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Benutzername: katikatharinenhof
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Bewertungen

Insgesamt 535 Bewertungen
Bewertung vom 04.07.2020
Mit dir für alle Zeit
Grunwald, Lisa

Mit dir für alle Zeit


sehr gut

Mitten im Dezember 1937 geht für Weichsteller Joe im berühmten Grand Central Terminal die Sonne auf - er sieht eine junge Frau, die ein bisschen aus der Zeit gefallen zu sein scheint, und verliebt sich Hals über Kopf in sie. Beide verbringen einen wunderschönen Abend zusammen, doch dann ist Nora spurlos verschwunden. Joe möchte ein neues Date mit der Frau seines Herzens und erfährt bei einem Anruf unter der von ihr gegeben Telefonnummer, dass Nora eigentlich schon vor 12 Jahren bei einem Zugunglück gestorben ist. Im Dezember 1938 begegnet Joe seiner Nora wieder und ihre Liebe wird auf einem mysteriösen Geheimnis aufgebaut. Doch wie können sie es schaffen, dass Nora für immer bei Joe bleiben kann....



"Mit dir für alle Zeit" ist nach "Ghost-Nachricht von Sam" die wohl schönste Liebesgeschichte zwischen einem unerklärlichem Mysterium und einem Menschen. Lisa Grunwald hat die historische Kulisse des Grand Central Terminal perfekt in Szene gesetzt, um das einzigartige Flair dieses faszinierenden Bahnhofsgebäudes als wundervolle Untermalung für ihre Liebesgeschichte zu nutzen.

Man spürt regelecht den Zauber, der sich mit den Sonnenstahlen durch die hohen Fenster ergießt und wird in diese romantische Geschichte regelrecht hineingezogen. Joe und Nora sind der Autorin hervorragend gelungen und verkörpern ihre Rollen so überzeugen, sodass man sich als Zuschauer direkt unter der goldenen Uhr befindet, wenn Nora mit dem Strahl der Sonne wieder auftaucht.

Mystisch und geheimnisvoll führt die Schreibende den Leser durch ihre Romanze, lässt ihn an großen Gefühlen, vielen Anekdoten und amerikanischer Zeitgeschichte teilhaben und erschafft somit eine einzigartige Atmosphäre, die aus Abschied und Wiederkehr am Bahnsteig, aber auch Loslassen und verzweifeltem Festhalten von Nora und Joe besteht.

Der Mittelteil ist mir allerdings zu künstlich aufgebauscht, weil nicht wirklich etwas Neues passiert. Vielmehr verliert sich Grundwald in der sehr ausführlichen Schilderung des Alltags und das nimmt dem Roman ein wenig vom Zauber und der Anziehungskraft. Hier wäre eine Straffung, oder der Blick aus Wesentliche sinnvoller gewesen, um die Magie des Romans aufrecht zu erhalten. So geht ein wenig der Glanz verloren, aber die Autorin bekommt gerade noch rechtzeitig die Kurve, um die Faszination für diese außergewöhnliche Geschichte wieder einzufangen.

Aber lest selbst, zu was Liebe alles fähig ist, wenn sie vor große Herausforderungen gestellt wird. Ein Roman voller Magie, Sehnsüchte und großen Gefühlen

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 01.07.2020
Der Schokoladenpavillon / Das Rosenpalais Bd.2
Jonas, Anna

Der Schokoladenpavillon / Das Rosenpalais Bd.2


gut

Fenja reibt sich für das Familienunternehmen auf und legt ihren großen Traum , einmal Ärztin zu werden, endgültig auf Eis. Damit es wirtschaftlich bald wieder bergauf geht, müssen neue Ideen her, die das Unternehmen moderner und innovativer auf dem Markt erscheinen lassen. Als sich Fenja und Amelie ausgerechnet in den selben Mann verlieben, scheint die Katastrophe vorprogrammiert und die Zukunft der Schokoladenmanufaktur steht auf wackligen Füßen...

