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Benutzername: Girdin
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Bewertungen

Insgesamt 74 Bewertungen
Bewertung vom 19.10.2020
Die vergessene Heimat
Zinßmeister, Deana

Die vergessene Heimat


ausgezeichnet

Den Roman „Die vergessene Heimat“ hat Deana Zinßmeister angelehnt an die Geschichte ihrer eigenen Familie geschrieben. Sie wusste, dass ihre Eltern Leni und Ernst mit weiteren Verwandten im August 1961, als in Berlin mit dem Mauerbau begonnen wurde, aus der damaligen Deutschen Demokratischen Republik geflohen sind. Doch die Einzelheiten waren der Autorin bis zur Erkrankung ihres Vaters Jahre später nicht bekannt, weil aufgrund der auch weiterhin bestehenden Angst vor der Stasi wenig darüber gesprochen wurde.

Der Titel deutet nicht nur darauf hin, dass die Ereignisse durch aktuelles Zeitgeschehen in den Hintergrund rückten, sondern vor allem weist er auf die Demenzerkrankung von Ernst hin, die über 50 Jahre nach der Flucht offensichtlich wird. Er war seit jeher ein guter Geschichtenerzähler, durch Auslandtätigkeiten hatte er viel erlebt. Aber nun verfängt er sich innerhalb kurzer Zeit in eine Welt, in die ihm niemand folgen kann und die auf Außenstehende einen abstrusen Eindruck vermittelt. Durch Nachfragen der Tochter werden ihr immer mehr Einzelheiten über die damalige Flucht bekannt.

Sehr gekonnt wechselt Deana Zinßmeister zwischen den Geschehnissen im Jahr 1961 und den aktuellen Ereignissen rund um die Krankheit des Vaters. Es scheint, dass die Autorin darum in die Rolle ihrer Figur, der Kochbuchautorin Britta Hofmeister, schlüpft, um den nötigen Abstand zu dem selbst Erlebten zu erhalten. Doch es ist deutlich spürbar wie tief ihre Verzweiflung ist aufgrund ihrer Hilflosigkeit gegen das Leiden ihres Vaters. Sie beschönigt nichts, nicht die Schwere und den unaufhaltsamen Fortschritt der Krankheit und auch nicht die zunehmende Belastung der Familie bei der Pflege bis hin zum Für und Wider der Unterbringung des Vaters in einem Heim. Da ich als junge Frau etwas ähnliches in meiner Familie erlebt habe, rührte die Erzählung meine Erinnerung daran wieder auf. Die Gefühle von Britta konnte ich dadurch sehr gut nachvollziehen. Die Autorin erzählt absolut authentisch, mit sehr viel Einfühlungsvermögen. Ich habe bewundert, wie viele Engagement sie dafür eingesetzt hat, die Krankheit zu verstehen.

Auch die Geschehnisse der Flucht sind bewegend und ungewöhnlich. Es ist eine unterschwellige Spannung spürbar. Ich hoffte darauf, dass alle Personen der Gruppe, die fliehen wollten, die innerdeutsche Grenze unbeschadet überwinden würden. Auch hier sind die Bedenken und die Ängste der Republikflüchtlinge realistisch und glaubhaft dargestellt. Interessant waren auch die Einblicke in das Notaufnahmelager Marienfelde.

„Die vergessene Heimat“ ist ein aufwühlender Roman, einerseits über das Empfinden der Menschen in den Tagen des Mauerbaus in Berlin und über die damit verbundene Flucht aus der DDR sowie andererseits über die emotionale Beschreibung einer Demenzerkrankung in der jetzigen Zeit. Die ineinander verwobenen Geschichten sind umso intensiver zu erleben, weil sie auf wahren Begebenheiten in der Familie der Autorin beruhen. Ich finde es einen mutigen Schritt, dass Deana Zinßmeister diese wichtigen, beeindruckenden Geschichten mit ihren Lesern teilt und empfehle das Buch sehr gerne weiter.

Bewertung vom 12.10.2020
Herzfaden
Hettche, Thomas

Herzfaden


ausgezeichnet

In seinem Roman „Herzfaden“ verbindet Thomas Hettche zwei Handlungsebenen. Der Untertitel kündigt es bereits an, dass er einerseits die Geschichte der Augsburger Puppenkiste und der Tochter des Gründers sowie Puppenschnitzerin Hannelore Marschall-Oehmichen erzählt, von den ersten Anfängen an bis zu Beginn der 1960er Jahre. Andererseits hat der Autor sich eine märchenhafte Geschichte ausgedacht von einem 12-jährigen Mädchen, das sich nach einer Vorstellung der Puppenkiste vor seinem Vater im Foyer des Theaters versteckt, eine verborgene Tür entdeckt und durch diese in eine magische Welt der Marionetten hineingezogen wird.

