem Schulchor, denn die sauertöpfische Direktorin hat Mia kurzerhand vor die Tür gesetzt und auch schon ein smarten Ersatzlehrer parat. Als wäre die Katastrophe nicht schon groß genug, stirbt auch noch Mias Vater an einem Herzinfarkt. Mia muss ihre Zwillingsschwester Valerie vom Tod ihres Vaters in Kenntnis setzen und das fällt ihr nicht leicht. Wie wird es sein, wenn sich die beiden Schwestern nach so langer Zeit wieder gegenüberstehen ? Und was haben die Noten für ein Weihnachtslied mit all dem zu tun ?
"Das Weihnachtslied" ist ein netter Wohlfühlroman, der mit einigen Schwächen aufwartet und mich nicht richtig von ich begeistern kann. Die Geschichte ist recht einfach gehalten und trotz Wendungen, Familiengeheimnissen und Weihnachtsfeeling recht überschaubar gestaltet. Das Ende ist für den Leser schon nach wenigen Seiten absehbar und die weihnachtliche Wohlfühlatmosphäre vermag auch nicht mehr Glitzern und Funkeln zu versprühen, um den Leser bei der Stange zu halten.
Die eigentliche Geschichte ist schnell erzählt, plustert sich hier und da noch ein bisschen auf, aber das Wesentliche, nämlich das Weihnachtslied, kommt einfach zu kurz. Erst ab Ende des zweiten Drittels erfährt der Leser überhaupt von der Existenz des Liedes, dann verschwindet es wieder von der Bildfläche, um dann in den letzten drei Kapiteln den ganz großen Auftritt zu bekommen. Zwischendrin wird der Roman künstlich in die Länge gezogen, verliert sich in vielen Nebenschauplätzen und Handlungen, die es meiner Meinung nach nicht unbedingt gebraucht hätte. Der Schluß versöhnt wiederum mit dem ganzen Buch, denn hier bekommen noch einmal alle Figuren die Möglichkeit zu zeigen, was sie können...das ist im Verlauf des Buches nämlich immer wieder einmal untergegangen.
Das titelgebende Lied spielt leider nur eine minimale Rolle- schade, denn die Idee zum Roman finde ich sehr gelungen, ist Weihnachten doch das Fest der Liebe und der Familie, aber die Umsetzung ist recht einfach strukturiert und nach Schema F gestrickt. Eine Prise Herzenswärme und Geborgenheit ist zwar vorhanden, aber mir insgesamt zu wenig für einen echten Weihnachtsroman. Übrig bleibt eine nette Geschichte, die schnell gelesen, aber auch genauso schnell wieder vergessen ist.

Bewertung vom 12.10.2019
Große Elbstraße 7
Serno, Wolf

Große Elbstraße 7


gut

Vicki zur Haidens Zukunft ist von ihrem Vater gut durchgeplant. Die Tochter aus gutem Haus besucht das Lehrerinnenseminar in Lübeck, doch Vicki stellt fest, dass die vorgefertigte Schublade nicht das ist, was sie sich für ihr Leben vorgestellt hat. Sie reißt aus und kehrt zurück nach Hamburg. Doch ihre Heimat ist nicht mehr die blühende Stadt an der Elbe, denn die Cholera wütet in den Gassen der Armenviertel. Für Vicki steht fest, sie wird den Ärmsten der Armen helfen. Als sie ihrem Vater wieder gegenübersteht, will dieser seiner aufmüpfigen Tochter zeigen, wer der Herr im Hause ist. Doch Vicki hat längst andere Pläne...