Mit "Der Schokoladenpavillon" halte ich Band zwei der Chocolatier-Familien-Reihe in den Händen, aber meine Begeisterung hält sich in Grenzen. Zwar dreht sich hier auch wieder alles um Schokoladen und Pralinen, aber das Interesse und die Neugier aus Band eins sind verpufft.
Der Roman wird von Anna Jonas schön mit dem aktuellen Geschehen der 1950er Jahre bestückt, die Mode der damaligen Zeit ist auf den Seiten präsent, aber der Zeitensprung von ersten Band hinüber in die aktuelle Geschichte ist einfach zu groß. Immerhin gilt es eine Spanne von 20 Jahren zu überbrücken und in dieser Zeit ist viel passiert. Die Figuren haben sich zwar weiterentwickelt, aber sie bleiben mir trotzdem fremd - sie können mich mit ihren Liebschaften, Eifersüchteleien und dem Hadern nicht richtig für sich begeistern und so betrachte ich alles eher mit Abstand, anstatt mich auf sie einzulassen.
Fenja wirkt geradezu verbissen, wenn sie die Verwirklichung ihrer Idee des Schokoladenpavillons vorantreibt und ein wenig mehr Gelassenheit und Zuversicht würde ihr gut zu Gesicht stehen. Sie wirkt auf mich gehetzt und rastlos. Selbst als sie in Lennart die große Liebe findet, macht sie keinen gelösten Eindruck, sondern es scheint mir so, als würde sie all ihre Ängste , Sehnsüchte und Gefühle auf ihn projizieren, um ja nicht den gleichen "Fehler" zumachen wie bei ihrem Bruder, dem sie nicht mehr helfen konnte.
Auch werden hier immer wieder die zur damaligen Zeit noch herrschenden Vorbehalte von Frauen im Beruf, explizit in Führungspositionen, sehr stark herausgekehrt . Das dämpft ein wenig die Lesefreude und wirkt auf Dauer demotivierend.
Manchmal hat man das Gefühl, in einer Zeitschleife gefangen zu sein, denn irgendwie wiederholen sich die Szenen ständig, nur mit wechselnden Protagonisten.
Der Kampf um die Verwirklichung von Lebensträumen, Abstreifen von alten Denkweisen und das Aufblühen in einer neuen Liebe erscheint ein bisschen getragen und passt in das gediegene Bilder der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts. Ein bisschen mehr Pepp und pfiffige Dialoge hätten das Buch aufgewertet und ihm zu mehr Glanz verholfen.
So bleibt der Roman ein netter Zeitvertreib mit vielen leckeren Pralinenkreationen, aber leider ohne erkennbaren Mehrwert.

Bewertung vom 30.06.2020
Die Schwestern von Marienfehn
Steinbach, Jan

Die Schwestern von Marienfehn


ausgezeichnet

Hanna möchte Journalistin werden, doch als junge Frau hat sie sich dem Wunsch ihres Vaters zu fügen. Lehrerin soll sie werden und so in einem Beruf mit Ansehen und guten Verdienst Fuß fassen. In der familieneigenen Brennerei geht alles seinen Gang, bis Hanna Mitte der 1960er Jahre zurückbeordert wird.
Diese und andere Erinnerungen holen Hanna ein, als sie viele Jahre später als über 80jähirge ihrer Adoptivschwester Rosie im Altenheim gegenübersteht und der Fortbestand der Brennerei gefährdet ist. Hanna und Rosie besinnen sich auf ihre Familienbande und raufen sich zusammen, ja, sie vergessen sogar den großen Streit, der sie einst entzweite...

