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Benutzername: LEXI
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Danksagungen: 2 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 232 Bewertungen
Bewertung vom 22.04.2019
Hill House
Bell, Annis

Hill House


ausgezeichnet

Drei Schwestern im Geiste: Alice, Rose und Vera

„Es gibt nichts Grauenvolleres und nichts Dümmeres als den Krieg. Am Ende bleiben nur Verlierer. Aber die Zeichen stehen nicht gut.“

Das Jahr 1912 ist von der wachsenden Konfliktsituation in Europa geprägt, es herrscht eine aufgeheizte Stimmung. Die liberal erzogene Alice Buxton lebt mit ihrem Vater Geoffrey auf ihrem Wohnsitz „Hill House“ in Südengland. Der frühe Tod von Alices Mutter und Geoffreys über alles geliebte Ehefrau, seine Muse und sein ganzer Halt warfen den sensiblen Künstler völlig aus der Bahn. Alice brach daraufhin ihre Schulausbildung ab und kümmert sich nun liebevoll um ihren Vater und den Haushalt. Ihre große Leidenschaft gilt dem Garten und der Arbeit darin.

Rose Mandeville gehört als Tochter des Duke of Mandeville zum englischen Hochadel, sie lebt auf dem Anwesen „Mandeville Park“ und ist Alices beste Freundin. Die elegante Aristokratin rebelliert gegen die Heiratspläne ihrer Eltern, sie träumt davon, ebenso wie ihr Bruder Spencer Rechtswissenschaften zu studieren. Doch Frauen ist das Studium untersagt. Roses Begeisterung für die Frauenrechtsbewegung bringt sie bald in gefährliche Situationen, der intensive Kontakt der jungen Adeligen zu den Sufragetten ist dem Duke und der Duchess of Mandeville ein Dorn im Auge.

Vera Lyttleton ist ein Jahr jünger als Alice und Rose, wurde jedoch warmherzig in dem Bund der Freundinnen aufgenommen. Als Tochter des jähzornigen religiösen Eiferers Oswald Lyttleton hat sie kein leichtes Leben, das Zusammensein mit Alice und Rose bedeutet dem schlaksigen und unscheinbaren Mädchen viel.

Annis Bell siedelt ihren Roman in politisch kritischen Zeiten an und wählt als Schauplatz das Anwesen Hill House im Südengland des Jahres 1912. Durch Rose Mandeville thematisiert sie unter anderem auch die Suffragettenbewegung, das Buch endet schließlich zwei Jahre später mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Im vorliegenden ersten Band ihrer Trilogie konzentriert die Autorin sich auf Alice Buxton, sie wird als aufgeklärte und weltoffene Persönlichkeit dargestellt. Ihre mitfühlende und umsichtige Art und ihre praktische Veranlagung brachten der Protagonistin auf der Stelle große Sympathiewerte ein. Alice zeichnet zudem ein liebevoller Umgang mit ihrem verwitweten Vater und ihrer kränklichen Tante Charlotte aus. Ihrer Aufgeschlossenheit gegenüber neuen Ansichten wird unter anderem auch bei einer Begegnung mit der bekannten Ärztin und Pädagogin Maria Montessori zum Ausdruck gebracht. Das Boehemeleben der Eltern und die unkonventionellen und illustren Gäste auf Hill House erweiterten ihren Horizont.

Zu meiner Freude erstreckt sich die glaubwürdige Darstellung der handelnden Personen nicht allein auf die Protagonistin, sondern auch auf die Nebenfiguren dieses Buches, wobei ich Alices Tante Lady Charlotte Beresford als meine persönliche Favoritin anführen möchte. Durch den Besuch in der Villa Carlotta wird das Leben in dem kleinen Fischerort an der toskanischen Küste namens Castiglioncello beschrieben. Die zierliche und humorvolle Tante Charlie legt trotz ihrer ernsten Lungenerkrankung große Lebensfreude an den Tag, sie ist feinfühlig und großzügig.

Sebastian Fitzroy und Lorenzo Ranieri sind zwei völlig unterschiedliche Männer, beide lassen jedoch Alices Herz höherschlagen. Letztendlich muss sie sich zwischen dem intelligenten Historiker und zweitem Sohn des Earl of Ravenor, und dem charismatischen Korrespondenten in Krisengebieten entscheiden.

Die sprachlich-stilistische Gestaltung dieser Geschichte hat mir gefallen, ich fühlte mich sehr gut unterhalten und wurde rasch in die Handlung einbezogen. Das Ende des Buches verheißt eine interessante Fortsetzung – zweifellos mit Rose oder Vera als Protagonistin.