Wolf Serno lässt den Leser in "Große Elbstraße 7" eine Zeitreise antreten und führt uns zurück in das Hamburg zu Ende des 19. Jahrhunderts, als die Cholera die Stadt fest im Würgegriff hat. Die Zuständen in den Armenvierteln sind vom Autor für den Leser sehr plastisch geschildert und machen es so möglich, der Geschichte recht schnell zu folgen.
Vicki ist für mich die herausragende Figur in diesem Buch, denn sie besticht durch ihre Eigenwilligkeit und ihren Mut, geht ihren eigenen Weg und lässt sich durch nichts und niemand beirren. Nicht selbstverständlich zu der damaligen Zeit.
Alle anderen Darsteller bleiben Nebenfiguren und können mich nicht wirklich von sich begeistern. Selbst Hannes Dreyer, der ja in Vickis Leben eine große Rolle spielt, steht eher am Rand und wirkt auf den Leser ein wenig deplatziert. Von einem jungen Arzt erwarte ich mehr Eifer, mehr Ellenbogen und Kampfgeist - zumindest, wenn er als in Ungnade gefallener Arzt am Krankenhaus vom Autor eine Rolle zugedacht bekommt.
Die Erzählung verliert sich unterwegs in emotionsloses Geplätscher, wirkt an vielen Stellen fadenscheinig und gekünstelt. Das macht die Lektüre recht trocken und zäh, obwohl sie so viel Potential für eine mitreißende und aufwühlende Geschichte bietet. Zwar werden die Klassenunterschiede hier sehr deutlich herausgestellt, die Arbeit von Frauen in einer Männerdomäne beleuchtet, aber irgendwie fehlt mit der Funke, der auf mich überspringt, um mich mit Feuereifer die Seiten umblättern zu lassen. Ich habe bereites einen anderen Roman gelesen, der das gleiche Thema behandelt und wenn ich die beiden Geschichten miteinander vergleiche, wirkt das Buch von Wolf Serno eher mittelklassig.
Von einem historischen Roman nach wahren Begebenheiten erwarte ich normalerweise, dass mich das Buch an die Seiten fesselt, ich es nur widerwillig aus den Händen lege und Zeit und Raum vergesse. Hier habe ich die Geschichte zwar gerne gelesen, aber auch nichts verpasst, wenn ich das buch nicht in den Händen gehalten hätte. Der Roman hinterlässt keinen großen Eindruck und bekommt daher nur 3 Sterne

Bewertung vom 12.10.2019
Die Hoffnung zwischen den Zeilen
Olofsson, Elin

Die Hoffnung zwischen den Zeilen


schlecht

Ulrike war vor dem Krieg mit Hansi liiert, doch der Krieg hat ihn ihr genommen. Was ihr bleibt sind Hansis Briefe, die jedoch nicht an sie, sondern an eine Schwedin namens Elsa gerichtet sind. Ulrikes Suche nach der Wahrheit offenbart Elsas Geheimnis und danach ist nichts mehr so, wie es vorher einmal war.
Von der schwedischen Presse und schwedischen Lesern gefeiert und bejubelt, hat "Die Hoffnung zwischen den Zeilen" meine Neugier geweckt. Doch schon nach wenigen Kapiteln hätte ich das Buch am liebsten unbeendet in die Ecke gelegt und verstauben lassen. Denn die Geschichte ist alles andere als fesselnd und spannend. Sie ist extrem langweilig, vollkommen emotionslos erzählt und zieht sich endlos in die Länge. Der Inhalt der Briefe, die ja eigentlich der Auslöser für Ulrikes Suche sind, wird dem Leser vorenthalten und verkommt so zur Nebensächlichkeit. Wenn die Briefe so unwichtig sind, warum tragen sie dann dazu bei, dass die titelgebend und Stein des Anstoßes sind ? Wenn sie so wichtig sind, warum widmet sich Elin Olofsson ihnen nicht und lässt den Leser am Briefwechsel teilhaben ?
Ulrike, von allen nur Uli genannt ist psychisch krank und benötigt, aus meiner Sicht, dringend Hilfe. Ich kann mich mit ihr als Hauptfigur nicht wirklich anfreunden, finde keinen Zugang zu ihr. Sie wirkt wie ferngesteuert und ist nicht sie selbst, wenn sie Dinge tut, die man normalerweise nicht tut und andere beeinflusst. Sie ist kein Kind von Traurigkeit, aber auch nicht wirklich auf die Konsequenzen ihres Handelns bedacht. Sie wirkt aufdringlich, übergriffig und nervig und diese Antipathie überträgt sich auch auf alle anderen Figuren, die im Verlauf der Geschichte erscheinen. Es will keine richtige Stimmung aufkommen, der historische Kontext fehlt komplett in der Erzählung und so lese ich ab dem letzten Drittel einfach nur noch quer, um endlich das Buch beenden zu können und zu erfahren, wie sich der Schluß gestaltet.
Selbst das Ende des Buches ist nichtssagend und wenig aufregend..alles in allem ein echter Reinfall, für den ich meine kostbare Lesezeit verschwendet habe. Es lohnt sich wirklich nicht, zu diesem Buch zu greifen.