Jan Steinbach hat mit "Die Schwestern von Marienfehn" einen unglaublich atmosphärischen und emotionalen Familienroman geschrieben, der dem Leser eine ereignisreiche Zeitreise durch das Emsland ermöglicht.
Beginnend mit den Kriegsjahren und den harten Entbehrungen bis hin zur Gegenwart weiß der Autor die Leserschaft an die Seiten zu fesseln und die Geschichte mit einzigartigen Figuren, einprägsamen Szenen und tollen Dialogen auszustatten.
Die Schnapsbrennerei Brook lässt der Schreibende für den Leser regelrecht als Pop-up aus den Seiten entsteigen und so wird der Schauplatz auf für mich ein Handlungsort, an dem ich mich gerne einfinde, um Zeuge zu werden von Intrigen, Eifersucht und Traditionsbewusstsein.
Die Erzählung lebt von den innerfamiliären Spannungen, die sich zwischen den Geschwistern entfalten und bis zum heutigen Tage gehalten haben. Erst langsam lässt Steinbach den Leser hinter die Vorfällte blicken, die sich damals ereignet haben, um so immer tiefer in dieses Geflecht aus Tradition und Bürde mit eingewebt zu werden.
Rosie ist schon zu Kindheitszeiten glanzvoller Mittelpunkt der Familie und weiß diese Sonderstellung auszukosten, doch sie kann nicht verwinden, dass Hanna ihr die Liebe zu Carl abspenstig gemacht hat. Was sie sich alles einfallen lässt, um Hanna immer wieder genau da zu treffen, wo es ihr am meisten weh tut - nämlich im Herzen - ist schon recht heftig. Bis Hanna aber dahinter kommt, ist es ein langer Weg.
Die zeitlichen Sprünge zwischen den Erinnerungen von damals und den aktuellen Ereignissen um den geplanten Verkauf der Brennerei sind abwechslungsreich und sehr bildhaft erzählt und Jan Steinbach lässt hier den Leser den Spagat zwischen Tradition und Bürde, zwischen Gehen oder Bleiben , zwischen Pflichtgefühl oder Liebe hautnah mit erleben.
Das Happy End sorgt für einige Taschentuchmomente und geht unter die Haut. Für mich ist dieses Buch wieder ganz großes Kino - wie immer, wenn man einen Roman von Jan Steinbach zur Hand nimmt. Er versteht es vortrefflich, aus seinen Worten Bilder entstehen zu lassen und so seinen Lesern die Lebenswege seiner Figuren zu einem intensiven Leseerlebnis zum Hautnah miterleben zu machen.
Ey, wenn sich alles in Kreisen bewegt
Dann gehst du links, dann geh' ich rechts
Und irgendwann kreuzt sich der Weg
Wenn wir uns wieder sehen
(Johannes Oerding - Kreise)

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 29.06.2020
Jeden Tag ein neuer Himmel
Thomas, Violet

Jeden Tag ein neuer Himmel


ausgezeichnet

Charlotte hat gerade ihre neue Stelle im Kinderhospiz angetreten, als sie mit aller Macht wieder an den Verlust ihrer vor einem Jahr verstobenen Tochter erinnert wird. Ein junger Straßenmusiker spielt seinen Song „Daisy“ und sorgt so dafür, dass sich alle Emotionen ihren Weg bahnen und Charlotte zu Tränen rühren. Sam kann nicht anders, er muss die junge Frau ansprechen, die emotional so sehr von seinem Lied berührt wird. Zwischen beiden entwickelt sich eine zarte Liebe, die auf eine harte Probe gestellt wird…