Fazit: Dieser Roman aus der Feder von Annis Bell hat mir großes Lesevergnügen bereitet und mich ausgezeichnet unterhalten - gerne gebe ich hier 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

(gekürzte Fassung)

Bewertung vom 21.04.2019
Dreizehn Gäste
Farjeon, J. Jefferson

Dreizehn Gäste


sehr gut

Der Beobachter sieht vom Spiel das meiste

John Foss bricht aufgrund eines aufwühlenden Briefes völlig unverhofft zu einer Reise mit unbekanntem Ziel auf. Als er sich auf dem Bahnsteig eine Fußverletzung zuzieht, wird er kurzerhand von der reizenden Witwe Nadine Leveridge mitgenommen. Sie ist unterwegs nach Bragley Court, dem Sitz der Familie Aveling. Lord und Lady Aveling haben zu ihrer Hausparty zwölf Gäste geladen – mit dem unverhofft eintreffenden John Foss sind es jedoch auf einmal dreizehn Gäste. Als eine Leiche entdeckt wird, ist es mit der Ruhe auf dem friedvollen und atmosphärischen Landsitz vorbei. Der Täter könnte im Grunde jeder gewesen sein, und als der clevere Detective-Inspector Kendall die Ermittlungen aufnimmt, muss er mürrisch feststellen, dass einige der anwesenden Gäste bereits auf eigene Faust Untersuchungen angestellt haben.

Mit dem Buch „Dreizehn Gäste“ durfte ich mein erstes Werk des erfolgreichen Krimiautors Joseph Jefferson Farjeon aus dem Jahre 1936 kennenlernen. Die gewählte Ausdrucksweise hat mich sofort in den Bann gezogen, und ich schätzte den ruhigen, auf die handelnden Figuren und auf die Ermittlungen fokussierten Schreibstil des Autors. Die Personen dieses Buches wurden detailliert beschrieben, sowohl Charakterzeichnung als auch Handlung punktete mit Authentizität. Der unerwartete Gast John Foss ist stiller Beobachter, er verfolgt die Aktivitäten von Lord und Lady Aveling, ihrer Tochter, der Ehrenwerten Anne, deren Verehrer, den Cricketspieler Harold Taverley und den restlichen Gästen. Die betörend schöne Witwe Nadine Leveridge fühlt sich zum freundlichen und empfindsamen John Foss hingezogen, der linkische Portraitmaler Leicester Pratt scheint den berühmten Klatschreporter Lionel Bultin ausnehmend gut zu kennen. Sir James Earnshaw ist liberaler Abgeordneter, aufgrund seiner Empfehlung wurde auch das Ehepaar Chater eingeladen, von dem im Grunde keiner der Anwesenden etwas weiß. Die ehrgeizige Schriftstellerin Edyth Fermoy-Jones präsentiert den Ermittlern nach dem Mord ihre eigene Theorie, während die lebhafte und aufgeweckte Schauspielerin Zena Wilding eine seltsame Unruhe an den Tag legt. Von der Familie Rowe hört man nur wenig, und schließlich ziehen auch das hübsche Hausmädchen Bessie Hill, der Butler Thomas Newson und der chinesische Koch Leng gewisse Aufmerksamkeit auf sich. Letztendlich mischt auch ein Unbekannter in diesem Spiel mit, dessen Identität bis zuletzt nicht preisgegeben wird – und Inspector Kendall hat alle Hände voll zu tun, um Licht ins Dunkel zu bringen.

Mit großer Liebe zum Detail wird dem Leser zu Beginn des Buches ein ausführlicher Einblick in die einzelnen Charaktere gegeben, während die eigentliche Kriminalhandlung erst nach und nach ins Laufen kommt. Kleine Beobachtungen stellten sich am Ende als wichtige Hinweise heraus, und der Autor verstand es, ein Gefühl für seine Figuren und die Atmosphäre auf Bragley Court zu vermitteln. Eine leichte Spannung setzt mit der Entdeckung eines Toten ein und bleibt bis zum Ende des Buches konstant aufrecht.


FAZIT: „Dreizehn Gäste“ war eine sehr interessante und anregende Lektüre – ein Kriminalfall, der mich sehr gut unterhalten hat. Ich kann dieses Buch Krimiliebhabern und insbesondere Fans von Agatha Christie wirklich ans Herz legen. Eine komplexe Handlung, das gemächliche Erzähltempo und interessante Figuren vor der Atmosphäre des Landsitzes der Avelings machen den Reiz dieses beschaulichen Kriminalfalles aus.

Bewertung vom 14.04.2019
Funken in der Dunkelheit
Dempsey, Eoin

Funken in der Dunkelheit


ausgezeichnet

Eoin Dempseys Geschichte beginnt mit dem Fund des verletzten Soldaten im Dezember 1943. In vielen Rückblenden berichtet er zugleich auch über die vergangenen Jahre, als ein so genannter „böhmischer Gefreiter“, ein Emporkömmling namens Hitler, im Zuge der nationalsozialistischen Revolution in Deutschland die Macht ergriff. Er thematisiert das Grauen, das damit im Land Einzug hielt und beschreibt die Auswirkungen des Regimes auf die Bevölkerung. In anschaulichen Worten berichtet er von der Grausamkeit und der Propaganda, erzählt von Willkür und der rücksichtslosen Auslöschung eines jeden Menschen, der sich dem Führer in den Weg zu stellen wagte. Ihre Mitwirkung an der Verbreitung der Wahrheit über die Gräueltaten der Nazis durch die Organisation „Die weiße Rose“ brachte Franka in allergrößte Gefahr, doch auch für ihre Unterstützung des verletzten Soldaten droht ihr die Todesstrafe. Franka wird als zutiefst verzweifelte Protagonistin dargestellt, die beinahe schon resigniert hatte. Die Chance, an der brandgefährlichen Mission dieses Soldaten aktiv teilzunehmen und womöglich damit zum Untergang des deutschen Reiches beizutragen, mobilisiert alle Kräfte in ihr. Mit großem Mut und unglaublichem Einsatz stürzen sich Franka und der Soldat in ein brandgefährliches Abenteuer, welches sie letztendlich ihr Leben kosten kann.