Bewertung vom 11.10.2019
Ohne Herz
Richter, Markus

Ohne Herz


ausgezeichnet

Kastellan Lenz Baumgartner entdeckt durch Zufall einen kleinen verängstigen Jungen in Schloß Neuschwanstein. Schnell wird klar, dass der Bub entführt wurde und Lenz versucht ihn vor den schrecklichen Kerlen zu retten, die dem Jungen nach dem Leben trachten. Er bekommt Hilfe von seinem Freund Johannes und seiner großen Liebe Klara und ahnt nicht, dass damit ein Abenteuer auf Leben und Tod beginnt. Denn nicht nur der Junge schwebt in Lebensgefahr, sondern auch König Ludwig II. Irgendwie kommt das Lenz und seinen Freunden bekannt vor...

Markus Richter hat mit "Ohne Herz" die grandiose Fortsetzung seines Neuschwanstein-Thrillers "Ins Herz" geschrieben und fesselt den Leser von der ersten Seite an das Buch. Es fällt schwer, den Roman aus der Hand zu legen, denn die Geschichte lässt einen den Alltag, das Hier und Jetzt vergessen und katapultiert einen zurück in das Jahr 1885, als man König Lugwig II. schon nicht mehr allzu gut gesinnt war.
Der Autor besitzt die Gabe, mit Worten Bilder zu erschaffen und so findet man sich schnell im Schloßpark von Linderhof wieder, genießt die herrliche Parkanlage und die opulent gestalteten Zimmer und wird ein Teil der Erzählung. König Ludwig II. und seine Bediensteten sind allgegenwärtig und man kann sich als Leser unter seine Dienerschaft mischen, alles hautnah miterleben und somit mitverfolgen, wie Lenz und seine Freunde versuchen, das Leben des Jungen zu retten.
Unerbittlich und schonungslos tritt Markus Richter in die morbide Gedankenwelt seines Täters ein, lässt seine wirren Gedanken zu Taten werden und nimmt dem Leser den Atem, weil sich Spannung, nervenaufreibende Szenen und schicksalhafte Begegnungen perfekt aneinanderreihen.
Der ausdrucksstarke Schreibstil sorgt dafür, dass man sich ständig ein einem Wechselbad der Gefühle befindet. Mal bangt man um Lenz, Johannes und Klara, mal hofft man und dann wiederum gibt es Szenen, die einem so zu Herzen gehen, dass ungehindert die Tränen fließen. Richter lässt facettenreiche Figuren auf der Bildfläche agieren, gibt dem Bösen ein Gesicht und verknüpft am Ende alle losen Fäden zu einer rundherum stimmigen Geschichte, die mit unvorhersehbaren Wendungen und Aufdecken von alten Geheimnissen überrascht.
Die Schönheit der Ammergauer Alpen rund um Linderhof wird von düsteren Schatten überzogen, die Markus Richter für den Leser mit viel Einfallsreichtum zu Papier bringt, damit die schillernde Welt des Märchenkönigs und das ausgeklügelte Komplott nicht eine leere Hülle bleiben, sondern den Leser mit riesigen Klauen ins Buch zieht.
Markus Richter weiß, wie man akribische Recherche und historische Details mit einer märchenhaften Kulisse verbindet und daraus einen Regio-Thriller strickt, der für mich ein absolutes Highlight ist ! Chapeau !