Violet Thomas hat mit „Jeden Tag ein neuer Himmel“ eine emotionsgeladene Story zu Papier gebracht, die dem Leser eine echte Achterbahnfahrt der Gefühle beschert und so die Tränen ungehindert fließen dürfen. Also, Taschentücher auf jeden Fall bereithalten!
Im Roman werden die Themen Verlust und Trauer, Vertrauen und Misstrauen, Liebe und Freundschaft auf ganz behutsame Weise miteinander verknüpft, sodass, trotz der Schwere der Themen die Leichtigkeit nicht verloren geht.
Charlotte ist eine warmherzige junge Frau, die mit dem Verlust des geliebten Kindes zu kämpfen hat. Ein schwerer Einschnitt in ihrem Leben, denn niemand hat sich wirklich darauf vorbereit. Sie muss damit zurechtkommen, ein verwaistes Elternteil zu sein und den schmerzhaften Verlust verarbeiten. Damit sie die Situation besser ertragen kann, widmet sie sich ganz ihrer Aufgabe im Kinderhospiz und geht regelrecht darin auf, den kleinen Hamish in seinen letzten Tagen zu begleiten.
Der kleine Knirps erinnert mich ein wenig an Jim Knopf, ist trotz seiner schweren Erkrankung und seinem Schicksal, ein kleiner Sonnenschein und nicht auf den Mund gefallen.
Sam, der Straßenmusiker, ist ein einfühlsamer und überaus talentierter Musiker, der das Herz auf dem rechten Fleck, sich aber bisher nicht so richtig aus den Startlöchern getraut hat.
Violet Thomas schafft es, die Gefühle und Gedanken ihrer Figuren auf den Leser zu übertragen, sodass man eins mit den Protagonisten wird und in ihre Haut schlüpft. Man spürt die Tränen aufsteigen und trauert mit, man hat Schmetterlinge in Bauch, den berühmten Kloß im Hals und fühlt den zarten Kuss auf den Lippen.
Der Roman lebt von den einfühlsamen Worten, dem leisen, aber trotzdem ausdrucksstarken Schreibstil der Autorin und ermöglicht so ein eindrucksvolles Leseerlebnis, das noch lange im Herzen nachklingt.
Absolute Leseempfehlung !

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 26.06.2020
Sommernächte am Tegernsee
Nellon, Johanna

Sommernächte am Tegernsee


weniger gut

Sabine bekommt von ihrem Onkel Sebastian das Traditionslokal "Goldene Eiche" am Tegernsee überschrieben. Die einstige Sterneköchin ist überglücklich, dass sie jetzt den Familienbetreib weiterführen darf und so dem Lokal mit ihren Ideen und Änderungen ihren eigenen Stempel aufdrücken kann. Doch mit dem Generationswechsel scheint der Koch nicht ganz einverstanden zu ein und muckt auf. Aber das ist nicht die einzige Baustelle in Sabines Leben, denn mit Reiterhofbesitzer Thorsten tritt ein Mann in ihr Leben, der ihr Herz höherschlagen lässt. Hat Sabine überhaupt Zeit, sich um eine intensive Beziehung zu kümmern? Ein Unfall lässt sie umdenken...

"Sommernächte am Tegernsee" soll eine romantische Liebesgeschichte mit einigen schicksalsträchtigen Ereignissen sein, die den Leser gedanklich in die bayrische Bergwelt und an den wunderschön glitzernden See entführt. Doch irgendwie kann sich die Autorin nicht entscheiden, was sie an Themen alles in ihrem Buch verarbeiten möchte und so staffiert sie diesen Roman mit allen nur erdenklichen Sachverhalten aus, die aufgrund der Vielfalt für mindestes 5 Bücher gereicht hätten.
Der Leser fühlt sich von der breiten Masse der Ereignisse regelrecht erschlagen - eine diebische Elster in der Seniorenwohnanlage, ein spielsüchtiger koksender Bankangestellter, Ansprache der Mee-too-Kampagne, Schatzsuche, Reitunfall, Liebe im Alter etc pp. Dazu kommt noch die Pseudoerotik und die im Buch befindlichen Kochrezepte…Ideen in Hülle und Fülle, die die Autorin für gut befunden und regelecht in ihren Roman gepresst hat.
Das geht leider zu Lasten der Glaubwürdigkeit der Geschichte und die Figuren wirken künstlich und aufgesetzt. Zu keiner kann ich eine echte Verbindung aufbauen, eben weil sie unnahbar erscheinen und so fehlt mit eine wesentliche Komponente, um mich im Buh wohlzufühlen- die Identifikation mit der Hauptfigur Sabine .
Die Orte rund um den Tegernsee und der Ausflug den Wallberg , das Glitzern des Wassers und der weiß-blaue bayrische Himmel entschädigen mich nur bedingt für den entgangenen Lesegenuss. Leider keine Leseempfehlung