Die beiden Erzählstränge sind leicht zu unterscheiden, denn das fiktionalisierte Leben von Hannelore, genannt Hatü, findet sich in blauem Druck im Buch, die reine Fantasie ist rot gedruckt. Auf diese Weise können diejenigen, deren Interesse lediglich nur einem der beiden Schilderungen gilt, ohne Mühe der von ihnen priorisierten Handlung folgen. Wesentlich für beide Erzählungen ist der Herzfaden, der dem Buch den Titel gibt. Der Herzfaden ist, nach der Erklärung von Hatüs Vater, die Verbindung der Marionette zum Herzen des Menschen. Sie ist unsichtbar, aber zum Transport all der Emotionen geeignet, die, obwohl „nur“ eine Holzpuppe, durch ihre Spielweise an ihren Zuschauer weiterzugeben in der Lage ist.

Bald nach Ausstrahlung der ersten Sendungen wird das Fernsehen auf die Puppenkiste aufmerksam. Die Frage steht im Raum, ob sich auch hier ein Herzfaden entwickeln kann. Ich finde ja, denn ich war als Kind eine begeisterte Zuschauerin der im Fernsehen gezeigten Aufzeichnungen. Umso begeistertet war ich, als ich im Roman einige Figuren wie beispielsweise das Urmel, die Prinzessin Li Si und auch Jim Knopf wiederfinden konnte.

Die Augsburger Puppenkiste entwickelte sich aus ersten Anfängen nach einer Idee von Walter Oehmichen. Er und seine Frau sind Theaterschauspieler. Schon in Kriegstagen bastelte er einen sogenannten Puppenschrein, der in einen Türrahmen passte, und schon drei Monate später bei einem Bombenangriff auf Augsburg restlos verbrannte. Es gab viele Höhen und Tiefen, die die Familie Oehmichen erlebte und mich als Leser berührten, bis sich 1948 die Bretter der bis heute bekannten Augsburger Puppenkiste zum ersten Mal für die Zuschauer öffneten. Hatü war zu diesem Zeitpunkt 17 Jahre alt. Ihre Passion sieht sie nicht nur im Führen der Figuren, sondern vor allem im Schnitzen.

Nicht nur Kinder sind von den Stücken zu begeistern, sondern auch Erwachsene. An Seite der kleinen Marionetten können sie sich in eine Fantasiewelt versetzen, jenseits der schweren Zeiten, die die Bevölkerung noch lange nach Ende des Weltkriegs in der Bevölkerung durchlebte. Wobei auch die märchenhafte Erzählung den heutigen Lesern des Buchs deutlich macht, dass Illusion Grenzen des Denkens überwindet. Thomas Hettche verbindet die beiden Handlungsebenen durch ein Geheimnis um die Entstehung des Kaspars, das erst zum Ende aufgedeckt wird.

Der Roman „Herzfaden“ von Thomas Hettche ist ein Roman für Leser, die das Staunen eines Kindes über die reale und magische Welt nicht verlernt haben. Wunderschön wird der Text von Zeichnungen von Matthias Beckmann, die alle in Bezug zur Puppenkiste und seinen Figuren stehen, illustriert. Sehr gerne vergebe ich zum Buch eine uneingeschränkte Leseempfehlung.

Bewertung vom 09.10.2020
Tage mit Ida
Baier, Hiltrud

Tage mit Ida


ausgezeichnet

usanne lebt seit 42 Jahren in Kirchheim unter Teck. Sie ist verheiratet, hat drei Kinder und hilft ihrem Bruder Martin in dessen Café als Bedienung aus. Eines Tages fällt ihr dort eine ältere Frau mit einem langen weißen Zopf und buntem Schultertuch auf, die interessiert ihre Umgebung beobachtet. Es ist die in Lappland lebende Ida, die später behauptet, die Schwester von Susannes Mutter Christel zu sein. Doch Susanne, die schon zeit ihres Lebens im Ort wohnt, hat noch nie von Ida gehört, auch ihr Bruder nicht. Christel ist dement und lebt inzwischen in einem Seniorenheim und kann keine Auskunft geben. Der Roman „Tage mit Ida“ von Hiltrud Baier begleitet Susanne auf der Suche nach der Geschichte hinter der Behauptung Idas.

Die Autorin entwickelt ihren Roman zunächst auf zwei Handlungsebenen. Die Haupthandlung spielt im Jahr 1999 und wird später durchgehend fortgesetzt, eine weitere blickt zurück auf längst vergangene Ereignisse zwischen 1928 und 1939. Das Familiengeheimnis wird bis fast zum Ende bewahrt und erhält eine gewisse hintergründige Spannung aufrecht.

