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Die 1960er Jahre: Martin Luther King marschiert auf Washington, Amerika hat einen Traum. Der junge James will seine ärmliche irische Herkunft hinter sich lassen und träumt von einer strahlenden Zukunft als Anwalt. Nur wenig später wird die junge, schöne Afroamerikanerin Agnes auf der Heimfahrt von ihrem ersten Date von einem weißen Polizisten angehalten. Schreckliche Momente folgen. Agnes zweifelt, ob sie überhaupt eine Zukunft hat. James und Agnes ahnen nicht, auf welch unerwarteten Wegen die Geschichte der nächsten Jahrzehnte sie und ihre Familien zusammenführen wird. Von den…mehr

Produktbeschreibung
Die 1960er Jahre: Martin Luther King marschiert auf Washington, Amerika hat einen Traum. Der junge James will seine ärmliche irische Herkunft hinter sich lassen und träumt von einer strahlenden Zukunft als Anwalt. Nur wenig später wird die junge, schöne Afroamerikanerin Agnes auf der Heimfahrt von ihrem ersten Date von einem weißen Polizisten angehalten. Schreckliche Momente folgen. Agnes zweifelt, ob sie überhaupt eine Zukunft hat. James und Agnes ahnen nicht, auf welch unerwarteten Wegen die Geschichte der nächsten Jahrzehnte sie und ihre Familien zusammenführen wird. Von den Bürgerrechtsbewegungen bis zur Obama-Ära spannt Regina Porter ein schillerndes Zeitpanorama und verdichtet die Geschichte zweier Familien - die eine weiß, die andere schwarz - zu einem unvergesslichen Familienepos.

Dieser Download kann aus rechtlichen Gründen nur mit Rechnungsadresse in BG, B, A, EW, DK, CZ, D, CY, H, HR, GR, F, FIN, E, LT, I, IRL, NL, M, L, LR, S, R, P, PL, SK, SLO ausgeliefert werden.

  • Produktdetails
  • Verlag: Argon Verlag GmbH
  • Gesamtlaufzeit: 687 Min.
  • Erscheinungstermin: 29.01.2020
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 9783732417537
  • Artikelnr.: 58570495
Autorenporträt
Porter, Regina§Regina Porter studierte am renommierten Iowa Writer's Workshop und erhielt mehrere Schreibstipendien. Sie ist eine vielfach ausgezeichnete Theaterautorin, sie arbeitete u.a. mit Playwrights Horizons, New York Stage & Film und The Women's Project zusammen. Ihre bisherigen Texte wurden in der Harvard Review veröffentlicht. Porter wurde in Savannah, im US-Bundesstaat Georgia, geboren, und lebt heute in Brooklyn.
Rezensionen

buecher-magazin.de - Rezension
buecher-magazin.de

Bewegende und bedrückende Episoden werden in dieser US-amerikanischen Familiensaga ebenso erzählt wie der rassistische und sexuelle Übergriff eines weißen Polizisten auf die Afroamerikanerin Agnes. In die wechselvolle Zeit vom Ku-Klux-Klan, dem Vietnam-Trauma bis zu Obama stellt die Autorin 32 Figuren, die im Original und in der Hörbuch-Version einzeln aufgelistet werden – die deutsche Buchausgabe verzichtet darauf. Ein Versehen? „Die Reisenden“ hetzen durch das Buch, Leser und Hörer hetzen mit. Lediglich gegen Ende werden einige lose Enden verknüpft. Bei der Übersetzung fallen Eigenwilligkeiten auf („Hundred Thirty Fifth Street“), auch Altertümliches („…machte ihnen den Garaus“), zudem gelegentliche Merkwürdigkeiten bei ein, zwei Sprechern des insgesamt überzeugenden 11-köpfigen Ensembles. Wenn das Budweiser-Bier Deutsch ausgesprochen wird, leuchtet es nicht ein, beim „Ford Mustang“ eine sehr amerikanische Chewing-Gum-Version anzubieten. Regina Porter ist als Dramatikerin sehr erfolgreich und macht Shakespeare hier zu einer Art Running Gag. Ihr Debüt-Roman ist kein Meisterwerk, auch wenn die US-Feuilletons sich darin einig sind.

© BÜCHERmagazin

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 07.03.2020

Ein Füllhorn vom Reißbrett

Regina Porters Roman "Die Reisenden" ist gebaut wie ein Film von Tarantino. Alles ist wichtig, nichts ist ohne Bedeutung: eine Springflut an Details.

Von Hubert Spiegel

Dieser Roman ist das Werk einer sorgfältig arbeitenden Ingenieurin. Unzählige kleine Rädchen greifen ineinander, jedes ist an seinem Platz, jedes funktioniert klaglos und wie geschmiert. Hier stockt und stottert nichts. Im Mittelpunkt stehen zwei Familien, die Vincents und die Christies, deren Geschicke über drei Generationen und sechs Jahrzehnte hinweg verfolgt und geschildert werden. Rassismus im amerikanischen Alltag, häusliche Gewalt, soziale Ungleichheit, Familientragödien wie Ehebruch und Suizid, dazu noch ein kleiner Exkurs zu den antisemitischen Pogromen im Osten des alten Europa - alles wird eingepasst, verarbeitet, integriert, erhält sein eigenes kleines Plätzchen im Romangefüge, wo es gut aufgehoben ist, nicht stört, sondern seinen Beitrag leistet.

Für eine Debütantin ist das eine erstaunliche dramaturgische Leistung. Es ist aber auch ein wenig zum Fürchten. Denn hier ist eine stählerne Hand am Werk, die sich alles, wonach sie greift - Figuren, Schicksale, historische Ereignisse -, unterwirft und verfügbar macht. Dass Regina Porter das Motto, das sie ihrem Roman voranstellt, selbst verfasst hat, dürfte kein Zufall sein.