Bewertung vom 26.06.2020
Schmetterlinge im Bauch sind die gefährlichsten Tiere der Welt
Neumayer, Silke

Schmetterlinge im Bauch sind die gefährlichsten Tiere der Welt


sehr gut

Frieda muss raus aus Berlin, denn der Alltag droht sie regelrecht aufzufressen. Als sie noch einmal Glück im Unglück hat, und die Pommesbude nur fast in Brand steckt, steht der Entschluss fest – das war‘s und die Auszeit muss her. Völlig übernächtigt bucht sie über Airbnb eine 6wöchige Auszeit auf einer Alm in Berchtesgaden. Soweit, so gut. Doch in den Bergen angekommen muss sie feststellen, dass ihr die Alm nicht alleine vermietet wurde – ein klassischer Fall von Doppelbuchung. Und der Typ, der da vor ihr steht, sieht nicht nur gut aus, sie kennt ihn auch noch. Es ist ihr alter Klassekamerad Max, ein Womanizer, wie er im Buch steht. Und eigentlich können die beiden sich überhaupt nicht leiden. Eigentlich…

Zwischen Großstadthektik und Alpenromantik ist diese humorvolle Liebeskomödie angesiedelt und perfekt, um eine große Portion Herzbeben in den Bergen regelrecht zu inhalieren.
Silke Neumayer weiß gekonnt mit den Gefühlen ihrer Figuren zu spielen, was sie unheimlich interessant und authentisch macht. Frieda verkörpert das klassische Muttertier - Anfang fünfzig, leidet am Empty-Nest-Syndrom, alleinerziehend und ziemlich überarbeitet – aber unglaublich liebenswert und charismatisch. Diese Frau ist das personifizierte Chaos und zaubert mir ständig ein Grinsen ins Gesicht. Wo Frieda auftritt, bleibt kein Auge trocken – alleine die Szene im Tante-Emma-Laden oder der Ausrutscher auf den frischen Kuhfladen – sensationell geschildert und zum Brüllen komisch.
Während Frieda langsam aber sicher ihren Stress abwirft und die Schönheit der Berge genießen kann, muss sie sich aber mit dem doch recht stoffligen Max herumschlagen, der zwar auf der einen Seite für ordentlich Wirbel ins Friedas Herzgegend verantwortlich ist, auf der anderen Seite aber immer wieder mit seinem rechthaberischen Auftreten für nerviges Augenrollens seitens Frieda sorgt.
Frieda findet in der Abgeschiedenheit der Bergwelt wieder zu sich selbst und lässt sich auf manches Abenteuer ein, das mal mehr mal weniger glimpflich ausgeht. Sie lernt, dass sie nicht immer alles perfekt machen muss, dass sie auch einmal Fünfe grade sein lassen kann, um Lob und Anerkennung zu finden.
Zwar weiß man vorher schon, wie das Ganze enden wird – aber sind wir doch mal ehrlich, manchmal braucht man eben genau so eine Geschichte
Mit Humor, Ironie und ganz vielen Schmetterlingen im Bauch ist dieser wundervolle Roman genau das Richtige für entspannte Urlaubstage

Bewertung vom 26.06.2020
Die Liebe fällt nicht weit vom Strand (eBook, ePUB)
Jebens, Franziska

Die Liebe fällt nicht weit vom Strand (eBook, ePUB)