Im Laufe der Erzählung lernte ich Susanne und Ida näher kennen. Beide haben einige Gemeinsamkeiten, die aber auf den ersten Blick nicht augenfällig sind. Als Susanne Ida kennenlernt befindet sie sich gerade in einer Selbstfindungsphase. Sie stellt ihre Rolle als Hausfrau und Mutter in Frage, denn bald wird auch schon ihr jüngster Sohn flügge werden. Während ihr Ehemann beruflich bedingt in der Woche auswärts wohnt, bleibt ihr genügend Zeit ihr Leben zu überdenken. Mit viel Einfühlungsvermögen schildert die Autorin ein realistisches Szenario, das ich gut nachvollziehen konnte.

Hiltrud Baier bringt in ihren Roman nicht nur ihre Kenntnisse zu Kirchheim unter Teck ein, wo sie lange gelebt hat bevor sie nach Schweden auswanderte, sondern auch ihre Liebe für Lappland. Ihre Figur Ida transportiert einiges über die samische Lebensweise und auch Bräuche. Obwohl das lange zurückliegende Zerwürfnis zwischen Christel und Ida für eine angespannte Atmosphäre im Roman sorgt, wird diese doch immer wieder beschwichtigt durch Erinnerungen Idas, die sich mit ihrem Schicksal auseinandergesetzt und dieses akzeptiert hat. Anhand von Idas Suche nach ihren Kindheitswurzeln verdeutlicht die Autorin den Stellenwert der Familie.

Die „Tage mit Ida“ vergingen wie im Fluge. Hiltrud Baier gelingt eine geschickte, überzeugende Verknüpfung des Schicksals zweier Frauen, die angereichert ist mit Höhen und Tiefen und immer wieder überrascht, auch noch zum Ende hin. Ich fühlte mich bestens unterhalten und empfehle den Roman daher sehr gerne weiter.

Bewertung vom 09.10.2020
Modehaus der Träume / Das Lichtenstein Bd.1
Averbeck, Marlene

Modehaus der Träume / Das Lichtenstein Bd.1


sehr gut

Der Roman „Das Lichtenstein – Modehaus der Träume“ von Marlene Averbeck ist der erste Teil einer Trilogie, die das fiktive Warenhaus Lichtenstein am Hausvogteiplatz in Berlin, der Inhaber sowie einige der Angestellte in den Mittelpunkt stellt. Im ersten Teil schildert die Autorin die Ereignisse in den Jahren 1913 bis 1918.

Die Kapitel wechseln zwischen vier Hauptfiguren und sind mit deren Vornamen betitelt. Hedi ist eine davon. Sie hat gerade das Lyzeum beendet und lebt bei ihrer Mutter Hilde, die vor kurzem verwitwet ist. Hilde wünscht sich eine baldige Heirat ihrer Tochter, damit diese gut versorgt ist für die Zukunft. In ihrem Haushalt putzt die aufstrebende Schauspielerin Ella. Sie ist eine weitere Hauptfigur, die zurzeit allein von ihrer Gage noch nicht leben kann. Hedi hält wenig von dem Wunsch ihrer Mutter und besorgt sich stattdessen eine Stellung beim Lichtenstein als Ladenmädchen, um zum Unterhalt beizutragen. Dort freundet sie sich mit der ausgebildeten Schneiderin Thea an. Neben Hedi, Ella und Thea ist auch Jacob Lichtenstein, der ältere Sohn des Warenhausgründers, Protagonist des Romans.

Ihre Hauptfiguren hat Marlene Averbeck geschickt ausgewählt, um verschiedene Aspekte des Lebens in Berlin im Zusammenhang mit einem Warenhaus nachzuzeichnen. Die Autorin zeigt am Beispiel des innovativ denkenden Jacob, dass Besitz und damit Vermögen allein nicht glücklich machen und Streitigkeiten in der Familie bedeutenden Einfluss auf die Führung des Unternehmens nehmen können. Thea kommt aus einfachen Verhältnissen, sie ist die älteste von drei Kindern. Ihre Ausbildung, zu der ich mir mehr Informationen gewünscht hätte, gibt ihr eine gute Basis für einen beruflichen Aufstieg. An der Seite Ellas konnte ich in die Welt des Schauspiels, der Musik und Kunst eintauchen.

Der Beginn des Kriegs 1914 verändert vieles, nicht nur für die handelnden Personen, sondern auch für das Unternehmen. Das Lichtenstein kämpft mit Umsatzeinbußen und schwindender männlicher Mitarbeiterzahlen. Doch das sind nicht die einzigen Schwierigkeiten bei der Führung des Warenhauses. Die ständigen Herausforderungen, denen die Protagonisten ausgesetzt sind, bilden eine gewisse beständige Hintergrundspannung im Roman. Der Wechsel der Personen zwischen den Kapiteln mit kleinen Cliffhangern ließen mich schnell weiterlesen, um den jeweiligen Handlungsstrang weiter verfolgen zu können.

