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Sir Winston Leonard Spencer Churchill ein Jahrhundertpolitiker. Und eine Marke, die der Meister der Selbstinszenierung gekonnt in Szene setzte. Die Utensilien: Zigarre, Gehrock, die Kollektion seiner Hüte und Zylinder, der rote Morgenmantel. Sein Zeichen: das V-Siegesfingerzeichen.

Produktbeschreibung
Sir Winston Leonard Spencer Churchill ein Jahrhundertpolitiker. Und eine Marke, die der Meister der Selbstinszenierung gekonnt in Szene setzte. Die Utensilien: Zigarre, Gehrock, die Kollektion seiner Hüte und Zylinder, der rote Morgenmantel. Sein Zeichen: das V-Siegesfingerzeichen.
Autorenporträt
Thomas Kielinger wurde 1940 in Danzig geboren, arbeitete und ging dann zur Tageszeitung "Die Welt", für die er von 1977-1985 als Auslandkorrespondent in den USA arbeitete. Nach seiner Rückkehr wurde er Chefredakteur des "Rheinischen Merkur" und machte sich 1995 als Autor und Berater für politische Stiftungen selbständig. Für die "Die Welt" ist er wieder seit 1998 tätig, diesmal als Korrespondent in London. Mehrere Bücher zeugen von seinem lebenslangen Interesse an anglo-deutschen Themen. Nach "Die Kreuzung und der Kreisverkehr - Deutsche und Briten im Zentrum der europäischen Geschichte", erschien 2009 sein Länderporträt "Großbritannien", in der C. H. Beck-Reihe "Die Deutschen und ihre Nachbarn". Im September 2014 kam sein jüngstes Werk heraus, eine Biographie Winston Churchills. Er ist regelmäßiger Mitarbeiter der BBC und anderer britischer und deutscher Medien. Kielinger erhielt verschiedene journalistische Auszeichnungen, darunter den Theodor-Wolff-Preis, und wurde für sein Engagement in den deutsch-britischen Beziehungen zweimal geehrt. Er ist verheiratet und hat vier Kinder.
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Churchill-Jubiläumszeit, meint Rainer Blasius und ehrt den "Riesenstaatsmann" seinerseits mit einer ellenlangen Würdigung seines Lebenswerks, ohne allerdings allzu aufschlussreich für den Leser auf Thomas Kielingers Lebenswerk einzugehen. Kielinger hat eine Churchill-Biografie für deutsche Leser verfasst. Die 28 Kapitel, die Blasius gelesen hat, gefallen dem Rezensenten als "einfühlsam". Darüber hinaus erfahren wir vom Rezensenten, dass Churchills Leben in der Tat wechselvoll gewesen sein muss, dass der Autor aus Churchills Büchern und Reden und anderen Biografien schöpft und sein Buch mit jeder Menge einprägsamer Zitate schmückt, allerdings ohne Churchill wirklich auf den Punkt bringen zu können, was wohl heißt: Dieser Mann ist viele.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 14.10.2014

Esel zwischen Büffel und Bär
Hinter Churchills große Bühne blickt Thomas Kielinger und findet die "Animal Farm"

Britische Fans wissen, dass 2015 Churchill-Jubiläen bevorstehen: Zum 50. Mal jährt sich der Todestag (24. Januar), zum 60. Mal der Rücktritt als Premierminister (5. April), zum 70. Mal die Abwahl während der Potsdamer Konferenz (26. Juli), zum 75. Mal die erste Ernennung zum Premierminister (10. Mai), zum 100. Mal der Rückzug als Erster Lord der Admiralität wegen des Dardanellen-Desasters (18. Mai). Seit 1911 leitete der Riesenstaatsmann wichtigste Ressorts - nur nicht das Foreign Office. Jedoch konnte er in der Downing Street von 1940 bis 1945 und von 1951 bis 1955 außenpolitische Linien vorgeben. Jetzt will Thomas Kielinger deutschen Lesern "die singuläre Gestalt Winston Churchills vertrauter" machen.