schlecht

Sophie arbeitet als Empfangsdame bei einer Hamburger Filmfirma. Doch ihr Leben gleicht alles andere als einem guten Film , denn eigentlich möchte Sophie in einem Foodtruck durch die Gegend reisen und Menschen mit ihren kulinarischen Kreationen glücklich machen. Dieser Traum scheint sich in absehbarer Zeit nicht zu realisieren. Auch in der Liebe sieht es eher mau aus, denn in ihrer Beziehung kriselt es. Das Schicksal scheint ihr in die Karten zu spielen, denn Sophie bekommt aus Versehen die Marketingleitung für eine romantische Komödie an der Nordsee übertragen und sie fragt sich, ob sie diese Aufgabe meistern kann. Bei einem Besuch des Filmsets weht ihr der dänische Wind den smarten Nick vor die Füße und Sophies Welt scheint aus den Angeln zu fallen...
Wer gerät nicht ins Träumen, wenn er diesen romantischen Buchtitel liest ? Ich habe mich jedenfalls vom Cover und dem Titel einfangen lassen und mich auf verträumte Szenen, gefühlvolle Momente und Herzbeben am Strand gefreut und …...nichts von alledem bekommen.
Stattdessen muss ich ständig lesen, wie eine unglaublich naive, völlig weltfremde Protagonistin zu Wonderwoman mutiert. Alleine die Verwandlung von Sophie vom Mauerblümchen am Empfang hin zum aufsteigenden Stern am Film/Marketinghimmel ist völlig unglaubwürdig, sodass mir manchmal nur ein Kopfschütteln übrig bleibt.
Die Suche nach Liebe und Strand im Roman entpuppt sich für den Leser wohl auch eher als schlechter Marketinggag, denn besagter Strand kommt relativ selten zum Einsatz und selbst beim Ortswechsel von Hamburg nach Dänemark ist wenig vom Dünenzauber der dänischen Nordseeküste zu spüren.

Was mich enorm genervt hat - Sophies innere Monologe, die sich seitenweise erstrecken und in denen sie Zwiesprache mir ihrem nervösen Bauch hält. Sie leidet unter einem Reizdarmsyndrom und dieses wird dermaßen in den Vordergrund gestellt, dass hier jede Romantik und Wohlbehagen flöten geht .Manchmal möchte ich ihr einfach nur das vielgepriesene Medikament mit dem fast unaussprechlichen Namen aus der Werbung durch die Seiten reichen, damit die Beschwerden "wie weg" sind.
Auch scheint die Autorin ein Faible für Interpunktion in Form von mehrfach hintereinander aufgeführten Ausrufezeichen oder Fragezeichen zu haben, da sie diese reichlich und gerne anwendet. Auch die häufige Verwendung von Großbuchstaben springt mir unangenehm ins Auge und ich frage mich, ob man einem Buch mit diesen unnötigen Hinweisen Ausdruck verleihen muss.
Ansonsten passiert nicht viel, denn das Wesentliche erfährt man schon durch das Lesen des Klappentextes - für mich ist dieses Buch der Flop des Jahres

Bewertung vom 25.06.2020
Die Patronin. Eine Frau greift nach den Sternen
Morgenthaler, Agnes