Marlene Averbeck zeigt in ihrem Roman „Das Lichtenstein“ die wenig bekannte Seite Berlins als Modemetropole. Es wird deutlich, welchem Wandel Mode und ihre Herstellung unterworfen ist. „Kleider machen Leute“ gilt auch für die Berliner aller gesellschaftlichen Schichten, was für die „Modemacher“ heißt, dass sie die neuesten Trends aufgreifen und bestenfalls selbst setzen sollten. Dank guter Recherche wirkt die Darstellung der permanenten Neuerungen im Verkauf des Warenhauses realistisch und vorstellbar, die handelnden Personen agieren durchgehend natürlich im Umfeld der damaligen Zeit, ihre Entscheidungen und Meinungen passen sie meist den aktuellen Entwicklungen an. Gerne empfehle ich das Buch weiter und freue mich auf die Fortsetzung.

Bewertung vom 01.10.2020
Unter uns das Meer
Gaige, Amity

Unter uns das Meer


sehr gut

In ihrem Roman „Unter uns das Meer“ schreibt die US-Amerikanerin Amity Gaige über die beiden liebsten „Juliets“ des Michael Partlow: das ist zum einen seine Frau, zum anderen seine Segelyacht, die seine Ehe aus einer Krise im übertragenen Sinne hinaussegeln soll. Die Idee soll ihm seinen großen Lebenstraum erfüllen und gleichzeitig soll das Leben mit seiner Familie auf engem Raum und ringsum und unter sich nur das Meer eine Fokussierung auf das Wichtigste bewirken. Alle bisherigen Sorgen und Probleme im Alltag sollen zurückbleiben und den Kopf freimachen.

Der Roman beginnt mit einer Merkwürdigkeit, denn Juliet Partlow, Mutter der achtjährigen Sybil und des dreijährigen George, sitzt im Schrank ihres Ehemanns Michael. Juliet erzählt aus der Ich-Perspektive in Rückblicken, bis hin zu einem verstörenden Erlebnis als Jugendliche, das zu einem Bruch im Verhältnis zu ihrer Mutter führte. Doch nicht nur diese Begebenheit, sondern auch die Streitigkeiten in der Ehe ihrer Eltern lassen sie nicht auf die Liebe vertrauen Sie hat sich für ihre Familie entschieden und ihr Dissertationsvorhaben aufgegeben.

Die Rollen des Ehepaars haben sich über die Jahre hinweg eingespielt. Er arbeitet viel und lange, sie kümmert sich um Kinder und Haushalt. Längst hat sie bemerkt, dass sich keiner für ihre Ansichten zur Lyrik interessiert, wohl aber über einfache Dinge im Alltag. Ihr Selbstwertgefühl leidet darunter, der Tagesablauf wirkt immer gleich, langweilt, stresst. Juliet versucht Ansprüche zu erfüllen, die sie sich selbst setzt, um mit den Freunden und den Müttern der Kinder mithalten zu können.

Juliets Schilderung wird immer wieder unterbrochen von begeisterten Logbucheinträgen Michaels. Auf diese besondere Weise steuern die beiden Erzählstränge aufeinander zu. Michael bleibt auch noch nach Aufgabe seiner Arbeitsstelle optimistisch in Bezug auf die Zukunft. Trotz depressiver Phasen oder gerade deswegen ist Juliet fest entschlossen, sich der Unsicherheiten, die die Seereise mit sich bringt, auszusetzen. Die Entscheidung verändert vieles für beide. Dem Meer ist der soziale Status egal, hier brauchen Michael und Juliet ihre Fassade nach außen hin nicht aufrechtzuerhalten. Der enge Raum an Bord bildet bald für die Familie ihren eigenen kleinen Kosmos, überschaubar und doch mit so viel Gefahr verbunden, wie die Vier es zunächst nicht ahnen können.

Die Autorin überzeugt nicht nur mit der feinsinnigen Darstellung einer Liebesbeziehung, sondern auch mit der Beschreibung einer einzigartigen Umgebung, die mit der Reise verbunden ist. Was den Roman so ansprechend macht ist allerdings die Gemeinsamkeit zwischen Ehe und dem Segeln, denn hier wie dort sind Probleme und Krisen nicht vorhersehbar und bergen Risiken, die Leben verändern können.

Amity Gaige versteht es in ihrem Roman „Unter uns das Meer“ von Beginn an eine unterschwellige Spannung aufzubauen, indem sie den Leser bewusst im Ungewissen über den Ist-Zustand von Juliet und ihrer Familie lässt. Das Ende des Romans ist allerdings eher unspektakulär. Gerne empfehle ich diesen mehrschichtigen, komplex aufgebauten Roman weiter.

Bewertung vom 30.09.2020
Was uns verbindet
Gowda, Shilpi Somaya

Was uns verbindet


ausgezeichnet

Thema des Romans „Was uns verbindet“ von Shilpi Somaya Gowda, einer in Kalifornien lebenden Autorin mit indischen Wurzeln, sind verschiedene Formen der Trauerverarbeitung innerhalb einer Familie. Das Cover spielt einen glücklichen Tag am Meer vor. Doch als die Tochter der Olanders, jener Familie, die in der Erzählung im Fokus steht, an einem Maitag 2015 allein am Strand gesehen wird, wirkt sie verstört. Wie es dazu kam, erzählt die Geschichte und auch davon, was nach dem Vorfall geschieht.