Bewertung vom 09.10.2019
Ernte mich im Winter
Palme, Wolfgang

Ernte mich im Winter


weniger gut

Als Hobbygärtnerin, die bisher ihren Garten im Winter lieber hat ruhen lassen anstatt Wintergemüse anzubauen, habe ich mich voller Neugier auf dieses Buch gestürzt und hohe Erwartungen in diesen Ratgeber gesetzt.
Die Einleitung klingt auch vielversprechend und einladend, fast so, als würde man durch die geöffnete Gartenpforte des Autors gehen und sich in seinem Wintergemüsegarten umschauen dürfen. Doch die anfängliche Euphorie schwindet genauso schnell, wie sie gekommen ist, denn das, was ich lese, gleicht eher einer Belehrung durch einen Dreikäsehoch, der sich in kindlichem Eifer immer mehr in ausufernden Erzählungen verliert und dabei das Wesentliche vergisst.
Der Autor lässt naseweise Kommentare auf den Leser einprasseln, spart nicht mit Eigenlob und bringt seine Selbstbeweihräucherung mit gewollt humoristischer Sprache dem Leser dar. Das führt dazu, dass ich ab gut einem Drittel des Buches nur noch mit den Augen rolle, denn eine solche Bespaßung hat nichts in einem seriösen Sachbuch verloren.
Praktische Tipps zur Umsetzung für den Kleingärtner sind hier nur wenige zu finden, aber die wenigen, die ich entdecke, sauge ich auf wie ein Schwamm. Überraschenderweise befinden sich im Buch aus Rezepte, die man mit dem angebauten Wintergemüse schnell und unkompliziert in der heimischen Küche nachkochen kann....endlich mal ein Pluspunkt in dem sonst so auf Werbeprospekt poliertem Sachbuch. Viele bunte Bilder mit smart lächelnden Gute-Laune-Models nerven eher, anstatt mir den Anblick zu versüßen - hier wäre weniger mehr gewesen bzw. hätte ich mir gewünscht, dass die vorgestellten Arbeitswerkzeuge und- geräte bildlich hervorgehoben werden.
Für mich leider eine frostige Erfahrung, aber auch die gehört dazu, wenn man sich Rat holen möchte. Das Buch wird sicherlich seine Liebhaber finden - ich gehöre leider nicht dazu.
Ein großes Lob gehört allerdings dem Verlag ausgesprochen, denn dieses Buch wurde nachhaltig hergestellt und ohne Plastikumverpackung geliefert .

Bewertung vom 08.10.2019
Konfetti im Winter
Mosel, Katharina

Konfetti im Winter


sehr gut

Zoeys Welt ist nach dem Tod von Leander trist und grau. Damit sie wieder zu sich selbst findet, gönnt sie sich eine Auszeit auf Sylt. Dort angekommen, läuft ihr Künstlerin Marlene über den Weg und fortan ist Schluß mit grauen Gedanken, tristem Alltagsgrau und Trauer. Marlene hat nämlich die seltene Gabe, Konfetti in das Leben anderer zu streuen und bewegt Zoey dazu, ihr Leben zu überdenken.
"Konfetti im Winter" ist eine kleine Liebeserklärung an die wohl schönste Insel in der Nordsee und fasziniert mit dem unglaublichen Schauspiel von Eiskristallen auf dem Sandstrand, eiskaltem Wind draußen und wärmender Behaglichkeit drinnen.
Allen voran geht Künstlerin Marlene, die ein Herz aus Gold hat und für Trubel und ganz viel Farbe im Leben ihrer Freunde sorgt. Sie ist mir sofort ans Herz gewachsen und ich bin froh, dass ich Gelegenheit hatte, diese ungewöhnliche Frau kennenzulernen.
Die Handlung wird von der Autorin mit spielender Leichtigkeit erzählt, holt den Leser ab und lässt ihn Teil der munteren Inselclique werden, die sich da im Verlauf der Erzählung zusammenfindet. Es ist tatsächlich wie ein Treffen mit guten Freunden, denen man in guten und weniger guten Zeiten beisteht und unter die Arme greift. Ein Mut-mach-Roman für alle, die den Verlust eines geliebten Menschen betrauern und vor dem Schritt in ein neues, aufregendes Leben stehen. Man darf den Hunger auf das Leben nicht verlieren und diese Botschaft wird von Katharina Mosel sehr gut dem Leser vermittelt.
Leider kann mich Zoey nicht von sich überzeugen und das sollte sie doch als Schlüsselfigur in ihrer eigenen Geschichte. Sie wirkt, trotz ihrer 50 Lenze, naiv und weltfremd und ich frage mich, wie sie die letzten Jahre als Unternehmensberaterin überhaupt gemeistert hat, wenn sie noch nicht einmal für sich selbst sorgen kann.
Die Antipathie zieht sich leider wie ein roter Faden durch den Roman und trübt mir so den Lesegenuss, deswegen kann ich leider nur 3,5 Sternchen vergeben.

