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Tag für Tag, über ein Jahr hinweg, erzählt Gesine Cresspahl ihrer zehnjährigen Tochter Marie aus der eigenen Familiengeschichte, vom Leben in Mecklenburg in der Weimarer Republik, während der Herrschaft der Nazis, in der sich anschließenden sowjetischen Besatzungszone und den ersten Jahren in der DDR. Zugleich schildert der Roman das alltägliche Leben von Mutter und Tochter in der Metropole New York im Epochejahr 1967/1968, inmitten von Vietnamkriegs- und Studentenprotesten. In den "Jahrestagen" entfaltet Uwe Johnson ein einzigartiges Panorama deutscher Geschichte im 20. Jahrhundert - eine…mehr

Produktbeschreibung
Tag für Tag, über ein Jahr hinweg, erzählt Gesine Cresspahl ihrer zehnjährigen Tochter Marie aus der eigenen Familiengeschichte, vom Leben in Mecklenburg in der Weimarer Republik, während der Herrschaft der Nazis, in der sich anschließenden sowjetischen Besatzungszone und den ersten Jahren in der DDR. Zugleich schildert der Roman das alltägliche Leben von Mutter und Tochter in der Metropole New York im Epochejahr 1967/1968, inmitten von Vietnamkriegs- und Studentenprotesten.
In den "Jahrestagen" entfaltet Uwe Johnson ein einzigartiges Panorama deutscher Geschichte im 20. Jahrhundert - eine "Lese-Weltreise" (Reinhard Baumgart) in die bewegte New Yorker Gegenwart des Jahres 1968 und zugleich in die Geschichte einer deutschen Familie seit der Weimarer Republik.
Ein Register zu Uwe Johnsons Roman "Jahrestage" ist unter dem Titel "Kleines Adressbuch für Jerichow und New York" separat erhältlich.
  • Produktdetails
  • Suhrkamp Taschenbücher Nr.4455
  • Verlag: Suhrkamp
  • 3. Aufl.
  • Seitenzahl: 2150
  • Erscheinungstermin: August 2013
  • Deutsch
  • Abmessung: 221mm x 137mm x 129mm
  • Gewicht: 2078g
  • ISBN-13: 9783518464557
  • ISBN-10: 3518464558
  • Artikelnr.: 36838892
Autorenporträt
Johnson, Uwe
Uwe Johnson wurde am 20. Juli 1934 in Kammin (Pommern), dem heutigen Kamien Pomorski, geboren und starb am 22. oder 23. Februar 1984 in Sheerness-on-Sea. 1945 floh er mit seiner Mutter und seiner Schwester zunächst nach Recknitz, dann nach Güstrow in Mecklenburg. Sein Vater wurde von der Roten Armee interniert und 1948 für tot erklärt. 1953 schrieb er sich an der Universität Leipzig als Germanistikstudent ein und legte sein Diplom über Ernst Barlachs Der gestohlene Mond ab. Bereits während des Studiums begann er mit der Niederschrift des Romans Ingrid Babendererde. Reifeprüfung 1953. Er bot ihn 1956 verschiedenen Verlagen der DDR an, die eine Publikation ablehnten. 1957 lehnte auch Peter Suhrkamp die Veröffentlichung ab. Der Roman wurde erst nach dem Tode von Uwe Johnson veröffentlicht. Der erste veröffentlichte Roman von Uwe Johnson ist Mutmassungen über Jakob. Von 1966 - 1968 lebte Uwe Johnson in New York. Das erste Jahr dort arbeitete er als Schulbuch-Lektor, das zweite wurde durch ein Stipendium finanziert. Am 29. Januar 1968 schrieb er in New York die ersten Zeilen der Jahrestage. Aus dem Leben von Gesine Cresspahl nieder. Deren erste 'Lieferung' erschien 1970. Die Teile zwei und drei schlossen sich 1971 und 1973 an. 1974 zog Uwe Johnson nach Sheerness-on Sea in der englischen Grafschaft Kent an der Themsemündung. Dort begann er unter einer Schreibblockade zu leiden, weshalb der letzte Teil der Jahrestage erst 1983 erscheinen konnte. 1979 war Uwe Johnson Gastdozent für Poetik an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt. Ein Jahr später erschienen seine Vorlesungen unter dem Titel Begleitumstände. Sein Nachlass befindet sich im Uwe Johnson-Archiv an der Universität Rostock.
Rezensionen
Besprechung von 06.11.2018
Gesines Geist
Amerika entdeckt Uwe Johnsons "Jahrestage"

NEW YORK, im November

Gute Bücher haben immer ihre Zeit. So sollte es jedenfalls sein. Der Markt für sie aber ist weniger unbestimmt. Da ist die Zeit für ein gutes Buch möglicherweise schnell vorbei. Oder noch gar nicht angebrochen. Und so ist es nicht ganz müßig zu fragen, warum Uwe Johnsons "Jahrestage" erstmals jetzt vollständig ins Englische übersetzt wurden, 48 Jahre nach Erscheinen des ersten Bandes, 35 nach Erscheinen des letzten und fünfzig Jahre nach der Zeit, in der dieser Roman spielt (zwischen dem 21. August 1967 und dem 20. August 1968). Was hat es damit auf sich?