Abgesehen von einer grandiosen Umsetzung und einem Gespür für Situationen glänzt der Autor auch in der Darstellung seiner handelnden Figuren. Er konzentriert sich hierbei in erster Linie auf die beiden Protagonisten. In Form von Rückblicken erfährt der Leser etwas über Frankas Eltern und ihren Bruder Fredi. Gestapo-Kriminalkommissar Daniel Berkel sorgt als böser Antagonist für einen hohen Spannungsfaktor im letzten Drittel des Buches, der in ein atemloses Finale mündet.

„Funken in der Dunkelheit“ war für mich eine wertvolle Lektüre, ein in Romanform verfasster Einblick in eine sehr dunkle Epoche der Geschichte. Thematik und der bereits erwähnte Spannungsbogen sorgen dafür, dass man als Leser regelrecht ans Buch gefesselt wird und es nicht mehr aus der Hand zu legen vermag. Dieses Buch hat mir ausgezeichnet gefallen und ich kann es uneingeschränkt weiterempfehlen.

Bewertung vom 07.04.2019
Berenike - Liebe schenkt Freiheit
Ziegler, Renate

Berenike - Liebe schenkt Freiheit


ausgezeichnet

Gebildete Sklavinnen sind nicht gefragt

Berenike lebte mit ihrem Vater in einem kleinen Dorf in Griechenland. Als Gelehrter legte Emaios großen Wert darauf, seiner Tochter Wissen zu vermitteln. Doch nachdem Emaios gegen Missstände in Rom aufbegehrte, wurde er ermordet und seine Tochter auf den Sklavenmarkt gebracht. Prätor Marcus Dequinius, einer der höchsten Richter Roms, kauft das verschreckte magere Mädchen mit dem blassen Gesicht und den warmen ausdrucksvollen Augen. Berenikes vorrangige Aufgabe wird es wird zukünftig sein, sich um die schulischen Belange und die Bildung seines Sohnes Claudius zu kümmern. Nachdem die junge Griechin erkennt, dass Marcus ein gerechter und geradliniger Mann ist, der seine Sklaven stets freundlich behandelt, verliert sie ihre Ängste und findet sich in ihrem neuen Leben zurecht. Schon bald liebt sie den kleinen Claudius wie einen eigenen Sohn und freundet sich sogar mit der forschen Camilla an, der die Verantwortung für die Haushaltsführung des Prätors obliegt. Camilla ist es auch, die ihr letztendlich den Christlichen Glauben nahebringt, doch das Geheimnis um den Glauben der beiden Sklavinnen muss um jeden Preis bewahrt werden. Denn Marcus Dequinius duldet keine Christen in seinem Haushalt…

Renate Zieglers Roman versetzte mich ins Jahr 92. n. Chr. und beschrieb in lebhaften Bildern das Alltagsleben der Römer sowie ihrer Sklaven. Die handelnden Personen waren sehr gut ausgearbeitet, sowohl die Protagonistin, als auch die Nebenfiguren vermochten es, mich zu überzeugen. Das größte Augenmerk wird auf Berenike gelegt und die langsame Akzeptanz ihres neuen Status sowie ihren Weg zum Glauben geschildert. Die Dialoge zwischen dem kleinen Claudius und Berenike haben mir besonders gut gefallen – Berenike argumentiert klug, umsichtig und vermittelt dem Jungen auf kindgerechte Art und Weise wichtige Werte. Sie wird eine Vermittlerin zwischen Vater und Sohn, und bahnt sich nicht zuletzt auch dadurch einen Weg in Marcus‘ Herz. Während ich dem prinzipientreuen und im tiefsten Inneren sehr warmherzigen Mann große Sympathie entgegenbrachte, empfand ich bei den Auftritten des Gaius Dexter genau das Gegenteil. Der großmäulige und zynische Lebemann führt nichts Gutes im Schilde, sogar sein Neffe Claudius scheint dies zu spüren. Die Sklavin Camilla und der alte Patrizier Quintus Varus spielten in diesem Roman ebenfalls relevante Rollen, allen anderen Nebenfiguren wurde eher wenig Aufmerksamkeit zuteil.

Der Glaube nimmt einen hohen Stellenwert im Buch ein, wobei die Autorin auch die Welt der römischen Götter und Götzen erwähnt. Durch die Arbeit des Marcus Dequinius erfährt man etwas über das Gerichtswesen in Rom und die latente Gefahr, in der die Anhänger des Christlichen Glaubens schwebten. Es wird zudem auf die Brutalität der zur öffentlichen Unterhaltung abgehaltenen Spiele im Römischen Reich hingewiesen, wo die Grausamkeit und die wahnsinnige Freude der jubelnden Menge am Tod nicht nur einem zart besaiteten Jungen Albträume bescheren.

Fazit: „Berenike. Liebe schenkt Freiheit“ stellte ein wunderschönes und bereicherndes Leseerlebnis für mich dar. Renate Ziegler versteht es hervorragend, Geschichte lebendig zu machen, ihre Leser in längst vergangene Zeiten zu versetzen und sie ins Geschehen zu involvieren. Das Buch hat mir ausgezeichnet gefallen und ich empfehle es sehr gerne weiter.