Bewertung vom 07.10.2019
Dreck am Stecken
Fröhlich, Alexandra

Dreck am Stecken


gut

Erst der Tod des Großvaters vereint die Brüder Johannes, Philipp, Jakob und Simon wieder.Eigenltich wollen sie so gar nichts über das Leben des Großvaters wissen, der dmals bei ihnen einziog und dann einfach blieb. Doch eine kleine Kiste bringt ein Tagebuch zum Vorschien und beim Lesen merken die Brüder, dass sie ihren Op vollkommen verkannt haben Denn Opa hatte Dreck am Stecken...

Puh, wie fange ich diese Buchbesprechung an, ohne dass ich gleich zu sehr ins Negative abrutsche. Das Buch bordet regelrecht über vor ernsten Themen, die die Geschwister in ihrer Kindheit prägen. Egal ob bipolare Erkrankung der Mutter, fehlende Akzeptanz durch die jeweiligen Väter der Kinder und ständig das Gefühl, nicht gewollt zu sein - hier wird vor negativen Erlebnissen nicht Halt gemacht und das prägt nicht nur die Jungs, sondern es färbt auch auf den Leser ab. Die Sprache ist auch dementsprechend ruppig, gefühlskalt und barsch und verlangt mir beim Lesen einiges ab. Ebenso der brottrockene Humor, der jetzt nicht ganz meine Nerv trifft - er passt aber zum Buch und das muss man der Autorin schon hoch anrechnen. Sie fährt ihre Schiene , verlässt nicht eine Millimeter nachts rechts oder links diesen Weg und zeigt dem Leser auf, wie die negativen Erlebnisse der Kindheit den Charakter prägen.
Die vielen schlechten Erfahrungen, Einflüsse und Ereignisse sind federführend für die ganze Geschichte, werden von der Autorin fast schon verschwenderisch erzählt, gehen aber nicht wirklich in die Tiefe. Ist vielleicht auch besser so, denn sonst hätte mich das Buch noch mehr schockiert und noch mehr gespalten zurück gelassen.
Ich finde nicht wirklich Zugang zur Geschichte und ihren Protagonisten, was aber nicht heißen soll, dass der Roman schlecht ist. Er wird sicherlich seine Leserschaft finden und diese begeistern - bei mir hat es jedenfalls nicht gefunkt.
Für mich schießt des Buch übers Ziel hinaus, weniger ist manchmal doch eben mehr und ich kann mir kein richtiges Urteil über das Gelesene bilden.