Karina Olander ist fünf Jahre älter als ihr Bruder Prem. Beide Eltern sind berufstätig, so dass sie schon früh in die Verpflichtung genommen wird. Während einiger Stunden am Nachmittag kümmert sie sich um ihren Bruder, während die beiden allein zu Hause sind. Ihr Vater Keith ist Investmentbanker. Aufgrund einer Finanzkrise hat er zeitweise um seinen Job gebangt, so dass er sich nun unermüdlich seinen beruflichen Aufgaben widmet, um den Leistungsansprüchen gerecht zu werden. Die Eltern von Jaya, der Mutter, stammen aus Indien. Jayas Vater ist Diplomat, darum hat die Familie immer wieder in einem anderen Land gelebt, doch ihre Heirat mit Keith hat sie in Kalifornien heimisch werden lassen. Trotz einiger Höhen und Tiefen hinweg ist Harmonie in der Familie spürbar bis eines Tages im Jahr 2009 das Schicksal zuschlägt und alles verändert.

Jedes Familienmitglied versucht auf eine andere Art mit der Tragödie zurecht zu kommen. Die Kapitel sind immer mit einem Namen des Teils der Familie betitelt, der darin zur Hauptfigur avanciert. Shilpi Somaya Gowda schildert mit sehr viel Empathie wie das Unglück die Empfindungen der Betroffenen erreicht und das zu einem langsamen Auseinanderdriften der gewachsenen engen Verbindungen innerhalb der Familie führt.

Im Raum steht die Schuldfrage, wie sie auch in der Realität oft nach einem Unfall zu finden ist. Betroffen davon ist vor allem Karina, die sich mit ihren dreizehn Jahren gerade in einer pubertären Phase befindet, in der sie nach Anerkennung sucht und viele Dinge in ihrer Umgebung auf den Prüfstand stellt. Doch statt Vertrauen und Unterstützung zu finden, sind ihre Eltern jetzt selbst in einer schwierigen Lage und erkennen nicht, in welchen Dingen ihre Tochter ihre gefühlvolle Hilfe benötigt. Auch Jaya fühlt sich schuldig und entdeckt ihre spirituelle Seite. Das gegenseitige Unverständnis wächst, das Unausgesprochene steht immer mehr im Raum.

Aber dabei belässt die Autorin es nicht, sondern folgt ihren Figuren auf ganz eigenen Wegen und bietet dabei Einblicke in verschiedene Subkulturen. Es entbehrte letztlich nicht einer gewissen Spannung den Familienmitgliedern beim Aufbau neuer Beziehungen zu folgen. Bis zum Schluss ließ sie mich Bangen und Hoffen, ob es für die ganze Familie doch noch eine erfreuliche Zukunft geben wird.

Auf eigene einfühlsame Art verbindet Shilpi Somaya Gowda die Gefühlswelt der vier Familienmitglieder in ihrem Roman „Was uns verbindet“ und öffnet dem Leser dabei auch ein Tor jenseits der realen Welt. Sie zeigt auf, was Familie vereinen und woran der Zusammenhalt in der Familie scheitern kann, verbunden mit schönen, aber auch schmerzhaften Erfahrungen. Gerne empfehle ich die Geschichte weiter.

Bewertung vom 25.09.2020
Die Gespenster von Demmin
Keßler, Verena

Die Gespenster von Demmin


ausgezeichnet

Verena Keßler hat in ihrem ersten Roman „Die Gespenster von Demmin“ eine wenig bekannte historische Episode verarbeite. Denn in Demmin, dem Handlungsort der Geschichte, töteten sich in den ersten Maitagen des Jahres 1945 eine hohe dreistellige Anzahl Einwohner selbst, meist Frauen und ihre Kinder, aus Angst vor den Übergriffen der einmarschierten Rotarmisten.

Larissa Schramm, die sich lieber Larry rufen lässt, ist eine der beiden Protagonistinnen des Romans. Sie ist 15 Jahre alt und eine der etwa 11.000 heutigen Bewohner der Kleinstadt in Mecklenburg-Vorpommern. Die zweite Protagonistin, ihre Nachbarin Frau Dohlberg, steht kurz vor dem Umzug in ein Seniorenheim. Sie wohnt seit eh und je in Demmin und hat die Tragödie der letzten Kriegstage miterlebt. Obwohl beide sich viel zu sagen hätten, ergeben die Umstände es nicht, dass die beiden Hauptfiguren sich untereinander über ihr Leben und ihre Wünsche austauschen.