Bewertung vom 07.04.2019
Frau Honig 2: Und das Glück der kleinen Dinge
Bohlmann, Sabine

Frau Honig 2: Und das Glück der kleinen Dinge


ausgezeichnet

Na dann: willkommen, Frau Honig!

„Man muss das Unmögliche versuchen, um das Mögliche zu erreichen.“

Bei den Kramers aus der Maiglöckchenstraße 7 gibt es einige Probleme. Der schwangeren Mutter geht es nicht gut, den Vater sehen sie nur selten, da der gelernte Bäcker sehr viel arbeiten muss, um den Lebensunterhalt für seine Familie zu verdienen. Auf der ältesten Tochter Leni lastet eine Verantwortung, die viel zu schwer für die Schultern der Fünfzehnjährigen ist. Als eines Tages eine zierliche Gestalt in gelber Kleidung mit einem Koffer und einem Bienenkorb vor der Türe steht und sich freundlich lächelnd als „Frau Elsa Honig“ vorstellt, zieht zusammen mit dem neuen Kindermädchen auch das Glück wieder ins Haus ein. Frau Honig entlastet die Mutter, kümmert sich um die Kinder, den Haushalt und den Garten, und sorgt dafür, dass auch Leni wieder Kind sein darf. Die positive und stets gutgelaunte Frau mit den gelb-schwarzen Ringelstrümpfen steuert mit einem Fingerschnippen und mit einem lauten Pfiff das Wetter, Luftballons helfen ihr beim Tragen schwerer Lasten, und ein hölzerner Kuckuck namens Caruso fungiert als höchst lebendige und agile Türklingel. Frau Honig wirbelt das Leben der Kramers gehörig auf und sorgt in jedem Lebensbereich für Verbesserungen. „Man muss das Unmögliche versuchen, um das Mögliche zu erreichen“ ist ihre Devise, und schon bald stellt sich heraus, dass die besten Dinge im Leben nicht umsonst, aber auf alle Fälle gratis sind.

Da ich weder den Vorgängerband „Frau Honig“ noch den Klassiker Mary Poppins gelesen habe, vertiefte ich mich neugierig und völlig unvoreingenommen ins Geschehen. Sabine Bohlmann hat in einem humorvollen, locker-leichten Schreibstil und in kindgerechter Sprache eine zauberhafte Geschichte ersonnen, in der ihre sonnige Protagonistin Frau Honig das Leben der Familie wieder auf die richtige Spur bringt. Das süße Radebrechen der kleinen Fee fand ich höchst amüsant – es brachte mich sehr oft zum Schmunzeln und ich konnte mir die niedliche Kleine mit den zwei dünnen Zöpfchen und der Feenflöte bildhaft vorstellen.

Bei den handelnden Figuren konzentriert die Autorin sich neben ihrer Protagonistin auf die Familienmitglieder der Kramers – Herr und Frau Kramer, die fünfzehnjährige Leni, die zwölfjährige Ida, die neunjährige Tilda, den achtjährigen Moritz, der lieber „Mo“ genannt werden möchte, und das kleine Nesthäkchen Felicitas mit dem Kosenamen „Fee“. Die griesgrämigen alten Nachbarn Ottilie und Basilius Piepenbrock sind skurrile Nebenfiguren, die letztendlich zu ungeahnten Höchstleistungen auflaufen.

In diesem Buch werden einem Kind auf verspielte und liebevolle Art und Weise wichtige Botschaften vermittelt. Sabine Bohlmann zeigt auf, wie wichtig es ist, sich Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben zu nehmen, an etwas oder jemanden zu glauben oder auch die Einzigartigkeit eines jeden Menschen zu respektieren und zu achten. Sie weist darauf hin, dass ein verschenktes Lächeln auch wieder eines zurückbringt, und erläutert die Notwendigkeit, anderen vorerst zuzuhören, um sie verstehen zu können. Natürlich erfährt man bei alledem auch ein klein wenig über die nützliche und wertvolle Arbeit der Bienen und ihren kleinen Eigenheiten, entzückende Illustrationen und ein hinreißendes Buchcover von Joelle Tourlonias runden das Gesamtpaket ab.

Was Sabine Bohlmann durch ihre Protagonistin Frau Honig über ihre Bienen verkündet, darf man getrost auch auf Kinder übertragen: „Jeder Stock ist anders. Jeder hat seine Eigenarten. Der eine ist so, der andere so. Und ganz egal, wie viel Honig am Ende herauskommt – ich liebe sie alle!“

„Frau Honig und das Glück der kleinen Dinge“ ist eine sehr schöne, lehrreiche und bezaubernde Geschichte, die mir ausgezeichnet gefallen hat und die ich jedem ans Herz legen kann!

Bewertung vom 07.04.2019
Flüsternde Wände / Das Geheimnis von Rookwood Bd.2
Cleverly, Sophie

Flüsternde Wände / Das Geheimnis von Rookwood Bd.2


ausgezeichnet

Die Wahrheit über Rookwood muss enthüllt werden.