Die Patronin. Eine Frau greift nach den Sternen


weniger gut

Schon von klein auf hat Edda einen Traum - eines Tages wird sie ein gut gehendes Lokal besitzen und als Wirtin ihre Gäste glücklich machen. Neben Menschen wie du und ich sollen sich auch berühmte Persönlichkeiten die Klinke in die Hand geben. Doch der Weg zur Verwirklichung ihres Traumes ist steinig, denn Edda muss erst einmal als Serviermädchen anfangen. Das Glück zieht bei ihr ein, als sie mit Beat die iebe ihres Lebens trifft. Doch das Schicksal dreht unerbittlich am Rad und stellt Edda immer wieder vor neue Herausforderungen…
"Die Patronin" erzählt recht glanz- & schmucklos die Geschichte von Edda Wiederkehr, die sich ihren Lebenstraum verwirklicht. Ist sie in jungen Jahren voller Eifer und setzt alles daran, endlich ihren Traum in die Tat umzusetzen, so wird dieser Eifer im Verlauf der Lebensjahre zu einem unguten Drang, ja fast schon zur Verbissenheit, aufgrund dessen sich Edda fast alles im Leben versagt.
Sie gibt ihr Kind in die Hände ihrer Vermietern und lässt ihren Sohn von ihr großziehen. Ich frage mich die ganze Zeit, ist es das wert ? Warum stellt Edda den zwanghaften Drang nach Erfolg und einem eigenen Lokal über ihr eigenes Kind ? Ich kann nicht nachvollziehen, das man sich als Mutter dieses Glück- das eigene Kind aufwachsen zu sehen und es mit Leibe zu überschütten- versagt, nur um endlich dem großen Traum ein Stückchen näher zu kommen.
Diese und viele andere Entscheidungen machen mir Edda nicht gerade sympathisch und so leidet die Erzählung auch darunter, dass ich mich weder mit ihr, noch mit den anderen Figuren so recht identifizieren mag.
Zwar wird das Lokal mit all seiner Heimeligkeit und Gemütlichkeit beschrieben, aber ich fühle mich nicht wirklich als Gast willkommen. Es herrscht eine seltsam abweisende Atmosphäre, die weder Geschirrklappern noch verlockende Essensdüfte aufbrechen können.
Auch die Aufzählung unzähliger berühmter Persönlichkeiten, die Eddas Lokal besuchen, wie Max Frisch, Dürrenmatt oder Thomas Mann bringen nicht den Glanz in den Roman, der in meinen Augen recht farblos und monoton bleibt. Die Aufopferung und Selbstaufgabe einer Frau für einen Lebenstraum wirkt manchmal recht ermüdend und künstlich in die Länge gezogen, weil sich viele in und um das Wirtshaus abspielt. Die Tagesabläufe sind ausufernd aber wenig mitreißend geschildert, sodass ich mit schnell gelangweilt fühle. Lediglich das amouröse Abenteuer bringt ein wenig Farbe ins Geschehen, nicht nur auf Eddas Wangen :-)
Ich hatte mir hier wesentlich mehr erhofft und bleibe daher enttäuscht zurück - schade :-(

Bewertung vom 25.06.2020
111 Almen und Hütten in Oberbayern, die man gesehen haben muss
Süßmuth, Astrid

111 Almen und Hütten in Oberbayern, die man gesehen haben muss


ausgezeichnet

Astrid Süssmuth hat die Wanderstiefel geschnürt und sich auf die schönen Wanderwege Bayerns begeben. Dabei hat sie für alle Bayernliebhaber die „111 Almen und Hütten in Oberbayern, die man gesehen haben muss“ für uns neu entdeckt und mit all ihren Schönheiten, Geschichten, Mythen und Sagen zugänglich gemacht. Egal ob mit den Skiern im Winter oder zu Fuß im Sommer, jede Hütte hat ihren ganz eigenen Charme und Liebreiz und wird durch Astrid Süssmuth für den Bergwanderer zu einem echten Anlaufziel.
Die schönsten Gegenden Oberbayerns nimmt sie genauer unter die Lupe und überrascht selbst den eingefleischtesten Bayernliebhaber mit geheimnisvollen und manchmal auch atemberaubenden Anekdoten.
Die Hefteralm bei Grassau entpuppt sich als Pferdeparadies für Shetlandponys und dürfte auch für klitzekleine Wanderfüße ein lohnenswertes Ziel sein. Wer es lieber rustikal mag, der darf sich auf der Harbachalm bei Weißbach den Almburger mit Vintschgerl, Speck und Zwiebel gut schmecken lassen und sich für den Abstieg stärken.
Die geheimnisvolle Felsengrotte in der Nähe der Strohmalm bei Ruhpolding ist ein idyllischer Andachtsort und für eine kleine Verschnaufpause genau richtig.
Wer auf der Suche nach einem wildromantischen Ort für einen ganz ausgefallen Heiratsantrag ist, der sollte mit seinem Herzblatt die Unterlahner Alm besuchen, denn der „Heurathsstein“ ist heute noch Zeuge davon, dass junge Mädchen dem alten Brauch gerne folgen und dreimal hintereinander einen Stein in das vorhandene Loch werfen, um zur glücklichen Braut zu werden.
Solche und andere, teils gruselige Geschichten säumen den Weg hinauf zu den Almen und Hütten, die teilweise bewirtschaftet sind und manchmal auch nur als Rast- und Rückzugsort dienen.
Die im Buch vorgestellten Touren sind in unterschiedliche Schwierigkeitsgrade gegliedert und reichen vom leichten, einfachen Spaziergang bis hin zu schweren Wanderungen, die Berg- oder Skitouren bezeichnen.
Ergänzt wird jede Tour durch die detaillierten Informationen zur Hütte/Alm, ihre Adresse, den Anfahrtsweg, Öffnungszeiten und Bewirtschaftung.
Hier ist für jeden Liebhaber der Oberbayrischen Bergwelt etwas dabei und man kann sich dem weiß-blauen Bayernhimmel ein Stückchen näher fühlen.
Also, pack mer‘s – Wanderstiefel an und ab auf die Hütte