Verena Keßler schreibt ihren Roman in einem unterhaltsamen, leicht lesbaren Stil. Sie versteht es durch ihre Sätze, von denen jeder an genau der Stelle steht an der er benötigt wird, eine Fülle an Emotionen zu transportieren. Beide Handlungsstränge laufen parallel.

Obwohl Larrys Alltag unbeschwert erscheint, bemerkt man bald eine Last auf ihr, die sich im Laufe der Erzählung klärt und ihren Grund in einem schweren Verlust innerhalb ihrer Familie findet. Damit und mit der Geschichte des Orts hängen wahrscheinlich auch Larrys eigenwillige Hobbies zusammen. Bereits in Kindertagen bildete Larry mit ihrer Freundin ein Gespensterjägergespann. Jetzt widmet sie einen Teil ihrer Freizeit einem Training verschiedener Szenarien, in denen sie bis an den Rand ihrer Kräfte und des Erträglichen geht, um sich abzuhärten für ihren späteren Traumberuf als Kriegsreporterin. Dadurch bringt die Autorin eine gehörige Portion Spannung in ihren Roman ein, denn es kommt durch Larrys Übungen zu einigen heiklen Situationen. In einem weiteren Teil ihrer freien Zeit verdient sie sich ein Taschengeld durch die Pflege von Gräbern auf dem nahen Friedhof.

So wie Larry sich darauf vorbereitet, sich in Krisengebieten auf sich allein gestellt, mit wenig Habseligkeiten zurechtzukommen, so plant die Nachbarin von gegenüber ihren Aufenthalt im Heim, der streng geregelt ist mit nur wenigen persönlichen Gegenständen, die sie mitnehmen darf. Mit dem Aussortieren, Wegwerfen und Abgeben ihrer Habe, scheint jedes Mal ein Stück von ihr selbst zu verschwinden, während Larissa an ihrer selbstgesetzten Aufgabe zu wachsen scheint. Verena Keßler nutzt Frau Dohlberg als Figur, um die Schrecken der Vergangenheit ans Licht zu bringen und zu verdeutlichen, warum es zu einem Massenselbstmord in Demmin gekommen ist.

Verena Keßler setzt sich in ihrem Roman „Die Gespenster von Demmin“ mit dem Verlust geliebter Menschen auf einmalige Weise auseinander, indem sie geschickt Gegenwart und Vergangenheit verknüpft. Dennoch gibt sie durch einige amüsante Szenarien ihrer Schilderung immer wieder einen stellenweisen heiteren Unterton. Entsprechend einer typischen Coming-of-Age-Geschichte fehlt es auch nicht an ersten Liebesgefühlen und außerdem Eltern, die nicht der Vorstellung ihres Kindes entsprechen. Der Roman ist tiefgründig, bewegt und hallt nach. Gerne empfehle ich das Buch weiter.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 17.09.2020
Oktoberfest 1900 - Träume und Wagnis
Grill, Petra

Oktoberfest 1900 - Träume und Wagnis


ausgezeichnet

Der Roman „Oktoberfest 1900“ von Petra Grill basiert auf der Idee des Drehbuchs zum gleichnamigen ARD Mehrteiler, jedoch ist die Handlung in Teilen voneinander abweichend. Der Untertitel des Buchs „Träume und Wagnis“ deutet an, dass die beiden Protagonistinnen Colina und Clara ihre jeweils eigene Vorstellung einer lebenswerten Zukunft haben und dass die Umsetzung ihrer Wünsche damit verbunden ist, Risiken einzugehen.
Man schreibt das Jahr 1900. Die Berufsgruppe hat grundsätzlich kein festes Einkommen, die Entlohnung besteht in den Trinkgeldern der Wirtshausbesucher und für Dienste, die die Biermadl den Gästen nebenher anbieten. Die Frauen sind austauschbar, denn besondere Kenntnisse sind zur Ausübung des Berufs nicht nötig. Für Colina steht fest: sie möchte eine neue Chance in einem Job mit festem Einkommen. Mit List und Tücke schafft sie es, eine Stelle im Haus des fränkischen Bierbrauers Prank als Gouvernante seiner 19-jährigen Tochter Clara zu ergattern. Clara hat gerade das Mädchenpensionat in Nürnberg beendet. Es ist zu erwarten, dass ihr verwitweter Vater ihr in der nächsten Zeit geeignete Heiratskandidaten zuführen wird und so ihre Zukunft an der Seite eines gutsituierten Ehemanns voraussehbar ist. Doch das ist nicht im Sinne der eigenwilligen Clara.
Schon bald nach Beginn des Romans geschieht ein ungewöhnlicher Mordfall, denn im Vorfeld des anstehenden Oktoberfests wird der am Hals angenagte Kopf eines Brauereibesitzers und Schankwirts gefunden. Ein Täter ist schon bald gefunden, aber die Schuld ist zweifelhaft. Es ist interessant, die damalige Arbeitsweise der Polizei zu verfolgen, die in diesem Roman einiges zu tun erhält. Eine Beweisführung ohne Zeugen ist schwierig, mit Gewaltanwendung ist man schnell zur Hand.
Neben einer unterhaltsamen, teils amüsanten Handlung, thematisiert Petra Grill hier auch die Rechte der Frauen, die Colina gegenüber ihrem Wirtshauschef vertritt. Sie zeigt aber auch, welche Rechte ein Ehemann gegenüber seiner Frau hat und wie gering die Chancen einer Frau sind, sich aus einer gescheiterten Ehe zu lösen. Die Autorin verdeutlicht, dass junge Erwachsene länger als heute abhängig waren von der Entscheidung ihrer Eltern in Bezug auf eine Heirat und ebenfalls bei anderen existenziellen Erwägungen waren.
Im Laufe der Geschichte stellt sich immer mehr heraus, dass der Bierausschank zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu einem Politikum wurde. Was hier nur fiktiv dargestellt wird, basiert auf realen Begebenheiten, die dazu führten, dass ein Nürnberger Wirt der Betreiber einer großen Festhalle auf dem Oktoberfest in München wurde.
Petra Grill schafft in ihrem Roman „Oktoberfest 1900“ realistisch vorstellbare Figuren und Ereignisse. Ihre Figuren erleben Höhen und Tiefen, deren Handlungen sind nicht immer lobenswert, aber immer wieder überraschend. Für mich war es erstaunlich, welche Bedeutung und welchen Umfang das Oktoberfest zur damaligen Zeit hatte. Die Autorin konnte mir die Stimmung einer feierfreudigen Münchner Gesellschaft, die ihre Tradition mit allen Rechten und Gesetzen hochhält, sehr gut vermitteln. Gerne empfehle ich den Roman an alle Leser von historischen Romanen weiter.