Als Scarlet Grey nach ihrer dramatischen Rettung endlich wieder mit ihrer Zwillingsschwester Ivy vereint ist, erfährt sie mit fassungslosem Entsetzen, dass sie infolge der Intervention ihrer hasserfüllten Stiefmutter wieder nach Rookwood zurückkehren müssen. Doch auf Rookwood ist nicht alles so, wie es scheint, und es sind bereits in der Vergangenheit schlimme Dinge passiert, die vertuscht wurden. Scarlet kaschiert ihre panische Angst durch ein aufbrausendes Verhalten, muss letztendlich aber resigniert ihre Sachen packen und mit Ivy abreisen. Rookwoods neuer Direktor ist niemand anderer als Edgar Bartholomew, der Sohn des Schulgründers, der seinen Direktorposten aufgrund einer ernsthaften Krankheit eigentlich bereits zurückgelegt hatte. Der unheimliche alte Mann mit der rasselnden Stimme hütet ein dunkles Geheimnis, er schüchtert sein gesamtes Umfeld ein, verlangt rigoros die Einhaltung sämtlicher Vorschriften, und Strafen für etwaige Übertretungen fallen unverhältnismäßig hart aus. Das gesamte Lehrpersonal fürchtet den Mann, doch Scarlets Ballettlehrerin Miss Finch scheint heimlich auf ihrer Seite zu sein. Nach dem Bekanntwerden einiger Diebstähle in der Schule lenkt eine missgünstige Mitschülerin den Verdacht auf Scarlet. Um einer Bestrafung durch den gefürchteten Direktor zu entgehen, bleibt dem Mädchen nur ein einziger Ausweg: sie muss auf eigene Faust Nachforschungen anstellen und den wahren Übeltäter entlarven. Scarlet schleicht des Nachts durch die dunklen leeren Gänge, und was sie dabei entdeckt, hat weitreichende Konsequenzen für die gesamte Schule.

„Das Geheimnis von Rookwood. Flüsternde Wände“ ist ein interessantes Jugendbuch, das scheinbar nahtlos an den ersten Band anschließt. Auch wenn mir dessen Inhalt leider nicht bekannt ist, konnte ich dennoch problemlos in die Handlung einsteigen und mir dank einiger Hinweise auf vergangene Ereignisse ein Bild davon machen. Die Autorin verfügt über einen interessanten und flüssigen Schreibstil, die Spannung wird durch unheimliche Ereignisse, eigenartige Geräusche in den Wänden, und nicht zuletzt durch die latente Bedrohung durch den zwielichtigen Direktor konstant hochgehalten.

Mit Scarlet Grey schuf Sophie Cleverly eine höchst eigenwillige Protagonistin, die es niemals gelernt hat, klein beizugeben und ihre Meinung bei sich zu behalten. Scarlet ist unbeherrscht, aufbrausend, äußerst direkt, und beinahe schockierend ehrlich. Ihr rücksichtsloses Verhalten und die hämische und überaus egoistische Art machte sie für mich zu einer unsympathischen Hauptfigur. Im Gegensatz dazu ist mir ihre zurückhaltende Zwillingsschwester Ivy sofort ans Herz gewachsen. Das sensible Mädchen ist eine fleißige Schülerin und völlig anders als Scarlet, für deren Verhalten sie sich manchmal sogar schämt. In Penelope Winchester, Violet Adams, Ariadne Flitworth und der geheimnisvollen Rose präsentiert die Autorin interessante Nebenfiguren, welche die gesamte Handlung bereichern.

Dieser zweite Band um die Zwillinge Scarlet und Ivy hat mir unterhaltsame und spannende Lesestunden bereitet und mir ausgezeichnet gefallen. Die jugendliche Zielgruppe darf Scarlet und Ivy während ihrer Abenteuer auf Rookwood begleiten und wird mit einem dunklen Geheimnis konfrontiert, welches die eigenwillige Protagonistin erst im Verlauf der Handlung aufdeckt. Ich kann diesen Roman uneingeschränkt weiterempfehlen, stelle jedoch im Nachhinein fest, dass es von Vorteil gewesen wäre, die Reihenfolge beim Lesen einzuhalten und mit „Das Geheimnis von Rookwood - Scarlet und Ivy, Band 1“ zu starten.

Bewertung vom 07.04.2019
Sommer der Versöhnung (eBook, ePUB)
Chan, Darcie

Sommer der Versöhnung (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Ermöglicht Liebe wirklich Vergebung, oder erschwert sie diese nur?