Bewertung vom 07.10.2019
Bangkok Original Streetfood
Kindler, Ben

Bangkok Original Streetfood


ausgezeichnet

Ben Kindler entführt mit diesem wunderbaren Kochbuch direkt in die Straßen Thailands und lässt den Duft von aromatischen, fernöstlichen Gewürzen und einer schmackhaften Thai-Küche durch den Raum wehen.
Abwechslungsreiche Gerichte, die Dank genauer Zutatenliste und ausführlicher Beschreibung der Zubereitung, leicht nachzumachen sind, geben hier den exotischen Gaumenschmaus wieder, den der Autor direkt vor Ort erleben und probieren durfte. Da ist für jeden Geschmack etwas dabei, egal ob knuspriger Schweinebauch, leckere Omeletts oder gar krosses Krabbelgetier - hier darf jeder gerne das ausprobieren, wonach er Lust und Laune hat. Ben Kindlers Buch dient als Ideenquelle, praktischer Ratgeber und Quelle der Verführung :-)
Hintergrundinfos und kleine Geschichten am Rand ergänzen das Buch perfekt und sorgen dafür, dass man das Kochbuch nur schwer wieder aus der Hand legen kann. Alles wirkt echt und authentisch, fast so, als müsse man nur um die Ecke gehen und schon steht man mittendrin in Thailands Straßen...
Erstklassige Bebilderung, die Fotos sind von einer absoluten berauschenden Farbintensität und Bildqualität, sorgt dafür, dass das Buch lebendig wirkt und man mit dem Koch durch die Gassen streift, in die Geschichte der Bewohner eintaucht und lernt, wie sich einfache, asiatische Küche den Weg in die heimische Küche bahnt.
Für Kenner und Liebhaber der fernöstlichen Küche ist dieses Buch ein absolutes MUSS und man kann gar nicht anders, als die Töpfe und den Wok auf dem Herd bereit stellen, die Zutaten zu kaufen und loszulegen...Ben Kindler macht Genuss für den Leser erlebbar - Für Auge und Gaumen :-)

Bewertung vom 07.10.2019
Darf's ein bisschen Meer sein?
Richter, Vanessa

Darf's ein bisschen Meer sein?


sehr gut

Tilda hat sich den Gang von der Insel in die große weite Welt des Journalismus anders vorgestellt...glitzernder, schillernder, aufregender. Doch diese Beschreibung passt momentan so gar nicht auf das, was sie in ihrer Vita vorzuweisen hat. Statt Promis, Titelseite und geniale Aufmacher heißt es bei Tilda einfach nur Anzeigenabteilung und Ödnis.
Doch ein angeblicher Skandal im Bio-Hotel ihres Onkels scheint das Sprungbrett für Tilda zu sein, denn ihr Chef schickt sie zu Recherchezwecken zurück auf ihre Insel. Ist wirklich alles so verfahren, wie es auf den ersten Blick scheint ? Als wäre das nicht genug, schlägt Tildas herz auf Langeoog plötzlich wieder für Justus, ihre Jugendliebe...
"Darf's ein bisschen Meer sein?" - diese Frage stellt die Autorin mit dem Buchtitel und meine Antwort lautet: Ja, es darf Meer und mehr sein :-) Denn dieses inselroman verzubert nicht nur auf den ersten Blick mit demcover, sondern weiß auch den Leser mit einer wirlich süßen Geschichte zu begeistern.
Wenn man Tilda Gockel heißt, ist das Leben ja schon nicht einfach und das merkt man der Figur auch an. Sie ist ein wenig wankelmütig und neigt zur Chaos-Queen und ich habe so meine liebe Not, mit ihr warm zu werden. Aber wenn Tilda sich dann erst einmal einen Platz im Leserherzchen gesucht hat, nistet sie sich darin ein und man kann gut mit ihr zurecht kommen.
Die Geschichte liest sich recht flüssig und bietet viel Platz für Wellenglitzern, Inselromantik und kleine Aufreger. Langeoog darf mit seiner schönen Landschaft punkten und bietet hier den perfekten Rahmen für eine kleine Liebesgeschichte mit kleinen familiären Stolpersteinen. Somit ist für Abwechslung gesorgt und man kann mit Tilda auf Recherchetour gehen. Ein bisschen mehr Offenheit und Ehrlichkeit, gerade ihren Eltern gegenüber, hätte ich mir von Tilda schon gewünscht, aber diesen Faux-pas bügelt sie schnell wieder aus.
Ich mag die Figuren, die die Autorin hier auf die Insel pflanzt, denn sie sind sehr vielfältig gestaltet und sorgen für ein munteres Treiben auf dem Eiland. Sie dürfen sich alle sehr menschlich präsentieren und beweisen, dass man auch mit Ecken und Kanten in einem Roman seinen Platz findet.
Herzklopfen und Schmetterlinge im Bauch geben dem Ganzen dann och den richtigen Schliff und man kann sich so richtig vorstellen, wie Tilda zum einem über die Insel wirbelt, um Ungerechtigkeiten aufzudecken und zum anderen ihr Herz verliert.
Das Buch sorgt für kurzeiliges Lesevergnügen und man kann sich gut an den weißen Sandstrand der Nordseeinsel träumen. Ein leichter Sommerroman, der Lust auf Meer und mehr macht :-)