In 28 Kapiteln erzählt er einfühlsam die wechselvolle Lebensgeschichte und schöpft aus Churchills Bücher- und Redenflut, zahlreichen Quellenpublikationen und Dutzenden von Biographien. Prägnante Zitate vergegenwärtigen den "unverbesserlichen Egozentriker", der als Heranwachsender die große Aufgabe suchte, um in die Fußstapfen seines berühmten Vorfahren, des Herzogs von Marlborough, treten zu können. "Soldat, Autor, Politiker" heißt ein Kapitel, das den jungen Winston als frühen Meister der Selbstinszenierung zeigt, der es verstand, eigene Erlebnisse zu überhöhen und exzellent zu vermarkten. Dies steigerte sich im Laufe der Jahrzehnte: "Es war mehr als nur ein Quäntchen von einem Schauspieler an ihm, bestimmte Utensilien gehörten zur Marke Churchill, seit langem sorgfältig von ihm gepflegt - die Zigarre, der Gehstock, die Kollektion seiner Hüte und Zylinder, der rote Morgenmantel" und das V-Siegesfingerzeichen.

Aufschlussreich sind die Erkenntnisse über Churchill als Maler, auch über den Lehrmeister Sir John Lavery und dessen Frau Hazel. Sie riet dem Anfänger zum "breiten Pinsel". Später beschrieb er in einem Essay seinen Kampf gegen Depressionen durch das Malen und seine Scheu vor der leeren Leinwand: "Das Malen eines Bildes ist, wie wenn man in eine Schlacht geht." Viel Zeit für Bilder, Bücher und Zeitungsartikel bekam er in den Jahren 1929 bis 1939, die er ohne Amt und ohne nennenswerte Anhänger verbringen musste. Eine "eindeutige Linie" konnte der Biograph den Veröffentlichungen nicht entnehmen: "Tiefe Überzeugungen stehen neben Vorurteilen, Ambitionen neben Großmut, spielerischer Übermut neben situationsgerechtem Ernst." Nicht immer lag er richtig. Beispielsweise pries er 1933 den italienischen Diktator Mussolini als "den größten Gesetzgeber unter den Menschen" und als "römisches Genie". Hellsichtig war er bei Hitler. Sieben Wochen nach dessen Machtübernahme zeigte sich Churchill im Unterhaus beunruhigt über den "tumultuarischen Ausbruch von Wildheit und kriegerischem Geist" und die "Verfolgung einer großen Zahl von Menschen allein aufgrund ihrer Rasse".

Der Politik des Appeasement gewann Churchill zunächst positive Seiten ab; aus einer Position der Stärke heraus erschien sie ihm als "großherzig und nobel", ja als der "sicherste und vielleicht einzige Pfad zum Weltfrieden". Neville Chamberlain agierte jedoch im Spätsommer 1938 bei der Krise um die Tschechoslowakei und beim Münchner Abkommen aus einer Position der Schwäche heraus, was Churchill sogleich als "fatal" anprangerte, weil ein "starker Gegner" auf diese Weise nur süchtig werde nach neuen Forderungen.

Churchills Rückkehr in die große Politik ermöglichte letztlich Hitler. Nach dem deutschen Angriff auf Polen im September 1939 holte Chamberlain den fast 65jährigen ins Kabinett - als Ersten Lord der Admiralität, eine Position, die er 1914 bekleidet hatte. Churchill rief sofort einen Kampf aus, "um die ganze Welt vor der Pestilenz der Nazi-Tyrannei zu bewahren" und die Rechte des Individuums zu retten. Im Mai 1940 stand der Krieger für die Freiheit an der Spitze der Regierung, konnte "maßgebende Weisungen" erteilen und organisierte die gesamte Verteidigung. Dass der "Unruhegeist" zehn Ideen pro Tag, aber nur eine gute hatte, belegen die Tagebücher des Generalstabschefs Alan Brooke: "Das Wunderbare ist, dass drei Viertel der Menschheit Churchill für einen großen Strategen hält, einen zweiten Marlborough, während das andere Viertel keine Ahnung hat, was für eine öffentliche Bedrohung er ist und während des ganzen Kriegsverlaufs war. Gut, dass die Welt davon nie erfährt und nie die tönernen Füße bei diesem übermenschlichen Wesen vermutet. Ohne Churchill wäre England mit Sicherheit verloren gewesen, mit ihm stand England ein um das andere Mal am Rand des Desasters."