Diese Frage stellte sich die Witwe Josephine „Josie“ Collard diSanti vermutlich unzählige Male. Sie hatte es niemals aufgegeben, um eine Versöhnung zwischen ihren fürchterlich zerstrittenen Töchtern Rose und Emily zu kämpfen. Die Ursache für deren Entfremdung war dramatisch und tiefgreifend. Während die stets auf das Äußerliche bedachte Rose nun mit ihrem Ehemann Sheldon und ihrem neunjährigen Sohn Alex in einem luxuriösen Apartment an der Park Avenue in New York lebt, führt ihre Schwester Emiliy ein Nomadenleben. Sie ist in jeder Hinsicht das völlige Gegenteil zu ihrer überheblichen und aufbrausenden Schwester Rose. Emily liebt bequeme Kleidung, ist auch ohne Make-up und modische Ausstaffierung eine faszinierende Schönheit, und liebt handwerkliche Tätigkeiten. Ihr Beruf wurde zu ihrer Leidenschaft - Emiliy renoviert viktorianische Häuser, ist bodenständig, nach einigen gescheiterten Beziehungen jedoch ziemlich einsam. In Gus, einem gutmütigen Hund aus dem Tierheim, fand sie einen treuen Begleiter. Aufgrund ihrer unüberwindlichen Differenzen haben Rose und Emily mit ihrer geschwisterlichen Beziehung bereits abgeschlossen, keine der beiden ist nun noch dazu bereit, auf die andere zuzugehen. Als die Nachricht vom Ableben ihrer Mutter eintrifft, stehen sich die beiden Schwestern nach vielen Jahren anlässlich der Gedenkfeier in Mill River zum ersten Mal wieder gegenüber. In ihrem Testament startet Josephine Collard diSanti einen allerletzten verzweifelten Versuch, ihre über alles geliebten Töchter zu versöhnen. Sie macht einen zweimonatigen Aufenthalt von Rose und Emily in ihrer Heimat Mill River zur Bedingung, damit sie das ansehnliche Erbe antreten können. Doch die verfeindeten Schwestern müssen nicht nur in zwei nebeneinanderstehenden Häusern leben, sondern gemeinsam Aufgaben lösen. Eine scheinbar nicht zu bewältigende Herausforderung, bei der jede Menge Ärger vorprogrammiert ist. Doch manchmal kann selbst eine aussichtslos scheinende Situation zu etwas Großem führen…

Dacie Chan erzählt diese tragische Familiengeschichte in einnehmendem Schreibstil, begleitet mit tiefen Emotionen. Bei ihren Ausführungen wechselt sie stets zwischen zwei Erzählsträngen. Ihr Handlungsstrang in der Gegenwart startet mit dem Tag von Josies Beerdigung im Jahr 2013 und schildert die nachfolgenden Ereignisse. In einem zweiten Handlungsstrang versetzt die Autorin ihre Leser zurück ins Jahr 1983, als die junge Witwe Josie mit ihren kleinen Töchtern nach Mill River kommt. Die Vergangenheit wird nach und nach aufgerollt und man erhält tiefe Einblicke in das Leben der Familie diSanti in Mill River, erfährt von schmerzlichen Ereignissen und darf die beiden so unterschiedlichen Mädchen näher kennenlernen.

Rose und Emily nehmen als Protagonisten den größten Raum ein, doch in den vielen Rückblicken wird auch dem Leben und der persönlichen Entwicklung von Josephine große Aufmerksamkeit zuteil. Sämtliche Charaktere sind wundervoll ausgearbeitet, sie wirken lebendig und sehr überzeugend. Zu meiner großen Freude traf ich auf viele bekannte Figuren aus dem Vorgängerband „Sehnsucht nach Mill River“. Es war schön, dass der betagte Priester Father Michael O’Brien, die etwas einfältige, aber äußerst liebenswürdige Daisy Delaine und das Ehepaar Fitzgerald ebenfalls zur Handlung beitrugen. Dem örtlichen Polizeibeamten Kyle Hansen und seiner Beziehung zu Claudia Simon wurde sogar eine etwas größere Rolle zuteil.

„Sommer der Versöhnung“ sorgte mit dem gewichtigen Thema der Vergebung und durch emotionsgeladene Szenen für ausgezeichnete Unterhaltung. Ich bedauerte es, mich nach der letzten Seite von den liebenswürdigen Einwohnern dieser netten kleinen Stadt in Vermont verabschieden zu müssen und würde mich über eine Fortsetzung dieser Reihe sehr freuen. Ein wunderschönes Leseerlebnis, welches ich ebenso wie den Vorgänger „Sehnsucht nach Mill River“ nur allzu gerne weiterempfehle.

(gekürzte Fass

Bewertung vom 07.04.2019
Der Rosengarten am Meer
Jacobsen, Nele

Der Rosengarten am Meer


sehr gut

Der verschwundene Rosengarten

„Künstlerkommune in Gutshaus nahe der Ostsee sucht erfahrene/n Landschaftsarchitekten/in zur Rekonstruktion einer historischen Parkanlage nach Denkmalschutzvorgaben. Kost und Logis frei.“

Das Stellenangebot, in dem es konkret um die Rekonstruktion eines Rosengartens nach historischem Vorbild geht, kommt für die knapp vierzigjährige Isabel Huber exakt zum richtigen Zeitpunkt. Nach ihrer Scheidung musste sie aus dem eleganten Stadtpalais in Wien ausziehen und verlor zugleich auch ihren Job. Isabel liebt es, Gärten und Parks zu planen. Nach ihrem Studium arbeitete die engagierte Landschaftsarchitektin gemeinsam mit ihrem Mann Marco in dessen etabliertem Wiener Landschaftsarchitekturbüro. Das Inserat bietet Isabel in dieser schwierigen Situation nun eine neue Herausforderung und einen Neubeginn. Sie packt ihre Sachen und macht sich auf den Weg an die Ostsee. Bei ihrer Ankunft auf Gut Lundwitz in der Mecklenburgischen Schweiz trifft sie auf Alex, Sina und Enno, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, das Anwesen und den angrenzenden Park in voller Schönheit und originalgetreu wieder entstehen zu lassen. Isabels obliegt es, dem Geheimnis um den alten Rosengarten auf die Spur zu kommen und ihn exakt zu rekonstruieren. Eine Aufgabe, die nicht nur Energie und Kreativität, sondern auch umfassende Recherchen erfordert. Isabels Nachforschungen enthüllen die Geschichte der Rosengräfin Marie Henriette Chotek, die hinter ihrem Schloss einen einzigartigen Rosengarten anlegte, der als Vorbild für die ehemalige Anlage in Lundwitz diente.