Bewertung vom 15.09.2020
Das Mädchen, das ein Stück Welt rettete
Cameron, Sharon

Das Mädchen, das ein Stück Welt rettete


ausgezeichnet

„Das Mädchen, das ein Stück Welt rettete“ ist ein Roman für Jugendliche ab 13 Jahre, der unbedingt auch von Erwachsenen gelesen werden sollte. Autorin des Buchs ist die US-Amerikanerin Sharon Cameron, die die Geschehnisse auf Basis der realen Geschichte der Polin Stefania Podgorska schildert.

Stefania, von Freunden Fusia gerufen, ist auf dem Land groß geworden. Die in der nahe gelegenen Stadt Przemysl im Südosten Polens lebenden älteren Schwestern besorgen ihr auf ihren Wunsch hin eine Stellung vor Ort in einem Lebensmittelgeschäft als sie 13 Jahre alt ist. Der Laden wird von der jüdischen Familie Diamant betrieben. Sie selbst ist Katholikin und fühlt sich im Kreis der Familie sehr gut aufgehoben. Im Laufe der Jahre verliebt sie sich in einen der Söhne der Diamants. Doch dann bricht im September 1939 der Zweite Weltkrieg aus, in Przemysl wird ein Ghetto für Juden errichtet, in das die Familie Diamant umziehen muss. Unter Androhung von Strafe ist es strengstens verboten den Juden zu helfen. Doch Stefania schafft es mit Hilfe ihrer zehn Jahre jüngeren Schwester, die inzwischen bei ihr lebt, für 13 von ihnen im übertragenen Sinne, ein Stück Welt zu retten.

Ich war tief beeindruckt über die uneigennützigen Handlungen von Stefania, deren Tun allein auf Menschlichkeit beruht. Im Nachwort der Autorin beschreibt sie auf wenigen Seiten die tatsächlichen Ereignisse, untermalt von einigen Fotos auf denen Stefania, ihre Schwester und andere Akteure zu sehen sind. Obwohl ich vorher bereits im Internet nach einem kurzen Aufriss von Stefanias Leben nachgeschaut hatte, war ich dennoch von der Geschichte überrascht, denn Fusia agierte immer beherzt. Glücklicherweise war mir auch in den spannendsten Situationen bewusst, dass sie alles überlebt hat,

Die Autorin lässt Fusia im Buch selbst erzählen. Trotz ihrer Angst, stellte sie sich jeder Herausforderung und von denen gab es letztlich genug. Immer wenn ich dachte, dass vielleicht ein wenig mehr Ruhe in Stefanias Umgebung einkehren und endlich die Gefahr der Entdeckung abnehmen würde, geschah wieder etwas völlig Unerwartetes. Dabei darf man nie vergessen, dass es sich tatsächlich mehr oder weniger so ereignet hat. In einem Internetvideo mit einem Interview mit Stefania konnte ich mich überzeugen, dass der Autorin die Darstellung des Charakters im Roman treffend gelungen ist.