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 25.06.2020
Maultaschenmambo
Butler, Kevin

Maultaschenmambo


ausgezeichnet

Dora ist Bibliothekarin mit Leib und Seele und ist über das äußerst einseitige Bücherangebot in ihrer neuen Bücherei im Ländle mehr als begeistert. Gartenbücher über Gartenbücher, kein Wunder, dass die Bibliothek mitsamt den Büchern verstaubt. Das ändert sich, als eine Leiche in den Räumen der Bücherei gefunden wird. Doras Spürnase wittert sofort eine Chance, der örtlichen Polizei inclusive ihrem ermittelnden Ehemann zu zeigen, wie man einen Fall aufklärt…

Licht aus! Spot an! für „Maultaschenmambo“ von Kevin Leonard Butler. Dieser Regio-Krimi aus dem Ländle hat es in sich und fesselt mich an die Seiten. Der Autor weiß gekonnt schwäbische Gemütlichkeit mit reißerischen Szenen zu mischen, urige Originale – allen voran Tante Marlies (ich liebe sie!!) und aufgepumpte Muckibudenbesitzer, gediegene Herren im Anzug und antiquarisch wirkende Ex-Bibliothekare zum Leben zu erwecken und Goldthal zu einem Hotspot des Verbrechens zu machen.
Die Geschichte liest sich flüssig, geizt nicht mit schwäbischer Mundart und frechen Dialogen. Durch den schwäbischen Dialekt entsteht eine ungeheure Authentizität, die es mir ermöglicht, mich mitten unter das illustre Dorfvölkchen zu mischen und dem Klatsch und Tratsch zuzuhören. Natürlich steht man als Neigeschmeckte im Fokus der Alteingesessenen, aber dank Tante Marlies wird Dora an den richtigen Ecken bekanntgemacht und kann so Fuß im Örtchen fassen. Überhaupt ist Tante Marlies in meinen Augen eine eigene Geschichte wert- ihre schwäbischen Lebensweisheiten und ihr manchmal doch recht vorwitziges Mundwerk sorgen immer wieder für Schmunzler und ich kann nicht anders, als sie in mein Herz zu schließen.
Dora ist eine echte Agentin mit Herz – wo sie Ungerechtigkeit und Hinterlist aufflammen sieht, kann sie einfach nicht anders, als ihre Spürnase in den Wind zu halten und auf eigene Faust zu ermitteln. Dass das nicht unbedingt ihrem Poilzistengatten Tom begeistert, ist vorauszusehen und die Schlagabtausche zwischen den beiden sind einfach nur köstlich.
Die Tätersuche ist raffiniert angelegt und alles andere als ein seichtes Wiegen im Dreivierteltakt. Der Tanz auf dem Vulkan, den sich Dora hier mit den verdächtigen Personen hingibt, kostet den Leser einiges an Nerven, denn die Gefahr läuft immer mit und Dora sieht mehr als einmal dem Bösen ins Auge.
„Maultaschenmambo“ ist ein echter Frischekick im Mainstream der Krimilandschaft – originell, urkomisch und trotzdem spannend bis zum letzten Buchstaben – Ich.Will.Mehr!
Absolute Leseempfehlung!

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.