Alsbald gewann der neue Premier die Vereinigten Staaten als "inoffiziellen Verbündeten auf hoher See". Schwer tat er sich mit der Sowjetunion, wenn auch nach Beginn des "Unternehmens Barbarossa" die "pro-russischen Gefühle" dominierten: "Das britische Informationsministerium nährte die freundliche Einstellung zu Moskau kräftig, zum Beispiel durch eine Propagandabroschüre, wie die ideologische Furcht vor den Sowjets zu überwinden sei - etwa mit dem Argument, Behauptungen über den Roten Terror, die Stalin'schen Säuberungen der dreißiger Jahre, seien nichts weiter als Nazi-Erfindungen . . . Solche gezielte Desinformation empörte niemanden mehr als einen Schriftsteller wie George Orwell." 1943/44, als sich Stalin der größten Beliebtheit auf der Insel erfreute, schrieb Orwell die anti-kommunistische Parabel "Animal Farm", für die sich kein Verleger fand; erst nach dem Weltkriegsende durfte der "prophetische Text" erscheinen.

Die Zusammenarbeit in der Anti-Hitler-Koalition, die sich bis Ende 1941 zusammenfand, gestaltete sich schwierig. Der amerikanische Präsident Roosevelt und der britische Premier Churchill wetteiferten beispielsweise während der Konferenz von Teheran Ende 1943 darum, "wer den roten Zaren am besten zu nehmen verstand". Beide westliche Staatslenker ließen sich vom Kreml-Chef einlullen. Damals wurde Churchill - wie er gegenüber Violet Bonham Carter bekannte - bewusst, was für ein kleines Land er vertrat: "Auf der einen Seite der große russische Bär mit seinen ausgestreckten Tatzen", "auf der anderen der großartige amerikanische Büffel", dazwischen "der arme kleine englische Esel", der allein "den richtigen Weg nach Hause kennt". Bei der Vorherrschaft Washingtons und Moskaus flüchtete sich London in die schmeichelhafte Vorstellung, als Einzige "den Weg nach vorn zu wissen. Auf dem Zenit seiner Laufbahn, im Glanze seiner Anerkennung als global agierende Figur, begann der Abstieg des Winston Spencer Churchill", urteilt der Biograph treffend.

Bei der Konferenz von Jalta Anfang 1945 verlor Churchill den Kampf um Polen. "Jalta" war sein "München", schreibt Kielinger: "Die Argumente, mit denen er seine Position verteidigt, klingen beklemmend nach Chamberlains Worten zur Rechtfertigung des Münchner Abkommens. Harold Nicolson notiert sich am 27. Februar in seinem Tagebuch: ,Winston ist so amüsiert wie ich, dass die Kriegstreiber von einst jetzt die Appeaser geworden sind und die Appeaser von damals heute die Kriegstreiber'." Untröstlich war er über den "Verlust Polens und anderer Länder des östlichen Europas, zu deren Befreiung England in den Krieg gezogen war und die auf Jahrzehnte hinaus einer neuen Unterdrückung anheimfielen. Dieser Verlust erschien ihm wie der Verrat an einem einmal gegebenen Versprechen. Um dieses Resultat rückgängig zu machen, erwog er im Mai 1945 sogar einen Krieg gegen die Sowjetunion, den verflossenen Bündnispartner, in einem Plan mit dem bezeichnenden Namen ,Operation Unthinkable'." Ähnlich realitätsfern war in der zweiten Regierungszeit dann 1953 sein Versuch, mit Stalins Nachfolgern ins Gespräch zu kommen, um den "Eisernen Vorhang" zu beseitigen. Dem großen Krieger blieb es versagt, ein großer Friedensstifter zu werden. Immerhin wurde er 1953 mit einem Nobelpreis geehrt, wenn auch zu seinem Leidwesen "nur" mit dem für Literatur.

RAINER BLASIUS

Thomas Kielinger: Winston Churchill. Der späte Held. Eine Biographie. Verlag C. H. Beck, München 2014. 400 S., 24,95 [Euro].

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