Die Amerikaner haben, was Bücher angeht, immer schon einen immensen Exportüberschuss zu verzeichnen, während die Deutschen auf diesem Gebiet eher im unteren Mittelbereich liegen. Aus der aktuellen belletristischen Produktion wird sehr wenig für den englischsprachigen Markt übersetzt. Aus Gründen, die nicht immer durchschaubar sind, entdecken die Amerikaner dann aber plötzlich einen deutschsprachigen Klassiker für sich und sind selbst erstaunt, warum es so lange gedauert hat. Vor einigen Jahren war das Stefan Zweig. Davor Joseph Roth. Davor W. G. Sebald. Jetzt ist es Uwe Johnson.

Seine späte Würdigung durch die Amerikaner ist besonders rätselhaft, spielen doch seine "Jahrestage" in New York. Die "New York Times" hat eine der Hauptrollen. Vermutlich war einiges, wenn nicht vieles - die Schlagzeilen aus der "Times" sicher, die Dialoge wahrscheinlich - ursprünglich Englisch und wurde von Johnson ins Deutsche gebracht. Es nützte offenbar nichts, obwohl sich das Ganze deutlich kurzweiliger liest, als die Länge von mehr als zweitausend deutschen Seiten, die im Englischen auf 1720 schrumpften, vermuten lässt. Es gab Versuche, in den siebziger Jahren, in einer längst vergriffenen Ausgabe. Übersetzer und Verlag gaben damals auf, als Uwe Johnsons Schreibblockade das Erscheinen des letzten Bandes um mehr als ein Jahrzehnt verzögerte. Umso heroischer das Engagement des Verlags der "New York Review of Books" und aller Beteiligten für den neuen Anlauf und die vollständige Fassung. Immerhin neunhundert Seiten, so der Übersetzer Damion Searls, waren bisher nicht übersetzt, der Rest wurde gründlich überarbeitet.

Bei der Buchvorstellung im New Yorker Goethe-Institut wurde die Frage "warum jetzt?" weder gestellt noch beantwortet. Wahrscheinlich gibt es auch keine Antwort außer dieser: Der Verlag hat es eben jetzt gewagt. Damion Searls hat, neben vielen anderen Dingen, die er tat, eben jetzt die Übersetzung des Riesenwerks abgeschlossen, das am Abend in zwei broschierten Bänden im Schuber für dreißig Dollar verkauft wurde. Ein Schnäppchen. Dazu gibt es bis zum Ende des Monats ein Filmprogramm, unter anderem mit Margarethe von Trottas Verfilmung, eine Zeitung, eine Installation, eine Playlist mit Songs der Zeit, eine interaktive Wanderung durch das New York der Gesine Cresspahl, der Hauptfigur, alles produziert, arrangiert, organisiert vom Goethe-Institut. Großer Bahnhof also, aber doch - wer wird das Buch lesen, das hier "Anniversaries" heißt und von einem Autor stammt, den selbst in New York niemand kennt?

Die etwa sechzig Menschen, die ins Goethe-Institut gekommen waren, um den Übersetzer im Gespräch mit der Schriftstellerin Renata Adler und der Literaturwissenschaftlerin Liesl Schillinger zu hören, kauften zurückhaltend, aßen und tranken aber gern, was danach geboten wurde. Auch dafür wird das Goethe-Institut in New York geschätzt: Es gibt immer freie Drinks.

Dass niemand nach Sinn und Zweck, dem öffentlichen Interesse und dem Zeitbezug fragte, sondern sich alle damit zufriedengaben, über ein Buch informiert zu werden, das in seiner Anlage einmalig und seiner Zeit voraus war, das von Deutschland, und zwar von beiden Teilen, ebenso handelt wie von New York in jener Zeit und von seiner stolzesten Zeitung und den Nachrichten dort, immer wieder aus dem Vietnam-Krieg - es spricht nichts dagegen, das für ein Zeichen der Reinheit des literarischen Interesses zu nehmen. "Auf Augenhöhe" mit Tolstoi nannte Searls das Kapitel, das während der Heuernte in Mecklenburg-Vorpommern spielt.

Und dann gab er den Zuhörern doch noch einen Hinweis darauf, was dieses Buch so wertvoll für einen Zeitgenossen macht - dass Gesine Cresspahl eine alleinerziehende Frau ist, eine Immigrantin, berufstätig und ständig aktuell über die Zeitläufte informiert und nachdenkend: Das ist eine großartige Frauenfigur, ein Vorbild, so Searls, umso mehr, als sie von einem Mann erfunden wurde. Das alte New York ersteht dadurch nicht wieder. Aber der Geist der Gesine Cresspahl ist angekommen.

VERENA LUEKEN

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"Liest man heute, mit einigem Abstand, die ersten Seiten erneut, wird man sofort wieder gefangen genommen von der eigenwilligen Sprache, Johnsons Genauigkeit und Detailversessenheit, seinem Spiel mit der Erzählperspektive, man spürt seinen feinen, ironischen Humor. Es sind geniale Kunstgriffe, mit denen er Erinnerung heraufbeschwört."
Mark-Christian von Busse, Hessische/ Niedersächsische Allgemeine 25.08.2017