Nele Jacobsen erzählt eine bittersüße Geschichte voller Ideale, verwirklichter, aber auch zerschlagener Träume, voller Hoffnung, Schmerz und Liebe. Sie schildert Isabels Arbeit in Lundwitz im Jahr 2017 sowie die Geschichte der Rosengräfin Marie Henriette, beginnend mit dem Jahr 1886. Diese beiden Erzählstränge werden dem Leser in abwechselnder Reihenfolge dargebracht, hierbei werden auch Leben und Wirken der Gräfin enthüllt. Die Leidenschaft für Rosen durchdringt das gesamte Buch. Als historischer Hintergrund wurden die Jahre kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges bis zum Jahr 1929 gewählt. Im Zentrum des Geschehens steht eine couragierte und willensstarke junge Frau, die sich nie um Konventionen kümmerte, sondern ihren Traum verwirklichte und ihren eigenen Weg ging. Historische Fakten sind dezent in die Handlung eingeflochten, zentrales Thema ist jedoch der Rosengarten und damit verbunden die Geschichte der Rosengräfin.

Dem flüssigen und einnehmenden Schreibstil der Autorin ist es geschuldet, dass man dieses Buch nur schwer aus der Hand legen kann. In eindrucksvollen Worten und bildhafter Sprache lässt Nele Jacobsen diesen berühmten Rosengarten vor Augen erscheinen. Auch den Schilderungen der anfangs chaotischen Zustände während der Umbauarbeiten auf Lundwitz und der verheerenden Zerstörung nach dem Krieg wurde große Authentizität verliehen. Ebenso überzeugend wie das Umfeld sind auch die handelnden Figuren dargestellt. Ich fand Isabels Geschichte interessant, wurde aber mehr und mehr in den Sog von Marie Henriettes Schicksal gezogen. Die Neugier auf deren Leben und die Entstehungsgeschichte dieses Rosengartens am Meer sorgten für einen gewissen Spannungsfaktor im Roman, der zuletzt mit einigen überraschenden Enthüllungen aufwartete. An der Seite der Protagonisten agieren zahlreiche Nebenfiguren, die die Handlung bereichern und teilweise tragende Rollen spielen.

FAZIT: „Der Rosengarten am Meer“ hat mir sehr gut gefallen und unterhaltsame Lesestunden bereitet. Obgleich ich nicht behaupten kann, einen grünen Daumen zu besitzen, schaffte Nele Jacobsen es mit Leichtigkeit, mir die Blütenpracht und den betörenden Duft der Rosen nahezubringen und mir auf diese Weise ein sehr schönes Leseerlebnis zu bereiten. Ich kann dieses Buch sowohl Fans historischer Romane sowie romantischer Geschichten rund um die „Königin der Blumen“ nur ans Herz legen.

Bewertung vom 07.04.2019
Strandkörbchen und Wellenfunkeln
Schier, Petra

Strandkörbchen und Wellenfunkeln


weniger gut

Eine schicksalhafte Begegnung

Lars Verhoigen ist Inhaber einer Werft und geschäftlich unterwegs. Als er auf einer Autobahnraststätte Halt macht, beobachtet er einen bärtigen Mann, der einen Jutesack gegen einen Baum schlägt, ihn mit den Füßen tritt und dann verschwindet. Lars‘ schlimmste Befürchtungen bewahrheiten sich, als er ein leises Wimmern aus dem Sack vernimmt. Er entdeckt die geschundene Leiche eines kleinen Golden Retriever Welpen und ein zweites, verletztes, aber noch lebendes Hundebaby. Lars bringt den überlebenden Welpen sofort zu Tierärztin Luisa Messner, die eine medizinische Versorgung vornimmt und den Hund zur Beobachtung bei sich behält. Lars hat sich bereits in die süße kleine Fellnase verliebt, die er „Jolie“ nennt, und nimmt dankbar Ratschläge zur richtigen Ernährung des Hundes und für den Kauf einer Erstausstattung an. Doch Luisa Messner kann ihr professionelles Verhalten und die nötige Distanz nur schwer aufrechterhalten. Bei Lars Verhoigen handelt es sich nämlich um jenen Mann, der ihr vor Jahren das Herz gebrochen hat, und den sie bis zum heutigen Tag nicht vergessen konnte. Wird sie ihre Lehren aus den damaligen Ereignissen gezogen haben und seinem Charme diesmal widerstehen?

Petra Schier erzählt in diesem Roman die Geschichte zweier Menschen, die eine sehr enge, beinahe schon geschwisterliche Beziehung zueinander hatten. Doch mit den Jahren wurde aus dieser tiefen Freundschaft Liebe – eine Liebe, die schließlich zerbrach. Die Autorin thematisiert die Versuche der beiden Protagonisten, wieder an diese Freundschaft anzuknüpfen und zu prüfen, ob sich daraus etwas entwickeln könnte. Der süße Welpe auf dem Coverfoto ist Anlass für das erneute Aufeinandertreffen zwischen Lars und Luisa. Die kleine Jolie ist auf die ärztliche Versorgung der jungen Tierärztin, und auf die liebevolle Zuwendung ihres neuen Herrchens angewiesen. Den Gedanken des Hundes wird durch eine sehr kindliche Ausdrucksweise, in kursiver Schrift dargestellt, Ausdruck verliehen.