"Die Reisenden" ist das Musterbeispiel eines Romans, der mit viel Ambition, noch mehr Kontrollbedürfnis und hohen technischen Fähigkeiten geschrieben wurde und an einem Mangel an Ökonomie und Bescheidenheit scheitert. Es ist ein Zeit- und Familienroman, der authentisches historisches Material verarbeitet, ein großes Panorama entwirft und zugleich detailversessen in Markennamen und zahllosen anderen Kleinigkeiten schwelgt. Hier geht niemand essen, ohne dass die Adresse des Restaurants, die Spezialitäten der Küche, die Eigenheiten des Besitzers, die soziale Zusammensetzung der Kundschaft und die besondere Atmosphäre an diesem Abend benannt würden. Keine Familienzusammenkunft kann stattfinden, ohne dass erwähnt würde, welche Tante welches Gericht besonders gut zubereiten kann, woher das Rezept stammt und welche Zutaten besonders wichtig sind. Jeder wird gehört, jeder hat eine Stimme, jeder ist wichtig. Vielleicht sieht so die erzählende Literatur aus, nach der die Gesellschaft der Singularitäten verlangt. Aber ist wirklich jedes Detail gleich bedeutsam? Ganz sicher ist nach spätestens zweihundert Seiten jedes zweite Detail eines zu viel.

Dieser Roman gleicht einem Füllhorn, das am Reißbrett entworfen und am Reißbrett geschrieben wurde. Es wäre wohl das Beste, das Buch auch am Reißbrett zu lesen, wobei das Personenverzeichnis am Romanende sowie die etwa fünfzig Einträge umfassende Liste der Bildhinweise fleißig konsultiert werden sollten. Denn obwohl der Roman bis ins letzte Detail durchkonstruiert ist, kann von Übersichtlichkeit keine Rede sein. Das liegt vor allem an der Erzählweise Regina Porters, die den Iowa Writer's Workshop absolvierte und bislang vor allem für die Bühne geschrieben hat. Wie in den Filmen Tarantinos macht die Chronologie der Romanhandlung wilde Sprünge. Oft wird der Leser erst mit der Wirkung eines Geschehens oder einer Handlung konfrontiert, bevor er viele Seiten später ihrer Ursache begegnet. So verschachtelt wie die Chronologie sind auch die Beziehungen der Figuren untereinander.

Ein Beispiel: Das erste Kapitel setzt im Jahr 1946 ein, als James Vincent Senior, eine der weißen Hauptfiguren, vier Jahre alt ist. Auf der dritten Seite ist er bereits 31, auf der fünften fünfzig und auf der sechsten sechzig Jahre alt. Auf den Zeitraffer folgt auf der siebten Seite der Sprung ins Jahr 2009 und mit ihm die erzählerische Entschleunigung: "An einem sonnigen Nachmittag im August spielte James draußen im Garten mit Elijah Softball." Elijah ist der Enkel von James. Die kleine Winona, seine Enkelin, dümpelt derweil träge im Pool. Aber bevor die Katastrophe passiert, Winona beinahe ertrinkt, was die Kleine traumatisiert, Vater und Sohn entzweit und die Ehe zwischen Rufus und Claudia fast zerstört, lässt Regina Porter eine andere Katastrophe ihren Lauf nehmen.

Agnes Christie, eine der schwarzen Hauptfiguren, wird im Jahr 1966 von zwei weißen Polizisten vergewaltigt. In der Folge bricht sie die Beziehung zu ihrem Verlobten Claude ebenso ab wie die Freundschaft zu ihrer lesbischen Freundin Eloise, die sich als die Liebe ihres Lebens herausstellen wird, während Claude verhältnismäßig umstandslos entsorgt wird. Er stirbt zwei Jahre nach der Trennung von Agnes einen gewaltsamen Tod, bleibt aber auf sehr indirekte Weise präsent, weil Agnes ihre zweite Tochter Claudia nennen wird.

Im nächsten Kapitel folgt ein Monolog von Beverley, der älteren Tochter von Agnes, die selbst bereits Kinder hat, denn seit der Vergewaltigung von Agnes sind mehr als vierzig Jahre vergangen. Beverley ist Krankenschwester und sitzt während ihres Monologs zufällig am Krankenhausbett von James Vincent, der im nächsten Kapitel infolge der starken Medikamente, die ihm verabreicht wurden, in seine Kindheit zurückkehrt. Da sind wir aber erst auf Seite 43 und haben noch mehr als dreihundert Seiten dieser wild hakenschlagenden und tollkühn Verknüpfungen schaffenden Erzählweise vor uns. Die Ermordung von Martin Luther King, der Vietnam-Krieg, der Fall der Mauer, die glücklichen Jahre von Eloise in Berlin und vieles andere mehr müssen noch zurechtgefräst und eingepasst werden. Regina Porter arbeitet hart dafür. Sie schuftet Seite um Seite. Unermüdlich zeigt sie, was sie alles kann. Was sie noch lernen muss, ist nicht leicht: weniger zu wollen.

Regina Porter: "Die Reisenden". Roman.

Aus dem Amerikanischen von Tanja Handels.

Verlag S. Fischer, Frankfurt am Main 2020. 384 S., geb., 22,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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dieses Romandebüt ist wirklich fulminant. Es fordert den sehr aufmerksamen Leser und ist zugleich ein Pageturner, eigentlich ein Widerspruch in sich. Jochen Schimmang taz 20200422