Man spürt, dass Sharon Cameron selbst von der Geschichte berührt ist. Dank ihrer sehr guten Recherche lässt sie ein lebendiges Bild der damaligen Geschehnisse entstehen. Neben der Courage, die Stefania immer wieder zeigt, ist die Verzweiflung der Juden aus ihren Worten und Taten deutlich zu spüren.

„Das Mädchen, das ein Stück Welt rettete“ von Sharon Cameron ist ein Roman gegen das Vergessen über ein Mädchen, das sich heldenhaft im Sinne der Nächstenliebe im Zweiten Weltkrieg eingesetzt hat und den Ehrentitel der „Gerechten unter den Völkern“ verliehen bekommen hat. Daher empfehle ich das Buch sehr gerne weiter.

Bewertung vom 08.09.2020
Jahresringe
Wagner, Andreas

Jahresringe


sehr gut

Der Debütroman von Andreas Wagner heißt „Jahresringe“ und Jahresringe sind es auch die Leonore ihrem etwa elfjährigen Sohn Paul zeigt an einem Nachmittag Mitte der 1970er Jahre im Bürgewald von Lich-Steinstrass, zwei kleiner Ortschaften in der Nähe von Jülich. Die beiden zählen zu den Protagonisten der Geschichte. Paul bewundert das Alter der Bäume von denen er nicht ahnen kann, dass sie schon wenige Jahre später dem Braunkohletagebau im Abbaugebiet Hambach weichen müssen. Der Bürgewald ist bei den Doppelortbewohnern auch bekannt für seine vielen Maiglöckchen von denen eines das Cover des Buchs dekorativ ziert.

Der Roman setzt sich aus drei Teilen zusammen. Der erste spielt in den Jahren 1946 bis 1964 und schildert die Ankunft der 13-jährigen Ostpreußin Leonore in Lich-Steinstrass und ihr Leben von der Zeit als Verkäuferin in einer Moppenbäckerei an bis zur Geburt ihres Sohns Paus. Im zweiten Teil, der von 1976 bis 1986 spielt, steht Paul und seine Freundschaften im Vordergrund. Der letzte Teil nimmt dann Pauls Kinder Jan und Sarah in den Jahren 2017 und 2018 in den Fokus, die sich im Hambacher Forst mit gegensätzlichen Meinungen zur Abholzung gegenüberstehen.

Andreas Wagner schenkt mit „Jahresringe“ dem Leser einen Roman mit vielen Fakten und Geschichten rund um das alte und neue Doppeldorf Lich-Steinstrass. Dabei greift er regionale Besonderheiten auf wie beispielsweise das Backen von Moppen, einem Lebkuchenplätzchen, dass über die Gegend hinaus aufgrund ihres leckeren Geschmacks bekannt war und auf vielen Jahrmärkten der Umgebung angeboten wurde. Auch andernorts und in Holland war das Gebäck bekannt, doch mit einer anderen Rezeptur. Er nimmt den Leser mit in den Bürgewald, der früher den Anwohnern auf mehrfache Weise genutzt wurde und dadurch eine Nahrungsgrundlage bot. Im Laufe der Jahre zeigt der Autor, wie sich seine Bedeutung geändert hat.

Auch die Menschen des Orts haben sich über die geschilderten Zeiten hinweg geändert, doch einiges ändert sich nicht. Dem Flüchtlingsmädchen Leonore wird ähnlich wie den Flüchtlingen heute Misstrauen entgegengebracht. Hier wirft sich die Frage auf, was Heimat und damit verbunden Familie ist und dem Einzelnen bedeutet. In Lich-Steinstrass wird die Frage Ende der 1970er Frage existenziell als es darum geht, den Doppelort umzusiedeln. Der finanzielle Aspekt der Abfindung, die überaus fair gehandhabt wurde, wie mir, die 1983 vor Ort und im Tagebau war, in Erinnerung ist, tritt dahinter zurück. Einige Bürger verschuldeten sich dennoch, weil sie über die Abfindung hinaus prächtige Neubauten anstrebten, um sich damit von ihren Nachbarn abzuheben.

Beim Thema Hambacher Forst stellt Andreas Wagner Schwester und Bruder mit verschiedenen Meinungen gegenüber und verdeutlicht so, wie schwierig es in der Region ist, über den Braunkohletagebau zu urteilen. Fließende, milde Übergänge zwischen Fiktion und Realität gelingen dem Autor leider nicht immer. Manches wirkt konstruiert, Handlungen waren mir manchmal nicht realistisch genug begründet und daher für mich wenig nachvollziehbar. Dennoch habe ich mich gefreut mit dem Roman „Jahresringe“ eine Geschichte zu lesen, die unweit meiner Heimat spielt und vom Thema des Tagebaus der Braunkohle längst bei uns in Erkelenz zum Alltag gehört. Das Buch transportiert auf diese Weise eine wichtige Angelegenheit an die Öffentlichkeit und sollte daher gelesen werden.