Bewertung vom 16.09.2019
Wunderbare Zeiten / Die Schwestern vom Ku'damm Bd.2
Riebe, Brigitte

Wunderbare Zeiten / Die Schwestern vom Ku'damm Bd.2


ausgezeichnet

Während die Welt um Silvie herum im Aufbruch ist, in Petticoats und Rock'n Roll versinkt steht für Silvie Thalheim eines fest: Das Kaufhaus wird nie bei ihr an erster Stelle stehen, denn ihre Welt sieht anders aus- sie ist mit ihrer Sendung "Stimmen" beim Rundfunksender RIAs das Zugpferd.
Doch erstens kommt immer alles anders und zweitens als man denkt. Silvie muss erfahren, dass der Weg ihrer Träume manchmal mit ganz harten Rückschlägen gepflastert ist. aber Silvie wäre nicht Silvie, wenn sie aus eben diesen Steinen doch noch etwas Schönes baut...

Licht aus - Spot an für Brigitte Riebe und ihre grandiose Fortsetzung der Thalheim-Saga!
Sofort fühlt man sich als Leser wieder heimisch in den 1950er Jahren, trägt Petticoat, Pferdeschwanz und Ballerinas und ist hautnah dabei, wenn Silvie Thalheim ihren großen Auftritt bekommt.
Brigitte Riebe setzt die aufrührerische Silvie so gekonnt in Szene, dass man gar nicht anders kann, als in ihre Haut zu schlüpfen und mit ihr die Jahre 1952 bis 1957 zu erleben und die Schicksalsschläge, zu ertragen, der Liebe zu begegnen und den kleinen und großen Geheimnissen auf die Spur zu kommen, die die Thalheims umgeben.
Dabei bewundere ich die Gabe der Autorin, Bilder aus Worten entstehen zu lassen, die Stars und Sternchen der Wirtschaftswunderzeit in ihre Geschichte mit einzubringen und so für Glanz und Glamour zu sorgen. Man begegnet Willi Brandt, Margit Hielscher und Heinz Erhardt, Grace Kelly, Marilyn Monroe und das Wunder von Bern sorgen ebenfalls für Glanzlichter.
Ich habe mit Silvie gelitten, als sie das Schicksal mehr als einmal heftig beutelt. Habe mit ihr gehadert und gebangt, gelacht und geweint und nie die Hoffnung aufgegeben, dass das Leben doch noch einen Schnickser macht und Silvie auf die Sonnenseite katapultiert.
Aus der anfänglichen kühlen, ja schon fast unnahbaren Frau wird eine gestanden Persönlichkeit, die das Leben tanzt, die dem Schicksal mutig die Stirn bietet und die sich mit all ihren Facetten in mein Herz schleicht und dort ihren Platz findet. Brigitte Riebe ist es gelungen, aus dem Rohdiamanten eine funkelnden Stein zu schleifen und so dem Leser zu vermitteln, wie es ist, wenn an als selbstbewusste Frau in den 1950er Jahren gegen den Strom schwimmt.
Der Titel ist bezeichnend für das ganze Buch - der Leser erlebt wunderbare Zeiten mit den Darstellern, darf den kraftvollen Schreibstil der Autorin genießen und inhaliert regelrecht den nostalgischen Charme, der sich aus den Seiten über den Leser legt wie eine zarter Chiffonschal.
Für mich ganz, ganz großes Kino und ich kann es kaum erwarten, Band drei in den Händen zu halten und zu verschlingen.
Brigitte Riebe ist für mich die Queen of nostalgic !

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