Petra Schier erzählt in locker-leichter Sprache von der Vergangenheit ihrer Hauptfiguren und beleuchtet dabei auch das familiäre Umfeld sowie den Freundeskreis von Lars und Luisa. In kleinen Rückblenden erfährt man von den damaligen Ereignissen, die mittlerweile acht Jahre zurückliegen. Empfindlich gestört haben mich hierbei jedoch die Einbindung einer sehr schlichten Umgangssprache („er ist angefressen“, „dann wird sie mich hauen“) sowie der großzügige Einsatz der Gossensprache. Ich empfand das Cover sowie die Kurzbeschreibung zudem als irreführend, da sie den Eindruck eines amüsanten und humorvollen Romans mit einem tierischen Protagonisten vermitteln. Das Buch stellte sich jedoch als erotischer Liebesroman mit seitenlangen detaillierten Beschreibungen sexueller Handlungen heraus. Ich hatte mir definitiv etwas anderes erwartet. Schade.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 30.03.2019
Eine Oma zum Fest
Richter, Mia

Eine Oma zum Fest


ausgezeichnet

Was du liebst, lass los. Wenn es dich liebt, kommt es zu dir zurück – und dann für immer.

Gisela Herzog ist verwitwet und vermisst ihren Ehemann Albert immer noch schmerzlich. Ihre Tochter Sabine befindet sich im Zuge eines Auslandseinsatzes in Afrika, ihr Sohn Thomas hat in Kanada seine große Liebe gefunden. Trotz ihrer aufgeschlossenen und liebevollen Art und der regelmäßigen Skype-Gespräche mit ihren erwachsenen Kindern ist Gisela einsam. Als sie eines Abends eigenartige Geräusche im Garten bemerkt, entdeckt sie ein verletztes kleines Kätzchen. Jegliche Bedenken der pedantischen und äußerst ordnungsliebenden alten Dame angesichts dieses schmutzigen und nassen Fellbündels verschwinden augenblicklich, als dieses ihr anschmiegsames und vertrauensvolles Verhalten offenbart. Die kleine „Franzi“, wie Gisela das süße kleine Wesen nennt, bahnt sich pfeilgerade und in Sekundenschnelle den Weg in ihr Herz. Giselas Einsamkeit scheint endlich der Vergangenheit anzugehören, die aufgeweckte kleine Franzi wirbelt ihren Alltag zwar gehörig durcheinander, bringt zugleich aber auch viel Freude und Licht in ihr Leben. Doch eines Tages entdeckt Gisela eine Suchanzeige, den Aufruf einer gewissen Familie Bergmann, die ihr Katzenbaby „Bella“ verzweifelt sucht. Gisela befindet sich in einer Zwickmühle, denn sie möchte sich unter keinen Umständen mehr von ihrer kleinen Franzi trennen. Doch auf der anderen Seite gibt es eine Familie mit zwei kleinen Kindern, die um diese Katze trauert und die Suche nach ihr einfach nicht aufgeben möchte. Wird Gisela letztendlich die richtige Entscheidung treffen?

Im vorliegenden Roman erzählt Mia Richter die Geschichte einer einsamen alten Frau, die unverhofft zu einem quirligen Familienzuwachs kommt. Katzenliebhaber werden amüsiert über die Schilderungen der Aktivitäten einer neugierigen kleinen Katze schmunzeln, die nicht nur das Haus, sondern vielmehr das gesamte Leben eines Menschen innerhalb kürzester Zeit auf den Kopf stellt. In wundervollem Schreibstil und in einfühlsamen Worten beschreibt die Autorin die Situation der alten Dame, aber auch jene der ersten Familie der kleinen Franzi, wobei auch der Humor an mancher Stelle nicht zu kurz kommt. Zahlreiche kleine Zeichnungen dokumentieren prägnante Szenen und sorgen für eine gefällige Auflockerung im Buch. Gisela Herzog wird als herzliche und liebenswürdige Frau dargestellt, auch die Nebenfiguren wurden liebevoll charakterisiert. Die kleine tierische Protagonistin Franzi eroberte vom ersten Augenblick an mein Herz – ihr Auffinden, die tierärztliche Erstversorgung, die ersten Tage im neuen Zuhause sowie ihr gesamtes Verhalten erinnerten mich unglaublich stark an mein eigenes kleines Fundkätzchen.

Fazit: „Eine Oma zum Fest“ war eine wunderschöne und berührende Geschichte, die mir ausgezeichnet gefallen und allergrößtes Lesevergnügen bereitet hat. Dieser Roman vermag es nicht nur zu Weihnachten, auf den hohen Stellenwert zwischenmenschlicher Beziehungen und sozialer Kontakte hinzuweisen und animiert dazu, sein näheres Umfeld und seine Mitmenschen vielleicht ein wenig genauer unter die Lupe zu nehmen und mit anderen Augen zu betrachten.